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12. November 2025

Am geschichtsträchtigen 4. November fand die dritte Tagesspiegel-Konferenz „Der Osten“ statt. Zum Line-up gehörten unter anderem die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser sowie Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Sachsen-Anhalts frisch gewählter CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze. In verschiedenen Panels ging es etwa um den Chemie- und Pharmastandort Ostdeutschland, das vereinte Europa, den Osten als Marke, ostdeutsche Identität, resiliente Kleinstädte und Hidden Champions. Ich habe zum Beispiel mitgenommen, dass in Thüringen – wie in Sachsen und Sachsen-Anhalt – jeder dritte Beschäftigte Niedriglohnempfänger ist. Dass Oststolz auch mit Osttrotz einhergehen kann und dieser schon Westtrotz nach sich gezogen hat. Dass 60 Prozent im Westen und 58 Prozent im Osten mit ihrer Lebenssituation zufrieden sind, aber 25 Prozent im Westen und 75 Prozent im Osten die Ostdeutschen benachteiligt sehen. Dass Repräsentanz nur 16 Prozent der Westdeutschen, aber 74 Prozent der Ostdeutschen wichtig ist. Dass man aus den Fehlern der Dauertransformation in Ostdeutschland lernen sollte: vor allem, dass man nichts versprechen darf, was man nicht halten kann. Dass in der ostdeutschen Chemie „die Hütte brennt“. Und manches mehr.

Am 9. November jährte sich der Mauerfall zum 36. Mal. Vielen Ostdeutschen bedeutet dieses Datum mehr als der 3. Oktober, der immer mehr zu einem Nationalfeiertag wird, wie ihn der Westen mit dem angeeigneten 17. Juni hatte – einfach ein Tag frei, warum auch immer. Vielleicht wäre das auch gut so, wenn man denn mal einen Haken an die Wiedervereinigung machen könnte. Soweit ist es aber leider noch nicht. In vielen Bereichen geht die Ost-West-Schere sogar wieder auseinander. Wir alle zusammen sollten daran arbeiten, sie zu schließen.

Ihr Robert Nehring
Chefredakteur ostdeutschland.info

+++ Ost and found +++

Was war in den letzten Wochen über Ostdeutschland zu lesen? Unsere Auswahl: +++ Manuela Schwesig kritisiert Vernachlässigung der arbeitenden Bevölkerung im Osten +++ BSW: Sahra Wagenknecht gibt Bundesvorsitz ab und verschwindet aus dem Parteinamen +++ Brandenburg: Vier Abgeordnete treten aus BSW aus – Auswirkungen Mehrheitsverhältnisse im Landtag unklar +++ Kommentar: Demokratie im Osten stärker als gedacht +++ Wirtschaft: Den einen Osten gibt es nicht +++ Rückblick auf Raubtierkapitalismus: „Nicht einmal nach Kriegsende war das so krass, wie das in der DDR 1990 war.“ +++ Industriestrompreis: Ostdeutschland wird zum Prüfstein +++ Könitzer Porzellanwerk ist insolvent (+) +++ Dresdner Bahn steht in Berlin vor dem Start (+) +++ Sachsen-Anhalt: 43 Millionen Tonnen Lithium entdeckt +++ Aufregung in Mecklenburg-Vorpommern: Aber schon die DDR hat Erdöl in der Ostsee gefördert +++ Ostdeutsche finden den Begriff „neue Bundesländer“ nicht mehr zeitgemäß +++ Eisenhüttenstadt kämpft gegen den Einwohnerschwund +++ Künstler, Politiker und Publikum kämpfen um Theater Ost in Berlin (+) +++ Alternativprogramm: Halle organisierte Wir-Festival +++ Schwaben leben drei Jahre länger als Sachsen-Anhalter +++ Thilo Mischke im Hotel Matze +++ Weitere Fundstücke finden Sie jederzeit auf unserem Linkedin- und unserem Bluesky-Kanal +++

Aufholbedarf trotz Annäherung: Interview mit der Ostbeauftragten

Elisabeth Kaiser (SPD) ist Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland beim Bundesminister der Finanzen. Abbildung: ostdeutschland.info
Nach kurzer Babypause hat die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser (SPD) längst ihre Arbeit aufgenommen. Wird sie in ihrem Amt eher den Finger in die Wunde legen oder lieber das Erreichte betonen? Im Wirtschaft+Markt-Interview zeigt die Staatsministerin, dass sie beides kann. Wir trafen sie im Bundesfinanzministerium.

Ein Preis für den Mut zur Freiheit

Joachim Gauck.
Am 4. November 2025 hat die Deutsche Gesellschaft e.V. ihren Preis für Verdienste um die deutsche und europäische Verständigung an den ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck verliehen. Wir veröffentlichen die Würdigung durch Dr. Sabine Bergmann-Pohl.

Christin Bohmann: Ostdeutsche Erfahrungen. Ressource in unsicheren Zeiten

Christin Bohmann Chefredakteurin Mitteldeutscher Rundfunk (MDR). Abbildung: MDR/KIRSTEN NIJHOF
„Einseitige Darstellung untergräbt Vertrauen und verstärkt Entfremdung“, sagt Christin Bohmann, Chefredakteurin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). Sie ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland und setzt sich für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung ein. Mit diesem Beitrag ist sie auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten, der bei uns nun auch vollständig online erschienen ist.

„Die Hütte brennt!“ Ohne Chemie und Pharma steht Ostdeutschlands Zukunft auf dem Spiel

Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin des VCI Nordost, betont die Bedeutung der Chemie- und Pharmaindustrie für Ostdeutschland.
Die Chemiebranche ist unverzichtbar für die Energiewende und insbesondere in Ostdeutschland von zentraler Bedeutung. Deshalb herrscht hier nun dringender Handlungsbedarf. Das machte Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin des VCI Nordost, am 4. November auf der Konferenz Der Osten deutlich.

„Ostdeutschland hat unterschätztes Bildungspotenzial.“ Interview mit Thomy Roecklin von Distart

Mit seinem Unternehmen Distart, einem Bildungsinstitut für digitales Marketing und KI, setzt Thomy Roecklin auf Leipzig als Standort – und auf die Chancen, die Ostdeutschland bietet. Abbildung: Distart
Trotz moderner Hochschulen, gut ausgebildeter Absolventen und hoher Lebensqualität steht Ostdeutschland als Bildungsstandort selten im Fokus. Warum das ein Fehler ist und wie neue Bildungsinitiativen gegensteuern können, erklärt Bildungsunternehmer Thomy Roecklin im Interview.

Iris Bethge-Krauß: Eine gigantische Transformation. Der Beitrag der Förderbanken zur Wirtschaftsentwicklung in Ostdeutschland

Iris Bethge-Krauß, Hauptgeschäftsführerin und geschäftsführendes Vorstandsmitglied Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB, e.V. Abbildung: Josef Fischnaller
„Mit ihren Förderprogrammen haben die deutschen Förderbanken maßgeblich zur erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung in Ostdeutschland beigetragen“, sagt Iris Bethge-Krauß, Hauptgeschäftsführerin und geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB, e.V. Mit diesem Beitrag ist sie auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.

Leseempfehlung:

„Captain Berlin #13“ von Jörg Buttgereit. Erschienen bei Weissblech Comics.

Wer ist nun für den Mauerfall verantwortlich? Gorbi, Bush sen., Kohl, Krenz, Schabowski, Oberstleutnant Jäger, die DDR-Bürger, die DDR-Bürgerrechtler, die DDR-Kirche, die West-Medien, die Scorpions oder Bademeister Hasselhoff? Dieser Comic entwickelt eine eigene Theorie. Im Zentrum der Geschichte befinden sich die Superhelden Captain Berlin und Genosse Berlin. Humor, der der Debatte gut tut.

Zweiter Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland …“ erschienen

Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2
Am 15. September ist der zweite Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland …“ erschienen. Weitere 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wertvolle Impulse für den Osten Deutschlands. Zu Wort kommen engagierte Personen und Unternehmen aus, in, vor allem aber für Ostdeutschland.
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