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	<title>Literatur Archive - ostdeutschland.info</title>
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	<description>Impulse für den Osten</description>
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	<title>Literatur Archive - ostdeutschland.info</title>
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	<item>
		<title>Buchvorstellung: „Jenseits der Brandmauer“ von Monchi</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-jenseits-der-brandmauer-von-monchi/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Sep 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Mecklenburg-Vorpommern finden am Wochenende Landtagswahlen statt. Die AfD und die SPD liefern sich einen Kampf um Platz eins. In seinem Buch beschreibt Feine Sahne Fischfilet-Frontmann Monchi, wie die AfD zur dominierenden Partei im Bundesland wurde und warum die „Brandmauer” in seiner Heimat Jarmen nicht funktioniert.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft wp-image-10407" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/Monchi_Jenseits-der-Brandmauer_2026_Cover.jpg" alt="Das Cover von Monchi: Jenseits der Brandmauer" width="280" height="457"><br />
Monchi: „Jenseits der Brandmauer: Über mein Leben in der ostdeutschen Provinz“, Verlag Kiepenheuer &#38; Witsch, Köln 2026, 240 Seiten, 20 [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-jenseits-der-brandmauer-von-monchi/">Buchvorstellung: „Jenseits der Brandmauer“ von Monchi</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In Mecklenburg-Vorpommern finden am Wochenende Landtagswahlen statt. Die AfD und die SPD liefern sich einen Kampf um Platz eins. In seinem Buch beschreibt Feine Sahne Fischfilet-Frontmann Monchi, wie die AfD zur dominierenden Partei im Bundesland wurde und warum die „Brandmauer” in seiner Heimat Jarmen nicht funktioniert.</p>
<p><span id="more-10346"></span></p>
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<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img decoding="async" class="alignleft wp-image-10407" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/Monchi_Jenseits-der-Brandmauer_2026_Cover.jpg" alt="Das Cover von Monchi: Jenseits der Brandmauer" width="280" height="457"></p>
<p>Monchi: „Jenseits der Brandmauer: Über mein Leben in der ostdeutschen Provinz“, Verlag Kiepenheuer &amp; Witsch, Köln 2026, 240 Seiten, 20 € (Hardcover).</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p class="isSelectedEnd">Monchi heißt bürgerlich Jan Gorkow und wurde 1987<!--TgQPHd|||[]--> in Neubrandenburg geboren. Er ist der charismatische Frontmann der Punkrock-Band Feine Sahne Fischfilet. Sein Buch beginnt am Abend der Bundestagswahl 2025. In seiner Heimatstadt Jarmen in Vorpommern erhielt die AfD 54 Prozent der Zweitstimmen und damit die absolute Mehrheit. Auch landesweit war sie erfolgreich: In Mecklenburg-Vorpommern gewann sie in 719 von 726 Gemeinden. Monchi erklärt, warum das Konzept der Brandmauer in Jarmen nicht funktioniert und weshalb er diese Idee kritisch sieht. Für ihn ist der Begriff „Brandmauer“ vor allem ein Großstadtbegriff und ein politisches Konzept, das sich in der Provinz nicht umsetzen lässt. Er und viele andere Menschen in Deutschland würden längst jenseits dieser Brandmauer leben – an Orten, an denen man der AfD nicht mehr aus dem Weg gehen könne. Zu den AfD-Wählern gehören auch Bekannte von Monchi. Er will diese Menschen aber nicht aufgeben und er erläutert, warum es aus seiner Sicht ein Fehler wäre, die 10,3 Millionen AfD-Wähler (Bundestagswahl 2025) auszugrenzen.</p>
<p>Monchi geht auch auf die Gründe für das Erstarken der AfD ein. Er berichtet von den Problemen im ländlichen Gesundheitswesen. Er erzählt beispielhaft vom Alltag seiner Mutter, die als Zahnärztin arbeitet. Manche ihrer Patienten müssen aufgrund der wenigen Praxen bis zu 30 Kilometer fahren. Das sorgt für Frust. Außerdem zeigt Monchi, dass in Jarmen immer mehr Geschäfte schließen. Er berichtet, dass der Bürgermeister jeden Unternehmer, der sich neu in Jarmen niederlässt, mit einem Blumenstrauß begrüßt. Auch Monchi sieht jede Neueröffnung als Hoffnungsschimmer.</p>
<p>Eine Lösung im Umgang mit der AfD sieht Monchi darin, Jarmen attraktiv für Menschen aus anderen Gebieten in Mecklenburg-Vorpommern und Deutschland zu machen, damit diese in die Kleinstadt ziehen. Hilfreich findet er Angebote für die Menschen vor Ort, sodass Menschen zusammenkommen. Ein Beispiel, wie Monchi den Zusammenhalt der Gemeinde fördert, ist das von ihm und seiner Band organisierte jährliche Festival „Wasted in Jarmen“. Ihm zufolge besuchen auch Menschen das Festival, die vermutlich zu den 54 Prozent AfD-Wählern gehören. Das Event bietet eine Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen, und auch Jugendliche aus der politisch rechten Bubble könnten hier ein Interesse für Punkrock entwickeln und so eine Wandlung durchmachen. Als weiteres Beispiel verweist der Musiker auf den Bau eines Skateparks in Jarmen. Dieser war durch Spenden bei Lesungen von Monchi, Konzerten und zum Teil aus Geldern der Gemeinde Jarmen möglich geworden. Der Skatepark soll dazu beitragen, dass Jugendlichen in Jarmen eine Perspektive und ein Freizeitangebot ermöglicht werden. Monchi will auch um die jungen Menschen in Jarmen kämpfen und verhindern, dass die AfD sie für sich gewinnen kann.</p>
<p>Monchi nimmt die Leserschaft mit auf eine Reise durch seine eigene Kindheit und beschreibt, wie er selbst zu einem politisch links geprägten Menschen wurde. Dies geschah auf einer Schulparty. Mehrere Dorfnazis traten auf ihn ein und verletzten ihn schwer. Ab diesem Zeitpunkt befasste er sich immer mehr mit Politik, beschäftigte sich mit der ideologischen Bedeutung der Nazis und engagierte sich bei Protesten. Monchi nennt auch zwei Menschen, die ihn als jungen Menschen stark geprägt haben: zum einen Ralph Krüger, Mitglied der Ultras von Hansa Rostock mit Affinität zu Punkrock, zum anderen den Pfarrer Lothar König. Sowohl Krüger als auch König mahnten ihn dazu, seinen Blick auch über sein linkspolitisches Umfeld hinaus zu richten.</p>
<p>Monchis Buch ist ein Aufruf, nicht in Schwarz-Weiß-Kategorien zu denken, und ein Plädoyer für ein Miteinander trotz unterschiedlicher politischer Ansichten. Am Beispiel von Jarmen macht er deutlich, welche Umstände zum Erstarken der AfD in Vorpommern geführt haben und wie durch Engagement der Kontakt zu Menschen, die zur AfD tendieren, aufrechterhalten werden kann. So zeigt er eine mögliche Lösung im Umgang mit den Wählern dieser Partei auf, ohne sie auszugrenzen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Buchvorstellung: „Selbstregulierung des Herzens“ von Peggy Mädler</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-peggy-maedler/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Sep 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Belletristik]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Peggy Mädlers Roman verbindet die Themen Kybernetik und zwischenmenschlichen Beziehungen. Der Erzählstrang reicht von den 1960er-Jahren in der DDR bis in die Gegenwart.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img decoding="async" class="alignleft wp-image-9879" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Maedler_Selbstregulierung-des-Herzens_Cover.png" alt="Das Cover von Peggy Mädlers Roman Selbstregulierung des Herzens" width="280" height="457"><br />
Peggy Mädler: „Selbstregulierung des Herzens“, Galiani Verlag, Berlin 2026, 304 Seiten, 23 € (Hardcover).</p>
<p>Die Handlung beginnt in den 1960er-Jahren der DDR. Damals wurde Kybernetik als eine Möglichkeit gesehen, nicht nur die Technik, sondern auch die Gesellschaft zu verbessern. Man hoffte, dadurch mehr [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-peggy-maedler/">Buchvorstellung: „Selbstregulierung des Herzens“ von Peggy Mädler</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Peggy Mädlers Roman verbindet die Themen Kybernetik und zwischenmenschlichen Beziehungen. Der Erzählstrang reicht von den 1960er-Jahren in der DDR bis in die Gegenwart.</p>
<p><span id="more-9892"></span></p>
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<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-9879" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Maedler_Selbstregulierung-des-Herzens_Cover.png" alt="Das Cover von Peggy Mädlers Roman Selbstregulierung des Herzens" width="280" height="457"></p>
<p>Peggy Mädler: „Selbstregulierung des Herzens“, Galiani Verlag, Berlin 2026, 304 Seiten, 23 € (Hardcover).</p></td>
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<p>Die Handlung beginnt in den 1960er-Jahren der DDR. Damals wurde Kybernetik als eine Möglichkeit gesehen, nicht nur die Technik, sondern auch die Gesellschaft zu verbessern. Man hoffte, dadurch mehr Freiheit und Selbstbestimmung zu erreichen. Mädler erzählt ihre Geschichte sachlich und ohne die DDR zu verklären. Sie verwendet eine distanzierte Erzählhaltung und nutzt Begriffe aus der Kybernetik, um das Verhalten ihrer Figuren zu beschreiben.</p>
<p>Die Geschichte dreht sich um Georg Paschke, der aus einer Arbeiterfamilie stammt. Um ihn herum bildet sich ein Kreis aus Georgs Freunden Roland und Marlies sowie seiner späteren Frau Helga. Im Laufe der Jahre stößt die Künstlerin Mona dazu. Sie versucht, in einem Staat, der alles regulieren will, ausreichend Freiheit für ihre Bilder zu erlangen.</p>
<p>Georg arbeitet zunächst auf dem Bau, beginnt aber 1960 ein Ökonomiestudium. Während dieser Zeit debattiert er mit Roland und Marlies, angeregt durch die Vorlesungen von Professor Benders, über die wirtschaftliche Ausrichtung des Landes. Roland plädiert für marktwirtschaftliche Reformen, Marlies hingegen verteidigt die Planwirtschaft. Georg selbst positioniert sich zwischen diesen Extremen. Er entwickelt eine Faszination für die neuen Großrechner, die versprechen, komplexe Datenströme in binäre Abläufe zu übersetzen. Die drei Freunde betrachten die Wirtschaft als regelbasiertes System und überlegen, wie die Planwirtschaft der DDR mithilfe der Kybernetik verbessert werden kann.</p>
<p>Mit dem Scheitern des Prager Frühlings im Jahr 1968 zerschlagen sich die Hoffnungen auf wirtschaftliche Verbesserungen und eine gesellschaftliche Liberalisierung. Das studentische Gefüge zerbricht. 1969 flieht Roland über die Donau in den Westen, während Georg den Weg in eine innere und berufliche Nische wählt. Er verlässt die Hochschule und arbeitet fortan als Programmierer im Rechenzentrum. Dort schreibt er mühsam Programme auf Lochkarten, oft nach dem Trial-and-Error-Prinzip, während die eigentliche Rechentechnik für ihn unerreichbar hinter einer Glasscheibe bleibt.</p>
<p>Die Autorin benutzt das technische Vokabular aus Regelkreisen, Rückkopplungen und Impulsen, um die emotionale Zurückhaltung ihrer Protagonisten zu schildern. Diese im Krieg geborene Generation hat gelernt, ihre Gefühle zu kontrollieren. Emotionale Vorsicht prägt auch Georgs Annäherung an Mona. Ihre Versuche, ihn bei der Arbeit künstlerisch zu porträtieren, scheitern an den Absurditäten der DDR‑Mangelwirtschaft. So manipuliert beispielsweise ein Mitarbeiter im Rechenzentrum ein Programm zur Fischverteilung, um sich exklusiv Aal zu sichern. Die daraufhin einsetzende Untersuchung der Staatssicherheit wegen Sabotageverdachts verschärft die Sicherheitsvorkehrungen im Betrieb und verhindert Monas Kunstaktion. Solche Vorfälle verdeutlichen, wie die staatliche Kontrolle selbst in die kleinsten privaten und beruflichen Nischen hineinreichte.</p>
<p>Die Fragilität dieser Rückzugsorte veranschaulicht der Roman unter anderem anhand einer Bungalowsiedlung in einem Dorf nahe Wandlitz bei Berlin. Georg und seine Familie bauen sich dort Ende der 1960er-Jahre aus alten Türen von Abbruchhäusern ein Wochenendhaus, um sich ins Private zurückzuziehen. Doch die vermeintliche Abgeschiedenheit erweist sich als Trugschluss. Mitte der 1970er-Jahre wird unmittelbar hinter den Grundstücken ein Stacheldrahtzaun errichtet. Erst nach der Wende erfahren die Bewohner, dass sich dahinter der geheime, dreistöckige Atomschutzbunker der DDR befand. Die Siedler bewegen sich unter den Ferngläsern patrouillierender Soldaten und versuchen, sich zwischen Vorsicht, Anpassung und kleinen Gesten der Annäherung, wie dem Reichen von Bier durch den Zaun, zu arrangieren.</p>
<p>Mitte der 1980er-Jahre verödet Monas sommerlicher Zufluchtsort nahe Bernau. In diesem Zeitraum stellen immer mehr ihrer Künstlerfreunde Ausreiseanträge und werden daraufhin mit Berufsverboten und sozialer Isolation belegt. Mit dem Zusammenbruch der DDR und dem Verlust seiner Arbeit gerät Georg in den 1990er-Jahren aus dem Gleichgewicht. Mit inzwischen fünfzig Jahren beginnt für ihn eine Phase der Selbstbefragung bei langen Läufen durch die brandenburgischen Wälder. Der Roman beschreibt den Übergang von der Scham über das eigene Mitläufertum zum Trotz.</p>
<p>Peggy Mädler zeigt, wie sich die Hoffnungen ihrer Figuren im Laufe der Zeit verändern. Georg und seine Freunde glauben zunächst daran, die DDR durch neue Ideen verbessern zu können. Nach dem Scheitern dieser Hoffnungen ziehen sie sich immer mehr ins Private zurück und versuchen, trotz der staatlichen Kontrolle ihren eigenen Freiraum zu bewahren. Auch nach der Wende müssen sie mit den Folgen ihrer früheren Entscheidungen und der Veränderungen in ihrem Leben umgehen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Buchvorstellung: „Niewiedervereinigung“ von Paula Fürstenberg</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-niewiedervereinigung-von-paula-fuerstenberg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Sep 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>36 Jahre nach der Wiedervereinigung blickt Schriftstellerin Paula Fürstenberg zurück auf gebrochene Versprechen. Sie zeigt auf, warum für sie und andere Nachwendekinder die Idee der inneren Einheit fehlgeschlagen ist.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-10350" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/09/Fuerstenberg-Niewiedervereinigung.jpg" alt="Das Cover von Paula Fürstenbergs Buch „Niewiedervereinigung“" width="280" height="458"><br />
Paula Fürstenberg: „Niewiedervereinigung: 100 Zwischenrufe zur deutschen Einheit“, Kiepenheuer &#38; Witsch Verlag, Köln 2026, 256 Seiten, 18 € (Hardcover).</p>
<p>Die Idee zum Buch entwickelte sich bei Paula Fürstenberg über fast zehn Jahre. Seit 2017 begleitet sie der Gedanke, [...]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>36 Jahre nach der Wiedervereinigung blickt Schriftstellerin Paula Fürstenberg zurück auf gebrochene Versprechen. Sie zeigt auf, warum für sie und andere Nachwendekinder die Idee der inneren Einheit fehlgeschlagen ist.<span id="more-9893"></span></p>
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<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-10350" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/09/Fuerstenberg-Niewiedervereinigung.jpg" alt="Das Cover von Paula Fürstenbergs Buch „Niewiedervereinigung“" width="280" height="458"></p>
<p>Paula Fürstenberg: „Niewiedervereinigung: 100 Zwischenrufe zur deutschen Einheit“, Kiepenheuer &amp; Witsch Verlag, Köln 2026, 256 Seiten, 18 € (Hardcover).</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Die Idee zum Buch entwickelte sich bei Paula Fürstenberg über fast zehn Jahre. Seit 2017 begleitet sie der Gedanke, dass wir die Einheit nicht brauchen. Das unhinterfragte gesellschaftliche Ziel von 1990, Ost- und Westdeutschland müssten zu einer Einheit zusammenwachsen, sei nicht nötig. Sie glaube auch nicht mehr ans Zusammenwachsen. Dabei unterscheidet die Autorin zwischen politischer und innerer Einheit. Mit „Niewiedervereinigung“ meint sie nicht die vollzogene politische Einheit, sondern deren mentale, geistige, kulturelle und emotionale Seite. Sie versteht den 9. November 1989 als demokratisches und den 3. Oktober 1990 als nationalistisches Momentum.</p>
<p>Ausgehend davon blickt die Autorin auf ihre Nachwendekindheit und Ostsozialisierung zurück. Zentrales Gefühl ihrer Kindheit in den 1990er-Jahren sei es gewesen, durchgehalten zu haben. An einen „Stolz auf das Erreichte“, wie er von Bundeskanzlern und Bundespräsidenten propagiert wurde, kann sie sich im Zusammenhang mit ihrer Kindheit in Potsdam nicht erinnern. Das Verhältnis zu ihrer Elterngeneration beschreibt sie als „Emotrouble Ost“. Einerseits empfindet sie Dankbarkeit: Ihre Eltern waren 1989 auf die Straße gegangen, hatten die Diktatur abgeschafft sowie Arbeitslosigkeit und Abstieg ertragen. Andererseits steht die Anklage, die Nachwendekinder mit Armut, Arbeitslosigkeit und Nazis allein gelassen zu haben. Fürstenberg wirft ihrer Elterngeneration vor, den Kontakt zu den Nachwendekindern abgebrochen und ihnen eine ökologische Katastrophe hinterlassen zu haben. Ihre eigene Generation versteht sie als „68er des Ostens“: Sie stehe für weniger Konfrontation und Wut, dafür für mehr „Verstehen wollen“ und Trauerarbeit. Ihr Fazit zur Nachwendekindheit ist dennoch ernüchternd: Deutschland habe es zum zweiten Mal in seiner Geschichte verpasst, eine antifaschistische Gesellschaft zu bilden. Von Versprechen wie „blühenden Landschaften” und Antifaschismus sei wenig geblieben. Stattdessen folgten Arbeitslosigkeit, Abwanderung und rechte Gewalt.</p>
<p>Die Leserschaft erhält einen Eindruck von Fürstenbergs Jugend in Potsdam, die sie in einem politisch linken Umfeld erlebte und in der sie nahezu täglich rechte Aufmärsche verhinderte. Diese „Baseballschlägerjahre“ haben sie geprägt. Dabei erkennt sie eine Verdrängungskultur ihrer Generation, von der sie selbst betroffen ist. Beim Ausräumen ihres Jugendzimmers findet sie akribisch gesammelte Zeitungsartikel über rechtsextreme Übergriffe in ihrer Gegend. Sie kann sich jedoch nicht daran erinnern, dass diese Vorfälle damals Thema gewesen wären. Auch einen Angriff auf ihren Freund Jonas hat sie anders in Erinnerung: Erst im erneuten Gespräch mit ihm erfährt sie, dass nicht nur ein Rechtsextremist, sondern sieben beteiligt waren und seine Verletzungen deutlich schwerer waren. Fürstenberg schließt daraus, dass sie den Vorfall verdrängt hat. Sie hält fest, dass man den Osten nicht ohne seine Gewalt erzählen könne. Aus Angst vor Klischees über die bestehende rechte Gewalt in Teilen Ostdeutschlands zu schweigen, sei falsch.</p>
<p>Die Autorin wirft auch einen Blick auf die „ostdeutsche Vergessenskultur“. Im Rahmen der Recherchen zu ihrem Debütroman besuchte sie das Stasigefängnis in Berlin-Hohenschönhausen. Als der ehemalige Insasse und Tourguide die Gruppe fragte, wer in der DDR geboren sei, hob nur sie die Hand. Er erklärte, Ostdeutsche würden den Ort selten besuchen. Fürstenberg versteht das Nichtbesuchen historischer Orte und das Nichtlesen von Stasiakten als Beispiel für ostdeutsche Vergessenskultur und als Ausdruck eines Gar-nicht-wissen-Wollens.</p>
<p>Eine weitere Erinnerungslücke sieht sie bei der Volkskammerwahl im März 1990: Viele ältere Ostdeutsche könnten sich nicht mehr daran erinnern, was sie gewählt hatten, obwohl es die erste freie Wahl in der DDR war. Fürstenberg erinnert daran, dass die Wähler damit zugleich für den bedingungslosen Beitritt zur BRD, die Ausdehnung des Grundgesetzes und die sofortige Währungsunion stimmten. Sie seien in dieser freien Wahl also keineswegs passiv gewesen. Kolonialisierungsvorwürfe gegenüber Westdeutschland seien demnach nicht berechtigt, denn der Westen habe den Osten nicht gegen seinen Willen eingenommen.</p>
<p>Auch die westdeutsche Seite kritisiert Fürstenberg. Politiker wie Helmut Kohl oder Christian Wulff beschrieben den 3. Oktober 1990 als Glücksgefühl und Freudentag. Gleichzeitig belagerten am selben Abend 200 Nazis das besetzte Haus „Kötschauer Mühle“ in Zerbst (Sachsen-Anhalt), setzten es in Brand und zwangen die Hausbesetzer, auf das Dach zu fliehen, um nicht zu verbrennen. Für Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen mit Behinderung, queere Menschen, obdachlose Menschen, Jüdinnen und Juden sowie Linke war der 3. Oktober deshalb kein Freudentag, sondern der Beginn lebensgefährlicher Zeiten, wie die Autorin schreibt.</p>
<p>Um eine echte Einheit zu erreichen, fordert Fürstenberg, das demokratische Momentum zu stärken. Dazu gehört für sie, den Nationalfeiertag vom 3. Oktober auf den 9. Oktober (Demonstrationen in Leipzig im Jahr 1989) oder den 4. November (die größte Demonstration in der Geschichte der DDR in Ostberlin) zu verlegen. So soll eine nationalistische Anschlussfähigkeit verhindert werden. Zudem solle Forsa jährlich fragen, wie es um die 1989 errungene Demokratie und ihr Versprechen von Teilhabe für alle stehe, statt zu fragen, ob die Deutschen als Volk zusammengewachsen seien. Die ostdeutsche Wut sollte nicht als grundsätzliche Ablehnung der Demokratie verstanden werden, sondern als Kritik an der Ausgestaltung der indirekten, parteipolitischen Demokratie.</p>
<p>Paula Fürstenberg betrachtet die Wende aus einem ungewohnten Blickwinkel. Ihr Buch hilft, den Umgang der Nachwendekinder mit der Wiedervereinigung zu verstehen und erklärt, warum gerade diese Generation die 1990er- und 2000er-Jahre mit vergleichsweise wenigen positiven Erlebnissen verbindet. Das Buch regt an, die Zeit seit dem 3. Oktober 1990 mit anderen Augen zu betrachten und zu verstehen, wie es zu einer Stärkung nationalistischer Kräfte in Deutschland kommen konnte.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Buchvorstellung: „Handwerk Ost“</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-handwerk-ost/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Aug 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie passten private Handwerksbetriebe in die DDR-Planwirtschaft und was motivierte Menschen dazu, in ihnen zu arbeiten? In ihrem Buch geben Alexia Pooth und Thomas Schaarschmidt einen Einblick in den Alltag des privaten Handwerks in der DDR. Sie beschreiben dessen Entwicklung bis heute.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-9073" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/03/Pooth_Alexia_Handwerk_Ost_2026.jpg" alt="Das Cover von Alexia Pooth und Thomas Schaarschmidts Buch, Handwerk Ost" width="280" height="399"><br />
Alexia Pooth, Thomas Schaarschmidt: „Handwerk Ost: Arbeits- und Lebenswelten zwischen Plan und Markt“, Berlin 2026, 360 Seiten, 28 €.</p>
<p>Das Buch [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-handwerk-ost/">Buchvorstellung: „Handwerk Ost“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie passten private Handwerksbetriebe in die DDR-Planwirtschaft und was motivierte Menschen dazu, in ihnen zu arbeiten? In ihrem Buch geben Alexia Pooth und Thomas Schaarschmidt einen Einblick in den Alltag des privaten Handwerks in der DDR. Sie beschreiben dessen Entwicklung bis heute.</p>
<p><span id="more-10099"></span></p>
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<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-9073" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/03/Pooth_Alexia_Handwerk_Ost_2026.jpg" alt="Das Cover von Alexia Pooth und Thomas Schaarschmidts Buch, Handwerk Ost" width="280" height="399"></p>
<p>Alexia Pooth, Thomas Schaarschmidt: „Handwerk Ost: Arbeits- und Lebenswelten zwischen Plan und Markt“, Berlin 2026, 360 Seiten, 28 €.</p></td>
</tr>
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<p>Das Buch zeichnet die Entwicklung des ostdeutschen Handwerks von der Gründung der DDR über die Umbruchzeit 1989/90 bis zur Jahrtausendwende und darüber hinaus nach. Grundlage ist ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Forschungsprojekt zur Gesellschaftsgeschichte des ostdeutschen Handwerks, das 2021 am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam durchgeführt wurde. Dafür interviewten die Kunst- und Kulturhistorikerin Alexia Pooth und der Zeithistoriker Thomas Schaarschmidt Handwerkerinnen und Handwerker verschiedener Gewerke. In ihren Erinnerungen berichten diese über ihre Ausbildung, den Arbeitsalltag in privaten Handwerksbetrieben der DDR, die Herausforderungen ihres Berufs und die Entwicklung des ostdeutschen Handwerks über mehrere Jahrzehnte. Zusätzlich zu den Interviews griffen die Autoren auf bestehende Literatur und Forschungsarbeiten zurück.</p>
<p>Zu Beginn ordnet das Buch die Entwicklung des Handwerks in der DDR historisch ein. Bereits unmittelbar nach der Staatsgründung wurde das Handwerk durch gesetzliche Vorgaben von der Industrie abgegrenzt und stärker staatlich reguliert. Dazu gehörte, dass der Staat Handwerksbetriebe mit über zehn Mitarbeitenden der Industrie zurechnete. Mit dem Gesetz zur Förderung des Handwerks von 1950 sowie der Förderung der Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH) ab 1955 wurden genossenschaftliche Betriebe gegenüber privaten Handwerksbetrieben unter anderem bei der Materialversorgung und Kreditvergabe bevorzugt. Um die Importabhängigkeit von der Bundesrepublik zu verringern und die wirtschaftliche Krise zu überwinden, führte die DDR 1963 das „Neue Ökonomische System der Planung und Leitung“ (NÖS) ein. In diesem Zusammenhang wurde die Örtliche Versorgungswirtschaft (ÖVW) in den Räten der Kreise, Städte und Gemeinden geschaffen, um das private und genossenschaftliche Handwerk in das Reformprogramm einzubinden. Auf das NÖS folgte 1967 das Ökonomische System des Sozialismus (ÖSS).</p>
<p>Mit dem Machtwechsel zu Erich Honecker 1971 wurden NÖS und ÖSS beendet und es kam zu einer planwirtschaftlichen Zentralisierung, wie zuvor in den 1950er-Jahren. Die örtlichen Staatsorgane wurden gestärkt, die Handwerkskammern den Räten der Bezirke unterstellt, die Lehrlingszuteilung reglementiert und die Meisterausbildung in das staatliche Bildungssystem integriert. Nachdem sich Mitte der 1970er-Jahre Produktionsprobleme und Nachwuchssorgen zeigten, reagierte der Staat mit einer höheren Zahl an Gewerbegenehmigungen, besseren Kreditbedingungen, Steuererleichterungen und einer Ausweitung der Lehrlingszahlen. In den 1980er-Jahren nahm das private Handwerk schließlich eine nicht zu ersetzende Stellung ein, da sich die wirtschaftliche Lage verschlechterte und ein Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage entstand. Der Staat musste den Autoren zufolge akzeptieren, dass das private Handwerk seine Dienstleistungen schneller, freundlicher und kundenorientierter anbot als staatliche Betriebe.</p>
<p>Einen weiteren Schwerpunkt des Buches bilden Ausbildung und Berufsalltag. Anhand der Interviews sowie bestehender Forschung und vorhandener Literatur arbeiten die Autoren fünf unterschiedliche Gruppen heraus, die aus verschiedenen Gründen einen Handwerksberuf ergriffen – von Handwerkskindern über junge Menschen, denen der Weg zum Abitur oder Studium verwehrt blieb, bis hin zu Jugendlichen, die im Handwerk größere persönliche Freiräume oder bessere Verdienstmöglichkeiten sahen. Darüber hinaus wird erläutert, wie Schülerinnen und Schüler der Polytechnischen Oberschule beispielsweise durch das Fach Produktive Arbeit (PA) an das Berufsleben herangeführt wurden. Die Zeitzeugenberichte vermitteln zugleich einen anschaulichen Eindruck vom Arbeitsalltag. Sie schildern die technische Ausstattung der Betriebe, die Planbilanzen, die schwierige Materialbeschaffung und den Umgang mit staatlichen Vorgaben. So berichten die Buchbinder Cornelius und Christian Rüss, wie ein Buchbinder zur damaligen Zeit im Papierkontor in Berlin dringend benötigte Pappe mithilfe von Tauschgeschäften beschaffen konnte und dabei immer Gefahr lief, gegen das Gesetz zur spekulativen Warenhortung zu verstoßen.</p>
<p>Darüber hinaus thematisiert das Buch die finanziellen Spielräume privater Handwerker, die Urlaubsregelungen sowie die sogenannte Feierabendarbeit. Dabei wird zwischen der offiziell erwünschten Arbeit für das sozialistische Gemeinwohl und privat ausgeführten, nicht erfassten Arbeiten unterschieden. Zugleich zeigen die Interviews, dass diese Grenzen in der Praxis häufig fließend waren.</p>
<p>Ein weiterer Schwerpunkt ist die Umbruchzeit 1989/90 und der Übergang des privaten Handwerks von der DDR in die Bundesrepublik. Anhand verschiedener Lebensgeschichten wird deutlich, wie unterschiedlich Handwerker diese Zeit erlebten. Während der Weimarer Kfz-Mechaniker Rainer Pirnke von einem bereits gut etablierten Betrieb profitierte und den Wandel erfolgreich bewältigte, entschied sich der Optiker Stefan Scharnbeck bewusst gegen eine Anstellung im Industrieladen von Zeiss Jena und für die Selbstständigkeit mit einem Optikerladen in Potsdam. Rückblickend erklärt er, die Wende sei für ihn fünf Jahre zu früh gekommen, da der für seinen Privatbetrieb aufgenommene Kredit noch nicht abbezahlt war.</p>
<p>Viele Interviewte nutzten nach Angaben der Autoren die Gespräche des Forschungsprojektes, auf dem das Buch basiert, um ihre Berufsbiografie zu reflektieren. Dabei war ihnen wichtig, den Alltag des privaten Handwerks in der DDR möglichst authentisch darzustellen. Diese Authentizität wird im Buch gut spürbar. Alexia Pooth und Thomas Schaarschmidt verbinden historische Einordnungen mit den persönlichen Erinnerungen der Interviewteilnehmer und eröffnen einen anschaulichen Einblick in ein für die DDR und Ostdeutschland prägendes Thema, das bislang von der Geschichtswissenschaft vergleichsweise wenig behandelt wurde.</p>
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		<title>In eigener Sache: Unsere Leserumfrage</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/in-eigener-sache-unsere-leserumfrage/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Aug 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als ostdeutschland.info vor zwei Jahren online gegangen ist, wussten wir zwar, was wir vorhaben, aber nicht, ob das auch jemanden interessiert. Mittlerweile ist klar: Unser Infoportal genießt eine hohe Aufmerksamkeit. Nun wollen wir Sie, unsere Leser, näher kennenlernen. Bitte nehmen Sie bis zum 20. September an unserer kurzen Umfrage teil. Es gibt auch etwas zu gewinnen.</p>
<p><span id="more-10258"></span></p>
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<p>Wer wir sind, was wir vorhaben und mitunter denken, das finden Sie 24/7 auf unserer Website. Wer dagegen Sie sind, wissen wir eigentlich nur über Ihre Zuschriften und Social-Media-Kommentare. Das wollen wir nun ändern. Durch unsere Umfrage möchten wir mehr von Ihnen kennenlernen und mehr von Ihnen wissen.</p>
<p>Uns interessiert, wie viele von Ihnen Ostdeutsche sind und was Sie über den Osten denken. Wo sind Unterschiede spürbar und was muss ggf. noch geschehen, damit zusammenwächst, was zusammengehört? Haben Sie Lieblingsbücher zu Ostdeutschland? Welche ostdeutschen Persönlichkeiten finden Sie sympathisch, welche nicht gerade wohltuend?</p>
<h2><span class="title-bg">Mitmachen hilft – und lohnt sich!</span></h2>
<p>Unsere Umfrage umfasst 24 kurze Fragen. Das schaffen Sie in fünf Minuten. Alle Angaben werden anonym ausgewertet. Personenbezogene Daten erhält ausschließlich ostdeutschland.info. Mit Ihrer Teilnahme <span style="color: #ff3eb5;">bis zum 20. September 2026</span> tragen Sie zu einem aktuellen Stimmungsbild bei und helfen uns, die ostdeutschland.info-Leser besser zu verstehen. Außerdem sichern Sie sich mit ihr die Chance auf einen attraktiven Gewinn. Unter allen Teilnehmern verlosen wir:</p>
<ul>
<li>25 Sammelbände „Denke ich an Ostdeutschland ... “, Band 1, Berlin 2024, 224 Seiten, Hardcover im Wert von je 79,90 € und</li>
<li>25 Sammelbände „Denke ich an Ostdeutschland ... “, Band 2, Berlin 2025, 224 Seiten, Hardcover im Wert von je 79,90 €.</li>
</ul>
<div id="metaslider-id-10263" style="max-width: 400px; margin: 0 auto;" class="ml-slider-3-111-2 metaslider metaslider-flex metaslider-10263 ml-slider has-dots-nav ms-theme-default" role="region" aria-label="In eigener Sache: Unsere Leserumfrage" data-height="600" data-width="400">
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            <ul class="slides">
                <li style="display: block; width: 100%;" class="slide-10264 ms-image " aria-roledescription="slide" data-date="2026-08-03 14:31:12" data-filename="Cover-Denke-ich-an-Ostdeutschland-400x600.jpg" data-slide-type="image"><a href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" target="_blank" aria-label="Jetzt bestellen." class="metaslider_image_link"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Denke-ich-an-Ostdeutschland-400x600.jpg" height="600" width="400" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... (Band 1). Jetzt bestellen!" class="slider-10263 slide-10264 msDefaultImage" title="Denke ich an Ostdeutschland ... (Band 1). Jetzt bestellen!"></a></li>
                <li style="display: none; width: 100%;" class="slide-10265 ms-image " aria-roledescription="slide" data-date="2026-08-03 14:31:12" data-filename="PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein-400x600.jpg" data-slide-type="image"><a href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" target="_blank" aria-label="Jetzt bestellen." class="metaslider_image_link"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein-400x600.jpg" height="600" width="400" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... (Band 2). Jetzt bestellen!" class="slider-10263 slide-10265 msDefaultImage" title="Denke ich an Ostdeutschland ... (Band 2). Jetzt bestellen!"></a></li>
            </ul>
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<p>Die Gewinner werden nach Ablauf der Befragung informiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.</p>
<h2><span class="title-bg">Unsere Leserumfrage 2026</span></h2>
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		<title>Buchvorstellung: „Die Jugend malt wieder Hakenkreuze“</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-die-jugend-malt-wieder-hakenkreuze/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Aug 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rechtsextreme Symbole und Haltungen normalisieren sich zunehmend im Alltag. Die Journalistin Manuela Müller ist diesem Phänomen auf den Grund gegangen. Sie zeigt am Beispiel ihrer sächsischen Heimat, wie sich eine Generation junger Menschen in Ostdeutschland radikalisiert hat.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-10094" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Mueller_Die-Jugend-malt-wieder-Hakenkreuze_Cover_2026.jpg.jpg" alt width="280" height="459"><br />
Manuela Müller: „Die Jugend malt wieder Hakenkreuze – Von der Radikalisierung einer Generation“, Tropenverlag, Stuttgart 2026, 240 Seiten, 18 € (Klappenbroschur).</p>
<p>Müller, die als Reporterin bei der Freien Presse Chemnitz arbeitet, blickt auf Erfahrungen aus ihrer [...]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Rechtsextreme Symbole und Haltungen normalisieren sich zunehmend im Alltag. Die Journalistin Manuela Müller ist diesem Phänomen auf den Grund gegangen. Sie zeigt am Beispiel ihrer sächsischen Heimat, wie sich eine Generation junger Menschen in Ostdeutschland radikalisiert hat.</p>
<p><span id="more-10208"></span></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-10094" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Mueller_Die-Jugend-malt-wieder-Hakenkreuze_Cover_2026.jpg.jpg" alt width="280" height="459"></p>
<p>Manuela Müller: „Die Jugend malt wieder Hakenkreuze – Von der Radikalisierung einer Generation“, Tropenverlag, Stuttgart 2026, 240 Seiten, 18 € (Klappenbroschur).</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Müller, die als Reporterin bei der Freien Presse Chemnitz arbeitet, blickt auf Erfahrungen aus ihrer eigenen Kindheit zurück und sie spricht mit Betroffenen, die von ihren Erfahrungen mit dem wachsenden Rechtsextremismus berichten. Gleich zu Beginn nimmt die Autorin die Leserschaft mit auf einen Spaziergang, den sie gemeinsam mit ihrer jugendlichen Tochter in Zwickau unternommen hat. Dabei entdecken Mutter und Tochter schockiert Hakenkreuze an Holztoren, Straßenlaternen und auf einer schmalen Mauer zwischen zwei Garagentoren.</p>
<p>Einen Einblick in die Radikalisierung junger Menschen erhält Müller unter anderem durch das Gespräch mit Judith. Sie erzählt der Autorin von ihrem dreizehnjährigen Sohn Kurt. Alles beginnt bei einem gemeinsamen Einkaufsbummel: Kurt nimmt eine Jacke der Marke „Lonsdale“ vom Kleiderhaken und probiert sie an. Judith beschreibt, dass ihr Sohn zum ersten Mal sehr genau weiß, welche Kleidung er tragen möchte. Er nennt den Stil „Casual Style“ und bevorzugt die Marken Lonsdale, Fred Perry und Lyle &amp; Scott. Judith denkt sich zunächst nichts dabei und kauft Kurt die Lonsdale-Jacke. Erst später stößt sie im Internet auf Bilder von rechtsextremen Jugendlichen und beginnt, die Radikalisierung ihres Sohnes zu realisieren. Doch es bleibt nicht bei der Kleidung. Kurt bringt in seinem Zimmer Sticker der AfD mit der Aufschrift „Abschiebeoffensive starten!“ an. Als Judith diese entdeckt, verpflichtet sie ihn, sie wieder zu entfernen. Nur widerwillig kommt der Junge ihrer Aufforderung nach. Auch Flaggen möchte Kurt in seinem Zimmer aufhängen und bringt eines Tages die Reichskriegsflagge mit. Diese muss er umgehend wieder zurückbringen.</p>
<p>Als Manuela Müller Judith besucht, entdeckt sie Sticker der AfD mit der Aufschrift „Zwickau wählt blau“ sowie Aufkleber der Hooligan-Gruppierung „Faust des Ostens“ von Dynamo Dresden. Judith erklärt, dass diese Dinge Zugeständnisse an Kurt seien, um ihren Sohn nicht zu verlieren. In ihrem Gespräch beschreibt sie den immer wiederkehrenden Kampf gegen Kurts weitere Radikalisierung.</p>
<p>Neben Eltern kommen auch Jugendliche zu Wort, die die Veränderungen bei Freunden oder Klassenkameraden beobachten. Eine von ihnen ist Anna. Bei ihrem Schwarm entdeckt sie die Radikalisierung, als sie auf sein Instagram-Profil stößt. Gleichzeitig erzählt sie von ihrer besten Freundin Leonie, die sie seit der Grundschule kennt und die zunehmend in die rechte Szene abrutscht. Was zunächst mit dem Entfernen und Überkleben von Stickern mit politisch linken Parolen beginnt, entwickelt sich bei Leonie immer weiter. Sie schimpft auf Linke, Homosexuelle und Ausländer und hängt schließlich ein Poster von AfD-Chefin Alice Weidel in ihrem Zimmer auf. Ein anderes Beispiel ist Max. Er wird während seiner Schulzeit mit Rechtsextremismus konfrontiert. Aus Trotz entwickelt er dabei zunehmend politisch linke Überzeugungen. Er erzählt von einer ehemaligen Freundin, deren Vater abends in der Küche die rechtsradikale Band „Landser“ zum „Abspannen“ hört und die Musik lauter dreht. Außerdem berichtet Max von Mädchen, die „Lipsync“ – also Synchronsingen – zum Landser-Lied „Arisches Kind“ machen und damit auf Instagram Likes sammeln.</p>
<p>Doch Müller beschränkt ihre Recherche nicht nur auf Gespräche mit Jugendlichen und deren Umfeld. Für ihr Buch besucht sie auch Simson-Treffen von Jugendlichen und spricht mit dem Organisator Dominic Würfel. Er zeigt sich schockiert über Vorfälle mit Hakenkreuzen und „Sieg-Heil“-Grüßen und versucht, die Schwierigkeiten, die er mit seinen Festivalbesuchern hat, von den Medien fernzuhalten. Auch mit der Zwickauer Oberbürgermeisterin Constance Arndt spricht Müller über ihre Erfahrungen als Politikerin im Kampf gegen die Radikalität von Jugendlichen.</p>
<p>Manuela Müller versucht in ihrem Buch, die Radikalisierung einer Generation junger Menschen in Ostdeutschland zu verdeutlichen. Dafür verbindet sie eigene Erfahrungen und Entdeckungen mit den Informationen aus Gesprächen mit Betroffenen, um die Wege und Beweggründe hinter der Radikalisierung zu verstehen. Aus diesem Zusammenspiel entsteht eine beeindruckende Lektüre. Das Buch zeigt, mit welchen Mitteln Rechtspopulisten bei jungen Menschen erfolgreich sind, wie Rechtsradikalität in manchen Regionen zur Normalität geworden ist und wie Jugendliche in die rechte Szene abdriften.</p>
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		<title>Wie Egon Krenz zum Mitwisser einer Flucht wurde …</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/wie-egon-krenz-zum-mitwisser-einer-flucht-wurde/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Aug 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Heute erscheint der Film „Spaziergang nach Syrakus“ des Regisseurs und Drehbuchautors Lars Jessen. Der Publizist und Schriftsteller Dr. Andreas H. Apelt beschreibt den ungewöhnlichen Weg heraus aus der DDR und wieder zurück, um den es in dem Streifen geht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10311" class="wp-image-10311" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/spaziergang-nach-syrakus_socmed_sharepic_kinoplakat_01x01.jpg" alt="Der Film „Spaziergang nach Syrakus“ ist einer Reise des gelernten Schlossers Klaus Müller nachempfunden. Die Hauptrolle des Paul spielt Charly Hübner. Abbildung: Pandora Film" width="600" height="600">Der Film „Spaziergang nach Syrakus“ ist einer Reise des gelernten Schlossers [...]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Heute erscheint der Film „Spaziergang nach Syrakus“ des Regisseurs und Drehbuchautors Lars Jessen. Der Publizist und Schriftsteller Dr. Andreas H. Apelt beschreibt den ungewöhnlichen Weg heraus aus der DDR und wieder zurück, um den es in dem Streifen geht.</p>
<p><span id="more-10310"></span></p>
<div id="attachment_10311-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10311-2" class="wp-image-10311" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/spaziergang-nach-syrakus_socmed_sharepic_kinoplakat_01x01.jpg" alt="Der Film „Spaziergang nach Syrakus“ ist einer Reise des gelernten Schlossers Klaus Müller nachempfunden. Die Hauptrolle des Paul spielt Charly Hübner. Abbildung: Pandora Film" width="600" height="600"><p id="caption-attachment-10311-2" class="wp-caption-text">Der Film „Spaziergang nach Syrakus“ ist einer Reise des gelernten Schlossers Klaus Müller nachempfunden. Die Hauptrolle spielt Charly Hübner. Abbildung: Pandora Film</p></div>
<p>Immerhin war er der zweite Mann im Staat und nach dem Staatsratsvorsitzenden und Generalsekretär Erich Honecker die wichtigste Figur in der Partei- und Staatsführung: Egon Krenz. Er war es, der am 9. Juni 1988 einen ungewöhnlichen Brief erhielt. Absender war Klaus Müller, 46, gelernter Schlosser und als Kellner auf Hiddensee tätig. Müller eröffnete ihm selbstbewusst, dass er die DDR verlassen werde. Nicht, um zu fliehen, sondern um zu einer Bildungsreise nach Syrakus in Italien aufzubrechen. Schließlich habe sein sächsischer Landsmann, der Schriftsteller Johann Gottfried Seume, bereits 1802 von Grimma bei Leipzig aus, die 6.000-km-Strecke bis nach Syrakus vorwiegend zu Fuß zurückgelegt.</p>
<p>Seume galt als ein Meister der Reisebeschreibung. Sein Bericht, „Spaziergang nach Syrakus“, wurde im frühen 19. Jahrhundert zum Bestseller. Aber er begeisterte auch noch 200 Jahre später, wie das Beispiel Müller zeigt, denn der gebürtige Dresdner beschloss, auf den Spuren Seumes über die Alpen bis nach Sizilien zu wandern. Die Geschichte ist so rührend wie absurd, dass sie F.C. Delius 1995 in einem Roman verewigte. Klaus Müller erzählt sie selbst im Buch „Selbstbefreiung im Schatten der Mauer“, aber auch im Buch „Hiddensee, die Insel der Anderen“ (Hrsg. Apelt/Klauss). Hier steuert er eine Reihe von Dokumenten bei. Doch nicht nur die Literatur hat sich des Stoffes angenommen. Heute kommt die Verfilmung „Spaziergang nach Syrakus“ in die Kinos. Auch wenn der <a href="https://www.pandorafilm.de/filme/spaziergang-nach-syrakus.html" target="_blank" rel="noopener">Film</a> die wahre Geschichte großzügig interpretiert, ist schon die Besetzung mit Charly Hübner in der Hauptrolle sehenswert.</p>
<p>Das Besondere an der mehrwöchigen Bildungsreise nach Syrakus ist Müllers Wunsch, in die DDR zurückzukehren. Und genau deshalb weiht er auch den Stellvertretenden Staatsratsvorsitzenden ein. Allerdings schickt er den Brief erst am Abend seiner „Abreise“ ab. Sicher ist eben sicher. Als unfreiwilliger Zeuge des Vorhabens und „Mitwisser“ gilt nun Egon Krenz. Für Müller ein Ass im Ärmel.</p>
<div id="attachment_10312-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10312-2" class="wp-image-10312" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/Hiddensee_asv2022-08_img05_Gellen_Strand.jpg" alt="Strand und Sanddüne beim Leuchtturm Gellen auf der Insel Hiddensee. Dr. Andreas H. Apelt zufolge war die Insel das Eldorado für Künstler, Lebenskünstler, Aussteiger, Träumer und Andersdenkende. Abbildung: A. Savin, Wikimedia Commons" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-10312-2" class="wp-caption-text">Strand und Sanddüne beim Leuchtturm Gellen auf der Insel Hiddensee. Dr. Andreas H. Apelt zufolge war die Insel auch zu DDR-Zeiten ein Eldorado für Künstler, Lebenskünstler, Aussteiger, Träumer und Andersdenkende. Abbildung: A. Savin, Wikimedia Commons</p></div>
<p>Dass der ganze Vorfall sich ausgerechnet auf Hiddensee abspielt, mochte kein Zufall sein. Die Insel galt als Niemandsland und exterritoriales Gebiet. Im Meer, in Sichtweite der dänischen Insel Moen gelegen, scheint sie nicht mehr die DDR und doch auch nicht irgendein anderes Staatswesen zu sein. Kein Wunder, war die Insel doch das Eldorado für Künstler und Lebenskünstler, Aussteiger jeder Couleur, Träumer und Andersdenkende. Auch Ausreisewillige verdingten sich hier als Saisonkräfte und ließen die DDR weit hinter sich. Aber nicht nur jene, die mit der DDR abgerechnet hatten, fanden sich hier ein. Auch Mitglieder des ZK und Politbüros, Wissenschaftler, Schauspieler, Schriftsteller, Maler und Publizisten entdeckten sehr schnell die Reize der Insel, die schon in den Vorkriegsjahren Prominente anzog, von Gerhart Hauptmann über Albert Einstein bis Thomas Mann. Ihnen folgten zu DDR-Zeiten: Walter Felsenstein, Gret Palucca, Armin Mueller-Stahl und viele andere.</p>
<p>Zu denen, die auf der Insel Entspannung und Ruhe suchten, zählten auch schillernde Persönlichkeiten wie Markus Wolf, der Chef des Auslandsgeheimdienstes und Stasi-Vizechef. Allerdings hielt sich das mit der Ruhe in Grenzen, weil zuweilen Punkbands wie Feeling B mit selbstgebauten, von Batterien betriebenen Verstärkern ganze Strandabschnitte ohrenbetäubend beschallten. Die Bandmitglieder rekrutierten sich auch aus den Funktionärskindern. Viele von ihnen waren am System verzweifelt, hatten Ausreiseanträge gestellt oder versuchten, über eine der Grenzen, dem Arbeiter- und Bauernstaat zu entfliehen.</p>
<p>An nichts anderes dachte Klaus Müller, nur mit dem Unterschied, zurückkehren zu wollen. So versuchte er es zunächst auf anderem Wege. Neben Ausreiseanträgen hoffte er im Rahmen der neu abgeschlossenen Städtepartnerschaft Rostock-Bremen, in den Genuss einer Reise gen Westen zu kommen. Doch als auch dieses Ansinnen bei den Rostocker Behörden trotz der Fürsprache des damaligen Bremer Bürgermeisters Klaus Wedemeier auf Ablehnung stieß, beschloss Klaus Müller, seine Ausreise selbst in die Hand zu nehmen.</p>
<div id="attachment_10314-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10314-2" class="wp-image-10314" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/spaziergang-nach-syrakus_stills_03_ostsee_strand-8123.jpg" alt="Charly Hübner als Paul bei einer Erkundung an der Ostsee. Auch Klaus Müller erkundete vor seiner Reise die Umgebung und hielt laut Apelt die innerdeutsche Grenze für gefährlicher als die Flucht über die Insel Hiddensee. Abbildung: Sammy Hart, Pandora Film" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-10314-2" class="wp-caption-text">Charly Hübner als Paul bei einer Erkundung an der Ostsee. Abbildung: Sammy Hart, Pandora Film</p></div>
<p>Fortan nutzte er seine Aufenthalte auf Hiddensee, um von hier aus eine abenteuerliche Reise zu planen. Von Hiddensee aus in die Freiheit zu gelangen, schien ihm jedenfalls deutlich weniger gefährlich, als etwa die innerdeutsche Landgrenze oder die Berliner Mauer zu überwinden. Doch was heißt ungefährlicher?</p>
<p>Für Müller, der sich als „echte Landratte“ empfindet, bleibt es ein waghalsiges Unternehmen. Bei 5.600 Fluchtversuchen gelang es gerade einmal eintausend Menschen, unbeschadet in den Westen bzw. Norden zu gelangen. Viele Fluchtwillige wurden vorher aufgegriffen, oder die Fluchtversuche konnten vereitelt werden. Mehr als 170 Menschen ertranken.</p>
<p>Klaus Müller wusste um die Gefahren der See und mögliche drakonische Strafen, sollte seine Ausreise – er sprach nicht von Flucht – gelingen. Akribisch bereitete er alles vor. So kaufte er eine Jolle und brachte sich über Jahre selbst das Segeln bei. Aber vor allem lernte er zu navigieren, Himmelsrichtungen an den Sternzeichen zu erkennen, Strömungen zu berechnen, Priele zu erkennen und Winde zu deuten.</p>
<p>Am 7. Juni 1988 war es nach jahrelanger Wartezeit so weit. Am Morgen hörte Klaus Müller im Radio den Seewetterbericht, der ihn elektrisierte. Der Wind stand günstig und ließ trotz anfänglicher Schwierigkeiten seine Plastik-Nussschale aus dem Bodden in die offene See treiben. Von da an ging es flott nach Nord-West. Nach fast 14 Stunden erreichte der Hobbysegler den dänischen Hafen Gedser. Während in Rostock in Abwesenheit ein Haftbefehl für Müller ausgestellt wurde, begann für ihn die achtmonatige Bildungsreise, die ihn in die Bundesrepublik, dann aber auch nach Italien führte, wo er über Rom, Neapel und Taormina überglücklich Syrakus erreichte. Im Frühjahr 1989 reiste er, nachdem er erneut Egon Krenz informiert hatte, wieder in die DDR ein. Höchst skeptisch, ob er mit seiner Begründung einer Bildungsreise auch die Staatsmacht milde stimmen kann, macht er sicherheitshalber noch einen weiteren Vorschlag, um die Sinnhaftigkeit seiner Reise zu untermauern. So heißt es in dem in der Stasiakte Müllers archivierten Brief an Krenz: „Wenn Sie (Krenz; Anm. d. Red.) mir, weil ich kein Akademiker bin, eine Bildungsreise nicht zubilligen wollen, nenne ich meine Reise eine Walz.&nbsp; Ich war in der BRD in vier Städten, auf sieben Arbeitsstellen, in zwei Berufen zeitweilig tätig und habe dort und in Italien reiche berufliche Erfahrungen sammeln können.“</p>
<p>Die Staatssicherheit ist ratlos. Nach einer Nacht in einer Gäste-Zelle wird Müller nach Röntgental in ein Wiederaufnahmelager für Übersiedler aus dem Westen gebracht. Dort, in der Nähe Berlins, bleibt er 21 Tage und wird ohne Auflagen in die DDR entlassen. In der heimatlichen Umgebung ist die Freude über seine Wiederkehr groß. Aber er wird auch mit viel Skepsis empfangen. Vielleicht, so die Unterstellung, gibt es doch einen Deal mit der Stasi. Die Gerüchteküche brodelt. Wenige Monate später fällt die Mauer. Das Gerücht entbehrte zwar jeder Grundlage, aber es hatte gereicht, um Freunde zu verlieren. Doch es wurden auch neue gefunden.</p>
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		<title>Buchvorstellung: Marieke Reimanns „Zweite Wende“</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-marieke-reimanns-zweite-wende/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Aug 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Heute ist Marieke Reimanns Buch „Zweite Wende. Warum Ostdeutschland uns alle angeht“ erschienen. Wir durften es vorab lesen. Der Titel klingt vielversprechend. Verspricht er zu viel?</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-10140" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Reimann_Marieke_Zweite_Wende_2026.jpg" alt="Das Cover von Marieke Reimanns Buch: Zweite Wende" width="280" height="459"><br />
Marieke Reimann: „ Zweite Wende – Warum Ostdeutschland uns alle angeht“, Rowohlt Verlag, Hamburg 2026, 240 Seiten, 22 € (Hardcover).</p>
<p>Marieke Reimann wurde 1987 in Rostock geboren. Von 2018 bis 2020 war sie Chefredakteurin des Zeit-Magazins ze.tt. 2021 wurde sie [...]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Heute ist Marieke Reimanns Buch „Zweite Wende. Warum Ostdeutschland uns alle angeht“ erschienen. Wir durften es vorab lesen. Der Titel klingt vielversprechend. Verspricht er zu viel?</p>
<p><span id="more-9477"></span></p>
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<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-10140" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Reimann_Marieke_Zweite_Wende_2026.jpg" alt="Das Cover von Marieke Reimanns Buch: Zweite Wende" width="280" height="459"></p>
<p>Marieke Reimann: „ Zweite Wende – Warum Ostdeutschland uns alle angeht“, Rowohlt Verlag, Hamburg 2026, 240 Seiten, 22 € (Hardcover).</p></td>
</tr>
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<p>Marieke Reimann wurde 1987 in Rostock geboren. Von 2018 bis 2020 war sie Chefredakteurin des Zeit-Magazins ze.tt. 2021 wurde sie Zweite Chefredakteurin des SWR, 2024 trat sie von diesem Posten zurück. Ihre beiden großen Themen sind Ostdeutschland und Feminismus. Wenn so jemand vor den Schicksalswahlen in Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg-Vorpommern ein lang angekündigtes Buch bei Rowohlt mit dem Titel „Zweite Wende“ veröffentlicht, dann ist die Erwartung groß. Zumindest bei uns. Wir wurden jedoch enttäuscht.</p>
<p>Denn Reimann legt hier ein Buch vor, das sich kaum von anderen zum Thema unterscheidet. Wie zuletzt etwa von Jana Hensel wird der Zustand Ostdeutschlands analysiert, indem zahlreiche Studien und manche Stimmen zitiert werden. Dazu gibt es gelegentlich einen Blick auf den persönlichen Werdegang – von der Journalismus-Studentin, die nebenbei putzt, bis in den Olymp des öffentlichen Rundfunks.</p>
<p>Beschrieben wird die erstaunliche Identifikation und Beschäftigung mit Ostdeutschland, sogar von vielen, die erst nach dem Mauerfall geboren wurden. Thema sind ebenfalls die frappierenden Unterschiede zwischen Ost und West – vor allem beim Vermögen und der Repräsentanz, aber auch in Bezug auf die Rolle der Frau. Die AfD und das BSW. Das schwierige Verhältnis von Merkel und Merz zum Osten. Und ein Hoch auf die Platte. Alles richtig, alles wichtig.</p>
<p>Etwas ausführlicher wird es beim Thema Medien. Diese berichten über Ostdeutsche zu unausgewogen und oft nur anlässlich von Krisen, Wahlen oder Jubiläen. Die Ostmedien sind in westdeutscher Hand. Die einzige Ausnahme bilden Berliner Zeitung und Ostdeutsche Allgemeine Zeitung, aber diese normalisieren rechtsextreme Narrative und Eigentümer Holger Friedrich mische sich zu sehr ein. Auch das ist hinlänglich bekannt, zumindest bei den potenziellen Lesern eines solchen Buches. Leider, in beiderlei Hinsicht. Außer: In der Erstausgabe der Ostdeutschen Allgemeinen war kein einziger Leitartikel einer Frau!</p>
<p>Am Ende stellt Reimann die Frage, wie wir 2030 auf die Wiedervereinigung blicken wollen. In ihrem Buch habe sie Ideen für ein positives Ende, eine „zweite Wende“, beschrieben. Vielleicht, weil sie schon ahnt, dass jetzt mancher Leser so irritiert ist wie wir – da müssen wir wohl eine Menge überlesen haben –, folgen nun diese knappen Stichpunkte: „Anerkennung der Unterschiede als Tat- und nicht als Verhandlungssache.“ „Stärkere Repräsentanz.“ Und: „Überregionale Medien müssen sich kritisch mit ihrer früheren Ostdeutschland-Berichterstattung auseinandersetzen.“</p>
<p>Damit ist hier alles gesagt. Auch schon von jedem (oder jeder)?</p>
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		<title>Buchvorstellung: „Weimar“. Katja Heuer über Glanz und Grauen der Goethestadt</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-weimar-katja-heuer-ueber-glanz-und-grauen-der-goethestadt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Jul 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Weimar zu Beginn des 20. Jahrhunderts: die Stadt, nach der die erste parlamentarische Demokratie Deutschlands benannt wurde – und zugleich der Ort, von dem die NSDAP ihren politischen Aufstieg begann. Historikerin Katja Hoyer erzählt die Epoche anhand verschiedener Lebensgeschichten</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-9735" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/Hoyer_Weimar_Glanz_und_Grauen_der_deutschen_Geschichte_2026.jpg" alt="Das Cover von Katja Hoyers Buch, Weimar" width="280" height="434"><br />
Katja Hoyer: „Weimar – Glanz und Grauen der deutschen Geschichte“, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2026, 592 Seiten, 28 € (Hardcover mit Bildern).</p>
<p>Zu den Protagonisten des Buches [...]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Weimar zu Beginn des 20. Jahrhunderts: die Stadt, nach der die erste parlamentarische Demokratie Deutschlands benannt wurde – und zugleich der Ort, von dem die NSDAP ihren politischen Aufstieg begann. Historikerin Katja Hoyer erzählt die Epoche anhand verschiedener Lebensgeschichten</p>
<p><span id="more-9472"></span></p>
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<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-9735" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/Hoyer_Weimar_Glanz_und_Grauen_der_deutschen_Geschichte_2026.jpg" alt="Das Cover von Katja Hoyers Buch, Weimar" width="280" height="434"></p>
<p>Katja Hoyer: „Weimar – Glanz und Grauen der deutschen Geschichte“, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2026, 592 Seiten, 28 € (Hardcover mit Bildern).</p></td>
</tr>
</tbody>
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<p>Zu den Protagonisten des Buches gehören der Buchbinder Carl Weirich, der nach Weimar zieht, um sich eine Existenz aufzubauen, sowie das Ehepaar Rosa und Arthur Schmidt, das mit dem „Hotel Hohenzollern“ erfolgreich sein möchte. Weitere zentrale Figuren sind Friedrich Nietzsches Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche, die dessen Nachlass verwaltet und der deutsch-britische Diplomat Harry Graf Kessler.</p>
<p>Hoyer beginnt ihre Erzählung 1914 und beschreibt anhand ihrer Protagonisten die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf die Bevölkerung Weimars. Anschließend schildert sie die schwierige Entstehung der Weimarer Republik. Die Nationalversammlung tagte 1919 wegen politischer Unruhen zunächst in Weimar und blieb bis August dort. Hoyer zeigt die Instabilität der jungen Demokratie am Beispiel der Kämpfe zwischen dem bürgerlichen und dem linken Lager während des Kapp-Putsches. Auch die Folgen des Versailler Vertrags werden deutlich: Harry Graf Kessler erlebt, wie zur Ermordung des Unterzeichners Matthias Erzberger aufgerufen wird. Erzberger floh aus Weimar und wurde 1921 tatsächlich ermordet.</p>
<p>Einen weiteren Schwerpunkt legt Hoyer auf den politischen Aufstieg der NSDAP in Thüringen. Nach der Landtagswahl im Jahr 1924 war Thüringen das einzige Land, das das Verbot der Partei aufhob. Damit wurde Thüringen zu ihrem wichtigsten Experimentierfeld. Adolf Hitler besuchte Weimar regelmäßig und übernachtete gemeinsam mit anderen Parteifunktionären im Hotel Hohenzollern des Ehepaars Schmidt. Obwohl Rosa und Arthur Schmidt die Gefahr der Nationalsozialisten erkannten, überwogen für sie zunächst die wirtschaftlichen Vorteile. Mit der Zeit gelang es den Nazis, in Thüringen immer mehr Fuß zu fassen. Am Wochenende des 3. und 4. Juli 1926 veranstalteten sie in Weimar den ersten Reichsparteitag seit Aufhebung ihres Parteienverbots. Dabei wurde unter anderem das Hakenkreuz im Lorbeerkranz als Erkennungszeichen für NS-Publikationen festgelegt. Zudem begrüßte Hitler seine Anhänger erstmals mit dem „Hitlergruß“ und die NSDAP beschloss die Gründung der Hitlerjugend als Jugendorganisation.</p>
<p>Ende der 1920er-Jahre bauten die Nationalsozialisten ihren Einfluss weiter aus. Elisabeth Förster-Nietzsche bewunderte Benito Mussolini und hoffte auf eine ähnliche Führungsfigur für Deutschland. Ihr Freund Harry Graf Kessler lehnte diese Haltung entschieden ab. Nach dem Wahlerfolg der NSDAP bei den Thüringer Parlamentswahlen im Dezember 1929 wurde Wilhelm Frick Minister und nutzte Thüringen, um die NS-Ideologie in Verwaltung und Kultur zu verankern. Er besetzte Ämter mit Parteianhängern und schaffte es, politische Gegner aus öffentlichen Ämtern zu entfernen. Förster-Nietzsche arrangierte sich mit Frick und der NSDAP, um ihre Position in der Kulturlandschaft Weimar zu behalten. Gleichzeitig zeigt Hoyer am Beispiel von Carl Weirich, wie wirtschaftliche Not einen zuvor unpolitischen Buchbinder für die Parolen der Nationalsozialisten empfänglich machen konnte.</p>
<p>Mit der Machtergreifung im Jahr 1933 verändern sich die Lebenswege der Protagonisten grundlegend. Carl Weirich arrangiert sich zunächst mit dem Regime, wird aber mit Beginn des Krieges zu einem Kritiker. Rosa und Arthur Schmidt versuchen, Rosas jüdische Herkunft zu verbergen, um ihre Familie zu schützen.</p>
<p>Über die Intention ihres Buches spricht Hoyer im Podcast „Zeitreise“ des Bild-Journalisten Filip Piatov. Sie sagt, dass Erzählungen über den Aufstieg des Nationalsozialismus in ihren Augen oft verkürzt dargestellt werden: „Ich fand es sinnvoll, nochmal in diese Zeit zurückzuschauen, obwohl schon viel darüber berichtet wurde, weil ich einen menschlicheren und kleinteiligeren Ansatz finden wollte. Ich wollte mir einen speziellen Ort und eine spezielle Gruppe von Menschen aussuchen, an denen man die Verhältnisse von damals nachvollziehen und verstehen kann, was die Menschen damals antrieb so zu handeln, wie sie gehandelt haben.“</p>
<p>Dieser „menschlichere Ansatz“ gelingt der Autorin. Anhand unterschiedlicher Biografien, zahlreicher Tagebuchauszüge und schriftlicher Quellen erweckt sie die Geschichte zum Leben und macht sie nachvollziehbar. Das Buch zeigt eindrucksvoll, wie sich eine Demokratie innerhalb weniger Jahre in eine Diktatur verwandeln kann.</p>
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		<title>Buchvorstellung: „Arm aber sexy“. Stefan Wolle über Berlin</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-stefan-wolle-arm-aber-sexy/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jul 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dank Mauerfall und Wiedervereinigung sind Ost- und Westberlin wieder miteinander verschmolzen. In seinem Buch erzählt der Historiker Stefan Wolle vom Wandel, den die Stadt Berlin von 1990 bis heute durchlebt hat.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-9449" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Wolle_Stefan_Arm_aber_sexy_2026_cover.jpg" alt="Das Cover von Stefan Wolles Buch: Arm aber sexy" width="228" height="363"><br />
Stefan Wolle: „Arm aber sexy – Die Geschichte Berlins seit 1990“, BeBra Verlag, Berlin 2026, 224 Seiten, 24 € (Hardcover mit Bildern).</p>
<p>Wolles Buch beginnt mit der Silvesterparty 1989. Sieben Wochen nach dem Mauerfall [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-stefan-wolle-arm-aber-sexy/">Buchvorstellung: „Arm aber sexy“. Stefan Wolle über Berlin</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dank Mauerfall und Wiedervereinigung sind Ost- und Westberlin wieder miteinander verschmolzen. In seinem Buch erzählt der Historiker Stefan Wolle vom Wandel, den die Stadt Berlin von 1990 bis heute durchlebt hat.</p>
<p><span id="more-9474"></span></p>
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<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-9449" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Wolle_Stefan_Arm_aber_sexy_2026_cover.jpg" alt="Das Cover von Stefan Wolles Buch: Arm aber sexy" width="228" height="363"></p>
<p>Stefan Wolle: „Arm aber sexy – Die Geschichte Berlins seit 1990“, BeBra Verlag, Berlin 2026, 224 Seiten, 24 € (Hardcover mit Bildern).</p></td>
</tr>
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<p>Wolles Buch beginnt mit der Silvesterparty 1989. Sieben Wochen nach dem Mauerfall sollte die Feier ein fröhliches Happening werden, sie endete jedoch im Chaos. Menschen stiegen aufs Brandenburger Tor und beschädigten die Quadriga. Außerdem wurde auf die Konstruktion der Videowand geklettert, die daraufin zusammenbrach. Die Bilanz: ein Toter und 135 Verletzte. Während die Polizei in beiden Teilen Berlins die gute Zusammenarbeit betonte, versuchten die Medien laut Wolle einen politischen Zusammenhang herzustellen. Für den Autor steht diese Nacht sinnbildlich für den folgenden Wandel der Stadt – geprägt von Hoffnungen und späteren Enttäuschungen.</p>
<p>Wolle beschreibt die Umbruchzeit 1989/1990 und das rasante Tempo, mit dem sich der Alltag der Menschen veränderte. Im Mittelpunkt stehen dabei die Stürmung der Stasi-Zentrale am 15. Januar 1990 sowie die Wirtschafts- und Sozialunion zwischen BRD und DDR, die am 1. Juli 1990 inkraft trat. Die anfängliche Begeisterung über die D-Mark wich schnell wirtschaftlichen Problemen. Durch die Umrechnung von Löhnen, Gehältern und Renten im Verhältnis eins zu eins gerieten viele Betriebe unter Druck. Entlassungen und Betriebsschließungen waren die Folge. Gleichzeitig veränderten sich die Konsumgewohnheiten in Ostdeutschland, wodurch viele Produzenten aus Industrie und Landwirtschaft auf ihren Waren sitzen blieben.</p>
<p>Neben den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen rücken auch die unterschiedlichen Hausbesetzerszenen in Ost- und Westberlin in den Fokus. Dabei prallten verschiedene politische Ansichten und Erfahrungen aufeinander. Ergänzt wird dieser Blick durch die Entwicklung der Lichtenberger Naziszene, die Anfang bis Mitte der 1990er-Jahre ihren Höhepunkt erreichte.</p>
<p>Ein weiterer Schwerpunkt des Buches ist die politische Entwicklung Berlins nach der Wiedervereinigung. Wolle beschreibt die Entscheidung für Berlin als Hauptstadt am 20. Juni 1991 und den Antrag „zur Vollendung der Einheit Deutschlands“. Außerdem thematisiert er die Bevölkerungsentwicklung der Stadt sowie den gescheiterten Versuch einer Länderfusion zwischen Berlin und Brandenburg.</p>
<p>Der Autor widmet sich auch der politischen Entwicklung unter Klaus Wowereit und der damit verbundenen Neuausrichtung der Stadt. Dazu gehören der Abschied von den Flughäfen Tegel und Tempelhof sowie der Bau des BER. Zudem greift Wolle die Berliner Demonstrationsgeschichte auf – von Protesten in den 1990er-Jahren bis zum Sturm auf den Reichstag 2020 und den Corona-Demonstrationen.</p>
<p>Im Kapitel „Der Sound der Metropole“ beschreibt Wolle den Wandel der Berliner Kulturszene. Er erklärt die Entwicklung der Clubszene, die 1990er-Jahre und Berlin als Veranstaltungsort der „Loveparade“. Gleichzeitig zeigt Wolle, wie sich die Stadt zunehmend zur Hauptstadt der LGTBQ-Community in Deutschland entwickelte.</p>
<p>Auch große Bauprojekte und Stadtentwicklungen spielen im Buch eine wichtige Rolle. Dazu zählt der Abriss des Palasts der Republik und die Entstehung des Humboldt-Forums sowie die Proteste gegen die Abrissentscheidung. Ebenso beschreibt Wolle das Ende und den geplanten Abriss des ehemaligen Sport- und Erholungszentrums (SEZ) an der Landsberger Allee/Ecke Danziger Straße. An dieser Stelle sollen künftig 550 neue Wohnungen entstehen.</p>
<p>Zum Abschluss zieht der Wolle, angelehnt an den alle drei Jahre erscheinenden Zukunftsatlas des „Handelsblatts“, eine Bilanz zu Themen wie Wohnungsmarkt, ÖPNV, Schule, Kriminalität, Tourismus und Demografie. Das Buch endet, wie es beginnt, mit einer Silvesterparty: der von 2024.</p>
<p>Dem Autor gelingt es, die Leserschaft auf eine historische Reise durch 36 Jahre Berliner Stadtgeschichte mitzunehmen. Durch den klar strukturierten Aufbau wird der enorme Wandel der Stadt seit 1990 deutlich sichtbar.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-stefan-wolle-arm-aber-sexy/">Buchvorstellung: „Arm aber sexy“. Stefan Wolle über Berlin</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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