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	<title>Allgemein Archive - ostdeutschland.info</title>
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	<description>Impulse für den Osten</description>
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	<title>Allgemein Archive - ostdeutschland.info</title>
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		<title>Buchvorstellung: „Wir sind anders! Wie die DDR Frauen bis heute prägt“</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-wir-sind-anders-wie-die-ddr-frauen-bis-heute-praegt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Mar 2026 06:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anlässlich des heutigen Internationalen Frauentages beschäftigt sich ostdeutschland.info mit einem Buch über Frauen in Ostdeutschland. Annette Schuhmann hat in „Wir sind anders!“ ostdeutsche Frauen porträtiert.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft wp-image-8920" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/02/schuhmann_wir_sind_anders.jpg" alt="Cover Anette Schuhmann: Wir sind anders!" width="280" height="434"><br />
Annette Schuhmann: „Wir sind anders! Wie die DDR Frauen bis heute prägt“, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2025, 368 Seiten, 28 € (Hardcover mit Bildern).</p>
<p>Für ihr Buch hat Annette Schuhmann 13 Frauen mit ostdeutschem Hintergrund aus unterschiedlichen Generationen ausgewählt. Einige von ihnen [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-wir-sind-anders-wie-die-ddr-frauen-bis-heute-praegt/">Buchvorstellung: „Wir sind anders! Wie die DDR Frauen bis heute prägt“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Anlässlich des heutigen Internationalen Frauentages beschäftigt sich ostdeutschland.info mit einem Buch über Frauen in Ostdeutschland. Annette Schuhmann hat in „Wir sind anders!“ ostdeutsche Frauen porträtiert.</p>
<p><span id="more-8763"></span></p>
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<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img decoding="async" class="alignleft wp-image-8920" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/02/schuhmann_wir_sind_anders.jpg" alt="Cover Anette Schuhmann: Wir sind anders!" width="280" height="434"></p>
<p>Annette Schuhmann: „Wir sind anders! Wie die DDR Frauen bis heute prägt“, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2025, 368 Seiten, 28 € (Hardcover mit Bildern).</p></td>
</tr>
</tbody>
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<p>Für ihr Buch hat Annette Schuhmann 13 Frauen mit ostdeutschem Hintergrund aus unterschiedlichen Generationen ausgewählt. Einige von ihnen haben die DDR bewusst erlebt, andere sind erst nach der Wende geboren. Im Gegensatz zu vielen Publikationen zur ostdeutschen Identität verfolgt Schuhmann jedoch nicht das Ziel, Identität als solche zu verhandeln. Stattdessen richtet sie den Blick auf weibliche Biografien und Lebenswege. Dabei war es ihr wichtig, die Zäsur von 1989 nicht als Endpunkt zu betrachten, sondern die Entwicklungen der Nachwendezeit bis in die Gegenwart miteinzubeziehen.</p>
<p>Ein Beispiel hierfür ist das Porträt der Nervenärztin und Psychoanalytikerin Irene Misselwitz (*1945). Schon seit ihrer Kindheit hegte sie den Wunsch, Medizin zu studieren, und verfolgte dieses Ziel konsequent. Sie spezialisierte sich auf Psychotherapie und Psychiatrie und arbeitete unter anderem in der Nervenklinik Jena. Dort beschäftigte sie sich intensiv mit wissenschaftlichen Zeitschriften aus dem Westen sowie mit Büchern über moderne Ansätze in der Psychiatrie. Als sie nach kurzer Zeit zur Stationsleiterin aufstieg, wollte sie diese Reformideen in die Praxis umsetzen. Während die jüngeren Kollegen begeistert reagierten, stieß sie bei den älteren auf Widerstand. Mit ihrer Schwangerschaft endeten viele der begonnenen Veränderungen abrupt und die angestoßenen Reformen wurden rasch rückgängig gemacht. Erschwerend kam hinzu, dass die Staatssicherheit jederzeit Zugriff auf Patientenakten hatte und somit direkten Einfluss auf ihre Arbeit nehmen konnte. Misselwitz entwickelte daher Methoden, um sich selbst und ihre Patienten zu schützen. Sie befand sich in einer widersprüchlichen Situation: Einerseits hatte sie eine leitende Position inne, andererseits stand sie unter ständiger staatlicher Überwachung.</p>
<p>Auch die Biografie von Ingrid Gärtner (*1936) zeigt, wie eng berufliche und private Kämpfe miteinander verwoben waren. In jungen Jahren stand sie weitgehend allein da. Ihr Mann saß zweimal im Gefängnis und beteiligte sich nicht an der Kindererziehung. Neben ihrer Vollzeitstelle blieb die Verantwortung für die Kinder an ihr hängen. Beim VEB Elektrokohle Lichtenberg erlebt sie eine von Alkohol geprägte Arbeitskultur und ein stark patriarchalisches Umfeld. Sämtliche Führungskräfte sind Männer. Sie und ihre Kolleginnen sehen sich derben Sprüchen, Übergriffen und Bedrängungen ausgesetzt. Der Wechsel an das Lehrerbildungsinstitut in Berlin-Hohenschönhausen bedeutet für sie zunächst einen Neuanfang. Mit dem Mauerfall im Jahr 1989 verbindet Gärtner große Hoffnungen. Gemeinsam mit einer Kollegin wird sie an das Pädagogische Zentrum in der Berliner Straße in Westberlin versetzt. Doch der erhoffte Aufbruch bleibt aus und wird von Ernüchterung begleitet. Trotz ihrer Ausbildung und langjährigen Berufserfahrung erhält sie lediglich ein Anfängergehalt, und ihre Zeugnisse müssen erst vom Senat anerkannt werden. Zudem wird ihr offene Ablehnung entgegengebracht – eine Westkollegin erklärt ihr unverblümt: „Wir wollen euch hier nicht, ihr kommt aus dem Osten und ihr stinkt. Außerdem bekommen wir jetzt keine Berlin-Zulage mehr.“ Hinzu kommen deutliche Unterschiede im Arbeitsverständnis: Während in Hohenschönhausen alle über das Aufgabenfeld der anderen informiert waren und bei Bedarf einsprangen, herrschte in Westberlin eine strikte Trennung der Zuständigkeiten. Auch ihre Entscheidung, trotz Kinder in Vollzeit zu arbeiten, stößt auf Unverständnis und sie wird als „Rabenmutter“ bezeichnet. So sieht sich Gärtner sowohl vor als auch nach 1989 mit dem Kampf um Anerkennung konfrontiert.</p>
<p>Eine analytische Einordnung liefert die Historikerin Anja Schröter (*1983), die unter anderem zum Scheidungsrecht in der DDR forscht. Im Gespräch mit Schuhmann erläutert sie die Unterschiede zwischen vollzeitbeschäftigten ostdeutschen Frauen und den wenigen, die etwa aufgrund der Pflege von Angehörigen nicht berufstätig waren. Mit der Übernahme des bundesdeutschen Scheidungsrechts verloren Letztere den Rentenanteil aus der DDR, für den sie lediglich einen symbolischen Beitrag entrichtet hatten. Da das System des Versorgungsausgleichs in der Bundesrepublik Deutschland auf dem Modell der „Hausfrauenehe“ beruhte, also auf einer Eheform, in der Frauen dem Mann den Rücken freihielten und im Scheidungsfall Rentenpunkte angerechnet bekamen, griff dieses System für viele DDR-Frauen nicht, weil es in der DDR nicht existierte. Die Frauen hatten darauf vertraut, durch ihre Einzahlungen abgesichert zu sein. Dieses Vertrauen erwies sich im Nachhinein als folgenschwerer Irrtum.</p>
<p>Eindrucksvoll ist auch die Geschichte der 1963 geborenen Designerin, Künstlerin und Hebamme Jeanne: Als Tochter einer DDR-Staatsbürgerin und eines Mannes aus Guinea wächst sie nach der frühen Trennung der Eltern allein bei ihrer Mutter auf. Diese sah sich nicht nur mit der Herausforderung der Alleinerziehung konfrontiert, sondern war auch massiven, rassistischen Anfeindungen ausgesetzt: Sie wurde bespuckt und beschimpft. Von der propagierten Völkerfreundschaft war im Alltag wenig zu spüren. Die ständigen Angriffe führten dazu, dass sich Jeannes Mutter zunehmend zurückzog und versuchte, sich und ihr Kind unsichtbar zu machen. Die psychische Belastung übertrug sich auf Jeanne. Mit neun Jahren versucht sie, aus dem Fenster zu springen, weil sie das Verdrängen der Erlebnisse nicht mehr aushält. Von frühester Kindheit an kämpft sie um Anerkennung und gegen Beleidigungen – bis heute. Im Rückblick beschreibt sie einen Unterschied zwischen der Zeit vor und nach 1989: Vorher hätten sich viele „zusammengerissen“, danach hätten viele „die Sau rausgelassen“.</p>
<p>Trotz unterschiedlicher Jahrgänge und Lebenswege lassen sich in den Interviews verbindende Linien erkennen. Keine der Frauen trauert der DDR nach, doch viele von ihnen berichten von biografischen Brüchen nach 1990 – von neuen Chancen ebenso wie von Verlusten und von veränderten Beziehungen zu Familie und Freunden. Auffällig ist zudem ein wiederkehrendes Motiv: Die Beziehung zwischen Ostdeutschen wird häufig als unkomplizierter und selbstverständlicher beschrieben als die zu Westdeutschen. Dies wird mit geteilten Erfahrungen begründet. Annette Schuhmann gelingt es, weibliche Perspektiven differenziert in die ostdeutsche Identitätsdebatte einzubringen, ohne sie auf das Schlagwort „Identität“ zu verengen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Frank Nehring und Robert Nehring: Vorwort zum zweiten Band von „Denke ich an Ostdeutschland ...“</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/frank-nehring-und-robert-nehring-vorwort-zum-zweiten-band-von-denke-ich-an-ostdeutschland/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Sep 2025 05:30:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Frank Nehring und Robert Nehring sind die Herausgeber des kürzlich veröffentlichten zweiten Sammelbandes „Denke ich an Ostdeutschland …“. Hier erscheint ihr Vorwort zum zweiten Sammelband online.</p>
<p><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7453" class="wp-image-7453" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/Nehring_Nehring_DIAO2_beschn.jpg" alt="Frank Nehring (li.), Mitherausgeber der Sammelbände „Denke ich an Ostdeutschland …“, und Dr. Robert Nehring, Initiator und Herausgeber der beiden Sammelbände „Denke ich an Ostdeutschland …“ sowie Chefredakteur von ostdeutschland.info. Abbildung (links): Christiane Fiedler" width="600" height="328">Frank Nehring (li.), Herausgeber der Sammelbände „Denke ich an Ostdeutschland …“, und Dr. Robert Nehring, [...]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Frank Nehring und Robert Nehring sind die Herausgeber des kürzlich veröffentlichten zweiten Sammelbandes „Denke ich an Ostdeutschland …“. Hier erscheint ihr Vorwort zum zweiten Sammelband online.</p>
<p><span id="more-7446"></span></p>
<div id="attachment_7453-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7453-2" class="wp-image-7453" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/Nehring_Nehring_DIAO2_beschn.jpg" alt="Frank Nehring (li.), Mitherausgeber der Sammelbände „Denke ich an Ostdeutschland …“, und Dr. Robert Nehring, Initiator und Herausgeber der beiden Sammelbände „Denke ich an Ostdeutschland …“ sowie Chefredakteur von ostdeutschland.info. Abbildung (links): Christiane Fiedler" width="600" height="328"><p id="caption-attachment-7453-2" class="wp-caption-text">Frank Nehring (li.), Herausgeber der Sammelbände „Denke ich an Ostdeutschland …“, und Dr. Robert Nehring, Initiator und Herausgeber der beiden Sammelbände „Denke ich an Ostdeutschland …“ sowie Chefredakteur von ostdeutschland.info. Abbildung (links): Christiane Fiedler</p></div>
<p>Im September 2024 ist Band eins von „Denke ich an Ostdeutschland ...“ erschienen. Die Idee kam von Herzen. Wir fanden es einfach wichtig, angesichts der damaligen Situation mit zunehmendem Populismus und stagnierendem Angleichungsprozess Stimmen zu sammeln und Impulse zu veröffentlichen, die Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung ermöglichen sowie Perspektiven für eine erfolgreiche Zukunft aufzeigen.</p>
<p>Trotz einigen Know-hows, mancher Kontakte und hohen Einsatzes war dieser Band ein Schuss ins Blaue. Ist Ostdeutschland auch für andere noch ein Thema? Finden sich geeignete Personen, die etwas Substanzielles dazu in einem längeren Text sagen wollen und können? Die dabei ihre Herkunft preisgeben und vielleicht sogar Privates teilen? Und interessiert das dann auch genügend Leser?</p>
<p>Der Schuss ins Blaue traf ins Schwarze. Wir waren beeindruckt vom großartigen Feedback. Ja, der Osten ist noch ein Thema – im negativen, aber auch im positiven Sinne. Das Buch erreichte eine hohe Bekanntheit. Aus seinem Erscheinen entwickelten sich viele Gespräche und neue Kontakte. Manche bedauerten, nicht in Band eins veröffentlicht zu haben, und es fielen uns weitere ein, die auch zu Wort kommen sollten. So entstand der Entschluss, es gleich noch einmal zu versuchen.</p>
<p>Und nun halten Sie Band zwei in den Händen – mit noch einmal 54 Beiträgen von weiteren 60 Autorinnen und Autoren. Zusammen mit Band eins liegen damit 108 Artikel von 120 Impulsgeberinnen und Impulsgebern auf 448 Seiten vor. Auch dieser zweite Band soll dazu beitragen, den Knoten zu lösen, der sich noch heute in der Beziehung von Ost und West befindet. Er soll nicht noch fester werden, indem sich beide Seiten weiter entfernen. Durch ein Aufeinander-zu-Gehen soll er sich lockern, um ihn dann einmal entwirren zu können.</p>
<p>Persönlichkeiten aus, in und vor allem für Ostdeutschland zeigen Chancen auf, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die Impulsgeberinnen und Impulsgeber erzählen Begebenheiten und schildern Sachverhalte, die aufklären und Mut machen.</p>
<p>Wir danken allen Autorinnen und Autoren ganz herzlich – für ihre Impulse, ihre Zeit und die Einblicke, die sie gewähren. Die meisten der Beiträge sind im Frühjahr 2025 entstanden. Unser Dank gilt auch Aavin Ahmad, Boris Bertram, Gerrit Krämer und Christian Marx, die bei Lektorat und Korrektur unterstützt haben, sowie Tonja Heilmeyer und Maria Riesenhuber für die Gestaltung.</p>
<p>Mit Erscheinen von Band eins ist Mitte September 2024 auch die Website ostdeutschland.info online gegangen. Das Informationsportal gibt Orientierung zum Thema Ostdeutschland und veröffentlicht konstant Neuigkeiten. In einer an ostdeutschen Medien und ostdeutscher Präsenz in den Medien armen Zeit informiert ostdeutschland.info unabhängig und umfassend. Gewinne aus dem Buchverkauf fließen übrigens in die Finanzierung der Seite ein. Schauen Sie gern einmal vorbei.</p>
<p>Frank Nehring und Robert Nehring, Juli 2025</p>
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<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
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<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/frank-nehring-und-robert-nehring-vorwort-zum-zweiten-band-von-denke-ich-an-ostdeutschland/">Frank Nehring und Robert Nehring: Vorwort zum zweiten Band von „Denke ich an Ostdeutschland ...“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Larissa Zeichhardt: Chancen und Innovationen. Werte und Unternehmertum am Standort Ostdeutschland</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/larissa-zeichhardt-chancen-und-innovationen-werte-und-unternehmertum-am-standort-ostdeutschland/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Sep 2025 06:20:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Larissa Zeichhardt, Geschäftsführerin LAT Gruppe und Campus Hütte, ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch in dem Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/zeichhardt_ost-info.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2279" class="wp-image-2279 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/zeichhardt_ost-info.jpg" alt="Larissa Zeichhardt, Geschäftsführerin, LAT Gruppe, Campus Hütte. Abbildung: Anne Grossmann" width="704" height="1000"></a>Larissa Zeichhardt, Geschäftsführerin LAT Gruppe und Campus Hütte. Abbildung: Anne Grossmann<br />
Mit fünf Jahren habe ich meinen ersten Berufswunsch geäußert: Toilettenfrau, „weil die immer so [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/larissa-zeichhardt-chancen-und-innovationen-werte-und-unternehmertum-am-standort-ostdeutschland/">Larissa Zeichhardt: Chancen und Innovationen. Werte und Unternehmertum am Standort Ostdeutschland</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Larissa Zeichhardt, Geschäftsführerin LAT Gruppe und Campus Hütte, ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch in dem Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><span id="more-2278"></span></p>
<div id="attachment_2279-2" style="width: 714px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/zeichhardt_ost-info.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2279-2" class="wp-image-2279 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/zeichhardt_ost-info.jpg" alt="Larissa Zeichhardt, Geschäftsführerin, LAT Gruppe, Campus Hütte. Abbildung: Anne Grossmann" width="704" height="1000"></a><p id="caption-attachment-2279-2" class="wp-caption-text">Larissa Zeichhardt, Geschäftsführerin LAT Gruppe und Campus Hütte. Abbildung: Anne Grossmann</p></div>
<p>Mit fünf Jahren habe ich meinen ersten Berufswunsch geäußert: Toilettenfrau, „weil die immer so viel Geld haben“. Natürlich – ich bin im Westen geboren. Vor der Wende dachte ich, das Land hinter der Berliner Siegessäule ist das Ende der Welt. Als die Mauer fiel, war ich acht Jahre alt. Es folgten Entdeckungstouren. Andere gingen wandern, wir suchten Lagerflächen. Für sehr große Kabeltrommeln. Mein Vater Heinz war Chef. Er rauchte Kette. Hin und wieder fuhr er rechts ran, um mit dem Camcorder eine Aufnahme zu machen. In Luckenwalde, Hammer, Pasewalk und in Hohenwalde waren wir mehrmals. Letzteres, ein Ortsteil von Frankfurt (Oder), wurde mir in der Jugend zur zweiten Heimat. Durch den Reitsport und die Menschen vor Ort habe ich einen Wert gelernt, der mich bis heute prägt: Zusammenhalt.</p>
<p>Anders als im Westen wurde Sport hier in der Breite gefördert. Die Trainer waren engagiert, streng und rund um die Uhr präsent. Es wurden keine Ausnahmen gemacht, Leistung stand im Vordergrund. Es gab Regeln. Engagement war eine Grundvoraussetzung. Nie wollte ich mehr dazu gehören als zu dieser Zeit. Ich lernte Überpünktlichkeit, mied sämtliche Markenklamotten, achtete penibel auf meine Wortwahl: „Dein Niki fetzt, urst schau“. Von Freitag bis Sonntag war ich ein absoluter Wannabe-Ossi. Denke ich an Ostdeutschland, dann denke ich an Werte. Disziplin, Willenskraft und Durchhaltevermögen verdanke ich meiner Zeit in Frankfurt (Oder).</p>
<hr>
<blockquote><p><strong>Denke ich an Ostdeutschland, dann denke ich an Zukunft. Ich denke an eine Generation, die geblieben ist, und an eine, die wiederkehrt. Ich denke an Gewinner.</strong></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Mehr weibliche Vorbilder</span></h2>
<p>Vielleicht fühle ich mich mit der Region um Hohenwalde bis heute so verbunden, weil ich jeden Sonntagabend abreisen musste. Manchmal ließ mich mein Vater auffliegen, wenn er mich mit dem Helikopter abholte. Ich war eben doch kein Kind von Honecker, sondern verkörperte den puren Kommerz.</p>
<p>Das ist auch heute noch so, denn ich bin Unternehmerin. Mein erster Ausflug in die Unternehmerwelt war allerdings eher Zufall: Der Bruder eines Freundes überredete mich, es folgte eine steile Lernkurve und ein paar Jahre später ein Streit, der meine Unternehmerkarriere vorerst beendete. Rückblickend hätte ein Business-Coach helfen können – und mehr Liquidität. Für Ostdeutschland wünsche ich mir mehr Fokus auf die weibliche Zielgruppe. Wir brauchen mehr Programme und Vorbilder. Auch eine direkte Ansprache der Zielgruppe 45+ vermisse ich. Dabei helfen Auszeichnungen, die auf Vorbilder aufmerksam machen.</p>
<p>Ich spreche aus Erfahrung, denn vor einigen Jahren setzte ich meine Karriere als Unternehmerin etwas ungewollt fort. Mein Vater verstarb plötzlich, ich wurde über Nacht zur Nachfolgerin. Die Glasfaserkabel im Osten waren längst verlegt, am Gleis fand LAT neue Arbeitsbereiche. Konnte ich das Familienunternehmen weiterführen? Es ging um Arbeitsplätze und an meiner Entscheidung hingen Familien. Gemeinsam mit meiner Schwester wollte ich es versuchen. Gegenstimmen gab es viele. Zwei Frauen in der Elektromontage – das konnte Man(n) sich nicht vorstellen. Dabei hatte ich nach der Wende doch so viele Frauen in technischen Berufen kennengelernt. Wo waren die nur geblieben? Vielleicht hatte die Kinderbetreuung doch einen Einfluss auf die Berufswahl? Warum bekommt aktuell ausgerechnet die Partei, die den Abbau von Kitaplätzen im Wahlprogramm verankert hat, so viel Zuspruch in den neuen Bundesländern? Liest das keiner? Denke ich an Ostdeutschland, dann denke ich an Chancen. Starke Beispiele für das, was mit einer Portion Stolz und Zuversicht möglich ist? Habe ich.</p>
<div id="attachment_2280-2" style="width: 423px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/20211006_115657306_iOS.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2280-2" class="wp-image-2280" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/20211006_115657306_iOS.jpg" alt="Das Familienunternehmen LAT sitzt in Berlin-Friedrichshain. Abbildung: LAT Gruppe" width="413" height="550"></a><p id="caption-attachment-2280-2" class="wp-caption-text">Das Familienunternehmen LAT sitzt in Berlin-Friedrichshain. Abbildung: LAT Gruppe</p></div>
<h2><span class="title-bg">Ärmel werden hochgekrempelt</span></h2>
<p>Besuche ich Berufsschulen in Brandenburg, dann sehe ich moderne Kaderschmieden der Macher. Erkannt hat das zum Beispiel das Oberstufenzentrum Fürstenwalde. Ein Blick auf deren Instagramkanal @Startzeit lohnt sich. Das Ergebnis ist ebenfalls sichtbar: Auf dem Campus Hütte (Eisenhüttenstadt, Brandenburg) bietet ein Verein Coworking für Handwerker. Nutzer sind Schüler des Oberstufenzentrums Oder-Spree. Geteilt werden 3-D-Drucker (Prototypenfertigung) und ein Podcast-Studio, genau wie Werkzeug und Wissen. Zu den Standortvorteilen zählen die Nähe zu Polen und die gute Bahnanbindung. Ich bin überzeugt, dass es auf unserem CO2-neutralen Campus in Zukunft noch mehr Ansiedlungen geben wird.</p>
<p>Auch die Universitäten müssen sich nicht verstecken. Regelmäßig lasse ich mich von der Technischen Hochschule Wildau inspirieren. Aus Alt mach Neu wurde hier architektonisch perfektioniert. In hellen Hallen wird Zukunft nicht nur gedacht, sondern umgesetzt. Unternehmertum wird hier großgeschrieben – und das mitten in Brandenburg! Und die Region? Profitiert zum Beispiel von den kostenfreien Workshops im VinnLab. Dort wird etwa gemeinsam gelernt, wie Prototyping funktioniert. In einer Ecke steht ein gerahmter Leitsatz, der Gesamtdeutschland gut steht: „Failure is always an option.“ Der schleichende Prozess, in dem die vermeintliche Jammerkultur durch eine gesunde Fehlerkultur ersetzt wird, der läuft doch längst. Warum das ausgerechnet in den neuen Bundesländern so sichtbar ist? Weil hier die Ärmel hochgekrempelt werden, und sei es „nur“, um das Dorffest am Anger zu organisieren. Aus nichts viel machen? Diese Fähigkeit haben die Menschen vor Ort bereits lange vor uns Wessis perfektioniert.</p>
<div id="attachment_2281-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/ArabelleLaternser_LarissaZeichhardt_Deutschland_Land-der-Ideen_c_Bernd-Brundert.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2281-2" class="wp-image-2281" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/ArabelleLaternser_LarissaZeichhardt_Deutschland_Land-der-Ideen_c_Bernd-Brundert.jpg" alt="Arabelle Laternser und Larissa Zeichhardt wurden mit dem Ostdeutschen Wirtschaftspreis ausgezeichnet. Abbildung: Land der Ideen" width="600" height="401"></a><p id="caption-attachment-2281-2" class="wp-caption-text">Arabelle Laternser und Larissa Zeichhardt wurden mit dem Ostdeutschen Wirtschaftspreis ausgezeichnet. Abbildung: Land der Ideen</p></div>
<h2><span class="title-bg">Innovationskraft und Erfahrung</span></h2>
<p>Die Zusammenarbeit zwischen Industrie- und Familienunternehmen sollte explizit gefördert werden. Die Erfahrung etablierter Unternehmen erhöht die Erfolgschancen, andersherum profitiert der Mittelstand von der Innovationskraft. Neue Technologien werden häufig erst durch Start-ups in den Markt gebracht. Wie ein gutes Netzwerk entsteht, zeigen Nico Gramenz mit dem Project Bay und das studentische Veranstaltungsformat N5 Symposium.</p>
<p>Auch bei LAT setzen wir auf Innovationskraft und den Austausch mit Universitäten und Start-ups. Wir haben uns den Schuh passend gemacht und unsere eigene Richtung gefunden. Geholfen haben uns Orte, an denen Industrie- und Familienunternehmen mit der Wissenschaft zusammenarbeiten. Gemeinsam erkunden wir, wie Baustellenabläufe stärker automatisiert werden können. Dank der Berliner Hochschule für Technik sind wir auf den Roboter gekommen. Mit dem Tech-Start-up Axo Track testen wir Sensorik für die prädiktive Wartung von Weichen. Die Projekte haben unsere Strahlkraft erhöht und machen uns Mut. Auf dem Radar der großen Beteiligungsfonds ist das Unternehmen angekommen, seit es sich für Ostdeutschland als Standort entschieden hat.</p>
<p>Aus meiner Sicht sind landeseigene Venturecapital-Fonds ein absoluter Vorteil der neuen Bundesländer. Sie prägen die ökonomische Entwicklung der Region und fördern forschungsintensive Industrien wie etwa Softwareentwicklung oder hoch spezialisierte Ingenieurssparten. Die Blaupause liefert Sachsen-Anhalt, das mit den IBG-Fonds eine beeindruckende Infrastruktur für Venturecapital-Investments geschaffen hat. Mit einem Portfolio von rund 45 Unternehmen und einem aktuellen Kapital von 63 Millionen Euro im neuen und aktiven IBG-Risikokapitalfonds RKF IV sind die Voraussetzungen geschaffen, um bestehende Unternehmen zu unterstützen und in neue, vielversprechende Start-ups zu investieren. Tesvolt aus Wittenberg beispielsweise profitiert davon und ist mittlerweile führender Anbieter von Batteriemanagementsystemen im Gewerbebereich. Die Firma zählt zu den größten Arbeitgebern in der Region. Denke ich an Ostdeutschland, dann denke ich an Synergien. Hier werden Werte sichtbar und Mut gefördert. Die Wurzel des Erfolges: Das ist der Sport.</p>
<div id="attachment_2282-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Luftaufnahme.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2282-2" class="wp-image-2282" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Luftaufnahme.jpg" alt="Arbeiten auf einem CO2-neutralen Campus: Der Campus Hütte ist ein Projekt der LAT Gruppe. Abbildung: LAT Gruppe" width="600" height="208"></a><p id="caption-attachment-2282-2" class="wp-caption-text">Arbeiten auf einem CO2-neutralen Campus: Der Campus Hütte ist ein Projekt der LAT Gruppe. Abbildung: LAT Gruppe</p></div>
<h2><span class="title-bg">Sport und Machermut</span></h2>
<p>Ich habe nachgesehen: In den ländlichen ostdeutschen Regionen ist die Neigung, einen Betrieb zu gründen, deutlich geringer. Kaufinteressierte Nachfolger sind daher ebenso rar. Die Konsequenzen sind absehbar: 2023 waren in Sachsen 39 Prozent und in Thüringen 34 Prozent der Unternehmen auf der Suche nach einem Nachfolger (Commerzbank Unternehmerkunden-Studie, 2023). Wie bestehende Werte sichtbar gemacht werden, um Mut zu fördern? Wie wäre es mit Sport? Wird ein Radrennen auf dem Olympiastützpunkt in Frankfurt (Oder) zum Wirtschaftstreff, sind engagierte, pünktliche und teamfähige Fach- und Führungskräfte ein Ergebnis. Beim Boxen nebenan floriert ein Netzwerk aus Investoren. In den ersten Reihen von „Stralsund boxt“ diskutieren Wirtschaft und Politik über anstehende Investitionen. Ausgerechnet ein Hamburger Unternehmer ist für die Veranstaltung verantwortlich: Auf die Frage, was den Geschäftsführer nach Mecklenburg-Vorpommern treibt, sagt er etwas Essenzielles: „Hier wird Zusammenhalt großgeschrieben.“ Sein Geschäftspartner verrät, dass ein engagierter Trainer der örtlichen Jugendmannschaft ihnen das Versprechen abgenommen hat, hier Landesmeisterschaften und Profiboxen zu verbinden. Der Erfolg ist sichtbar: ausverkauftes Haus.</p>
<p>Noch etwas ist an diesem Abend ganz besonders: Max Suske, 21, ist auf dem Weg, Junioren-Weltmeister des World Boxing Council (WBC) zu werden. Alles hat er der Vorbereitung auf diesen Kampf untergeordnet. In Minute 2:35 geht er krachend k. o. Ein Held geht zu Boden und bleibt lange liegen. Die Halle ist still. Es ist, als wenn alle die Luft anhalten. Was folgt, beeindruckt mich nachhaltig: Der Sportler steht auf, berappelt sich und tritt vor die Kamera. Er stellt sich dem Publikum, seinem Stralsunder Publikum, und erklärt, wie hart das Scheitern ist. Er sagt, ich werde daraus lernen. Ich werde weiter machen. Mit dieser Geste sagt er mehr über Haltung und Kultur in Ostdeutschland, als ich in Sätzen auf dieses Papier bringen kann. Er gibt eine Richtung vor und steht zu seinen Werten. Er ist für mich der Inbegriff von Zuversicht und Machermut. Denke ich an Ostdeutschland, dann denke ich an Zukunft. Ich denke an eine Generation, die geblieben ist, und an eine, die wiederkehrt. Ich denke an Gewinner.</p>
<div id="attachment_2283-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/IMG_8491.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2283-2" class="wp-image-2283" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/IMG_8491.jpg" alt="LAT fördert Jugendsport und arbeitet mit dem Olympiastützpunkt in Frankfurt (Oder) zusammen. Abbildung: LAT Gruppe" width="600" height="450"></a><p id="caption-attachment-2283-2" class="wp-caption-text">LAT fördert Jugendsport und arbeitet mit dem Olympiastützpunkt in Frankfurt (Oder) zusammen. Abbildung: LAT Gruppe</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">LAT Gruppe</span></h2>
<p><strong>GEGRÜNDET:</strong> 1969/Westberlin<br>
<strong>STANDORT:</strong> Ostberlin<br>
<strong>MITARBEITENDE:</strong> 130<br>
<strong>WEBSITE:</strong> <a href="https://www.lat.de/" target="_blank" rel="noopener">lat.de</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Larissa Zeichhardt<a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1685" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg" alt="Label Impulsgeberin Ost" width="200" height="200"></a></span></h2>
<p><strong>GEBOREN:</strong> 1981/Westberlin<br>
<strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Berlin<br>
<strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> <a href="https://amzn.to/3WUA77c" target="_blank" rel="noopener">Issio Ehrich, Jakob Springfeld: „Unter Nazis. Jung, ostdeutsch, gegen rechts“, 2022</a><br>
<strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Das schweigende Klassenzimmer“, 2018<br>
<strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Eisenhüttenstadt</p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Denke-ich-an-Ostdeutschland.jpg" width="342" height="483">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p>In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist auch 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Dieser Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2024, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/larissa-zeichhardt-chancen-und-innovationen-werte-und-unternehmertum-am-standort-ostdeutschland/">Larissa Zeichhardt: Chancen und Innovationen. Werte und Unternehmertum am Standort Ostdeutschland</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Elitenmonitor 2025: Weiterhin zu wenige Ostdeutsche in Führungspositionen</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/aktueller-elitenmonitor-weiterhin-zu-wenige-ostdeutsche-in-fuehrungspositionen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Sep 2025 11:15:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser (SPD) hat heute im Bundesfinanzministerium aktuelle Zahlen zum Elitenmonitor, einer Langzeituntersuchung der Universitäten Leipzig, Jena und der Hochschule Zittau/Görlitz, vorgestellt. ostdeutschland.info war vor Ort. Zentrale Erkenntnis: Ostdeutsche bleiben in Führungspositionen weiterhin unterrepräsentiert. Besonders alarmierend sind die Zahlen in Wirtschaft und Kultur.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-5425" class="wp-image-5425" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/05/verkleinert-Elisabeth-Kaiser.jpg" alt="Elisabeth Kaiser (SPD), MdB, (Mitte), im Gespräch während der Eröffnung der Ausstellung &#34;Home Street Home - Wege aus der Obdachlosigkeit&#34; in der Halle des Paul-Löbe-Hauses. Abbildung: Janine Schmitz/Photothek" width="600" height="400">Die [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/aktueller-elitenmonitor-weiterhin-zu-wenige-ostdeutsche-in-fuehrungspositionen/">Elitenmonitor 2025: Weiterhin zu wenige Ostdeutsche in Führungspositionen</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser (SPD) hat heute im Bundesfinanzministerium aktuelle Zahlen zum Elitenmonitor, einer Langzeituntersuchung der Universitäten Leipzig, Jena und der Hochschule Zittau/Görlitz, vorgestellt. ostdeutschland.info war vor Ort. Zentrale Erkenntnis: Ostdeutsche bleiben in Führungspositionen weiterhin unterrepräsentiert. Besonders alarmierend sind die Zahlen in Wirtschaft und Kultur.</p>
<p><span id="more-7580"></span></p>
<div id="attachment_5425-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-5425-2" class="wp-image-5425" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/05/verkleinert-Elisabeth-Kaiser.jpg" alt="Elisabeth Kaiser (SPD), MdB, (Mitte), im Gespräch während der Eröffnung der Ausstellung &quot;Home Street Home - Wege aus der Obdachlosigkeit&quot; in der Halle des Paul-Löbe-Hauses. Abbildung: Janine Schmitz/Photothek" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-5425-2" class="wp-caption-text">Die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser (SPD) stellte am 19. September 2025 neue Zahlen aus dem Elitenmonitor vor. Abbildung: Janine Schmitz/Photothek</p></div>
<p>Laut des aktuellen <a href="https://research.uni-leipzig.de/elitenmonitor/" target="_blank" rel="noopener">Elitenmonitors</a> stieg der Anteil Ostdeutscher in Spitzenjobs von 10,9 Prozent im Jahr 2018 auf 12,1 Prozent Ende 2024. Der Anteil Ostdeutscher an der Gesamtbevölkerung liegt nach Angaben der Forscher bei 20 Prozent.</p>
<h2><span class="title-bg">Angemessen vertreten in der Politik, kaum in der Wirtschaft</span></h2>
<p>Die Bundesregierung hat sich in der vergangenen Legislatur mit einem Bundeskonzept verpflichtet, den Anteil von Ostdeutschen in Führungspositionen in der Bundesverwaltung zu steigern. Aber zwischen den gesellschaftlichen Bereichen bestehen weiterhin große Unterschiede. Während es in Politik und Verwaltung eine Steigerung gab (Politik 2018: 19,9 Prozent – 2024: 21,4 Prozent; Verwaltung 2018: 9,8 Prozent – 2024: 12,7 Prozent), gingen in anderen Sektoren die Anteile teilweise zurück, zum Beispiel in der Wirtschaft (2018: 5,1 Prozent – 2024: 4,0 Prozent) und in der Kultur (2018: 9,3 Prozent – 2024: 6,8 Prozent). Im Elitenmonitor wurden rund 3.000 Spitzenpositionen in zwölf Sektoren untersucht.</p>
<p>„Die Bundesregierung bekennt sich klar dazu, den Anteil von Ostdeutschen in den Führungspositionen zu steigern. Dafür müssen wir noch stärker für das Thema sensibilisieren und Strategien entwickeln, die darauf hinwirken, dass mehr Ostdeutsche in Führungspositionen kommen“, erklärte die Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland, Elisabeth Kaiser, bei der Vorstellung des Monitors. Offen bleibt dabei jedoch weiterhin, wie den sinkenden Zahlen in den betreffenden Sektoren entgegenzuwirken ist.</p>
<p>Immerhin: Die Bundesregierung hat sich in der vergangenen Legislatur mit einem Bundeskonzept verpflichtet, den Anteil von Ostdeutschen in Führungspositionen in der Bundesverwaltung zu steigern. Kaiser zufolge ist der Anteil Ostdeutscher dort über alle Führungsebenen hinweg weiter gestiegen, von 13,9 Prozent im Jahr 2022 auf inzwischen 15,5 Prozent. Abgefragt wurden 24 oberste Bundesbehörden. Auch die 90 oberen Bundesbehörden insgesamt verzeichnen einen Zuwachs: Hier erhöhte sich der Anteil Ostdeutscher zwischen 2022 und 2025 von 11,9 auf 12,6 Prozent.</p>
<h2><span class="title-bg">Weiter viel Luft nach oben bei der Chancengleichheit</span></h2>
<p>Die Ergebnisse des Diversität und Chancengleichheit Survey 2024 (DuCS) unterstreichen die Befunde aus dem Bundeskonzept. Während 22,2 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten der Bundesverwaltung Handlungsbedarf bei der Förderung von Chancengleichheit erkennen, sehen diesen nur 6,8 Prozent der Westdeutschen. Das DuCS 2024 wurde vom Bundesinstitut für Bevölkerungsentwicklung (BIB) durchgeführt.</p>
<p>Der Elitenmonitor ist eine permanent aktualisierte Datenbank mit Informationen zu rund 3.000 Elitenpositionen, die von etwa 4.100 Führungskräften in zwölf Sektoren besetzt sind oder waren. Der aktuelle Stand des Elitenmonitors soll am 1. Oktober 2025 offiziell vorgestellt werden.</p>
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		<title>Toni Willkommen: Wo sind sie, die Ossis? Diversität nicht vergessen</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/toni-willkommen-wo-sind-sie-die-ossis-diversitaet-nicht-vergessen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Sep 2025 05:30:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=2269</guid>

					<description><![CDATA[<p>Toni Willkommen, Podcast-Host von „Einheit gut, alles gut“, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch in dem Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/willkommen_ost-info.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2270" class="wp-image-2270 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/willkommen_ost-info.jpg" alt="Toni Willkommen, Podcast-Host „Einheit gut, alles gut“. Abbildung: Toni Willkommen" width="707" height="1000"></a>Toni Willkommen, Podcast-Host „Einheit gut, alles gut“. Abbildung: Toni Willkommen<br />
Als ich vor etwa neun Jahren nach zahlreichen Stationen des Studiums im In- und Ausland [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/toni-willkommen-wo-sind-sie-die-ossis-diversitaet-nicht-vergessen/">Toni Willkommen: Wo sind sie, die Ossis? Diversität nicht vergessen</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Toni Willkommen, Podcast-Host von „Einheit gut, alles gut“, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch in dem Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><span id="more-2269"></span></p>
<div id="attachment_2270-2" style="width: 717px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/willkommen_ost-info.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2270-2" class="wp-image-2270 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/willkommen_ost-info.jpg" alt="Toni Willkommen, Podcast-Host „Einheit gut, alles gut“. Abbildung: Toni Willkommen" width="707" height="1000"></a><p id="caption-attachment-2270-2" class="wp-caption-text">Toni Willkommen, Podcast-Host „Einheit gut, alles gut“. Abbildung: Toni Willkommen</p></div>
<p>Als ich vor etwa neun Jahren nach zahlreichen Stationen des Studiums im In- und Ausland in einem großen Medienhaus in Hamburg ins Berufsleben startete, verließ ich meine ostdeutsche Heimat bewusst. Es fühlte sich gut an. Die Chancen, die mir anderswo geboten wurden, waren für mich attraktiver. Die Karriereperspektive größer. Die Wahrscheinlichkeit, schneller ins richtige Netzwerk zu kommen, höher. Aber es gab auch ein Gefühl, das ich damals nicht genau zuordnen konnte. Ich verließ die Heimat, der ich so viel zu verdanken hatte und die doch gerade so junge, motivierte, gut ausgebildete Menschen wie mich brauchte. War das ein schlechtes Gewissen?</p>
<h2><span class="title-bg">Mein Plan ging auf</span></h2>
<p>Ich fasste Fuß in Hamburg, mein Plan ging auf. Ich lernte im Rahmen meines Jobs unheimlich viele Menschen kennen – Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft. Ich rede gern und mich interessieren die Geschichten und Vergangenheiten der Menschen. Aber so bunt, spannend und facettenreich, wie unsere Gesellschaft auch ist, Ostdeutsche waren selten dabei.</p>
<p>Dieses Gefühl ließ mich immer etwas taub werden. Zumal meine Herkunft für mich ein Gefühl der Verantwortung ist. Was ich für mich im Kleinen feststellen musste, ist im Gesamtblick der Bundesrepublik nicht anders: Rund 17 Prozent aller Menschen in Deutschland kommen aus Ostdeutschland, aber auch über 30 Jahre nach der Wiedervereinigung sind Ostdeutsche in der sogenannten Elite – also in den Führungspositionen von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft – stark unterrepräsentiert. Eine Studie von 2022 besagt, dass gerade einmal 3,5 Prozent der bundesdeutschen Top-Elitepositionen mit Ostdeutschen besetzt sind.</p>
<p>Was macht das mit unserer Gesellschaft? Wie wirkt sich das auf unser Zusammenleben und das Vertrauen in unsere Politik und Institutionen aus, wenn ein bedeutender Teil unserer Gesellschaft nicht entsprechend repräsentiert ist?</p>
<p>Um diesem Thema eine größere Bühne zu geben und meiner Neugier nach spannenden Geschichten nachzukommen, habe ich den Podcast „Einheit gut, alles gut“ ins Leben gerufen – einen Podcast über Menschen, den Osten und den Weg zur Gleichberechtigung.</p>
<p>Der Podcast porträtiert Menschen mit ostdeutscher Herkunft und Menschen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen (#wessiserlaubt). Sie alle sind viel mehr als ihre ostdeutschen Wurzeln. Ich spreche mit meinen Gästen darüber, welchen Stellenwert ihre Herkunft für sie hat, ob sie diese als Chance oder Hindernis begriffen haben und vor allem darüber, was wir tun müssen, um diesem Aspekt in der Diversitätsdiskussion mehr Gewicht zu verleihen. Es ist ein Podcast mit persönlichen Geschichten, Sichtweisen und dem Blick nach vorn.</p>
<hr>
<blockquote><p><strong>Ich bin stolz, ostdeutsch zu sein, und sehe es als meine ganz persönliche Verantwortung, mich für meine Wurzeln einzusetzen.”</strong></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Gerade noch so ein Kind der DDR</span></h2>
<p>Geboren wurde ich Ende 1988 in Pirna. Gerade noch rechtzeitig, um die 100 Mark Begrüßungsgeld zu bekommen. Sie wurden in ein Kuscheltier investiert, der Rest ging für ein Küchenradio drauf. Aufgewachsen aber bin ich in einem kleinen Dorf etwa 15 Kilometer entfernt: Haus, Grundstück, Garten. Oma und Opa sowie das elterliche Unternehmen direkt nebenan.</p>
<p>Die Geschichte meiner Familie und unseres Unternehmens ist für mich einerseits besonders, andererseits auch typisch für die vielen Biografien in Ostdeutschland. Im Jahr 1834 gründete mein Ururururgroßvater eine Ziegelei – ein Unternehmen, das sich über die Jahre prächtig entwickelte und zu einer Größe in der Region wurde. Die stolze Familiengeschichte von Generation zu Generation baute auf dem Unternehmertum, dem persönlichen Einsatz und dem Mut vieler meiner Vorfahren auf. Im Jahr 1946 übernahmen meine Großeltern die Führung, bis es zu dem kam, was viele private Unternehmen durchzustehen hatten: 1972 wurde das Unternehmen verstaatlicht, ein VEB geschaffen. Mein Opa wurde über Nacht vom Geschäftsführer zum Angestellten degradiert. Die Übernahme durch den Staat: ein herber persönlicher Schlag für meine Familie. Bis zum Mauerfall blieb das so. Der Zustand 1989: heruntergewirtschaftet, marode, wettbewerbsunfähig. 1990 wurde das Unternehmen mit dem Ende der DDR reprivatisiert und meine Eltern ließen es bis zum heutigen Tag durch unermüdlichen persönlichen Einsatz zu einem erfolgreichen Mittelstandsunternehmen anwachsen.</p>
<p>Warum ich das so detailliert erzähle? Weil es viel über mich und die Art meiner ostdeutschen Sozialisierung und Prägung aussagt. Ich konzentriere mich auf drei Dinge:</p>
<p>1. Die Gewissheit, dass sich Dinge über Nacht ändern können, und die Aufgabe, sich daran anzupassen, haben meine Familie geprägt. Es steckt in ihnen (und somit auch in mir). Sie haben gesehen, wie über Nacht eine Gesellschaftsform endet – Werte, Funktionen und Ideologien sind plötzlich nichtig. Sie haben diese großen Umbrüche erlebt und überlebt. So schauen sie auf die aktuellen Krisen, die vor uns liegen, vielleicht etwas gelassener als andere. Diesen Mut und die Resilienz, sich auf Neues einstellen zu können, trage ich in mir.</p>
<p>2. Der Wiederaufbau des Unternehmens nach der Wende und somit auch des familiären Stolzes erforderte Pragmatismus und Kreativität. Aus „nichts“ so viel zu schaffen, gelingt nicht über Nacht. Der Erfindergeist, die Demut und die Hemdsärmeligkeit meiner Eltern bewundere ich bis heute.</p>
<p>3. Meine Eltern waren aktiv am Wiederaufbau des Unternehmens beteiligt. Meine Mutter ging nach meiner Geburt schnell wieder arbeiten, ich verbrachte früh Zeit im Kindergarten. Die Gleichstellung zwischen Frau und Mann und die Emanzipation der Frau waren und sind für mich immer eine Selbstverständlichkeit gewesen.</p>
<div id="attachment_2271-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Anfaenge-der-Ziegelei.png"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2271-2" class="wp-image-2271" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Anfaenge-der-Ziegelei.png" alt="Die Anfänge des Familienunternehmens. Abbildung: Toni Willkommen" width="600" height="381"></a><p id="caption-attachment-2271-2" class="wp-caption-text">Die Anfänge des Familienunternehmens. Abbildung: Toni Willkommen</p></div>
<h2><span class="title-bg">Warum wir die Ossis brauchen</span></h2>
<p>Sehr oft höre ich den Satz „Ach, aus dem Osten?! Das hört man gar nicht, super!“. Viel mehr würde ich mir wünschen, dass Menschen sagen „Ach, aus dem Osten?! Das merkt man voll, super!“ Viele Ostdeutsche und die Generation, die durch ostdeutsche Werte und Prägungen sozialisiert wurde, tragen Stärken in sich, die es sich lohnt, zu sehen, zu nutzen und sie noch bewusster in unser gesellschaftliches Miteinander einzubringen. Sie haben gelernt, dass nicht immer alles zur Verfügung stehen muss, und sie schauen aufgrund der Verwerfungen in ihrer Biografie anders auf manche Aspekte.</p>
<p>Die Repräsentanz in entscheidenden Positionen ist elementar. Es müssen Vorbilder geschaffen werden. Zu oft wird über den Osten gesprochen, zu selten mit ihm und durch ihn selbstwirksam entschieden. Mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung sehen wir, dass sich die Positionen von Westdeutschen und Ostdeutschen bei zentralen Punkten unterscheiden. Der Osten ist deutlich kritischer gegenüber unserer Demokratie, unserer gesellschaftlichen Verfassung, den staatlichen Einrichtungen und den Medien. Alles auf die mangelnde Sichtbarkeit zu schieben, wäre zu kurz gegriffen. Aber Studien zeigen eben auch, dass ein Zusammenhang besteht.</p>
<p>Diese Erkenntnis müssen wir aufnehmen und neue Realitäten schaffen – nicht nur, weil wir erkennen, dass politisch extreme Kräfte genau dieses Gefühl ausnutzen und ihren Erfolg darauf aufbauen, sondern vor allem, weil es unsere gemeinsame Verantwortung ist.</p>
<div id="attachment_2272-2" style="width: 423px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Toni-Dresden.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2272-2" class="wp-image-2272" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Toni-Dresden.jpg" alt="Mit Dresden verbindet Toni Willkommen ein Gefühl von Heimat und Verbundenheit. Abbildung: Toni Willkommen" width="413" height="550"></a><p id="caption-attachment-2272-2" class="wp-caption-text">Mit Dresden verbindet Toni Willkommen ein Gefühl von Heimat und Verbundenheit. Abbildung: Toni Willkommen</p></div>
<h2><span class="title-bg">Ein neues Selbstbewusstsein</span></h2>
<p>Vieles ist damals gut gelaufen, einiges schief. Es gehört dazu, in die Vergangenheit zu schauen. Es hilft, Dinge einordnen zu können und Zusammenhänge aufzustellen. Es hilft, Meinungen und Entscheidungen von Menschen besser zu verstehen.</p>
<p>Aber: Als Jahrgang 1988 habe ich das große Glück, eher nach vorn schauen zu können – und zu müssen. Das versuche ich auch in meinem Podcast „Einheit gut, alles gut“. In meinen Gesprächen, in denen ich auch sehr viel über mich lerne, spüre ich ein unheimliches Selbstbewusstsein der Ostdeutschen. Es gibt so viele spannende Geschichten, Firmengründungen, Unternehmergeist, Erfolge in Kultur und Wissenschaft, die es zu erzählen gilt. Es wächst eine neue Generation an Ostdeutschen heran, die nun in entscheidende Führungspositionen gehen können, die besser vernetzt sind, eine hervorragende Ausbildung genossen haben und den Mut und die Leidenschaft mitbringen, Dinge zu verändern. Lasst uns diese guten Geschichten erzählen – der Osten hat es verdient!</p>
<p>Zugleich wünsche ich mir von den etwas Älteren mehr Verständnis dafür, dass viele Dinge auch in unserer eigenen Hand liegen – wir sie selbst angehen können und müssen. Demokratie und ein gutes Miteinander sind keine Einbahnstraße. So wundere ich mich schon, dass sich nicht wenige Menschen in Ostdeutschland dem aktuellen politischen System entgegenstellen, dessen Freizügigkeit aber gerne nutzen. Viele lieben den Urlaub im Ausland oder wählen frei ihren Beruf. Dinge, die ihnen früher nur eingeschränkt möglich waren, weil sie in einer Diktatur lebten. Dass die Vorteile unserer Freiheit und unserer Demokratie von einigen nicht gesehen werden, macht mich traurig.</p>
<p>Letztlich wissen wir alle, dass sich Dinge ändern müssen. So muss etwa der Wirtschaftsstandort Ostdeutschland deutlich attraktiver werden. Die Menschen brauchen das Gefühl, Teil der Erfolgsgeschichte Deutschlands zu sein und ihren Beitrag leisten zu können. Es müssen Lohnunterschiede abgebaut werden – Geld spielt nun mal eine zentrale Rolle, wenn wir Gleichberechtigung erlangen wollen. Es braucht dafür mehr Menschen mit ostdeutscher Identität in zentralen Rollen. Ob es dafür eine Quote braucht? Ich glaube nicht – ähnlich sehen das auch fast alle meiner Interviewpartnerinnen und Interviewpartner, denen ich die Frage immer am Ende des Podcasts stelle. Vielmehr braucht es eine größere Sensibilität für diese Dimension der Diversität.</p>
<p>Auf mein anfangs beschriebenes Gefühl des schlechten Gewissens kann ich sagen: Ja, vielleicht war es das damals. Heute weiß ich: Ich bin stolz, ostdeutsch zu sein, und sehe es als meine ganz persönliche Verantwortung, mich für meine Wurzeln einzusetzen. Ich tue das selbstbewusst – und letztlich kommt es gar nicht darauf an, ob ich dafür in Hamburg oder Pirna bin.</p>
<div id="attachment_2273-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Kachel-Podcast-Toni-Willkommen.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2273-2" class="wp-image-2273" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Kachel-Podcast-Toni-Willkommen.jpg" alt="Herzensprojekt: der Podcast „Einheit gut, alles gut“. Abbildung: Guido Rottmann" width="600" height="600"></a><p id="caption-attachment-2273-2" class="wp-caption-text">Herzensprojekt: der Podcast „Einheit gut, alles gut“. Abbildung: Guido Rottmann</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Toni Willkommen</span></h2>
<p><strong>GEBOREN:</strong> 1988/Pirna<br>
<strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Hamburg<br>
<strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> <a href="https://amzn.to/4fMH1Ef" target="_blank" rel="noopener">Udo Baer: „DDR-Erbe in der Seele“, 2020</a><br>
<strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Go Trabi Go“, 1991<br>
<strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Wandern in der Sächsischen Schweiz</p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Denke-ich-an-Ostdeutschland.jpg" width="342" height="483">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p>In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist auch 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Dieser Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2024, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/toni-willkommen-wo-sind-sie-die-ossis-diversitaet-nicht-vergessen/">Toni Willkommen: Wo sind sie, die Ossis? Diversität nicht vergessen</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zweiter Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland …“ erschienen</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/zweiter-sammelband-denke-ich-an-ostdeutschland-erschienen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Sep 2025 05:13:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=6687</guid>

					<description><![CDATA[<p>Heute ist der zweite Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland …“ erschienen. Weitere 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wertvolle Impulse für den Osten Deutschlands. Zu Wort kommen engagierte Personen und Unternehmen aus, in, vor allem aber für Ostdeutschland.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignnone" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt width="400" height="566"><br />
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In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist auch 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Dieser Sammelband will einen weiteren Beitrag dazu leisten, ihn zu [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/zweiter-sammelband-denke-ich-an-ostdeutschland-erschienen/">Zweiter Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland …“ erschienen</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Heute ist der zweite Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland …“ erschienen. Weitere 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wertvolle Impulse für den Osten Deutschlands. Zu Wort kommen engagierte Personen und Unternehmen aus, in, vor allem aber für Ostdeutschland.<br>
<span id="more-6687"></span><br>
<img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignnone" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt width="400" height="566"></p>
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<p>In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist auch 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Dieser Sammelband will einen weiteren Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden. Zu ihnen zählen unter anderem:</p>
<ul>
<li>Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommern, SPD</li>
<li>Dr. Dietmar Woidke, Ministerpräsident Brandenburg, SPD</li>
<li>Bodo Ramelow, Ex-Ministerpräsident Thüringen, Die Linke</li>
<li>Dr. Andreas H. Apelt, Mitbegründer und Beauftragter des Vorstandes, Deutsche Gesellschaft e. V.</li>
<li>Iris Bethge-Krauß, Hauptgeschäftsführerin Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB, e.V.</li>
<li>Christin Bohmann, MDR-Chefredakteurin</li>
<li>Christian Bollert, Geschäftsführer detektor.fm</li>
<li>Prof. Dr. Thomas Brockmeier, Hauptgeschäftsführer IHK Dessau/Halle</li>
<li>Mario Czaja, Präsident des Deutschen Roten Kreuzes im Landesverband von Berlin, CDU</li>
<li>Dr. Peter-Michael Diestel, Rechtsanwalt, DDR-Innenminister</li>
<li>Olaf Ebert, Geschäftsführender Vorstand Stiftung Bürger für Bürger</li>
<li>David Fischer, Geschäftsführer Kommunikation Dynamo Dresden</li>
<li>Stanley Fuls, Vorstandsvorsitzender Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft eG</li>
<li>Martin Geisthardt, Geschäftsführer 1. FC Magdeburg</li>
<li>Robert Ide, Redakteur Tagesspiegel</li>
<li>Clemens Kießling, Podcast-Host „Nach meiner Kenntnis ist das sofort!“</li>
<li>Manja Kliese, Diplomatin Auswärtiges Amt</li>
<li>Petra Köpping, Sächsische Staatsministerin für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt</li>
<li>Dr. Tomasz Kurianowicz, Chefredakteur Berliner Zeitung</li>
<li>Dr. Katrin Leonhardt, Vorstandsvorsitzende Sächsische Aufbaubank</li>
<li>Markus Meckel, letzter Außenminister der DDR</li>
<li>Prof. em. Dr. Christoph Meinel, Institutsdirektor und CEO a. D. Internet-Technologien und Systeme Hasso-Plattner-Institut</li>
<li>Prof. Dr. Timo Meynhardt, Dr. Arend Oetker Chair of Business Psychology and Leadership HHL Leipzig Graduate School of Management und Managing Director Center for Leadership and Values in Society University of St. Gallen</li>
<li>Kai Mielenz, MD/CFO Elbewerke EFW</li>
<li>Dr. Paula Piechotta, MdB, Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion</li>
<li>Sabine Rennefanz, Journalistin Der Spiegel, Tagesspiegel</li>
<li>Pierre Sanoussi-Bliss, Schauspieler</li>
<li>Franziska Schenk, Moderatorin, Leiterin Online der MDR Unterhaltung, Eisschnelllaufweltmeisterin</li>
<li>Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin IHK Berlin</li>
<li>Frank Schwarz, Geschäftsführer Sächsische Lotto-GmbH</li>
<li>Dr. Patrick Wittenberg, Vorstandsvorsitzender E.DIS</li>
</ul>
<h2><span class="title-bg">Ostdeutsche Erfolgsgeschichten</span></h2>
<p>In den Beiträgen geht es um das Potenzial, das Ostdeutschland als attraktiver Lebens- und Wirtschaftsraum birgt. Der Osten hat viel zu bieten, unter anderem eine großartige Hochschullandschaft, starke Wirtschaftscluster, gut ausgebildete Menschen, beste Voraussetzungen für die Gewinnung erneuerbarer Energien, noch relativ flexible Strukturen und eine Menge Transformationserfahrung. Es werden wirtschaftliche Erfolgsgeschichten erzählt sowie private Lebens- und Karrierewege beschrieben. In Deutschland ist der Osten mehr als eine Himmelsrichtung. Es existiert eine gemeinsame Prägung durch DDR- und Nachwendezeit. Die Autorinnen und Autoren machen aber deutlich, dass Ostdeutschland nicht als Opfergeschichte zu erzählen ist. Weder vom Osten noch vom Westen. Es gilt, gemeinsam in die Zukunft zu schauen und das ganze Land wieder nach vorn zu bringen.</p>
<p>Ausgewählte Zitate aus Band zwei:</p>
<hr>
<blockquote><p>An kompetenten Ostdeutschen mangelt es nicht. Denke ich an Ostdeutschland, dann bin ich stolz darauf, was wir erreicht haben, und motiviert für das, was noch vor uns liegt.”</p></blockquote>
<p style="text-align: center;"><strong>Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommern</strong></p>
<hr>
<blockquote><p>Man muss sich nur verdeutlichen, dass das vereinte Deutschland eine ostdeutsche Erfindung ist.”</p></blockquote>
<p style="text-align: center;"><strong>Dr. Dietmar Woidke, Ministerpräsident Brandenburg</strong></p>
<hr>
<blockquote><p>Ostdeutschland ist kein Opfer – es ist ein Zukunftslabor. Transformation braucht Zeit, Teilhabe und Transparenz.”</p></blockquote>
<p style="text-align: center;"><strong>Bodo Ramelow, Vizepräsident des Deutschen Bundestages</strong></p>
<hr>
<blockquote><p>Es braucht gelebte Netzwerke. Ich wünsche mir, dass wir aufhören, vermehrt auf Defizite zu schauen, und anfangen, das sichtbar zu machen, was bereits gelingt und was uns verbindet.”</p></blockquote>
<p style="text-align: center;"><strong>Mandy Baum, Leiterin Stiftungen VNG AG</strong></p>
<hr>
<blockquote><p>Die ostdeutschen Bundesländer können das innovative Zentrum und der Treiber der deutschen Wirtschaft werden.”</p></blockquote>
<p style="text-align: center;"><strong>Christian Bollert, Gründer und Geschäftsführer detektor.fm</strong></p>
<hr>
<blockquote><p>Die Wiedervereinigung war für Westdeutschland ein richtig gutes ‚Geschäft‘.”</p></blockquote>
<p style="text-align: center;"><strong>Prof. Dr. Thomas Brockmeier, Hauptgeschäftsführer IHK Halle-Dessau</strong></p>
<hr>
<blockquote><p>Wir brauchen eine Ostquote, gestaffelt nach Bund und neuen Ländern: 20 Prozent in den Bundesministerien, 50 Prozent in den ostdeutschen Landesministerien, Rundfunk- und Fernsehanstalten sowie kommunalen Verbänden.”</p></blockquote>
<p style="text-align: center;"><strong>Mario Czaja, Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Landesverband Berlin</strong></p>
<hr>
<h2><span class="title-bg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6700 aligncenter" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/09/Impulsgeber_Ostdeutschland_Button_4c_klein.jpg" alt width="321" height="321"></span></h2>
<h2><span class="title-bg">120 Autorinnen und Autoren</span></h2>
<p>Zusammen mit dem im September 2024 erschienenen Band eins, zu dem zeitgleich mit Band zwei die zweite Auflage erschienen ist, liegen nun 108 reich bebilderte Artikel von 120 Impulsgeberinnen und Impulsgebern auf 448 Seiten vor.</p>
<p>„Wir waren uns sehr bewusst, dass der Fall der Mauer bereits 35 Jahre zurücklag. Dennoch glaubten wir an die positive Wirkung einer solchen Sammlung von Impulsen zur Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung, insbesondere vor dem Hintergrund der Entwicklungen in den letzten Jahren. Die Sammelbände waren für uns eine Herzensangelegenheit. Wir sind sehr dankbar für die zahlreichen Beiträge, das positive Feedback und den Austausch, der sich bereits jetzt durch die Bände ergeben hat“, so die Herausgeber Frank und Robert Nehring.</p>
<p>„Denke ich an Ostdeutschland …“ ist im Berliner PRIMA VIER Verlag erschienen – mit 224 Seiten als Hardcover sowie als E-Book. <a href="https://office-roxx.de/denke-ich-an-ostdeutschland-band-2_2025_leseprobe/" target="_blank" rel="noopener">Hier</a> finden Sie eine Leseprobe zu Band zwei und <a href="https://office-roxx.de/denke-ich-an-ostdeutschland_2024_leseprobe/" target="_blank" rel="noopener">hier</a> eine zu Band eins. Gewinne aus dem Buchverkauf fließen in die Finanzierung der Website ostdeutschland.info ein.</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/zweiter-sammelband-denke-ich-an-ostdeutschland-erschienen/">Zweiter Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland …“ erschienen</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Franziska Wetterling: Es geht immer um Mehrheiten. Üben, Herkünfte und Hollywoodschaukeln</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/franziska-wetterling-es-geht-immer-um-mehrheiten-ueben-herkuenfte-und-hollywoodschaukeln/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Sep 2025 07:10:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivisten]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=2259</guid>

					<description><![CDATA[<p>Franziska Wetterling vom Netzwerk 3te Generation Ost ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch in dem Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/wetterling_ost-info.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2260" class="wp-image-2260 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/wetterling_ost-info.jpg" alt="Franziska Wetterling, Netzwerk 3te Generation Ost. Abbildung: IKKS Hochschule Mittweida/Raphael Heimann" width="707" height="1000"></a>Franziska Wetterling, Netzwerk 3te Generation Ost. Abbildung: IKKS Hochschule Mittweida/Raphael Heimann<br />
„Ich halte jedes Leben für hinreichend interessant, um anderen mitgeteilt zu werden“, heißt es [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/franziska-wetterling-es-geht-immer-um-mehrheiten-ueben-herkuenfte-und-hollywoodschaukeln/">Franziska Wetterling: Es geht immer um Mehrheiten. Üben, Herkünfte und Hollywoodschaukeln</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Franziska Wetterling vom Netzwerk 3te Generation Ost ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch in dem Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><span id="more-2259"></span></p>
<div id="attachment_2260-2" style="width: 717px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/wetterling_ost-info.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2260-2" class="wp-image-2260 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/wetterling_ost-info.jpg" alt="Franziska Wetterling, Netzwerk 3te Generation Ost. Abbildung: IKKS Hochschule Mittweida/Raphael Heimann" width="707" height="1000"></a><p id="caption-attachment-2260-2" class="wp-caption-text">Franziska Wetterling, Netzwerk 3te Generation Ost. Abbildung: IKKS Hochschule Mittweida/Raphael Heimann</p></div>
<p>„Ich halte jedes Leben für hinreichend interessant, um anderen mitgeteilt zu werden“, heißt es in Maxie Wanders Gesprächsaufzeichnungen „Guten Morgen, du Schöne“. Seit 2015 habe ich über 200 Formate organisiert und moderiert, die Herkunft in Gemeinschaft thematisieren. Sie stehen auch für die Selbstermächtigung von Erststudierenden und Ostdeutschen. Das Eingangszitat verdeutlicht eine Haltung, die mich trägt, bei jeder Person, die mir begegnet.</p>
<p>Ich bin der Meinung, dass jede Frage und jede Erfahrung für uns als Gesellschaft relevant sind. Sie zeigen institutionelle Lücken in der Abbildung von Realitäten, dem Wissenstransfer und der Ansprache auf, aber auch ganz eigene, mögliche vielfältige Wege, die erzählt werden sollten. All die Werdegänge und Motivationslagen bieten die Möglichkeit für Verbindendes, ein differenziertes Bild und gesellschaftliche Veränderungen.</p>
<hr>
<blockquote><p><strong>Pro Test bedeutet nicht gleich stören, ich bin dafür, auch nur mal zuzuhören.” (Mia: „Pro Test“)</strong></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Denn wir sehen nur was wir sehen (Clueso)</span></h2>
<p>Ich frage mich, was gesellschaftlich zumutbar ist und unter welchen Bedingungen es eingeübt werden kann. Ein Blick auf die Umbrüche nach 1989 und deren Bewältigung kann Antworten geben. Jene, die dieses Erfahrungswissen mitbringen, sind intersektoral unzureichend in Entscheidungspositionen repräsentiert. Sie sollte so nicht sein. Herkunft ermöglicht Ansprache.</p>
<p>Ich wurde im ländlichen Raum in einem Umfeld groß, das die Soziologie durch die temporären oder kontinuierlichen Unsicherheiten als prekär einordnen würde. Bei mir gab es ein paar Features. Die Offenheit, das Zutrauen, in jedem Garten eine Hollywoodschaukel, ein gesundes Klassenbewusstsein und die Entschlossenheit, Herausforderungen anzugehen. Es blieb oft auch nichts anderes übrig. Ich denke an die Menschen, die Aufstieg und Abstieg erlebt haben und mit den sozialen Folgen von gesellschaftlicher Ausgrenzung und Inklusion konfrontiert waren. Die Bandbreite an Leist- und Bewältigbarem zeigte sich sowohl in existenziellen Notlagen als auch in Top-Positionen. Selbst dann war Besonnenheit präsent. Das nächste Feature.</p>
<p>Wurden in der DDR aufgewachsene Menschen in einem Gleichheitsanspruch und- versprechen sozialisiert? Ich trage es in mir. Es trägt sich etwas fort, so mein Eindruck. Ich beobachte, dass Bindungen durch die vielfältigen Lebenslagen und die Gleichzeitigkeit von Auf- und Abstieg innerhalb einer Gruppe auf die Probe gestellt wurden. Es erfordert bis heute nicht selten ein Innehalten, Aushalten, Zurückhalten und in vielen Momenten auch ein Festhalten, damit sie halten. Auch Rückzug spielt eine Rolle.</p>
<p>Wie kann ein überzeugendes „Auch, wenn wir uns nicht immer gut verstehen, wäre es doch schön, wenn wir uns wiedersehen“ (Mia: „Pro Test“) in einem Teil Deutschlands gelingen, den zwischen 1990 und 2017 3,7 Millionen Menschen verlassen haben? Die Konfrontation und Auseinandersetzung mit klassenübergreifenden Lebensrealitäten begreife ich als Ressource in mir und in anderen Menschen. Sie schafft Verbindung, aber auch Reibung. Vielleicht ein Teil der Lösung. „Ich will da sein, wenn es passiert“ (Wir sind Helden).</p>
<div id="attachment_2261-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Bild1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2261-2" class="wp-image-2261" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Bild1.jpg" alt="Workshop des N5 Symposiums 2022 „Ostdeutschland aus der Zukunft gedacht“ in Magdeburg. Abbildung: N5 Symposium/Uwe Loescher" width="600" height="400"></a><p id="caption-attachment-2261-2" class="wp-caption-text">Workshop des N5 Symposiums 2022 „Ostdeutschland aus der Zukunft gedacht“ in Magdeburg. Abbildung: N5 Symposium/Uwe Loescher</p></div>
<p>Mein Werdegang ist unkonventionell. Klug verpackt heißt es, intersektoral gewirkt und interdisziplinär studiert. Mein Bauchgefühl war treibend, nötig und musste sich in Teilen auch finden. Es sollte Indikator werden für das, was ich leisten kann, möchte und priorisiere. Die Kontinuität an Beziehungen war dafür stabilisierend bis bestärkend. Ich lebe in einer europäischen Familie. Meine Eltern haben seit den Neunzigern mit Postkarten, Paketen und Sonntagstelefonaten ebenfalls eine Kontinuität geschaffen. Wir nehmen an unseren Leben teil. Trotz der Distanzen. Die Züge wurden – wie der Inn in Österreich – eine zweite Heimat. Die Digitalisierung trägt dazu bei, dass Verbindungen aufrechterhalten bleiben. Ich konnte mich an mich erinnern (oder wurde erinnert). „Ich bin dafür, sich öfter neu zu sein, alles zu ändern und sich dabei treu zu bleiben.“ (Mia: „Pro Test“). Das war für mich leichter als für andere Jahrgänge.</p>
<p>Ich habe in der Pflege, im Einzelhandel, in Kulturstätten, in der Beratung und häufig an den Schnittstellen von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik gearbeitet. Eine Stelle in der Politikberatung im Innovationsdialog der Bundesregierung war ein Schlüsselereignis: Was wird übermorgen relevant sein und wie können wir heute dafür sorgen, dass wir gut aufgestellt sind? Es wurden Zukünfte thematisiert, interdisziplinäre Blickwinkel einbezogen und Netzwerke identifiziert. Ich funktioniere interessengeleitet, bin Erstakademikerin und mein enges Umfeld zeichnet sich durch unterschiedliche Wirkfelder in unterschiedlichen Regionen und Verantwortungspositionen aus. Das macht etwas mit meinem Selbstverständnis, den Fragen, die ich stelle, und den Zugängen. Zwar ist kein Weg wie meiner in diesem Setting, aber der der anderen eben auch nicht. Das Fragen und das Interesse wurden eingeübt, das Menschliche vorrangig. Ein Prozess.</p>
<p>In akademischen Arbeitsumgebungen war auffällig, dass Vielfaltsdimensionen unterrepräsentiert waren. Ich verstand, was gläserne Decken sind und den Feminismus westdeutsch und ostdeutsch sozialisierter Frauen. Ich verstand mit der Zeit belastbare informelle wie formelle Netzwerke, die einiges möglicher machten. In der Innovationspolitik und Regionalanalysen begriff ich das Ausmaß der strukturellen Ungleichheit zwischen Ost und West, sah, wie Netzwerke nicht gelesen werden konnten. Irgendwann schnappte ich den Begriff „wertebasierte Netzwerke“ auf. Wie der Thomas-Kreislauf funktionierte, wurde erlebbarer. Welchen Stellenwert der Status quo – belegt durch Studien, Zahlen, Daten, Fakten und die Debatte im politischen und wissenschaftlichen Diskurs – einnimmt, war ein Learning.</p>
<p>Ich besuchte Veranstaltungen. Meine politische Sozialisation in Berlin setzte sich fort und musste sich an den Lebensrealitäten meiner Welten messen. Das Unbehagen in manchen Diskussionen stieg. Ich fand eine Stimme, auch weil sie nicht im Raum vertreten schien. Das war aber nicht so, denn Menschen sprachen mich an. Aus einem Unbehagen wurde eine produktive Grundwut, die sich durch das Ehrenamt in Bahnen lenken ließ. Ich fand Gleichgesinnte und Widerspruch. Macht kommt von machen.</p>
<h2><span class="title-bg">Milk and Honey (Beatsteaks)</span></h2>
<p>Das Engagement bei ArbeiterKind.de und im Netzwerk 3te Generation wurde mit anderen Engagierten ein Spielfeld für Vernetzung, Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer. Das Thema Herkunft erwies sich als Chance für Verbindendes. Die eigene Geschichte ist nicht angreifbar. Unterstützungsnetzwerke sind ein komfortables Setting. Bei ArbeiterKind.de werden die Hürden und Chancen für Erststudierende besprochen. Es wird an Anlaufstellen verwiesen und Wissen geteilt. Ein Angebot aus der Community für die Community, geboren aus der Idee, Wissen zu den Möglichkeiten verfügbar zu machen. Danke, Katja Urbatsch, an dieser Stelle und an alle, durch die es immer gut ist.</p>
<p>Bei den Offenen Treffen in Berlin sitzen Erststudierende, Menschen mit Behinderungen, Menschen mit Einwanderungsgeschichte und aus Ostdeutschland. Es kommen auch Studierende aus einem akademischen Elternhaus, die nicht Bafög-berechtigt sind, deren Eltern die Studienwahl nicht begrüßten und die Finanzierung strichen. Das macht etwas mit dem Blick auf Gerechtigkeit und für wen strukturelle Verbesserungen gedacht werden sollen. Für jede Person. Ermutigung to go gilt für jede Person.</p>
<p>Ich bin Fan von Fragen. Ich mag Menschen. Mir kann man nicht erzählen, dass es etwas nicht gibt. Wenn du Menschen mit Hauptschulabschluss vor dir sitzen hast, die promovieren, oder einen Tisch mit zehn Männern unterschiedlichen Alters, die sich bestärken und ihre Geschichten teilen, bist du irgendwann schubladenlos. Bei ArbeiterKind.de lernte ich mehr Ostdeutsche kennen. Die DDR als Arbeiter- und Bauernstaat. Dass ich auf viele Erststudierende aus Ostdeutschland traf, machte Sinn. Später kam ich zum Netzwerk 3te Generation Ost.</p>
<p>Ostdeutsche sind in Führungspositionen und Gremien unterrepräsentiert. Das ist belegt. Wir kommen mittlerweile generationsübergreifend in informellen Runden zusammen. Die Treffen zeichnen ein differenziertes Bild der Erfahrungen sowie Einendes. Es ist ein Ort der Einordnung, des Umgehen-Wollens mit gesellschaftlichen Entwicklungen, aber vor allem ein Ort der Begegnung und des Interesses. Werdegänge, Werte und Wirkstätten werden geteilt, Beispiele institutionellen Wirkens aufgezeigt.</p>
<p>Ich habe gelernt, was sich Menschen für Fragen stellen, wie viele Menschen von den Baseballschlägerjahren betroffen waren, wie viele sich organisiert haben und es bis heute sind. Die Neunziger waren prägend für berufliche und persönliche Entscheidungen. Dass dies nicht nachgefragt oder in der Form medial abgebildet wird, prägt ebenfalls.</p>
<p>Wir diskutieren den gesellschaftlichen Mehrwert von Umbruchserfahrungen in Verantwortungspositionen und die doppelte Sozialisation. Ein Netzwerk von Menschen, denen offensteht, ob sie eine Rolle als Generations-, Werte- und Wissensvermittler einnehmen möchten.</p>
<div id="attachment_2266-2" style="width: 403px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Bitte-Gruppenfoto-damit-ersetzen.-Selbst-erstellt.-Danke_cut.png"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2266-2" class="wp-image-2266" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Bitte-Gruppenfoto-damit-ersetzen.-Selbst-erstellt.-Danke_cut.png" alt="Das Netzwerk 3te Generation Ost lädt zu Offenen Treffen ein. Abbildung: 3te Generation Ost" width="393" height="550"></a><p id="caption-attachment-2266-2" class="wp-caption-text">Das Netzwerk 3te Generation Ost lädt zu Offenen Treffen ein. Abbildung: 3te Generation Ost</p></div>
<h2><span class="title-bg">Sky and Sand (Fritz &amp; Paul Kalkbrenner)</span></h2>
<p>Wenn ich an Ostdeutschland denke, denke ich an Menschen und Landschaften im Wandel und an mein persönliches Umfeld mit Humor, Unaufgeregtheit, Robustheit und Tatendrang. Ich habe es mir auch selbst gebastelt und sehe, wie andere Menschen es ebenfalls tun. Sie bilden Netzwerke, sind mutig in Formaten, den dazugehörigen Orten und haben Spaß. Sie leben Kooperation und kollaboratives Arbeiten. Sie besitzen die Stärke, in formellen Kontexten informell zu sein, begeistern und machen es Menschen leicht, Teil ihres Netzwerks zu werden, empfehlen einander. Sie schaffen die Settings für systemische Veränderungen. All jene und noch mehr, die wissen, dass „Wittenberg nicht Paris ist“ (Kraftklub). Die Umbrüche nach der Wiedervereinigung betreffen die nächste Generation noch immer. Sie müssen beteiligt werden.</p>
<p>Mein Prof. meinte einmal zu mir: „Frau Wetterling, es geht immer um Mehrheiten.“ Ich habe mich gefragt, wie man sie bildet. Grönemeyer singt: „Woher du kommst, das hast du nie verloren“ – vielleicht ist das ein Kitt.</p>
<p>In Zeiten, in denen ständig nach Narrativen verlangt wird, wünsche ich mir, dass wir mehr miteinander erzählen. Gern auf Hollywoodschaukeln. „Pro Test bedeutet nicht gleich stören, ich bin dafür, auch nur mal zuzuhören“ (Mia: „Pro Test“).</p>
<div id="attachment_2267-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/2024_Postkarten-rotated-e1723800788657.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2267-2" class="wp-image-2267" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/2024_Postkarten-rotated-e1723800788657.jpg" alt="Zu Hause und die Welt – Postkarten und Briefe. Abbildung: Franziska Wetterling" width="600" height="450"></a><p id="caption-attachment-2267-2" class="wp-caption-text">Zu Hause und die Welt – Postkarten und Briefe. Abbildung: Franziska Wetterling</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1685" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg" alt="Label Impulsgeberin Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Franziska Wetterling</span></h2>
<p><strong>GEBOREN:</strong> 1987/Sachsen-Anhalt<br>
<strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Berlin<br>
<strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> <a href="https://amzn.to/46ZB0jx" target="_blank" rel="noopener">„Wir kochen gut. Das Grundkochbuch“, 1962</a><br>
<strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Ernesto’s Island“, 2022<br>
<strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Weststrand (Fischland-Darss-Zingst)</p>
<p>&nbsp;</p>
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<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Denke-ich-an-Ostdeutschland.jpg" width="342" height="483">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p>In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist auch 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Dieser Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2024, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
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<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/franziska-wetterling-es-geht-immer-um-mehrheiten-ueben-herkuenfte-und-hollywoodschaukeln/">Franziska Wetterling: Es geht immer um Mehrheiten. Üben, Herkünfte und Hollywoodschaukeln</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ludger Weskamp: In der Region, für die Region. Die Sparkassen in Ostdeutschland</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/ludger-weskamp-in-der-region-fuer-die-region-die-sparkassen-in-ostdeutschland/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Sep 2025 05:30:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=2249</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ludger Weskamp, der geschäftsführende Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch in dem Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/weskamp_osv_ost-info.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2250" class="wp-image-2250 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/weskamp_osv_ost-info.jpg" alt="Ludger Weskamp, Geschäftsführender Präsident, Ostdeutscher Sparkassenverband. Abbildung: Thomas Trutschel, OSV" width="708" height="1000"></a>Ludger Weskamp, Geschäftsführender Präsident Ostdeutscher Sparkassenverband. Abbildung: Thomas Trutschel, OSV<br />
Der Ostdeutsche Sparkassenverband (OSV) ist der regionale Sparkassenverband für die 43 Sparkassen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/ludger-weskamp-in-der-region-fuer-die-region-die-sparkassen-in-ostdeutschland/">Ludger Weskamp: In der Region, für die Region. Die Sparkassen in Ostdeutschland</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ludger Weskamp, der geschäftsführende Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch in dem Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><span id="more-2249"></span></p>
<div id="attachment_2250-2" style="width: 718px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/weskamp_osv_ost-info.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2250-2" class="wp-image-2250 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/weskamp_osv_ost-info.jpg" alt="Ludger Weskamp, Geschäftsführender Präsident, Ostdeutscher Sparkassenverband. Abbildung: Thomas Trutschel, OSV" width="708" height="1000"></a><p id="caption-attachment-2250-2" class="wp-caption-text">Ludger Weskamp, Geschäftsführender Präsident Ostdeutscher Sparkassenverband. Abbildung: Thomas Trutschel, OSV</p></div>
<p>Der Ostdeutsche Sparkassenverband (OSV) ist der regionale Sparkassenverband für die 43 Sparkassen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Er ist als Körperschaft öffentlichen Rechts verfasst, der die Aufgaben hat, das Sparkassenwesen zu fördern, insbesondere die Sparkassen und die Aufsichtsbehörden zu beraten, die Sparkassen-Träger in Fragen des Sparkassenwesens zu unterstützen und Prüfungen bei Mitgliedssparkassen durchzuführen sowie einen Sparkassenstützungsfonds zu unterhalten. Er vertritt bzw. koordiniert die Interessen seiner Mitgliedssparkassen innerhalb der deutschlandweiten Sparkassen-Finanzgruppe sowie gegenüber der Politik.</p>
<hr>
<blockquote><p><strong>Sparkassen tragen erheblich zur regionalen Wirtschaftsentwicklung bei.”</strong></p></blockquote>
<hr>
<div id="attachment_2253-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/MNW-Wismar-Juli1990.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2253-2" class="wp-image-2253" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/MNW-Wismar-Juli1990.jpg" alt="Tag der deutsch-deutschen Währungsunion in der Hauptgeschäftsstelle der SparkasseMecklenburg-Nordwest in Wismar. Abbildung: Sparkasse Mecklenburg-Nordwest" width="600" height="370"></a><p id="caption-attachment-2253-2" class="wp-caption-text">Tag der deutsch-deutschen Währungsunion in der Hauptgeschäftsstelle der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest in Wismar. Abbildung: Sparkasse Mecklenburg-Nordwest</p></div>
<h2><span class="title-bg">Die Geschichte</span></h2>
<p>Sparkassen sind seit ihrer Gründung vor 200 bis 250 Jahren nicht aus Landkreisen und Städten wegzudenken. Zunächst war es Ziel und Aufgabe der Sparkassen, wenig begüterten Menschen sichere Geldanlagemöglichkeiten für die Wechselfälle des Lebens zu bieten und so Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Später wurde erkannt, dass Sparkassen auch die mittelständische Wirtschaft mit Krediten unterstützen können und damit einen Beitrag zur regionalen, wirtschaftlichen und sozialen Stabilität leisten.</p>
<p>Außerdem ist der Name „Sparkasse“ mit der Einführung des Giroverkehrs für die breite Allgemeinheit verbunden. Aus alldem entwickelte sich kontinuierlich die Aufgabe der Sicherstellung der öffentlichen Daseinsfürsorge im Finanzbereich, die heute gesetzlich als öffentlicher Auftrag fixiert ist.</p>
<p>Die 43 OSV-Sparkassen und ihr Verband sind heute ein Teil der Sparkassen-Finanzgruppe in Deutschland. Zu dieser zählen insgesamt 351 Sparkassen mit über 11.000 Geschäftsstellen und 190.000 Beschäftigten, außerdem sechs Landesbanken, fünf Landesbausparkassen, sechs öffentliche Versicherungsgruppen, die Deka-Bank, die Deutsche Leasing-Gruppe, der S-Broker, die Finanz-Informatik, zwölf regionale Sparkassenverbände, ein Dachverband (Deutscher Sparkassen- und Giroverband DSGV) sowie viele weitere Spezialdienstleister.</p>
<p>Wie fast alle deutschen Sparkassen sind auch die ostdeutschen Sparkassen kommunal verankerte öffentlich-rechtliche Anstalten. Sie erhalten kein Geld aus öffentlichen Haushalten. Die Sparkassen erwirtschaften ihre Gewinne und Investitionen selbst und ihre Gewinne bleiben in der Region. Sie sind deshalb dem Gemeinwohl besonders verpflichtet und tragen zur guten Entwicklung der Regionen bei. Sie folgen dem Grundprinzip „in der Region, mit der Region, für die Region“.</p>
<p>Das Besondere dabei ist: Jede Sparkasse gestaltet ihre Geschäftspolitik vor Ort autonom und verantwortet diese auch allein. Das folgt einerseits dem Subsidiaritätsprinzip und den föderalen politischen Strukturen in Deutschland. Dieses Prinzip macht die Sparkassen besonders und gibt den Menschen vor Ort die Möglichkeit, sich aktiv zu beteiligen. Dieses dezentrale Prinzip sorgt andererseits auch dafür, dass dort, wo die größte Sachkenntnis bezüglich der regionalen Gegebenheiten, Erfordernisse und Bedürfnisse besteht, nämlich in den Sparkassen, auch die Entscheidungen über Kredite, Investitionen und vieles mehr fallen und nicht in einer fernen Zentrale.</p>
<p>Zugleich nutzen alle Sparkassen dennoch die Zulieferungen von zentralen Dienstleistungsspezialisten aus der Finanzgruppe und treten nach außen weitgehend einheitlich auf. Das erleichtert Kundinnen und Kunden die Wiedererkennung der Marke Sparkasse und der zu erwartenden Dienstleistungen. Außerdem sind mit der Bündelung der Kräfte Kostenvorteile gegenüber einer atomisierten Selbstentwicklung verbunden.</p>
<p>Allen Sparkassen gemeinsam ist die garantierte Bereitstellung eines hochmodernen und flächendeckenden Angebots an Finanzdienstleistungen für alle interessierten Bürger, Unternehmen und Selbstständigen, Vereine und Initiativen sowie für öffentliche Haushalte. Zusätzlich engagieren sich Sparkassen in ihrem gesellschaftlichen Umfeld. Sie fördern Projekte und Initiativen der Kunst und Kultur, des Sports, der Umwelt, der Bildung und Wissenschaft sowie soziale Initiativen. 2023 stellten sie im OSV-Geschäftsgebiet dafür 52 Millionen Euro bereit.</p>
<div id="attachment_2254-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/MNW-Wismar-Geschaeftsstellenort-von-1990-heute.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2254-2" class="wp-image-2254" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/MNW-Wismar-Geschaeftsstellenort-von-1990-heute.jpg" alt="So modern ist die Hauptgeschäftsstelle der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest heute. Abbildung: Sparkasse Mecklenburg-Nordwest" width="600" height="433"></a><p id="caption-attachment-2254-2" class="wp-caption-text">So modern ist die Hauptgeschäftsstelle der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest heute. Abbildung: Sparkasse Mecklenburg-Nordwest</p></div>
<h2><span class="title-bg">Durchstarten ab 1990</span></h2>
<p>Die rechtliche Verfasstheit von Sparkassen und ihr öffentlicher Auftrag erklären auch, warum die Entwicklung der ostdeutschen Sparkassen seit dem Sprung in die Marktwirtschaft 1990 anders als bei vielen anderen ostdeutschen Unternehmen verlaufen ist. Sie wurden aufgrund ihrer Rechtsform und Aufgabenstellung weder von externen Investoren übernommen, noch aufgelöst oder gar liquidiert. Vielmehr haben die Beschäftigten, die Vorstände und die demokratisch gewählten Sparkassen-Verwaltungsräte, die als Kontrollorgane der Sparkassen funktionieren, frühzeitig und durchgreifend damit begonnen, hoch wettbewerbsfähige lokale Kreditinstitute zu schaffen, um den Sprung in die Marktwirtschaft quasi über Nacht zu schaffen und damit für den Aufbau im Osten starke Partnerinnen sein zu können.</p>
<p>Dazu trugen in den frühen 1990er-Jahren neben guten gesetzlichen Rahmenbedingungen auch die technischen und personellen Unterstützungen aus der gesamten deutschen Sparkassenorganisation bei. Jede ostdeutsche Sparkasse erhielt eine West-Partnersparkasse. Westdeutsche Mitarbeitende aus Sparkassen kamen vorübergehend in den Osten, nicht wenige für immer, um vor Ort zu unterstützen. Gleichzeitig erhielten ostdeutsche Sparkassenbeschäftigte die Chance, bei ihren Partnersparkassen in Westdeutschland zu hospitieren. Parallel dazu lief die technisch-organisatorische Zusammenführung. Zusätzlich zum Verband, seiner Prüfungsstelle und seiner Akademie wurden damals schnell weitere notwendige Verbundunternehmen, beispielsweise eine Bausparkasse, aufgebaut.</p>
<p>All diese Anstrengungen folgten der Grundüberlegung, dass die erfolgreiche Überführung aus der sozialistischen Planwirtschaft in eine Marktwirtschaft am besten mit einem leistungsfähigen, dezentral organisiertem Banksystem zu bewältigen ist, eben den öffentlich-rechtlich verfassten, kommunal und regional gebundenen Sparkassen.</p>
<div id="attachment_2255-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Partner-Pferd-TH_131-DREHER-Hans-Dieter-GER_-Vestmalle-Des-Cotis_14502.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2255-2" class="wp-image-2255" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Partner-Pferd-TH_131-DREHER-Hans-Dieter-GER_-Vestmalle-Des-Cotis_14502.jpg" alt="Präsentiert von der Sparkasse Leipzig und der Sparkassen-Finanzgruppe Sachsen: die 26. Partner Pferd. Abbildung: Thomas Hellmann Fotografie" width="600" height="400"></a><p id="caption-attachment-2255-2" class="wp-caption-text">Präsentiert von der Sparkasse Leipzig und der Sparkassen-Finanzgruppe Sachsen: die 26. Partner Pferd. Abbildung: Thomas Hellmann Fotografie</p></div>
<h2><span class="title-bg">Das Beratungshaus</span></h2>
<p>Parallel zu den Sparkassen gelang auch auf Verbandsebene die Erneuerung. Es wurde ein Sparkassenverband, der heutige Ostdeutsche Sparkassenverband, bewusst über Landesgrenzen hinweg gegründet. Er hat von Anbeginn das Selbstverständnis, Dienstleister und Berater seiner Mitglieder zu sein, ihnen damals beim Übergang in die Marktwirtschaft und heute bei der Behauptung ihrer starken Wettbewerbsposition mehrwertschaffend zur Seite zu stehen.</p>
<p>Die Zusammenarbeit zwischen Verband und Sparkassen unterliegt dabei einem stetigen Wandel. Dieser wird bestimmt durch das sich verändernde Bedarfs-, Wettbewerbs- und Regulierungsumfeld. Auf dieser Grundlage führen Kooperation, Kreativität und Flexibilität immer wieder neu zu Ergebnissen, die deutschlandweit in der Sparkassen-Finanzgruppe Beachtung finden.</p>
<p>Bis zum heutigen Verband als Sparkassen-Beratungshaus folgten mehrere Zwischen-Entwicklungsstufen der vertieften und arbeitsteiligen Zusammenarbeit sowie der Prozessoptimierung – sowohl im Verband als auch in den Sparkassen. Festzuhalten ist auch, dass die ostdeutschen Sparkassen schnell zu einem selbstverständlichen und anerkannten Bestandteil des deutschlandweiten Sparkassenverbundes wurden, der sich engagiert in die Gruppe einbringt.</p>
<p>Die professionelle Facharbeit und die konsequent verfolgte Veränderungspolitik haben sich für die ostdeutschen Sparkassen ausgezahlt. Seit etwa 20 Jahren zählen sie – gemessen an ihrer betriebswirtschaftlichen Effizienz und ihrer Resilienz – innerhalb der deutschen Sparkassen-Finanzgruppe zur Spitzengruppe. Ihre Position als Marktführer zeigt sich nicht nur an rund sechs Millionen Girokonten bei etwa zehn Millionen Einwohnern. Sie zeigt sich ebenfalls anhand ihres Marktanteils von 45 Prozent aller Finanzierungen bei Selbstständigen und 84 Prozent bei Handwerkern.</p>
<p>Sparkassen tragen erheblich zur regionalen Wirtschaftsentwicklung bei. Allein 2023 betrugen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt ihre neu zugesagten Kredite über zehn Milliarden Euro. Das entspricht gut 37 Prozent des Zuwachses des addierten Bruttoinlandsprodukts in laufenden Preisen der vier genannten Bundesländer. Klar ist für uns: Die ostdeutschen Sparkassen bleiben weiterhin wettbewerbsstark und vor Ort fest verwurzelt. Sie erfüllen ihren öffentlichen Auftrag trotz sich rasant ändernder Umfeldbedingungen und Anforderungen. Die Nähe zu ihren Kunden und ihre flächendeckende Präsenz bilden die Grundlage dafür.</p>
<div id="attachment_2256-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/JUMU-5P4A4319.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2256-2" class="wp-image-2256" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/JUMU-5P4A4319.jpg" alt="Preisträgerinnen beim Konzert „Jugend musiziert 2023“. Abbildung: Konstantin Boerner" width="600" height="400"></a><p id="caption-attachment-2256-2" class="wp-caption-text">Preisträgerinnen beim Konzert „Jugend musiziert 2023“. Abbildung: Konstantin Boerner</p></div>
<h2><span class="title-bg">Blick nach vorn</span></h2>
<p>Die Sparkassen werden auch weiterhin die Zukunft mitgestalten. Sie werden die finanzierende Begleitung der Transformation zu einer klimaneutralen Wirtschafts- und Lebensweise gestalten helfen. Sparkassen kehren dabei ihren Kunden nicht den Rücken zu, weil diese noch nicht grün wirtschaften und leben, sondern stehen ihnen zur Seite, wenn sie sich auf den Weg dorthin begeben.</p>
<p>Um die Klimaziele von 2045 zu erreichen, müssen allein in den nächsten fünf Jahren in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt knapp 28 Milliarden Euro zusätzlich investiert werden. Nur ein geringer Teil dieser Summen ist aus öffentlichen Mitteln finanzierbar. Mit Krediten und als Finanzierer von Projekten, allein oder im Sparkassenverbund, werden die Sparkassen hierfür notwendige Mittel aufbringen. Sparkassen werden auch weiterhin, wie sonst keine Bank, mit Geschäftsstellen und Geldautomaten in der Fläche vertreten sein. Mit neuen und weiterentwickelten Angeboten wie Rudi („Rund um die Immobilie“), der Sparkassen-App oder Wero, dem neuen europäischen Zahlungssystem, werden die Sparkassen den Menschen in Ostdeutschland bei der Gestaltung ihres Lebens helfen.</p>
<p>Spenden und Sponsorings der Sparkassen werden auch weiterhin dazu beitragen, dass Sportangebote, Umweltprojekte, soziales Leben, Bildung und Wissenschaft sowie Kunst und Kultur in Ostdeutschland vorhanden sind und sich weiterentwickeln können. Und das werden wir gemeinsam mit den Menschen vor Ort schaffen. Denn Entscheidungen vor Ort, Beteiligung und der Kontakt zu den handelnden Menschen, das Kennen der örtlichen Verhältnisse sind entscheidende Voraussetzungen für eine erfolgreiche gemeinsame Zukunft. Dafür stehen wir und davon sind wir überzeugt.</p>
<div id="attachment_2257-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/osv-spittelmarkt-press.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2257-2" class="wp-image-2257" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/osv-spittelmarkt-press.jpg" alt="Hauptsitz des OSV am Spittelmarkt in Berlin. Abbildung: Patrick Goretzky" width="600" height="400"></a><p id="caption-attachment-2257-2" class="wp-caption-text">Hauptsitz des OSV am Spittelmarkt in Berlin. Abbildung: Patrick Goretzky</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Ostdeutscher Sparkassenverband</span></h2>
<p><strong>GEGRÜNDET:</strong> 1990/Strausberg<br>
<strong>STANDORTE:</strong> Berlin, Potsdam<br>
<strong>MITARBEITENDE:</strong> 300<br>
<strong>WEBSITE:</strong> <a href="https://osv-online.de/" target="_blank" rel="noopener">osv-online.de</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Ludger Weskamp<a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></span></h2>
<p><strong>GEBOREN:</strong> 1966/Paderborn<br>
<strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Oranienburg<br>
<strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> <a href="https://amzn.to/3yzNKRj" target="_blank" rel="noopener">Francis Fukuyama: „Identität“, 2019</a><br>
<strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Das Leben der Anderen“, 2006<br>
<strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> mehrtägige Schifffahrt auf der Elbe von Sachsen nach Mecklenburg-Vorpommern und zurück auf dem Elberadweg</p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Denke-ich-an-Ostdeutschland.jpg" width="342" height="483">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p>In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist auch 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Dieser Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2024, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
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<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/ludger-weskamp-in-der-region-fuer-die-region-die-sparkassen-in-ostdeutschland/">Ludger Weskamp: In der Region, für die Region. Die Sparkassen in Ostdeutschland</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Dr. Mandy Tröger: Von Ostberlin in die Welt. Im Ausland fasziniert ostdeutsche Geschichte</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/dr-mandy-troeger-von-ostberlin-in-die-welt-im-ausland-fasziniert-ostdeutsche-geschichte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Aug 2025 05:30:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=2216</guid>

					<description><![CDATA[<p>Dr. Mandy Tröger, Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin an der Universität Tübingen, ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch in dem Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/troeger_ost-info.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2217" class="wp-image-2217 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/troeger_ost-info.jpg" alt="Dr. Mandy Tröger, Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin, Universität Tübingen. Abbildung: M. Tröger" width="706" height="1000"></a>Dr. Mandy Tröger, Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin, Universität Tübingen. Abbildung: M. Tröger<br />
Denke ich an Ostdeutschland, denke ich an eine Fülle wertvoller Erfahrungen. [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/dr-mandy-troeger-von-ostberlin-in-die-welt-im-ausland-fasziniert-ostdeutsche-geschichte/">Dr. Mandy Tröger: Von Ostberlin in die Welt. Im Ausland fasziniert ostdeutsche Geschichte</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dr. Mandy Tröger, Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin an der Universität Tübingen, ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch in dem Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><span id="more-2216"></span></p>
<div id="attachment_2217-2" style="width: 716px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/troeger_ost-info.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2217-2" class="wp-image-2217 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/troeger_ost-info.jpg" alt="Dr. Mandy Tröger, Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin, Universität Tübingen. Abbildung: M. Tröger" width="706" height="1000"></a><p id="caption-attachment-2217-2" class="wp-caption-text">Dr. Mandy Tröger, Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin, Universität Tübingen. Abbildung: M. Tröger</p></div>
<p>Denke ich an Ostdeutschland, denke ich an eine Fülle wertvoller Erfahrungen. Schon mit Anfang zwanzig habe ich zwei Währungsreformen, den Fall der Berliner Mauer, den Zusammenbruch eines Staates und die Transformation von einem Gesellschaftssystem in ein anderes erlebt. Aufgrund dieser Erfahrungen sehe ich manches anders; vieles würde ich sonst womöglich gar nicht sehen, und ich bin nur ein Beispiel unter vielen. Weltgeschichte passierte quasi vor unserer Haustür. Diese Erfahrungen sind ein Schatz und sollten auch als solcher gesehen werden, anstatt aus der Geschichte zu fallen. Dafür arbeite ich als Wissenschaftlerin und Journalistin:</p>
<ul>
<li>Als Wissenschaftlerin erforsche ich ostdeutsche Medien- und Transformationsgeschichte und versuche, sie für aktuelle gesellschaftliche Debatten nutzbar zu machen. Grundsätzlich braucht es mehr ostdeutsche Professorinnen und Professoren in der Wissenschaft!</li>
<li>Als Journalistin versuche ich, Perspektiven sichtbar zu machen, die sich aus ostdeutschen Erfahrungen ergeben. Es braucht mehr ostdeutsche Stimmen in den Medien!</li>
</ul>
<p>Ich bin dankbar, dass ich diese Arbeit machen kann. Denn mein Ziel, wissenschaftliche und öffentliche Debatten zu erweitern, hängt eng mit meiner Biografie zusammen. Ich habe von der Wende profitiert; ich konnte im Ausland arbeiten und studieren. Trotzdem ist es wichtig und legitim, kritisch auf die Einheit zu sehen, also auf das, was möglich gewesen wäre, und das, was für viele Menschen daraus geworden ist – in Ost und West. Denn es gibt vieles, was wir aus dieser Geschichte lernen und mitnehmen können. Auch dank meiner Ostberliner Herkunft sehe ich vor allem das Potenzial ostdeutscher Geschichte; es wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Trotzdem war der Weg hierher nicht leicht und ist es bis heute nicht.</p>
<hr>
<blockquote><p><strong>Es braucht mehr ostdeutsche Professorinnen und Professoren in der Wissenschaft! [...] Es braucht mehr ostdeutsche Stimmen in den Medien!”</strong></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Damals und heute</span></h2>
<p>Ich bin am Rosa-Luxemburg-Platz in Prenzlauer Berg aufgewachsen. Meine Mutter war alleinerziehend, unpolitisch und arbeitete zu DDR-Zeiten als Bürokraft gegenüber dem Checkpoint Charlie. Als ich später Austauschschülerin in den USA war, kannte man die DDR dort kaum, aber der Grenzübergang Checkpoint Charlie war ein Begriff.</p>
<p>Meine Kindheit in der DDR war normal. Dass wir neben der Mauer lebten, hinterfragte ich gar nicht. Das kam später. Meine Kinderkrippe fand ich super, auch meinen Kindergarten. In der Schule habe ich es noch bis zu den Thälmann-Pionieren geschafft. Dann kamen die Massenproteste im Herbst 1989, und wir waren mittendrin.</p>
<p>Selbst als Kind wusste ich, dass hier etwas Großes passierte. Es geschah so viel auf einmal, dass ich Tagebuch schrieb. Ich wollte später einmal erzählen können, was genau geschah – sollte jemand fragen. Bis heute bin ich dankbar, dass das zu meinen ersten Kindheitserfahrungen zählt.</p>
<p>Kurz darauf fiel die Mauer, und am nächsten Tag fuhr meine Familie nach Westberlin. Die Atmosphäre war unglaublich. Fremde Menschen umarmten mich mit Tränen in den Augen, schenkten mir Schokolade, und ich sah den ersten obdachlosen Menschen in meinem Leben. Damals begriff ich nicht, wie es sein konnte, dass an einem Ort, an dem alles glänzte, manche Menschen kein Zuhause hatten. Ich gab dem Obdachlosen mein ganzes Taschengeld. Heute laufe ich selbst an obdachlosen Menschen vorbei und tue so, als sei das normal. Gleichzeitig versuche ich, meine Erinnerung an den ersten Schock wachzuhalten. Denn ehrlich, wir sollten alle schockiert sein.</p>
<p>Dann kam die Wende- und später die Nachwendezeit. Die waren hart. Meine Mutter war ständig auf der Arbeit. Sie hatte Angst, ihren Job und unsere Wohnung zu verlieren. Meinen Schulfreunden ging es ähnlich. Unsere Eltern waren mit sich beschäftigt, und in der Schule änderte sich alles. Galt zu DDR-Zeiten etwas als richtig, galt das nun als falsch. So lernte ich schon in der 5. Klasse, dass Geschichte konstruiert ist – „richtig“ und „falsch“ gibt es selten. Das war eine wertvolle Erfahrung.</p>
<div id="attachment_2219-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/IMG_1031.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2219-2" class="wp-image-2219" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/IMG_1031.jpg" alt="2018 bei der Graduierungsfeier an der Universität Illinois. Abbildung: M. Tröger" width="600" height="450"></a><p id="caption-attachment-2219-2" class="wp-caption-text">2018 bei der Graduierungsfeier an der Universität Illinois. Abbildung: M. Tröger</p></div>
<h2><span class="title-bg">Wissenschaft? Nie!</span></h2>
<p>Heute bin ich Historikerin und schreibe selbst Geschichte. Ich erforsche die DDR-Medientransformation. Das heißt, ich untersuche, welche politischen und wirtschaftlichen Interessen den Umbruch der DDR-Medien mitbestimmten. Dafür arbeite ich in Archiven auf der ganzen Welt, beispielsweise im Archiv des Wendemuseums in Los Angeles oder im Internationalen Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam. Aktuell erforsche ich die Handlungsrahmen der Treuhand in der Privatisierung der DDR-Presse. Das heißt, ich arbeite mich durch Aktenberge der Treuhandanstalt und versuche zu rekonstruieren, was damals passierte. Oft muss ich Dinge, die ich seit meiner Jugend über die Treuhand gehört habe, hinterfragen.</p>
<p>Letztlich sind die Folgen der DDR-Zeitungsprivatisierungen bis heute spürbar: Die ostdeutsche Regionalpresse ist in der Hand westdeutscher Verlage. Es gibt kein nennenswertes überregionales ostdeutsches Nachrichtenmedium und in den Chefredaktionen deutscher Medien sitzen kaum Menschen mit ostdeutschem Hintergrund. Diese Lücken haben Auswirkungen auf die mediale Darstellung Ostdeutschlands, beispielsweise wird „der Osten“ gern als eine Region beschrieben, regionale Vielfalt und Unterschiede bleiben aus. Auch dank meiner Herkunft sehe ich diese Unterschiede und dementsprechend die medialen Lücken. Die Forschung zu diesen Themen versuche ich in öffentlichen Vorträgen und Interviews zu vermitteln.</p>
<p>Witzigerweise wollte ich nie in die Wissenschaft. In der Schule schwänzte ich viel, schaffte mein Abi kaum und wollte nur weg: Ich war Austauschschülerin in den USA, jobbte nach dem Abi zwei Jahre im Ausland, unter anderem mit obdachlosen Jugendlichen aus New York City. Damals war es schwierig, diese Umwege zu rechtfertigen, heute bin ich dankbar für diese Zeit. Ich hatte die Möglichkeiten, mich auszuprobieren und habe viel gelernt. Diesen Freiraum hatte ich auch dank der Nachwendezeit. Viele Jugendliche mussten früh ihre eigenen Wege finden.</p>
<p>Das Geschichtsstudium in Erfurt begann ich dann dank Bafög. Ich wusste nicht wirklich, was Studieren bedeutet, aber das Studium veränderte mein Leben. Ich sah, wie Bildung auch sein kann: kritisch, emanzipiert, differenziert. Viele Fragen, die ich mich umtrieben, konnte ich im Studium bearbeiten. Heute versuche ich, dieses Interesse meinen Studierenden zu vermitteln und wünschte mir oft, sie hätten mehr Freiräume, sich auszuprobieren.</p>
<div id="attachment_2225-2" style="width: 377px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Cover_neu.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2225-2" class="wp-image-2225" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Cover_neu.jpg" alt="2019: Mandy Trögers Doktorarbeit auf Deutsch. Abbildung: Herbert von Halem Verlag" width="367" height="550"></a><p id="caption-attachment-2225-2" class="wp-caption-text">2019: Mandy Trögers Doktorarbeit auf Deutsch. Abbildung: Herbert von Halem Verlag</p></div>
<h2><span class="title-bg">Für die Promotion in die USA</span></h2>
<p>Für meinen Master ging ich (dank Auslands-Bafög) nach Amsterdam und arbeitete dort einige Zeit als Nachrichtenredakteurin. So fing ich an, mich für die kritische Analyse von Medien zu interessieren und bewarb mich dann für ein Doktorstudium (inklusive finanzieller Förderung) an der Universität Illinois. Dort arbeiteten viele Professorinnen und Professoren in der marxschen Tradition der kritischen politischen Ökonomie. Das heißt, sie erforschten Medienmärkte, Informationsmonopole und Wirtschaftsinteressen im Nachrichtengeschäft. Kurz: Illinois war der perfekte Ort, um die DDR-Medienwende kritisch zu erforschen. In Deutschland ist das Thema bis heute zu nah an weiterhin existierenden politischen und wirtschaftlichen Interessen. Es wirkte paradox: Ich komme aus Ostberlin und lande in den USA bei Karl Marx. Diesen Weg konnte ich letztlich auch nur dank staatlicher Förderung des deutschen Hochschulsystems gehen. Wäre ich in den USA aufgewachsen, hätte ich wohl nie promoviert.</p>
<p>Für die Menschen in den USA war meine ostdeutsche Herkunft faszinierend. Sie stellten mir Fragen über Ostberlin, den Fall der Mauer, die Wende – in Westdeutschland hat mich danach bisher kaum jemand gefragt. An der Universität Illinois war meine Forschung zur DDR-Medientransformation also ein spannendes Fallbeispiel. Für die Ostdeutschen, die ich für meine Doktorarbeit interviewte, war es ihr Leben. Die Wendezeit war oft verbunden mit traumatischen Erfahrungen und Desillusionen. Denn zur Wende hatten sie viele Ideen gehabt, wie eine freie Presse auch funktionieren kann, und versucht, diese umzusetzen. Oft ging ihr Einsatz unter. Vielen fiel es schwer, von diesen Erfahrungen zu erzählen. Manche taten es, weil auch ich ostdeutsch war. Das war ein Privileg.</p>
<p>Letztlich lebte ich sieben Jahre in den USA – erst in Illinois, dann in Arizona. In dieser Zeit traf ich immer wieder auf Frauen aus Ostdeutschland, mit denen ich mich auf Anhieb verstand – eine Freundin war noch zu DDR-Zeiten im Kofferraum eines Autos geflüchtet. Trotz unseres Altersunterschieds verband uns unsere ostdeutsche Herkunft und unser Selbstverständnis als Frau. Denn als Kind einer alleinerziehenden Ostberliner Mutter war für mich immer klar: Frauen meistern ihr Leben selbstbestimmt.</p>
<p>Letztlich traf ich in den USA einen Mann, der das genauso sieht. Wir sind seit sechs Jahren verheiratet; heute bezeichnet er sich gern als „Ossi“. Für ihn bedeutet das vor allem Kreativität und Durchhaltevermögen. Er ist dankbar, dass er ostdeutsche Geschichte durch meine Familie und Freunde erfahren darf.</p>
<div id="attachment_2221-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/IMG_3433.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2221-2" class="wp-image-2221" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/IMG_3433.jpg" alt="In den Archiven des Wendemuseums in Los Angeles. Abbildung: M. Tröger" width="600" height="450"></a><p id="caption-attachment-2221-2" class="wp-caption-text">In den Archiven des Wendemuseums in Los Angeles. Abbildung: M. Tröger</p></div>
<h2><span class="title-bg">Zurück in (West)Deutschland</span></h2>
<p>Nach insgesamt zwölf Jahren im Ausland kamen mein Mann und ich 2018 nach Deutschland zurück. Ich wollte mit meiner Forschung einen Beitrag zu gesellschaftlichen Debatten leisten. Bisher habe ich an Universitäten in München, Hannover und Tübingen gearbeitet. Nicht selten bin ich die einzige (ostdeutsche) Frau unter vielen (westdeutschen) Männern. Zusätzlich komme ich aus einem bildungsfernen Ein-Elternhaus; auch das ist in der Wissenschaft die Ausnahme.</p>
<p>Ich bin dankbar für diese Herkunft. Durch sie weiß ich, dass die akademische Blase, die mich oft umgibt, nur ein Ausschnitt aus einer breiteren Gesellschaft ist. Viele Menschen haben andere Leben, einen anderen Alltag und andere Probleme. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten hierfür mehr Bewusstsein entwickeln und ihre eigenen blinden Flecken hinterfragen. Das bezieht sich auch auf die vielen Ideen und Initiativen, die Menschen aus den verschiedenen Regionen Ostdeutschlands in gesellschaftliche Debatten einbringen können. Denn nicht selten schöpfen sie aus einem Erfahrungsschatz, der seinesgleichen sucht.</p>
<div id="attachment_2223-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Screen-Shot-2024-06-06-at-10.19.55-AM.png"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2223-2" class="aligncenter wp-image-2222" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Screen-Shot-2024-06-06-at-10.17.53-AM.png" alt="Dr. Mandy Tröger stand auch der SuperIllu Rede und Antwort. Abbildungen: SuperIllu" width="600" height="351"></a><p id="caption-attachment-2223-2" class="wp-caption-text"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-2223" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Screen-Shot-2024-06-06-at-10.19.55-AM.png" alt="Dr. Mandy Tröger stand auch der SuperIllu Rede und Antwort. Abbildungen: SuperIllu" width="600" height="357"> Dr. Mandy Tröger stand auch der SuperIllu Rede und Antwort. Abbildungen: SuperIllu</p></div>
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<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1685" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg" alt="Label Impulsgeberin Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Dr. Mandy Tröger</span></h2>
<p><strong>GEBOREN:</strong> 1980/Ostberlin<br>
<strong>WOHNORTE (aktuell):</strong> London, Berlin<br>
<strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> <a href="https://amzn.to/3X9og6E" target="_blank" rel="noopener">Thomas Ahbe, Rainer Gries, Wolfgang Schmale (Hgg.): „Die Ostdeutschen in den Medien. Das Bild von den Anderen nach 1990“, 2009</a><br>
<strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Die Kinder von Golzow“, 1961–2007<br>
<strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Oder-Neisse-Radweg</p>
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<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Denke-ich-an-Ostdeutschland.jpg" width="342" height="483">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p>In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist auch 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Dieser Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2024, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
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<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/dr-mandy-troeger-von-ostberlin-in-die-welt-im-ausland-fasziniert-ostdeutsche-geschichte/">Dr. Mandy Tröger: Von Ostberlin in die Welt. Im Ausland fasziniert ostdeutsche Geschichte</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Christian Tretbar und Ulrike Teschke: Ostdeutschsein heute. „Viele wurden aus der DDR-Komfortzone geholt“</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/prof-dr-stephan-stubner-und-prof-dr-dominik-kanbach-hhl-als-innovationsmotor-treiber-fuer-start-ups-und-das-unternehmertum-in-sachsen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Aug 2025 05:30:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=2188</guid>

					<description><![CDATA[<p>Christian Tretbar und Ulrike Teschke, der Chefredakteur des Tagesspiegels und die langjährige Geschäftsführerin der Verlag Der Tagesspiegel GmbH, sind wichtige Impulsgeber für Ostdeutschland. Sie setzen sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag sind sie auch in dem Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/teschke_tretbar_ost-info.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2205" class="wp-image-2205 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/teschke_tretbar_ost-info.jpg" alt="Christian Tretbar und Ulrike Teschke, Chefredakteur Der Tagesspiegel, bis Februar 2024 Geschäftsführerin Verlag Der Tagesspiegel GmbH. Abbildung: Nassim Rad" width="708" height="1000"></a>Christian Tretbar und Ulrike Teschke, Chefredakteur [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/prof-dr-stephan-stubner-und-prof-dr-dominik-kanbach-hhl-als-innovationsmotor-treiber-fuer-start-ups-und-das-unternehmertum-in-sachsen/">Christian Tretbar und Ulrike Teschke: Ostdeutschsein heute. „Viele wurden aus der DDR-Komfortzone geholt“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Christian Tretbar und Ulrike Teschke, der Chefredakteur des Tagesspiegels und die langjährige Geschäftsführerin der Verlag Der Tagesspiegel GmbH, sind wichtige Impulsgeber für Ostdeutschland. Sie setzen sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag sind sie auch in dem Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><span id="more-2188"></span></p>
<div id="attachment_2205-2" style="width: 718px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/teschke_tretbar_ost-info.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2205-2" class="wp-image-2205 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/teschke_tretbar_ost-info.jpg" alt="Christian Tretbar und Ulrike Teschke, Chefredakteur Der Tagesspiegel, bis Februar 2024 Geschäftsführerin Verlag Der Tagesspiegel GmbH. Abbildung: Nassim Rad" width="708" height="1000"></a><p id="caption-attachment-2205-2" class="wp-caption-text">Christian Tretbar und Ulrike Teschke, Chefredakteur Der Tagesspiegel und Ex-Geschäftsführerin Verlag Der Tagesspiegel GmbH (bis Februar 2024). Abbildung: Nassim Rad</p></div>
<p>Zwei Ostdeutsche an der Spitze des Tagesspiegels. Geschäftsführerin Ulrike Teschke und Chefredakteur Christian Tretbar im Gespräch über das Ostdeutschsein, Positives im Osten und die Rolle der Medien.</p>
<p><strong>Christian Tretbar (CT):</strong> Herzlichen Glückwunsch, liebe Ulrike, acht Prozent der Spitzen von Medienunternehmen sind Ostdeutsche und du gehörst dazu!</p>
<p><strong>Ulrike Teschke (UT):</strong> Danke gleichfalls.</p>
<p><strong>CT:</strong> Ja, wir sind, wenn man so will, beide ostdeutsche Flüchtlinge. Du bist mit knapp 20 Jahren 1984 aus der DDR ausgereist und ich mit zehn Jahren 1989 kurz vor dem Mauerfall. Was war deine erste Erfahrung im Westen?</p>
<p><strong>UT:</strong> Ehrlich gesagt, ein überkorrekter Schaffner. Wenn man die Ausreise genehmigt bekommen hatte, musste man sich darauf vorbereiten, über Nacht das Land zu verlassen, …</p>
<p><strong>CT:</strong> War bei uns auch so ähnlich …</p>
<p><strong>UT:</strong> … also habe ich alles schnell zusammengepackt und bin mit dem Interzonenzug zur Grenze nach Bebra/Herleshausen gefahren. Meinen Fahrschein musste ich dort nicht zeigen, aber dann auf der Westseite. Und plötzlich merkte ich, dass ich den vor Aufregung zu Hause auf dem Tisch liegen gelassen hatte. Der Schaff ner ließ den Zug nicht weiterfahren und ich musste aussteigen. Zum Glück kam ein älterer Herr, der auf den Schaffner einredete und für mich ein neues Ticket bezahlte. Dann konnte ich weiterfahren nach Gießen ins Auffanglager. Wie war es bei dir?</p>
<p><strong>CT:</strong> Eher umgekehrt. Wir waren auch über diesen Weg eingereist und nach Gießen gefahren. Aber uns hatten die DDR-Schaffner Stress gemacht, weil meine Eltern noch etwas Ostgeld bei sich hatten. Das haben wir dann einer älteren Frau im Abteil gegeben und der Zug konnte weiterfahren. Ansonsten hat mich natürlich die bunte Welt geflasht und die Unordnung in den Klassenzimmern – die merkwürdigen Sechser-Tischgruppen. Außerdem stand keiner auf, wenn man dran war und sich gemeldet hatte. Alle fläzten so am Tisch und Ernst Thälmann kannte auch kein Mensch – aber ich habe mich schnell dran gewöhnt. Was bedeutet es denn für dich, heute als Ostdeutsche an der Spitze eines Medienhauses zu stehen?</p>
<p><strong>UT:</strong> Es ist mir wieder neu bewusst geworden, weil das Thema lange Zeit keine große Rolle gespielt hat. Ich bin etwa seit 2013 in verschiedenen Führungsrollen, aber das Ost-West-Thema hat da keine Rolle gespielt. Ich habe immer gesagt, dass ich aus dem Osten bin, aber es war eigentlich egal.</p>
<div id="attachment_2207-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/5426_DerOsten_041023_c_LenaGanssmannn.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2207-2" class="wp-image-2207" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/5426_DerOsten_041023_c_LenaGanssmannn.jpg" alt="Am 4. Oktober 2023 lud der Tagesspiegel zur hochkarätig besetzten Veranstaltung „Der Osten – Chancen und Talente für Deutschland“ ein. Abbildung: Lena Ganssmann" width="600" height="400"></a><p id="caption-attachment-2207-2" class="wp-caption-text">Am 4. Oktober 2023 lud der Tagesspiegel zur hochkarätig besetzten Veranstaltung „Der Osten – Chancen und Talente für Deutschland“ ein. Abbildung: Lena Ganssmann</p></div>
<p><strong>CT:</strong> Warum spielt es jetzt wieder eine Rolle?</p>
<p><strong>UT:</strong> Ich glaube, dass es wieder einen gefühlten Spalt zwischen Ost und West gibt durch die Debatten rund um den Umfrageaufstieg der AfD, aber auch den Krieg in der Ukraine. Es fühlt sich an, als ginge da ein richtiger Keil durch Deutschland – entlang der alten innerdeutschen Grenze.</p>
<p><strong>CT:</strong> Wie erklärst du dir das?</p>
<p><strong>UT:</strong> Es hat etwas mit einer gewissen Veränderungserschöpfung zu tun. Denn die Ostdeutschen haben viele Veränderungen hinter sich. Sie haben immer mitgezogen und versucht, ihren Weg zu finden. Aber oftmals entstand der Eindruck, dass die Menschen aus dem Westen den Takt vorgeben. Der Besserwessi war im Osten schon ein gängiger Begriff, weil er kam und alles besser wusste. Und in gewisser Weise setzt sich dieses Gefühl fort.</p>
<p><strong>CT:</strong> Aber inwiefern? Denn die Veränderung müssen alle mitmachen in Deutschland. Kann es sein, dass sich Ostdeutsche immer etwas benachteiligt und vergessen fühlen?</p>
<p><strong>UT:</strong> Ja, das ist so. Deshalb reagieren sie auch in Teilen extremer auf Flüchtlinge, weil das Gefühl vorherrscht: Wir stehen in Lohn, Rente und einigen anderen Sachen schlechter da als im Westen. Und jetzt kommen auch noch die Flüchtlinge, denen es ja bei uns gut geht. Das ist natürlich ein in Teilen irrationales Gefühl, aber es ist nun mal da und damit müssen wir umgehen.</p>
<p><strong>UT:</strong> Das stimmt. Viele wurden aus ihrer DDR-Komfortzone herausgeholt. Die DDR war, wie Günter Gaus mal zu Recht sagte, eine Nischengesellschaft. Darin hat sich jeder eingerichtet und viele haben auch gar nicht schlecht gelebt. Natürlich gab es die Stasi, aber irgendwie bekam jeder eine Wohnung und Arbeit. Geld spielte eine untergeordnete Rolle. Wichtiger war es, dass man etwas zum Tauschen hatte. Viele sind in den Urlaub an die Ostsee gefahren oder mit dem Trabi nach Ungarn oder Bulgarien. Es ging den meisten gut, man hatte sich eingerichtet und dann kam der radikale Wandel. Plötzlich war man für alles selbst verantwortlich, wo einem zuvor der Staat alles abgenommen hat. Ich erinnere mich noch gut, dass das auch für mich im Westen eine Umstellung war.</p>
<div id="attachment_2208-2" style="width: 397px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/13417_TS_1989-11-10_001_page-0001.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2208-2" class="wp-image-2208" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/13417_TS_1989-11-10_001_page-0001.jpg" alt="Extrablatt vom 10. November 1989. Abbildung: Tagesspiegel" width="387" height="550"></a><p id="caption-attachment-2208-2" class="wp-caption-text">Extrablatt vom 10. November 1989. Abbildung: Tagesspiegel</p></div>
<p><strong>CT:</strong> Und genau das unterscheidet natürlich auch die vielen, die vor oder nach der Wende aus dem Osten weggegangen sind, von einigen, die dageblieben sind. Denn denen, die weggingen, war klar, dass sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen mussten, etwas aufbauen. Grundsätzlich glaube ich, dass es in Ostdeutschland nach wie vor ein ambivalentes Staatsverständnis gibt. Einerseits eine hohe Erwartungshaltung an den Staat, an die Politik, wenn man so will, dass einem alle Lebensrisiken abgenommen werden, dass für alles gesorgt wird. Und andererseits das Streben nach einer großen Unabhängigkeit vom Staat. Auf nichts wird allergischer reagiert, als auf Bevormundung, Einmischung in die persönlichen Lebensverhältnisse und Vorstellungen. Deshalb fällt die Reaktion auf eine vermeintlich verordnete Politik „für Flüchtlinge“, „gegen den Klimawandel“, „gegen Russland“ so heftig aus in Ostdeutschland. Es ist die Sorge davor, wieder eine Meinung übergestülpt zu bekommen. Und interessanterweise wird dieses Spannungsverhältnis vererbt. Denn es ist ja auch bei denen zu spüren, die gar nicht mehr in der DDR geboren wurden.</p>
<p><strong>UT:</strong> Absolut. Da unterscheidet sich das gar nicht so sehr von migrantischen Familien. Auch dort werden die Weltbilder und die kulturelle Sicht durchaus von Generation zu Generation weitergegeben. Da gibt es gar keinen unmittelbaren Bezug mehr zur alten Heimat, aber das Weltbild verändert sich nicht groß. Im Gegenteil: Man hat das Gefühl, es wird von Generation zu Generation krasser. Man kann das sicher nicht pauschal sagen, aber es kommt häufig vor.</p>
<p><strong>CT:</strong> Glaubst du denn, dass der Osten heute verklärt wird nach dem Motto „Es war doch alles nicht so schlimm“?</p>
<p><strong>UT:</strong> Ich glaube schon. Viele vergessen, was das für ein Staat war. Welches Unrecht es da gab. Ich habe selbst viel Stasi-Drangsalierung erleben müssen. Aber es gehört eben auch dazu zu wissen, dass man dort trotz den Umständen entsprechend gut leben konnte, Freunde und Familie hatte und eine Lebensleistung, die anerkannt wurde.</p>
<p><strong>CT:</strong> Aber manche machen es sich auch zu einfach. Nur zu sagen, wir wurden so lange benachteiligt und jetzt zeigen wir es euch mal, und zwar mit der AfD, ist etwas dünn.</p>
<div id="attachment_2209-2" style="width: 397px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/13688_TS_1990-10-03_001_page-0001.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2209-2" class="wp-image-2209" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/13688_TS_1990-10-03_001_page-0001.jpg" alt="Sonderbeilage zum 3. Oktober 1990. Abbildung: Tagesspiegel" width="387" height="550"></a><p id="caption-attachment-2209-2" class="wp-caption-text">Sonderbeilage zum 3. Oktober 1990. Abbildung: Tagesspiegel</p></div>
<p><strong>UT:</strong> Natürlich. Man darf das Phänomen aber eben nur nicht auf den Osten begrenzen. Denn Rechtsextremismus gibt es im Westen auch. Der Nährboden für rechtsextreme Parteien ist im Osten auch da, weil die Ostdeutschen einfach schneller zum Protest neigen, schnell das Vertrauen verlieren, weil sie zu oft enttäuscht wurden. Aber wir haben es schon oft gesehen: Umfragen sind noch lange keine Wahlergebnisse. Mir ist wichtig, dass wir auch medial nicht nur das Negative aufzeigen und so tun, als sei dies das Gesamtbild. Der Osten ist eben nicht die AfD. Es gibt so viele tolle Erfolgsgeschichten von mutigen Menschen, die etwas aufgebaut haben, die sich gegen die AfD stellen. Das gehört zum Bild ganz zwingend dazu. Aber es wird allzu schnell alles schlecht geredet. Dass sich jetzt zum Beispiel Chiphersteller im Osten ansiedeln, wird dann in TV-Shows damit abgetan, dass diese Firmen sich ja nur im Osten ansiedeln würden, weil es dort so viele Subventionen gebe. Dabei werden auch Firmen, die sich in westdeutschen Bundesländern ansiedeln, hier und da subventioniert. Und außerdem ist es ja etwas, was letztlich ganz Deutschland zugutekommt. In Amerika wird auch fett subventioniert.</p>
<p><strong>CT:</strong> Du hast uns Medien gerade angesprochen. Machen wir es uns zu leicht, den Aufstieg der AfD insbesondere im Osten nur der Schwäche der Bundesregierung zuzuschreiben?</p>
<p><strong>UT:</strong> Ein bisschen schon. Die Menschen im Osten, du hast es vorhin auch gesagt, reagieren empfindlich, wenn sie das Gefühl haben, nur noch eine Meinung sei richtig. Und das passiert oft. Dabei geht es ja nicht um die vielen kleinen Regionalzeitungen, sondern auch um die Wahrnehmung der großen Zeitungen, wozu der Tagesspiegel auch zählt, sowie der Öffentlich-Rechtlichen Fernsehsender. Wenn der Eindruck entsteht, dass nur noch eine Richtung richtig ist, nur eine Meinung korrekt, dann begehren die Menschen im Osten mit ihrer 40-jährigen SED-Erfahrung eben auf.</p>
<p><strong>CT:</strong> Ich bin bei dir. Das war sicher im Laufe der Coronapandemie ein Problem. Kritische Stimmen zu den Maßnahmen wurden mitunter zu schnell in eine rechte Verschwörungsecke gestellt, und es wurde nicht mehr gut genug unterschieden, was wirklich zurecht dort in der Ecke steht und was einfach nur eine Kritik an den Maßnahmen war. Aber gerade bei den aktuellen Migrationsfragen ist das Meinungsspektrum schon breit. Ich glaube eher, dass wir wirklich einen Teil verloren haben. Einen Teil der Gesellschaft, der nicht mehr erreichbar ist, und von diesem Teil sind eben viele im Osten.</p>
<div id="attachment_2210-2" style="width: 396px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/16870_TS_1999-11-10_001_page-0001.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2210-2" class="wp-image-2210" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/16870_TS_1999-11-10_001_page-0001.jpg" alt="Der zehnte Jahrestag der Maueröffnung – Titelthema im Tagesspiegel. Abbildung: Tagesspiegel" width="386" height="550"></a><p id="caption-attachment-2210-2" class="wp-caption-text">Der zehnte Jahrestag der Maueröffnung – Titelthema im Tagesspiegel. Abbildung: Tagesspiegel</p></div>
<p><strong>UT:</strong> Das kann sein. Meiner Meinung nach kommt die größte Verantwortung den Politikern in den Kommunen und Gemeinden zu. Denn die sind vor Ort und reden mit den Menschen, erleben die Probleme hautnah. Die Menschen vor Ort brauchen die Unterstützung aus Berlin und von uns allen – auch den Medien.</p>
<p><strong>CT:</strong> Genau die rufen gerade stark nach Hilfe, aber es drängt sich das Gefühl auf, dass sie zu wenig gehört werden. Glaubst du, dass wir in zehn Jahren immer noch über das Thema Ost-West reden werden?</p>
<p><strong>UT:</strong> Ja, weil ich glaube, dass die Zeiten weiter schwieriger werden und viel Veränderungsnotwendigkeit auf die Menschen zukommt, mit der Digitalisierung, mit dem Klimawandel und vielem mehr. Deshalb halte ich es für extrem wichtig, dass die Politik in die Strukturen vor Ort investiert: Kitas, Schulen, Gesundheitssystem, Pflege. Denn dann hoffe ich, dass viele auch in ihre Heimat zurückkehren und sehen, dass es auch in Sachsen-Anhalt sehr lebenswert ist.</p>
<p><strong>CT:</strong> Wahrscheinlich hast du recht, dass wir auch dann noch darüber reden, weil es eben diese ostdeutsche Mentalitätsklammer gibt. Aber ich glaube, dass es vielen ostdeutschen Regionen dann wirtschaftlich besser geht und die Debatten eher entlang anderer Konfliktlinien verlaufen.</p>
<div id="attachment_2211-2" style="width: 403px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/20191109_01_TS-D-1FS-VP3_page-0001.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2211-2" class="wp-image-2211" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/20191109_01_TS-D-1FS-VP3_page-0001.jpg" alt="Sonderausgabe zu 30 Jahren Mauerfall. Abbildung: Tagesspiegel" width="393" height="550"></a><p id="caption-attachment-2211-2" class="wp-caption-text">Sonderausgabe zu 30 Jahren Mauerfall. Abbildung: Tagesspiegel</p></div>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Ulrike Teschke<a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1685" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg" alt="Label Impulsgeberin Ost" width="200" height="200"></a></span></h2>
<p><strong>GEBOREN:</strong> 1962/Halle (Saale)<br>
<strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Aumühle (bei Hamburg)<br>
<strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> <a href="https://amzn.to/3AwNFOU" target="_blank" rel="noopener">Günter de Bruyn: „Der neunzigste Geburtstag“, 2018</a><br>
<strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Die Legende von Paul und Paula“, 1973<br>
<strong>MEINE URLAUBSTIPPS:</strong> Darss, Regenbogencamp Prerow</p>
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<h2><span class="title-bg">Christian Tretbar<a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-1684 alignright" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></span></h2>
<p><strong>GEBOREN:</strong> 1979/Leipzig<br>
<strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Berlin<br>
<strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> <a href="https://amzn.to/3YVBFRf" target="_blank" rel="noopener">Clemens Meyer: „Als wir träumten“, 2006</a><br>
<strong>MEIN SERIENTIPP:</strong> „Weissensee“, 2010<br>
<strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Leipzig</p>
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<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Denke-ich-an-Ostdeutschland.jpg" width="342" height="483">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p>In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist auch 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Dieser Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2024, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
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<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/prof-dr-stephan-stubner-und-prof-dr-dominik-kanbach-hhl-als-innovationsmotor-treiber-fuer-start-ups-und-das-unternehmertum-in-sachsen/">Christian Tretbar und Ulrike Teschke: Ostdeutschsein heute. „Viele wurden aus der DDR-Komfortzone geholt“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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			</item>
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