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	<title>Aktivisten Archive - ostdeutschland.info</title>
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	<description>Impulse für den Osten</description>
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	<title>Aktivisten Archive - ostdeutschland.info</title>
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	<item>
		<title>Franziska Wetterling: Es geht immer um Mehrheiten. Üben, Herkünfte und Hollywoodschaukeln</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/franziska-wetterling-es-geht-immer-um-mehrheiten-ueben-herkuenfte-und-hollywoodschaukeln/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Sep 2025 07:10:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivisten]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Franziska Wetterling vom Netzwerk 3te Generation Ost ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch in dem Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/wetterling_ost-info.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2260" class="wp-image-2260 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/wetterling_ost-info.jpg" alt="Franziska Wetterling, Netzwerk 3te Generation Ost. Abbildung: IKKS Hochschule Mittweida/Raphael Heimann" width="707" height="1000"></a>Franziska Wetterling, Netzwerk 3te Generation Ost. Abbildung: IKKS Hochschule Mittweida/Raphael Heimann<br />
„Ich halte jedes Leben für hinreichend interessant, um anderen mitgeteilt zu werden“, heißt es [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/franziska-wetterling-es-geht-immer-um-mehrheiten-ueben-herkuenfte-und-hollywoodschaukeln/">Franziska Wetterling: Es geht immer um Mehrheiten. Üben, Herkünfte und Hollywoodschaukeln</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Franziska Wetterling vom Netzwerk 3te Generation Ost ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch in dem Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><span id="more-2259"></span></p>
<div id="attachment_2260" style="width: 717px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/wetterling_ost-info.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2260" class="wp-image-2260 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/wetterling_ost-info.jpg" alt="Franziska Wetterling, Netzwerk 3te Generation Ost. Abbildung: IKKS Hochschule Mittweida/Raphael Heimann" width="707" height="1000"></a><p id="caption-attachment-2260" class="wp-caption-text">Franziska Wetterling, Netzwerk 3te Generation Ost. Abbildung: IKKS Hochschule Mittweida/Raphael Heimann</p></div>
<p>„Ich halte jedes Leben für hinreichend interessant, um anderen mitgeteilt zu werden“, heißt es in Maxie Wanders Gesprächsaufzeichnungen „Guten Morgen, du Schöne“. Seit 2015 habe ich über 200 Formate organisiert und moderiert, die Herkunft in Gemeinschaft thematisieren. Sie stehen auch für die Selbstermächtigung von Erststudierenden und Ostdeutschen. Das Eingangszitat verdeutlicht eine Haltung, die mich trägt, bei jeder Person, die mir begegnet.</p>
<p>Ich bin der Meinung, dass jede Frage und jede Erfahrung für uns als Gesellschaft relevant sind. Sie zeigen institutionelle Lücken in der Abbildung von Realitäten, dem Wissenstransfer und der Ansprache auf, aber auch ganz eigene, mögliche vielfältige Wege, die erzählt werden sollten. All die Werdegänge und Motivationslagen bieten die Möglichkeit für Verbindendes, ein differenziertes Bild und gesellschaftliche Veränderungen.</p>
<hr>
<blockquote><p><strong>Pro Test bedeutet nicht gleich stören, ich bin dafür, auch nur mal zuzuhören.” (Mia: „Pro Test“)</strong></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Denn wir sehen nur was wir sehen (Clueso)</span></h2>
<p>Ich frage mich, was gesellschaftlich zumutbar ist und unter welchen Bedingungen es eingeübt werden kann. Ein Blick auf die Umbrüche nach 1989 und deren Bewältigung kann Antworten geben. Jene, die dieses Erfahrungswissen mitbringen, sind intersektoral unzureichend in Entscheidungspositionen repräsentiert. Sie sollte so nicht sein. Herkunft ermöglicht Ansprache.</p>
<p>Ich wurde im ländlichen Raum in einem Umfeld groß, das die Soziologie durch die temporären oder kontinuierlichen Unsicherheiten als prekär einordnen würde. Bei mir gab es ein paar Features. Die Offenheit, das Zutrauen, in jedem Garten eine Hollywoodschaukel, ein gesundes Klassenbewusstsein und die Entschlossenheit, Herausforderungen anzugehen. Es blieb oft auch nichts anderes übrig. Ich denke an die Menschen, die Aufstieg und Abstieg erlebt haben und mit den sozialen Folgen von gesellschaftlicher Ausgrenzung und Inklusion konfrontiert waren. Die Bandbreite an Leist- und Bewältigbarem zeigte sich sowohl in existenziellen Notlagen als auch in Top-Positionen. Selbst dann war Besonnenheit präsent. Das nächste Feature.</p>
<p>Wurden in der DDR aufgewachsene Menschen in einem Gleichheitsanspruch und- versprechen sozialisiert? Ich trage es in mir. Es trägt sich etwas fort, so mein Eindruck. Ich beobachte, dass Bindungen durch die vielfältigen Lebenslagen und die Gleichzeitigkeit von Auf- und Abstieg innerhalb einer Gruppe auf die Probe gestellt wurden. Es erfordert bis heute nicht selten ein Innehalten, Aushalten, Zurückhalten und in vielen Momenten auch ein Festhalten, damit sie halten. Auch Rückzug spielt eine Rolle.</p>
<p>Wie kann ein überzeugendes „Auch, wenn wir uns nicht immer gut verstehen, wäre es doch schön, wenn wir uns wiedersehen“ (Mia: „Pro Test“) in einem Teil Deutschlands gelingen, den zwischen 1990 und 2017 3,7 Millionen Menschen verlassen haben? Die Konfrontation und Auseinandersetzung mit klassenübergreifenden Lebensrealitäten begreife ich als Ressource in mir und in anderen Menschen. Sie schafft Verbindung, aber auch Reibung. Vielleicht ein Teil der Lösung. „Ich will da sein, wenn es passiert“ (Wir sind Helden).</p>
<div id="attachment_2261" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Bild1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2261" class="wp-image-2261" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Bild1.jpg" alt="Workshop des N5 Symposiums 2022 „Ostdeutschland aus der Zukunft gedacht“ in Magdeburg. Abbildung: N5 Symposium/Uwe Loescher" width="600" height="400"></a><p id="caption-attachment-2261" class="wp-caption-text">Workshop des N5 Symposiums 2022 „Ostdeutschland aus der Zukunft gedacht“ in Magdeburg. Abbildung: N5 Symposium/Uwe Loescher</p></div>
<p>Mein Werdegang ist unkonventionell. Klug verpackt heißt es, intersektoral gewirkt und interdisziplinär studiert. Mein Bauchgefühl war treibend, nötig und musste sich in Teilen auch finden. Es sollte Indikator werden für das, was ich leisten kann, möchte und priorisiere. Die Kontinuität an Beziehungen war dafür stabilisierend bis bestärkend. Ich lebe in einer europäischen Familie. Meine Eltern haben seit den Neunzigern mit Postkarten, Paketen und Sonntagstelefonaten ebenfalls eine Kontinuität geschaffen. Wir nehmen an unseren Leben teil. Trotz der Distanzen. Die Züge wurden – wie der Inn in Österreich – eine zweite Heimat. Die Digitalisierung trägt dazu bei, dass Verbindungen aufrechterhalten bleiben. Ich konnte mich an mich erinnern (oder wurde erinnert). „Ich bin dafür, sich öfter neu zu sein, alles zu ändern und sich dabei treu zu bleiben.“ (Mia: „Pro Test“). Das war für mich leichter als für andere Jahrgänge.</p>
<p>Ich habe in der Pflege, im Einzelhandel, in Kulturstätten, in der Beratung und häufig an den Schnittstellen von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik gearbeitet. Eine Stelle in der Politikberatung im Innovationsdialog der Bundesregierung war ein Schlüsselereignis: Was wird übermorgen relevant sein und wie können wir heute dafür sorgen, dass wir gut aufgestellt sind? Es wurden Zukünfte thematisiert, interdisziplinäre Blickwinkel einbezogen und Netzwerke identifiziert. Ich funktioniere interessengeleitet, bin Erstakademikerin und mein enges Umfeld zeichnet sich durch unterschiedliche Wirkfelder in unterschiedlichen Regionen und Verantwortungspositionen aus. Das macht etwas mit meinem Selbstverständnis, den Fragen, die ich stelle, und den Zugängen. Zwar ist kein Weg wie meiner in diesem Setting, aber der der anderen eben auch nicht. Das Fragen und das Interesse wurden eingeübt, das Menschliche vorrangig. Ein Prozess.</p>
<p>In akademischen Arbeitsumgebungen war auffällig, dass Vielfaltsdimensionen unterrepräsentiert waren. Ich verstand, was gläserne Decken sind und den Feminismus westdeutsch und ostdeutsch sozialisierter Frauen. Ich verstand mit der Zeit belastbare informelle wie formelle Netzwerke, die einiges möglicher machten. In der Innovationspolitik und Regionalanalysen begriff ich das Ausmaß der strukturellen Ungleichheit zwischen Ost und West, sah, wie Netzwerke nicht gelesen werden konnten. Irgendwann schnappte ich den Begriff „wertebasierte Netzwerke“ auf. Wie der Thomas-Kreislauf funktionierte, wurde erlebbarer. Welchen Stellenwert der Status quo – belegt durch Studien, Zahlen, Daten, Fakten und die Debatte im politischen und wissenschaftlichen Diskurs – einnimmt, war ein Learning.</p>
<p>Ich besuchte Veranstaltungen. Meine politische Sozialisation in Berlin setzte sich fort und musste sich an den Lebensrealitäten meiner Welten messen. Das Unbehagen in manchen Diskussionen stieg. Ich fand eine Stimme, auch weil sie nicht im Raum vertreten schien. Das war aber nicht so, denn Menschen sprachen mich an. Aus einem Unbehagen wurde eine produktive Grundwut, die sich durch das Ehrenamt in Bahnen lenken ließ. Ich fand Gleichgesinnte und Widerspruch. Macht kommt von machen.</p>
<h2><span class="title-bg">Milk and Honey (Beatsteaks)</span></h2>
<p>Das Engagement bei ArbeiterKind.de und im Netzwerk 3te Generation wurde mit anderen Engagierten ein Spielfeld für Vernetzung, Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer. Das Thema Herkunft erwies sich als Chance für Verbindendes. Die eigene Geschichte ist nicht angreifbar. Unterstützungsnetzwerke sind ein komfortables Setting. Bei ArbeiterKind.de werden die Hürden und Chancen für Erststudierende besprochen. Es wird an Anlaufstellen verwiesen und Wissen geteilt. Ein Angebot aus der Community für die Community, geboren aus der Idee, Wissen zu den Möglichkeiten verfügbar zu machen. Danke, Katja Urbatsch, an dieser Stelle und an alle, durch die es immer gut ist.</p>
<p>Bei den Offenen Treffen in Berlin sitzen Erststudierende, Menschen mit Behinderungen, Menschen mit Einwanderungsgeschichte und aus Ostdeutschland. Es kommen auch Studierende aus einem akademischen Elternhaus, die nicht Bafög-berechtigt sind, deren Eltern die Studienwahl nicht begrüßten und die Finanzierung strichen. Das macht etwas mit dem Blick auf Gerechtigkeit und für wen strukturelle Verbesserungen gedacht werden sollen. Für jede Person. Ermutigung to go gilt für jede Person.</p>
<p>Ich bin Fan von Fragen. Ich mag Menschen. Mir kann man nicht erzählen, dass es etwas nicht gibt. Wenn du Menschen mit Hauptschulabschluss vor dir sitzen hast, die promovieren, oder einen Tisch mit zehn Männern unterschiedlichen Alters, die sich bestärken und ihre Geschichten teilen, bist du irgendwann schubladenlos. Bei ArbeiterKind.de lernte ich mehr Ostdeutsche kennen. Die DDR als Arbeiter- und Bauernstaat. Dass ich auf viele Erststudierende aus Ostdeutschland traf, machte Sinn. Später kam ich zum Netzwerk 3te Generation Ost.</p>
<p>Ostdeutsche sind in Führungspositionen und Gremien unterrepräsentiert. Das ist belegt. Wir kommen mittlerweile generationsübergreifend in informellen Runden zusammen. Die Treffen zeichnen ein differenziertes Bild der Erfahrungen sowie Einendes. Es ist ein Ort der Einordnung, des Umgehen-Wollens mit gesellschaftlichen Entwicklungen, aber vor allem ein Ort der Begegnung und des Interesses. Werdegänge, Werte und Wirkstätten werden geteilt, Beispiele institutionellen Wirkens aufgezeigt.</p>
<p>Ich habe gelernt, was sich Menschen für Fragen stellen, wie viele Menschen von den Baseballschlägerjahren betroffen waren, wie viele sich organisiert haben und es bis heute sind. Die Neunziger waren prägend für berufliche und persönliche Entscheidungen. Dass dies nicht nachgefragt oder in der Form medial abgebildet wird, prägt ebenfalls.</p>
<p>Wir diskutieren den gesellschaftlichen Mehrwert von Umbruchserfahrungen in Verantwortungspositionen und die doppelte Sozialisation. Ein Netzwerk von Menschen, denen offensteht, ob sie eine Rolle als Generations-, Werte- und Wissensvermittler einnehmen möchten.</p>
<div id="attachment_2266" style="width: 403px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Bitte-Gruppenfoto-damit-ersetzen.-Selbst-erstellt.-Danke_cut.png"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2266" class="wp-image-2266" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Bitte-Gruppenfoto-damit-ersetzen.-Selbst-erstellt.-Danke_cut.png" alt="Das Netzwerk 3te Generation Ost lädt zu Offenen Treffen ein. Abbildung: 3te Generation Ost" width="393" height="550"></a><p id="caption-attachment-2266" class="wp-caption-text">Das Netzwerk 3te Generation Ost lädt zu Offenen Treffen ein. Abbildung: 3te Generation Ost</p></div>
<h2><span class="title-bg">Sky and Sand (Fritz &amp; Paul Kalkbrenner)</span></h2>
<p>Wenn ich an Ostdeutschland denke, denke ich an Menschen und Landschaften im Wandel und an mein persönliches Umfeld mit Humor, Unaufgeregtheit, Robustheit und Tatendrang. Ich habe es mir auch selbst gebastelt und sehe, wie andere Menschen es ebenfalls tun. Sie bilden Netzwerke, sind mutig in Formaten, den dazugehörigen Orten und haben Spaß. Sie leben Kooperation und kollaboratives Arbeiten. Sie besitzen die Stärke, in formellen Kontexten informell zu sein, begeistern und machen es Menschen leicht, Teil ihres Netzwerks zu werden, empfehlen einander. Sie schaffen die Settings für systemische Veränderungen. All jene und noch mehr, die wissen, dass „Wittenberg nicht Paris ist“ (Kraftklub). Die Umbrüche nach der Wiedervereinigung betreffen die nächste Generation noch immer. Sie müssen beteiligt werden.</p>
<p>Mein Prof. meinte einmal zu mir: „Frau Wetterling, es geht immer um Mehrheiten.“ Ich habe mich gefragt, wie man sie bildet. Grönemeyer singt: „Woher du kommst, das hast du nie verloren“ – vielleicht ist das ein Kitt.</p>
<p>In Zeiten, in denen ständig nach Narrativen verlangt wird, wünsche ich mir, dass wir mehr miteinander erzählen. Gern auf Hollywoodschaukeln. „Pro Test bedeutet nicht gleich stören, ich bin dafür, auch nur mal zuzuhören“ (Mia: „Pro Test“).</p>
<div id="attachment_2267" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/2024_Postkarten-rotated-e1723800788657.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2267" class="wp-image-2267" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/2024_Postkarten-rotated-e1723800788657.jpg" alt="Zu Hause und die Welt – Postkarten und Briefe. Abbildung: Franziska Wetterling" width="600" height="450"></a><p id="caption-attachment-2267" class="wp-caption-text">Zu Hause und die Welt – Postkarten und Briefe. Abbildung: Franziska Wetterling</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1685" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg" alt="Label Impulsgeberin Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Franziska Wetterling</span></h2>
<p><strong>GEBOREN:</strong> 1987/Sachsen-Anhalt<br>
<strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Berlin<br>
<strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> <a href="https://amzn.to/46ZB0jx" target="_blank" rel="noopener">„Wir kochen gut. Das Grundkochbuch“, 1962</a><br>
<strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Ernesto’s Island“, 2022<br>
<strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Weststrand (Fischland-Darss-Zingst)</p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Denke-ich-an-Ostdeutschland.jpg" width="342" height="483">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p>In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist auch 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Dieser Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2024, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/franziska-wetterling-es-geht-immer-um-mehrheiten-ueben-herkuenfte-und-hollywoodschaukeln/">Franziska Wetterling: Es geht immer um Mehrheiten. Üben, Herkünfte und Hollywoodschaukeln</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Dr. Adriana Lettrari: Gestaltungsmacht nutzen. Wie Ehrenamt in Ostdeutschland eine lebendige demokratische Gesellschaft kreiert</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/dr-adriana-lettrari-gestaltungsmacht-nutzen-wie-ehrenamt-in-ostdeutschland-eine-lebendige-demokratische-gesellschaft-kreiert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Apr 2025 05:30:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivisten]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=1928</guid>

					<description><![CDATA[<p>Dr. Adriana Lettrari, Mitgründerin des Netzwerk 3te Generation Ost sowie Geschäftsführerin &#38; Vorständin der Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern, ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch in dem Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/lettrari_ost-info.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1929" class="wp-image-1929" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/lettrari_ost-info.jpg" alt="Dr. Adriana Lettrari, Mitgründerin Netzwerk 3te Generation Ost, Geschäftsführerin &#38; Vorständin, Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern. Abbildung: Juliane Dunckel" width="424" height="600"></a>Dr. Adriana Lettrari, Mitgründerin Netzwerk 3te Generation Ost, Geschäftsführerin &#38; Vorständin [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/dr-adriana-lettrari-gestaltungsmacht-nutzen-wie-ehrenamt-in-ostdeutschland-eine-lebendige-demokratische-gesellschaft-kreiert/">Dr. Adriana Lettrari: Gestaltungsmacht nutzen. Wie Ehrenamt in Ostdeutschland eine lebendige demokratische Gesellschaft kreiert</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dr. Adriana Lettrari, Mitgründerin des Netzwerk 3te Generation Ost sowie Geschäftsführerin &amp; Vorständin der Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern, ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch in dem Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><span id="more-1928"></span></p>
<div id="attachment_1929" style="width: 434px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/lettrari_ost-info.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1929" class="wp-image-1929" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/lettrari_ost-info.jpg" alt="Dr. Adriana Lettrari, Mitgründerin Netzwerk 3te Generation Ost, Geschäftsführerin &amp; Vorständin, Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern. Abbildung: Juliane Dunckel" width="424" height="600"></a><p id="caption-attachment-1929" class="wp-caption-text">Dr. Adriana Lettrari, Mitgründerin Netzwerk 3te Generation Ost, Geschäftsführerin &amp; Vorständin Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern. Abbildung: Juliane Dunckel</p></div>
<p>Wir können warten, bis etwas geschieht, oder selbst etwas tun.</p>
<p>Denke ich an Ostdeutschland, dann denke ich an diejenigen, die sich für die zweite Alternative entscheiden. Ich denke an die vielen bürgerschaftlich Engagierten, die ich seit meiner beruflichen Rückkehr nach Mecklenburg-Vorpommern kennengelernt habe und die sich einbringen, um das Leben in Gemeinschaft schöner zu machen. Ich denke an die Ehrenamtlichen, die Orte schaffen, um Jung und Alt zusammenzubringen, und an diejenigen, die anderen in Notlagen helfen. Allein in meinem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern gibt es mehr als 600.000 Ehrenamtliche – das sind fast 40 Prozent der Bevölkerung. 35 Jahre nach friedlicher Revolution und Mauerfall leben wir in unruhigen Zeiten – politisch und gesellschaftlich. Die Demokratie sei generell in der Krise, so sagen einige, weil Staat und Bürger nicht mehr im vertrauensvollen Austausch seien. Wir hören einander nicht mehr zu, fühlen uns entfremdet, behaupten andere. So entstünden Misstrauen, Frust, Konflikte. Dieser Tenor prägt viele der politischen Debatten in und um Ostdeutschland in diesem Sternjahr der Demokratie. Ohne die Herausforderungen in Abrede zu stellen: Ich bin dankbar, dass ich jeden Tag ein vielschichtigeres Bild sehe. Ich erlebe engagierte Menschen, die den Blick auf Lösungen lenken. Die ihre Gestaltungsmacht annehmen und sie für die inklusive Gemeinschaft einsetzen. Das Ehrenamt prägt zahlreiche Bereiche unseres Lebens und sorgt maßgeblich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der freiwillige Einsatz der Engagierten ist nicht selbstverständlich. Umso wichtiger ist, herauszufinden, an welchen Stellen Ehrenamtliche der Unterstützung bedürfen und wie wir diese anbieten können. Dafür müssen wir zunächst die DNA der Leidenschaft von Ehrenamtlichen gut verstehen.</p>
<hr>
<blockquote><p><strong>Die Erfahrung, etwas gemeinsam zu bewegen, kann Menschen stärken und Zuversicht schaffen. Denn im Ehrenamt sind Menschen Gestalter, Entscheider, mündige Bürgerinnen und Bürger.”</strong></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Durch das Ehrenamt wachsen</span></h2>
<p>Ehrenamtliches Engagement prägt den Raum zwischen Familie und Beruf. Hier kann man über sich hinauswachsen und Rollen übernehmen, die beruflich (noch) nicht möglich sind. Ehrenamt bedeutet dabei oft ein Wachsen über sich selbst hinaus. Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, bauen vorhandene Kompetenzen aus und erlernen neue. Die Jugendlichen, die eine Skatehalle für Kinder einrichten, die Dorfbewohner, die einen überwucherten Pfarrgarten wieder zu einem Begegnungsort machen: Sie planen Projekte, arbeiten im Team, suchen Unterstützung und überzeugen andere. Die Kompetenzen, die in diesen Gestaltungsprozessen erworben werden, sind universell und genauso im beruflichen wie im privaten Bereich nützlich. Im Ehrenamt kann man sie in jedem Lebensalter weiterentwickeln. Ein ganz besonderer Kompetenzbooster ist dabei die Führung eines Vereins. Vorstände agieren als Gleiche unter Gleichen. Sie müssen sich allein durch Führungskompetenzen behaupten, um den Verein erfolgreich leiten zu können. Wie sehr bürgerschaftliches Engagement das eigene Leben beeinflussen kann, habe ich selbst erlebt. Nach der Schule verschlug es mich von Rostock zu Ausbildung, Studium und Beruf nach Hamburg, Berlin, Tansania, Zürich und wieder zurück nach Berlin. Mit 30 Jahren gründete ich zusammen mit anderen das „Netzwerk 3te Generation Ost“. Unser Ziel war es, der jüngsten noch in der DDR geborenen Generation eine Stimme zu geben und in der Debatte um Ostdeutschland neue Impulse zu setzen. Es ging uns darum, erfolgreiche ostdeutsche Lebenswege zu zeigen und die Transformationskompetenz dieser „3ten Generation Ost“ sichtbar zu machen.</p>
<p>Die Idee zündete. Viele Hunderte Ostdeutsche aus allen Ländern, in die sie abgewandert waren, und aus Ostdeutschland selbst schlossen sich dem Netzwerk an. Zusammen galt es für uns nun, geeignete Strukturen der Zusammenarbeit zu finden, attraktive Formate zu entwickeln, unsere Idee in die Öffentlichkeit zu tragen, Presseinterviews gelungen zu meistern, Mitglieder und Fördernde zu finden und vieles mehr. Das war bereichernd, oft auch ordentlich herausfordernd. Aber in diesem Prozess bin ich über mich hinausgewachsen und mehr geworden, als ich es für möglich gehalten hätte. Ich glaube, vielen geht es in der persönlichen Geschichte ihres Ehrenamtes genauso. Auch wenn ich heute nur noch ein Mitglied des Netzwerks bin: Die Erfahrung ehrenamtlichen Engagements hat mich persönlich und beruflich tief geprägt. Heute lebe ich in Berlin und Güstrow. In Güstrow habe ich als geschäftsführende Vorständin der Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern meinen Gestaltungsraum gefunden und kann Menschen in ihrem Ehrenamt unterstützen. Mit einem professionellen Team stehen wir bürgerschaftlich Engagierten mit Know-how, juristischer Beratung, Weiterbildung, Vernetzung und finanziellen Mitteln so zur Seite, dass sie ihr nächstes Level der Vereinsarbeit erreichen können.</p>
<div id="attachment_2026" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Seite-4_Diagramm-1_Copyright-Ehrenamtsstiftung-MV_cut.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2026" class="wp-image-2026" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Seite-4_Diagramm-1_Copyright-Ehrenamtsstiftung-MV_cut.jpg" alt="Befragung zum Ehrenamt in Mecklenburg-Vorpommern 2022. Abbildung: Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern" width="600" height="493"></a><p id="caption-attachment-2026" class="wp-caption-text">Befragung zum Ehrenamt in Mecklenburg-Vorpommern 2022. Abbildung: Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern</p></div>
<h2><span class="title-bg">Unterstützung Ehrenamtlicher</span></h2>
<p>Davon wird rege Gebrauch gemacht. Denn viele der über 12.150 Vereine in Mecklenburg-Vorpommern sind klein und rein ehrenamtlich organisiert. Gerade im ländlichen Raum gehört es für viele dazu, sich vor Ort zu engagieren. Hier entsteht das Wir-Gefühl, hier kommt man zusammen, um Sport, Kunst, Kultur oder neue, solidarische Formen der Landwirtschaft zu organisieren. Fragt man Ehrenamtliche, warum sie sich engagieren, lauten die häufigsten Antworten: Spaß haben, einen Ausgleich finden, etwas Sinnvolles tun. Etwas gemeinsam zu tun, das verbindet. Einige Ehrenamtliche finden in dieser Gemeinschaft ein emotionales Zuhause und eine zweite Familie – ein schöner Gegenentwurf zur grassierenden Einsamkeitspandemie in Deutschland. Das Gefühl, gebraucht zu werden und positive Veränderungen zu bewirken, trägt maßgeblich zu einem erfüllten Leben bei. Die Erfahrung, etwas gemeinsam zu bewegen, kann Menschen stärken und Zuversicht schaffen. Denn im Ehrenamt sind Menschen Gestalter, Entscheider, mündige Bürgerinnen und Bürger. Diese (Selbst-)Wirksamkeit kann auch eine Antwort sein, auf die von einigen Menschen in Ostdeutschland gefühlte Ohnmacht gegenüber der Politik und dem allgemeinen Weltgeschehen. Es überrascht daher nicht, dass Menschen, die sich bereits in frühen Jahren als selbstwirksam im Ehrenamt erleben, laut Studien der Demokratie zugewandter sind und ein Grundgefühl von demokratischem Miteinander entwickelt haben. Zusammen mit dem Team der Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern kann ich vor Ort daher gelebte Demokratie unterstützen und das wiederum begeistert mich.</p>
<p>Wie unterstützen wir in der Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern ehrenamtliches Engagement konkret? Indem wir uns in der Vereinslandschaft umschauen und fragen: Wo drückt der Schuh ganz spezifisch? Und für diese Probleme bieten wir Unterstützung an. Wir ermöglichen den Blick „Wie gehen andere mit diesem Problem um?“, indem wir lokalen und regionalen Austausch von Akteuren ermöglichen. Wir machen die Wirkung von Engagement sichtbar und tragen dazu bei, die gesellschaftliche Wertschätzung von Ehrenamt zu erhöhen. Nicht zuletzt unterstützen wir Vereine auch finanziell, zum Beispiel bei der Anschaffung neuer Kleidung für die Kinderfeuerwehr oder der Renovierung eines Kinderbuchraums in einer Stadtbibliothek.</p>
<div id="attachment_2027" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Seite-4_Diagramm-2_Copyright-Ehrenamtsstiftung-MV_cut.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2027" class="wp-image-2027" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Seite-4_Diagramm-2_Copyright-Ehrenamtsstiftung-MV_cut.jpg" alt="Was sind die dringlichsten Herausforderungen in Ihrer Organisation? Abbildung: Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern" width="600" height="363"></a><p id="caption-attachment-2027" class="wp-caption-text">Was sind die dringlichsten Herausforderungen in Ihrer Organisation? Abbildung: Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern</p></div>
<h2><span class="title-bg">Förderung mit Kopf, Herz und Evidenz</span></h2>
<p>Bislang gab es nur wenig Forschung, die die aktuelle Lage des Ehrenamts in Mecklenburg-Vorpommern widerspiegelt. Keine gute Grundlage, um passgenaue Unterstützungsleistungen zu entwickeln. Mit dem Ehrenamtsmonitor Mecklenburg-Vorpommern erheben und identifizieren wir die drängenden Bedürfnisse der Ehrenamtlichen und kreieren entsprechende Angebote. Zusammen mit der OstseeSparkasse Rostock (OSPA) haben wir beispielsweise jüngst ein Führungskräfteprogramm für Vereinsvorstände entwickelt. Es richtet sich insbesondere an junge Vereinsvorstände und diejenigen, die es werden möchten. Die Erkenntnisse aus unserem Ehrenamtsmonitor zeigen, dass 90 Prozent der Vereine in Mecklenburg-Vorpommern Probleme haben, neue Engagierte zu gewinnen und 65 Prozent den Generationswechsel als große Herausforderung sehen. Vereinsengagement muss also attraktiver werden und für Vorstände ist es wichtig, über die notwendigen Führungsfähigkeiten zu verfügen. Das zehnmonatige, kostenfreie Programm ist ein Persönlichkeitsentwicklungsprogramm. Es bietet eine kontinuierliche Begleitung mit dem Fokus auf Führungskompetenzen, Entscheidungsfindung und Strategieentwicklung. Gleichzeitig müssen sich Vereine zukunftsfähig aufstellen, wenn sie neue Mitglieder begeistern wollen. Dazu haben wir mit dem Wirtschaftsmagazin Neue Narrative einen neuen Beratungsansatz entwickelt. Dieser findet sich in einem Toolbook für die Organisationsentwicklung wieder, von dem zukünftig alle Vereine profitieren können. Zusätzlich bekommen 40 Vereine von uns ein Jahr lang eine Förderung, um das Thema mit externer Beratung umzusetzen.</p>
<p>Und wir möchten den vielen bürgerschaftlich Engagierten danken und ihre Arbeit öffentlich wertschätzen. Die Ehrenamtskarte Mecklenburg-Vorpommern, die für bisher 10.000 Ehrenamtliche bei über 300 Partnern Vergünstigungen oder ein Dankeschön bereithält, unterstützt jene, die sich mit Zeit, Kraft, Ideen und Herz engagieren. Wann immer es geht, werden die Ehrenamtskarten in einem würdigen Rahmen übergeben, um den oft hinter den Kulissen agierenden Engagierten eine Bühne zu bieten. Ja, wir können warten, bis etwas geschieht, oder selbst etwas tun. 2025 wird die Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern zehn Jahre alt. Seit fast einem Jahrzehnt unterstützen wir mit Leidenschaft alle, die sich für die zweite Alternative entscheiden. Zusammen mit den vielen Vereinen wollen wir weiter die Zukunft von Mecklenburg-Vorpommern mitgestalten. Unseren Beitrag sehen wir darin, bürgerschaftliches Engagement und Ehrenamt innovativ und evidenzbasiert mit maßgeschneiderten Angeboten im Rahmen einer 360-Grad-Beratung zu fördern und zu entwickeln. Dieser Leidenschaft gehen wir mit der Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern nach und laden ein, sich nicht nur in Ostdeutschland von dieser zeitgemäßen Engagementförderung inspirieren zu lassen.</p>
<div id="attachment_1933" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Seite-4_Diagramm-3_Copyright-Ehrenamtsstiftung-MV.png"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1933" class="wp-image-1933" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Seite-4_Diagramm-3_Copyright-Ehrenamtsstiftung-MV.png" alt="So viel Engagementförderung nehmen Organisationen in Anspruch. Abbildung: Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern" width="600" height="424"></a><p id="caption-attachment-1933" class="wp-caption-text">So viel Engagementförderung nehmen Organisationen in Anspruch. Abbildung: Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1685" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg" alt="Label Impulsgeberin Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Dr. Adriana Lettrari</span></h2>
<p><strong>GEBOREN:</strong> 1979/Neustrelitz<br>
<strong>WOHNORTE (aktuell):</strong> Berlin, Güstrow<br>
<strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> <a href="https://amzn.to/3SWaGkr" target="_blank" rel="noopener">Lettrari, Nestler, Troi-Boeck: „Die Generation der Wendekinder: Elaboration eines Forschungsfeldes“, 2015</a><br>
<strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Alle reden übers Wetter“, 2022<br>
<strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Ostseebad Ahrenshoop</p>
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<tbody>
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<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Denke-ich-an-Ostdeutschland.jpg" width="342" height="483">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p>In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist auch 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Dieser Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2024, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
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<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/dr-adriana-lettrari-gestaltungsmacht-nutzen-wie-ehrenamt-in-ostdeutschland-eine-lebendige-demokratische-gesellschaft-kreiert/">Dr. Adriana Lettrari: Gestaltungsmacht nutzen. Wie Ehrenamt in Ostdeutschland eine lebendige demokratische Gesellschaft kreiert</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Osten als Avantgarde #2: Wie der Osten seine Stimme findet</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/der-osten-als-avantgarde-2-wie-der-osten-seine-stimme-findet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Apr 2025 07:20:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivisten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=5082</guid>

					<description><![CDATA[<p>Das Netzwerk der gemeinnützigen Initiative DenkRaumOst hat es sich zum Ziel gesetzt, den Charme Ostdeutschlands sichtbar zu machen. In Teil zwei der Kolumne sprechen Ira Roschlau, Gründerin und Geschäftsführerin, und Dr. Katja Mittrenga, Partnerin Strategie, Transfer &#38; Netzwerk der DenkRaumOst gUG, über Selbstbewusstsein, Ostmentoren und das gute Gefühl, nicht mehr nur Thema, sondern auch Stimme zu sein.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-5152" class="wp-image-5152" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/04/Foto_IR_KM_2503.jpg" alt="Ira Roschlau und Dr. Katja Mittrenga von DenkRaumOst." width="600" height="536">Ira Roschlau und Dr. Katja Mittrenga von DenkRaumOst.<br />
Manchmal braucht [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/der-osten-als-avantgarde-2-wie-der-osten-seine-stimme-findet/">Der Osten als Avantgarde #2: Wie der Osten seine Stimme findet</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Netzwerk der gemeinnützigen Initiative DenkRaumOst hat es sich zum Ziel gesetzt, den Charme Ostdeutschlands sichtbar zu machen. In Teil zwei der Kolumne sprechen Ira Roschlau, Gründerin und Geschäftsführerin, und Dr. Katja Mittrenga, Partnerin Strategie, Transfer &amp; Netzwerk der DenkRaumOst gUG, über Selbstbewusstsein, Ostmentoren und das gute Gefühl, nicht mehr nur Thema, sondern auch Stimme zu sein.</p>
<p><span id="more-5082"></span></p>
<div id="attachment_5152" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-5152" class="wp-image-5152" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/04/Foto_IR_KM_2503.jpg" alt="Ira Roschlau und Dr. Katja Mittrenga von DenkRaumOst." width="600" height="536"><p id="caption-attachment-5152" class="wp-caption-text">Ira Roschlau und Dr. Katja Mittrenga von DenkRaumOst.</p></div>
<p>Manchmal braucht es keinen Brennpunkt auf dem Bildschirm, sondern eine Debatte im Stadionfoyer, um zu spüren, wie sehr Ostdeutschland in Bewegung ist. Anfang März trafen sich über hundert Interessierte beim Stadiongespräch im Berliner Stadtteil Köpenick. Wir hatten zum vierten Mal gemeinsam mit dem Wirtschaftsrat des 1. FC Union eingeladen zu unserer Podiums- und Publikumsreihe „Was macht den Osten so attraktiv?“ Thema diesmal: „Der Osten in den Medien“. Klingt nach viel Beschwerdepotenzial, wurde lebendig – und ziemlich grundlegend.</p>
<p>Wir waren genauso gespannt wie die Teilnehmenden – und schon lange ausgebucht. Es handelte sich um DAS Thema, weswegen sich DenkRaumOst gegründet hatte. 2022 gab es eine eindeutige Schieflage zwischen den Medienberichten bzw. ihren Darstellungen des Ostens und der Realität – Daten von Media Tenor belegen es. Auch wenn es offiziell um Journalismus ging, schob sich schnell etwas anderes in den Vordergrund: das Bedürfnis nach einer eigenen Stimme. Einer Stimme jenseits der alten Klischees vom jammernden Verlierer oder dem gefeierten Aufbau-Ossi. Stattdessen Fragen nach Souveränität, nach medialer Repräsentation, nach Zugehörigkeit. Oder wie es jemand aus dem Publikum formulierte: „Es reicht nicht, über uns zu berichten wie über ein fremdes Land. Wir sind Teil der Geschichte – nicht ihr Anhang.“</p>
<p>Was in der Diskussion sichtbar wurde, war kein Konsens, aber eine Bewegung. Hier einige Schlaglichter:</p>
<p><span style="color: #ff3eb5;">#1</span> Im Ausland lässt sich die DDR-Erfahrung besser erzählen als in Deutschland selbst. Das haben sicherlich schon viele Ossis erfahren – so auch Anja Reich, Leiterin des Ressorts Dossier bei der Berliner Zeitung, und Christian Arbeit, Presse- und Stadionsprecher 1. FC Union. Vielleicht, weil dort niemand gleich mit moralischem Zeigefinger fragt, sondern zunächst einfach zuhört und oft staunt. Ostdeutsche erleben im Ausland oft ein überraschendes Wiederentdecken ihrer Herkunft – als würde der Blick von außen einen inneren Resonanzraum öffnen. Allein die immer noch aktuelle Frage: Wem hat der Osten den Wohlstand zu verdanken? Den Wessis? Oder hat sich der Ostdeutsche alles selbst erarbeitet?</p>
<p><span style="color: #ff3eb5;">#2 </span>Ostdeutscher Erfolg steht unter Verdacht. Da kann doch was nicht stimmen! Nur mit Kompetenz kommt man so weit? Eher nicht, so die unausgesprochene Botschaft. Es bleibt ein Misstrauen gegenüber Aufstiegsstorys, wenn sie nicht aus dem „richtigen“ Teil des Landes kommen und mit finanziellem Background – so Christian Arbeit und viele stimmten ihm zu.</p>
<p><span style="color: #ff3eb5;">#3 </span>Zwischen Ost und West ist noch Platz – zum Beispiel für Ost-Mentoring. Ein schöner Gedanke, der mehrfach aufkam: Ostdeutsche könnten als informelle Mentoren für westdeutsche Zuzügler fungieren. Nicht aus pädagogischem Impuls, sondern weil es regionale Orientierung gibt und man gemeinsam den Facettenreichtum der deutschen Geschichte erleben darf. Dirk Platt, Leiter rbb24 Brandenburg, aktuell beim Rundfunk Berlin-Brandenburg, bedankte sich auf der Bühne bei all seinen Mentoren und Anja Reich appellierte an den Spaß, wenn man die Rolle des firmeninternen Ostbeauftragten annimmt.</p>
<p><span style="color: #ff3eb5;">#4 </span>Der Osten als Zustand – nicht nur als Ort. Viele beschreiben sich heute als „in between“ – zwischen alt und neu, Herkunft und Zukunft, Ost und West. Dieses Dazwischen ist nicht nur biografisch, sondern gesellschaftlich relevant. Es spiegelt eine Suchbewegung, die weit über persönliche Geschichten hinausweist.</p>
<p><span style="color: #ff3eb5;">#5 </span>Brandenburg als globaler Resonanzraum. Das Tesla-Werk steht nicht nur für Industrieansiedlung, sondern für das verdichtete Aufeinandertreffen vieler Gegenwarten: Klimawandel, Migration, Arbeitskultur, Protest. Wer Brandenburg verstehen will, versteht ein Stück Welt. Das gilt auch für andere Regionen des Ostens – und des Westens.</p>
<p>Und die Medien? Was tun, wenn Berichterstattung ein verzerrtes Bild zeichnet? Wenn der Osten nur als Problemregion oder als Erfolgsmärchen daherkommt?</p>
<p>Einige Antworten aus der Runde:</p>
<ul>
<li>Qualitätsjournalismus fördern. Wer erzählt? Mit welcher Haltung? Und für wen?</li>
<li>Meinungsvielfalt zulassen. Öffentlich-rechtlich, privat, analog, digital – das Ganze ist mehr als die Summe der Teile.</li>
<li>Eigene Geschichten erzählen. Die ostdeutsche Mentalität mag Understatement bevorzugen, aber wer sich nicht zeigt, wird nicht gesehen.</li>
</ul>
<p>Was also macht den Osten attraktiv? Eine neue Gelassenheit, die sich nicht mehr an westdeutschen Maßstäben abarbeitet. Eine Souveränität, die aus zwei Gesellschaftssystemen Erfahrungen schöpft. Und eine Ehrlichkeit, die nicht laut sein muss, um klar zu sein.</p>
<p>DenkRaumOst versteht sich als Teil dieser Entwicklung – als Resonanzfläche. Unsere Veranstaltungen sind Versuche, kollektives Denken sichtbar zu machen, zwischen Herkunft und Zukunft, Fremdzuschreibung und Selbstbeschreibung. Vielleicht ist das die eigentliche Attraktivität des Ostens: dass eine neue Stimme entsteht, die nicht nach Aufmerksamkeit schreit, sondern etwas zu sagen hat – vor allem in Umbruchzeiten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>Die nächsten Live-Termine von DenkRaumOst</strong>
<p>5. Juni 2025: Hans-Otto-Theater in Potsdam: „Die Schwierigkeit mit der Freiheit“<br>
23. April 2025: Magdeburg, „Genossenschaften: ein Erfolgsmodell für den Osten?!“</p>
<p><a href="http://www.denkraumost.de/events">denkraumost.de/events</a></p></td>
</tr>
</tbody>
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<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/der-osten-als-avantgarde-2-wie-der-osten-seine-stimme-findet/">Der Osten als Avantgarde #2: Wie der Osten seine Stimme findet</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Osten als Avantgarde #1: „Wir sind eine ostdeutsche Gute-Laune-Truppe“</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/der-osten-als-avantgarde-1-wir-sind-eine-ostdeutsche-gute-laune-truppe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Mar 2025 06:30:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivisten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Netzwerk der gemeinnützigen Initiative DenkRaumOst hat es sich zum Ziel gesetzt, den Charme Ostdeutschlands – seine Schönheit, seine Potenziale und Innovationen – sichtbar zu machen. Hier startet seine mehrteilige Kolumne. Es beginnt Ira Roschlau, Gründerin und Geschäftsführerin der DenkRaumOst gUG, mit einem oft übersehenen Schatz: dem ostdeutschen Frohsinn.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/03/Foto_Ira_Roschlau2.jpg" alt="Ira Roschlau studierte an der Humboldt-Universität Berlin Sprachwissenschaften, Germanistik sowie Personal- und Organisationsentwicklung." width="559" height="535">Ira Roschlau hat an der Humboldt-Universität zu Berlin Sprachwissenschaften, Germanistik sowie Personal- und Organisationsentwicklung [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/der-osten-als-avantgarde-1-wir-sind-eine-ostdeutsche-gute-laune-truppe/">Der Osten als Avantgarde #1: „Wir sind eine ostdeutsche Gute-Laune-Truppe“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Netzwerk der gemeinnützigen Initiative DenkRaumOst hat es sich zum Ziel gesetzt, den Charme Ostdeutschlands – seine Schönheit, seine Potenziale und Innovationen – sichtbar zu machen. Hier startet seine mehrteilige Kolumne. Es beginnt Ira Roschlau, Gründerin und Geschäftsführerin der DenkRaumOst gUG, mit einem oft übersehenen Schatz: dem ostdeutschen Frohsinn.</p>
<p><span id="more-4437"></span></p>
<div style="width: 569px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/03/Foto_Ira_Roschlau2.jpg" alt="Ira Roschlau studierte an der Humboldt-Universität Berlin Sprachwissenschaften, Germanistik sowie Personal- und Organisationsentwicklung." width="559" height="535"><p class="wp-caption-text">Ira Roschlau hat an der Humboldt-Universität zu Berlin Sprachwissenschaften, Germanistik sowie Personal- und Organisationsentwicklung studiert.</p></div>
<p>Ich komme gerade aus dem Skiurlaub – sechs Tage Kaiserwetter im tiefsten Österreich: Kärnten, Gletschergebiet auf 3.000 Metern, nahe Italien und Slowenien und mit vielen internationalen, vor allem osteuropäischen Skigästen. In der Bergbahn, die alle Wintersportwütigen auf die Mittelstation von 1.800 Metern bringt, steht man eng an eng in sechs Abteilen, die zusammen bestimmt 120 bis 150 Personen befördern. Die Abteile sind nur bis Brusthöhe abgetrennt, sodass eine laut singende Gruppe, die schon am Vortag bei der Talfahrt aufgefallen war, für alle zu hören ist. Einige sind noch müde und wundern sich über diese Singeswütigen am Morgen. Um den kostbaren Sonnentag nicht zu verpassen, sind wohl die meisten zeitiger als im Urlaub üblich aufgestanden.</p>
<p>Und plötzlich eine laute klare Stimme: „Guten Morgen an alle. We are the wake up team! Wir sind eine ostdeutsche Gute-Laune-Truppe. Bei uns kann man Lieder und gute Laune bestellen.“ Und gleich startete der Frühsport mit Hands up und Clap your hands, Festhalten am Nachbarn und Singen. Nun waren wohl wirklich alle wach und wunderten sich, warum sie zum Frühsport aufgerufen wurden, aber die Mehrheit machte gern mit. In den Gesichtern zeigte sich wirklich gute Laune. Man lächelte sich zu und reckte die Köpfe, wer wohl alles zu den lustigen Gesellen zählte.</p>
<p>Wow! Das ist ja spannend. Hatte er wirklich „ostdeutsch“ gesagt? Man traf sie wieder auf der Hütte und beim Après-Ski – die ganze Skiwoche. Der Frühsport und das Singen wurden zum Morgenritual, wenn man zur gleichen Zeit den Zug erwischte. Noch Tage später erzählte unsere Familie von diesem Erlebnis. Auf der Südseite der Alpen, im Ausland, wo niemand mehr in ost- und westdeutsch unterteilt, begegnet man plötzlich den Landsleuten, die zu Botschaftern ganz neuer Werte werden. Hätte es das vor fünf oder zehn Jahren so gegeben? Dass jemand explizit „ostdeutsch“ sagt? Und der Verkaufsschlager ist also gute Laune, Spaß, unsere Energie für euch alle – kommend aus Ostdeutschland. Bis vor Kurzem wurde unter „ostdeutsch“, oder wird sogar zum Teil noch immer, vor allem Jammerei verstanden. Nun also das Pendant zu den Karnevalisten aus dem Rheinland!? Das Schmunzeln und die Lieder waren jedenfalls ansteckend und es werden wohl viele Urlaubsgäste zu Hause von dieser ostdeutschen Gute-Laune-Truppe erzählen.</p>
<p>Wen auch immer die Gute-Laune-Truppe gewählt hat, „ostdeutsch“ scheint auch ein neues positives Bewusstsein zu werden. Seit dem Wahlsonntag wissen wir, dass in den Grenzen von Ostsee, Oder, Erzgebirge und Harz die Mehrheit der Menschen Veränderungen gewählt hat – weniger konservative Parteien. Für jeden, den das Ergebnis ängstigt, hier eine systemische Coachingfrage: Was ist das Gute im Schlechten?</p>
<p>Statt Veränderungsmüdigkeit zeigt sich Wille zur Veränderung und Spaß am Leben. Die Transformationstheorie weiß, dass mit diesen Phänomenen der Wandel bereits begonnen hat. Da hat sich jemand schon auf den Weg gemacht. Liegt genau darin bereits das nächste Potenzial verborgen?</p>
<p>Diese Geschichte ist beispielgebend für das, was wir nun regelmäßig mit Kolumnen einbringen wollen: eine neue, gern positiv konnotierte Perspektive auf die Andersartigkeit des Ostens. Vielleicht sind es ja Schätze, Perlen, ungeschliffene Diamanten und Potenziale, die es zu bergen, zu heben gilt.</p>
<p>Unser Motto: Neue Geschichten braucht das Land! Und wie man sieht, erzählt das Land diese selbst. Hier schreiben Menschen, die Ostdeutschland nicht nur kennen, sondern es auch gestalten, egal ob mit ost-, west- oder nicht- deutscher Herkunft.</p>
<p>Unsere gemeinnützige Gesellschaft hat seit 2023 viele Podiumsdiskussionen zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten in Bezug auf Ostdeutschland an originellen Orten – etwa im Fußballstadion, in Theatern und Museen – durchgeführt. Einige der Protagonisten und Podiumsgäste werden hier ihre Sichtweisen und ihre Geschichten über den Denkraum Ost einbringen. Die Themenbreite reicht von Volkswirtschaft über Bildungswesen und ländlichen Raum bis hin zur Vielfalt des vermeintlichen Einheitsbildes des Ossis. Wir wollen die Schatztruhe füllen mit Potenzialen, die oft übersehen worden sind, weil sie von der falschen Seite betrachtet wurden. Mit ungeschliffenen Diamanten.</p>
<p>Der Osten ist erneut Experimentierfeld für die Zukunft. Während sich andere noch fragen, wie man mit Umbrüchen umgeht, wissen viele im Osten, wie es sich anfühlt. Denn das ist hier seit vier Jahrzehnten Alltag. Und darüber gibt es viel zu erzählen.</p>
<p>Freuen Sie sich auf die nächsten Gastbeiträge. Ich darf unter anderem ankündigen: Eilika von Anhalt, Dr. Katja Mittrenga, Prof. Dr. Thomas Brockmeier, Prof. Dr. Susanne Schmidt, Gordon von Godin, Prof. Joseph Hoppe.</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>Die nächsten Live-Termine von DenkRaumOst</strong>
<p>11. März 2025: Stadiongespräch An der Alten Försterei in Berlin: „Der Osten in den Medien“<br>
5. Juni 2025: Hans-Otto-Theater in Potsdam: „Die Schwierigkeit mit der Freiheit“<br>
23. April 2025: Magdeburg, „Genossenschaften: ein Erfolgsmodell für den Osten?!“</p>
<p><a href="http://www.denkraumost.de/events">denkraumost.de/events</a></p></td>
</tr>
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<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/der-osten-als-avantgarde-1-wir-sind-eine-ostdeutsche-gute-laune-truppe/">Der Osten als Avantgarde #1: „Wir sind eine ostdeutsche Gute-Laune-Truppe“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Isabelle Hoyer: Das Glas ist halb voll. Gedanken zum Gestern, Heute und Morgen in Ostdeutschland</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/isabelle-hoyer-das-glas-ist-halb-voll-gedanken-zum-gestern-heute-und-morgen-in-ostdeutschland/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Feb 2025 06:30:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivisten]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=1774</guid>

					<description><![CDATA[<p>Isabelle Hoyer, die Gründerin &#38; Geschäftsführerin des PANDA Women Leadership Network/Employers for Equality, ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch in dem Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/hoyer_panda_ost-info.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1776" class="wp-image-1776" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/hoyer_panda_ost-info.jpg" alt="Isabelle Hoyer, Gründerin und Geschäftsführerin, PANDA Women Leadership Network/Employers for Equality. Abbildung: Sung-Hee Seewald" width="425" height="600"></a>Isabelle Hoyer, Gründerin &#38; Geschäftsführerin, PANDA Women Leadership Network/Employers for Equality. Abbildung: Sung-Hee Seewald<br />
Seit ein paar [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/isabelle-hoyer-das-glas-ist-halb-voll-gedanken-zum-gestern-heute-und-morgen-in-ostdeutschland/">Isabelle Hoyer: Das Glas ist halb voll. Gedanken zum Gestern, Heute und Morgen in Ostdeutschland</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Isabelle Hoyer, die Gründerin &amp; Geschäftsführerin des PANDA Women Leadership Network/Employers for Equality, ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch in dem Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><span id="more-1774"></span></p>
<div id="attachment_1776" style="width: 435px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/hoyer_panda_ost-info.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1776" class="wp-image-1776" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/hoyer_panda_ost-info.jpg" alt="Isabelle Hoyer, Gründerin und Geschäftsführerin, PANDA Women Leadership Network/Employers for Equality. Abbildung: Sung-Hee Seewald" width="425" height="600"></a><p id="caption-attachment-1776" class="wp-caption-text">Isabelle Hoyer, Gründerin &amp; Geschäftsführerin, PANDA Women Leadership Network/Employers for Equality. Abbildung: Sung-Hee Seewald</p></div>
<p>Seit ein paar Jahren lebe ich länger im Westen als im Osten. Gefragt, woher ich komme, sage ich: „Jetzt gerade aus Bayern, aber ursprünglich aus Dessau. Das ist in Sachsen-Anhalt.“ Die Nummer meiner Eltern ist in meinem Telefon gespeichert unter „Zuhause Dessau“. Fühle ich mich ostdeutsch? Oh ja. Meine ostdeutsche Herkunft betone ich oft schon früh in Gesprächen, während ich von vielen meiner Landsleute weiß, dass sie genau das tunlichst vermeiden. Zu oft haben sie Ablehnung und Diskriminierung erlebt. Meinen Anhalter Dialekt habe auch ich abgelegt. Ich nahm meine Herkunft jedoch nie als Nachteil wahr – ganz im Gegenteil. Wer bekommt denn in seinem Leben schon die Möglichkeit, zwei so unterschiedliche Systeme von innen kennenzulernen? Und dann noch mit einer schicksalhaften Wende, genau zum richtigen Zeitpunkt im eigenen Leben. Wir, die „Dritte Generation Ost“, haben historisch Einzigartiges erlebt und unerwartete, wortwörtlich grenzenlose Lebenschancen geschenkt bekommen.</p>
<h2><span class="title-bg">Jackpot in der Lebenslotterie</span></h2>
<p>1978 geboren, verbrachte ich meine prägendsten Kindheitsjahre als ziemlich durchschnittliches DDR-Mädchen. Ich war Jung- und Thälmannpionierin, Gruppenratsvorsitzende, Turnerin mit einigen Wettkampferfolgen, vertrat meine Schule im Rezitierwettbewerb, sammelte mit der Klasse Altstoffe und Spenden für Nicaragua. Es war eine unbeschwerte Kindheit, in der die Mechanismen staatlicher Kontrolle zwar präsent, aber eher lästiger Alltag als ernsthafte Bedrohung waren – zumindest in meiner kindlichen Wahrnehmung. Ich erlernte Werte, die mir bis heute wichtig sind. Solidarität, Gleichheit und „das Kollektiv“ als Maßstab – das wurde uns in der Schule wahrlich effektiv vermittelt. Zu Hause gab es wenig Geld. Das spielte aber keine große Rolle, es war ja bei niemandem anders. Bodenständigkeit, Pragmatismus, Improvisationstalent und die Fähigkeit, aus jeder Situation das Beste zu machen, habe ich mit der Muttermilch aufgesogen.</p>
<p>Beim Mauerfall war ich elf. Für meine Eltern war die Wende ein Glücksmoment. Dass nicht nur die ersehnte Freiheit, sondern auch Enttäuschungen folgen würden, dass die Großstadt Dessau zum ländlichen Raum schrumpfen (zeitweise mit einer der höchsten Abwanderungsraten Europas), in Folge den größten Wohnungsleerstand und den höchsten Altersdurchschnitt in ganz Deutschland haben würde, das alles wusste zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Der zweite Teil meiner Schulzeit fand im vereinigten Deutschland statt. Ein Übergang, der für mich leicht war. Wir Kinder gingen da einfach mit. Ab der sechsten Klasse dann eben aufs Gymnasium. Bis zum Abitur waren wir alle mehr oder weniger in diesem neuen Land angekommen. Geld gab es immer noch keins. Aber die ganze Welt stand uns off en. Die Sicherheit und die Freiheit: Ich habe aus beiden Systemen das Beste mitnehmen dürfen.</p>
<div id="attachment_1779" style="width: 447px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Gruppenratsvorsitzender.png"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1779" class="wp-image-1779" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Gruppenratsvorsitzender.png" alt="Blick ins „Gruppenbuch“ – Einladung zur Wahl des Gruppenrates, DDR 1986. Abbildung: privat, Isabelle Hoyer" width="437" height="550"></a><p id="caption-attachment-1779" class="wp-caption-text">Blick ins „Gruppenbuch“ – Einladung zur Wahl des Gruppenrates, DDR 1986. Abbildung: privat, Isabelle Hoyer</p></div>
<hr>
<blockquote><p><strong>Ich sehe eine vierte Generation Ost, die mit Selbstbewusstsein auf ihre Herkunft blickt und dieses Land positiv mitgestaltet.”</strong></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">„Ostfrauen“ – Eine Liebeserklärung</span></h2>
<p>Nach dem Abi war klar: Schnell raus aus Dessau. Ich ging als Aupair nach Frankreich, danach für acht Monate nach Russland. Zum Unverständnis meiner keineswegs russlandbegeisterten Eltern brachen mein Freund Lars und ich auf, um unbezahlt in einem Krankenhaus im fernen Petrosavodsk zu arbeiten, wo wir im Januar 1999 bei 31 Grad ankamen. In meinem Brustbeutel das, was ich mit vier Monaten Geschenke verpacken bei Karstadt verdient hatte. Denke ich an diese Zeit, bin ich dankbar für wegweisende Freundschaften. Alle unsere russischen Freundinnen waren – in der früheren Sowjetunion ebenso üblich wie in Ostdeutschland – junge Mütter. Sie studierten, arbeiteten, waren ledig, verheiratet oder wieder geschieden. Mutterschaft, Ausbildung, Beruf und Sozialleben vereinbarten sie mit der größten Selbstverständlichkeit. Niemand hatte Geld, dafür Schaffenskraft und Optimismus. Genauso kannte ich es von allen Frauen meiner Kindheit. Von meiner Mutter, meinen Großmüttern, meinen Tanten.</p>
<p>Als mein Sohn 2000 zur Welt kam und wir nach Bayern zogen, kam der Kulturschock. In mancher Hinsicht war es eine Zeitreise, einige Jahrzehnte zurück. Keine Betreuung für unter Dreĳährige im Ort, daher für Jahre täglich stundenlange Pendelei zu Kinderkrippe und Uni in München. Abwechselnder Eltern-Kochdienst für die ganze Igelgruppe, im Sommer vier Wochen Schließzeit, über 300 Euro Gebühr bei unter 600 Euro BAföG. Meine Mutter war fassungslos über diese Zustände, der Berufseinstieg neben dem Studium eine Notwendigkeit. Als ich endlich mein Magister-Abschlusszeugnis erhielt, saßen mein Partner, unser neunjähriger Sohn und unsere sechsjährige Tochter im Publikum. Öfter mal werde ich gefragt, wie ich das geschafft habe: Studium, Arbeit, zwischendrin eine Trennung mit kleinen Kindern, Familienalltag, zwei Unternehmensgründungen. Ganz ehrlich, manchmal weiß ich es selbst nicht mehr. Ich hatte mich eben für all das entschieden. Ganz sicher aber hätte mein Lebensweg anders ausgesehen, ohne diese Frauen als Vorbilder, mit ihrer Autonomie und ihrem Vertrauen in sich selbst und das Leben. Sie alle hatten das geschafft. Ich wusste immer, ich kann das auch.</p>
<p>Es darf aber leichter werden. Darum ist der Einsatz für Gleichberechtigung in der Arbeitswelt seit über zehn Jahren nicht mehr nur eine Herzensangelegenheit. Als Team wollen wir etwas verändern. Hier und da ist das bereits gelungen: Über 4.000 Frauen finden im PANDA-Netzwerk eine Plattform für Weiterentwicklung und gegenseitige Unterstützung. Wir begleiten Unternehmen dabei, ihre Kultur zu verändern, haben mit dem Bundespräsidialamt gearbeitet und mit dem Ostbeauftragten der Bundesregierung im Kanzleramt die Frage nach der Repräsentanz Ostdeutscher in Führungspositionen auf unsere Agenda gesetzt. Mit Employers for Equality erreichen wir Tausende Menschen in Unternehmen mit Bildungsangeboten zum Thema Diversität. Meine Familie konnte mich bei der Unternehmensgründung nicht mit eigener Erfahrung, Kapital oder Netzwerk unterstützen. Aber die innere Stärke und den Mut, den sogenannten „Gleichstellungsvorsprung Ost“: Das haben mir die Ostfrauen mitgegeben.</p>
<div id="attachment_1780" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/IMG_0215-2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1780" class="wp-image-1780" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/IMG_0215-2.jpg" alt="Einschulung 1985 in Dessau. Abbildung: privat, Isabelle Hoyer" width="600" height="450"></a><p id="caption-attachment-1780" class="wp-caption-text">Einschulung 1985 in Dessau. Abbildung: privat, Isabelle Hoyer</p></div>
<h2><span class="title-bg">Brücken bauen zwischen den Welten</span></h2>
<p>Meine Schwester kam im Sommer 1989 zur Welt. Sie wurde mit bunteren Spielzeugen, TV-Sendungen und Süßigkeiten groß. Und mit Eltern, die den Verlust von Sicherheiten bewältigen, ganz neue Spielregeln lernen und lange Arbeitslosigkeit erleben mussten. In der Welt meiner Schwester spielte Geld eine völlig andere Rolle als in meiner Kindheit. Sein Fehlen markierte nun sichtbare Unterschiede und limitierte den Zugang zu den jetzt doch im Überfluss vorhandenen Möglichkeiten. Ich erinnere mich an einen Bildband über Kanada, den meine Eltern zu DDR-Zeiten ergattert hatten und in dem ich oft geblättert habe. Kanada, das Sehnsuchtsland meines Vaters, der vor kurzem 70 Jahre alt geworden ist. Seinen Traum von einer Reise dorthin konnte er sich in über 30 Jahren deutscher Einheit nicht erfüllen. Neulich erwähnte er, dass er ihn ad acta gelegt habe.</p>
<p>Meine Eltern und meine Schwester leben heute noch in Dessau. Unsere Heimatbesuche führen uns also regelmäßig aus einer der reichsten Regionen ins drittärmste Bundesland Deutschlands. Auf aktuellen Grafiken treten anhand von Indikatoren wie Verdienst, Erbschaften oder Arbeitslosenquote die Umrisse der nicht mehr so neuen Bundesländer glasklar hervor. Nicht, dass wir diese Darstellungen bräuchten. Die Unterschiede sind offensichtlich. Auch im bayerischen Freundeskreis gibt es Gespräche über unser Ossi-Sein. Mal in Form von gutmütigen, klischeereichen Scherzen, mal tiefgründiger. Wenn wir vom Leben unserer Familien erzählen, zum Beispiel, was meine Schwester als Physiotherapeutin oder meine Mutter als Krankenschwester verdienen, ernten wir fassungslose Blicke. Für viele ist der Osten weit weg. Ein befreundetes Paar war seit der Wiedervereinigung kein einziges Mal dort. Dieses Desinteresse teilt es übrigens mit fast einem Viertel aller Westdeutschen. Die Wende, für Millionen Ostdeutsche ein solch einschneidendes Ereignis, hat ihre Leben kaum berührt.</p>
<p>Vorurteile halten sich dafür auf beiden Seiten. Unseren Familien sitzen Erlebnisse mit plötzlich aufgetauchten Wessi-Führungskräften im Nacken, die ihnen nicht selten wie dummen Kindern die Welt erklären wollten, sich jedoch für die Menschen und ihre Erfahrungen nicht interessierten. Auf der anderen Seite das Bild vom rechten Jammer-Ossi. Ein Nachbar bedachte uns einmal mit diesem Kompliment: „Die Ossis haben ja oft eine große Klappe und nichts dahinter, aber ihr seid echt okay.“ Als wir ihm offenbarten, dass genau das doch unser Vorurteil gegen die Wessis war, konnten wir zusammen darüber lachen. So banal sie sein mögen: Solche Alltagsgespräche führen uns näher zueinander. Zuhören, Erfahrungen teilen, sich kennenlernen. Das können wir alle tun, jeden Tag.</p>
<div id="attachment_1781" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Bundeskanzleramt_2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1781" class="wp-image-1781" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Bundeskanzleramt_2.jpg" alt="PANDA Women Leaders Salon im Bundeskanzleramt, zusammen mit dem Ostbeauftragten der Bundesregierung Carsten Schneider, im November 2023. Abbildung: Bundeskanzleramt/Henning Schacht" width="600" height="400"></a><p id="caption-attachment-1781" class="wp-caption-text">PANDA Women Leaders Salon im Bundeskanzleramt, zusammen mit dem Ostbeauftragten der Bundesregierung Carsten Schneider, im November 2023. Abbildung: Bundeskanzleramt/Henning Schacht</p></div>
<h2><span class="title-bg">Denke ich an Ostdeutschland …</span></h2>
<p>Meine Kinder sind heute 20 und 23 Jahre alt und haben ihr gesamtes Leben in Bayern verbracht. Durch die Familie ist eine persönliche Verbindung zum Osten da. Aber welche Bedeutung hat das Thema in ihrer Generation heute noch? Das habe ich neulich meinen Sohn gefragt. Seine Antwort: gar keine. Im Zweifel wüsste man nicht mal, ob eine Stadt in Ost oder West läge. Diese oft emotional aufgeheizte Ost-West-Debatte, die wir erleben, hat ein Ablaufdatum, und es ist nicht fern.</p>
<p>Denke ich an Ostdeutschland, dann denke ich an Aufstiegsgeschichten. Ich denke daran, dass sich innerhalb einer Generation alles ändern kann. An Menschen, die in die Welt gegangen und sich Leben erarbeitet haben, von denen ihre Eltern nur träumen konnten. Ich denke an den Osten als Raum von Möglichkeiten, die jetzt erkannt werden. Seit 2017 ziehen mehr Menschen von West nach Ost als umgekehrt. Alle Faktoren, in denen der Osten heute noch hinterherhinkt, haben auf der anderen Seite enormes Potenzial für Menschen, die gestalten wollen. Zugegeben, das „Gemeinschaftswerk Aufschwung Ost“ braucht länger als erwartet. Es bleibt viel zu tun im Hinblick auf wirtschaftliche Bedingungen, angemessene Repräsentation und gleiche Lebenschancen. Viele Perspektiven bekamen bisher zu wenig Beachtung. Viele Geschichten müssen noch erzählt werden.</p>
<p>Und doch bin ich voller Zuversicht. Ich sehe eine vierte Generation Ost, die mit Selbstbewusstsein auf ihre Herkunft blickt, Kraft aus der Lebensleistung ihrer Eltern und Großeltern schöpft und dieses Land positiv mitgestaltet.</p>
<div id="attachment_1782" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/PANDA-Event-2023.png"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1782" class="wp-image-1782" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/PANDA-Event-2023.png" alt="PANDA Event 2023: PANDA Women Leadership Lab zum Thema „Change &amp; Innovation“ bei Accenture in Kronberg. Abbildung: Gabriele die Stefano" width="600" height="379"></a><p id="caption-attachment-1782" class="wp-caption-text">PANDA Event 2023: PANDA Women Leadership Lab zum Thema „Change &amp; Innovation“ bei Accenture in Kronberg. Abbildung: Gabriele die Stefano</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1685" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg" alt="Label Impulsgeberin Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Isabelle Hoyer</span></h2>
<p><strong>GEBOREN:</strong> 1978/Dessau<br>
<strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Mering (Bayern)<br>
<strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> <a href="https://amzn.to/3WTHmfC" target="_blank" rel="noopener">Maxi Wander: „Guten Morgen, Du Schöne“, 1977</a><br>
<strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Barbara“, 2012<br>
<strong>MEINE URLAUBSTIPPS:</strong> Prerow (Ostsee), Elbsandsteingebirge, Dresden, Mecklenburgische Seenplatte</p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Denke-ich-an-Ostdeutschland.jpg" width="342" height="483">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p>In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist auch 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Dieser Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2024, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/isabelle-hoyer-das-glas-ist-halb-voll-gedanken-zum-gestern-heute-und-morgen-in-ostdeutschland/">Isabelle Hoyer: Das Glas ist halb voll. Gedanken zum Gestern, Heute und Morgen in Ostdeutschland</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Jeannette Gusko: Ostdeutsche Crunchtime. Macht, Eigenverantwortung, Neues geben</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/jeannette-gusko-ostdeutsche-crunchtime-macht-eigenverantwortung-neues-geben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Jan 2025 06:30:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivisten]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=1664</guid>

					<description><![CDATA[<p>Jeannette Gusko, Sozialunternehmerin, Autorin, Speakerin, Co-Geschäftsführerin von Correctiv und Sprecherin des Netzwerks 3te Generation Ost, ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch in dem Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/gusko_ost-info.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1666" class="wp-image-1666 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/gusko_ost-info.jpg" alt="Jeannette Gusko, Sozialunternehmerin, Autorin, Speakerin, Co-Geschäftsführerin, Correctiv, Sprecherin Netzwerk 3te Generation Ost. Abbildung: Simon Cornils" width="707" height="1000"></a>Jeannette Gusko, Sozialunternehmerin, Autorin, Speakerin, Co-Geschäftsführerin von Correctiv, Sprecherin des Netzwerks 3te [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/jeannette-gusko-ostdeutsche-crunchtime-macht-eigenverantwortung-neues-geben/">Jeannette Gusko: Ostdeutsche Crunchtime. Macht, Eigenverantwortung, Neues geben</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Jeannette Gusko, Sozialunternehmerin, Autorin, Speakerin, Co-Geschäftsführerin von Correctiv und Sprecherin des Netzwerks 3te Generation Ost, ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch in dem Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><span id="more-1664"></span></p>
<div id="attachment_1666" style="width: 717px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/gusko_ost-info.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1666" class="wp-image-1666 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/gusko_ost-info.jpg" alt="Jeannette Gusko, Sozialunternehmerin, Autorin, Speakerin, Co-Geschäftsführerin, Correctiv, Sprecherin Netzwerk 3te Generation Ost. Abbildung: Simon Cornils" width="707" height="1000"></a><p id="caption-attachment-1666" class="wp-caption-text">Jeannette Gusko, Sozialunternehmerin, Autorin, Speakerin, Co-Geschäftsführerin von Correctiv, Sprecherin des Netzwerks 3te Generation Ost. Abbildung: Simon Cornils</p></div>
<p>Es gäbe gesellschaftlich einiges zu gewinnen, würden wir aufhören, Ostdeutschland als einheitlichen Ausnahme- und Problemfall zu betrachten: wünschenswerte Zukünfte wie enkelfähiges Wirtschaften, eine tragfähige Vermögensverteilung, eine starke Demokratie oder schlicht das gute Leben mit frischer Luft und frischem Wasser.</p>
<p>Es ist stattdessen mediale wie auch Stammtischroutine geworden, dass nach Wahlen, Protesten oder Gewaltausbrüchen gefragt wird: Was ist denn da nur wieder los, im Osten? Es werden weiterhin spezifisch ostdeutsche Erklärungen gesucht und auf dem Weg dahin Stereotype bedient. Einige dieser wiederkehrenden Muster gründen in Unwissen, obwohl der (sozial-)mediale und publizistische Ostkanon in den letzten Jahren stets gewachsen ist und sich ausdifferenziert hat. Bleibt noch die Möglichkeit, dass bewusst Nebenschauplätze besprochen und Aufmerksamkeit gebunden wird, um sich nicht den eigentlichen komplexen Krisen stellen zu müssen.</p>
<hr>
<blockquote><p><strong>Der Osten ist ein Frühwarnsystem und Seismograf für politische Entwicklungen, wie wir sie überall beobachten können.”</strong></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Ein besonderes Sensorium für Demokratie</span></h2>
<p>Die Menschen in Ostdeutschland sind mit einem besonderen Sensorium zu Demokratiefragen ausgestattet. Sie wissen, dass es sich um eine Gesellschaftsform handelt, die sich selbst abschaffen kann, aber auch, dass Barrieren überwunden werden können. Der Osten ist ein Frühwarnsystem und Seismograf für politische Entwicklungen, wie wir sie überall beobachten können. Demokratien stehen in Europa und weltweit massiv unter Druck, weil politische Parteien und der Staat es nicht mehr schaffen, komplexe Problemstellungen zu kommunizieren und Lösungen umzusetzen. Wir sind ein Land der Problembewunderung. Bürgerinnen und Bürger vertrauen zunehmend weniger darauf, dass demokratische Institutionen und Parteipolitik Dinge geregelt bekommen. Selbstwirksamkeit wird kaum erlebt, Frust und Konfliktfelder steigen. In Ostdeutschland wird die gesamte Gemengelage sensibler wahrgenommen, sei es durch Unterdrückungserfahrungen mit verantwortungslosen Eliten oder durch fehlende Selbstwirksamkeit aufgrund der überwiegend westdeutschen Besetzung von Führungsrollen.</p>
<p>Wir befinden uns in einem gesellschaftlichen Moment, in dem – insbesondere in Demokratien – das Vertrauen sinkt, dass Menschen in erster Linie gemeinschaftlich handeln, das Gemeinwohl priorisieren und Lösungen finden, die für alle tragfähig sind. Das Scheitern und die Handlungsunfähigkeit von Demokratien werden von denen, die davon profitieren, bewusst geschürt: Totalitäre, Autoritäre, Rechtsextreme, Populisten, ausländische Einflussnahme oder auch unregulierte digitale Plattformen. Dies geschieht mithilfe von Desinformation, Lobbying, Triggerpunkten, Algorithmen, Hass, Gewalt oder auch durch das finanzielle Austrocknen von Zivilgesellschaft.</p>
<p>Vor den drei Landtagswahlen in diesem Herbst entfallen nun also über 30 Prozent der Zustimmungswerte auf die AfD, einem rechtsextremistischen Verdachtsfall. Es könnte kaum einen wichtigeren und dringlicheren Moment geben, fokussiert, umsetzungsstark und entschlossen für die Zukünfte zu handeln.</p>
<p>Aus meiner Sicht ist der Begriff „Zukunft“ im Singular irreführend. Es existieren viele möglichen Zukünfte nebeneinander und Menschen können sie sich vorstellen. Zukünfte sind nicht-binär, nicht-linear und treten nicht einfach ein, sondern werden von Menschen erdacht und entschieden. Der Begriff „Zukünfte“ macht klar, dass wir uns (noch) entscheiden können, welche eintritt. Wir brauchen das, was die kritische Zukunftsforschung „wünschenswerte Zukünfte“ nennt.</p>
<p>Die Transformationsforscherin Maja Göpel sagte in einer Keynote im Mai 2023, es sei Crunchtime für das Klima. Daran anschließend ist heute Crunchtime für die Demokratie. Crunchtime hoch zwei quasi, im Osten wahrscheinlich schon hoch drei.</p>
<div id="attachment_1667" style="width: 344px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/cover-Aufbrechen-Atrium.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1667" class="wp-image-1667" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/cover-Aufbrechen-Atrium.jpeg" alt="Das Sachbuchdebüt von Jeannette Gusko, 2023. Abbildung: Atrium Verlag" width="334" height="550"></a><p id="caption-attachment-1667" class="wp-caption-text">Das Sachbuchdebüt von Jeannette Gusko, 2023. Abbildung: Atrium Verlag</p></div>
<h2><span class="title-bg">Krisen sind konstant</span></h2>
<p>In der Vergangenheit sind wir Menschen immer nur dann über uns hinaus gewachsen, wenn wir in Kooperation gehandelt haben. Wenn wir den Blick auf das Wesentliche gelenkt haben, statt daran vorbei. Wenn wir uns über das, was wir erreichen wollen, Geschichten erzählt haben. Die Mondlandung. Die friedliche Revolution. Wir könnten in den kommenden Monaten und Jahren Dinge viel besser lösen, wenn wir Probleme ernst nehmen und die allerbesten Angebote dafür machen. Als Gesellschaft sind wir bisher nicht präzise genug darin zu schauen, wo wir überall Ressourcen haben.</p>
<p>Ich selbst bin 1984 in Ostberlin geboren. Zwei Bezirke weiter, in Berlin-Mitte, steht bis heute ein Haus mit dem Schriftzug „Dieses Haus stand früher in einem anderen Land“. Meine Umbruchserfahrungen als Kind und Jugendliche in der Nachwendezeit, das Ablegen, Abwägen und Neuerlernen von Habitus, Normen, Sprache und Regeln waren zutiefst prägend. Sei es, dass ich schräg angeschaut wurde, wenn ich „Sonnabend“ sagte, dass ich Tim und Struppi nicht kannte oder dass mein Vorname, Jeannette, wie viele Vornamen mit dem Buchstaben „J“ zu dieser Zeit als „ostig“ markiert wurde. Was meiner Familie fehlte, waren Geld, Netzwerke, Orientierung und soziales Kapital. Mein Auslandsjahr, mein Studium, das Arbeiten während des Studiums, meine Praktika – alle meine Entscheidungen traf ich allein und ohne Sicherheitsnetz. Auf die Maxitransformation, den Mauerfall, folgten Ministörungen entlang meines Werdegangs. Durch beides baute ich Kompetenz im Umgang mit Veränderungen auf. Das reflektierte ich Jahre später beim ersten Treffen des Netzwerks 3te Generation Ost. Dort teilten die Wendekinder ein Verständnis: Krisen sind konstant. Mir wurde bewusst, dass sich im Osten Deutschlands in den letzten 150 Jahren fünf politische Systeme abgewechselt haben, dass sich in dieser Zeit jede Generation in einem neuen System zurechtfinden musste und dass ein Systemwechsel möglich ist. In allen Gesprächen war die Gewissheit zu spüren, dass wir einen Weg finden werden, weil wir bisher immer einen Weg gefunden haben. Das war ungemein tröstlich und atemberaubend zugleich. Es war mein ostdeutsches Erwachen und die erste bewusste Begegnung mit meiner Transformationskompetenz.</p>
<p>Transformationskompetenz ist die innewohnende Fähigkeit, mit Wandel umzugehen, sich alternative Systeme vorstellen zu können und die Motivation, diese Fähigkeiten auch einzusetzen. Weil sie als Kinder Umbrüche erlebt und Widrigkeiten überkommen haben, haben Ostdeutsche heute Kompetenzen für die Gestaltung wünschenswerter Zukünfte aufgebaut: die Transformationskompetenz der Systemwandler, der Wende- und Nachwendekinder, aber auch der Arbeiterkinder, die aufsteigen, und der Migrationskinder der zweiten und dritten Generation. Das ist die vielleicht größte Zukunftsressource des Landes, die bisher weder als Narrativ noch mit gemeinsamer Kraftanstrengung gehoben wurde. Sie könnte der Dreh- und Angelpunkt von Innovationsbemühungen in Unternehmen in ganz Deutschland sein.</p>
<div id="attachment_1668" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/20220827_3GO_120743.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1668" class="wp-image-1668" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/20220827_3GO_120743.jpg" alt="Der Generationsgipfel des Netzwerk 3te Generation Ost 2022 – Workshop zu Transformationskompetenz. Abbildung: Nadine Ginzel" width="600" height="400"></a><p id="caption-attachment-1668" class="wp-caption-text">Der Generationsgipfel des Netzwerk 3te Generation Ost 2022 – Workshop zu Transformationskompetenz. Abbildung: Nadine Ginzel</p></div>
<h2><span class="title-bg">Meine Zukünfte für Ostdeutschland</span></h2>
<p>Ich stelle mir ein starkes und vielfältiges Unternehmertum vor, seien es Sozialunternehmer, Techunternehmer, unternehmerische Demokraten, Verantwortungseigentümer, mögen sie wie Tesvolt, Staffbase oder Salon5 sein. Sie machen unsere Gesellschaft mit Weitsicht, Klarheit und Kooperation tragfähiger. Dies ist nur in einer starken, robusten Demokratie möglich, die sich selbst politisch wie sozial immer wieder kritisch prüft und neu gegenüber den Bürgern legitimiert.</p>
<p>Wir haben alle eine Rolle zu spielen, um auf diese Zukünfte mit ostdeutscher Crunchtime hinzuarbeiten. Drei Dinge erscheinen mir besonders wichtig:</p>
<p>Erstens. Gerade in den Ruckelmomenten, in der Abwärtsbewegung der S-Kurve großer Transformationen der Geschichte, wenn wir merken, dass wir nicht mehr zurück können, ist es so leicht zu sagen, dass die anderen – die Konsumenten, die Politik, das Publikum, die Wirtschaft – nicht wollen, und sich aus lauter Angst zurückzuziehen, zu schrumpfen. Nur auf das eigene Durchkommen bedacht. Doch gerade jetzt kommt es auf Eigenverantwortung an. Es ist an der Zeit, dass Ostdeutsche Macht und immer größere Gestaltungsräume verantwortungsvoll annehmen, besetzen und ausgestalten.</p>
<p>Zweitens. Es gäbe genug Geld in Deutschland für eine ostdeutsche Crunchtime. Insbesondere Seed- und Scale-Organisationen benötigen jedoch deutlich mehr Venture Capital und Later-Stage-Funding. Es braucht aber auch ein neues Geben für die Zivilgesellschaft – in Form von Philanthropie, Impact Investing und Stiftungsfinanzierung. Es reicht nicht mehr aus, wenn sich Vermögende nur über Steuern am Ausgleich beteiligen. Robustheit, soziale Innovationen und enkelfähiges, verantwortungsvolles Wirtschaften brauchen Investitionen. Übrigens: Melinda Gates hat die Gates-Stiftung verlassen und vergibt philanthropisches Geld in Höhe von 12,5 Milliarden Dollar. Das ist mehr als der gesamte Jahresetat deutscher Stiftungen.</p>
<p>Drittens. Neue Defaults setzen: Es ist Zeit für alles, was das Umsteigen und das Erreichen von Tipping Points hin zu wünschenswerten Zukünften erleichtert, was einen neuen Standard setzt, damit es nicht mehr so anstrengend ist, gegen den Strom zu schwimmen für das, was eigentlich tragfähig ist. Die besten sozialen Innovationen, die besten Produkte, langfristig tragfähige Angebote für Demokratie und Daseinsvorsorge. Entscheidend dafür ist auch, dass die Politik die Regeln dort ändert, wo es notwendig geworden ist. Damit die Marktbedingungen nicht länger zukunftslechzende Geschäftsmodelle an den Rand treiben. Wir bei Correctiv sind gemeinnützig. Das ist die dringend benötigte Gemeinnützigkeit für den Journalismus oder auch das Demokratiefördergesetz. So können Nachrichtenwüsten durch spendenfinanzierte Medieninnovation geschlossen und Demokratiedefizite gezielt und skalierbar angegangen werden.</p>
<p>Alle Hände an Deck, Mut zieht Mut nach sich.</p>
<div id="attachment_1669" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Generationsgipfel_Gruppenfoto.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1669" class="wp-image-1669" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Generationsgipfel_Gruppenfoto.jpg" alt="Gruppenfoto mit dem Ostbeauftragten Carsten Schneider beim Generationsgipfel 2022. Abbildung: Nadine Ginzel" width="600" height="400"></a><p id="caption-attachment-1669" class="wp-caption-text">Gruppenfoto mit dem Ostbeauftragten Carsten Schneider beim Generationsgipfel 2022. Abbildung: Nadine Ginzel</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1685" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg" alt="Label Impulsgeberin Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Jeannette Gusko</span></h2>
<p><strong>GEBOREN:</strong> 1984/Ostberlin<br>
<strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Westberlin<br>
<strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> <a href="https://amzn.to/4fJz42J" target="_blank" rel="noopener">Gröschner, Mädler, Seemann: „Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat“, 2024</a><br>
<strong>MEIN DOKUTIPP:</strong> „Die Milliarden der Anderen“, 2024<br>
<strong>MEINE URLAUBSTIPPS:</strong> Swinemünde, die polnische Seite von Usedom</p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Denke-ich-an-Ostdeutschland.jpg" width="342" height="483">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p>In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist auch 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Dieser Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2024, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/jeannette-gusko-ostdeutsche-crunchtime-macht-eigenverantwortung-neues-geben/">Jeannette Gusko: Ostdeutsche Crunchtime. Macht, Eigenverantwortung, Neues geben</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Dr. Judith Christine Enders: Gibt es einen Ostfeminismus? Blühende Landschaften und starke Frauen</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/dr-judith-christine-enders-gibt-es-einen-ostfeminismus-bluehende-landschaften-und-starke-frauen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Dec 2024 06:30:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivisten]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=1567</guid>

					<description><![CDATA[<p>Dr. Judith Christine Enders, Politikwissenschaftlerin, Gruppenanalytikerin und Vorstand des Perspektive hoch 3 e.V., ist ein wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch in dem Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/enders_ost-info.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1569" class="wp-image-1569 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/enders_ost-info.jpg" alt="Dr. Judith Christine Enders, Politikwissenschaftlerin, Gruppenanalytikerin, Vorstand, Perspektive hoch 3 e.V. Abbildung: Dominik Grobien" width="706" height="1000"></a>Dr. Judith Christine Enders, Politikwissenschaftlerin, Gruppenanalytikerin, Vorstand, Perspektive hoch 3 e.V. Abbildung: Dominik Grobien<br />
Denke ich [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/dr-judith-christine-enders-gibt-es-einen-ostfeminismus-bluehende-landschaften-und-starke-frauen/">Dr. Judith Christine Enders: Gibt es einen Ostfeminismus? Blühende Landschaften und starke Frauen</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dr. Judith Christine Enders, Politikwissenschaftlerin, Gruppenanalytikerin und Vorstand des Perspektive hoch 3 e.V., ist ein wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch in dem Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><span id="more-1567"></span></p>
<div id="attachment_1569" style="width: 716px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/enders_ost-info.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1569" class="wp-image-1569 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/enders_ost-info.jpg" alt="Dr. Judith Christine Enders, Politikwissenschaftlerin, Gruppenanalytikerin, Vorstand, Perspektive hoch 3 e.V. Abbildung: Dominik Grobien" width="706" height="1000"></a><p id="caption-attachment-1569" class="wp-caption-text">Dr. Judith Christine Enders, Politikwissenschaftlerin, Gruppenanalytikerin, Vorstand, Perspektive hoch 3 e.V. Abbildung: Dominik Grobien</p></div>
<p>Denke ich an Ostdeutschland, denke ich zuerst an schöne Landschaften im wahrsten Sinn des Wortes. Die Landschaftsbilder meiner Heimat haben sich tief in mein Gedächtnis eingeprägt: von den relativ unberührten Ostseestränden mit Steilküsten und Wald bis an den Strand über mecklenburgische und brandenburgische Seen, umstanden von Buchenwäldern, hinzu sandigen Böden, über denen der Duft von Kiefern mäandert. Weiter über die sanften Hügel der Lausitz, die beeindruckenden Felsen des Elbsandsteingebirges zu den dunklen Tannen auf den Höhen des Rennsteigs. Natürlich gibt es an vielen Orten des Globus schöne, ja atemberaubende Landschaften. Aber ich war schon als Kind immer davon beeindruckt, dass innerhalb der kleinen DDR so eine landschaftliche Vielfalt und für mitteleuropäische Verhältnisse sogar eine gewisse Wildnis erhalten geblieben ist. Auch das vereinte Deutschland hat eine verblüff ende Landschaftsfülle und besticht durch ein diverses Antlitz. Aber die in der Kindheit eingesogenen Naturimpressionen erwärmen doch das Herz ein wenig mehr. Ebenso geht es mir mit den Gerüchen und Geschmäckern, im guten und im schlechten Sinne: der Geruch nach Braunkohle, der Gestank brauner Schwaden aus den Buna-Werken, wenn der Wind schlecht stand, aber auch die Wohlgerüche von Flieder und Buschwindröschen im Frühling, die kontinentale Trockenheit eines heißen Sommertags in der Luft östlich der Elbe oder der etwas modrige Geruch von Herbstlaub im Wald.</p>
<p>Und in diesen Landschaften tauchen früher oder später Frauen jeden Alters vor meinem inneren Auge auf. Schöne Frauen in Alltagssituationen, fotografiert von Sibylle Bergemann oder Ute Mahler für die „Sibylle“ (Melis 2010). Frauen auf dem Mähdrescher, als Straßenbahnfahrerinnen, als Ärztinnen (meine Mutter) oder im Blaumann im Betrieb (Misselwitz 1988). Nach meinem Dafürhalten ist die „Ostfrau“ noch heute ein wenig anders. Hat sich vielleicht eine spezifisch ostfeminine Art und Weise herausgebildet und bis heute weitergetragen?</p>
<div id="attachment_1572" style="width: 369px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/20230630_211222.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1572" class="wp-image-1572" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/20230630_211222.jpg" alt="Unteres Odertal. Abbildung: Judith C. Enders" width="359" height="550"></a><p id="caption-attachment-1572" class="wp-caption-text">Unteres Odertal. Abbildung: Judith C. Enders</p></div>
<h2><span class="title-bg">Eine ostfeminine Art und Weise</span></h2>
<p>Der Terminus „Ostfeminismus“ irritiert auf den ersten Blick ein wenig und wirft umgehend Fragen auf: Wie viele Feminismen kann es geben und gibt es wirklich einen spezifischen Ostfeminismus? Handelt es sich um ein postsozialistisches Phänomen, welches auch andere Länder und Gesellschaften betrifft (Länder in Mittel- und Osteuropa, Russland, Kuba oder gar China?), oder um ein ostdeutsches Konstrukt? Konstrukt deswegen, weil selbst der Begriff „Ostdeutschland“ ein Begriff der 1990er-Jahre ist, der erst in Abgrenzung zum hegemonialen (West-)Deutschland entstand (Enders/Kollmorgen/Kowalczuk 2021).</p>
<p>Und doch verfängt der Begriff zugleich, obwohl dies 34 Jahre nach der deutschen Einheit deren Unvollendet-Sein auch im Feminismus signalisiert. Der Begriff Feminismus selbst erscheint ein wenig aus der Zeit gefallen, während Genderdebatten die Diskussionen dominieren. Doch gleich zu Beginn: Feminismus als solidarischer Kampfbegriff ist bisher nicht überholt, leider. Gibt es da immer noch eine spezifisch östliche Komponente, trotzdem der Fall der Mauer und des Eisernen Vorhangs schon so lang zurückliegt?</p>
<p>Frauen in Ostdeutschland sind durch ihre weitgehend berufstätige Mütter- und Großmüttergeneration, die Erfahrung von umfangreichen Kinderbetreuungsmöglichkeiten und der Selbstverständlichkeit weiblicher Erwerbsarbeit (auch in weniger weiblich konnotierten Berufen) geprägt. Noch immer ist die Erwerbsquote unter ostdeutschen Frauen im Vergleich zu Frauen in Westdeutschland höher. Junge ostdeutsche Frauen scheinen wirtschaftliche Unabhängigkeit zu schätzen, sind weniger in einem traditionellen Familienbild verhaftet (BiB 2021) und beruflich sehr motiviert.</p>
<div id="attachment_1573" style="width: 258px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/20240327_155153.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1573" class="wp-image-1573" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/20240327_155153.jpg" alt="Insel Usedom. Abbildung: Judith C. Enders" width="248" height="550"></a><p id="caption-attachment-1573" class="wp-caption-text">Insel Usedom. Abbildung: Judith C. Enders</p></div>
<h2><span class="title-bg">Wie lebt es sich heute?</span></h2>
<p>Frauen mit ostdeutscher Biografie haben einen langen Prozess von Transformation durchlebt und sind von eben diesem wesentlich geprägt. Ausgehend von dieser Überlegung kann man sich fragen, welchen Einfluss die Transformationserfahrungen der Müttergeneration und die eigenen auf die emanzipatorische Positionierung dieser Frauengruppen haben und welche Aushandlungsprozesse zwischen verschiedenen vorgeprägten Lebensmodellen dabei ausschlaggebend sind. Kurzum: Wie lebt es sich heute als gut ausgebildete Ostdeutsche in einer globalisierten Welt? Wie verhält es sich mit Kindern und Karriere? Welche Formen der Arbeit werden gewählt, was bedeutet Freiheit und wo ist das Zuhause? Welches Geschlechterarrangement wird angestrebt und unterstützt?</p>
<p>Mit welchen Veränderungen und speziellen Herausforderungen werden diese Frauen in der heutigen Gesellschaft konfrontiert, welche sich ebenfalls als Transformationsprozesse fassen lassen? Wie stehen sie diesen gegenüber und welche Rolle spielen dabei alte weibliche Vorbilder? Welche gesellschaftlichen Rollen und Geschlechterarrangements werden gelebt und welche verworfen oder abgelehnt?</p>
<p>Dieser kurze Aufriss zeigt die Vielfalt der Fragen, die sich bezüglich der Frauengenerationen aus dem Osten stellen. Dabei sollten die generationellen Erfahrungen unbedingt beachtet werden. Haben sich womöglich Haltungen und Werte, die sich in 40 Jahren Frauenleben in der DDR anders entwickelt haben als in Westeuropa, in die nächste Frauen- und Mädchengeneration weitergetragen (vgl. Stiftung Ettersberg 2022)?</p>
<hr>
<blockquote><p><strong>Frauen in Ostdeutschland sind durch ihre weitgehend berufstätige Mütter- und Großmüttergeneration, die Erfahrung von umfangreichen Kinderbetreuungsmöglichkeiten und der Selbstverständlichkeit weiblicher Erwerbsarbeit (auch in weniger weiblich konnotierten Berufen) geprägt.”</strong></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Patriarchale Bedingungen</span></h2>
<p>Wie immer handelt es sich bei jeder Person um individuelle Realitäten, die sich gleichzeitig auf gesellschaftlichen Wandel beziehen. Bisher war es so, dass sich die Frauen aus Ostdeutschland in ihrer Lebensgestaltung von tradierten geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen und Wertemustern unterschieden. Unter Bezugnahme auf ihre persönlichen Transformationserfahrungen und die ihrer Eltern werden Partnerschaft und Familie, Arbeit und persönliche freiheitliche Lebensführung gestaltet. Es hat sich gezeigt, dass ein von männlichen Unterstützern (Partner, Arbeitgeber, Vater) unabhängiges Agieren in den jeweiligen individuellen Lebenssituationen selbstverständlicher ist. Eigenverantwortung und selbstbestimmtes Handeln stellen sich als grundlegendes Paradigma im patriarchalen Geschlechterarrangement heraus. Es liegt die Schlussfolgerung nahe, dass die Transformationserfahrung bzw. das Heranwachsen in Ostdeutschland einen evidenten Beitrag zu diesem emanzipatorischen Verhalten geleistet hat (Enders 2019).</p>
<p>Der Bezug zur ostdeutschen Frauenbewegung ist heute in weiten Teilen nur noch unbewusst durch familiäre weibliche Vorbilder, also transgenerational vorhanden. Die Bedingungen von Diktatur und Mangelwirtschaft sind nicht mehr die prägenden Voraussetzungen des politischen und lebenspraktischen Handelns. Vielmehr müssen sich alle Frauen in Deutschland mit den patriarchalen Bedingungen der Marktwirtschaft auseinandersetzen. Gleichzeitig wird politisches und emanzipatorisches Engagement in der Demokratie nicht mit staatlichen Repressionen wie in der DDR bedroht. So sind sowohl die gesellschaftspolitischen, ökonomischen, institutionellen und sozialen Bedingungen für feministisches Handeln grundsätzlich günstigere als vor 1989. Dementsprechend ist nicht ein „Ostfeminismus“ erkennbar, sondern eher von Akteurinnen mit ostdeutschem Erfahrungshintergrund im globalen feministischen Spektrum zu sprechen. Interessant ist es, die feministischen Aktivitäten in den Ländern Mittel- und Osteuropas dazu in Beziehung zu setzen. Diese haben selbstverständlich eine jeweils spezifische Ausprägung. Beispiele sind die von Frauen angeführte Reformbewegung in Belarus, Erscheinungen wie Pussy Riot oder auch Retraditionalisierung im katholisch geprägten Polen.</p>
<div id="attachment_1574" style="width: 258px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/20231104_133945.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1574" class="wp-image-1574" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/20231104_133945.jpg" alt="Brandenburgische Seenlandschaft. Abbildung: Judith C. Enders" width="248" height="550"></a><p id="caption-attachment-1574" class="wp-caption-text">Brandenburgische Seenlandschaft. Abbildung: Judith C. Enders</p></div>
<p>Durch solche Vergleiche und Perspektivwechsel können Gemeinsamkeiten erkannt, aber auch der Einfluss der westdeutschen Frauenbewegung auf den Osten sichtbar gemacht werden. „Ich dachte: Normal. Durchschnitt. Nicht besonders aufregend. Das ist das Leben meiner Mutter in der DDR. Bis ich mehr und mehr andere Mütter kennengelernt habe – in meiner neuen Heimat, im Süden Deutschlands“ (Thoms 2018). Das Leitbild der Hausfrauenehe ist im Westen durch eine größere Optionenvielfalt erweitert worden. Im Osten ist das Vollerwerbstätigkeitsideal bei Frauen erhalten geblieben. Dabei sind auch die Mütter häufig vollerwerbstätig. Im Westen dominiert die hinzuverdienende Mutter (BiB 2020). Die Entwicklungen durch die Erfahrungen von Homeschooling und Homeoffice in der Coronakrise haben jedoch gezeigt, wie zäh der Prozess der Annäherung der Verteilung von Sorge- und Erwerbsarbeit zwischen den Geschlechtern verläuft (Ehrenburg 2022). Hier besteht in beiden Teilen Deutschlands weiterhin dringender Handlungs- und Veränderungsbedarf.</p>
<div id="attachment_1575" style="width: 258px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/20230527_120955.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1575" class="wp-image-1575" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/20230527_120955.jpg" alt="Elbsandsteingebirge. Abbildung: Judith C. Enders" width="248" height="550"></a><p id="caption-attachment-1575" class="wp-caption-text">Elbsandsteingebirge. Abbildung: Judith C. Enders</p></div>
<p><strong>Literaturnachweise</strong></p>
<p>1. Enders, J. C., Kollmorgen, R., Kowalczuk, I.(2021): „Deutschland ist eins: vieles. Bilanz und Perspektiven von Vereinigung und Transformation“ Campus Verlag: Frankfurt, New York.<br>
2. Enders, J. C. (2019): „Feminismus und Mütterlichkeit – ein Ost-West Thema?“ In: Femina Politica. Jg. 28, H. 02/2019: 140-146.<br>
3. Ehrenburg, A. (2022): „Pandemie als Selbsterforschung“. In: Czerney, S., Eckert L., et al.: „Mutterschaft und Wissenschaft in der Pandemie: (Un-)Vereinbarkeit zwischen Kindern, Care und Krise“. Leverkusen: Verlag Barbara Budrich.<br>
4. Misselwitz, H. (1988): „Winter Adé“: Film, schwarz-weiß, DDR 1988.<br>
5. Melis, D. (Hrsg.) (2010): „Sibylle. Modefotografien 1962-1994“. Leipzig: Lehmstedt Verlag.<br>
6. Thoms, K. (2018): „Mensch Mutta. Ein Podcast“, <a href="https://menschmutta.de/">https://menschmutta.de/</a>, abgerufen am 03.06.2024.<br>
7. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) (2021): „30 Jahre Deutsche Einheit: DDR-Frauen nach der Wende und im Osten“.<br>
8. <a href="https://www.bib.bund.de/DE/Service/Podcast/201027_schneider_deutsche_einheit_frauen.html">https://www.bib.bund.de/DE/Service/Podcast/201027_schneider_deutsche_einheit_frauen.html</a> (24.5.2021).<br>
9. Stiftung Ettersberg (2022): „Horchpost DDR: Frauen in der DDR“, 9.8.2022.</p>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1685" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg" alt="Label Impulsgeberin Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Dr. Judith Christine Enders</span></h2>
<p><strong>GEBOREN:</strong> 1976/Altenburg (Thüringen)<br>
<strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Berlin<br>
<strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> <a href="https://amzn.to/4fT0PGe" target="_blank" rel="noopener">Jenny Erpenbeck: „Kairos“, 2021</a><br>
<strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Winter adé“, 1988<br>
<strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Brand-Baude (Sächsische Schweiz)</p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
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<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/07/Cover-Denke-ich-an-Ostdeutschland.jpg" width="342" height="483">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p>In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist auch 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Dieser Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2024, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
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<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/dr-judith-christine-enders-gibt-es-einen-ostfeminismus-bluehende-landschaften-und-starke-frauen/">Dr. Judith Christine Enders: Gibt es einen Ostfeminismus? Blühende Landschaften und starke Frauen</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Von der Stimme zum Einfluss #1: Wandelerprobt und wandelbereit</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/von-der-stimme-zum-einfluss-1-wandelerprobt-und-wandelbereit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Dec 2024 06:30:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivisten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=3417</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die dritte Generation Ost steht für Wandel und Innovation. Das Netzwerk „3te Generation Ost“ gibt ihren Stimmen Gehör, verbindet Menschen und zeigt, wie Transformation zu einer Chance für Identität, Gerechtigkeit und Zusammenhalt wird. Hier startet eine regelmäßige Kolumne des Netzwerks. In Teil eins thematisiert Torsten Menzel den Aspekt der Wandlungsfähigkeit.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3421" class="wp-image-3421" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/12/Torsten-Menzel_2020-e1733734253463.jpg" alt="Torsten Menzel, 3te Generation Ost. netzwerk.dritte-generation-ost.de" width="282" height="275">Torsten Menzel, 3te Generation Ost. <a href="https://netzwerk.dritte-generation-ost.de/" target="_blank" rel="noopener">netzwerk.dritte-generation-ost.de</a><br />
Die dritte Generation Ost ist eine Generation der Brückenbauer. Geboren [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/von-der-stimme-zum-einfluss-1-wandelerprobt-und-wandelbereit/">Von der Stimme zum Einfluss #1: Wandelerprobt und wandelbereit</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die dritte Generation Ost steht für Wandel und Innovation. Das Netzwerk „3te Generation Ost“ gibt ihren Stimmen Gehör, verbindet Menschen und zeigt, wie Transformation zu einer Chance für Identität, Gerechtigkeit und Zusammenhalt wird. Hier startet eine regelmäßige Kolumne des Netzwerks. In Teil eins thematisiert Torsten Menzel den Aspekt der Wandlungsfähigkeit.</p>
<p><span id="more-3417"></span></p>
<div id="attachment_3421" style="width: 292px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3421" class="wp-image-3421" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/12/Torsten-Menzel_2020-e1733734253463.jpg" alt="Torsten Menzel, 3te Generation Ost. netzwerk.dritte-generation-ost.de" width="282" height="275"><p id="caption-attachment-3421" class="wp-caption-text">Torsten Menzel, 3te Generation Ost. <a href="https://netzwerk.dritte-generation-ost.de/" target="_blank" rel="noopener">netzwerk.dritte-generation-ost.de</a></p></div>
<p>Die dritte Generation Ost ist eine Generation der Brückenbauer. Geboren zwischen 1975 und 1985, leben diese Menschen in einer faszinierenden Doppelwelt: auf die Welt gekommen im Sozialismus, aber aufgewachsen im Kapitalismus. Geprägt in zwei unterschiedlichen Systemen sind ihre Erfahrungen ein wertvoller Schatz für eine Gesellschaft, die konstant von Wandel geprägt ist. Doch was bedeutet es wirklich, Teil dieser Generation zu sein?</p>
<p>Das Netzwerk 3te Generation Ost stellt diese Frage in den Mittelpunkt und verleiht den lange Zeit überhörten Stimmen dieser Generation Gehör. Das Netzwerk verbindet und macht Menschen sichtbar, die in den Umbruchsjahren nach 1989 geprägt wurden. Es ermöglicht ihnen, ihre Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen, gemeinsam neue Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln und Einfluss zu gewinnen. Es ist ein Raum, der nicht nur Identität stärkt, sondern auch die Kraft der Transformation feiert.&nbsp;Denn die Herausforderungen, die die Nachwendegeneration meistern musste, sind universell: Anpassung an neue Systeme, Überwindung alter Strukturen, ein ständiges Aushandeln von Werten und Identität. Sie finden sich auch in anderen Gesellschaften, die sich mit ähnlichen Transformationen auseinandersetzen.</p>
<p>Während andere Regionen ihre narrative Stärke erkennen und genüsslich nutzen, wird Ostdeutschland oft genug – von innen und von außen – mit alten Klischees verbunden. Die Geschichten von Aufbruch und Innovation verblassen im Schatten der Erzählungen über Abwanderung und Stillstand. Hier setzt das Netzwerk seit inzwischen 15 Jahren an, indem es nicht nur die kulturelle Vielfalt Ostdeutschlands in den Vordergrund stellt, sondern auch Wege aufzeigt, wie die spezifischen Kompetenzen dieser Generation in die Gestaltung der Zukunft einfließen können.&nbsp;Dabei geht es nicht um (N)ostalgie oder Schuldzuweisung, sondern um Mut und Vision. Die 3te Generation Ost wird zu einem Symbol für das Potenzial, das in jedem von uns steckt, wenn wir bereit sind, Altes hinter uns zu lassen und Neues zu wagen. Sie zeigt, dass Wandel nicht nur Verlust bedeutet, sondern auch eine Chance ist – für mehr Gerechtigkeit, Zusammenhalt und Innovation.</p>
<p>Ende 2024 leben wir alle wieder einmal in einer Zeit der Veränderungen. Als wandelerprobte und wandelbereite Generation übernehmen heute viele einzelne Menschen der dritten Generation Ost mit ihren Hintergründen und Erfahrungen Verantwortung für Veränderung. Diese Ressource für die Zukunft bringen sie nicht nur im Osten ein, sondern historisch bedingt deutschland-, europa- und weltweit. Sie sind verstreut in unterschiedlichen Regionen, Branchen und Gesellschaftsbereichen. Das Netzwerk 3te Generation Ost will sie miteinander verbinden und uns allen bewusst machen, dass wir Wandel nicht nur ertragen, sondern aktiv gestalten können.</p>
<p>Davon berichten wir in dieser Kolumne.</p>
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<td><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-3418 size-full alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/12/netzwerklogo.png" alt width="254" height="154"><strong>Das Netzwerk 3te Generation Ost</strong>
<p>&nbsp;</p>
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