<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Sachbuch Archive - ostdeutschland.info</title>
	<atom:link href="https://ostdeutschland.info/category/literatur/sachbuch/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://ostdeutschland.info/category/literatur/sachbuch/</link>
	<description>Impulse für den Osten</description>
	<lastBuildDate>Wed, 17 Jun 2026 06:24:53 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/02/cropped-Ost_Button_ffe500-32x32.png</url>
	<title>Sachbuch Archive - ostdeutschland.info</title>
	<link>https://ostdeutschland.info/category/literatur/sachbuch/</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Buchvorstellung: „Postwendekinder“</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/postwendekinder/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jun 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9473</guid>

					<description><![CDATA[<p>2025 jährte sich die deutsche Wiedervereinigung zum 35. Mal. In der Anthologie „Postwendekinder“ kommt die Generation der Ostdeutschen zu Wort, die nach der Wende geboren wurde. Die Autorinnen und Autoren erzählen von ihren Erfahrungen.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft wp-image-9450" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Jahn_Maehler_Pershon_Postwendekinder_Cover_2026.jpg" alt="Das Cover vom Buch Postwendekinder von Alma Jahn, Marlene Mähler und Angelique Pershon" width="280" height="427"><br />
Alma-Emilia Jahn, Marlene Mähler, Angelique Pershon (Hgg.): „Postwendekinder: Für eine solidarische und gleichberechtigte deutsch-deutsche Zukunft“, Neofelis Verlag, Berlin 2026, 304 Seiten, 22 €.</p>
<p>Die Idee zu dem [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/postwendekinder/">Buchvorstellung: „Postwendekinder“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>2025 jährte sich die deutsche Wiedervereinigung zum 35. Mal. In der Anthologie „Postwendekinder“ kommt die Generation der Ostdeutschen zu Wort, die nach der Wende geboren wurde. Die Autorinnen und Autoren erzählen von ihren Erfahrungen.</p>
<p><span id="more-9473"></span></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img decoding="async" class="alignleft wp-image-9450" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Jahn_Maehler_Pershon_Postwendekinder_Cover_2026.jpg" alt="Das Cover vom Buch Postwendekinder von Alma Jahn, Marlene Mähler und Angelique Pershon" width="280" height="427"></p>
<p>Alma-Emilia Jahn, Marlene Mähler, Angelique Pershon (Hgg.): „Postwendekinder: Für eine solidarische und gleichberechtigte deutsch-deutsche Zukunft“, Neofelis Verlag, Berlin 2026, 304 Seiten, 22 €.</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Die Idee zu dem Buch entstand, als sich die drei Herausgeberinnen im Frühsommer 2024 beim Workshop „Ost, West: Schnee von gestern?“ kennenlernten. Daraus entwickelte sich das Vorhaben, ein Buch mit Betroffenen der Generation „Postwendekinder“ bzw. deren Beiträgen in Form von Essays, persönlichen Erzählungen, Gedichten, Illustrationen und Graffiti-Kunst zu veröffentlichen. Ziel war es, sich mit dem Leben im postsozialistischen Deutschland sowie Fragen nach Zugehörigkeit, Aufarbeitung und Bewältigung auseinanderzusetzen.</p>
<p>Ein zentrales Thema des Buches ist die Frage, wann und wie ein ostdeutsches Bewusstsein entsteht. Die Beiträge zeigen, dass Herkunft für viele Autorinnen und Autoren zunächst kaum eine Rolle spielte und erst durch Begegnungen mit Vorurteilen oder Fremdzuschreibungen an Bedeutung gewann. Dies wird etwa am Beispiel von Weronika Vogel, Promovendin in Kirchengeschichte, deutlich. Sie wächst zwischen deutscher und polnischer Identität auf und wird erst außerhalb ihres vertrauten Umfelds verstärkt mit Fragen der Zugehörigkeit konfrontiert. Ihre Erfahrungen mit Stereotypen über Ostdeutschland und die resultierende Auseinandersetzung mit ihrer ostdeutschen Identität führen schließlich zur Gründung des Blogs „Eastplaining“.</p>
<p>Das Buch richtet den Blick auch auf die Suche nach der Vergangenheit und die Frage, wie die DDR bis heute in Familiengeschichten präsent ist. Dabei stehen weniger historische Ereignisse als vielmehr persönliche Erinnerungen und deren Weitergabe zwischen den Generationen im Vordergrund. Die Journalistin Alma Dewerny schildert beispielsweise die Sicht ihrer Mutter auf die Revolution von 1989 und die Enttäuschung über die Entwicklung nach dem Mauerfall. Daran anschließend setzen sich mehrere Beiträge kritisch mit den Folgen des Systemwandels nach 1990 auseinander. Sie thematisieren unterschiedliche Erinnerungen an die DDR sowie die Erfahrungen der Transformationszeit. Die Kunstwissenschaftlerin Dominique Falentin etwa schildert Perspektiven aus der Generation ihrer Großmutter, ihrer Mutter und von sich selbst, jeweils exemplarisch für viele ostdeutsche Frauen.</p>
<p>Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den emotionalen Folgen der Wiedervereinigung. In den Beiträgen werden Erfahrungen zwischen Stolz, Schuldgefühlen und Rechtfertigungsdruck beschrieben sowie die Konfrontation mit Vorurteilen gegenüber Ostdeutschen. So berichtet die in Magdeburg geborene Studentin Jara Schulze von Erfahrungen während ihres Freiwilligendienstes in Bosnien-Herzegowina, bei dem sie mit vereinfachenden Vorstellungen über den Osten Deutschlands konfrontiert wird. Sie möchte den Osten nicht auf ein Podest heben, wünscht sich jedoch, dass er für die lange fehlende Aufarbeitung mehr Anerkennung aus dem Westen erfährt und es einen Diskurs mit dem Osten gibt und nicht über ihn.</p>
<p>Abschließend richtet das Buch den Blick nach vorn. Es wird danach gefragt, welche Chancen und Herausforderungen die Postwende-Generation prägen und wie ihre Zukunft aussehen könnte. Die in Karlsruhe lebende gebürtige Thüringerin Kristin Ulitzsch beschreibt beispielsweise die Weihnachtsfahrten in ihre thüringische Heimat und die jeweilige Auseinandersetzung mit der Frage, ob sie in ihre Heimat zurückkehren oder ihr Leben dauerhaft im Westen fortführen will. Ein Thema, mit dem viele „Postwendekinder“ konfrontiert sind.</p>
<p>Den Herausgeberinnen des Buches, die auch eigene Artikel beigesteuert haben, gelingt es mit den unterschiedlichen Perspektiven einen vielschichtigen Einblick in die Gefühlswelt der Postwendekinder zu geben. Die abwechslungsreichen Stilformen und persönlichen Geschichten machen das Buch zu einem eindrucksvollen Porträt einer Generation, die die DDR selbst nicht erlebt hat, die deren Nachwirkungen aber bis heute spürt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/postwendekinder/">Buchvorstellung: „Postwendekinder“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Buchvorstellung: Fußball in Ostdeutschland</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-fussball-in-ostdeutschland/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jun 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9373</guid>

					<description><![CDATA[<p>Heute startet die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA. Passend dazu widmen wir uns zwei Neuerscheinungen zum Fußball in Ostdeutschland: „Plattgemacht“ und „Der geteilte Rasen“. Sie erzählen vom steinigen Weg, den der Ostfußball seit der Wende zu gehen hat.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img decoding="async" class="alignleft wp-image-9354" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Mohnhaupt_Der_geteilte_Rasen_Cover_2026.jpg" alt="Das Cover vom Buch &#34;Der geteilte Rasen&#34; von Jan Mohnhaupt." width="280" height="426"><br />
Jan Mohnhaupt: „Der geteilte Rasen: Fußball in den Wendejahren 1989-1992“, Verlag Die Werkstatt, Bielefeld 2026, 224 Seiten, 24,90 €.</p>
<p>Jan Mohnhaupt schildert in seinem Buch Partien der DDR-Oberliga, [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-fussball-in-ostdeutschland/">Buchvorstellung: Fußball in Ostdeutschland</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Heute startet die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA. Passend dazu widmen wir uns zwei Neuerscheinungen zum Fußball in Ostdeutschland: „Plattgemacht“ und „Der geteilte Rasen“. Sie erzählen vom steinigen Weg, den der Ostfußball seit der Wende zu gehen hat.</p>
<p><span id="more-9373"></span></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-9354" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Mohnhaupt_Der_geteilte_Rasen_Cover_2026.jpg" alt="Das Cover vom Buch &quot;Der geteilte Rasen&quot; von Jan Mohnhaupt." width="280" height="426"></p>
<p>Jan Mohnhaupt: „Der geteilte Rasen: Fußball in den Wendejahren 1989-1992“, Verlag Die Werkstatt, Bielefeld 2026, 224 Seiten, 24,90 €.</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Jan Mohnhaupt schildert in seinem Buch Partien der DDR-Oberliga, der Bundesliga und der zweiten Liga sowie Länderspiele und Europacup-Begegnungen und verbindet diese mit den Ereignissen jener Zeit. Beispielhaft dafür stehen die UEFA-Cup-Halbfinals von Dynamo Dresden gegen den VfB Stuttgart im April 1989. Stuttgart galt als Favorit und gewann das Hinspiel 1:0. Dresden schaffte im Rückspiel zwar spät den Ausgleich, schied nach großem Kampf aber in der Summe beider Spiele aus. Die knappen Ergebnisse spiegeln die Konkurrenzfähigkeit des DDR-Spitzenfußballs kurz vor der Wende wider.</p>
<p>Ebenso prägend war die WM-Qualifikationspartie DDR gegen die Sowjetunion am 8. Oktober 1989 in Karl-Marx-Stadt. Während in der DDR die Proteste gegen das SED-Regime zunahmen, gelang ihrer Auswahl ein überraschender 1:0-Sieg durch einen Treffer von Andreas Thom. Die Hoffnung auf die Teilnahme an der WM 1990 lebte damit weiter. Doch wenige Tage später fiel die Berliner Mauer. Das Team erlebte die historischen Bilder, während es sich zur Vorbereitung in der Sportschule Abtnaundorf in Leipzig befand. Die Konzentration auf das entscheidende Qualifikationsspiel sechs Tage später in Wien gegen Österreich ging daraufhin verloren. Die DDR erlebte ein 0:3-Debakel und verpasste die WM-Teilnahme. Dem späteren Weltmeister von 1990, der BRD, gelang am selben Tag die Teilnahme durch einen knappen 2:1-Sieg gegen Wales.</p>
<p>Mohnhaupt erinnert auch an den dramatischen Dreikampf um die DDR-Meisterschaft 1989/1990 zwischen Dynamo Dresden, dem 1. FC Magdeburg und dem FC Karl-Marx-Stadt (heutiger Chemnitzer FC) sowie an das letzte NOFV-Pokalfinale 1991 zwischen Hansa Rostock und dem Eisenhüttenstädter FC Stahl. Mit Hansas 1:0-Sieg endete symbolisch auch die Ära des DDR-Fußballs. Das Buch zeigt eindrucksvoll, wie eng sportliche Entwicklungen und der rasante politische Wandel von 1989 bis 1992 miteinander verflochten waren.</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-9333" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Liebig_Matthias_Plattgemacht_2026.jpg" alt="Cover: Matthias Liebig: Plattgemacht; Wie der Westen den ostdeutschen Fußball zerstörte" width="280" height="433"></p>
<p>Mathias Liebing: „Plattgemacht: Wie der Westen den ostdeutschen Fußball zerstörte“, Edel Sports Verlag, Hamburg 2026, 304 Seiten, 18,99 €.</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Mathias Liebing zeichnet in seinem Buch die Geschichte des ostdeutschen Fußballs von 1989 bis heute nach. Zentrales Thema ist die Frage, warum sich viele Vereine nach der Wende nicht dauerhaft im Profifußball etablieren konnten. Ein wesentlicher Faktor war der schnelle Abfluss von Talenten in den Westen. Bereits wenige Tage nach dem Mauerfall wurden Spieler wie Andreas Thom, Matthias Sammer und Ulf Kirsten beim DDR-Länderspiel gegen Österreich umworben. Bayer Leverkusens Manager Reiner Calmund schaffte es beinahe, alle drei Spieler zur Werkself zu holen. Im Fall von Matthias Sammer lag es nach Calmunds Angaben nur an einer Intervention durch den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, dass der Spieler schließlich zum VfB Stuttgart wechselte. Darüber hinaus beschreibt das Buch die wirtschaftlichen Folgen der Transformation. Am Beispiel von Stahl Brandenburg wird deutlich, wie der Zusammenbruch industrieller Strukturen und Entscheidungen der Treuhand vielen Vereinen die finanzielle Grundlage entzogen.</p>
<p>Liebing macht jedoch nicht nur auf Vorgänge von westdeutscher Seite aufmerksam. Er spart die Verantwortung ostdeutscher Klubs nicht aus. In Bezug auf den FC Carl Zeiss Jena beschreibt er Defizite in der Öffentlichkeitsarbeit und beim Marketing. Zu Dynamo Dresden hält er Management- und Vermarktungsfehler der 1990er-Jahre fest. Seine Gespräche mit dem ehemaligen Dynamo-Spieler und -Verantwortlichen Ralf Minge zeigen, wie mangelnde Erfahrung im modernen Profifußball zu nachteiligen Verträgen und finanzieller Abhängigkeit führte.</p>
<p>Dem gegenüber stellt Liebing Erfolgsgeschichten. So hielt sich Energie Cottbus von 1997 bis 2014 im Profifußball und kehrte 2026 in die zweite Liga zurück. Auch Erzgebirge Aue und Hansa Rostock konnten sich über einen längeren Zeitraum im Profibereich behaupten. Als weiteres positives Beispiel beschreibt Liebing den Erfolgsweg des 1. FC Union Berlin. Im Gespräch mit dem Autor erklärt Union-Präsident Dirk Zingler den Weg des Vereins vom Regionalligisten zum Champions-League-Teilnehmer, der gegen Real Madrid spielte. Als Schlüssel nennt Zingler die Rückbesinnung auf regionale Identität, Verantwortung und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Er verdeutlicht die Situation in den 1990er-Jahren in Ostdeutschland wie folgt: „Im Osten glaubten viele, dass sie es nicht können. Im Westen glaubten sie, dem Osten alles zeigen zu müssen. Diese Konstellation ist in den 1990er-Jahren brutal gescheitert und hat den Wiedervereinigungsprozess um viele Jahre zurückgeworfen.“</p>
<p>Trotz der schwierigen Historie der letzten 36 Jahre blickt Mathias Liebing im Fazit vorsichtig optimistisch nach vorn. Er hält die heutigen Voraussetzungen für besser als unmittelbar nach der Wende und sieht Chancen, dass sich mehrere ostdeutsche Vereine langfristig im Profifußball etablieren können. Mit Anekdoten, Interviews und umfangreicher Recherche erklärt „Plattgemacht“, wie es zur schwierigen Lage des Fußballs in Ostdeutschland kam und welche Möglichkeiten für seine Zukunft bestehen. Das Buch ist somit eine informative Lektüre, die sich sehr gut zum besseren Verständnis für die schwierige Geschichte des Ostfußballs seit 1989 eignet.</p>
<p>Zwei tolle Bücher für die Zeit zwischen den WM-Partien. Übrigens: Mit Maximilian Beier gehört auch ein Ostdeutscher zu unserer Nationalmannschaft.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-fussball-in-ostdeutschland/">Buchvorstellung: Fußball in Ostdeutschland</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Buchvorstellung: „Ausradiert? Wie die Literatur der DDR verschwand“</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-carsten-gansel-ausradiert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 May 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9469</guid>

					<description><![CDATA[<p>Beinahe über Nacht setzte mit der Wende die Demontage der ostdeutschen Literatur ein. Millionen Bücher verschwanden und wurden vernichtet. Carsten Gansel ist diesem Vorgang auf den Grund gegangen. Er zeigt Beispiele und Hintergründe.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-9723" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/Gansel-Carsten-Ausradiert-2026.jpg" alt="Das Buchcover von Carsten Gansel: Ausradiert" width="280" height="446"><br />
Carsten Gansel: „Ausradiert? Wie die Literatur der DDR verschwand“, Reclam Verlag, Ditzingen 2026, 383 Seiten, 28 € (Hardcover mit Bildern).</p>
<p>Die Idee für das Buch entstand aus Tagungen und Diskussionen, die Gansel in den vergangenen [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-carsten-gansel-ausradiert/">Buchvorstellung: „Ausradiert? Wie die Literatur der DDR verschwand“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Beinahe über Nacht setzte mit der Wende die Demontage der ostdeutschen Literatur ein. Millionen Bücher verschwanden und wurden vernichtet. Carsten Gansel ist diesem Vorgang auf den Grund gegangen. Er zeigt Beispiele und Hintergründe.</p>
<p><span id="more-9469"></span></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-9723" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/Gansel-Carsten-Ausradiert-2026.jpg" alt="Das Buchcover von Carsten Gansel: Ausradiert" width="280" height="446"></p>
<p>Carsten Gansel: „Ausradiert? Wie die Literatur der DDR verschwand“, Reclam Verlag, Ditzingen 2026, 383 Seiten, 28 € (Hardcover mit Bildern).</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Die Idee für das Buch entstand aus Tagungen und Diskussionen, die Gansel in den vergangenen drei Jahrzehnten seit der Wende besuchte. Den entscheidenden Anstoß erhielt er vom Literaturagenten Thomas Schmoll, der ihn auf das Verschwinden der DDR-Literatur aufmerksam machte.</p>
<p>Gansel beschreibt in seinem Buch, wie ostdeutsche Literatur verschwand und welche persönlichen Schicksale damit verbunden waren. Er erzählt unter anderem vom Illustrator und Karikaturisten Thomas Schleusing, der in der DDR zu den gefragtesten Buchillustratoren gehörte. Nach dem Verschwinden der Ost-Verlage sollte er sich bei West-Verlagen bewerben, erhielt jedoch immer wieder Absagen. Mit dieser Situation kam er nicht zurecht und nahm sich 1993 das Leben. Ähnlich erging es dem Lyriker Manfred Streubel, dem Autor des „Lieds der jungen Naturforscher“. Nach 1990 wollte kein Verlag mehr seine Gedichte drucken, er lebte von Sozialhilfe und beging 1992 Suizid.</p>
<p>Darüber hinaus schildert Gansel, wie DDR-Literatur entsorgt wurde. Der westdeutsche Pfarrer Martin Weskott wurde durch einen Artikel der Süddeutschen Zeitung darauf aufmerksam, dass tonnenweise Bücher aus DDR-Verlagen in stillgelegte Tagebaue gekippt wurden. In Thüringen fand er Werke von DDR-Autoren neben Büchern von Fjodor Dostojewski, Jaroslav Seifert und Heinrich Mann auf Müllhalden und begann, Literatur vor der Vernichtung zu retten.</p>
<p>Auch die Schließung von Dorfbibliotheken trug zur Vernichtung ostdeutscher Literatur bei. Gansel berichtet von einer Dorfbibliothek in Dieckhof bei Güstrow, die Anfang der 1990er-Jahre geschlossen wurde. Dort fand er zahlreiche DDR-Titel, die vor dem Mauerfall schon jeweils kurz nach Erscheinen vergriffen waren, darunter Christoph Heins „Der fremde Freund“. Gleichzeitig machten Volksbuchhandlungen Platz für westdeutsche Bestseller und schickten DDR-Literatur an die Verlage zurück. Dies führte zum Kollaps des Leipziger Kommissions- und Großbuchhandels und zur massenhaften Entsorgung von Büchern. Hinzu kam die Rolle der Treuhand: Rund 95 Prozent der DDR-Verlage gingen an westdeutsche Unternehmen. Der frühere Aufbau-Verlag-Manager René Strien erklärte, die finanzschwachen Ost-Verlage hätten juristisch keine Chance gegen westdeutsche Konkurrenten gehabt. Laut dem Verlagshistoriker Christoph Links blieben von einst 78 DDR-Verlagen nur noch acht übrig.</p>
<p>Gansel widmet sich auch den Hintergründen und den Konflikten zwischen Ost und West, die zur Demontage der DDR-Literatur führten. Dabei geht er auf Johannes R. Becher ein, den ersten Präsidenten des Kulturbundes, DDR-Kulturminister und Autor des Textes zur DDR-Nationalhymne. Anlass ist ein Bericht aus der „Märkischen Allgemeinen“ von März 2025, wonach Bechers Name von einem Kulturzentrum in Rathenow entfernt werden sollte. Gansel sieht darin den Versuch, einen Dichter aus ideologischen Gründen aus dem kulturellen Gedächtnis zu verdrängen. Obwohl er Bechers Rolle in der DDR kritisch bewertet, lehnt er es ab, dessen Werk ausschließlich auf die SED-Ideologie zu reduzieren.</p>
<p>Zur Verdeutlichung der Hintergründe befasst sich Gansel mit den unterschiedlichen Literaturgeschichten beider deutscher Staaten. Er zeigt etwa, dass Exilliteratur in der DDR kulturpolitisch gefördert wurde, während sie in der BRD lange wenig Beachtung fand. Zudem beschreibt er die unterschiedlichen Erinnerungskulturen und zentrale Einschnitte der DDR-Literaturgeschichte. Gansel thematisiert den Volksaufstand von 1953, den Mauerbau 1961, das 11. Plenum der SED 1965 sowie Wolf Biermanns Kölner Konzert 1976, dessen Folgen der Autor als Beginn des Endes der DDR bezeichnet. Außerdem beschreibt er die verschiedenen Entwicklungsphasen der DDR-Literatur und Konflikte wie das Verbot des „Rummelplatz“-Manuskripts von Werner Bräunig.</p>
<p>Gansel geht auch auf die westdeutsche Sicht auf die DDR-Literatur ein. Er beschreibt, wie Klischees und Vorurteile entstanden und wie sich der Literaturstreit von 1990 entwickelte, der durch Ulrich Greiners Rezension von Christa Wolfs „Was bleibt“ ausgelöst wurde. Anhand eines Beispiels der Autorin Terézia Mora verdeutlicht Gansel zudem die unterschiedlichen Erfahrungen von Ost- und Westdeutschen mit prägenden politischen Ereignissen, etwa dem Mauerfall. In einem Gespräch mit einem West-Autor hatte Mora den Mauerfall als biographisch historische Zäsur bezeichnet, während ihr Gegenüber keine vergleichbare Erfahrung machte und wenig Verständnis zeigte.</p>
<p>Carsten Gansel verdeutlicht in seinem Buch eindrucksvoll, warum der Osten den Westen bis in die Gegenwart oft als dominant und übergriffig wahrnimmt. Gleichzeitig erklärt er die unterschiedlichen Sichtweisen beider Literaturszenen, ohne die DDR-Literaturgeschichte unkritisch darzustellen. Sein Buch wirbt für eine neue Betrachtung der DDR-Literatur und ihre Rehabilitierung.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-carsten-gansel-ausradiert/">Buchvorstellung: „Ausradiert? Wie die Literatur der DDR verschwand“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Buchvorstellung: „Dessau 1925“</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-frank-kreissler-dessau-1925/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Apr 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9092</guid>

					<description><![CDATA[<p>Im Frühjahr 1925 wurde Dessau zu einem Zentrum der modernen Kunst in Deutschland. Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums hat Stadtarchivar Frank Kreißler die Leserschaft mit ins Jahr genommen, in dem das Bauhaus nach Dessau kam.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-8295" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/11/Frank-Kreisler-Dessau-cover.jpg" alt="Das Cover von Frank Kreisler: Dessau 1925" width="280" height="394"><br />
Frank Kreißler: „Dessau 1925. Das Jahr, in dem das Bauhaus kam“, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2025, 432 Seiten, 28 €, (Hardcover mit Bildern).</p>
<p>Kreißlers Buch basiert auf Meldungen, Berichten, Rezensionen und Anzeigen aus [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-frank-kreissler-dessau-1925/">Buchvorstellung: „Dessau 1925“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Frühjahr 1925 wurde Dessau zu einem Zentrum der modernen Kunst in Deutschland. Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums hat Stadtarchivar Frank Kreißler die Leserschaft mit ins Jahr genommen, in dem das Bauhaus nach Dessau kam.</p>
<p><span id="more-9092"></span></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-8295" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/11/Frank-Kreisler-Dessau-cover.jpg" alt="Das Cover von Frank Kreisler: Dessau 1925" width="280" height="394"></p>
<p>Frank Kreißler: „Dessau 1925. Das Jahr, in dem das Bauhaus kam“, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2025, 432 Seiten, 28 €, (Hardcover mit Bildern).</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Kreißlers Buch basiert auf Meldungen, Berichten, Rezensionen und Anzeigen aus den Dessauer Tageszeitungen „Anhalter Anzeiger“ (bürgerlich), „Volksblatt für Anhalt“ (SPD-Organ) und „Anhalter Woche“ (rechtsbürgerlich). Neben dem Bauhaus-Umzug werden darin auch wirtschaftliche, kulturelle und politische Entwicklungen dokumentiert, wodurch ein lebendiges Bild des Alltags in Dessau entsteht. Die Chronik zeigt eine Stadt im Spannungsfeld der 1920er-Jahre: Einerseits ist sie geprägt von Wirtschaftsaufschwung, Fortschrittsglauben und Moderne, andererseits von traditionellen Lebensweisen sowie zunehmend scharf geführten politischen und ideologischen Konflikten.</p>
<p>Dessau, 24. Januar 1925: Bürgermeister Fritz Hesse erfährt aus dem „Berliner Tagblatt“ vom drohenden Bauhaus-Ende in Weimar. Führende Persönlichkeiten wie der Bauhaus-Direktor Walter Gropius und Bauhaus-Unterstützer wie Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky und Paul Klee hatten die Auflösung der Kunstschule mit Ablauf ihres Vertrages zum 1. April 1925 erklärt. Auslöser war ein Konflikt mit der rechtsgerichteten Thüringischen Landesregierung. Hesse erkannte darin eine Chance für Dessau. Bereits am nächsten Tag spricht Generalmusikdirektor Franz von Hoeßlin den Bürgermeister auf den Artikel an, woraufhin Hesse ihm gegenüber die Idee eines Umzugs ins Spiel bringt. Gespräche mit dem Landeskonservator Ludwig Grote und dessen Reise nach Weimar bestärken Hesse in seinem Vorhaben, das er im Magistrat vorantreibt. Mitte Februar besuchen Wassily Kandinsky und seine Frau Nina Dessau und gewinnen einen positiven Eindruck von der Stadt.</p>
<p>Im März entwickelt sich der Umzug zur politischen Entscheidungsfrage. Zu Monatsbeginn regt Hesse eine Besichtigungsreise nach Weimar an, die vom Gemeinderat die Zustimmung erhält. Eine breit aufgestellte Delegation reist in die thüringische Stadt und kehrt mit positiven Eindrücken zurück. Der Umzug wird auch durch die Medien öffentlich publik und damit verschärft sich die öffentliche Debatte, in der die politischen Fronten deutlich hervortreten. Während linke Kräfte das Bauhaus als Symbol der Moderne begrüßen, lehnen viele bürgerliche Akteure es entschieden ab. Das Bauhaus wird von einigen bürgerlichen Kräften als „undeutsch“ diffamiert, Gropius’ architektonischer Stil als radikal und fremd kritisiert sowie dem Bauhaus insgesamt eine sozialistische Einflussnahme auf Kunst und Gesellschaft vorgeworfen. Diese Auseinandersetzungen gehen über kulturpolitische Fragen hinaus und spiegeln die tieferliegenden ideologischen Spannungen der Zeit wider. Es sind Konflikte, die sich in den folgenden Jahren im gesamten Deutschen Reich zuspitzen und schließlich 1933 in der Machtergreifung der Nationalsozialisten gipfeln. Trotz dieser Spannungen stimmt der Gemeinderat am 23. März 1926 mit 26 zu 15 Stimmen für den Bauhaus-Umzug nach Dessau und den Bau eines neuen Schulgebäudes.</p>
<p>Mit dem 1. April beginnt die praktische Umsetzung des Umzugs. Gropius und seine Mitarbeiter beziehen ihre Büros, Künstler wie Kandinsky, Klee und Oskar Schlemmer richten ihre Ateliers ein. Doch die politischen Auseinandersetzungen halten an. Am 22. Juni bewilligt der Finanzausschuss 690.000 Mark für die Bauprojekte, während bürgerliche Politiker insbesondere über die „Anhalter Woche“ weiterhin scharfe bis polemische Kritik am Bauhaus üben. Vom 28. September an starten schließlich die Bauarbeiten für das von Gropius entworfene Gebäude. Die öffentliche Kritik nimmt zunächst weiter zu, sodass der Magistrat am 11. Oktober im „Anhalter Anzeiger“ die Ziele des Bauhauses erläutert: Es soll als Lehr- und Versuchsinstitut die moderne Gestaltung des gesamten Wohnens vorantreiben – vom einfachen Wohngerät bis zum fertigen Wohnhaus. Erst Anfang November entspannt sich die Lage etwas. Am 5. November stimmen schließlich auch die meisten bürgerlichen Parteien, unter anderem auch die Deutschnationale Volkspartei (DNVP), den Baumaßnahmen zu. Sie sehen die bisherige Blockadehaltung gegen das Bauhaus als nicht zielführend an. Lediglich die als Kritik gegenüber dem Bauhaus gegründete Vereinigung „Hausbesitzer“ lehnt das Projekt weiterhin ab. Mit der Entscheidung der bürgerlichen Parteien beruhigt sich auch die Berichterstattung der „Anhalter Woche“, die von nun an moderater über das Bauhaus berichtet. Der Jahresrückblick des „Anhalter Anzeigers“ hebt bei seiner Rückschau die Diskussion um den Bauhaus-Umzug mit Pro- und Kontraargumenten sowie den Ablauf des Umzugs hervor. Daneben betont das Blatt die wirtschaftlichen Entwicklungen Dessaus, insbesondere bei den Flugzeugwerken, den sogenannten „Junkerswerken“, der Dessauer Unternehmen Junkers Motorenbau GmbH und Junkers Flugzeugwerk AG.</p>
<p>Frank Kreißler vermittelt durch die in seiner Jubiläumschronik ausgewählten Meldungen ein detailliertes Bild von Dessau in einer Zeit des Umbruchs. Die kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Spannungen jener Zeit werden durch die Kombination von Meldungen und Fotos greifbar. So lernt der Leser eine Stadt kennen, die durch das Bauhaus in den folgenden Jahren internationale Bedeutung erlangte.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-frank-kreissler-dessau-1925/">Buchvorstellung: „Dessau 1925“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Buchvorstellung: Medienskepsis in Ostdeutschland</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-medienskepsis-in-ostdeutschland/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Apr 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9084</guid>

					<description><![CDATA[<p>In den letzten Jahren hat in Ostdeutschland das Misstrauen gegenüber dem Journalismus zugenommen. In ihrem Buch „Medienskepsis in Ostdeutschland“ tauchen Michael Meyen und Lukas Friedrich in ostdeutsche Lebenswelten ein und beschäftigen sich mit der Frage, wie viel DDR in der Unzufriedenheit mit den Leitmedien steckt.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-8924" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/02/Meyen_Friedrich_Medienskepsis_in_Ostdeutschland_2025.jpg" alt="Das Buchcover zum Buch Medienskepsis in Ostdeutschland" width="280" height="420"><br />
Michael Meyen, Lukas Friedrich: „Medienskepsis in Ostdeutschland: Warum das Misstrauen in den Journalismus kein Erbe der DDR ist. Mit einer Fallstudie [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-medienskepsis-in-ostdeutschland/">Buchvorstellung: Medienskepsis in Ostdeutschland</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In den letzten Jahren hat in Ostdeutschland das Misstrauen gegenüber dem Journalismus zugenommen. In ihrem Buch „Medienskepsis in Ostdeutschland“ tauchen Michael Meyen und Lukas Friedrich in ostdeutsche Lebenswelten ein und beschäftigen sich mit der Frage, wie viel DDR in der Unzufriedenheit mit den Leitmedien steckt.</p>
<p><span id="more-9084"></span></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-8924" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/02/Meyen_Friedrich_Medienskepsis_in_Ostdeutschland_2025.jpg" alt="Das Buchcover zum Buch Medienskepsis in Ostdeutschland" width="280" height="420"></p>
<p>Michael Meyen, Lukas Friedrich: „Medienskepsis in Ostdeutschland: Warum das Misstrauen in den Journalismus kein Erbe der DDR ist. Mit einer Fallstudie aus Bautzen“, Herbert von Halem Verlag, Köln 2025, 205 Seiten, 28 € (Taschenbuch).</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Als Untersuchungsmaterial für ihre Studie dienten den Wissenschaftlern eine Analyse mit neun Gruppendiskussionen, durchgeführt 2023 und 2024, eine Fallstudie zum Zusammenspiel von Medienrealität und Medienbewertung im Raum Bautzen, Gespräche mit dem Medienmacher Wilhelm Domke-Schulz sowie mit dem Bautzener Unternehmer und Geschäftsführer der Hentschke Bau GmbH Jörg Drews. Zudem wurden Literatur und verschiedene Untersuchungen zur Medienbewertung in der BRD und DDR in die Forschung mit einbezogen. Die zentrale Frage der Forscher lautete: Wie viel DDR steckt in der Unzufriedenheit mit den Leitmedien?</p>
<p>Durch Michael Meyens öffentliche Kritik am Corona-Journalismus hatten die beiden Autoren nach eigenen Angaben einen einfacheren Zugang zu Menschen, die keine Leitmedien konsumieren, und zur Wählerschaft von AfD und BSW. So entstand den Autoren zufolge auch ein Gleichgewicht, da die Studien der beiden Forscher durch das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung unterstützt wurden. Parallel dazu fand eine Forschung von Leipziger Kollegen mit Unterstützung eines Ministeriums in Dresden statt. Meyen und Friedrich profitierten davon, dass ihre Kollegen ihre Arbeit früher veröffentlichten, und konnten so auf deren Daten zurückgreifen.</p>
<p>Die Analyse der beiden Forscher mit Gruppendiskussionen knüpft an frühere qualitative Forschungen Meyens aus den Jahren 2000 bis 2002 an. In seiner damaligen Studie wurden Leitfadeninterviews mit Ostdeutschen geführt und mithilfe eines Kategoriensystems ausgewertet, das sowohl geschlossene Aspekte wie Soziodemografie, soziale Einbindung und Medienzugang als auch offene Dimensionen wie Erwartungen an Medien oder Einstellungen zur Medienpolitik berücksichtigte. Auf dieser Grundlage entwickelte Meyen verschiedene Mediennutzertypen, die zeigten, dass es keine einheitliche Medienerfahrung in der DDR gab. Wahrnehmung und Nutzung unterschieden sich deutlich; Westmedien dienten häufig als Vergleich, ohne dass ihnen vollständig vertraut wurde. Diese Ergebnisse bilden den Ausgangspunkt für die weiterführende Untersuchung.</p>
<p>Für die Gruppendiskussionen wählten Meyen und Friedrich insgesamt 43 Teilnehmer aus Coburg, Hildburghausen, Halle (Saale) und Bautzen aus. Die Auswahl orientierte sich methodisch an der früheren Studie und folgte einem System aus geschlossenen und offenen Kategorien wie Geschlecht, Alter, Lebenssituation, Brüchen durch Orts- oder Partnerwechsel und dem DDR-Bild der Teilnehmer. Ziel war es, aktuelle Formen der Mediennutzung und Medienskepsis zu erfassen und typologisch zu ordnen. Aus den Diskussionen wurden vier zentrale Mediennutzertypen herausgearbeitet.</p>
<p>Der erste Typ, der „Flüchtling“, zeichnet sich durch eine weitgehende Abkehr vom klassischen Journalismus aus. Medien werden nur noch selektiv genutzt, häufig mit Fokus auf alternativen Onlinequellen. Dies wird am Beispiel von Torben (*1973, Betriebswirt aus Freiberg) deutlich. Für Torben bedeutet Medienskepsis, dass man einem Artikel oder Beitrag nicht blind glaubt, sondern ihn mit anderen Medien vergleicht. Ihn stört, dass Medien das Gesagte von Politikern übernehmen, anstatt selbst zu recherchieren oder kritisch nachzufragen, was er als eigentliche Aufgabe des Journalismus versteht. Er gibt an, hauptsächlich Internetmedien zu konsumieren, darunter N-TV, „Tichys Einblick“, „Nachdenkseiten“ sowie Inhalte von Alexander Wallasch. Als prägendes Ereignis nennt er die Flüchtlingskrise 2015 und die mediale Berichterstattung darüber. Seit diesem Zeitpunkt greife er wieder stärker auf ein kritisches Denken zurück, das er bereits aus DDR-Zeiten kenne. Er fordert mehr unabhängigen Journalismus und eine ausgewogenere Berichterstattung.</p>
<p>Der zweite Typ, der „Skeptiker“, ähnelt dem „Flüchtling“, unterscheidet sich jedoch dadurch, dass Leitmedien weiterhin ein fester Bestandteil der Mediennutzung sind. Diese werden jedoch konsequent hinterfragt und mit anderen Quellen abgeglichen. Ein Beispiel ist Johann (*1993, Student der Orientwissenschaft aus Halle). Für ihn bedeutet Medienskepsis ein ständiges Hinterfragen medialer Narrative. Er nutzt Nachrichtenangebote wie MDR1 und Radio Sachsen-Anhalt sowie Printmedien wie „Spiegel“, „FAZ“ oder „Die Welt“. Zusätzlich folgt er auf Telegram Personen wie Henning Rosenbusch oder Markus Haintz. Alternative Medien begann er ab 2016/2017 verstärkt zu nutzen, da er insbesondere bei Themen wie Feminismus und Gender Zweifel an der Darstellung in Leitmedien entwickelte. Für ihn werden Grenzen überschritten, wenn nur die Interessen einer Seite dargestellt werden, „Lügenmärchen“ verbreitet oder Sprache gezielt zur Manipulation eingesetzt wird. Seit der Coronapandemie nutzt er verstärkt auch Telegram. Als prägendes Ereignis nennt er unter anderem die Berichterstattung zum Sturm auf das Reichstagsgebäude, den er nicht geglaubt hat und den er als demokratiegefährdend einstuft.</p>
<p>Der dritte Typ, der „Verweigerer“, misst Medien insgesamt eine geringe Bedeutung bei. Sowohl Leit- als auch Alternativmedien werden nur unterdurchschnittlich genutzt. Dies zeigt sich am Beispiel von Malte (*1977, Straßenbauer aus Bautzen). Er kritisiert eine aus seiner Sicht fehlende Informationsvielfalt und hat bewusst versucht, seinen Medienkonsum zu reduzieren. Zeitungen liest er gar nicht, und auch Radio schaltet er häufig aus. Er begründet dies damit, dass viele Inhalte verzerrt oder nur teilweise wahr dargestellt würden. Nach eigener Aussage habe er noch „einen Rest DDR“ mitbekommen, was bei ihm Spuren hinterlassen habe, auch wenn ihm dies lange nicht bewusst gewesen sei. Erst ab etwa 2012 habe er verstärkt wahrgenommen, dass Medien aus seiner Sicht gleichgeschaltet berichten. Dies sei der Zeitpunkt gewesen, an dem er begonnen habe, seine Haltung zu überdenken und kritischer zu werden. Zudem äußert er Verständnis für direktdemokratische Elemente wie Volksbefragungen, die er als Möglichkeit sieht, politische Entscheidungen stärker am Willen der Bevölkerung auszurichten.</p>
<p>Der vierte Typ, der „Gläubige“, orientiert sich überwiegend an etablierten Leitmedien. Kritik wird zwar geäußert, führt jedoch nicht zu einem grundlegenden Misstrauen gegenüber dem Mediensystem. Dies wird am Beispiel von Antje (*1969, Sonderschullehrerin aus Coburg) deutlich. Auf die Frage nach Medienskepsis antwortet sie, dass dies vor allem „die anderen“ betreffe, etwa Menschen, die auf Demonstrationen „Lügenpresse“ rufen. Sie selbst informiert sich täglich über die „Tagesschau“ und gelegentlich zusätzlich über die „Tagesthemen“. Gleichzeitig berichtet sie von ihren Eltern im Kreis Hildburghausen und beschreibt, dass dort viele Menschen kostenlose Wochenblätter mit aus ihrer Sicht stark einseitigen und politisch rechtsgerichteten Inhalten lesen und diese als Hauptinformationsquelle nutzen. Obwohl sie einzelnen Berichterstattungen – etwa zum Krieg in Gaza – eine gewisse Einseitigkeit zuschreibt, bleibt ihr grundsätzliches Vertrauen in die Leitmedien bestehen.</p>
<p>In der Fallstudie „Die Erfindung von Brown Under“ haben Meyen und Friedrich den Widerspruch zwischen Leitmedien und der Wahrnehmung vor Ort am Beispiel der Stadt Bautzen herausgearbeitet. Untersuchungsmaterial waren Berichte über das Unternehmen Hentschke Bau GmbH, den Geschäftsführer des Unternehmens Jörg Drews und über die Stadt Bautzen selbst. Dafür konnten sie das Pressearchiv von Hentschke Bau nutzen. Zusätzlich führten die beiden Forscher auch hier Gruppendiskussionen mit Mitarbeitenden des Unternehmens durch. Hierbei ergab sich eine Diskrepanz zwischen der Berichterstattung der Leitmedien über Bautzen, die Firma und Jörg Drews und den Schilderungen der Diskussionsteilnehmer. Dieser Unterschied zeigt sich auch im Interview von Meyen mit Jörg Drews, der erwähnt, dass sein Unternehmen durch falsche Darstellungen in den Medien zur Zielscheibe von Vandalismus wurde.</p>
<p>Die Forschungsfrage, ob die DDR ein Erbe für das Misstrauen vieler Ostdeutscher in den Journalismus ist, konnten Meyen und Friedrich unter anderem durch die Gruppendiskussionen, aber auch durch die Fallstudie mit nein beantworten. Zwar spielt die DDR in der Vergangenheit der Forschungsteilnehmer eine Rolle, Auslöser für die Medienskepsis sind aber bei allen Teilnehmern jeweils Momente gewesen, die weit nach dem Ende der DDR 1990 geschahen. Beispiele dafür waren die Coronapolitik, die Flüchtlingskrise, der Ukrainekrieg oder die Anschläge vom 11. September 2001. Den Autoren gelingt es, anschaulich zu zeigen, wie Menschen in Ostdeutschland das Vertrauen zu den Medien verloren haben. Sie schaffen so die Möglichkeit für ein Bewusstsein, wie Vertrauen möglicherweise von Medienschaffenden wieder zurückgewonnen werden kann. Gleichzeitig geben Meyen und Friedrich einen Einblick in die Lebenswelten von unterschiedlichen Menschen in Ostdeutschland und erzeugen damit ein persönliches Bild zum Thema Mediennutzung und Medienskepsis im Osten.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-medienskepsis-in-ostdeutschland/">Buchvorstellung: Medienskepsis in Ostdeutschland</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Buchvorstellung: „Wir sind anders! Wie die DDR Frauen bis heute prägt“</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-wir-sind-anders-wie-die-ddr-frauen-bis-heute-praegt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Mar 2026 06:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=8763</guid>

					<description><![CDATA[<p>Anlässlich des heutigen Internationalen Frauentages beschäftigt sich ostdeutschland.info mit einem Buch über Frauen in Ostdeutschland. Annette Schuhmann hat in „Wir sind anders!“ ostdeutsche Frauen porträtiert.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-8920" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/02/schuhmann_wir_sind_anders.jpg" alt="Cover Anette Schuhmann: Wir sind anders!" width="280" height="434"><br />
Annette Schuhmann: „Wir sind anders! Wie die DDR Frauen bis heute prägt“, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2025, 368 Seiten, 28 € (Hardcover mit Bildern).</p>
<p>Für ihr Buch hat Annette Schuhmann 13 Frauen mit ostdeutschem Hintergrund aus unterschiedlichen Generationen ausgewählt. Einige von ihnen [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-wir-sind-anders-wie-die-ddr-frauen-bis-heute-praegt/">Buchvorstellung: „Wir sind anders! Wie die DDR Frauen bis heute prägt“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Anlässlich des heutigen Internationalen Frauentages beschäftigt sich ostdeutschland.info mit einem Buch über Frauen in Ostdeutschland. Annette Schuhmann hat in „Wir sind anders!“ ostdeutsche Frauen porträtiert.</p>
<p><span id="more-8763"></span></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-8920" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/02/schuhmann_wir_sind_anders.jpg" alt="Cover Anette Schuhmann: Wir sind anders!" width="280" height="434"></p>
<p>Annette Schuhmann: „Wir sind anders! Wie die DDR Frauen bis heute prägt“, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2025, 368 Seiten, 28 € (Hardcover mit Bildern).</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Für ihr Buch hat Annette Schuhmann 13 Frauen mit ostdeutschem Hintergrund aus unterschiedlichen Generationen ausgewählt. Einige von ihnen haben die DDR bewusst erlebt, andere sind erst nach der Wende geboren. Im Gegensatz zu vielen Publikationen zur ostdeutschen Identität verfolgt Schuhmann jedoch nicht das Ziel, Identität als solche zu verhandeln. Stattdessen richtet sie den Blick auf weibliche Biografien und Lebenswege. Dabei war es ihr wichtig, die Zäsur von 1989 nicht als Endpunkt zu betrachten, sondern die Entwicklungen der Nachwendezeit bis in die Gegenwart miteinzubeziehen.</p>
<p>Ein Beispiel hierfür ist das Porträt der Nervenärztin und Psychoanalytikerin Irene Misselwitz (*1945). Schon seit ihrer Kindheit hegte sie den Wunsch, Medizin zu studieren, und verfolgte dieses Ziel konsequent. Sie spezialisierte sich auf Psychotherapie und Psychiatrie und arbeitete unter anderem in der Nervenklinik Jena. Dort beschäftigte sie sich intensiv mit wissenschaftlichen Zeitschriften aus dem Westen sowie mit Büchern über moderne Ansätze in der Psychiatrie. Als sie nach kurzer Zeit zur Stationsleiterin aufstieg, wollte sie diese Reformideen in die Praxis umsetzen. Während die jüngeren Kollegen begeistert reagierten, stieß sie bei den älteren auf Widerstand. Mit ihrer Schwangerschaft endeten viele der begonnenen Veränderungen abrupt und die angestoßenen Reformen wurden rasch rückgängig gemacht. Erschwerend kam hinzu, dass die Staatssicherheit jederzeit Zugriff auf Patientenakten hatte und somit direkten Einfluss auf ihre Arbeit nehmen konnte. Misselwitz entwickelte daher Methoden, um sich selbst und ihre Patienten zu schützen. Sie befand sich in einer widersprüchlichen Situation: Einerseits hatte sie eine leitende Position inne, andererseits stand sie unter ständiger staatlicher Überwachung.</p>
<p>Auch die Biografie von Ingrid Gärtner (*1936) zeigt, wie eng berufliche und private Kämpfe miteinander verwoben waren. In jungen Jahren stand sie weitgehend allein da. Ihr Mann saß zweimal im Gefängnis und beteiligte sich nicht an der Kindererziehung. Neben ihrer Vollzeitstelle blieb die Verantwortung für die Kinder an ihr hängen. Beim VEB Elektrokohle Lichtenberg erlebt sie eine von Alkohol geprägte Arbeitskultur und ein stark patriarchalisches Umfeld. Sämtliche Führungskräfte sind Männer. Sie und ihre Kolleginnen sehen sich derben Sprüchen, Übergriffen und Bedrängungen ausgesetzt. Der Wechsel an das Lehrerbildungsinstitut in Berlin-Hohenschönhausen bedeutet für sie zunächst einen Neuanfang. Mit dem Mauerfall im Jahr 1989 verbindet Gärtner große Hoffnungen. Gemeinsam mit einer Kollegin wird sie an das Pädagogische Zentrum in der Berliner Straße in Westberlin versetzt. Doch der erhoffte Aufbruch bleibt aus und wird von Ernüchterung begleitet. Trotz ihrer Ausbildung und langjährigen Berufserfahrung erhält sie lediglich ein Anfängergehalt, und ihre Zeugnisse müssen erst vom Senat anerkannt werden. Zudem wird ihr offene Ablehnung entgegengebracht – eine Westkollegin erklärt ihr unverblümt: „Wir wollen euch hier nicht, ihr kommt aus dem Osten und ihr stinkt. Außerdem bekommen wir jetzt keine Berlin-Zulage mehr.“ Hinzu kommen deutliche Unterschiede im Arbeitsverständnis: Während in Hohenschönhausen alle über das Aufgabenfeld der anderen informiert waren und bei Bedarf einsprangen, herrschte in Westberlin eine strikte Trennung der Zuständigkeiten. Auch ihre Entscheidung, trotz Kinder in Vollzeit zu arbeiten, stößt auf Unverständnis und sie wird als „Rabenmutter“ bezeichnet. So sieht sich Gärtner sowohl vor als auch nach 1989 mit dem Kampf um Anerkennung konfrontiert.</p>
<p>Eine analytische Einordnung liefert die Historikerin Anja Schröter (*1983), die unter anderem zum Scheidungsrecht in der DDR forscht. Im Gespräch mit Schuhmann erläutert sie die Unterschiede zwischen vollzeitbeschäftigten ostdeutschen Frauen und den wenigen, die etwa aufgrund der Pflege von Angehörigen nicht berufstätig waren. Mit der Übernahme des bundesdeutschen Scheidungsrechts verloren Letztere den Rentenanteil aus der DDR, für den sie lediglich einen symbolischen Beitrag entrichtet hatten. Da das System des Versorgungsausgleichs in der Bundesrepublik Deutschland auf dem Modell der „Hausfrauenehe“ beruhte, also auf einer Eheform, in der Frauen dem Mann den Rücken freihielten und im Scheidungsfall Rentenpunkte angerechnet bekamen, griff dieses System für viele DDR-Frauen nicht, weil es in der DDR nicht existierte. Die Frauen hatten darauf vertraut, durch ihre Einzahlungen abgesichert zu sein. Dieses Vertrauen erwies sich im Nachhinein als folgenschwerer Irrtum.</p>
<p>Eindrucksvoll ist auch die Geschichte der 1963 geborenen Designerin, Künstlerin und Hebamme Jeanne: Als Tochter einer DDR-Staatsbürgerin und eines Mannes aus Guinea wächst sie nach der frühen Trennung der Eltern allein bei ihrer Mutter auf. Diese sah sich nicht nur mit der Herausforderung der Alleinerziehung konfrontiert, sondern war auch massiven, rassistischen Anfeindungen ausgesetzt: Sie wurde bespuckt und beschimpft. Von der propagierten Völkerfreundschaft war im Alltag wenig zu spüren. Die ständigen Angriffe führten dazu, dass sich Jeannes Mutter zunehmend zurückzog und versuchte, sich und ihr Kind unsichtbar zu machen. Die psychische Belastung übertrug sich auf Jeanne. Mit neun Jahren versucht sie, aus dem Fenster zu springen, weil sie das Verdrängen der Erlebnisse nicht mehr aushält. Von frühester Kindheit an kämpft sie um Anerkennung und gegen Beleidigungen – bis heute. Im Rückblick beschreibt sie einen Unterschied zwischen der Zeit vor und nach 1989: Vorher hätten sich viele „zusammengerissen“, danach hätten viele „die Sau rausgelassen“.</p>
<p>Trotz unterschiedlicher Jahrgänge und Lebenswege lassen sich in den Interviews verbindende Linien erkennen. Keine der Frauen trauert der DDR nach, doch viele von ihnen berichten von biografischen Brüchen nach 1990 – von neuen Chancen ebenso wie von Verlusten und von veränderten Beziehungen zu Familie und Freunden. Auffällig ist zudem ein wiederkehrendes Motiv: Die Beziehung zwischen Ostdeutschen wird häufig als unkomplizierter und selbstverständlicher beschrieben als die zu Westdeutschen. Dies wird mit geteilten Erfahrungen begründet. Annette Schuhmann gelingt es, weibliche Perspektiven differenziert in die ostdeutsche Identitätsdebatte einzubringen, ohne sie auf das Schlagwort „Identität“ zu verengen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-wir-sind-anders-wie-die-ddr-frauen-bis-heute-praegt/">Buchvorstellung: „Wir sind anders! Wie die DDR Frauen bis heute prägt“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Buchvorstellung: „Es war einmal ein Land“ von Jana Hensel</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-es-war-einmal-ein-land-von-jana-hensel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Feb 2026 23:10:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=8788</guid>

					<description><![CDATA[<p>Heute ist Jana Hensels Buch „Es war einmal ein Land. Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet“ erschienen. Ein Warnruf im Grundton der Resignation und das in einem für Ostdeutschland entscheidenden Wahljahr.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8791 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/02/Hensel_Jana_Es_war_einmal_ein_land.jpg" alt="Cover Jana Hensel: Es war einmal ein Land" width="280" height="459">Jana Hensel: „Es war einmal ein Land. Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet“, Aufbau-Verlag, Berlin 2026, 263 Seiten, 22 € (Hardcover).</p>
<p>„Es war einmal ein Land“ folgt einer steilen These: Ostdeutschland [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-es-war-einmal-ein-land-von-jana-hensel/">Buchvorstellung: „Es war einmal ein Land“ von Jana Hensel</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Heute ist Jana Hensels Buch „Es war einmal ein Land. Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet“ erschienen. Ein Warnruf im Grundton der Resignation und das in einem für Ostdeutschland entscheidenden Wahljahr.</p>
<p><span id="more-8788"></span></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8791 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/02/Hensel_Jana_Es_war_einmal_ein_land.jpg" alt="Cover Jana Hensel: Es war einmal ein Land" width="280" height="459">Jana Hensel: „Es war einmal ein Land. Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet“, Aufbau-Verlag, Berlin 2026, 263 Seiten, 22 € (Hardcover).</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>„Es war einmal ein Land“ folgt einer steilen These: Ostdeutschland verabschiedet sich von der Demokratie. Diese Grundannahme steht zum Beispiel im Widerspruch zu den Ergebnissen der großen Autoritarismus-Studie. Dieser zufolge befürworteten zuletzt 95 Prozent der Ostdeutschen die Idee der Demokratie (Westdeutschland: 90 Prozent). Im Osten des Landes waren 2024 zwar nur noch 30 Prozent zufrieden damit, wie Demokratie hierzulande praktiziert wird – im Westen übrigens auch nur 46 Prozent. Allerdings besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen Idee und Umsetzung. Stichwort DDR.</p>
<p>Der Leser aber weiß natürlich, was gemeint ist: die AfD und ihre Wähler. Der vermeintlichen Alternative für Deutschland diagnostiziert die Autorin eine ausgeprägte Zerstörungslust in Bezug auf Parteien, Medien und andere demokratische Institutionen.</p>
<p>Dies sei ein Buch, das sie niemals habe schreiben wollen, erklärt Jana Hensel, geboren 1976 in Borna, aufgewachsen in Leipzig, Autorin der „Zonenkinder“ (2002) und seit vielen Jahren Journalistin bei Die Zeit. Die Demokratie habe den Ostdeutschen nicht das gebracht, was sie sich erhofft hätten. Der Osten drifte vom Westen weg. Er werde lauter, wütender, selbstbewusster, kompromissloser, unversöhnlicher. Und so ist sich die Autorin sicher: „Das Ende der Demokratie in Ostdeutschland wird kommen. Vielleicht ist es schon da. Wir sollten also vorbereitet sein.“</p>
<p>Um das Verhältnis von Ost und West zu beschreiben, nutzt Hensel das nicht neue Bild der enttäuschten Liebe: Der Osten sei mit vielen Schmetterlingen im Bauch eine Beziehung mit dem Westen eingegangen. Bald bemerkt er jedoch, dass der Westen die Liebe nicht mehr erwidert. Der Osten wird nicht für voll genommen, ignoriert, geghostet. Und so folgen Streit, Rückzug, Rebellion, Erschöpfung, Aufgabe.</p>
<p>Anhand von Wahrnehmungen und Reflexionen sowie Gesprächen, die sie geführt hat, beschreibt Hensel erst den Weg Ostdeutschlands nach links und dann dessen Hinwendung nach rechts. Den Wendepunkt markiert die sogenannte Flüchtlingskrise 2015.</p>
<p>Bei dieser Erzählung wird noch einmal deutlich, was für einen besonders tiefen Einschnitt die Hartz-IV-Gesetze für Ostdeutschland bedeutet haben. Damals war hier jeder Dritte im Niedriglohnsektor beschäftigt. Deshalb trafen diese Gesetze den Osten besonders hart. Viele wählten daraufhin PDS.</p>
<p>Hensel erinnert an die Rolle von Bundeskanzlerin Merkel und Bundespräsident Gauck, mit denen für viele im Westen die Ossiquote in der Politik voll erfüllt war. Angela Merkel sei allerdings erfolgreich gewesen, weil sie ihre ostdeutsche Prägung nicht in den Vordergrund rückte. In ihrem ersten Kabinett gab es keinen ostdeutschen Minister, im zweiten durfte Johanna Wanka nachrücken. Und der Rostocker Pfarrer Joachim Gauck habe sich als „Vorzeigedemokrat“ in einer Weise in Szene gesetzt, die ihn von den Ostdeutschen eher trennte.</p>
<p>2009 liegt die Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl im Osten nur noch bei 65 Prozent, 2013 bei 68 Prozent. Zum Vergleich: Im März 1990 gingen zur „ersten freien“ Wahl noch 93 Prozent an die Urne. Hensel erkennt hier stillen Protest – Resignation, die dann 2015 in Wut umschlägt. 2016 landet die AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern bei über 20 Prozent. 2017 zieht sie in den Bundestag ein – mit 22 Prozent im Osten. 2019 bekommt sie in Sachsen 27,5 Prozent und plötzlich – so Hensel – erzähle sich der Osten erstmals seine eigene Geschichte.</p>
<p>Auf die passive Phase des Rückzugs vieler Ostdeutscher folge mit dem Zustrom, den die AfD im Osten verzeichnet, eine aktive, wobei diese Partei eher zufällig zu dem werde, worauf sich nun so viele einigen. Schließlich sei sie von westdeutschen Eurokritikern gegründet worden. Wird die AfD heute gewählt, obwohl sie rechtsradikal ist, und weniger, weil sie es ist, fragt Hensel. In jedem Fall sei sie nun der Ort des Protests, den Ostdeutschland erst nach links getragen habe.</p>
<p>Hensel zeichnet die Karrieren von Tino Chrupalla und Frauke Petry nach. Beide sind wirtschaftlich im Osten gescheitert. Chrupalla bestätigt: „Jede Krise bringt der AfD mehr Wähler.“ Und ein Mitarbeiter aus dem AfD-Umfeld sagt ganz offen: „Die AfD treibt mit den Ostdeutschen ihr ideologisches Spiel und ein politisches Geschäft.“</p>
<p>Die Autorin zitiert Manuela Schwesig: „Wir bekommen im Osten jetzt die Quittung dafür, dass bisher jede Bundesregierung über viele Probleme und Antworten aus dem Osten hinweggegangen ist.“ Hensel fragt sich, ob im Spiegeljahr 2029 zu Ende gehen werde, was nach 40 Jahren DDR dann 40 Jahre gedauert habe. Das sind keine guten Aussichten, aber es ist absolut legitim, hier ohne Happy End zu schließen. Jana Hensels Buch ist erhellend. Eine Art letzter Warnruf. Aber es werden noch viele folgen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-es-war-einmal-ein-land-von-jana-hensel/">Buchvorstellung: „Es war einmal ein Land“ von Jana Hensel</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Buchvorstellung: „In der Nähe“ von Simon Strauß</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-in-der-naehe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Jan 2026 06:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=8647</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Gesellschaft lebt in einer Zeit der Entfremdung zwischen den politischen Lagern sowie zwischen Stadt und Land. In seinem Buch wirft Simon Strauß einen Blick auf die Sehnsucht der Ostdeutschen nach Nähe und sucht in einer ostdeutschen Kleinstadt nach Antworten.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-8650" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/01/Strauss_in_der_naehe_cover.jpg" alt width="280" height="459">Simon Strauß: „In der Nähe. Vom politischen Wert einer ostdeutschen Sehnsucht“, Tropen Verlag, Stuttgart 2025, 240 Seiten, 24 € (Hardcover).</p>
<p>Zur Einführung greift der Autor auf das Theaterstück „Unsere kleine Stadt“ des amerikanischen [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-in-der-naehe/">Buchvorstellung: „In der Nähe“ von Simon Strauß</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Gesellschaft lebt in einer Zeit der Entfremdung zwischen den politischen Lagern sowie zwischen Stadt und Land. In seinem Buch wirft Simon Strauß einen Blick auf die Sehnsucht der Ostdeutschen nach Nähe und sucht in einer ostdeutschen Kleinstadt nach Antworten.</p>
<p><span id="more-8647"></span></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-8650" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/01/Strauss_in_der_naehe_cover.jpg" alt width="280" height="459">Simon Strauß: „In der Nähe. Vom politischen Wert einer ostdeutschen Sehnsucht“, Tropen Verlag, Stuttgart 2025, 240 Seiten, 24 € (Hardcover).</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Zur Einführung greift der Autor auf das Theaterstück „Unsere kleine Stadt“ des amerikanischen Schriftstellers Thornton Wilder aus dem Jahr 1938 zurück. Strauß, der in Berlin und der Uckermark aufgewachsen ist, kam während seiner Schulzeit durch eine Theater-AG erstmals mit dem Stück in Berührung. Für ihn steht die Kleinstadt für einen Ort, an dem Menschen einander als Gegenüber begegnen, Konflikte austragen und Kompromisse finden. Hier lasse sich Demokratie unmittelbar erfahren. Mit dem Bild eines langen Tisches, an dem unterschiedliche Menschen Platz finden, begibt sich Strauß auf die Suche nach seiner Kleinstadt. Nach rund zwanzig Jahren hat er mit dem eineinhalb Autostunden von Berlin in Richtung Polen entfernt liegenden Prenzlau seine Stadt gefunden.</p>
<p>Strauß besucht Prenzlau über einen Zeitraum von zwei Jahren immer wieder und sucht das Gespräch mit unterschiedlichen Stadtbürgern. Im Zentrum seiner Recherchen steht die Frage, welche Kraft der gemeinsame Glaube an einen konkreten Ort entfalten kann und ob es so etwas wie einen geteilten Himmel noch gibt – oder inzwischen jeder allein nach den Sternen greift.</p>
<p>In seinen Gesprächen begegnet der Autor Menschen, die er in Anlehnung an die Definition des Althistorikers Christian Meier als „könnensbewusst“ beschreibt. Dieses Können-Bewusstsein steht laut Meier für einen Fortschrittsgedanken und die Vorstellung positiver Veränderung, wie sie bereits die alten Griechen prägten. Laut Strauß leben in Prenzlau viele solcher Menschen, die bleiben, Verantwortung übernehmen und so aus einer Stadt eine Gemeinschaft machen.</p>
<p>Ein Beispiel hierfür ist der Prenzlauer Geschichtslehrer und Politiker der Partei Die Linke, Jörg Dittberner. Er erinnert an Werte, die seiner Wahrnehmung nach in der DDR-Zeit galten, insbesondere an den sozialen Zusammenhalt. Er beschreibt eine Gesellschaft, in der die Menschen Dinge gemeinsam getan haben und nicht nebeneinanderher lebten, sowie Orte, die dieses Miteinander ermöglichten. Dazu zählen Hausgemeinschaften, in denen sich alle Bewohner kannten und vertrauten und denen man während des Urlaubs den Hausschlüssel anvertrauen konnte. Ein anderes Beispiel sind die Ost-Garagen, die auch als Treffpunkte der Geselligkeit dienten. Dieser „Ost-Wert“ taucht in vielen Gesprächen des Autors immer wieder auf und wirkt als verbindendes Element.</p>
<p>Gleichzeitig macht Strauß deutlich, dass Sehnsucht nach Nähe auch aus Angst vor dem Fremden entstehen kann. Er schildert eine Diskussion in Prenzlau über die Errichtung eines zweiten Flüchtlingsheims, gegen die eine Petition mit 15.700 Unterschriften eingereicht wurde. In diesem Zusammenhang erwähnt er den AfD-Politiker und Landtagsabgeordneten Felix Teichner, den er später persönlich treffen wird. Teichner, 1991 in Prenzlau geboren, verbindet Ost-Identität mit dem Gefühl von Freiheit, beispielsweise beim Mopedfahren ohne staatliche Kontrolle. Wie Dittberner betont auch er den Wert von Zusammenhalt und gesellschaftlichem Miteinander, die er als verloren empfindet. Gleichzeitig äußert er eine grundlegende Systemkritik und den Wunsch nach einer wieder überschaubaren Welt. Teichner berichtet von seinem zeitweiligen Aufenthalt in Hannover und beschreibt die dort empfundene Anonymität im Vergleich zur Vertrautheit und Gemeinschaft Prenzlaus.</p>
<p>Neben ihm stellt Strauß auch den Flüchtling Hamza Albeidiwi vor. Er wurde in Syrien geboren und floh aufgrund des Krieges über die Balkanroute nach Deutschland. 2021 kam er in das Flüchtlingsheim in Prenzlau. Er sieht die Möglichkeiten, die sich ihm in Deutschland bieten, als Chance, durch ehrenamtliche Arbeit Nähe aufzubauen. Wie Teichner und Dittberner sehnt auch er sich nach Verbundenheit – nach einer Nähe, die ihm durch den Krieg genommen wurde. Strauß beschreibt Albeidiwis Kampf darum, geduldet zu werden und sich als zukünftiger Bürger Prenzlaus fühlen zu können.</p>
<p>In einem weiteren Teil seines Buches spricht der Autor mit einer Kitaleiterin, die den gesellschaftlichen Wandel in Prenzlau beschreibt. Während in ihrer Einrichtung früher eine relative Homogenität mit wenigen unterschiedlichen Sprachen herrschte, werden heute 104 Kinder aus 18 Nationen betreut. Diese Vielfalt führt zu kulturellen Konflikten und erschwert die Eingewöhnung sowie den Aufbau von Nähe.</p>
<p>Strauß führt auch ein Gespräch mit den ehemaligen Arbeitern Ferdinand Strotkötter, Peter-Jörg Mahnke und Norbert Zart, die im Armaturenwerk Prenzlau (AWP) beschäftigt waren. Sie erzählen die Geschichte des Betriebs vor und nach der Wende, die zugleich ihre eigene ist. Sie berichten von der starken Verbundenheit innerhalb des Werks und davon, wie die das AWP nach der Wende wie ein geschlachtetes Tier in Einzelteile zerlegt und verschiedenen Käufern angeboten wurde.</p>
<p>Strotkötter, Mahnke und Zart kämpften darum, die Zukunft der Kältetechnik des Armaturenwerks zu sichern. Eindrücklich schildern sie den Versuch, innerhalb von vier Wochen über eine Bürgschaft der Sparkasse Uckermark kreditwürdig zu werden, sowie den anschließenden Druck der Treuhand, die ihnen einen Vertrag ohne Alternative nach dem Prinzip „Friss oder stirb“ vorlegte.</p>
<p>Auch Hendrik Sommer, der parteilose Bürgermeister von Prenzlau, kommt zu Wort. Er beschreibt eine ausgeprägte Unzufriedenheit in der Bevölkerung der Stadt. Diese entstehe weniger aus lokalen Missständen als aus der als fern und weltfremd empfundenen Politik der Berliner Regierung. Die moralisch abgehobene Haltung aus der Hauptstadt führe dazu, dass sich manche Bürger Agitatoren zuwenden.</p>
<p>Der Autor spricht mit Sophie Ludwig, der Pfarrerin der evangelischen St.-Marien-Kirche, über den Bedeutungsverlust der Volkskirche. Sie erzählt, dass die DDR-Vergangenheit Spuren hinterlassen habe, sodass der sonntägliche Gottesdienst für viele Prenzlauer keine zentrale Rolle mehr spiele. Dennoch würden zahlreiche Bürger eine tiefe Verbundenheit mit dem weithin sichtbaren Gotteshaus empfinden, das ein Wahrzeichen der Stadt ist.</p>
<p>In einem weiteren Kapitel nimmt Strauß die Leserschaft mit in Erzählungen über die letzten Kriegstage in Prenzlau. Er zeigt auf, wie in den Darstellungen der DDR-Zeit die Schuld der Roten Armee an der Zerstörung der Stadt ausgeblendet wurde, was eine Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte erschwerte. Der Autor berichtet von dem Schiffsbautechniker und Hobbyhistoriker Wilhelm Zimmermann, der bei einer Veranstaltung des Uckermärkischen Geschichtsvereins über die Zerstörungen durch die Rote Armee sprach. In diesem Zusammenhang thematisiert Strauß auch den Versuch der DDR-Führung, die Wunden der Vergangenheit mit hastig errichteten Plattenbauten sowie einem funktionalen Stadtzentrum mit Springbrunnen und Touristeninformation zu kaschieren.</p>
<p>An anderer Stelle seines Buches schildert der Autor ein Gespräch mit Matthias Platzeck, dem ehemaligen Ministerpräsidenten Brandenburgs, der in der Nähe von Prenzlau lebt und eng mit der Region verbunden ist. Platzeck beschreibt die Situation in Ostdeutschland nach der Wende. Rund drei Viertel der Ostdeutschen hätten zwischen 1989 und 1994 ihren Arbeitsplatz gewechselt. Der gleichzeitige Verlust von Arbeit, sozialen Strukturen und gewachsenen Gemeinschaften habe bei vielen ein Gefühl des Überdrusses ausgelöst. Arbeitsplätze, die Nähe und Miteinander ermöglichten, seien verschwunden, während soziale Kompetenzen plötzlich wertlos geworden seien. Dadurch sei ein Loch entstanden, aus dem manche Menschen nicht mehr herausgefunden hätten. Platzeck wünscht sich einen selbstbewussten „Oststolz”, der als Ausdruck von Nähe und Identität nach außen getragen wird.</p>
<p>In seinem Fazit formuliert Strauß einen Appell für Nähe als politische Grundkategorie. Politik sollte sich nicht an der Anzahl von Gesetzesvorlagen messen lassen, sondern am Grad des gesellschaftlichen Miteinanders. Demokratie könne gestärkt werden, wenn sie das Bedürfnis nach Nähe ernst nehme und es politisch umsetze.</p>
<p>Dem Autor ist ein persönliches und vielstimmiges Porträt der gesellschaftlichen Sehnsüchte in einer ostdeutschen Kleinstadt gelungen. In den sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten der von ihm interviewten Personen zeigt sich ein gemeinsamer Kern: die Sehnsucht nach Nähe, Verbundenheit und Gemeinschaft.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-in-der-naehe/">Buchvorstellung: „In der Nähe“ von Simon Strauß</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Buchvorstellung: Starkstromzeit. Eine kleine Geschichte der DDR</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/starkstromzeit-eine-kleine-geschichte-der-ddr/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Jan 2026 06:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=8581</guid>

					<description><![CDATA[<p>Es ist schon ein erstaunliches Phänomen, dass sich junge Ostdeutsche heute – 36 Jahre nach Maueröffnung – für die DDR und das interessieren, was aus Land und Leuten nach 1989 geworden ist. Das vorliegende Buch ist ein lesenswertes Beispiel dafür.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8629 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/01/Cover_Aron_Boks_Starkstromzeit.jpg" alt="Der 1997 in Wernigerode geborene Aron Boks erzählt in „Starkstromzeit“ vom „Leben in einem Staat, den es nicht mehr gibt. Abbildung: HarperCollins" width="280" height="458">Aron Boks: „Starkstromzeit. Vom Leben in einem Staat, den es nicht [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/starkstromzeit-eine-kleine-geschichte-der-ddr/">Buchvorstellung: Starkstromzeit. Eine kleine Geschichte der DDR</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist schon ein erstaunliches Phänomen, dass sich junge Ostdeutsche heute – 36 Jahre nach Maueröffnung – für die DDR und das interessieren, was aus Land und Leuten nach 1989 geworden ist. Das vorliegende Buch ist ein lesenswertes Beispiel dafür.</p>
<p><span id="more-8581"></span></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8629 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/01/Cover_Aron_Boks_Starkstromzeit.jpg" alt="Der 1997 in Wernigerode geborene Aron Boks erzählt in „Starkstromzeit“ vom „Leben in einem Staat, den es nicht mehr gibt. Abbildung: HarperCollins" width="280" height="458">Aron Boks: „Starkstromzeit. Vom Leben in einem Staat, den es nicht mehr gibt“, HarperCollins 2025, 192 Seiten, 22 €.</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Der 1997 in Wernigerode geborene Aron Boks erzählt in „Starkstromzeit“ vom „Leben in einem Staat, den es nicht mehr gibt“. Ausgangspunkt ist eine Leuchte, die sein Großvater 1988 nach dem Vorbild der Tizio von Artemide improvisiert hat. Mit diesem Nachbau der 1972 von Richard Sapper entworfenen Designikone schaffte er es 1989 sogar in die DDR-Zeitschrift „Kultur im Heim“. Der Erzähler begibt sich auf Spurensuche. Er möchte wissen, was generell aus den Leuchten geworden ist, die seine Großeltern als Selbstständige in der DDR in ihrer kleinen Firma „Bültemann Leuchtenbau &amp; Dekorationsglas“ hergestellt haben. Der Leser erhält durch diese Reise interessante Einblicke in den Alltag, die Wirtschaft, das Design und die Beleuchtung in der DDR.</p>
<p>Dies gelingt Aron Boks vor allem durch das Einbinden von Interviews, die er zur Recherche geführt hat. Etwa mit einem Mitarbeiter des VEB Neontechnik, einem der größten Hersteller von Lichtreklamen im sogenannten Ostblock, der einst unter anderem „Plaste und Elaste aus Schkopau“ sowie die Orwo-Werbung und das Logo der Leipziger Messe erleuchten ließ. Oder mit dem Chefdesigner des VEB Metalldrücker, dem führenden Leuchtenhersteller der DDR und Europas größtem Exporteur für Wohnraumleuchten aus Leichtmetall, von dem im Übrigen ab 1974 fast alle Metallhängeleuchten bei Ikea stammten. Beide Volkseigenen Betriebe waren in Halle (Saale) ansässig, dem „Lichtschalter der DDR“.</p>
<p>Besucht wird auch das Ehepaar Höhne: Günter Höhne war Chefredakteur der DDR-Designzeitschrift form+zweck, Claudia Höhne wissenschaftliche Mitarbeiterin bei diesem Medium. Heute sind sie zusammen als <a href="http://www.industrieform-ddr.de/" target="_blank" rel="noopener">Kuratoren für DDR-Design</a> unterwegs. Boks erfährt von ihnen unter anderem, dass DDR-Designer in DDR-Texten gewöhnlich nicht genannt wurden, weil hier immer das Kollektiv im Mittelpunkt zu stehen hatte. Thematisiert wird auch das in der DDR weit verbreitete „Superfest“-Glas. Entsprechende Trinkgläser waren sehr leicht und dünn und zerbrachen nicht einmal nach einem Sturz aus zwei Metern Höhe.</p>
<p>Ernst wird es im Gespräch mit Ralf Steeg. Er musste 1978 im Alter von 16 Jahren als politischer Häftling im Jugendgefängnis Halle unter schwersten Bedingungen Hängeleuchten des VEB Metalldrücker zusammensetzen. Das Modell wurde bei Ikea unter dem Namen Svit verkauft. Später, vom Westen freigekauft, setzte er eine Debatte über Zwangsarbeit in der DDR in Gang, die zu Produkten führte, welche im Westen verkauft wurden. Auch bei Quelle, Neckermann, Kaufhof. Generell hätten etwa 6.000 BRD-Unternehmen in der DDR produzieren lassen.</p>
<p>Die Psychologin Annette Simon, Tochter von Christa Wolf, betont die große Bedeutung des Vereinigungsprozesses für die heutige ostdeutsche Identität. Und die Ostfluencerin Olivia Schneider (*1996) alias <a href="https://www.instagram.com/tumvlt" target="_blank" rel="noopener">@tumvlt</a> erklärt, dass sie mit ihren Beiträgen über DDR-Produkte und die DDR-Küche dazu anregen möchte, sich mit dem Osten zu beschäftigen. Das könne sogar Spaß machen.</p>
<p>„Unsere Eltern haben die ganze Zeit in den Westen geschaut, und wir schauen die ganze Zeit in die DDR.“, schreibt Boks dann gegen Ende des Buches. So verallgemeinert dürfte das nicht stimmen. Der Satz liefert aber einen wichtigen Gedanken. In den letzten Jahren hat sich in Ostdeutschland die Identifikation mit dieser Region der Regionen bemerkenswert verstärkt, insbesondere in den Generationen X, Y und Z. Während die einen Goslarer, Niedersachsen, Deutsche geblieben sind, sehen sich die anderen als Gothaer, Thüringer, Ostdeutsche, Deutsche. Fernab von Ostalgie tritt nach anfänglicher Ostscham nun ein Oststolz zutage, anders zu sein, es schwerer zu haben, es mitunter trotzdem zu schaffen. Mit dieser Identifikation einher geht ein breiteres Interesse an der eigenen, spezifischen Vergangenheit, das so wichtig ist für das Verstehen der Gegenwart und das Gestalten der Zukunft. Heute sind es die Kinder der DDR-Boomer, die zu diesem Verstehen beitragen wollen. Sie haben die DDR oft gar nicht mehr erlebt und sind doch ostdeutsch geprägt. Vielleicht verfügen sie über die nötige Distanz, Muße und Kraft, das Thema neu aufzurollen. In jedem Fall scheinen sie die Notwendigkeit zu erkennen. Offenbar klafft hier auch eine Informationslücke.</p>
<p>Aron Boks, der sich mit „Nackt in der DDR“ 2023 schon seinem Urgroßonkel Willi Sitte widmete, einem der bedeutendsten, aber auch umstrittensten Maler der DDR („Lieber vom Leben gezeichnet, als von Sitte gemalt.“), gehört zu denen, die aus Interesse für Aufklärung in Bezug auf Ostdeutschland sorgen. „Starkstromzeit“ ist eine kurzweilige und aufschlussreiche Geschichte der DDR, die im Hintergrund seiner eigenen Familiengeschichte erzählt wird. Sehr erhellend.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/starkstromzeit-eine-kleine-geschichte-der-ddr/">Buchvorstellung: Starkstromzeit. Eine kleine Geschichte der DDR</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Extremwetterlage Ostdeutschland: Vier Stimmen auf Spurensuche</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/extremwetterlage-ostdeutschland-vier-stimmen-auf-spurensuche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Dec 2025 07:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=8251</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wie konnte sich die AfD in Ostdeutschland so stark festsetzen und die Stimmung in der Region beeinflussen? Antworten darauf geben Alexander Leistner, Manja Präkels, Tina Pruschmann und Barbara Thériault in ihrem Buch „Extremwetterlagen – Reportagen aus einem neuen Deutschland“.</p>
<p>Bereits im Jahr 2023, also ein Jahr vor dem Superwahljahr 2024 mit Landtagswahlen in den ostdeutschen Bundesländern Thüringen, Sachsen und Brandenburg, entwickelten der Soziologe Alexander Leistner und die Schriftstellerin, Musikerin und Journalistin Manja Präkels die Idee für ein außergewöhnliches literarisch-soziologisches Projekt. Die [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/extremwetterlage-ostdeutschland-vier-stimmen-auf-spurensuche/">Extremwetterlage Ostdeutschland: Vier Stimmen auf Spurensuche</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie konnte sich die AfD in Ostdeutschland so stark festsetzen und die Stimmung in der Region beeinflussen? Antworten darauf geben Alexander Leistner, Manja Präkels, Tina Pruschmann und Barbara Thériault in ihrem Buch „Extremwetterlagen – Reportagen aus einem neuen Deutschland“.</p>
<p><span id="more-8251"></span></p>
<p>Bereits im Jahr 2023, also ein Jahr vor dem Superwahljahr 2024 mit Landtagswahlen in den ostdeutschen Bundesländern Thüringen, Sachsen und Brandenburg, entwickelten der Soziologe Alexander Leistner und die Schriftstellerin, Musikerin und Journalistin Manja Präkels die Idee für ein außergewöhnliches literarisch-soziologisches Projekt. Die politische Wende war damals bereits spürbar, denn die AfD war vielerorts die stärkste politische Kraft. Ziel des Projekts war es, vor und nach den Wahlen anhand von Gesprächen, Alltagsbeobachtungen und eingefangenen Stimmungen ein vielschichtiges Bild von Orten und Regionen in den drei Bundesländern zu zeichnen.</p>
<p>Für das Projekt „Überlandschreiberinnen – Ways across the country“ gewannen Leistner und Präkels die Autorin Tina Pruschmann und die kanadische Soziologin Barbara Thériault. Das Quartett näherte sich der Frage aus vier unterschiedlichen Perspektiven.</p>
<p>Manja Präkels, die in Nordbrandenburg geboren und aufgewachsen ist und vier Jahre lang als Lokalreporterin für die Märkische Allgemeine im Landkreis Oberhavel gearbeitet hat, plante, gesellschaftliche Initiativen und Konfliktzonen ihres Bundeslandes aufzusuchen. Ihre Reise führte sie unter anderem nach Jüterbog, wo der damalige parteilose Bürgermeister Arne Onni Raue, inzwischen AfD-Politiker, die Stadt tief spaltete. Die evangelische Kirche bezog öffentlich Stellung gegen ihn. In Rheinsberg erlebte Präkels, wie die Mehrheit der Bürger es vorzog, zu Hause zu bleiben, statt sich für den Erhalt des Kurt-Tucholsky-Literaturmuseums einzusetzen und politischen Druck auf Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow auszuüben. Auch Südbrandenburg bereiste sie, eine Region, die von gigantischen Braunkohletagebauen und jahrzehntelangen Kämpfen gegen erstarkende rechtsextreme Strukturen gezeichnet ist.</p>
<p>Tina Pruschmann erkundete Sachsen mit dem Fahrrad. Die in Leipzig lebende Autorin besuchte den Frankenberger Stadtteil Sachsenburg. Dort stießen Menschen, die an das ehemalige Konzentrationslager erinnern wollen, auf Ignoranz und Geschichtsverdrängung. Eine weitere Station war Groitzsch südlich von Leipzig, wo die Bewohner des Stadtteils Pödelwitz gegen die geplante Umsiedlung durch die Mitteldeutsche Braunkohlegesellschaft MIBRAG und gegen ihre eigene Stadt kämpfen. Pruschmann begegnete auch Minh Duc Pham, der im erzgebirgischen Bad Schlema geboren wurde und erst während seines Studiums in Berlin begriff, was Rassismus bedeutet.</p>
<p>Barbara Thériault ging einen anderen Weg: Sie nahm eine Stelle als Lokaljournalistin bei einer thüringischen Zeitung an. Sie berichtete über eine verwahrloste Plattenbausiedlung, in der die letzten 23 Bewohner zusammenhalten. Es sind Menschen, die einst gleichzeitig Familien gründeten, hart arbeiteten und bis 2040 gültige DDR-Mietverträge besitzen. In einer anderen Stadt, die seit 1988 rund 19.000 Einwohner verloren hat, trifft Thériault in einer Kneipe die 72-jährige Marianne. Sie schwärmt von der DDR und erinnert an Freundschaft, Lebensfreude und Gemeinschaft.</p>
<p>Alexander Leistner reiste zu Entwicklungen, deren Wurzeln vor 1989 liegen. Er besuchte einen alten Schulfreund und sprach mit ihm über eine Nacht im Oktober 1999: stundenlange Polizeikontrollen von mehr als 50 Punks und der Mord am 17-jährigen Malerlehrling Patrick Thürmer durch Türsteher aus dem Umfeld des HooNaRa-Gründers Thomas Haller. Eine Tat, die in der Region kaum Empörung auslöste.</p>
<p>Im Wahlsommer 2024 fuhr Leistner nach Greiz, wo Björn Höcke für die AfD kandidierte. Zusammen mit einem Fotografen versuchte er, die Stimmung im Wahlkreis einzufangen. Er besuchte ein Sommerfest der AfD sowie ein gleichzeitig organisiertes Demokratiefest eines lokalen Bündnisses als Protest gegen Höcke. Besonders bleibt eine Szene in Erinnerung: Als Aktivisten den Inhaber eines Handwerksbetriebs fragen, ob er sich dem Protest anschließen wolle, lehnt dieser aus Angst vor der Reaktion seiner Mitarbeitenden ab.</p>
<p>Die vier in diesem Buch vereinten Reportagen zeichnen ein vielschichtiges Bild der politischen und gesellschaftlichen Extremwetterlage im Osten Deutschlands: Es geht um Menschen, die schweigen, wegschauen oder resignieren, aber auch um solche, die Haltung zeigen, kämpfen und ihre Werte gegen einen immer stärker werdenden rechten Wind verteidigen.</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8410 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/12/Leistner_ea_Extremwetterlagen_.jpg" alt="In ihrem Buch „Extremwetterlagen” untersuchen Alexander Leistner und drei Mitstreiterinnen die Stimmungslage in Ostdeutschland im Jahr 2024." width="280" height="406">Alexander Leistner, Manja Präkels, Tina Pruschmann, Barbara Thériault (Hg.): „Extremwetterlagen – Reportagen aus einem neuen Deutschland“, Verbrecher Verlag, Berlin 2025, 206 Seiten, 20 € (Broschur mit Fotos).</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/extremwetterlage-ostdeutschland-vier-stimmen-auf-spurensuche/">Extremwetterlage Ostdeutschland: Vier Stimmen auf Spurensuche</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
