<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Sachbuch Archive - ostdeutschland.info</title>
	<atom:link href="https://ostdeutschland.info/category/literatur/sachbuch/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://ostdeutschland.info/category/literatur/sachbuch/</link>
	<description>Impulse für den Osten</description>
	<lastBuildDate>Wed, 15 Apr 2026 14:32:14 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/02/cropped-Ost_Button_ffe500-32x32.png</url>
	<title>Sachbuch Archive - ostdeutschland.info</title>
	<link>https://ostdeutschland.info/category/literatur/sachbuch/</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Buchvorstellung: „Dessau 1925“</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-frank-kreissler-dessau-1925/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Apr 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9092</guid>

					<description><![CDATA[<p>Im Frühjahr 1925 wurde Dessau zu einem Zentrum der modernen Kunst in Deutschland. Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums hat Stadtarchivar Frank Kreißler die Leserschaft mit ins Jahr genommen, in dem das Bauhaus nach Dessau kam.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft wp-image-8295" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/11/Frank-Kreisler-Dessau-cover.jpg" alt="Das Cover von Frank Kreisler: Dessau 1925" width="280" height="394"><br />
Frank Kreißler: „Dessau 1925. Das Jahr, in dem das Bauhaus kam“, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2025, 432 Seiten, 28 €, (Hardcover mit Bildern).</p>
<p>Kreißlers Buch basiert auf Meldungen, Berichten, Rezensionen und Anzeigen aus [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-frank-kreissler-dessau-1925/">Buchvorstellung: „Dessau 1925“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Frühjahr 1925 wurde Dessau zu einem Zentrum der modernen Kunst in Deutschland. Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums hat Stadtarchivar Frank Kreißler die Leserschaft mit ins Jahr genommen, in dem das Bauhaus nach Dessau kam.</p>
<p><span id="more-9092"></span></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img decoding="async" class="alignleft wp-image-8295" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/11/Frank-Kreisler-Dessau-cover.jpg" alt="Das Cover von Frank Kreisler: Dessau 1925" width="280" height="394"></p>
<p>Frank Kreißler: „Dessau 1925. Das Jahr, in dem das Bauhaus kam“, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2025, 432 Seiten, 28 €, (Hardcover mit Bildern).</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Kreißlers Buch basiert auf Meldungen, Berichten, Rezensionen und Anzeigen aus den Dessauer Tageszeitungen „Anhalter Anzeiger“ (bürgerlich), „Volksblatt für Anhalt“ (SPD-Organ) und „Anhalter Woche“ (rechtsbürgerlich). Neben dem Bauhaus-Umzug werden darin auch wirtschaftliche, kulturelle und politische Entwicklungen dokumentiert, wodurch ein lebendiges Bild des Alltags in Dessau entsteht. Die Chronik zeigt eine Stadt im Spannungsfeld der 1920er-Jahre: Einerseits ist sie geprägt von Wirtschaftsaufschwung, Fortschrittsglauben und Moderne, andererseits von traditionellen Lebensweisen sowie zunehmend scharf geführten politischen und ideologischen Konflikten.</p>
<p>Dessau, 24. Januar 1925: Bürgermeister Fritz Hesse erfährt aus dem „Berliner Tagblatt“ vom drohenden Bauhaus-Ende in Weimar. Führende Persönlichkeiten wie der Bauhaus-Direktor Walter Gropius und Bauhaus-Unterstützer wie Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky und Paul Klee hatten die Auflösung der Kunstschule mit Ablauf ihres Vertrages zum 1. April 1925 erklärt. Auslöser war ein Konflikt mit der rechtsgerichteten Thüringischen Landesregierung. Hesse erkannte darin eine Chance für Dessau. Bereits am nächsten Tag spricht Generalmusikdirektor Franz von Hoeßlin den Bürgermeister auf den Artikel an, woraufhin Hesse ihm gegenüber die Idee eines Umzugs ins Spiel bringt. Gespräche mit dem Landeskonservator Ludwig Grote und dessen Reise nach Weimar bestärken Hesse in seinem Vorhaben, das er im Magistrat vorantreibt. Mitte Februar besuchen Wassily Kandinsky und seine Frau Nina Dessau und gewinnen einen positiven Eindruck von der Stadt.</p>
<p>Im März entwickelt sich der Umzug zur politischen Entscheidungsfrage. Zu Monatsbeginn regt Hesse eine Besichtigungsreise nach Weimar an, die vom Gemeinderat die Zustimmung erhält. Eine breit aufgestellte Delegation reist in die thüringische Stadt und kehrt mit positiven Eindrücken zurück. Der Umzug wird auch durch die Medien öffentlich publik und damit verschärft sich die öffentliche Debatte, in der die politischen Fronten deutlich hervortreten. Während linke Kräfte das Bauhaus als Symbol der Moderne begrüßen, lehnen viele bürgerliche Akteure es entschieden ab. Das Bauhaus wird von einigen bürgerlichen Kräften als „undeutsch“ diffamiert, Gropius’ architektonischer Stil als radikal und fremd kritisiert sowie dem Bauhaus insgesamt eine sozialistische Einflussnahme auf Kunst und Gesellschaft vorgeworfen. Diese Auseinandersetzungen gehen über kulturpolitische Fragen hinaus und spiegeln die tieferliegenden ideologischen Spannungen der Zeit wider. Es sind Konflikte, die sich in den folgenden Jahren im gesamten Deutschen Reich zuspitzen und schließlich 1933 in der Machtergreifung der Nationalsozialisten gipfeln. Trotz dieser Spannungen stimmt der Gemeinderat am 23. März 1926 mit 26 zu 15 Stimmen für den Bauhaus-Umzug nach Dessau und den Bau eines neuen Schulgebäudes.</p>
<p>Mit dem 1. April beginnt die praktische Umsetzung des Umzugs. Gropius und seine Mitarbeiter beziehen ihre Büros, Künstler wie Kandinsky, Klee und Oskar Schlemmer richten ihre Ateliers ein. Doch die politischen Auseinandersetzungen halten an. Am 22. Juni bewilligt der Finanzausschuss 690.000 Mark für die Bauprojekte, während bürgerliche Politiker insbesondere über die „Anhalter Woche“ weiterhin scharfe bis polemische Kritik am Bauhaus üben. Vom 28. September an starten schließlich die Bauarbeiten für das von Gropius entworfene Gebäude. Die öffentliche Kritik nimmt zunächst weiter zu, sodass der Magistrat am 11. Oktober im „Anhalter Anzeiger“ die Ziele des Bauhauses erläutert: Es soll als Lehr- und Versuchsinstitut die moderne Gestaltung des gesamten Wohnens vorantreiben – vom einfachen Wohngerät bis zum fertigen Wohnhaus. Erst Anfang November entspannt sich die Lage etwas. Am 5. November stimmen schließlich auch die meisten bürgerlichen Parteien, unter anderem auch die Deutschnationale Volkspartei (DNVP), den Baumaßnahmen zu. Sie sehen die bisherige Blockadehaltung gegen das Bauhaus als nicht zielführend an. Lediglich die als Kritik gegenüber dem Bauhaus gegründete Vereinigung „Hausbesitzer“ lehnt das Projekt weiterhin ab. Mit der Entscheidung der bürgerlichen Parteien beruhigt sich auch die Berichterstattung der „Anhalter Woche“, die von nun an moderater über das Bauhaus berichtet. Der Jahresrückblick des „Anhalter Anzeigers“ hebt bei seiner Rückschau die Diskussion um den Bauhaus-Umzug mit Pro- und Kontraargumenten sowie den Ablauf des Umzugs hervor. Daneben betont das Blatt die wirtschaftlichen Entwicklungen Dessaus, insbesondere bei den Flugzeugwerken, den sogenannten „Junkerswerken“, der Dessauer Unternehmen Junkers Motorenbau GmbH und Junkers Flugzeugwerk AG.</p>
<p>Frank Kreißler vermittelt durch die in seiner Jubiläumschronik ausgewählten Meldungen ein detailliertes Bild von Dessau in einer Zeit des Umbruchs. Die kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Spannungen jener Zeit werden durch die Kombination von Meldungen und Fotos greifbar. So lernt der Leser eine Stadt kennen, die durch das Bauhaus in den folgenden Jahren internationale Bedeutung erlangte.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-frank-kreissler-dessau-1925/">Buchvorstellung: „Dessau 1925“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Buchvorstellung: Medienskepsis in Ostdeutschland</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-medienskepsis-in-ostdeutschland/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Apr 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9084</guid>

					<description><![CDATA[<p>In den letzten Jahren hat in Ostdeutschland das Misstrauen gegenüber dem Journalismus zugenommen. In ihrem Buch „Medienskepsis in Ostdeutschland“ tauchen Michael Meyen und Lukas Friedrich in ostdeutsche Lebenswelten ein und beschäftigen sich mit der Frage, wie viel DDR in der Unzufriedenheit mit den Leitmedien steckt.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img decoding="async" class="alignleft wp-image-8924" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/02/Meyen_Friedrich_Medienskepsis_in_Ostdeutschland_2025.jpg" alt="Das Buchcover zum Buch Medienskepsis in Ostdeutschland" width="280" height="420"><br />
Michael Meyen, Lukas Friedrich: „Medienskepsis in Ostdeutschland: Warum das Misstrauen in den Journalismus kein Erbe der DDR ist. Mit einer Fallstudie aus [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-medienskepsis-in-ostdeutschland/">Buchvorstellung: Medienskepsis in Ostdeutschland</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In den letzten Jahren hat in Ostdeutschland das Misstrauen gegenüber dem Journalismus zugenommen. In ihrem Buch „Medienskepsis in Ostdeutschland“ tauchen Michael Meyen und Lukas Friedrich in ostdeutsche Lebenswelten ein und beschäftigen sich mit der Frage, wie viel DDR in der Unzufriedenheit mit den Leitmedien steckt.</p>
<p><span id="more-9084"></span></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-8924" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/02/Meyen_Friedrich_Medienskepsis_in_Ostdeutschland_2025.jpg" alt="Das Buchcover zum Buch Medienskepsis in Ostdeutschland" width="280" height="420"></p>
<p>Michael Meyen, Lukas Friedrich: „Medienskepsis in Ostdeutschland: Warum das Misstrauen in den Journalismus kein Erbe der DDR ist. Mit einer Fallstudie aus Bautzen“, Herbert von Halem Verlag, Köln 2025, 205 Seiten, 28 € (Taschenbuch).</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Als Untersuchungsmaterial für ihre Studie dienten den Wissenschaftlern eine Analyse mit neun Gruppendiskussionen, durchgeführt 2023 und 2024, eine Fallstudie zum Zusammenspiel von Medienrealität und Medienbewertung im Raum Bautzen, Gespräche mit dem Medienmacher Wilhelm Domke-Schulz sowie mit dem Bautzener Unternehmer und Geschäftsführer der Hentschke Bau GmbH Jörg Drews. Zudem wurden Literatur und verschiedene Untersuchungen zur Medienbewertung in der BRD und DDR in die Forschung mit einbezogen. Die zentrale Frage der Forscher lautete: Wie viel DDR steckt in der Unzufriedenheit mit den Leitmedien?</p>
<p>Durch Michael Meyens öffentliche Kritik am Corona-Journalismus hatten die beiden Autoren nach eigenen Angaben einen einfacheren Zugang zu Menschen, die keine Leitmedien konsumieren, und zur Wählerschaft von AfD und BSW. So entstand den Autoren zufolge auch ein Gleichgewicht, da die Studien der beiden Forscher durch das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung unterstützt wurden. Parallel dazu fand eine Forschung von Leipziger Kollegen mit Unterstützung eines Ministeriums in Dresden statt. Meyen und Friedrich profitierten davon, dass ihre Kollegen ihre Arbeit früher veröffentlichten, und konnten so auf deren Daten zurückgreifen.</p>
<p>Die Analyse der beiden Forscher mit Gruppendiskussionen knüpft an frühere qualitative Forschungen Meyens aus den Jahren 2000 bis 2002 an. In seiner damaligen Studie wurden Leitfadeninterviews mit Ostdeutschen geführt und mithilfe eines Kategoriensystems ausgewertet, das sowohl geschlossene Aspekte wie Soziodemografie, soziale Einbindung und Medienzugang als auch offene Dimensionen wie Erwartungen an Medien oder Einstellungen zur Medienpolitik berücksichtigte. Auf dieser Grundlage entwickelte Meyen verschiedene Mediennutzertypen, die zeigten, dass es keine einheitliche Medienerfahrung in der DDR gab. Wahrnehmung und Nutzung unterschieden sich deutlich; Westmedien dienten häufig als Vergleich, ohne dass ihnen vollständig vertraut wurde. Diese Ergebnisse bilden den Ausgangspunkt für die weiterführende Untersuchung.</p>
<p>Für die Gruppendiskussionen wählten Meyen und Friedrich insgesamt 43 Teilnehmer aus Coburg, Hildburghausen, Halle (Saale) und Bautzen aus. Die Auswahl orientierte sich methodisch an der früheren Studie und folgte einem System aus geschlossenen und offenen Kategorien wie Geschlecht, Alter, Lebenssituation, Brüchen durch Orts- oder Partnerwechsel und dem DDR-Bild der Teilnehmer. Ziel war es, aktuelle Formen der Mediennutzung und Medienskepsis zu erfassen und typologisch zu ordnen. Aus den Diskussionen wurden vier zentrale Mediennutzertypen herausgearbeitet.</p>
<p>Der erste Typ, der „Flüchtling“, zeichnet sich durch eine weitgehende Abkehr vom klassischen Journalismus aus. Medien werden nur noch selektiv genutzt, häufig mit Fokus auf alternativen Onlinequellen. Dies wird am Beispiel von Torben (*1973, Betriebswirt aus Freiberg) deutlich. Für Torben bedeutet Medienskepsis, dass man einem Artikel oder Beitrag nicht blind glaubt, sondern ihn mit anderen Medien vergleicht. Ihn stört, dass Medien das Gesagte von Politikern übernehmen, anstatt selbst zu recherchieren oder kritisch nachzufragen, was er als eigentliche Aufgabe des Journalismus versteht. Er gibt an, hauptsächlich Internetmedien zu konsumieren, darunter N-TV, „Tichys Einblick“, „Nachdenkseiten“ sowie Inhalte von Alexander Wallasch. Als prägendes Ereignis nennt er die Flüchtlingskrise 2015 und die mediale Berichterstattung darüber. Seit diesem Zeitpunkt greife er wieder stärker auf ein kritisches Denken zurück, das er bereits aus DDR-Zeiten kenne. Er fordert mehr unabhängigen Journalismus und eine ausgewogenere Berichterstattung.</p>
<p>Der zweite Typ, der „Skeptiker“, ähnelt dem „Flüchtling“, unterscheidet sich jedoch dadurch, dass Leitmedien weiterhin ein fester Bestandteil der Mediennutzung sind. Diese werden jedoch konsequent hinterfragt und mit anderen Quellen abgeglichen. Ein Beispiel ist Johann (*1993, Student der Orientwissenschaft aus Halle). Für ihn bedeutet Medienskepsis ein ständiges Hinterfragen medialer Narrative. Er nutzt Nachrichtenangebote wie MDR1 und Radio Sachsen-Anhalt sowie Printmedien wie „Spiegel“, „FAZ“ oder „Die Welt“. Zusätzlich folgt er auf Telegram Personen wie Henning Rosenbusch oder Markus Haintz. Alternative Medien begann er ab 2016/2017 verstärkt zu nutzen, da er insbesondere bei Themen wie Feminismus und Gender Zweifel an der Darstellung in Leitmedien entwickelte. Für ihn werden Grenzen überschritten, wenn nur die Interessen einer Seite dargestellt werden, „Lügenmärchen“ verbreitet oder Sprache gezielt zur Manipulation eingesetzt wird. Seit der Coronapandemie nutzt er verstärkt auch Telegram. Als prägendes Ereignis nennt er unter anderem die Berichterstattung zum Sturm auf das Reichstagsgebäude, den er nicht geglaubt hat und den er als demokratiegefährdend einstuft.</p>
<p>Der dritte Typ, der „Verweigerer“, misst Medien insgesamt eine geringe Bedeutung bei. Sowohl Leit- als auch Alternativmedien werden nur unterdurchschnittlich genutzt. Dies zeigt sich am Beispiel von Malte (*1977, Straßenbauer aus Bautzen). Er kritisiert eine aus seiner Sicht fehlende Informationsvielfalt und hat bewusst versucht, seinen Medienkonsum zu reduzieren. Zeitungen liest er gar nicht, und auch Radio schaltet er häufig aus. Er begründet dies damit, dass viele Inhalte verzerrt oder nur teilweise wahr dargestellt würden. Nach eigener Aussage habe er noch „einen Rest DDR“ mitbekommen, was bei ihm Spuren hinterlassen habe, auch wenn ihm dies lange nicht bewusst gewesen sei. Erst ab etwa 2012 habe er verstärkt wahrgenommen, dass Medien aus seiner Sicht gleichgeschaltet berichten. Dies sei der Zeitpunkt gewesen, an dem er begonnen habe, seine Haltung zu überdenken und kritischer zu werden. Zudem äußert er Verständnis für direktdemokratische Elemente wie Volksbefragungen, die er als Möglichkeit sieht, politische Entscheidungen stärker am Willen der Bevölkerung auszurichten.</p>
<p>Der vierte Typ, der „Gläubige“, orientiert sich überwiegend an etablierten Leitmedien. Kritik wird zwar geäußert, führt jedoch nicht zu einem grundlegenden Misstrauen gegenüber dem Mediensystem. Dies wird am Beispiel von Antje (*1969, Sonderschullehrerin aus Coburg) deutlich. Auf die Frage nach Medienskepsis antwortet sie, dass dies vor allem „die anderen“ betreffe, etwa Menschen, die auf Demonstrationen „Lügenpresse“ rufen. Sie selbst informiert sich täglich über die „Tagesschau“ und gelegentlich zusätzlich über die „Tagesthemen“. Gleichzeitig berichtet sie von ihren Eltern im Kreis Hildburghausen und beschreibt, dass dort viele Menschen kostenlose Wochenblätter mit aus ihrer Sicht stark einseitigen und politisch rechtsgerichteten Inhalten lesen und diese als Hauptinformationsquelle nutzen. Obwohl sie einzelnen Berichterstattungen – etwa zum Krieg in Gaza – eine gewisse Einseitigkeit zuschreibt, bleibt ihr grundsätzliches Vertrauen in die Leitmedien bestehen.</p>
<p>In der Fallstudie „Die Erfindung von Brown Under“ haben Meyen und Friedrich den Widerspruch zwischen Leitmedien und der Wahrnehmung vor Ort am Beispiel der Stadt Bautzen herausgearbeitet. Untersuchungsmaterial waren Berichte über das Unternehmen Hentschke Bau GmbH, den Geschäftsführer des Unternehmens Jörg Drews und über die Stadt Bautzen selbst. Dafür konnten sie das Pressearchiv von Hentschke Bau nutzen. Zusätzlich führten die beiden Forscher auch hier Gruppendiskussionen mit Mitarbeitenden des Unternehmens durch. Hierbei ergab sich eine Diskrepanz zwischen der Berichterstattung der Leitmedien über Bautzen, die Firma und Jörg Drews und den Schilderungen der Diskussionsteilnehmer. Dieser Unterschied zeigt sich auch im Interview von Meyen mit Jörg Drews, der erwähnt, dass sein Unternehmen durch falsche Darstellungen in den Medien zur Zielscheibe von Vandalismus wurde.</p>
<p>Die Forschungsfrage, ob die DDR ein Erbe für das Misstrauen vieler Ostdeutscher in den Journalismus ist, konnten Meyen und Friedrich unter anderem durch die Gruppendiskussionen, aber auch durch die Fallstudie mit nein beantworten. Zwar spielt die DDR in der Vergangenheit der Forschungsteilnehmer eine Rolle, Auslöser für die Medienskepsis sind aber bei allen Teilnehmern jeweils Momente gewesen, die weit nach dem Ende der DDR 1990 geschahen. Beispiele dafür waren die Coronapolitik, die Flüchtlingskrise, der Ukrainekrieg oder die Anschläge vom 11. September 2001. Den Autoren gelingt es, anschaulich zu zeigen, wie Menschen in Ostdeutschland das Vertrauen zu den Medien verloren haben. Sie schaffen so die Möglichkeit für ein Bewusstsein, wie Vertrauen möglicherweise von Medienschaffenden wieder zurückgewonnen werden kann. Gleichzeitig geben Meyen und Friedrich einen Einblick in die Lebenswelten von unterschiedlichen Menschen in Ostdeutschland und erzeugen damit ein persönliches Bild zum Thema Mediennutzung und Medienskepsis im Osten.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-medienskepsis-in-ostdeutschland/">Buchvorstellung: Medienskepsis in Ostdeutschland</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Buchvorstellung: „Wir sind anders! Wie die DDR Frauen bis heute prägt“</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-wir-sind-anders-wie-die-ddr-frauen-bis-heute-praegt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Mar 2026 06:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=8763</guid>

					<description><![CDATA[<p>Anlässlich des heutigen Internationalen Frauentages beschäftigt sich ostdeutschland.info mit einem Buch über Frauen in Ostdeutschland. Annette Schuhmann hat in „Wir sind anders!“ ostdeutsche Frauen porträtiert.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-8920" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/02/schuhmann_wir_sind_anders.jpg" alt="Cover Anette Schuhmann: Wir sind anders!" width="280" height="434"><br />
Annette Schuhmann: „Wir sind anders! Wie die DDR Frauen bis heute prägt“, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2025, 368 Seiten, 28 € (Hardcover mit Bildern).</p>
<p>Für ihr Buch hat Annette Schuhmann 13 Frauen mit ostdeutschem Hintergrund aus unterschiedlichen Generationen ausgewählt. Einige von ihnen [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-wir-sind-anders-wie-die-ddr-frauen-bis-heute-praegt/">Buchvorstellung: „Wir sind anders! Wie die DDR Frauen bis heute prägt“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Anlässlich des heutigen Internationalen Frauentages beschäftigt sich ostdeutschland.info mit einem Buch über Frauen in Ostdeutschland. Annette Schuhmann hat in „Wir sind anders!“ ostdeutsche Frauen porträtiert.</p>
<p><span id="more-8763"></span></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-8920" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/02/schuhmann_wir_sind_anders.jpg" alt="Cover Anette Schuhmann: Wir sind anders!" width="280" height="434"></p>
<p>Annette Schuhmann: „Wir sind anders! Wie die DDR Frauen bis heute prägt“, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2025, 368 Seiten, 28 € (Hardcover mit Bildern).</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Für ihr Buch hat Annette Schuhmann 13 Frauen mit ostdeutschem Hintergrund aus unterschiedlichen Generationen ausgewählt. Einige von ihnen haben die DDR bewusst erlebt, andere sind erst nach der Wende geboren. Im Gegensatz zu vielen Publikationen zur ostdeutschen Identität verfolgt Schuhmann jedoch nicht das Ziel, Identität als solche zu verhandeln. Stattdessen richtet sie den Blick auf weibliche Biografien und Lebenswege. Dabei war es ihr wichtig, die Zäsur von 1989 nicht als Endpunkt zu betrachten, sondern die Entwicklungen der Nachwendezeit bis in die Gegenwart miteinzubeziehen.</p>
<p>Ein Beispiel hierfür ist das Porträt der Nervenärztin und Psychoanalytikerin Irene Misselwitz (*1945). Schon seit ihrer Kindheit hegte sie den Wunsch, Medizin zu studieren, und verfolgte dieses Ziel konsequent. Sie spezialisierte sich auf Psychotherapie und Psychiatrie und arbeitete unter anderem in der Nervenklinik Jena. Dort beschäftigte sie sich intensiv mit wissenschaftlichen Zeitschriften aus dem Westen sowie mit Büchern über moderne Ansätze in der Psychiatrie. Als sie nach kurzer Zeit zur Stationsleiterin aufstieg, wollte sie diese Reformideen in die Praxis umsetzen. Während die jüngeren Kollegen begeistert reagierten, stieß sie bei den älteren auf Widerstand. Mit ihrer Schwangerschaft endeten viele der begonnenen Veränderungen abrupt und die angestoßenen Reformen wurden rasch rückgängig gemacht. Erschwerend kam hinzu, dass die Staatssicherheit jederzeit Zugriff auf Patientenakten hatte und somit direkten Einfluss auf ihre Arbeit nehmen konnte. Misselwitz entwickelte daher Methoden, um sich selbst und ihre Patienten zu schützen. Sie befand sich in einer widersprüchlichen Situation: Einerseits hatte sie eine leitende Position inne, andererseits stand sie unter ständiger staatlicher Überwachung.</p>
<p>Auch die Biografie von Ingrid Gärtner (*1936) zeigt, wie eng berufliche und private Kämpfe miteinander verwoben waren. In jungen Jahren stand sie weitgehend allein da. Ihr Mann saß zweimal im Gefängnis und beteiligte sich nicht an der Kindererziehung. Neben ihrer Vollzeitstelle blieb die Verantwortung für die Kinder an ihr hängen. Beim VEB Elektrokohle Lichtenberg erlebt sie eine von Alkohol geprägte Arbeitskultur und ein stark patriarchalisches Umfeld. Sämtliche Führungskräfte sind Männer. Sie und ihre Kolleginnen sehen sich derben Sprüchen, Übergriffen und Bedrängungen ausgesetzt. Der Wechsel an das Lehrerbildungsinstitut in Berlin-Hohenschönhausen bedeutet für sie zunächst einen Neuanfang. Mit dem Mauerfall im Jahr 1989 verbindet Gärtner große Hoffnungen. Gemeinsam mit einer Kollegin wird sie an das Pädagogische Zentrum in der Berliner Straße in Westberlin versetzt. Doch der erhoffte Aufbruch bleibt aus und wird von Ernüchterung begleitet. Trotz ihrer Ausbildung und langjährigen Berufserfahrung erhält sie lediglich ein Anfängergehalt, und ihre Zeugnisse müssen erst vom Senat anerkannt werden. Zudem wird ihr offene Ablehnung entgegengebracht – eine Westkollegin erklärt ihr unverblümt: „Wir wollen euch hier nicht, ihr kommt aus dem Osten und ihr stinkt. Außerdem bekommen wir jetzt keine Berlin-Zulage mehr.“ Hinzu kommen deutliche Unterschiede im Arbeitsverständnis: Während in Hohenschönhausen alle über das Aufgabenfeld der anderen informiert waren und bei Bedarf einsprangen, herrschte in Westberlin eine strikte Trennung der Zuständigkeiten. Auch ihre Entscheidung, trotz Kinder in Vollzeit zu arbeiten, stößt auf Unverständnis und sie wird als „Rabenmutter“ bezeichnet. So sieht sich Gärtner sowohl vor als auch nach 1989 mit dem Kampf um Anerkennung konfrontiert.</p>
<p>Eine analytische Einordnung liefert die Historikerin Anja Schröter (*1983), die unter anderem zum Scheidungsrecht in der DDR forscht. Im Gespräch mit Schuhmann erläutert sie die Unterschiede zwischen vollzeitbeschäftigten ostdeutschen Frauen und den wenigen, die etwa aufgrund der Pflege von Angehörigen nicht berufstätig waren. Mit der Übernahme des bundesdeutschen Scheidungsrechts verloren Letztere den Rentenanteil aus der DDR, für den sie lediglich einen symbolischen Beitrag entrichtet hatten. Da das System des Versorgungsausgleichs in der Bundesrepublik Deutschland auf dem Modell der „Hausfrauenehe“ beruhte, also auf einer Eheform, in der Frauen dem Mann den Rücken freihielten und im Scheidungsfall Rentenpunkte angerechnet bekamen, griff dieses System für viele DDR-Frauen nicht, weil es in der DDR nicht existierte. Die Frauen hatten darauf vertraut, durch ihre Einzahlungen abgesichert zu sein. Dieses Vertrauen erwies sich im Nachhinein als folgenschwerer Irrtum.</p>
<p>Eindrucksvoll ist auch die Geschichte der 1963 geborenen Designerin, Künstlerin und Hebamme Jeanne: Als Tochter einer DDR-Staatsbürgerin und eines Mannes aus Guinea wächst sie nach der frühen Trennung der Eltern allein bei ihrer Mutter auf. Diese sah sich nicht nur mit der Herausforderung der Alleinerziehung konfrontiert, sondern war auch massiven, rassistischen Anfeindungen ausgesetzt: Sie wurde bespuckt und beschimpft. Von der propagierten Völkerfreundschaft war im Alltag wenig zu spüren. Die ständigen Angriffe führten dazu, dass sich Jeannes Mutter zunehmend zurückzog und versuchte, sich und ihr Kind unsichtbar zu machen. Die psychische Belastung übertrug sich auf Jeanne. Mit neun Jahren versucht sie, aus dem Fenster zu springen, weil sie das Verdrängen der Erlebnisse nicht mehr aushält. Von frühester Kindheit an kämpft sie um Anerkennung und gegen Beleidigungen – bis heute. Im Rückblick beschreibt sie einen Unterschied zwischen der Zeit vor und nach 1989: Vorher hätten sich viele „zusammengerissen“, danach hätten viele „die Sau rausgelassen“.</p>
<p>Trotz unterschiedlicher Jahrgänge und Lebenswege lassen sich in den Interviews verbindende Linien erkennen. Keine der Frauen trauert der DDR nach, doch viele von ihnen berichten von biografischen Brüchen nach 1990 – von neuen Chancen ebenso wie von Verlusten und von veränderten Beziehungen zu Familie und Freunden. Auffällig ist zudem ein wiederkehrendes Motiv: Die Beziehung zwischen Ostdeutschen wird häufig als unkomplizierter und selbstverständlicher beschrieben als die zu Westdeutschen. Dies wird mit geteilten Erfahrungen begründet. Annette Schuhmann gelingt es, weibliche Perspektiven differenziert in die ostdeutsche Identitätsdebatte einzubringen, ohne sie auf das Schlagwort „Identität“ zu verengen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-wir-sind-anders-wie-die-ddr-frauen-bis-heute-praegt/">Buchvorstellung: „Wir sind anders! Wie die DDR Frauen bis heute prägt“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Buchvorstellung: „Es war einmal ein Land“ von Jana Hensel</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-es-war-einmal-ein-land-von-jana-hensel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Feb 2026 23:10:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=8788</guid>

					<description><![CDATA[<p>Heute ist Jana Hensels Buch „Es war einmal ein Land. Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet“ erschienen. Ein Warnruf im Grundton der Resignation und das in einem für Ostdeutschland entscheidenden Wahljahr.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8791 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/02/Hensel_Jana_Es_war_einmal_ein_land.jpg" alt="Cover Jana Hensel: Es war einmal ein Land" width="280" height="459">Jana Hensel: „Es war einmal ein Land. Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet“, Aufbau-Verlag, Berlin 2026, 263 Seiten, 22 € (Hardcover).</p>
<p>„Es war einmal ein Land“ folgt einer steilen These: Ostdeutschland [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-es-war-einmal-ein-land-von-jana-hensel/">Buchvorstellung: „Es war einmal ein Land“ von Jana Hensel</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Heute ist Jana Hensels Buch „Es war einmal ein Land. Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet“ erschienen. Ein Warnruf im Grundton der Resignation und das in einem für Ostdeutschland entscheidenden Wahljahr.</p>
<p><span id="more-8788"></span></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8791 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/02/Hensel_Jana_Es_war_einmal_ein_land.jpg" alt="Cover Jana Hensel: Es war einmal ein Land" width="280" height="459">Jana Hensel: „Es war einmal ein Land. Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet“, Aufbau-Verlag, Berlin 2026, 263 Seiten, 22 € (Hardcover).</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>„Es war einmal ein Land“ folgt einer steilen These: Ostdeutschland verabschiedet sich von der Demokratie. Diese Grundannahme steht zum Beispiel im Widerspruch zu den Ergebnissen der großen Autoritarismus-Studie. Dieser zufolge befürworteten zuletzt 95 Prozent der Ostdeutschen die Idee der Demokratie (Westdeutschland: 90 Prozent). Im Osten des Landes waren 2024 zwar nur noch 30 Prozent zufrieden damit, wie Demokratie hierzulande praktiziert wird – im Westen übrigens auch nur 46 Prozent. Allerdings besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen Idee und Umsetzung. Stichwort DDR.</p>
<p>Der Leser aber weiß natürlich, was gemeint ist: die AfD und ihre Wähler. Der vermeintlichen Alternative für Deutschland diagnostiziert die Autorin eine ausgeprägte Zerstörungslust in Bezug auf Parteien, Medien und andere demokratische Institutionen.</p>
<p>Dies sei ein Buch, das sie niemals habe schreiben wollen, erklärt Jana Hensel, geboren 1976 in Borna, aufgewachsen in Leipzig, Autorin der „Zonenkinder“ (2002) und seit vielen Jahren Journalistin bei Die Zeit. Die Demokratie habe den Ostdeutschen nicht das gebracht, was sie sich erhofft hätten. Der Osten drifte vom Westen weg. Er werde lauter, wütender, selbstbewusster, kompromissloser, unversöhnlicher. Und so ist sich die Autorin sicher: „Das Ende der Demokratie in Ostdeutschland wird kommen. Vielleicht ist es schon da. Wir sollten also vorbereitet sein.“</p>
<p>Um das Verhältnis von Ost und West zu beschreiben, nutzt Hensel das nicht neue Bild der enttäuschten Liebe: Der Osten sei mit vielen Schmetterlingen im Bauch eine Beziehung mit dem Westen eingegangen. Bald bemerkt er jedoch, dass der Westen die Liebe nicht mehr erwidert. Der Osten wird nicht für voll genommen, ignoriert, geghostet. Und so folgen Streit, Rückzug, Rebellion, Erschöpfung, Aufgabe.</p>
<p>Anhand von Wahrnehmungen und Reflexionen sowie Gesprächen, die sie geführt hat, beschreibt Hensel erst den Weg Ostdeutschlands nach links und dann dessen Hinwendung nach rechts. Den Wendepunkt markiert die sogenannte Flüchtlingskrise 2015.</p>
<p>Bei dieser Erzählung wird noch einmal deutlich, was für einen besonders tiefen Einschnitt die Hartz-IV-Gesetze für Ostdeutschland bedeutet haben. Damals war hier jeder Dritte im Niedriglohnsektor beschäftigt. Deshalb trafen diese Gesetze den Osten besonders hart. Viele wählten daraufhin PDS.</p>
<p>Hensel erinnert an die Rolle von Bundeskanzlerin Merkel und Bundespräsident Gauck, mit denen für viele im Westen die Ossiquote in der Politik voll erfüllt war. Angela Merkel sei allerdings erfolgreich gewesen, weil sie ihre ostdeutsche Prägung nicht in den Vordergrund rückte. In ihrem ersten Kabinett gab es keinen ostdeutschen Minister, im zweiten durfte Johanna Wanka nachrücken. Und der Rostocker Pfarrer Joachim Gauck habe sich als „Vorzeigedemokrat“ in einer Weise in Szene gesetzt, die ihn von den Ostdeutschen eher trennte.</p>
<p>2009 liegt die Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl im Osten nur noch bei 65 Prozent, 2013 bei 68 Prozent. Zum Vergleich: Im März 1990 gingen zur „ersten freien“ Wahl noch 93 Prozent an die Urne. Hensel erkennt hier stillen Protest – Resignation, die dann 2015 in Wut umschlägt. 2016 landet die AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern bei über 20 Prozent. 2017 zieht sie in den Bundestag ein – mit 22 Prozent im Osten. 2019 bekommt sie in Sachsen 27,5 Prozent und plötzlich – so Hensel – erzähle sich der Osten erstmals seine eigene Geschichte.</p>
<p>Auf die passive Phase des Rückzugs vieler Ostdeutscher folge mit dem Zustrom, den die AfD im Osten verzeichnet, eine aktive, wobei diese Partei eher zufällig zu dem werde, worauf sich nun so viele einigen. Schließlich sei sie von westdeutschen Eurokritikern gegründet worden. Wird die AfD heute gewählt, obwohl sie rechtsradikal ist, und weniger, weil sie es ist, fragt Hensel. In jedem Fall sei sie nun der Ort des Protests, den Ostdeutschland erst nach links getragen habe.</p>
<p>Hensel zeichnet die Karrieren von Tino Chrupalla und Frauke Petry nach. Beide sind wirtschaftlich im Osten gescheitert. Chrupalla bestätigt: „Jede Krise bringt der AfD mehr Wähler.“ Und ein Mitarbeiter aus dem AfD-Umfeld sagt ganz offen: „Die AfD treibt mit den Ostdeutschen ihr ideologisches Spiel und ein politisches Geschäft.“</p>
<p>Die Autorin zitiert Manuela Schwesig: „Wir bekommen im Osten jetzt die Quittung dafür, dass bisher jede Bundesregierung über viele Probleme und Antworten aus dem Osten hinweggegangen ist.“ Hensel fragt sich, ob im Spiegeljahr 2029 zu Ende gehen werde, was nach 40 Jahren DDR dann 40 Jahre gedauert habe. Das sind keine guten Aussichten, aber es ist absolut legitim, hier ohne Happy End zu schließen. Jana Hensels Buch ist erhellend. Eine Art letzter Warnruf. Aber es werden noch viele folgen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-es-war-einmal-ein-land-von-jana-hensel/">Buchvorstellung: „Es war einmal ein Land“ von Jana Hensel</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Buchvorstellung: „In der Nähe“ von Simon Strauß</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-in-der-naehe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Jan 2026 06:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=8647</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Gesellschaft lebt in einer Zeit der Entfremdung zwischen den politischen Lagern sowie zwischen Stadt und Land. In seinem Buch wirft Simon Strauß einen Blick auf die Sehnsucht der Ostdeutschen nach Nähe und sucht in einer ostdeutschen Kleinstadt nach Antworten.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-8650" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/01/Strauss_in_der_naehe_cover.jpg" alt width="280" height="459">Simon Strauß: „In der Nähe. Vom politischen Wert einer ostdeutschen Sehnsucht“, Tropen Verlag, Stuttgart 2025, 240 Seiten, 24 € (Hardcover).</p>
<p>Zur Einführung greift der Autor auf das Theaterstück „Unsere kleine Stadt“ des amerikanischen [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-in-der-naehe/">Buchvorstellung: „In der Nähe“ von Simon Strauß</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Gesellschaft lebt in einer Zeit der Entfremdung zwischen den politischen Lagern sowie zwischen Stadt und Land. In seinem Buch wirft Simon Strauß einen Blick auf die Sehnsucht der Ostdeutschen nach Nähe und sucht in einer ostdeutschen Kleinstadt nach Antworten.</p>
<p><span id="more-8647"></span></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-8650" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/01/Strauss_in_der_naehe_cover.jpg" alt width="280" height="459">Simon Strauß: „In der Nähe. Vom politischen Wert einer ostdeutschen Sehnsucht“, Tropen Verlag, Stuttgart 2025, 240 Seiten, 24 € (Hardcover).</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Zur Einführung greift der Autor auf das Theaterstück „Unsere kleine Stadt“ des amerikanischen Schriftstellers Thornton Wilder aus dem Jahr 1938 zurück. Strauß, der in Berlin und der Uckermark aufgewachsen ist, kam während seiner Schulzeit durch eine Theater-AG erstmals mit dem Stück in Berührung. Für ihn steht die Kleinstadt für einen Ort, an dem Menschen einander als Gegenüber begegnen, Konflikte austragen und Kompromisse finden. Hier lasse sich Demokratie unmittelbar erfahren. Mit dem Bild eines langen Tisches, an dem unterschiedliche Menschen Platz finden, begibt sich Strauß auf die Suche nach seiner Kleinstadt. Nach rund zwanzig Jahren hat er mit dem eineinhalb Autostunden von Berlin in Richtung Polen entfernt liegenden Prenzlau seine Stadt gefunden.</p>
<p>Strauß besucht Prenzlau über einen Zeitraum von zwei Jahren immer wieder und sucht das Gespräch mit unterschiedlichen Stadtbürgern. Im Zentrum seiner Recherchen steht die Frage, welche Kraft der gemeinsame Glaube an einen konkreten Ort entfalten kann und ob es so etwas wie einen geteilten Himmel noch gibt – oder inzwischen jeder allein nach den Sternen greift.</p>
<p>In seinen Gesprächen begegnet der Autor Menschen, die er in Anlehnung an die Definition des Althistorikers Christian Meier als „könnensbewusst“ beschreibt. Dieses Können-Bewusstsein steht laut Meier für einen Fortschrittsgedanken und die Vorstellung positiver Veränderung, wie sie bereits die alten Griechen prägten. Laut Strauß leben in Prenzlau viele solcher Menschen, die bleiben, Verantwortung übernehmen und so aus einer Stadt eine Gemeinschaft machen.</p>
<p>Ein Beispiel hierfür ist der Prenzlauer Geschichtslehrer und Politiker der Partei Die Linke, Jörg Dittberner. Er erinnert an Werte, die seiner Wahrnehmung nach in der DDR-Zeit galten, insbesondere an den sozialen Zusammenhalt. Er beschreibt eine Gesellschaft, in der die Menschen Dinge gemeinsam getan haben und nicht nebeneinanderher lebten, sowie Orte, die dieses Miteinander ermöglichten. Dazu zählen Hausgemeinschaften, in denen sich alle Bewohner kannten und vertrauten und denen man während des Urlaubs den Hausschlüssel anvertrauen konnte. Ein anderes Beispiel sind die Ost-Garagen, die auch als Treffpunkte der Geselligkeit dienten. Dieser „Ost-Wert“ taucht in vielen Gesprächen des Autors immer wieder auf und wirkt als verbindendes Element.</p>
<p>Gleichzeitig macht Strauß deutlich, dass Sehnsucht nach Nähe auch aus Angst vor dem Fremden entstehen kann. Er schildert eine Diskussion in Prenzlau über die Errichtung eines zweiten Flüchtlingsheims, gegen die eine Petition mit 15.700 Unterschriften eingereicht wurde. In diesem Zusammenhang erwähnt er den AfD-Politiker und Landtagsabgeordneten Felix Teichner, den er später persönlich treffen wird. Teichner, 1991 in Prenzlau geboren, verbindet Ost-Identität mit dem Gefühl von Freiheit, beispielsweise beim Mopedfahren ohne staatliche Kontrolle. Wie Dittberner betont auch er den Wert von Zusammenhalt und gesellschaftlichem Miteinander, die er als verloren empfindet. Gleichzeitig äußert er eine grundlegende Systemkritik und den Wunsch nach einer wieder überschaubaren Welt. Teichner berichtet von seinem zeitweiligen Aufenthalt in Hannover und beschreibt die dort empfundene Anonymität im Vergleich zur Vertrautheit und Gemeinschaft Prenzlaus.</p>
<p>Neben ihm stellt Strauß auch den Flüchtling Hamza Albeidiwi vor. Er wurde in Syrien geboren und floh aufgrund des Krieges über die Balkanroute nach Deutschland. 2021 kam er in das Flüchtlingsheim in Prenzlau. Er sieht die Möglichkeiten, die sich ihm in Deutschland bieten, als Chance, durch ehrenamtliche Arbeit Nähe aufzubauen. Wie Teichner und Dittberner sehnt auch er sich nach Verbundenheit – nach einer Nähe, die ihm durch den Krieg genommen wurde. Strauß beschreibt Albeidiwis Kampf darum, geduldet zu werden und sich als zukünftiger Bürger Prenzlaus fühlen zu können.</p>
<p>In einem weiteren Teil seines Buches spricht der Autor mit einer Kitaleiterin, die den gesellschaftlichen Wandel in Prenzlau beschreibt. Während in ihrer Einrichtung früher eine relative Homogenität mit wenigen unterschiedlichen Sprachen herrschte, werden heute 104 Kinder aus 18 Nationen betreut. Diese Vielfalt führt zu kulturellen Konflikten und erschwert die Eingewöhnung sowie den Aufbau von Nähe.</p>
<p>Strauß führt auch ein Gespräch mit den ehemaligen Arbeitern Ferdinand Strotkötter, Peter-Jörg Mahnke und Norbert Zart, die im Armaturenwerk Prenzlau (AWP) beschäftigt waren. Sie erzählen die Geschichte des Betriebs vor und nach der Wende, die zugleich ihre eigene ist. Sie berichten von der starken Verbundenheit innerhalb des Werks und davon, wie die das AWP nach der Wende wie ein geschlachtetes Tier in Einzelteile zerlegt und verschiedenen Käufern angeboten wurde.</p>
<p>Strotkötter, Mahnke und Zart kämpften darum, die Zukunft der Kältetechnik des Armaturenwerks zu sichern. Eindrücklich schildern sie den Versuch, innerhalb von vier Wochen über eine Bürgschaft der Sparkasse Uckermark kreditwürdig zu werden, sowie den anschließenden Druck der Treuhand, die ihnen einen Vertrag ohne Alternative nach dem Prinzip „Friss oder stirb“ vorlegte.</p>
<p>Auch Hendrik Sommer, der parteilose Bürgermeister von Prenzlau, kommt zu Wort. Er beschreibt eine ausgeprägte Unzufriedenheit in der Bevölkerung der Stadt. Diese entstehe weniger aus lokalen Missständen als aus der als fern und weltfremd empfundenen Politik der Berliner Regierung. Die moralisch abgehobene Haltung aus der Hauptstadt führe dazu, dass sich manche Bürger Agitatoren zuwenden.</p>
<p>Der Autor spricht mit Sophie Ludwig, der Pfarrerin der evangelischen St.-Marien-Kirche, über den Bedeutungsverlust der Volkskirche. Sie erzählt, dass die DDR-Vergangenheit Spuren hinterlassen habe, sodass der sonntägliche Gottesdienst für viele Prenzlauer keine zentrale Rolle mehr spiele. Dennoch würden zahlreiche Bürger eine tiefe Verbundenheit mit dem weithin sichtbaren Gotteshaus empfinden, das ein Wahrzeichen der Stadt ist.</p>
<p>In einem weiteren Kapitel nimmt Strauß die Leserschaft mit in Erzählungen über die letzten Kriegstage in Prenzlau. Er zeigt auf, wie in den Darstellungen der DDR-Zeit die Schuld der Roten Armee an der Zerstörung der Stadt ausgeblendet wurde, was eine Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte erschwerte. Der Autor berichtet von dem Schiffsbautechniker und Hobbyhistoriker Wilhelm Zimmermann, der bei einer Veranstaltung des Uckermärkischen Geschichtsvereins über die Zerstörungen durch die Rote Armee sprach. In diesem Zusammenhang thematisiert Strauß auch den Versuch der DDR-Führung, die Wunden der Vergangenheit mit hastig errichteten Plattenbauten sowie einem funktionalen Stadtzentrum mit Springbrunnen und Touristeninformation zu kaschieren.</p>
<p>An anderer Stelle seines Buches schildert der Autor ein Gespräch mit Matthias Platzeck, dem ehemaligen Ministerpräsidenten Brandenburgs, der in der Nähe von Prenzlau lebt und eng mit der Region verbunden ist. Platzeck beschreibt die Situation in Ostdeutschland nach der Wende. Rund drei Viertel der Ostdeutschen hätten zwischen 1989 und 1994 ihren Arbeitsplatz gewechselt. Der gleichzeitige Verlust von Arbeit, sozialen Strukturen und gewachsenen Gemeinschaften habe bei vielen ein Gefühl des Überdrusses ausgelöst. Arbeitsplätze, die Nähe und Miteinander ermöglichten, seien verschwunden, während soziale Kompetenzen plötzlich wertlos geworden seien. Dadurch sei ein Loch entstanden, aus dem manche Menschen nicht mehr herausgefunden hätten. Platzeck wünscht sich einen selbstbewussten „Oststolz”, der als Ausdruck von Nähe und Identität nach außen getragen wird.</p>
<p>In seinem Fazit formuliert Strauß einen Appell für Nähe als politische Grundkategorie. Politik sollte sich nicht an der Anzahl von Gesetzesvorlagen messen lassen, sondern am Grad des gesellschaftlichen Miteinanders. Demokratie könne gestärkt werden, wenn sie das Bedürfnis nach Nähe ernst nehme und es politisch umsetze.</p>
<p>Dem Autor ist ein persönliches und vielstimmiges Porträt der gesellschaftlichen Sehnsüchte in einer ostdeutschen Kleinstadt gelungen. In den sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten der von ihm interviewten Personen zeigt sich ein gemeinsamer Kern: die Sehnsucht nach Nähe, Verbundenheit und Gemeinschaft.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-in-der-naehe/">Buchvorstellung: „In der Nähe“ von Simon Strauß</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Buchvorstellung: Starkstromzeit. Eine kleine Geschichte der DDR</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/starkstromzeit-eine-kleine-geschichte-der-ddr/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Jan 2026 06:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=8581</guid>

					<description><![CDATA[<p>Es ist schon ein erstaunliches Phänomen, dass sich junge Ostdeutsche heute – 36 Jahre nach Maueröffnung – für die DDR und das interessieren, was aus Land und Leuten nach 1989 geworden ist. Das vorliegende Buch ist ein lesenswertes Beispiel dafür.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8629 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/01/Cover_Aron_Boks_Starkstromzeit.jpg" alt="Der 1997 in Wernigerode geborene Aron Boks erzählt in „Starkstromzeit“ vom „Leben in einem Staat, den es nicht mehr gibt. Abbildung: HarperCollins" width="280" height="458">Aron Boks: „Starkstromzeit. Vom Leben in einem Staat, den es nicht [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/starkstromzeit-eine-kleine-geschichte-der-ddr/">Buchvorstellung: Starkstromzeit. Eine kleine Geschichte der DDR</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist schon ein erstaunliches Phänomen, dass sich junge Ostdeutsche heute – 36 Jahre nach Maueröffnung – für die DDR und das interessieren, was aus Land und Leuten nach 1989 geworden ist. Das vorliegende Buch ist ein lesenswertes Beispiel dafür.</p>
<p><span id="more-8581"></span></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8629 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/01/Cover_Aron_Boks_Starkstromzeit.jpg" alt="Der 1997 in Wernigerode geborene Aron Boks erzählt in „Starkstromzeit“ vom „Leben in einem Staat, den es nicht mehr gibt. Abbildung: HarperCollins" width="280" height="458">Aron Boks: „Starkstromzeit. Vom Leben in einem Staat, den es nicht mehr gibt“, HarperCollins 2025, 192 Seiten, 22 €.</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Der 1997 in Wernigerode geborene Aron Boks erzählt in „Starkstromzeit“ vom „Leben in einem Staat, den es nicht mehr gibt“. Ausgangspunkt ist eine Leuchte, die sein Großvater 1988 nach dem Vorbild der Tizio von Artemide improvisiert hat. Mit diesem Nachbau der 1972 von Richard Sapper entworfenen Designikone schaffte er es 1989 sogar in die DDR-Zeitschrift „Kultur im Heim“. Der Erzähler begibt sich auf Spurensuche. Er möchte wissen, was generell aus den Leuchten geworden ist, die seine Großeltern als Selbstständige in der DDR in ihrer kleinen Firma „Bültemann Leuchtenbau &amp; Dekorationsglas“ hergestellt haben. Der Leser erhält durch diese Reise interessante Einblicke in den Alltag, die Wirtschaft, das Design und die Beleuchtung in der DDR.</p>
<p>Dies gelingt Aron Boks vor allem durch das Einbinden von Interviews, die er zur Recherche geführt hat. Etwa mit einem Mitarbeiter des VEB Neontechnik, einem der größten Hersteller von Lichtreklamen im sogenannten Ostblock, der einst unter anderem „Plaste und Elaste aus Schkopau“ sowie die Orwo-Werbung und das Logo der Leipziger Messe erleuchten ließ. Oder mit dem Chefdesigner des VEB Metalldrücker, dem führenden Leuchtenhersteller der DDR und Europas größtem Exporteur für Wohnraumleuchten aus Leichtmetall, von dem im Übrigen ab 1974 fast alle Metallhängeleuchten bei Ikea stammten. Beide Volkseigenen Betriebe waren in Halle (Saale) ansässig, dem „Lichtschalter der DDR“.</p>
<p>Besucht wird auch das Ehepaar Höhne: Günter Höhne war Chefredakteur der DDR-Designzeitschrift form+zweck, Claudia Höhne wissenschaftliche Mitarbeiterin bei diesem Medium. Heute sind sie zusammen als <a href="http://www.industrieform-ddr.de/" target="_blank" rel="noopener">Kuratoren für DDR-Design</a> unterwegs. Boks erfährt von ihnen unter anderem, dass DDR-Designer in DDR-Texten gewöhnlich nicht genannt wurden, weil hier immer das Kollektiv im Mittelpunkt zu stehen hatte. Thematisiert wird auch das in der DDR weit verbreitete „Superfest“-Glas. Entsprechende Trinkgläser waren sehr leicht und dünn und zerbrachen nicht einmal nach einem Sturz aus zwei Metern Höhe.</p>
<p>Ernst wird es im Gespräch mit Ralf Steeg. Er musste 1978 im Alter von 16 Jahren als politischer Häftling im Jugendgefängnis Halle unter schwersten Bedingungen Hängeleuchten des VEB Metalldrücker zusammensetzen. Das Modell wurde bei Ikea unter dem Namen Svit verkauft. Später, vom Westen freigekauft, setzte er eine Debatte über Zwangsarbeit in der DDR in Gang, die zu Produkten führte, welche im Westen verkauft wurden. Auch bei Quelle, Neckermann, Kaufhof. Generell hätten etwa 6.000 BRD-Unternehmen in der DDR produzieren lassen.</p>
<p>Die Psychologin Annette Simon, Tochter von Christa Wolf, betont die große Bedeutung des Vereinigungsprozesses für die heutige ostdeutsche Identität. Und die Ostfluencerin Olivia Schneider (*1996) alias <a href="https://www.instagram.com/tumvlt" target="_blank" rel="noopener">@tumvlt</a> erklärt, dass sie mit ihren Beiträgen über DDR-Produkte und die DDR-Küche dazu anregen möchte, sich mit dem Osten zu beschäftigen. Das könne sogar Spaß machen.</p>
<p>„Unsere Eltern haben die ganze Zeit in den Westen geschaut, und wir schauen die ganze Zeit in die DDR.“, schreibt Boks dann gegen Ende des Buches. So verallgemeinert dürfte das nicht stimmen. Der Satz liefert aber einen wichtigen Gedanken. In den letzten Jahren hat sich in Ostdeutschland die Identifikation mit dieser Region der Regionen bemerkenswert verstärkt, insbesondere in den Generationen X, Y und Z. Während die einen Goslarer, Niedersachsen, Deutsche geblieben sind, sehen sich die anderen als Gothaer, Thüringer, Ostdeutsche, Deutsche. Fernab von Ostalgie tritt nach anfänglicher Ostscham nun ein Oststolz zutage, anders zu sein, es schwerer zu haben, es mitunter trotzdem zu schaffen. Mit dieser Identifikation einher geht ein breiteres Interesse an der eigenen, spezifischen Vergangenheit, das so wichtig ist für das Verstehen der Gegenwart und das Gestalten der Zukunft. Heute sind es die Kinder der DDR-Boomer, die zu diesem Verstehen beitragen wollen. Sie haben die DDR oft gar nicht mehr erlebt und sind doch ostdeutsch geprägt. Vielleicht verfügen sie über die nötige Distanz, Muße und Kraft, das Thema neu aufzurollen. In jedem Fall scheinen sie die Notwendigkeit zu erkennen. Offenbar klafft hier auch eine Informationslücke.</p>
<p>Aron Boks, der sich mit „Nackt in der DDR“ 2023 schon seinem Urgroßonkel Willi Sitte widmete, einem der bedeutendsten, aber auch umstrittensten Maler der DDR („Lieber vom Leben gezeichnet, als von Sitte gemalt.“), gehört zu denen, die aus Interesse für Aufklärung in Bezug auf Ostdeutschland sorgen. „Starkstromzeit“ ist eine kurzweilige und aufschlussreiche Geschichte der DDR, die im Hintergrund seiner eigenen Familiengeschichte erzählt wird. Sehr erhellend.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/starkstromzeit-eine-kleine-geschichte-der-ddr/">Buchvorstellung: Starkstromzeit. Eine kleine Geschichte der DDR</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Extremwetterlage Ostdeutschland: Vier Stimmen auf Spurensuche</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/extremwetterlage-ostdeutschland-vier-stimmen-auf-spurensuche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Dec 2025 07:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=8251</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wie konnte sich die AfD in Ostdeutschland so stark festsetzen und die Stimmung in der Region beeinflussen? Antworten darauf geben Alexander Leistner, Manja Präkels, Tina Pruschmann und Barbara Thériault in ihrem Buch „Extremwetterlagen – Reportagen aus einem neuen Deutschland“.</p>
<p>Bereits im Jahr 2023, also ein Jahr vor dem Superwahljahr 2024 mit Landtagswahlen in den ostdeutschen Bundesländern Thüringen, Sachsen und Brandenburg, entwickelten der Soziologe Alexander Leistner und die Schriftstellerin, Musikerin und Journalistin Manja Präkels die Idee für ein außergewöhnliches literarisch-soziologisches Projekt. Die [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/extremwetterlage-ostdeutschland-vier-stimmen-auf-spurensuche/">Extremwetterlage Ostdeutschland: Vier Stimmen auf Spurensuche</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie konnte sich die AfD in Ostdeutschland so stark festsetzen und die Stimmung in der Region beeinflussen? Antworten darauf geben Alexander Leistner, Manja Präkels, Tina Pruschmann und Barbara Thériault in ihrem Buch „Extremwetterlagen – Reportagen aus einem neuen Deutschland“.</p>
<p><span id="more-8251"></span></p>
<p>Bereits im Jahr 2023, also ein Jahr vor dem Superwahljahr 2024 mit Landtagswahlen in den ostdeutschen Bundesländern Thüringen, Sachsen und Brandenburg, entwickelten der Soziologe Alexander Leistner und die Schriftstellerin, Musikerin und Journalistin Manja Präkels die Idee für ein außergewöhnliches literarisch-soziologisches Projekt. Die politische Wende war damals bereits spürbar, denn die AfD war vielerorts die stärkste politische Kraft. Ziel des Projekts war es, vor und nach den Wahlen anhand von Gesprächen, Alltagsbeobachtungen und eingefangenen Stimmungen ein vielschichtiges Bild von Orten und Regionen in den drei Bundesländern zu zeichnen.</p>
<p>Für das Projekt „Überlandschreiberinnen – Ways across the country“ gewannen Leistner und Präkels die Autorin Tina Pruschmann und die kanadische Soziologin Barbara Thériault. Das Quartett näherte sich der Frage aus vier unterschiedlichen Perspektiven.</p>
<p>Manja Präkels, die in Nordbrandenburg geboren und aufgewachsen ist und vier Jahre lang als Lokalreporterin für die Märkische Allgemeine im Landkreis Oberhavel gearbeitet hat, plante, gesellschaftliche Initiativen und Konfliktzonen ihres Bundeslandes aufzusuchen. Ihre Reise führte sie unter anderem nach Jüterbog, wo der damalige parteilose Bürgermeister Arne Onni Raue, inzwischen AfD-Politiker, die Stadt tief spaltete. Die evangelische Kirche bezog öffentlich Stellung gegen ihn. In Rheinsberg erlebte Präkels, wie die Mehrheit der Bürger es vorzog, zu Hause zu bleiben, statt sich für den Erhalt des Kurt-Tucholsky-Literaturmuseums einzusetzen und politischen Druck auf Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow auszuüben. Auch Südbrandenburg bereiste sie, eine Region, die von gigantischen Braunkohletagebauen und jahrzehntelangen Kämpfen gegen erstarkende rechtsextreme Strukturen gezeichnet ist.</p>
<p>Tina Pruschmann erkundete Sachsen mit dem Fahrrad. Die in Leipzig lebende Autorin besuchte den Frankenberger Stadtteil Sachsenburg. Dort stießen Menschen, die an das ehemalige Konzentrationslager erinnern wollen, auf Ignoranz und Geschichtsverdrängung. Eine weitere Station war Groitzsch südlich von Leipzig, wo die Bewohner des Stadtteils Pödelwitz gegen die geplante Umsiedlung durch die Mitteldeutsche Braunkohlegesellschaft MIBRAG und gegen ihre eigene Stadt kämpfen. Pruschmann begegnete auch Minh Duc Pham, der im erzgebirgischen Bad Schlema geboren wurde und erst während seines Studiums in Berlin begriff, was Rassismus bedeutet.</p>
<p>Barbara Thériault ging einen anderen Weg: Sie nahm eine Stelle als Lokaljournalistin bei einer thüringischen Zeitung an. Sie berichtete über eine verwahrloste Plattenbausiedlung, in der die letzten 23 Bewohner zusammenhalten. Es sind Menschen, die einst gleichzeitig Familien gründeten, hart arbeiteten und bis 2040 gültige DDR-Mietverträge besitzen. In einer anderen Stadt, die seit 1988 rund 19.000 Einwohner verloren hat, trifft Thériault in einer Kneipe die 72-jährige Marianne. Sie schwärmt von der DDR und erinnert an Freundschaft, Lebensfreude und Gemeinschaft.</p>
<p>Alexander Leistner reiste zu Entwicklungen, deren Wurzeln vor 1989 liegen. Er besuchte einen alten Schulfreund und sprach mit ihm über eine Nacht im Oktober 1999: stundenlange Polizeikontrollen von mehr als 50 Punks und der Mord am 17-jährigen Malerlehrling Patrick Thürmer durch Türsteher aus dem Umfeld des HooNaRa-Gründers Thomas Haller. Eine Tat, die in der Region kaum Empörung auslöste.</p>
<p>Im Wahlsommer 2024 fuhr Leistner nach Greiz, wo Björn Höcke für die AfD kandidierte. Zusammen mit einem Fotografen versuchte er, die Stimmung im Wahlkreis einzufangen. Er besuchte ein Sommerfest der AfD sowie ein gleichzeitig organisiertes Demokratiefest eines lokalen Bündnisses als Protest gegen Höcke. Besonders bleibt eine Szene in Erinnerung: Als Aktivisten den Inhaber eines Handwerksbetriebs fragen, ob er sich dem Protest anschließen wolle, lehnt dieser aus Angst vor der Reaktion seiner Mitarbeitenden ab.</p>
<p>Die vier in diesem Buch vereinten Reportagen zeichnen ein vielschichtiges Bild der politischen und gesellschaftlichen Extremwetterlage im Osten Deutschlands: Es geht um Menschen, die schweigen, wegschauen oder resignieren, aber auch um solche, die Haltung zeigen, kämpfen und ihre Werte gegen einen immer stärker werdenden rechten Wind verteidigen.</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8410 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/12/Leistner_ea_Extremwetterlagen_.jpg" alt="In ihrem Buch „Extremwetterlagen” untersuchen Alexander Leistner und drei Mitstreiterinnen die Stimmungslage in Ostdeutschland im Jahr 2024." width="280" height="406">Alexander Leistner, Manja Präkels, Tina Pruschmann, Barbara Thériault (Hg.): „Extremwetterlagen – Reportagen aus einem neuen Deutschland“, Verbrecher Verlag, Berlin 2025, 206 Seiten, 20 € (Broschur mit Fotos).</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/extremwetterlage-ostdeutschland-vier-stimmen-auf-spurensuche/">Extremwetterlage Ostdeutschland: Vier Stimmen auf Spurensuche</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>70 Jahre Mosaik: Das 600. Abrafaxe-Heft erscheint</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/70-jahre-mosaik-das-600-abrafaxe-heft-erscheint/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Nov 2025 07:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=8368</guid>

					<description><![CDATA[<p>1976 tauchten die Abrafaxe erstmals im „Mosaik“ auf. Seitdem haben sie Kultstatus erreicht. Am 26. November erscheint das 600. Heft mit Abrax, Brabax und Califax. Ihre Reise führt die Comic-Helden nach Tschechien.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8375" class="wp-image-8375" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/11/MOSAIK_600_rgb-1.jpg" alt="Das Jubiläumscover zum 600. Mosaik-Heft. Abbildung: Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag" width="281" height="400">Das Jubiläumscover zum 600. Mosaik-Heft. Abbildung: Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag<br />
Die Comiczeitschrift Mosaik ist zum Zeitpunkt des Erscheinens bereits 70 Jahre alt. 1955 gründet Hannes Hegen das Heft mit den legendären [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/70-jahre-mosaik-das-600-abrafaxe-heft-erscheint/">70 Jahre Mosaik: Das 600. Abrafaxe-Heft erscheint</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>1976 tauchten die Abrafaxe erstmals im „Mosaik“ auf. Seitdem haben sie Kultstatus erreicht. Am 26. November erscheint das 600. Heft mit Abrax, Brabax und Califax. Ihre Reise führt die Comic-Helden nach Tschechien.</p>
<p><span id="more-8368"></span></p>
<div id="attachment_8375" style="width: 291px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8375" class="wp-image-8375" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/11/MOSAIK_600_rgb-1.jpg" alt="Das Jubiläumscover zum 600. Mosaik-Heft. Abbildung: Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag" width="281" height="400"><p id="caption-attachment-8375" class="wp-caption-text">Das Jubiläumscover zum 600. Mosaik-Heft. Abbildung: Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag</p></div>
<p>Die Comiczeitschrift Mosaik ist zum Zeitpunkt des Erscheinens bereits 70 Jahre alt. 1955 gründet Hannes Hegen das Heft mit den legendären Bildergeschichten. Es erscheint im Verlag Junge Welt. Die Hauptfiguren sind damals die <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-die-geschichte-des-mosaik-von-hannes-hegen/" target="_blank" rel="noopener">Digedags</a>, drei Kobolde, die die Leser bis 1975 begleiten. Sie reisen um die Welt und vermitteln Wissen über fremde Kulturen. Hegen schafft es dabei meist, die Figuren und ihre Geschichten unpolitisch zu halten.</p>
<p>Als sich Hegen 1975 zurückzieht und die Rechte an den Digedags behält, braucht das Team des Magazins eine neue Idee. Autor Lothar Dräger und Zeichnerin Lona Rietschel entwickeln daraufhin die Abrafaxe: den blonden Abrax, den rothaarigen Brabax und Califax mit seiner Strubelfrisur. Seitdem haben die drei Figuren Europa, Nordafrika, Indien, Japan und China bereist und sind zahlreichen historischen Persönlichkeiten begegnet, darunter Till Eulenspiegel, Martin Luther, Isaac Newton, Baron Münchhausen, Otto Lilienthal und Bertha Benz. Sie haben die Bronzezeit erlebt und sind mit Bering und Steller durchs Eismeer gefahren.</p>
<p>Mit einer Auflage von 660.000 Exemplaren und 2,5 Millionen Lesern zählte „Mosaik“ zu den bedeutendsten Zeitschriften in der DDR. Nach der Wende steht die Zeitschrift kurz vor dem Aus, bis der Berliner Verleger Klaus Schleiter das Magazin und die Figuren übernimmt. Seit 1991 erscheinen die Abrafaxe im <a href="https://www.abrafaxe.com/">Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag</a>.</p>
<div id="attachment_8373" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8373" class="wp-image-8373" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/11/MOSAIK_600_goldenes_Prag.jpg" alt="Zum Jubiläum geht es für die Abrafaxe ins goldene Prag. Abbildung: Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag" width="600" height="284"><p id="caption-attachment-8373" class="wp-caption-text">Zum Jubiläum geht es für die Abrafaxe ins goldene Prag. Abbildung: Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag</p></div>
<h2><span class="title-bg">600. Abrafaxe-Ausgabe: Jubiläum in Prag</span></h2>
<p>In der Jubiläumsausgabe erleben die Abrafaxe ein neues Großabenteuer: Sie reisen ins Jahr 1600 nach Prag, eine Stadt voller Geheimnisse und Spannung. Auf dem Hradschin residiert Rudolf II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, König von Böhmen und Ungarn sowie Erzherzog von Österreich. Seine Leidenschaft für Kunst bringt ihn in Geldnöte.</p>
<p>In den Gassen Prags treffen Diplomaten, Glücksritter, Wissenschaftler und Künstler aufeinander. Die Abrafaxe lernen den Waisenjungen Leo Fligl, den Wirt der „Schwarzen Katze“, den Hofastronomen Tycho Brahe, den jungen Albrecht von Wallenstein und den berühmten Mathematiker Johannes Kepler kennen. Im jüdischen Viertel wird Rabbi Löw an verborgenen Geheimnissen forschen, während der Kaiser ein Auge auf den Reichtum des Kaufmanns Mordechai Maisel wirft.</p>
<p>Doch die Spannung wird weiter steigen: Don Ferrando, der spanische Gesandte und Erzfeind der Abrafaxe, schließt einen Pakt mit Kaiser Rudolf. Warum Prag damals als Stadt voller Geheimnisse galt, welche Pläne Don Ferrando verfolgt und welche besondere Rolle Leo Fligl übernimmt, erfahren die Leser Monat für Monat im „Mosaik“. Das Heft kann im Zeitschriftenhandel und direkt beim Steinchen-für-Steinchen-Verlag erworben werden.</p>
<h2><span class="title-bg">Seit 50 Jahren forever young</span></h2>
<p>Auch nach 50 Jahren sind die Abrafaxe erfrischend jung geblieben. Und die Leser des Heftes können noch immer viel lernen. Das Mosaik ist bekannt für seine detaillierte Zeichnungen, ein Wiedererkennungsmerkmal sind die eindrucksvollen doppelseitigen Panoramabilder. Übrigens stehen die Abrafaxe sogar als längster Fortsetzungs-Comic der Welt im Guinness-Buch der Rekorde.</p>
<div id="attachment_8397" style="width: 375px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8397" class="wp-image-8397 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/11/Mosaikmacher.jpg" alt="Die Mosaikmacher hinter den Geschichten der Abrafaxe. Abbildung: Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag" width="365" height="400"><p id="caption-attachment-8397" class="wp-caption-text">Die Mosaikmacher hinter den Geschichten der Abrafaxe. Abbildung: Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag</p></div>
<h2><span class="title-bg">25 Fakten zu den Abrafaxen</span></h2>
<ol>
<li>Das Mosaik mit den Abrafaxen erscheint ununterbrochen seit 1976 einmal im Monat.</li>
<li>Der Name Abrafaxe sollte an das zauberhafte Abrakadabra und an „Spaß und Faxen“ erinnern.</li>
<li>Das erste Abrafaxe-Mosaik hatte 20 Seiten.</li>
<li>Das aktuelle Mosaik hat 52 Seiten.</li>
<li>Ein Heft besteht aus durchschnittlich 150 einzelnen Bildern (Panels).</li>
<li>Jedes Panel wird in Handarbeit gezeichnet, teils auf Papier mit Tusche, teils mit einem Stift auf einem Grafiktablett.</li>
<li>Durchschnittlich tummeln sich 490 Figuren in jedem Heft.</li>
<li>Die Arbeit an einem Heft erstreckt sich über etwa vier Monate.</li>
<li>Das Mosaik hat sein eigenes <a href="http://www.mosapedia.de">Online-Lexikon</a>.</li>
<li>Die MOSAPEDIA wurde von engagierten Lesern und Fans begründet und verzeichnet mittlerweile über 20.000 Artikel.</li>
<li>Der Kleiderschrank der Abrafaxe ist weitaus spärlicher bestückt: Gerade tragen sie wieder<br>
dieselben Klamotten wie vor 50 Jahren.</li>
<li>Nach 15 Jahren haben sie 1991 zum ersten Mal ihre Kleidung gewechselt.</li>
<li>Auch ihre Frisuren blieben seit 1976 weitgehend unverändert.</li>
<li>Zu den prominenten Gästen im Mosaik gehörten schon Angela Merkel, Karl Lagerfeld, Bob Dylan, Charlie Chaplin und Sigmund Freud.</li>
<li>Momentan gibt es Abos in 37 verschiedenen Ländern.</li>
<li>In vielen Familien wird das Mosaik schon in der dritten Generation gelesen.</li>
<li>Die Abenteuer der Abrafaxe sind bisher in 23 Sprachen erschienen.</li>
<li>Bei genauerer Betrachtung sieht man: Die Abrafaxe haben keinen Hals.</li>
<li>&nbsp;Trotz fehlender Nasenlöcher riecht Califax jeden Braten auf 20 km Entfernung.</li>
<li>Der kleine Feinschmecker und Leserliebling hat übrigens 74 Haare auf dem Kopf.</li>
<li>Seit 2013 wird das Mosaik von der Stiftung Lesen empfohlen.</li>
<li>Die Abrafaxe sind schon auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis gewesen.</li>
<li>Auf ihren Zeitreisen waren sie in 16 unterschiedlichen Epochen.</li>
<li>Das längste Abenteuer der Abrafaxe erstreckte sich über 60 Hefte und spielte in Indien.</li>
<li>Insgesamt haben die Abrafaxe bereits 25 Zeitsprünge gemacht.</li>
</ol>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_8401" style="width: 410px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8401" class="wp-image-8401" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/11/MOSAIKLogo_RGBmitTransparenz-1.png" alt="Die drei Abrafaxe im Mosaik-Logo. Abbildung: Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag" width="400" height="400"><p id="caption-attachment-8401" class="wp-caption-text">Die drei Abrafaxe im Mosaik-Logo. Abbildung: Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag</p></div>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/70-jahre-mosaik-das-600-abrafaxe-heft-erscheint/">70 Jahre Mosaik: Das 600. Abrafaxe-Heft erscheint</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Buchvorstellung: „Vereint in Zerrissenheit“ von Nora Zabel</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-vereint-in-zerrissenheit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2025 07:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=6869</guid>

					<description><![CDATA[<p>In der öffentlichen Diskussion geht die junge Nachwende-Generation oft unter. Was bewegt die ostdeutsche Generation Z? Das Buch „Vereint in Zerrissenheit“ von Nora Zabel zeigt die Herausforderungen dieser Generation, die zwischen zwei Welten steht.</p>
<p>In ihrem Buch führt die Autorin und CDU-Politikerin Gespräche mit Wissenschaftlern, Politikern, Zeitzeugen, Bekannten, ihrer besten Freundin, ihrem Sozialkundelehrer aus der Schulzeit und ihren Eltern. So entsteht ein sehr persönlicher und tiefgehender Eindruck von der Zerrissenheit der zweiten Generation nach dem Mauerfall und der Wiedervereinigung Deutschlands.<br />
Zabel verdeutlicht [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-vereint-in-zerrissenheit/">Buchvorstellung: „Vereint in Zerrissenheit“ von Nora Zabel</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In der öffentlichen Diskussion geht die junge Nachwende-Generation oft unter. Was bewegt die ostdeutsche Generation Z? Das Buch „Vereint in Zerrissenheit“ von Nora Zabel zeigt die Herausforderungen dieser Generation, die zwischen zwei Welten steht.</p>
<p><span id="more-6869"></span></p>
<p>In ihrem Buch führt die Autorin und CDU-Politikerin Gespräche mit Wissenschaftlern, Politikern, Zeitzeugen, Bekannten, ihrer besten Freundin, ihrem Sozialkundelehrer aus der Schulzeit und ihren Eltern. So entsteht ein sehr persönlicher und tiefgehender Eindruck von der Zerrissenheit der zweiten Generation nach dem Mauerfall und der Wiedervereinigung Deutschlands.</p>
<p>Zabel verdeutlicht die Gegensätze innerhalb der ostdeutschen Generation Z. Da sind zum einen die Daheimgebliebenen. Sie sind nicht für ein Studium oder eine Arbeitsstelle aus Ostdeutschland weggezogen. Auf der anderen Seite gibt es die Zurückkehrer: Sie haben Ostdeutschland einmal verlassen und sind immer wieder zurückgekehrt oder ganz in die ostdeutsche Heimat zurückgezogen. In dem Buch wird auch auf deutsch-deutsche Unterschiede innerhalb der Generation Z eingegangen: Ein Teil ist sehr ortsgebunden und heimatverbunden, der andere sehr weltoffen. Zabel bezieht sich hierbei auf den britischen Publizisten David Goodhart, der diese beiden Gruppen als „Somewheres“ und „Anywheres“ bezeichnet.</p>
<p>Die Leser werden auf eine Reise durch die biografischen Stationen der Autorin mitgenommen, die 1996 in Mecklenburg-Vorpommern geboren wurde. Ein Bereich beschäftigt sich mit ihrer ostdeutschen Identität. Zabel schreibt über politische Gespräche in ihrer Kindheit am Küchentisch, bei denen es weder Political Correctness noch Selbstzensur oder soziale Anpassung gab. Was einen im Kopf beschäftigte, wurde gesagt. Der Leser erfährt, wie die Autorin als Arbeiterkind in einem Dorf bei Schwerin mit Simson-Mopeds, Fußballspielen beim örtlichen Fußballverein und Erntefest aufwächst. Er bekommt einen Eindruck von der politischen Prägung Zabels im Klassenzimmer und dem ersten Kontakt mit Widerspruch.</p>
<p>Das Thema „Demokratie in Krisenzeiten“ zeigt Zabel am Beispiel von Veränderungen auf, die sie erlebt, wenn sie von ihrem Studienort Heidelberg in ihre mecklenburgische Heimat zurückkehrt. Sie geht auf die Veränderung der Sprache sowie auf verschiedene Realitäten in ihrem privaten Umfeld ein. Dabei stellt sie die Realität der einen Seite Ostdeutscher, die an die liberale Demokratie glauben, der Realität der Abgehängten, Enttäuschten und Skeptiker gegenüber. Zabel veranschaulicht unter anderem, wie die AfD ostdeutsche Jugendliche über TikTok erfolgreich anspricht, und gibt ein Gespräch mit einer Freundin wieder, die als Lehrerin an einer Regionalschule in Mecklenburg-Vorpommern arbeitet und die die verschiedenen Realitäten im Schulalltag mitbekommt.</p>
<p>Beim Thema Bildung schreibt die Autorin über ihre ersten Begegnungen mit Kommilitonen aus Westdeutschland, die ihr zufolge selbstverständlich zwischen Englisch und Deutsch gewechselt haben. Sie beschreibt diese Generation als junge Menschen, die sich als Teil einer Zukunft sehen, die für sie bereitsteht. Laut Zabel haben die Eltern dieser Generation ihren Kindern eine gewisse Sicherheit mit auf den Weg gegeben, wodurch Vertrauen in die Zukunft entstanden ist. Demgegenüber steht die ostdeutsche Generation Z, der dieses Vertrauen fehlt. Für sie wünscht sich Zabel, dass sie irgendwann eine abgesicherte Generation sein kann. Zabel geht auch auf das „Sylt-Video“ ein, das sie auf Twitter veröffentlicht hat und mit dem sie eine mediale Debatte ausgelöst hat.</p>
<p>Zabel richtet am Ende einen Aufruf an ihre Generation, sich politisch zu beteiligen und Verantwortung zu übernehmen. Sie weist darauf hin, dass demokratische Strukturen auf aktives Engagement angewiesen sind. Das Buch zeichnet ein Porträt der ostdeutschen Generation Z, stellt ihre unterschiedlichen Perspektiven, Erfahrungen und Herausforderungen dar und vermittelt das Bild eines Ostdeutschlands, das weiß, wie weit der Weg zur eigenen Einheit noch entfernt ist und trotzdem nicht die Hoffnung verliert.</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-8342" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/11/Zabel_Vereint-in-Zerrissenheit_2025.png" alt width="280" height="457">Nora Zabel (Hg.): „Vereint in Zerrissenheit. Die ostdeutsche Generation Z zwischen zwei Welten“, Droemer Verlag, Berlin 2025, 192 Seiten, 21 € (Hardcover mit Fotos).</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-vereint-in-zerrissenheit/">Buchvorstellung: „Vereint in Zerrissenheit“ von Nora Zabel</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Buchvorstellung: Der große Schock</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-der-grosse-schock/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Nov 2025 06:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=8030</guid>

					<description><![CDATA[<p>Vielen Ostdeutschen steckt der radikale Strukturwandel der Nachwendezeit und die fragwürdige Treuhandpolitik noch immer tief in den Knochen. Warum sind sie bis heute verstummt? Das neue Buch „Der große Schock“ von Katrin Rohnstock zeigt, wie sich die große Politik von damals im Kleinen niederschlug.</p>
<p>In ihrem Buch lässt die Herausgeberin zahlreiche Stimmen zu Wort kommen, die jetzt – Jahrzehnte später – ihr Schweigen gebrochen haben. Die berührenden, teils dramatischen Geschichten der Menschen aus fünf Thüringer Betrieben stehen dabei exemplarisch für die [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-der-grosse-schock/">Buchvorstellung: Der große Schock</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vielen Ostdeutschen steckt der radikale Strukturwandel der Nachwendezeit und die fragwürdige Treuhandpolitik noch immer tief in den Knochen. Warum sind sie bis heute verstummt? Das neue Buch „Der große Schock“ von Katrin Rohnstock zeigt, wie sich die große Politik von damals im Kleinen niederschlug.</p>
<p><span id="more-8030"></span></p>
<p>In ihrem Buch lässt die Herausgeberin zahlreiche Stimmen zu Wort kommen, die jetzt – Jahrzehnte später – ihr Schweigen gebrochen haben. Die berührenden, teils dramatischen Geschichten der Menschen aus fünf Thüringer Betrieben stehen dabei exemplarisch für die traumatischen Erfahrungen eines Großteils der DDR-Bevölkerung. So verweigerte die Treuhand in Eisenberg etwa Anfang der 1990er-Jahre eine Übernahme durch die erfahrene ostdeutsche Werksleitung, welche gerade dabei war, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Die Folge waren Massenentlassungen, ein schleichender Verfall und schließlich die Insolvenz. Kein Einzelfall, sondern ein Scheitern mit System. Die Treuhandanstalt ist das „Synonym für den Niedergang industrieller Strukturen, der bis heute nachwirkt“, schreibt Rohnstock.</p>
<p>Auch die Geschichten über das Henneberger Porzellanwerk aus Ilmenau, das nach der Wende von der Treuhand privatisiert wurde, lassen den Leser nicht kalt. Aus unterschiedlichen Perspektiven berichten die Zeitzeugen, wie es trotz hoher Produktqualität und stabiler Kundenbeziehungen zu mehreren Entlassungswellen kam, von denen sich das Unternehmen nicht mehr erholen sollte. Wie sich herausstellte, war das Ende der Firma mit dem fehlenden Zusammenhalt der ehemals 3.000 Mitarbeitenden besiegelt, die als gewachsene Gemeinschaft einst mehr im Unternehmen gesehen haben, als einen bloßen Arbeitsplatz. Für sie war es ein identitätsstiftender Ort, der über Generationen hinweg mit den Biografien der Menschen vor Ort verflochten war.</p>
<p>Ein weiteres Thema ist die Schließung des wirtschaftlich tragfähigen Kalibergwerks in Bischofferode 1993 durch die Treuhand. Dabei handelte es sich um eine machtpolitische Entscheidung, gegen welche die Belegschaft erbitterten Widerstand mit Demonstrationen und einem Hungerstreik leistete. Doch auch hier war den Betroffenen trotz bundesweiter medialer Aufmerksamkeit kein guter Ausgang vergönnt.</p>
<p>Jede der festgehaltenen Erzählungen zeugt auf ihre Weise von Ohnmacht und Verzweiflung, aber auch von der Beharrlichkeit der Ostdeutschen und ihrem Widerstand. Sie machen ein Stück weit verständlicher, warum die Wiedervereinigung bei vielen bis heute einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen hat. Mit gesellschaftlichen Umbrüchen gehen oftmals ganze Lebenswelten durchdringende Schocks einher, welche die Betroffenen nie wirklich loslassen. Die Transformation Ostdeutschlands in der Nachwendezeit kam einer sozialen und ökonomischen Entwurzelung gleich. Der Verlust von Sicherheit, von Gemeinschaft und Arbeitsplätzen führte zu einer kollektiven Erschütterung. Arbeitslosigkeit war für DDR-Bürger, denen auf Lebenszeit Arbeitsplätze garantiert waren, unvorstellbar gewesen. Plötzlich aber wurde sie zur neuen Realität von Millionen. Eine tiefsitzende und beschämende Demütigung für viele.</p>
<p>Während sich die Medienwelt gern auf positive Erfolgsgeschichten und wirtschaftliche Aufholjagden stürzt, gehen die Schicksalsschläge einzelner Menschen meist unter. In diesem Buch finden sie Gehör. Zusammen sind sie der Versuch, für das „Treuhand-Trauma“ – den kollektiven Verlust von Arbeit – Worte zu finden und sichtbar zu machen, was dieser tiefgreifende Wechsel der Gesellschaftsordnung individuell bedeutete.</p>
<p>Die Geschichten, die Konflikte und Krisen thematisieren, über die bis heute nur wenig gesprochen wird, entstanden in Erzählsalons. Einem von Rohnstock entwickelten Format, in dem Menschen in einer vertraulichen Atmosphäre zusammenkommen und bei dem darauf geachtet wird, dass jedem zugehört wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-8032" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Der-grosse-Schock-web.jpg" alt width="188" height="300">Katrin Rohnstock (Hg.): „Der große Schock. Ostdeutsche erzählen von den Folgen der Treuhandpolitik“, BeBra Verlag, Berlin 2025, 240&nbsp;Seiten, 22 € (Paperback)</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-der-grosse-schock/">Buchvorstellung: Der große Schock</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
