Christiane Kilian, Vorständin, und Dr. Sven Günther, Vorstand der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT) sind wichtige Impulsgeber für Ostdeutschland. Sie setzen sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag sind sie auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.

Christiane Kilian, Vorständin, und Dr. Sven Günther, Vorstand Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT). Abbildung: Susann Nürnberger
Wir sind beide Kinder des Ostens. Zwei Biografien, die an unterschiedlichen Orten begannen, aber vom gleichen Geist getragen werden: der Suche nach dem Möglichen. Hinter uns liegen Systeme, die verschwanden, und Aufbrüche, die nicht immer leicht waren. Was uns verbindet, ist der feste Glaube, dass Wandel nicht nur ein Schicksal ist, sondern eine Mission.
Unsere Generationen tragen den Sternenstaub der Veränderung in sich. Was in Thüringen entstand und bis heute wächst, verdient mehr als kurzfristige Lösungen. Es braucht Menschen, die bereit sind, den Kurs zu setzen – Menschen, die Innovation wahrscheinlicher machen. Trotz Nebel. Trotz ungewisser Koordinaten. Veränderung ist nicht immer bequem. Aber sie ist notwendig. Wer heute Verantwortung trägt, weiß: Wir navigieren nicht durch ruhige Gewässer, sondern durch komplexe Konstellationen. Demografischer Wandel, Digitalisierung, Energiekrisen, geopolitische Unsicherheiten – Herausforderungen, die wie Asteroidenfelder auf unserem Kurs liegen. Doch gerade das verlangt von uns: vorausschauendes Handeln, Mut, Weitsicht und eine immerwährende Freude für die innovative Sache.
Unser Osten ist kein Nachwendekapitel. Er ist […] ein Raum voller Möglichkeiten. Wenn wir den Mut haben, den Kurs selbst zu bestimmen.”
Sternenflotte des Wandels
Seit mehr als 30 Jahren ist die Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT) für die innovative Sache unterwegs – wie ein Raumschiff im Star-Trek-Universum: neugierig, verlässlich sowie bereit, unbekannte Räume zu erkunden und für die Gemeinschaft bereit zu stellen.
Auf Initiative von Unternehmer und Visionär Lothar Späth gründete das Land Thüringen am 23. September 1993 die Stiftung. Als gemeinnützige und unabhängige Stiftung privaten Rechts verfolgen wir seither ein klares Ziel: Thüringen als Standort für Innovation strategisch zu stärken. Nicht durch reines Fördern, sondern durch gezieltes Ermöglichen.
Seit mehr als 30 Jahren sind Innovationen und die Menschen dahinter unsere Leidenschaft. Wir wandern bewusst zwischen den Welten und bauen Produkte und Brücken für Zusammenarbeit und Selbstwirksamkeit. Dabei sind wir selbst als hybride Organisation Teil von jeder Welt und immer auf Entdeckerkurs. Wir handeln gemeinnützig und unternehmerisch, sind gleichzeitig öffentlich und privat. Unsere Zielgruppen und Stakeholder sind die Menschen hinter der Innovation: Das sind Kinder, Jugendliche, Auszubildende, Studierende, Lehrerende, Wissenschaftler, Unternehmer, Investoren, Politiker, Stifter, Innovatoren sowie die Institutionen und Strukturen, in denen sie jeweils wirken und Wirksamkeit erfahren.
Unsere Mission ist damit klar: Thüringen als Reallabor für Innovation, unternehmerisches Handeln und Zukunftsmut stärken. Wie Captain Kathryn Janeway es im Star-Trek-Kontext formulierte: „Es geht nicht nur darum, einen Weg zu finden. Es geht darum, einen besseren Weg zu schaffen.“
Das tun wir über:
- MINT Thüringen: Mit dieser Plattform geben wir Kindern und Jugendlichen eine Plattform fürs Entdecken, Erforschen und Erfinden, um sie frühzeitig für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu begeistern. Wir koordinieren ein einzigartiges Netzwerk aus Schülerforschungszentren, außerschulischen Lernorten, Kindergärten, Schulen, Universitäten, Vereinen und Unternehmen.
- Entrepreneurship: Wir beschleunigen Innovationen, geben ihnen Sichtbarkeit und heben ihr Potenzial auf das nächste Level. Mit Produkten wie den Investor Days Thüringen, dem TRIP-Programm, dem Innovationspreis Thüringen und dem Enterprise Europe Network bringen wir Start-ups mit Kapital zusammen, unterstützen innovative Geschäftsmodelle beim Wachstum und vernetzen Thüringer Unternehmen mit globalen Märkten.
- Transfer: Wir bringen Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen. Unsere Programme im Bereich Transfer – von Stiftungsprofessuren bis zur Zukunftskonferenz – schaffen neue Verbindungen, Denkansätze und konkrete Umsetzungskraft für das, was morgen gebraucht wird.
- Mission Investing: Wir investieren gezielt in die Räume für Innovation, in Form von Infrastruktur und mit Venture Capital in Start-ups.

Die Crew: das Team STIFT. Abbildung: Susann Nürnberger
Raum, Zeit und Reisegemeinschaften
Als Stiftung richten wir unseren Blick dabei gezielt auf jene Räume, in denen Innovation noch nicht oder nicht immer selbstverständlich ist. Wir richten den Blick auf die Lücken, die es zu schließen gilt, oder auch auf die Lücken, die bewusst offen bleiben müssen, damit Neues möglich wird. Dabei gehört es zu unserem Selbstverständnis, bestehende Projekte, Schwerpunkte oder Bereiche auch bewusst loszulassen. Es geht dabei immer um die innovative Sache und wie wir die Räder aller Akteure im Ökosystem größer drehen können. Unsere Arbeit bleibt deshalb bewusst in Bewegung. Wir entwickeln uns kontinuierlich entlang der Innovationsdynamik weiter – stets mit dem Anspruch, dort aktiv zu werden, wo unser Beitrag den größten Unterschied macht. Denn man muss selbst innovativ sein, um ein Innovationsökosystem zu bewegen.
So sind wir in unserem Tun weit mehr als eine klassische Stiftung. Unsere Satzung wurde 1993 bewusst modern und unternehmerisch gestaltet. Sie ist unser Grundgesetz, das von uns fordert, dass wir verändern und dass wir zwischen den Welten wandern dürfen. Wir sind Katalysator, Hub und strategische Architektin des Thüringer Innovationsökosystems. Unsere Innovationsrendite ergibt sich nicht aus einzelnen Projekterfolgen, sondern aus dem systemischen Zusammenspiel von Voraussetzungen, Strukturen und der Beschleunigung von Wirkung.
Dabei arbeiten wir nie isoliert, denn Innovation ist immer ein Gemeinschaftswerk. Wir brauchen Reisegemeinschaften und andere, die mitwollen und mitreisen. Genau in diesen Verbindungen liegt der wichtige Unterschied.

Impulse, Innovation, Impact. Abbildung: Susann Nürnberger
Warp-Kern Zuversicht
Zuversicht ist für uns nicht nur ein Gefühl, sondern eine bewusste Entscheidung. Sie ist der Antrieb, der uns erlaubt, den Stillstand zu überwinden. Wir begegnen manchmal Skepsis, hin und wieder verlorenem Vertrauen. Doch wir erleben auch Aufbruch und Freude. Menschen, die Verantwortung übernehmen. Unternehmer und Netzwerke, die bereit sind, kühne Missionen zu starten – nicht ins All, sondern für unsere Gesellschaft.
Wenn wir zehn Jahre nach vorn schauen – in das Jahr 2035 –, sehen wir ein Thüringen, das seine Stärken bewusst lebt. Mit einem Mittelstand, der klug und mutig investiert. Mit jungen Menschen, die nicht abwandern, sondern bleiben – weil sie hier Sinn, Freiheit und Perspektive finden. Mit Schulen, in denen experimentiert werden darf. Mit Regionen, die nicht verwalten, sondern gestalten.
Wir sehen ein Innovationsökosystem, das global vernetzt ist – aber seine Wurzeln nicht vergisst. Wir sehen Menschen, die stolz sind, dabei zu sein, nicht aus Trotz, sondern aus Vertrauen in sich selbst und in ihr Umfeld. Und wir sehen eine STIFT, die diesen Weg nicht nur begleitet, sondern weiter mitprägt – unabhängig, mutig, neugierig und zuversichtlich.

STIFT verbindet. Abbildung: Susann Nürnberger
2025 transformieren wir als Vorstandsteam die STIFT weiter. Wir gehen die Extrameile und bauen den Thüringen-Warp. Ein Schritt, der die Innovationsrendite für den gesamten Freistaat auf ein neues Level heben kann. Es ist unser Signal an Thüringen und darüber hinaus: Wir übernehmen Verantwortung für den Langstreckenflug.
Keine Projektitis. Kein Reagieren im Takt von Förderlogiken. Sondern ein selbstbestimmter Kurs in Richtung Wirkung, Wandel und Würde. Wir setzen auf Impact-Investments, Verantwortung und Eigentum, regionale Stärke und globale Offenheit. Unser Osten ist kein Nachwendekapitel. Er ist – wie die unentdeckten Quadranten des Star-Trek-Universums – ein Raum voller Möglichkeiten. Wenn wir den Mut haben, den Kurs selbst zu bestimmen.

Die Investor Days Thüringen haben seit ihrem Start über 800 Millionen Euro VC-Kapital nach Thüringen geholt. Abbildung: Thomas Müller
Brücken in die Zukunft
Wir wirken nicht nur durch unsere Produkte, sondern durch Haltung. Verantwortung zu übernehmen heißt für uns auch, den Maßstab für Innovation immer wieder neu zu reflektieren. Nicht alles, was neu ist, ist auch gut. Aber alles, was gut werden soll, braucht Mut zur Erneuerung. Unsere Entscheidungen sind nie beliebig – sie folgen einem inneren Kompass. Relevanz, Wirksamkeit und strategische Tiefe und dabei immer die Leitfrage: Was ist das Beste für die innovative Sache?
Gerade in Zeiten zunehmender Komplexität und Beschleunigung braucht es Institutionen, die nicht nur auf Tempo setzen, sondern auf Richtung. STIFT ist eine solche Institution. Wir kuratieren Möglichkeitsräume, navigieren durch Unsicherheiten und behalten das Wesentliche im Blick: die Frage, wie wir morgen leben und wirtschaften wollen und wer wir in Zukunft sein möchten und damit auch werden.
Strategisch zu denken bedeutet für uns auch, generationenübergreifend zu handeln. Wir verstehen unsere Arbeit nicht als Zyklus von Fördermitteln, sondern als Beitrag zur Resilienz eines ganzen Landes. Innovation ist keine Momentaufnahme, sondern ein kultureller Prozess – tief verankert im Miteinander von Menschen, die gestalten wollen. Unser Vorstandsteam versteht sich hier als Brückenbauer.
Diese gemeinsame Reise ist nicht immer vorhersehbar. Aber wie Captain Jean-Luc Picard einmal sagte: „Es gibt eine Lösung für jedes Problem. Manchmal braucht sie nur Zeit und die Bereitschaft, neue Wege zu denken.”
Und wir haben so Lust darauf – immer im Sinne der innovativen Sache!

Leidenschaft für die innovative Sache. Abbildung: Julia Hollosi
Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT)
GEGRÜNDET: 1993/Thüringen
STANDORT: Thüringen
MITARBEITENDE: 30
WEBSITE: stift-thueringen.de
BUCHTIPP:
„Denke ich an Ostdeutschland ...“In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden. „Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4. Als Hardcover und E-Book hier erhältlich. |




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