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	<description>Impulse für den Osten</description>
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		<title>Buchvorstellung: „Arm aber sexy“. Stefan Wolle über Berlin</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-stefan-wolle-arm-aber-sexy/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jul 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dank Mauerfall und Wiedervereinigung sind Ost- und Westberlin wieder miteinander verschmolzen. In seinem Buch erzählt der Historiker Stefan Wolle vom Wandel, den die Stadt Berlin von 1990 bis heute durchlebt hat.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft wp-image-9449" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Wolle_Stefan_Arm_aber_sexy_2026_cover.jpg" alt="Das Cover von Stefan Wolles Buch: Arm aber sexy" width="228" height="363"><br />
Stefan Wolle: „Arm aber sexy – Die Geschichte Berlins seit 1990“, BeBra Verlag, Berlin 2026, 224 Seiten, 24 € (Hardcover mit Bildern).</p>
<p>Wolles Buch beginnt mit der Silvesterparty 1989. Sieben Wochen nach dem Mauerfall [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-stefan-wolle-arm-aber-sexy/">Buchvorstellung: „Arm aber sexy“. Stefan Wolle über Berlin</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Dank Mauerfall und Wiedervereinigung sind Ost- und Westberlin wieder miteinander verschmolzen. In seinem Buch erzählt der Historiker Stefan Wolle vom Wandel, den die Stadt Berlin von 1990 bis heute durchlebt hat.</p>
<p><span id="more-9474"></span></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img decoding="async" class="alignleft wp-image-9449" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Wolle_Stefan_Arm_aber_sexy_2026_cover.jpg" alt="Das Cover von Stefan Wolles Buch: Arm aber sexy" width="228" height="363"></p>
<p>Stefan Wolle: „Arm aber sexy – Die Geschichte Berlins seit 1990“, BeBra Verlag, Berlin 2026, 224 Seiten, 24 € (Hardcover mit Bildern).</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Wolles Buch beginnt mit der Silvesterparty 1989. Sieben Wochen nach dem Mauerfall sollte die Feier ein fröhliches Happening werden, sie endete jedoch im Chaos. Menschen stiegen aufs Brandenburger Tor und beschädigten die Quadriga. Außerdem wurde auf die Konstruktion der Videowand geklettert, die daraufin zusammenbrach. Die Bilanz: ein Toter und 135 Verletzte. Während die Polizei in beiden Teilen Berlins die gute Zusammenarbeit betonte, versuchten die Medien laut Wolle einen politischen Zusammenhang herzustellen. Für den Autor steht diese Nacht sinnbildlich für den folgenden Wandel der Stadt – geprägt von Hoffnungen und späteren Enttäuschungen.</p>
<p>Wolle beschreibt die Umbruchzeit 1989/1990 und das rasante Tempo, mit dem sich der Alltag der Menschen veränderte. Im Mittelpunkt stehen dabei die Stürmung der Stasi-Zentrale am 15. Januar 1990 sowie die Wirtschafts- und Sozialunion zwischen BRD und DDR, die am 1. Juli 1990 inkraft trat. Die anfängliche Begeisterung über die D-Mark wich schnell wirtschaftlichen Problemen. Durch die Umrechnung von Löhnen, Gehältern und Renten im Verhältnis eins zu eins gerieten viele Betriebe unter Druck. Entlassungen und Betriebsschließungen waren die Folge. Gleichzeitig veränderten sich die Konsumgewohnheiten in Ostdeutschland, wodurch viele Produzenten aus Industrie und Landwirtschaft auf ihren Waren sitzen blieben.</p>
<p>Neben den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen rücken auch die unterschiedlichen Hausbesetzerszenen in Ost- und Westberlin in den Fokus. Dabei prallten verschiedene politische Ansichten und Erfahrungen aufeinander. Ergänzt wird dieser Blick durch die Entwicklung der Lichtenberger Naziszene, die Anfang bis Mitte der 1990er-Jahre ihren Höhepunkt erreichte.</p>
<p>Ein weiterer Schwerpunkt des Buches ist die politische Entwicklung Berlins nach der Wiedervereinigung. Wolle beschreibt die Entscheidung für Berlin als Hauptstadt am 20. Juni 1991 und den Antrag „zur Vollendung der Einheit Deutschlands“. Außerdem thematisiert er die Bevölkerungsentwicklung der Stadt sowie den gescheiterten Versuch einer Länderfusion zwischen Berlin und Brandenburg.</p>
<p>Der Autor widmet sich auch der politischen Entwicklung unter Klaus Wowereit und der damit verbundenen Neuausrichtung der Stadt. Dazu gehören der Abschied von den Flughäfen Tegel und Tempelhof sowie der Bau des BER. Zudem greift Wolle die Berliner Demonstrationsgeschichte auf – von Protesten in den 1990er-Jahren bis zum Sturm auf den Reichstag 2020 und den Corona-Demonstrationen.</p>
<p>Im Kapitel „Der Sound der Metropole“ beschreibt Wolle den Wandel der Berliner Kulturszene. Er erklärt die Entwicklung der Clubszene, die 1990er-Jahre und Berlin als Veranstaltungsort der „Loveparade“. Gleichzeitig zeigt Wolle, wie sich die Stadt zunehmend zur Hauptstadt der LGTBQ-Community in Deutschland entwickelte.</p>
<p>Auch große Bauprojekte und Stadtentwicklungen spielen im Buch eine wichtige Rolle. Dazu zählt der Abriss des Palasts der Republik und die Entstehung des Humboldt-Forums sowie die Proteste gegen die Abrissentscheidung. Ebenso beschreibt Wolle das Ende und den geplanten Abriss des ehemaligen Sport- und Erholungszentrums (SEZ) an der Landsberger Allee/Ecke Danziger Straße. An dieser Stelle sollen künftig 550 neue Wohnungen entstehen.</p>
<p>Zum Abschluss zieht der Wolle, angelehnt an den alle drei Jahre erscheinenden Zukunftsatlas des „Handelsblatts“, eine Bilanz zu Themen wie Wohnungsmarkt, ÖPNV, Schule, Kriminalität, Tourismus und Demografie. Das Buch endet, wie es beginnt, mit einer Silvesterparty: der von 2024.</p>
<p>Dem Autor gelingt es, die Leserschaft auf eine historische Reise durch 36 Jahre Berliner Stadtgeschichte mitzunehmen. Durch den klar strukturierten Aufbau wird der enorme Wandel der Stadt seit 1990 deutlich sichtbar.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Robert Nehring: Mysterium und Minenfeld. Warum das Sprechen über den Osten so schwerfällt</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/dr-robert-nehring-mysterium-und-minenfeld-warum-das-sprechen-ueber-den-osten-so-schwerfaellt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 05:30:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Robert Nehring, Verleger und Chefredakteur des PRIMA VIER Nehring Verlags, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7884" class="wp-image-7884 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Nehring_Robert_DIAO2.png" alt="Dr. Robert Nehring Verleger, Chefredakteur PRIMA VIER Nehring Verlag GmbH." width="705" height="1000">Robert Nehring, Verleger, Chefredakteur PRIMA VIER Nehring Verlag GmbH.<br />
Denke ich an Ostdeutschland, dann staune ich darüber, dass „Ost und West“ immer noch so ein [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/dr-robert-nehring-mysterium-und-minenfeld-warum-das-sprechen-ueber-den-osten-so-schwerfaellt/">Robert Nehring: Mysterium und Minenfeld. Warum das Sprechen über den Osten so schwerfällt</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Robert Nehring, Verleger und Chefredakteur des PRIMA VIER Nehring Verlags, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7869"></span></p>
<div id="attachment_7884" style="width: 715px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7884" class="wp-image-7884 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Nehring_Robert_DIAO2.png" alt="Dr. Robert Nehring Verleger, Chefredakteur PRIMA VIER Nehring Verlag GmbH." width="705" height="1000"><p id="caption-attachment-7884" class="wp-caption-text">Robert Nehring, Verleger, Chefredakteur PRIMA VIER Nehring Verlag GmbH.</p></div>
<p>Denke ich an Ostdeutschland, dann staune ich darüber, dass „Ost und West“ immer noch so ein großes Thema ist. Sollte da nicht 35 Jahre nach dem Mauerfall längst ein Haken dran sein?</p>
<p>Tatsächlich sagen viele Ostdeutsche meiner Generation (X) zunächst, dass die Frage „Ost oder West?“ für sie keine Rolle mehr spielt. Die meisten der zwischen 1965 und 1980 Geborenen haben es geschafft: guter Job und nette Mietwohnung in der Stadt oder eigenes Haus, zwei Autos, drei Kinder, vier Mal „Malle“ im Jahr. Gute Gehälter, großer Grill, brave Bundesbürger. Auf Nachfrage ist da aber oft doch noch etwas. Viele Fortgegangene würden zum Beispiel schon gern wieder zurück in die Heimat, nach Ostdeutschland. So ein richtiger Koblenzer oder Pforzheimer, Hamburger oder Münchner werde man wohl eh nie. Aber zu Hause fehlen eben die großen Arbeitgeber, fast die Hälfte wählt AfD und an Weihnachten rutschte sogar den Eltern schon ein „Kinderbuchautor“ raus. Auch viele Gebliebene berichten von gewissen Bauchschmerzen. Beide Gruppen sagen, die Wiedervereinigung sei ein großer Glücksfall gewesen, habe aber auch viele ins Unglück gestürzt. Wie das Ganze ablief, sei nicht gerecht gewesen. Die Generation X Ost.</p>
<p>Dann gibt es die ostdeutschen Boomer (geboren etwa 1946 bis 1964). Auch die meisten von ihnen haben es geschafft, haben sich angepasst – viele erneut – und es zu etwas gebracht. Aber hier sitzt der Stachel schon oft auch tief. Viele waren nach der Wiedervereinigung komplett auf sich gestellt. Job weg, kaum Geld, keine Ahnung. Das vergisst man nicht. Plötzlich musste jeder an sich denken – nur so war noch an alle gedacht. Die Scheuklappen hat man immer noch auf, aber gut findet man das eigentlich nicht. Dafür sind wir ‘89 auf die Straße gegangen? In dieser Generation empfinden sich viele immer noch als Bürger zweiter Klasse, einst vom Westen betrogen, gedemütigt, entmündigt. Gekränkt, traumatisiert, obwohl es den meisten wirtschaftlich gut geht.</p>
<p>Und es gibt die Wendekinder. Im engeren Sinne sind sie zwischen 1975 und 1985 geboren, im weiteren Sinne etwa zwischen 1970 und 1995. Sie sind Gen X und Gen Y. Aber das Phänomen der merklichen Prägung durch die Folgen der Wiedervereinigung hält sich sogar bis in die Gen Z (1997 bis 2012). Ist es nicht bezeichnend, dass sie, die die DDR nicht oder kaum erlebt haben, sich heute so sehr mit Ostdeutschland identifizieren? Kinder versuchen, die Probleme der Eltern zu lösen, sagen Psychologen. Oftmals bekommen das die Eltern gar nicht mit. In diesem Fall hatte die Elterngeneration auch wirklich genug mit sich selbst zu tun. Aber für die Wendekinder fielen Mama und Papa ohnehin als Vorbild und Berater aus. Was wussten sie schon davon, wie dieses neue System konkret funktionierte? So machten auch die 70er- und noch so manche 80er-Jahrgänge ihre ersten Schritte ohne Kompass.</p>
<hr>
<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Der Mauerfall hat für mich alles verändert. Was mich aber politisch geprägt hat, war der 18. März 1990, die ersten freien Wahlen in der DDR.”</strong></span></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Verschwommener Blick</span></h2>
<p>Ich bin im April 1974 in Ostberlin geboren, aber kein Festspielkind. Im Sommer 1973 fanden hier die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten statt … Nachdem Honecker 1971 an die Macht kam, herrschten zunächst Tauwetter und moderater Aufschwung in der DDR: mehr individueller Freiraum, bessere Konsumangebote, großzügige Sozialleistungen, wenn auch auf Pump finanziert. Im Mai 1974 gewinnt der 1. FC Magdeburg den Fußball-Europapokal der Pokalsieger, im Juni besiegt die DDR in der Vorrunde den späteren Fußballweltmeister BRD. Im Kino laufen noch Paul und Paula und die Digedags sind gerade in Amerika. Ich werde aber bald Fan der Abrafaxe, wie die Helden des Mosaik-Comics ab 1975 heißen.</p>
<p>Direkt neben meiner Schule befinden sich eine Schwimmhalle und ein Freibad. Erste Sportstunde in der ersten Klasse: Der Schwimmverein lädt die drei größten Mädels und Jungs ein, mal reinzuschnuppern. Mit elf geht es dann auf die Sportschule. Als die Mauer fällt, trainiere ich gerade in 2.000 Metern Höhe – in einer Schwimmhalle auf dem Berg Belmeken, bulgarisches Rila-Gebirge. Am Tag nach der Rückkehr fährt mein Vater mit mir nach Westberlin. Wir gehen Wollankstraße rüber. Hier ist er im Schatten der Mauer aufgewachsen. Irre: Die Wollank sieht auf der Westseite architektonisch ja genauso aus. Weniger irre: Den Ku’damm hatte ich mir noch bunter vorgestellt. Peinlich: Ossis dürfen gratis Öffis fahren, im Bus müssen sie dazu aber ihren blauen Perso hochzeigen.</p>
<p>Ich war 15, interessierte mich für die aktuellen politischen Entwicklungen, befand mich aber weit weg vom Geschehen, viel unter Wasser halt. Vielleicht ist mein Blick auf die damalige Entwicklung deshalb etwas verschwommen. Der Mauerfall hat für mich alles verändert. Wer auch immer dafür verantwortlich war: von Herzen Dank! Was mich aber politisch geprägt hat, war der 18. März 1990. Die ersten freien Wahlen in der DDR. Heute würde man so etwas eine massive Wahleinmischung nennen. Manche Parteien hatten auch schon ihre Aufnahme in die Schwesterpartei im Blick. Wie frei war diese Wahl wirklich? Der Ausgang war in jedem Fall überraschend und für mich befremdlich: Die von Helmut Kohl unterstützte Allianz für Deutschland erhielt 48 Prozent. Für schnelles Westgeld wählt ihr sogar die? Ich habe mich geschämt, ähnlich wie bei heutigen Wahlergebnissen in Ostdeutschland.</p>
<p>Während Chaos-Abi – dem ersten westdeutschen im Osten – und Zivildienst die bange Frage, was ich werden soll. Studiert so einer wie ich heutzutage? Schafft der das? Wie funktioniert das? Wen sollte ich fragen? Ich fasste einfach den Mut, das zu studieren, was mich interessierte: Philosophie. Nicht nur meine Prognose: Langzeitarbeitsloser, der schwarz Taxi fährt. Aber dann war das eben so. Dafür immer was Gutes zu lesen. Wie befürchtet verstand ich im ersten Semester nur wenig. Noch weniger allerdings begriff ich, was meine Kommilitonen aus dem Westen sagten, wenn sie eine Frage stellten. Erstaunlicherweise waren das meist gar keine Fragen, sondern Statements zur Selbstdarstellung. Sie hatten Philosophie auch schon in der Schule und wussten bereits, wie man eine wissenschaftliche Arbeit schreibt. Vorlesungen und Seminare besuchte ich aus Verunsicherung wesentlich schweigend. Aber am Ende stand ein sehr guter Abschluss, sogar fast in Regelstudienzeit – bei einer Abbrecherquote von 90 Prozent.</p>
<p>Es war schon kurios: Auch ich wurde über Nacht vom Ost- zum Westeuropäer, vom Einheimischen im Sozialismus zum Quasi-Immigranten im Kapitalismus – ohne mich vom Fleck zu bewegen. Ich blieb auch während des Studiums in (Ost-)Berlin – was sollte ich in Hildesheim, wenn die ganze Welt hier herwill? Plötzlich waren wir eine Art Einwanderer, obwohl eigentlich der Westen bei uns einwanderte. In Gesprächen mit Studierenden aus dem Westen begegnete mir manches Mal diese Erwartungshaltung: Wow, du bist sogar von hier? Erzähl‘ mal bitte, wie schlimm das damals war. Waren deine Eltern im Widerstand? Puh – wo fängt man da an? Ob sie mir meine glückliche Kindheit abnehmen werden? Mit Ostscham hatte ich allerdings nie große Probleme, wenngleich ich zu wissen glaubte, wann es bei der Herkunftsfrage besser war, Berlin als Ostberlin zu sagen, um dem Gegenüber die Möglichkeit zu geben, Westberlin zu verstehen. Ich trage bis heute so etwas wie Oststolz in mir. Ich war und bin immer gern Ostberliner und darüber hinaus Ostdeutscher.</p>
<div id="attachment_7887" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7887" class="wp-image-7887" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Anderesland02.jpg" alt="Ein Haus in Ostberlin. Einst stand es in Ost-, heute in Westeuropa. Abbildung: Blunt/Wikimedia Commons" width="600" height="553"><p id="caption-attachment-7887" class="wp-caption-text">Ein Haus in Ostberlin. Einst stand es in Ost-, heute in Westeuropa. Abbildung: Blunt/Wikimedia Commons</p></div>
<h2><span class="title-bg">Geschichte als Mysterium</span></h2>
<p>Die Geschichte der DDR ist für mich in Teilen rätselhaft, zumindest alles andere als eindeutig. Das gilt auch für manche der sich anschließenden Entwicklungen in Ostdeutschland. Die Eckdaten sind klar. Wie und warum sich aber alles zugetragen hat, ist nicht so klar. Die Geschichte Ostdeutschlands mag nicht unergründlich sein, aber dass hier verschiedene Narrative nebeneinanderher existieren, erschwert eine eindeutige Erklärung. Zu den Ereignissen und Hintergründen vor 1990 gibt es zum Beispiel die offizielle DDR-Version – oft Propaganda, der nicht zu trauen ist. Und es gibt die Perspektive der BRD, die man hier auch in gewissem Maße voreingenommen nennen muss. Dazwischen gibt es noch das, wovon man persönlich gehört und wovon man gelesen hat. Und dann gibt es natürlich noch das, woran man selbst gern glauben möchte.</p>
<p>17. Juni 1953. Wie war das denn wirklich? Der Aufstand war natürlich kein vom Westen gelenkter faschistischer Putschversuch, wie die DDR anschließend behauptete. Aber war er für die Bundesrepublik tatsächlich so relevant, dass sie ihn sich aneignen und das Datum jahrzehntelang als Nationalfeiertag begehen musste? Die DDR war Anfang der 50er noch jung. Wie die Bundesrepublik konnte sie sich ihr wirtschaftliches, politisches und gesellschaftliches System nicht selbst aussuchen. Der Osten zahlte die Zeche für den Zweiten Weltkrieg und zwar für den Westen gleich mit. Die DDR leistete etwa 98 Prozent der Reparationslast Gesamtdeutschlands, während die BRD im Rahmen des Marshallplans 1,4 Milliarden US-Dollar von den USA erhielt. 1952 befahl Moskau den Aufbau einer Volksarmee, was den Staatshaushalt stark belastete. Dazu kamen schlechte Ernten. Die DDR befand sich in einer Wirtschaftskrise. Das Konsumangebot war schlecht. Um diese Krise zu überwinden, sollten die Arbeiter nun für denselben Lohn mehr leisten. Die Normerhöhung wurde noch vor dem Aufstand wieder zurückgenommen. Die Dinge nahmen aber ihren Lauf. Eine wesentliche Rolle spielte dabei der Rundfunk im amerikanischen Sektor RIAS.</p>
<p>9. November 1989. Wer war denn nun für den Mauerfall verantwortlich? Ansprüche haben viele Seiten geltend gemacht. Waren es die oppositionellen Bürgerrechtler, die oft aus der evangelischen Friedensbewegung („Schwerter zu Pflugscharen“) hervorgingen und unter anderem die sogenannten Umweltbibliotheken unterhielten? Waren es die Teilnehmer der Montagsdemonstrationen, die von September 1989 an immer mehr wurden? War es generell die Kirche, die in DDR große Freiräume genoss? War es Gorbatschow mit seinem Wind of Change, den er 1986 mit „Glasnost und Perestroika“ einleitete? War der Starrsinn Honeckers an allem schuld? Ist Egon Krenz am Ende ein Held, weil er in seinen sieben Wochen an der DDR-Spitze Reformen auf den Weg brachte und den Einsatz von Gewalt gegen die Demonstrierenden verhinderte? Lag es an Günter Schabowskis Fauxpas oder wäre am 10. November alles ähnlich gekommen, nur nicht „unverzüglich“? Welche Rolle spielten die westdeutschen Medien, die eine Grenzöffnung verkündeten, welche noch nicht vollzogen war? Oder hat am Ende Oberstleutnant Harald Jäger, der die Grenze am Übergang Bornholmer Straße öffnen und bald auf Kontrollen verzichten ließ, die Mauer für immer geöffnet? Wahrscheinlich spielen hier alle Faktoren eine Rolle. Sicherlich noch weitere. Heute wird gern nachträglich rationalisiert, die DDR sei einfach pleite gewesen und ihre Bürger wollten nur noch weg. Dies aber greift wohl deutlich zu kurz und dürfte so auch schlicht falsch sein. Anfang 1989 sagte Honecker, dass die DDR noch in 100 Jahren bestehen werde. Und weder Ost noch West zweifelten daran.</p>
<p>18. März 1990. In Umfragen zur Volkskammerwahl lag die Ost-SPD weit vorn und auch sonst sprach viel für ihren Sieg. Fast die Hälfte wählte dann aber die Allianz aus der unbekannten Ost-CDU, der von der CSU unterstützten DSU und dem kirchennahen Demokratischen Aufbruch. Dem vorausgegangen war ein gigantischer westfinanzierter Werbefeldzug. Allein 100.000 Schallplatten und Kassetten mit Reden Helmut Kohls wurden verteilt. In Erfurt soll die hessische CDU in einer einzigen Nacht 80.000 Plakate geklebt haben. Die Wiedervereinigung hatten die meisten Parteien im Programm, die Allianz aber versprach die schnellste. Und dann wählte das atheistischste Land der Welt die Christen. Obwohl bis 19. Januar 1990 noch fast 1,2 Millionen DDR-Bürger ihren Namen unter den Aufruf „Für unser Land“ gesetzt hatten, der für einen „Dritten Weg“ hin zu einer sozialistischen Alternative zur Bundesrepublik warb, einer zwischen Markt- und Planwirtschaft. Es fragt sich, wie die DDR-Bürger mit dem Wissen davon abgestimmt hätten, was dann folgte: 82 Prozent aller 1989 erwerbstätigen Ostdeutschen waren bis November 1994 mindestens einmal arbeitssuchend. Es fand eine Entwertung der bisherigen Lebensleistung statt, Betriebe wurden geschlossen, verkauft, verschenkt. Nur fünf Prozent des Produktivvermögens der DDR ging in ostdeutsche Hände. Viele verloren ihre Wohnungen an Alteigentümer oder deren Verwandte. Die DDR-Bürger wollten die alte DDR nicht mehr. Aber die meisten wollten auch nicht die alte BRD – die Vorzüge gern, aber nicht das ganze Paket. Die Mehrheit wollte etwas Neues. Und gerade war man dabei, sich zu demokratisieren, sich zu reformieren, da beendete der Anschluss jegliche Selbsterneuerung.</p>
<p>Die Geschichte Ostdeutschlands wird heute im Wesentlichen von Westdeutschland geschrieben. Über den Osten spricht der Westen oft mit sich selbst. Die westdeutsche Sicht auf die Geschehnisse hat sich durchgesetzt. In den Medien, in der Öffentlichkeit. Dabei verschwindet dann auch so manches, was für den Osten von Bedeutung war. In heutigen Kinderbüchern über die Raumfahrt etwa fehlen zwischen bzw. vor Mondlandung, Space Shuttle, Ulf Merbold und Astro-Alex unter anderem diese Protagonisten: Laika, Juri Gagarin und Sigmund Jähn, das erste Tier, der erste Mensch und der erste Deutsche im All. Die erste Deutsche, die im Sport einen Rekord aufstellt, ist manchmal nur die erste Deutsche (ohne DDR). Und Abtreibung aus sozialen Gründen – noch heute wird darum gerungen – war in der DDR übrigens schon 1950 keine Straftat mehr.</p>
<p>Längst wird die westdeutsche Geschichte Ostdeutschlands auch von vielen Ostdeutschen so erzählt: Die DDR war ein Unrechtsstaat mit Totalüberwachung, eine Diktatur, die ihre Menschen einsperrte und beim Fluchtversuch erschoss. Das „größte Freiluftgefängnis Europas“ (Ilko-Sascha Kowalczuk) als Fehltritt der Geschichte. Nun aber würden die „verzwergten“ Persönlichkeiten, deren Wissen unbrauchbar für den Westen gewesen sei (Arnulf Baring), wieder dem richtigen Pfad folgen.</p>
<p>Die DDR war aber auch Sozialstaat, Lese- und Theaterland sowie Sportnation. Wo Frauen arbeiten konnten, durften, mussten, weil es eine ausreichende Kinderbetreuung gab. Ein Land ohne Arbeits- und Obdachlosigkeit, mit lächerlichen Mieten und Lebensmittelpreisen sowie einer umfassenden Gesundheitsversorgung. Wo Pragmatismus, Direktheit und Solidarität charakteristisch waren. Höre ich ein „Ja, aber?“ Das kann durchaus berechtigt sein, genau wie bei der anderen Erzählung. Fakt ist aber, dass solche Errungenschaften des Ostens heute nichts mehr zählen.</p>
<p>Ich weiß, ich weiß: dünnes Eis. Das bringt mich zum nächsten Punkt.</p>
<div id="attachment_7875" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7875" class="wp-image-7875" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/KAS-Antisozialismus-Bild-11144-1.jpg" alt="Wahl zur Volkskammer am 18. März 1990: Plakate der Allianz für Deutschland. Abbildung: Wikimedia Commons KAS/ACDP 10-024 : 5011 CC-BY-SA 3.0 DE" width="600" height="418"><p id="caption-attachment-7875" class="wp-caption-text">Wahl zur Volkskammer am 18. März 1990: Plakate der Allianz für Deutschland. Abbildung: Wikimedia Commons KAS/ACDP 10-024 : 5011 CC-BY-SA 3.0 DE</p></div>
<h2><span class="title-bg">Fettnäpfchenfalle Ost</span></h2>
<p>Ostdeutschland ist ein gefährliches Gesprächsthema zwischen Ost und West. Denn schnell gelangen beide Seiten zur Einschätzung, die jeweils andere werde es wohl nie verstehen. Beim Smalltalk sollte man das Thema vielleicht besser so meiden wie Politik und Religion, weil man hier schnell ins Fettnäpfchen des anderen tritt. Andererseits müssen wir über Ostdeutschland dringend miteinander im Gespräch bleiben.</p>
<p>Die Fronten sind schnell verhärtet. „So isser, der Ossi“, der undankbare Jammerossi. Die Milliarden, die wir da reingepumpt haben. Unser Soli. Was die jetzt für tolle Straßen haben, da träumen wir von. Auf der anderen Seite steht der Besserwessi, der den Osten der USA besser kennt als den Osten Deutschlands. Er hat ein Jahr länger fürs Abi gebraucht – weil da noch zwölf Monate Schauspielunterricht enthalten waren.</p>
<p>Die Schubladen sind groß, in die man beim Sprechen über Ostdeutschland nahezu reflexartig gesteckt wird. Schnell hat jeder sein Etikett. Wer daran erinnert, dass man in der DDR trotz aller Einschränkungen auch ein relativ normales Leben führen konnte, wenn auch nicht nach den Maßstäben des Westens, gerät in den Verdacht, blind, privilegiert oder bei der Stasi gewesen zu sein. Wer die schrecklichen Schicksale derer, die stark unter Repressionen zu leiden hatten, für repräsentativ erklärt, muss sich den Vorwurf anhören, dass dies nichts mit der Lebenswirklichkeit der meisten zu tun hatte. Das schlechte Image Ostdeutschlands leidet neben seinen Herausforderungen unter einer westdeutsch dominierten Medienlandschaft und einer unausgewogenen Aufarbeitung. Beschäftigt wird sich in erster Linie mit den Missständen in der DDR. Wo aber nur die Schattenseite erforscht wird, entsteht zwangsläufig ein Dunkeldeutschland. Der Osten als Gruselkabinett.</p>
<p>Ein verzerrtes Bild zeichnen auch viele statistische Erhebungen. Ostberlin wird in ihnen oft nicht zu Ostdeutschland gezählt. Insbesondere wenn es darum geht, den Rückstand des Ostens darzustellen. Wenn es aber darum geht, die Fortschritte zu zeigen, wird gern gleich ganz Berlin zu den neuen Bundesländern geschlagen. Beides behindert einen klaren Blick auf die Entwicklung des Ostdeutschlands, das einmal die DDR war.</p>
<p>Westdeutschen ist ein begrenztes Interesse an ostdeutschen Zusammenhängen und Befindlichkeiten schwer vorzuwerfen. Für sie hat sich einfach gar nichts geändert. Was Ostdeutsche aber schnell auf die Palme bringt, ist westdeutscher Paternalismus. Eine väterliche, mitunter oberlehrerhafte Art der Bevormundung. Ein besonders rotes Tuch ist für sie, wenn Westdeutsche ihnen den Osten erklären.</p>
<p>Angesichts des vorherrschenden Bildes von Ostdeutschland fühle ich mich wie manch anderer immer wieder in eine Verteidigungsposition gezwungen. Ich habe den Eindruck, aus einem Gerechtigkeitsempfinden heraus Partei für etwas ergreifen zu müssen, für das ich dies sonst niemals tun würde. So bin ich, so sind „wir“ im Übrigen auch nicht erzogen worden, ganz im Gegenteil: sich bloß nicht wichtigtun. Immer schön bescheiden, dann kann dich jeder leiden. Allerdings lernen wir von Oschmann: Wer gehört werden will, der muss heute laut sein. Denn zwischen den Zeilen liest jetzt keiner mehr.</p>
<div id="attachment_8040" style="width: 515px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8040" class="wp-image-8040" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Screenshot-2025-10-10-163448_Rahmen-1.jpg" alt="Die Website ostdeutschland.info ist im September 2024 online gegangen." width="505" height="600"><p id="caption-attachment-8040" class="wp-caption-text">Die Website ostdeutschland.info ist im September 2024 online gegangen.</p></div>
<h2><span class="title-bg">Brücken bauen und Banden bilden</span></h2>
<p>2023 erreicht die AfD in Umfragen 23 Prozent – doppelt so viel wie bei der Bundestagswahl 2021. Und weit mehr als die NSDAP 1930 (18 Prozent). Vor allem in Ostdeutschland kommen die rechtsextremen Populisten auf hohe Zustimmungswerte. Auch in den politischen Umfragen zeichnen sich damit längst wieder die Grenzen der DDR ab. Die AfD besetzt ursprünglich positive Ostbegriffe und lässt ihre Westimporte auf Simsons ablichten. Mit Erfolg. Manche ihrer Wähler wissen es nicht besser, manche wissen es sehr genau, manche wollen die Welt einfach brennen sehen. Nie wieder ist spätestens jetzt.</p>
<p>2023 ist auch das Jahr, in dem die Bücher von Dirk Oschmann und Katja Hoyer für Furore sorgen. Ostdeutschland war und ist nicht, wie es sich Westdeutschland vorstellt. Die westdeutsche Kritik an den Werken spricht Bände. Das alles und noch viel mehr ist für mich in diesem Jahr Anlass, auch etwas beizutragen. Ich initiiere Teil eins dieses Sammelbandes und lege direkt los. Außerdem plane ich die Website ostdeutschland.info und beginne, mich zu vernetzen.</p>
<p>Zeitgleich mit Erscheinen des Buches geht das Informationsportal online. Es gibt Orientierung zum Thema Ostdeutschland. Es klärt darüber auf, was im Osten Deutschlands passiert, wer von hier kommt und wer hier wie agiert. ostdeutschland.info berichtet unabhängig und umfassend – mit überschaubarer Kapazität, aber reichlich Herzblut und großartiger Resonanz.</p>
<p>Der Osten ist in Deutschlands Öffentlichkeit und darüber hinaus nicht angemessen repräsentiert. Dagegen will ostdeutschland.info etwas tun. Die Website möchte – genau wie ich – dazu beitragen, Ostdeutschlands Vergangenheit und dessen Gegenwart zu verstehen sowie diese Region vieler Regionen nach vorn zu bringen, damit eines Tages wirklich ein Haken an die sogenannte Wiedervereinigung gemacht werden kann.</p>
<hr>
<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Lasst uns gemeinsam etwas Neues schaffen und nicht vor tiefgreifenden Reformen zurückschrecken. Sie sind dringend notwendig.”</strong></span></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Zukunft Ost</span></h2>
<p>Am 1. April 2025 wurde auf ostdeutschland.info ein <a href="https://ostdeutschland.info/merz-macht-osten-zur-chefsache-zehn-punkte-programm-fuer-ostdeutschland/" target="_blank" rel="noopener">Aprilscherz veröffentlicht</a>. Friedrich Merz hätte angeblich ein Zehn-Punkte-Programm für Ostdeutschland angekündigt. Der Beitrag sollte zum Nachdenken darüber anregen, was Ostdeutschland wirtschaftlich braucht, um aufzuschließen. Einige Punkte waren gar nicht so weit hergeholt und so manches würde ich auch wirklich für eine gute Idee halten. Etwa eine Ostquote für Führungspersonal in Bundesregierung, Bundesbehörden und Bundeswehr, Sonderwirtschaftszonen in Ostdeutschland und ein Sondervermögen Ost, das vorrangig im Bereich erneuerbare Energien sowie in Zukunftstechnologien wie Mikroelektronik, Halbleiterindustrie und Wasserstoffwirtschaft investiert wird, in denen der Osten Deutschlands bereits jetzt gut unterwegs ist. Merz hätte eine Abstimmung darüber vorschlagen wollen, 2029 das Grundgesetz in eine neue, gemeinsame Verfassung übergehen zu lassen, den Tag der Deutschen Einheit auf ein besser geeignetes Datum zu verlegen und eine neue Nationalhymne in Anlauf zu nehmen. Aber immerhin: Punkt zehn – Olympische Spiele in Ostdeutschland – wurde Ende Mai 2025 auf den Weg gebracht. Die Bewerbung ist erfolgt.</p>
<p>Denke ich an Ostdeutschland, dann denke ich an meine Ostberliner Herkunft und daran, wie die Wiedervereinigung gelingen kann. Es braucht hier Selbstbewusstsein durch Selbstwirksamkeit. Es braucht Mut statt Wut. Mit der geballten Faust in der Tasche lässt sich schlecht anpacken. Aber der Schlüssel ist die Wirtschaft. Sie ist die Voraussetzung für Wohlstand und erfolgreiche Zukunft. Der Osten hat viel zu bieten: eine großartige Hochschullandschaft, starke Wirtschaftscluster, gut ausgebildete Menschen, viel Potenzial für Erneuerbare, noch relativ flexible Strukturen und eine Menge Transformationserfahrung. Hier leisten die Leute etwas, weil sie es auch müssen. Da winkt kein großes Erbe. Ostdeutschland ist Seismograf und eignet sich als Labor. Ostdeutsche wissen: Was sich festfährt, kann plötzlich weg sein. Nach fest kommt ab. Was Ostdeutsche als von außen Hinzugekommene vielleicht besser sehen: In Deutschland läuft heute schon vieles schief. Aber wir fahren weiter in unserem trägen Tanker auf seinem alten Kurs. Darum lasst uns gemeinsam etwas Neues schaffen und nicht vor tiefgreifenden Reformen zurückschrecken. Sie sind dringend notwendig.</p>
<div id="attachment_7879" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7879" class="wp-image-7879" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Cover-Denke-ich-an-Ostdeutschland_bd.1-und-bd.2_klein.jpg" alt="110 Autorinnen und Autoren teilen auf 448 Seiten ihre Gedanken zu Ostdeutschland." width="600" height="415"><p id="caption-attachment-7879" class="wp-caption-text">110 Autorinnen und Autoren teilen auf 448 Seiten ihre Gedanken zu Ostdeutschland.</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Dr. Robert Nehring</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>GEBOREN:</strong> 1974/Ostberlin</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Berlin</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEINE BUCHTIPPS:</strong> Jens Sparschuh: „Der Zimmerspringbrunnen“, 1995; Steffen Mau: „Lütten Klein“, 2019; Christoph Hein: „Das Narrenschiff“, 2025</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEINE FILMTIPPS:</strong> „Eins, zwei, drei“, 1961; „Flüstern und Schreien“, 1988</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Ostsee</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/dr-robert-nehring-mysterium-und-minenfeld-warum-das-sprechen-ueber-den-osten-so-schwerfaellt/">Robert Nehring: Mysterium und Minenfeld. Warum das Sprechen über den Osten so schwerfällt</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Anzeige 3. Position</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/179-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anzeige]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2026 22:01:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=179</guid>

					<description><![CDATA[<p><a href="https://signal-iduna.de/produkte/gewerbe/cyber-versicherung/?utm_source=versorgungswerk&#38;utm_medium=display&#38;utm_campaign=202503&#124;gewerbe&#124;vuvm&#38;utm_content=cyberversicherung" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-4371 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/02/300x250px_Feb25_Cyber.jpg" alt="Signal Iduna – Umfassende finanzielle Absicherung bei Cyberangriff" width="300" height="250"></a></p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://signal-iduna.de/produkte/gewerbe/cyber-versicherung/?utm_source=versorgungswerk&amp;utm_medium=display&amp;utm_campaign=202503|gewerbe|vuvm&amp;utm_content=cyberversicherung" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-4371 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/02/300x250px_Feb25_Cyber.jpg" alt="Signal Iduna – Umfassende finanzielle Absicherung bei Cyberangriff" width="300" height="250"></a></p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vor dem AfD-Parteitag in Erfurt: Diskussion von Formen des Widerstands</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/vor-dem-afd-parteitag-in-erfurt-dikussionen-von-formen-des-widerstands/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aus Anlass des bevorstehenden Bundesparteitags der AfD in Erfurt lud Luke Hoß, rechtspolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke im Bundestag, am 24. Juni zu einem fachpolitischen Frühstück ins Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages. Diskutiert werden sollten Formen des Widerstands. Wir waren dabei.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9994" class="wp-image-9994" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/widersetzen_ParlFrüh_JM-31.jpg" alt="Die Diskussionsteilnehmer Suraj Mailitafi vom Bündnis „Widersetzen“, Philosophin Eva von Redecker, der Bundestagsabgeordnete Luke Hoß und Jens-Christian Wagner (Leiter der Gedenkstätte Buchenwald) diskutierten über Strategien im Kampf gegen den Rechtsextremismus. Abbildung: Jennifer Marke, Fraktion [...]
</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/vor-dem-afd-parteitag-in-erfurt-dikussionen-von-formen-des-widerstands/">Vor dem AfD-Parteitag in Erfurt: Diskussion von Formen des Widerstands</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Aus Anlass des bevorstehenden Bundesparteitags der AfD in Erfurt lud Luke Hoß, rechtspolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke im Bundestag, am 24. Juni zu einem fachpolitischen Frühstück ins Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages. Diskutiert werden sollten Formen des Widerstands. Wir waren dabei.</p>
<p><span id="more-9991"></span></p>
<div id="attachment_9994" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9994" class="wp-image-9994" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/widersetzen_ParlFrüh_JM-31.jpg" alt="Die Diskussionsteilnehmer Suraj Mailitafi vom Bündnis „Widersetzen“, Philosophin Eva von Redecker, der Bundestagsabgeordnete Luke Hoß und Jens-Christian Wagner (Leiter der Gedenkstätte Buchenwald) diskutierten über Strategien im Kampf gegen den Rechtsextremismus. Abbildung: Jennifer Marke, Fraktion Die Linke Im Bundestag" width="600" height="338"><p id="caption-attachment-9994" class="wp-caption-text">Die Diskussionsteilnehmer Suraj Mailitafi vom Bündnis „Widersetzen“, Philosophin Eva von Redecker, der Bundestagsabgeordnete Luke Hoß und Jens-Christian Wagner, der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, (v. l. n. r.) sprachen über Strategien im Kampf gegen den Rechtsextremismus. Abbildung: Jennifer Marke, Fraktion Die Linke im Bundestag</p></div>
<p>Am 4. und 5. Juli findet in der Messe Erfurt der 17. Bundesparteitag der AfD statt. Erwartet werden 600 Delegierte, 400 Pressevertreter und mehr als 50.000 Gegendemonstranten. Die Hauptstadt Thüringens bereitet sich auf den größten Polizeieinsatz der Geschichte vor. Befürchtet wird eine Eskalation der Gegendemonstranten. Die Wut im linken Lager ist groß. Schon das Datum macht fassungslos. Vor genau 100 Jahren hielt die NSDAP im thüringischen Weimar den Reichsparteitag ab, auf dem die Hitlerjugend gegründet und der „Deutsche Gruß“ erstmals massenhaft in der Öffentlichkeit gezeigt wurde. Vor diesem Hintergrund lud Die Linke zur Diskussion ein.</p>
<p>Eingangsstatements gaben die Philosophin Eva von Redecker, der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, Jens-Christian Wagner, der Mitorganisator des Bündnisses „Widersetzen“, Suraj Mailitafi, sowie der Bundestagsabgeordnete Luke Hoß. Im Anschluss wurde das Panel geöffnet.</p>
<p>Eva von Redecker rief dazu auf, die AfD nicht aus dem Tunnelblick der Historie anzuschauen. Es sei wichtig, den Rechtsruck vor dem globalen Hintergrund zu betrachten. Überall, wo die Motive des Neoliberalismus gesetzt seien, habe es der Rechtsextremismus einfach. Die Philosophin bezeichnete den deutschen Fatalismus gegenüber der AfD als verfehlt. Das Bild eines apokalyptischen Szenarios werde zum Problem, wenn die AfD in Sachsen-Anhalt an die Macht kommen würde und die negativen Befürchtungen bezüglich ihrer Politik nicht eintreten. Von Redecker geht nicht davon aus, dass Menschen aus ländlichen Gegenden in Ostdeutschland Verständnis für eine geplante Blockade des AfD-Parteitages haben. Die Kommunikation des Protests im Vorfeld hält sie daher für wichtig. Sie findet es entscheidend, den Kampf gegen den Rechtsextremismus aus der Perspektive von Menschen zu betrachten, die bereits von rechter Politik und Gewalt bedroht sind.</p>
<h2><span class="title-bg">„Berlin ist nicht Weimar“</span></h2>
<p>Jens-Christian Wagner mahnte, dass Berlin nicht Weimar sei. Angesichts der Vergleiche zwischen der AfD und der NSDAP plädierte er dafür, mit falschen politischen Analogien dieser Art vorsichtig zu sein. Die Zeit der Weimarer Republik sei mit heute nicht vergleichbar. Seiner Ansicht nach gibt es in Deutschland eine viel stabilere Zivilgesellschaft als zur damaligen Zeit. Wagner widersprach von Redeckers Einschätzung, das Erstarken des Rechtsextremismus sei nur auf den Neoliberalismus zurückzuführen. Diese Analyse sei verkürzt gedacht. Er wies auf das Parteiprogramm der AfD Sachsen-Anhalt hin. Darin seien in jeder dritten Zeile Anklänge an das völkische Denken des 20. Jahrhunderts zu finden. Dies unterscheide sie von Libertären wie dem argentinischen Präsidenten Javier Milei, der einen Neoliberalismus in seiner radikalsten Form anstrebe. Laut Wagners Einschätzung will die AfD so etwas nicht.</p>
<p>Wichtig sei es, das völkische Gedankengut der Partei sichtbar zu machen und zu verdeutlichen, woher es komme. In diesem Zusammenhang erklärte Wagner, dass er eine Überprüfung des AfD-Parteiverbots für richtig hält und ihm das Argument, ein Verbot würde der Partei helfen, nicht ausreiche. Als Beispiel führte er das erfolgreiche Parteiverbot gegen die Sozialistische Reichspartei im Jahr 1952 an. Wagner kündigte an, während des AfD-Parteitags vor dem Messegelände Erfurt sprechen zu wollen. Er wünsche sich, dass Hunderttausende zum Protest kommen. Dennoch sei er gegen Blockaden, da diese der AfD in die Karten spielen würden.</p>
<h2><span class="title-bg">„Strahl der Hoffnung senden“</span></h2>
<p>Suraj Mailitafi, Mitorganisator des Bündnisses „Widersetzen“, das die Proteste gegen den AfD-Parteitag organisiert, erläuterte die Standpunkte von „Widersetzen“. Er erklärte, dass das von der AfD ausgewählte Datum, der 4. Juli, kein Zufall sei und erinnerte an den Reichsparteitag der NSDAP vor 100 Jahren in Thüringen. Das Verhalten der AfD dürfe nicht kleingeredet werden. Es brauche Räume der Hoffnung. Wie diese entstehen, sei für ihn bei den Protesten gegen die AfD-Versammlung am 29. und 30. November 2025 in Gießen sichtbar geworden. Auf Union und SPD sei kein Verlass, da die Regierungsparteien die Ideen der AfD bezüglich der Migrationspolitik teilweise durchsetzen würden. Die Blockade und der damit verbundene geplante Protest gegen den AfD-Parteitag geben laut Mailitafi ein wichtiges Signal an Menschen, die tagtäglich Rassismus erleben. Das Bündnis „Widersetzen“ wolle von Erfurt einen Strahl der Hoffnung nach Deutschland senden und den Menschen, die sich wegen Rechtsextremismus Sorgen machen, zeigen, dass sie nicht allein sind. Mailitafi erklärte, dass bereits das zeitweise Verhindern und Stören des AfD-Parteitags ein Erfolg wäre. Jede Minute, in der sich die Teilnehmer des Parteitags nicht vernetzen und austauschen können, sei positiv.</p>
<p>Alle Teilnehmer waren sich einig, dass es notwendig sei, gegen das Erstarken des Rechtsextremismus zu protestieren. Luke Hoß analysierte die Diskussion wie folgt: „Alle Expert:innen haben bei unserem fachpolitischen Frühstück betont: Die AfD ist eine im Kern faschistische Partei und eine reale Gefahr für Menschen. Für uns als Linke ist deshalb klar: Jetzt ist der Moment, wo wir Widerstand leisten müssen, gemeinsam mit der Breite der Zivilgesellschaft. Es ist wichtig, die AfD mit allen Mitteln zu bekämpfen. Deshalb ist ziviler Ungehorsam gegen den AfD-Parteitag am 4. Juli in Erfurt, bei dem die Faschisten ihre Machtübernahme planen, nicht nur legitim, sondern geboten.“</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Buchvorstellung: „Souverän – Plädoyer für mehr direkte Demokratie“</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-souveraen-plaedoyer-fuer-mehr-direkte-demokratie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Jun 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9476</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Eisenacher Bürgerrechtler Ralf-Uwe Beck beschäftigt sich in seinem Buch mit Möglichkeiten direkter Demokratie in Deutschland. Auf diesem Feld ist er Experte. Wir haben den „Essay aus ostdeutscher Perspektive“ gelesen.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-9088" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/03/Beck_Souveraen_Plaedoyer_fuer_mehr_direkte_Demokratie_2026.jpg" alt="Das Cover von Ralf-Uwe Becks Buch „Souverän: Plädoyer für mehr direkte Demokratie“" width="280" height="440"><br />
Ralf-Uwe Beck: „Souverän – Plädoyer für mehr direkte Demokratie“, Oekom-Verlag, München 2026, 240 Seiten, 22 €.</p>
<p>&#160;<br />
Beck zeigt anhand eigener Erfahrungen, wie der Kampf für direkte Demokratie funktionieren kann. Gemeinsam mit anderen [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-souveraen-plaedoyer-fuer-mehr-direkte-demokratie/">Buchvorstellung: „Souverän – Plädoyer für mehr direkte Demokratie“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Eisenacher Bürgerrechtler Ralf-Uwe Beck beschäftigt sich in seinem Buch mit Möglichkeiten direkter Demokratie in Deutschland. Auf diesem Feld ist er Experte. Wir haben den „Essay aus ostdeutscher Perspektive“ gelesen.</p>
<p><span id="more-9476"></span></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-9088" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/03/Beck_Souveraen_Plaedoyer_fuer_mehr_direkte_Demokratie_2026.jpg" alt="Das Cover von Ralf-Uwe Becks Buch „Souverän: Plädoyer für mehr direkte Demokratie“" width="280" height="440"></p>
<p>Ralf-Uwe Beck: „Souverän – Plädoyer für mehr direkte Demokratie“, Oekom-Verlag, München 2026, 240 Seiten, 22 €.</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beck zeigt anhand eigener Erfahrungen, wie der Kampf für direkte Demokratie funktionieren kann. Gemeinsam mit anderen initiierte er das Volksbegehren „Mehr Demokratie in Thüringen“. Dafür wurden im Jahr 2000 innerhalb von vier Monaten 387.469 Unterschriften gesammelt. Bis die Thüringer Landesregierung das Volksbegehren zuließ, waren jedoch mehrere Anläufe notwendig. Um die Unterschriftensammlung erfolgreich umzusetzen, mussten Beck und seine Unterstützer innerhalb von elf Tagen eine Million Unterschriftsbögen drucken und an Aktionskreise im gesamten Bundesland verteilen. Am Ende gelang es den Initiatoren, die erforderlichen 280.000 Stimmen deutlich zu übertreffen und den Nachweis bei der Landesregierung einzureichen.</p>
<p>Der Autor macht auf einen wenig bekannten Umstand aufmerksam: Die Einführung direkter Demokratie auf Bundesebene sei in den vergangenen 36 Jahren gleich zweimal greifbar nah gewesen – 1990 und 2013. Im Jahr 1990 gehörte die direkte Demokratie zu den wichtigsten Forderungen der ostdeutschen Vertreter am „Runden Tisch“. Sie hatten die Idee, eine gemeinsame Verfassung für Ost- und Westdeutschland zu erarbeiten und anschließend darüber abstimmen zu lassen. Dies sollte dazu beitragen, dass sich das deutsche Volk auch verfassungsrechtlich wiedervereint. Noch im Juni 1990 sprach sich der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse für eine Volksabstimmung über eine gesamtdeutsche Verfassung aus. Beck zufolge scheiterte dieses Vorhaben jedoch am Widerstand von CDU/CSU und dem damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble. Die westdeutsche Seite lehnte eine neue Verfassung ab. Beim Aushandeln des Einigungsvertrags sahen Schäuble und Kohl laut Beck keinen Mehrwert darin, da sie das Grundgesetz für ausreichend hielten.</p>
<p>Einen weiteren Versuch gab es 2013. Die SPD machte die Einführung direkter Demokratie zu einem Wahlkampfthema. Ihr Vorschlag sah ein fakultatives Referendum nach Schweizer Vorbild vor, mit dem Bürger beschlossene Gesetze überprüfen können. Die Idee sei aber während der Koalitionsverhandlungen von der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel gegenüber dem SPD-Verhandlungsführer Sigmar Gabriel abgelehnt worden.</p>
<p>Seit dem Brexit-Referendum in Großbritannien 2016 haben sich CDU/CSU, SPD und Grüne dem Autor zufolge zunehmend von der Einführung direkter Demokratie auf Bundesebene distanziert. Als Begründung dienten häufig der Ausgang jenes Referendums und dessen Folgen.</p>
<p>Beck erläutert die Haltung der verschiedenen Parteien zur direkten Demokratie. Die Grünen etwa galten lange als starke Befürworter, hätten sich aber in den vergangenen Jahren von dieser Position entfernt. Im Hinblick auf die AfD beschreibt Beck, dass diese die Volksbefragungen einführen wolle, um sie gegen die parlamentarische Demokratie einzusetzen und diese letztlich abzuschaffen. Dies widerspreche jedoch dem eigentlichen Zweck direkter Demokratie. Beck versteht diese als Ergänzung und Unterstützung der parlamentarischen Demokratie, nicht als deren Gegnerin. Deshalb hält er es für gefährlich, dass CDU/CSU, SPD, Grüne und FDP das Thema zunehmend der AfD überlassen.</p>
<p>Im weiteren Verlauf des Buches stellt Beck verschiedene Formen direkter Demokratie in anderen Ländern vor. Ein Beispiel ist die „Citizens Assembly“ in Irland. Dort wurden 2016 Bürgerräte ausgelost, um scheinbar unlösbare politische Fragen zu diskutieren und Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Anschließend wurde über die Ergebnisse in einer Volksbefragung abgestimmt. Ein weiteres Beispiel ist das fakultative Referendum in der Schweiz. Bürgerinnen und Bürger haben dort 100 Tage Zeit, Einspruch gegen ein vom Parlament beschlossenes Gesetz einzulegen. Dafür müssen 50.000 Unterschriften gesammelt werden. Wird diese Zahl erreicht, entscheidet die Bevölkerung in einer Volksabstimmung über die Einführung des Gesetzes. Beck schlägt vor, bei Volksbefragungen drei Varianten zur Auswahl zu stellen: einen Vorschlag des Parlaments, einen Vorschlag aus der Bevölkerung sowie eine Kompromisslösung, die von Bürgerräten erarbeitet wird.</p>
<p>Insgesamt gelingt es Beck überzeugend darzustellen, warum Volksbefragungen auf Bundesebene für die politische Entwicklung Deutschlands vorteilhaft sein könnten. Er widerspricht der Befürchtung, dass mehr direkte Demokratie dem Parlamentarismus schade und argumentiert stattdessen, dass sie diesen stärken könne. Zudem macht er deutlich, dass direkte Demokratie eine Möglichkeit bietet, verloren gegangenes Vertrauen in die Politik zurückzugewinnen. Das Buch vermittelt einen guten Überblick über das Thema und trägt dazu bei, die Debatte um direkte Demokratie besser zu verstehen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-souveraen-plaedoyer-fuer-mehr-direkte-demokratie/">Buchvorstellung: „Souverän – Plädoyer für mehr direkte Demokratie“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Jägerschnitzel. Der Ost-Ost-Blick #6: Die Osterklärer</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/jaegerschnitzel-der-ost-ost-blick-6-die-osterklaerer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jun 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Belletristik]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9946</guid>

					<description><![CDATA[<p>In Teil sechs seiner Kolumne widmet sich Julian Nejkow dem Autor Lukas Rietzschel und dessen Buch „Sanditz“. Am Beispiel Rietzschels beschreibt er das Phänomen der „Osterklärer“ und erläutert, warum er es für problematisch hält.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8046" class="wp-image-8046" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Nejkow.jpg" alt="Julian Nejkow, 1988 in Thüringen geboren, ist Deutsch-Bulgare mit Bindestrichidentität. Er hat Politikwissenschaft in Jena und Dresden studiert. Seit 2021 beschäftigt er sich verstärkt mit Ostdeutschland. Abbildung: Paul Glaser" width="600" height="600">Julian Nejkow, 1988 in Thüringen geboren, ist Deutsch-Bulgare mit Bindestrichidentität. Er [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/jaegerschnitzel-der-ost-ost-blick-6-die-osterklaerer/">Jägerschnitzel. Der Ost-Ost-Blick #6: Die Osterklärer</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In Teil sechs seiner Kolumne widmet sich Julian Nejkow dem Autor Lukas Rietzschel und dessen Buch „Sanditz“. Am Beispiel Rietzschels beschreibt er das Phänomen der „Osterklärer“ und erläutert, warum er es für problematisch hält.</p>
<p><span id="more-9946"></span></p>
<div id="attachment_8046" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8046" class="wp-image-8046" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Nejkow.jpg" alt="Julian Nejkow, 1988 in Thüringen geboren, ist Deutsch-Bulgare mit Bindestrichidentität. Er hat Politikwissenschaft in Jena und Dresden studiert. Seit 2021 beschäftigt er sich verstärkt mit Ostdeutschland. Abbildung: Paul Glaser" width="600" height="600"><p id="caption-attachment-8046" class="wp-caption-text">Julian Nejkow, 1988 in Thüringen geboren, ist Deutsch-Bulgare mit Bindestrichidentität. Er hat Politikwissenschaft in Jena und Dresden studiert. Seit 2021 beschäftigt er sich verstärkt mit Ostdeutschland. Abbildung: Paul Glaser</p></div>
<p>Eines vorweg: Jeder Einzelne und jede Einzelne,&nbsp;der oder die sich für den Osten der Republik engagiert, wird in mir einen Verbündeten finden. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir nicht ab und an mal Bilanz ziehen müssen, was wir im Großen erreicht haben. Die Geschichten im Kleinen sind zahlreich, aber viel zu wenig erzählt.</p>
<p>Die Liste der Namen, die sich für den Osten der Republik engagiert haben und engagieren, ist umfangreich. Einige von ihnen sind durch ihre mediale Präsenz durchaus dem ost- wie westdeutschen Publikum bekannt.</p>
<p>In den Fokus geriet zuletzt noch einmal der Autor Lukas Rietzschel. In Bezug auf seinen Roman „<a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-sanditz-von-lukas-rietzschel/" target="_blank" rel="noopener">Sanditz</a>“ überschlugen sich die Literaturkritiker und Feuilletons der Republik. Fast kein Loblied konnte zu hoch gesungen werden: „Nachwendeepos“, „das Buch, wenn man Ostdeutschland verstehen will“, um nur zwei von Dutzenden zu nennen. Zuweilen konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Herren Literaturkritiker fleißig voneinander abgeschrieben haben. Aber da kann ich mich natürlich täuschen.</p>
<p>Doch zurück zur Sache. Sanditz ist ein gutes, ein wichtiges Buch. Wer den Autor und die Stadt, an die dieser Roman angelehnt ist, kennt, der kann sie quasi gemeinsam mit ihm abgehen und – wenn man aus ähnlichen Verhältnissen kommt – gewiss auch seiner eigenen Vergangenheit nachspüren. Sicher steht die fiktive Stadt auch für andere ostdeutsche Städte und Rietzschel holt damit gewiss viele Menschen ab. Ich für meinen Teil feiere das Buch, aber genau da liegt das Problem: Autorinnen und Autoren solcher Bücher, Influencer, Podcasthosts etc. werden zu Osterklärern stilisiert – zunächst von den Medien, doch irgendwann erheben sich einige auch selbst in diesen Stand. Nur für wen erklären sie den Osten? Für die Ostdeutschen selbst wohl kaum. Diese nehmen sie meist auch nicht als ihre Vertreter wahr und ernst.</p>
<p>Nein, diese Menschen erklären allzu oft den Westdeutschen, wie es im Osten so läuft. Und ihre Lesungen sind voll. Umgekehrt lassen sich viele Ostdeutsche gern von „Wessis“ wie Björn Höcke oder Alice Weidel die Welt erklären – bizarr. Die Besucher hören den Osterklärern jedenfalls gespannt zu, wenn diese behaupten, der Osten sei so oder so, die Menschen würden deswegen oder jenes wegen die AfD wählen und sie seien unglücklich und unzufrieden. Bis dann einer aus dem Publikum ruft, sie sollten doch dankbar sein.</p>
<p>Um es überspitzt zu sagen: Dann ist die Debatte beendet – oder zumindest sind alle Beteiligten mehr oder weniger zufrieden.</p>
<p>Bis dann irgendwann die nächste Sau durch ein ostdeutsches Dorf getrieben wird. Meist medial durch verantwortliche Redakteure, die sich im Osten so gut auskennen wie ich mit Atomphysik. Zur Hilfe werden dann die Osterklärer gerufen, die erklären sollen, was da wieder in Sanditz, Chemnitz oder Görlitz etc. vor sich geht. Was haben wir nicht alles erklärt und wiederholt und erklärt und wiederholt! Jetzt wollen wir verbieten und maßregeln und die Leute sollten am liebsten die Fresse halten, oder nicht? (Der Ton ist bei uns im Osten ein wenig rauer).</p>
<p>Das Leben soll ja in der Kurzschau eine Tragödie und in der Langschau eine Komödie sein, so einst Charlie Chaplin. Doch wo ist hier der Höhepunkt, wo das retardierende Moment? Wird das Ende zu einer Katastrophe und wie sähe das aus? So altklug und abgedroschen es klingen mag: Wenn wir das wirklich wissen wollen, müssen wir eben nicht erklären, sondern zuhören – so lange, bis es uns aus den Ohren herauskommt. Denn zu behaupten, das wurde ausreichend gemacht, halte ich für genauso hanebüchen wie die Behauptung, die Einheit sei vollzogen. Denn sie wurde wirtschaftlich gedacht und gesellschaftlich vernachlässigt.</p>
<p>Jetzt noch einen frischen Slogan oder gar eine Handlungsempfehlung – ohne mich! &nbsp;Jeder weiß, was zu tun ist.</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-8127" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Nejkow_Hoellenjahre.jpg" alt width="200" height="284">Julian Nejkow: „Höllenjahre – von jetzt auf gleich”, epubli, Berlin 2024, 336 Seiten, 19,90 € (Softcover).</p>
<p>Mehr Informationen unter&nbsp;<a href="http://www.Ölbart.de" target="_blank" rel="noopener">Ölbart.de</a>.</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/jaegerschnitzel-der-ost-ost-blick-6-die-osterklaerer/">Jägerschnitzel. Der Ost-Ost-Blick #6: Die Osterklärer</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Frank Nehring: Netzwerke im Osten. Plattformen für Austausch und Fortschritt</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/frank-nehring-netzwerke-im-osten-plattformen-fuer-austausch-und-fortschritt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Jun 2026 05:30:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=7854</guid>

					<description><![CDATA[<p>Frank Nehring, Herausgeber von Wirtschaft+Markt, Gründer des Ostdeutschen Wirtschaftsforum und Präsident des MPW Forums für Medien, Politik und Wirtschaft e.V., ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7857" class="wp-image-7857 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Nehring_Frank_DIAO2.png" alt="Frank Nehring, Herausgeber Wirtschaft+Markt, Gründer Ostdeutsches Wirtschaftsforum, Präsident MPW Forum für Medien, Politik und Wirtschaft e.V. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen, Bernd Brundert" [...]
</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Frank Nehring, Herausgeber von Wirtschaft+Markt, Gründer des Ostdeutschen Wirtschaftsforum und Präsident des MPW Forums für Medien, Politik und Wirtschaft e.V., ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7854"></span></p>
<div id="attachment_7857" style="width: 715px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7857" class="wp-image-7857 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Nehring_Frank_DIAO2.png" alt="Frank Nehring, Herausgeber Wirtschaft+Markt, Gründer Ostdeutsches Wirtschaftsforum, Präsident MPW Forum für Medien, Politik und Wirtschaft e.V. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen, Bernd Brundert" width="705" height="1000"><p id="caption-attachment-7857" class="wp-caption-text">Frank Nehring, Herausgeber Wirtschaft+Markt, Gründer Ostdeutsches Wirtschaftsforum, Präsident MPW Forum für Medien, Politik und Wirtschaft e.V. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen, Bernd Brundert</p></div>
<p>Denke ich Ostdeutschland, dann denke ich an Verbundenheit, offenen Austausch untereinander, gesundes Selbstbewusstsein, gepaart mit Optimismus und Zukunftsgewandtheit – und wie wir mehr davon bekommen können.</p>
<p>Die ostdeutschen Bundesländer haben sich in den letzten Jahrzehnten wirtschaftlich und gesellschaftlich beachtlich weiterentwickelt. Einen entscheidenden Anteil an dieser positiven Entwicklung haben die Wirtschaftsnetzwerke, die als Plattformen für Austausch, Kooperation und strategische Entwicklung fungieren.</p>
<p>Diese Netzwerke sind häufig noch jung und oftmals Ableger gesamtdeutscher Mutterverbände. Sie beginnen erst jetzt, generationsübergreifend Wirkung zu entfalten. Das Bedürfnis nach Austausch und Organisation wächst spürbar. Dennoch bestehen gegenüber etablierten Strukturen wie Parteien, Verbänden oder juristischen Institutionen weiterhin Vorbehalte. Diese Skepsis führt nicht selten zur Bildung kleiner, abgeschotteter Netzwerke, die es aus eigener Kraft schwer haben, nachhaltige Wirksamkeit zu entfalten. Dabei sind Netzwerke gerade im Osten so wichtig, denn auch hier besteht Nachholbedarf. Oft sind es informelle Veranstaltungen, die Gleichgesinnte zusammenbringen, Dialog fördern und Netzwerke ganz natürlich entstehen lassen – wie etwa das Ostdeutsche Wirtschaftsforum (OWF).</p>
<div id="attachment_7861" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7861" class="wp-image-7861" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/OWF2016-Bundesforschungsministerin-Prof.-Johanna-Wanka-Foto-Succo-.jpg" alt="2016: Bundesforschungsministerin Prof. Johanna Wanka spricht auf dem ersten Ostdeutschen Wirtschaftsforum. Abbildung: Succo" width="600" height="399"><p id="caption-attachment-7861" class="wp-caption-text">2016: Bundesforschungsministerin Prof. Johanna Wanka spricht auf dem ersten Ostdeutschen Wirtschaftsforum. Abbildung: Succo</p></div>
<h2><span class="title-bg">Das OWF: Vom Experiment zur Institution</span></h2>
<p>Das Ostdeutsche Wirtschaftsforum wurde 2016 vom Verlag des Wirtschaftsmagazins Wirtschaft+Markt ins Leben gerufen – ursprünglich als Testlauf, um zu klären, ob ein Interesse an ostdeutscher Identität überhaupt noch besteht. Der Begriff „Ostdeutschland“ war lange Zeit negativ behaftet und durch den föderalen Aufbau mit fünf neuen Bundesländern und einem vereinten Berlin nicht mehr eindeutig greifbar. Viele fühlten sich wohler als Norddeutsche, Thüringer, Deutsche oder Europäer – aber kaum jemand wollte sich offen als „Ostdeutscher“ bezeichnen.</p>
<div id="attachment_7866" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7866" class="wp-image-7866" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/OWF22-FN-Foto-Bernd-Bundert.jpg" alt="2022: Das Ostdeutsche Wirtschaftsforum in Bad Saarow findet unter dem Motto „Wir gestalten Transformation“ statt. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen, Bernd Brundert" width="600" height="401"><p id="caption-attachment-7866" class="wp-caption-text">2022: Das Ostdeutsche Wirtschaftsforum in Bad Saarow findet unter dem Motto „Wir gestalten Transformation“ statt. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen, Bernd Brundert</p></div>
<h2><span class="title-bg">Der Zeitgeist ändert sich</span></h2>
<p>Doch in den letzten zehn Jahren hat sich das Bewusstsein verändert. Das OWF traf einen Nerv – sowohl bei Unternehmern aus den neuen Bundesländern als auch in der Politik auf Landes- und Bundesebene. Die Versprechen von „blühenden Landschaften“ und gleichwertigen Lebensverhältnissen blieben zum Teil unerfüllt – ein Umstand, der das OWF als ostdeutsch geprägte Plattform zusätzlich politisch aufwertete. Zwei Gründe erklären das Interesse im Besonderen: die lange Verdrängung der ostdeutschen Realität, selbst unter Ostdeutschen, und die mangelnde mediale Sichtbarkeit wirtschaftlicher Erfolge, trotz zahlreicher positiver Beispiele.</p>
<p>Das OWF bot erstmals systematisch eine Bühne für wirtschaftliche Erfolgsgeschichten, Standortvorteile und Leuchtturmprojekte des Ostens. So förderte es ein neues zukunftsorientiertes Selbstverständnis und neue Initiativen.</p>
<h2><span class="title-bg">Dialog schafft Vertrauen und Netzwerke</span></h2>
<p>Zielgruppe des Forums waren von Beginn an verantwortliche und engagierte Vertreter von Unternehmen, Industrie- und Handels sowie Handwerkskammern, Wirtschaftsverbänden, der Landespolitik und den Wirtschaftsförderern in Ostdeutschland. Gesucht wurde nicht der Wettbewerb mit anderen Bundesländern oder Rechtfertigungsversuche jedweder Art, sondern das Gemeinsame als Grundlage für Zukunftsideen. Es entstand ein Raum für den Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. In Workshops, Vorträgen und Podien wurden nicht nur Wissen und Kontakte geteilt, es wurde auch gegenseitiges Verständnis aufgebaut. So entstanden viele neue Verbindungen – ob zwischen Start-ups und etablierten Förderern oder zwischen Unternehmern und politisch Verantwortlichen.</p>
<p>Das Forum wurde zur Keimzelle eines echten Netzwerks: Die OWF-Community war geboren. Das Format gewann stetig an inhaltlicher Relevanz, ohne seine Funktion als Ort der Begegnung zu verlieren. Um das Ostdeutsche Wirtschaftsforum von lokalen oder regionalen Wirtschaftskonferenzen abzugrenzen, bei denen es in der Regel um aktuelle und vor allem tagespraktische Fragen ging, positionierten die Veranstalter das OWF als „Davos des Ostens“. Noch im zehnten Jahr seines Bestehens ist diese Definition in vielen Köpfen als eine Art Unique Selling Proposition (USP).</p>
<div id="attachment_7864" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7864" class="wp-image-7864" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/OWF_2019_Olaf-Scholz-noch-als-Vizekanzler-und-Finanzminister-beim-OWF-2019-Foto-S.Welscher-2_cut.jpg" alt="2019: Olaf Scholz besucht das „Davos des Ostens“, damals noch als Vizekanzler und Bundesfinanzminister. Abbildung: S. Welscher" width="600" height="479"><p id="caption-attachment-7864" class="wp-caption-text">2019: Olaf Scholz besucht das „Davos des Ostens“, damals noch als Vizekanzler und Bundesfinanzminister. Abbildung: S. Welscher</p></div>
<h2><span class="title-bg">Medienresonanz nur mit Politprominenz</span></h2>
<p>Ein Wermutstropfen blieb: Die mediale Aufmerksamkeit war zunächst gering – obwohl das OWF von Anfang an darauf abzielte, ein positives Bild Ostdeutschlands zu vermitteln. Erst durch hochrangige politische Gäste – wie Vizekanzler Sigmar Gabriel oder Bildungsministerin Johanna Wanka beim ersten OWF im Jahr 2016 – gelang ein vorsichtiger Sprung in die überregionalen Medien. Kanzlerin Angela Merkel blieb zwar dem OWF fern, aber Olaf Scholz präsentierte sich als Vize- und dann als Bundeskanzler beim OWF. Er sprach sich für den Osten aus und sorgte so für ein deutlich größeres Medienecho in den Folgejahren. Dies fand dann seine Fortsetzung beim OWF25, wo die noch junge Bundesregierung des Jahres 2025 mit Finanzminister, Wirtschaftsministerin und Ostbeauftragter vertreten war.</p>
<div id="attachment_7862" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7862" class="wp-image-7862" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/OWF25-1735.jpg" alt="2025: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche beim OWF. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen, Bernd Brundert" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7862" class="wp-caption-text">2025: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche beim OWF. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen, Bernd Brundert</p></div>
<h2><span class="title-bg">Netzwerke schaffen neue Netzwerke</span></h2>
<p>Ein besonderes Verdienst des OWF war es, dass sich aus der Community weitere Netzwerke bilden konnten, die über das jährliche Treffen hinausgehen. So entstanden beispielsweise der CEOKreis oder der Saarower Kreis.</p>
<p>Der CEO-Kreis ist ein exklusives Format des OWF für Entscheidungsträger ostdeutscher Unternehmen. Ziel ist der strategische Austausch zu relevanten Themen – mit dem Anspruch, Impulse in die Politik zu geben.</p>
<p>Auch der Saarower Kreis, ein informeller Zusammenschluss von hauptsächlich führenden ostdeutschen Wirtschaftsverbänden, entstand beim OWF im Jahr 2024. Er agiert mittlerweile unabhängig vom Ostdeutschen Wirtschaftsforum als Plattform für regelmäßigen Austausch und hat die Erarbeitung des ifo Faktenmonitors Ostdeutschland 2025 angeregt.</p>
<h2><span class="title-bg">10 Erfolgskiller für Netzwerke</span></h2>
<p>Nicht alle Netzwerke können erfolgreich sein. Was auf den ersten Blick leicht aussieht, ist in der Praxis komplex. Hier sind zehn Punkte, die aus meiner persönlichen Erfahrung heraus für Netzwerke gefährlich werden können. Sie hemmen Wirksamkeit, lähmen Entwicklung oder führen zur Bedeutungslosigkeit:</p>
<p>Erstens: unklare Zielsetzung. Wenn ein Netzwerk nicht weiß, wofür es eigentlich steht oder welche konkreten Ziele es verfolgt, verliert es schnell an Relevanz. Die Verständigung zu den Zielen ist elementar. Eine Vision zu entwickeln und daraus ein attraktives Narrativ zu bestimmen, ist nicht einfach, aber sehr hilfreich.</p>
<p>Zweitens: mangelndes Engagement der Mitglieder. Ohne aktive Beteiligung und verbindliches Handeln entsteht keine Dynamik – Netzwerke werden träge und wirken nur noch formal. Je prominenter die Mitglieder, desto voller ist der Terminkalender. Ohne eine hohe Priorität des Netzwerkes sind die Erfolgschancen gering. Guter Wille ist zu wenig.</p>
<p>Drittens: Dominanz einzelner Akteure. Wenn wenige Personen oder Institutionen das Netzwerk dominieren, entsteht kein echter Austausch – neue Ideen und Stimmen gehen verloren. Empfehlenswert: die Mitwirkung aller Mitglieder als Thema in das Feedback einbeziehen.</p>
<p>Viertens: fehlende Offenheit gegenüber anderen Netzwerken. Abschottung verhindert Synergien, Vernetzung und überregionale Wirksamkeit. Übertriebene Wettbewerbsängste oder Selbstüberschätzung sind oft die Gründe dafür, manchmal sind es auch einfach nur Unwissenheit und Desinteresse.</p>
<p>Fünftens: Abhängigkeit von öffentlicher Förderung. Befristete Fördermittel können zu kurzfristigem Aktionismus führen – ohne langfristige Wirkung. Oftmals finanziert man nur den zusätzlichen bürokratischen Aufwand und schottet sich ab.</p>
<p>Sechstens: keine Nachfolge- oder Generationsstrategie. Wenn Netzwerke nicht verjüngt werden, altern sie mit ihren Gründungsmitgliedern und verlieren Anschluss. Auch Generationsnetzwerke sind davon betroffen.</p>
<p>Siebentens: unklare Rollen und Verantwortlichkeiten. Ohne klare Strukturen verlaufen Aktivitäten im Sand. Zuständigkeiten und Verantwortungen müssen benannt sein. Hier geht es nicht um klassische Funktionsbezeichnungen.</p>
<p>Achtens: reine Veranstaltungsorientierung ohne inhaltliche Substanz. Netzwerke, die sich auf Events beschränken, aber keine weiterführende Arbeit leisten, wirken oberflächlich und sind es auch oft genug.</p>
<p>Neuntens: konfliktscheue statt konstruktive Auseinandersetzung. Netzwerke, in denen Kritik nicht möglich ist, entwickeln sich nicht weiter.</p>
<p>Zehntens: keine Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen. Netzwerke, die sich nicht an neue wirtschaftliche, technologische oder gesellschaftliche Entwicklungen anpassen, verlieren ihre Relevanz.</p>
<p>Ein Netzwerk ist also mehr als ein gelegentliches Treffen Gleichgesinnter. Es lebt von Tiefe, Verbindlichkeit und der Bereitschaft seiner Mitglieder, sich dauerhaft einzubringen. Gute Ansätze und wohlwollende Absichten reichen nicht – Prioritäten müssen stimmen. Fehlt das persönliche Engagement, scheitert selbst das beste Konzept.</p>
<p>Ein Beispiel ist die Initiative Unternehmensnachfolge in Ostdeutschland. Viele Gründer der Nachwendezeit suchen heute Nachfolger. Doch Übergaben sind komplex – rechtlich, steuerlich, emotional. Obwohl es viele Beratungsangebote von Industrie- und Handelssowie Handwerkskammern, Banken, Beratungen und anderen gibt, agieren die meisten Institutionen isoliert voneinander. Der Versuch, eine Zusammenarbeit aller Player für Ostdeutschland in der genannten Initiative zu organisieren, scheiterte am mangelnden Kooperationswillen. Auch das ist Realität.</p>
<h2><span class="title-bg">Mein persönliches Fazit</span></h2>
<p>Netzwerken ist wichtig. Gerade in Ostdeutschland dürfen wir nicht nachlassen, aktiv Netzwerke zu gestalten. Diese Netzwerke müssen zukunftsgerichtet sein. Rechtfertigungs- oder Frustabbau-Runden sind nicht zielführend. Lokale und regionale Netzwerke sollten überregionale Partnerschaften anstreben, zumindest bezogen auf die Wirtschaftsregion Ostdeutschland. Generationsnetzwerke sollten den Austausch mit anderen Generationen bzw. Generationsnetzwerken suchen. Und last but not least: Netzwerke, die ihren Zweck erfüllt haben, sollten sich auflösen.</p>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Frank Nehring</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>GEBOREN:</strong> 1953/Ostberlin </span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Ostberlin </span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> Christoph Hein: „Das Narrenschiff“, 2025</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN DOKUTIPP:</strong> „Es ist kompliziert… – Der Osten in den Medien“, 2024 </span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Usedom, Balmer See</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/frank-nehring-netzwerke-im-osten-plattformen-fuer-austausch-und-fortschritt/">Frank Nehring: Netzwerke im Osten. Plattformen für Austausch und Fortschritt</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Cyberkriminalität gefährdet den Mittelstand</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/cyber-kriminalitaet-gefaehrdet-den-mittelstand/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anzeige]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Jun 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9881</guid>

					<description><![CDATA[<p>Eine vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage zeigt, dass mehr als zwei Drittel der kleinen und mittleren Unternehmen an den Grundpfeilern der IT-Sicherheit scheitern. Dabei glauben drei Viertel von ihnen, gut gegen Cyberangriffe geschützt zu sein.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9907" class="wp-image-9907" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/AdobeStock_243383253-1280x1280-1.jpg" alt="Laut Studie beginnen fast 70 Prozent der Cyberangriffe bei kleinen und mittleren Unternehmen mit einer einfachen Phishing-Mail. Abbildung: AdobeStock" width="600" height="400">Laut Studie beginnen fast 70 Prozent der Cyberangriffe bei kleinen und mittleren Unternehmen mit einer [...]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage zeigt, dass mehr als zwei Drittel der kleinen und mittleren Unternehmen an den Grundpfeilern der IT-Sicherheit scheitern. Dabei glauben drei Viertel von ihnen, gut gegen Cyberangriffe geschützt zu sein.</p>
<p><span id="more-9881"></span></p>
<div id="attachment_9907" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9907" class="wp-image-9907" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/AdobeStock_243383253-1280x1280-1.jpg" alt="Laut Studie beginnen fast 70 Prozent der Cyberangriffe bei kleinen und mittleren Unternehmen mit einer einfachen Phishing-Mail. Abbildung: AdobeStock" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-9907" class="wp-caption-text">Laut Studie beginnen fast 70 Prozent der Cyberangriffe bei kleinen und mittleren Unternehmen mit einer einfachen Phishing-Mail. Abbildung: mavoimages, AdobeStock</p></div>
<p>Dieses Auseinanderklaffen von Selbstwahrnehmung und Realität zeigt eine weit verbreitete Nachlässigkeit, die fatale Folgen haben kann. Veraltete Software, vernachlässigte Datensicherungen und fehlende Notfallpläne schaffen Einfallstore, die Angreifern Tür und Tor öffnen.</p>
<p>Obwohl fast 70 Prozent der erfolgreichen Angriffe mit einer simplen Phishing-Mail beginnen, verzichten 64 Prozent der Betriebe auf regelmäßige Schulungen ihrer Mitarbeitenden. Sie sind sich der Gefahr zwar bewusst (89 Prozent der Unternehmen rechnen bei einer erfolgreichen Attacke mit volkswirtschaftlichen Schäden), verlassen sich im Ernstfall aber auf staatliche Hilfe, während die eigene digitale Haustür oft unverschlossen bleibt. Diese Risikostrategie kostet im Angriffsfall wertvolle Zeit und vergrößert den Schaden unnötig.</p>
<h2><span class="title-bg">Der Ernstfall</span></h2>
<p>Plötzlich ist es passiert: Der Betrieb ist von einem Cyberangriff betroffen. Systeme stehen still, sensible Daten sind verschlüsselt oder gestohlen. In dieser kritischen Phase zählt jede Minute und ein starker Partner ist entscheidend. Panik und unüberlegte Handlungen, wie die Kontaktaufnahme mit den Erpressern, können die Situation verschlimmern. Eine Lösegeldzahlung garantiert keineswegs die Wiederherstellung der Daten, oft folgen weitere Forderungen oder die Daten bleiben für immer unbrauchbar.</p>
<div id="attachment_4356" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-4356" class="wp-image-4356" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/02/Cyberpolice_1000px.jpg" alt="Der Notfallplan des SI-Cyberschutzes sieht vor, die betroffenen Systeme im Ernstfall sofort zu isolieren, um beispielsweise wichtige Analysedaten zu sichern. Abbildung: Signal Iduna" width="600" height="337"><p id="caption-attachment-4356" class="wp-caption-text">Der Notfallplan des SI-Cyberschutzes sieht vor, die betroffenen Systeme im Ernstfall sofort zu isolieren, um beispielsweise wichtige Analysedaten zu sichern. Abbildung: Signal Iduna</p></div>
<p>Mit dem Abschluss des <a href="http://www.signal-iduna.de/cyber">SI-Cyberschutzes</a> von Signal Iduna ist das Unternehmen einen wichtigen Schritt weiter. Anstatt im Chaos zu versinken, greift ein Notfallplan, um den Schaden zu begrenzen und den Betrieb schnell wiederherzustellen.</p>
<p>Drei Schritte nach dem Cyberangriff:</p>
<ul>
<li>Systeme sofort isolieren: Alle betroffenen IT-Systeme müssen vom Netzwerk und dem Internet getrennt werden. So wird eine weitere Ausbreitung der Schadsoftware verhindert und wichtige Spuren für die Analyse werden gesichert.</li>
<li>Nicht verhandeln: Mit den Angreifern sollte nicht kommuniziert werden. Die Zahlung von Lösegeld sollte nie erfolgen.</li>
<li>Notfall-Hotline anrufen: Der SI-Cyberschutz muss über die 24/7-Notfall-Hotline kontaktiert werden. So startet die professionelle Rettungskette. Von da an übernehmen die Experten.</li>
</ul>
<h2><span class="title-bg">IT-Partner wird kontaktiert</span></h2>
<p>Sobald der Notruf eingeht, wird der IT-Partner Perseus kontaktiert.</p>
<p>IT-Forensik &amp; Krisenmanagement: Die Experten von Perseus analysieren den Angriff, identifizieren Sicherheitslücken und sichern digitale Spuren. Parallel erstellen sie einen strategischen Plan zur Wiederherstellung Ihres Betriebs.</p>
<p>Systemwiederherstellung: Perseus unterstützt die Betroffenen dabei, ihre Systeme von der Schadsoftware zu befreien und ihre Daten aus den Backups sicher wiederherzustellen.</p>
<div id="attachment_9908" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9908" class="wp-image-9908" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/AdobeStock_492536683-1280x1280-1.jpg" alt="Während IT-Partner Perseus die technische Wiederherstellung durchführt kümmert sich Signal Iduna um die Abdeckung finanzieller Folgen. Abbildung: AdobeStock" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-9908" class="wp-caption-text">Während IT-Partner Perseus die technische Wiederherstellung durchführt, kümmert sich Signal Iduna um die Abdeckung finanzieller Folgen. Abbildung: Dragana Gordic, AdobeStock</p></div>
<p>Rechts- und PR-Unterstützung: Die Partner helfen, gesetzliche Meldepflichten (etwa nach DSGVO) einzuhalten, und unterstützen bei der Kommunikation, um Reputationsschäden zu minimieren.</p>
<p>Während Perseus die technische Wiederherstellung leistet, steht Signal Iduna als Versicherer zur Seite und deckt finanzielle Folgen ab. Die Versicherung übernimmt die Kosten für IT-Forensiker, Datenwiederherstellung, Rechtsberatung sowie den entstandenen Betriebsunterbrechungsschaden.</p>
<div id="attachment_9909" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9909" class="wp-image-9909" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/AdobeStock_1876724151-1280x1280-1.jpg" alt="Der SI-Cyberschutz unterstützt nicht nur bei Schäden durch Angriffe, sondern fördert eine Prävention zur Vermeidung von Cyberattacken. Abbildung: AdobeStock" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-9909" class="wp-caption-text">Der SI-Cyberschutz unterstützt nicht nur bei Schäden durch Angriffe, sondern fördert eine Prävention zur Vermeidung von Cyberattacken. Abbildung: Andrii Lysenko, AdobeStock</p></div>
<p>In einer Ära, in der die Bedrohungsgefahr zunimmt, ist eine moderne Sicherheitsstrategie, die aktuelle Software, geschulte Mitarbeitende und einen professionellen Versicherungsschutz umfasst, kein Luxus, sondern ein Bestandteil verantwortungsvoller Unternehmensführung. Der SI-Cyberschutz von Signal Iduna setzt dort an. In Kooperation mit Partnern werden nicht nur Schäden reguliert, sondern es wird auch aktiv Prävention betrieben. Unternehmen, die in regelmäßige Sicherheitstrainings oder Checks investieren, reduzieren nicht nur ihr Angriffsrisiko, sondern können auch ihre Selbstbeteiligung im Schadensfall senken – ein Anreiz, die eigene Sicherheit zur Chefsache zu machen.</p>
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		<title>Buchvorstellung: „Die Harzreise“ von Steffen Kopetzky</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-steffen-kopetzky-die-harzreise/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jun 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>1826, vor genau 200 Jahren, wurde der berühmte Reisebericht „Die Harzreise“ von Heinrich Heine veröffentlicht. Steffen Kopetzky hat sich auf die gleiche Route begeben. In seinem Buch schildert er Begegnungen, Geschichten und Erlebnisse seiner Reise.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-9733" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/Kopetzky_Harzreise_2026.jpg" alt="Das Cover von Steffen Kopetzkys Buch die Harzreise" width="280" height="458"><br />
Steffen Kopetzky: „Die Harzreise. Eine Deutschlanderkundung“, Rowohlt Verlag, Berlin 2026, 240 Seiten, 23 €.</p>
<p>Von Göttingen ist Kopetzky über Northeim, Osterode, Clausthal-Zellerfeld, Goslar, Bad Harzburg, den Brocken, Wernigerode und die Ortschaft [...]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>1826, vor genau 200 Jahren, wurde der berühmte Reisebericht „Die Harzreise“ von Heinrich Heine veröffentlicht. Steffen Kopetzky hat sich auf die gleiche Route begeben. In seinem Buch schildert er Begegnungen, Geschichten und Erlebnisse seiner Reise.</p>
<p><span id="more-9475"></span></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-9733" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/Kopetzky_Harzreise_2026.jpg" alt="Das Cover von Steffen Kopetzkys Buch die Harzreise" width="280" height="458"></p>
<p>Steffen Kopetzky: „Die Harzreise. Eine Deutschlanderkundung“, Rowohlt Verlag, Berlin 2026, 240 Seiten, 23 €.</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Von Göttingen ist Kopetzky über Northeim, Osterode, Clausthal-Zellerfeld, Goslar, Bad Harzburg, den Brocken, Wernigerode und die Ortschaft Höhlenort Rübeland nach Thale gewandert. Die zwölf Kapitel seiner „Deutschlanderkundung“ orientieren sich an dieser Reiseroute. In Clausthal-Zellerfeld, auf dem Brocken und in Wernigerode hat sich der Autor jeweils länger aufgehalten.</p>
<p>Kopetzky beschreibt seine Erlebnisse und zeigt, wie sich Deutschland im Harz widerspiegelt – in dessen historischen Reichtum, in Strukturwandel und Armut sowie in den Folgen der Klimakrise und der Teilungsgeschichte zwischen Ost und West.</p>
<p>Mit der Klimakrise beschäftigt sich Kopetzky im Abschnitt zwischen Northeim und Osterode ausführlicher. Dort kommt er mit der Försterin Frau Martin ins Gespräch. Sie stammt aus Göttingen, hat dort Forstwirtschaft studiert und eine Revierleitung im Forstgebiet übernommen. Sie berichtet, dass die derzeit sterbende Generation der Fichten nach dem Zweiten Weltkrieg angepflanzt worden ist. Was viele nicht wüssten: Weite Teile des Harzes seien damals abgeholzt und als Entschädigungsleistung nach Großbritannien transportiert worden. Anschließend hätten die Förster Fichten gepflanzt, die heute aussterben. Der Klimawandel habe den Harz längst auch getroffen. Besonders schwerwiegende Folgen hatten der Försterin zufolge die Jahre 2017 und 2018. 2017 war ein sehr regenreiches Jahr, das dem Harz zugesetzt und den Boden aufgeweicht hat. Im Jahr 2018 habe ein Wintersturm zahlreiche Bäume zerstört.</p>
<p>Ein weiteres Thema des Buches ist der Strukturwandel im Harz. Er wird von Kopetzky im Abschnitt zwischen Clausthal-Zellerfeld und Goslar thematisiert. Dort trifft der Autor den Lokaljournalisten Oliver Stade von der Goslarschen Zeitung. Beide sprechen unter anderem über eine NDR-Fernsehreportage, die den Harz als sterbende Region ohne Zukunft dargestellt hat. Darüber hatte sich bereits Frau Martin gegenüber Kopetzky geärgert. Stade erklärt, dass der Beitrag wegen seiner Einseitigkeit für Empörung gesorgt habe. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die angesprochenen Probleme – Bevölkerungsschwund, Strukturschwäche, geringe Kaufkraft und aussterbende Innenstädte – keine Erfindungen sind, sondern der Realität entsprechen. Goslar komme mit diesen Herausforderungen zwar vergleichsweise gut zurecht, doch auch dort zögen junge Menschen weg und hinterließen eine Lücke.</p>
<p>Bei der Schilderung seines Aufenthalts auf dem Brocken, der auch „Blocksberg“ genannt wird, geht Kopetzky auf dessen Geschichte ein. Er erklärt, dass die Amerikaner bis 1947 die Kontrolle über den Brocken hatten und anschließend Ausgleichsverhandlungen stattfanden. Als Ergebnis dieser Verhandlungen wurde der Brocken sowjetisch. Die Sowjetunion erkannte die strategisch günstige Lage des Berges. Der Warschauer Pakt richtete eine Abhörstation für den westlichen Funkverkehr ein und der Brocken wurde militärisches Sperrgebiet. In der DDR durfte der Name „Brocken“ laut Kopetzky nicht ausgesprochen werden. Das dürfte viele erstaunen, aber dem Autor zufolge hätte der Name als eine versteckte Kritik an der russischen Besatzung angesehen werden können. Am 3. Dezember 1989 kam es schließlich auch an dieser Stelle zur Öffnung der Grenze und damit zur Befreiung des „Blocksbergs“ von seiner Funktion als Sperrgebiet.</p>
<p>Im weiteren Verlauf seiner Reise gelangt Kopetzky nach Wernigerode. Der Autor erklärt, dass die Stadt mit ihren Fachwerkhäusern bereits zu DDR-Zeiten eine Vorzeigestadt war. Sie habe sich gut erhalten und von Fördergeldern aus EU-Töpfen profitiert. In Wernigerode gerät Kopetzky in eine AfD-Kundgebung. Er liest das Parteiprogramm auf einem Flyer und kommt mit dem AfD-Stadtratsmitglied Tino Böttger ins Gespräch. Als Böttger erfährt, dass Kopetzky durch den Harz wandert, erklärt er ihm, dass er sich im Stadtrat für eine bessere Ausschilderung der Wanderwege einsetzt. Im Laufe der Unterhaltung bemerkt Kopetzky, wie entspannt Böttger mit ihm über Wanderwege spricht, während um sie herum Menschen über Ausländer und die Europäische Union schimpfen. Daraus schließt der Autor, dass Böttger sicher ist, dass die AfD an Zuspruch gewinnen wird. Kopetzky kommt zur Schlussfolgerung, dass die Partei keine Protestpartei ist. In Bezug auf Sachsen-Anhalt erscheine sie ihm vielmehr als ein schwer aufzuhaltendes Erfolgsmodell.</p>
<p>Dem Autor gelingt es gut, historische Anekdoten und Gespräche über gesellschaftliche Themen in seine „Harzreise“ zu integrieren. Dadurch wird das Buch zu einem besonderen Reisebericht, der sich gut als Vorbereitung auf eine Reise in die Harzregion&nbsp; und die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt eignet.</p>
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		<title>Willi Sitte – Ein Leben zwischen Atelier und Politik</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/willi-sitte-ein-leben-zwischen-atelier-und-politik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Jun 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Er gehörte zu den bekanntesten Malern der DDR und prägte als langjähriger Präsident des Verbands Bildender Künstler die Kulturpolitik des Staates wie nur wenige andere: Willi Sitte. Wir widmen dem Maler und Grafiker ein Porträt.</p>
<p>Willi Sitte wurde am 28. Februar 1921 im tschechischen Kratzau (Chrastava) geboren. Sein Vater war sudetendeutscher Bauer, seine Mutter Tschechin. Bereits in jungen Jahren wurde sein zeichnerisches Talent erkannt und gefördert. 1936 begann er ein Studium zum Textilmusterzeichner an der Kunsthochschule des Nordböhmischen Gewerbemuseums in Reichenberg [...]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Er gehörte zu den bekanntesten Malern der DDR und prägte als langjähriger Präsident des Verbands Bildender Künstler die Kulturpolitik des Staates wie nur wenige andere: Willi Sitte. Wir widmen dem Maler und Grafiker ein Porträt.</p>
<p><span id="more-9086"></span></p>
<p>Willi Sitte wurde am 28. Februar 1921 im tschechischen Kratzau (Chrastava) geboren. Sein Vater war sudetendeutscher Bauer, seine Mutter Tschechin. Bereits in jungen Jahren wurde sein zeichnerisches Talent erkannt und gefördert. 1936 begann er ein Studium zum Textilmusterzeichner an der Kunsthochschule des Nordböhmischen Gewerbemuseums in Reichenberg (Liberec), das er 1940 abschloss.</p>
<p>Im selben Jahr erhielt Sitte eine Empfehlung für die Hermann-Göring-Meisterschule in Kronenburg in der Eifel. Dort geriet er jedoch durch die Kritik an seinen Ausbildungsaufgaben in Konflikt mit den Verantwortlichen. In der Folge wurde er 1941 zur Wehrmacht eingezogen und an die Ostfront versetzt. Nach einer Gelbsucht-Erkrankung kam er nach Italien. Von dort desertierte er 1944 und schloss sich italienischen Partisanen an. In dieser Zeit entstand sein siebenteiliger Totentanz-Zyklus „Danza funebre del terzo Reich“.</p>
<div id="attachment_9917" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9917" class="wp-image-9917" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Bundesarchiv_Bild_183-1987-1003-024_Dresden_X._DDR-Kunstausstellung_Sitte_Honecker.jpg" alt="Willi Sitte begrüßt Erich Honecker 1987 anlässlich einer Kunstausstellung im Dresdner Albertinum. Abbildung: Bernd Settnik, Das Bundesarchiv, Wikimedia Commons" width="600" height="386"><p id="caption-attachment-9917" class="wp-caption-text">Willi Sitte begrüßt Erich Honecker 1987 anlässlich einer Kunstausstellung im Dresdner Albertinum. Abbildung: Bernd Settnik, Das Bundesarchiv, Wikimedia Commons</p></div>
<h2><span class="title-bg">Halle (Saale) und Kunsthochschule Burg Giebichenstein</span></h2>
<p>Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieb Sitte zunächst in Italien, kehrte aber 1946 in seine Heimatstadt Kratzau zurück. Aufgrund der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei musste er das Land jedoch verlassen und ließ sich in Halle (Saale) nieder. Ein Jahr später trat er der SED bei. 1951 erhielt er einen Lehrauftrag an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein. 1959 wurde er dort zum Professor berufen. Ab 1964 leitete er auch die Klasse für Textilgestaltung.</p>
<p>In den 1950er-Jahren und frühen 1960er-Jahren war Sitte Teil der kritischen und eigenständigen Hallenser Kunstszene, die sich gegen die Einflussnahme von Kulturfunktionären wandte. Dadurch kam es wiederholt zu Spannungen mit der SED, was sich auf seine Lehrtätigkeit auswirkte. Zu seinem Freundeskreis zählten damals unter anderem Christa Wolf, Wolf Biermann sowie Rainer und Sarah Kirsch. Während der Formalismus-Debatte, die um 1950 geführt wurde, kritisierte der Staat seine Kunst mehrfach als nicht mit den Vorgaben des Sozialistischen Realismus vereinbar.</p>
<h2><span class="title-bg">Aufstieg zum „Staatsmaler“</span></h2>
<p>Ab 1964 entschied sich Sitte jedoch für ein stärkeres politisches Engagement. Dieser Schritt belastete einige seiner persönlichen Beziehungen und führte zum Verlust mehrerer Freundschaften. Zugleich avancierte er zu einem prominenten Vertreter des Sozialistischen Realismus und erlangte gegen Ende der 1960er-Jahre zunehmend Anerkennung für seine Kunst.</p>
<p>Einen Höhepunkt seiner politischen Laufbahn erreichte er im Jahr 1974 mit der Ernennung zum Präsidenten des Verbands Bildender Künstler der DDR (VBK-DDR). Dieses Amt bekleidete er bis 1988, wobei er sich während seiner Amtszeit dafür einsetzte, die Eigenständigkeit des Verbands gegenüber der SED zu bewahren. Er ermöglichte Arbeitsreisen für Künstler, verbesserte ihre Materialversorgung und unterstützte auch Künstler aus dem Untergrund, indem er sie in den Verband aufnahm und ihnen Arbeitsmöglichkeiten verschaffte. Gleichzeitig stand sein Wirken in der Kritik: So befürwortete er 1976 die Ausbürgerung seines ehemaligen Freundes Wolf Biermann und bezeichnete die Künstlergruppe um Bärbel Bohley als „bekannte staatsfeindliche Gruppe“.</p>
<p>Auch international fand Sittes Kunst in den 1970er-Jahren Beachtung. Dazu trugen die Verleihung der Goldmedaille auf der dritten Internationalen Grafikbiennale 1972 sowie seine Teilnahme an der documenta 6 in Kassel im Jahr 1977 bei.</p>
<div id="attachment_9918" style="width: 490px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9918" class="wp-image-9918" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Bundesarchiv_Bild_183-Z1008-315_Leipzig__Neues_Gewandhaus__Tafelbild.jpg" alt="Das Tafelbild „Rock-Sänger“ ist eines der bekanntesten Gemälde Willi Sittes. Es wurde 1981 im „Neuen Gewandhaus“ Leipzig ausgestellt. Abbildung: Waltraud Grubitzsch, Das Bundesarchiv, Wikimedia Commons" width="480" height="583"><p id="caption-attachment-9918" class="wp-caption-text">Das Tafelbild „Rock-Sänger“ ist eines der bekanntesten Gemälde von Willi Sitte. Es wurde 1981 im „Neuen Gewandhaus“ Leipzig ausgestellt. Abbildung: Waltraud Grubitzsch, Das Bundesarchiv, Wikimedia Commons</p></div>
<p>Zu seinen bedeutendsten Werken zählt das 1981 entstandene Gemälde „Rock-Sänger“. Das Tafelbild zeigt einen nackten Musiker mit Gitarre, der vor seinen Fans posiert. Während sich auf Höhe seiner Füße zahlreiche Hände dem Sänger entgegenstrecken, versammeln sich auf Kopfhöhe weitere Zuhörer in einer engelhaften Formation um ihn. Im Hintergrund bewegt sich eine nackte Frau in Trance. Das Bild ist ein charakteristisches Beispiel für Sittes Stil, barocke Gestaltungselemente mit expressiven und provozierenden Körperdarstellungen zu verbinden.</p>
<div id="attachment_9919" style="width: 460px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9919" class="wp-image-9919" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Willi_Sitte2007.jpg" alt="Willi Sitte bei einer Signierstunde in der Willi-Sitte-Galerie Merseburg 2007. Die Galerie wurde zu seinem 85. Geburtstag 2006 eröffnet. Abbildung: SpreeTom, Wikimedia Commons" width="450" height="719"><p id="caption-attachment-9919" class="wp-caption-text">Sitte bei einer Signierstunde in der Willi-Sitte-Galerie Merseburg 2007. Sie wurde zu seinem 85. Geburtstag 2006 eröffnet. Abbildung: SpreeTom, Wikimedia Commons</p></div>
<p>Mitte der 1980er-Jahre nahm seine politische Karriere weiter an Fahrt auf. Von 1986 bis 1989 gehörte er dem Zentralkomitee der SED an. Mit dem Ende seiner Amtszeit als Präsident des Verbands Bildender Künstler ging auch seine prägende Ära zu Ende. Nach dem Zusammenbruch der DDR und der deutschen Wiedervereinigung verschwanden viele von Sittes Werken zunächst in Depots. Eine Neubewertung seines Schaffens setzte erst später ein. Anlässlich seines 85. Geburtstags wurde im Februar 2006 die Willi-Sitte-Galerie in Merseburg eröffnet.</p>
<p>Auch sein Bruder Rudolf Sitte war als Maler in der DDR tätig und arbeitete im Bereich der baubezogenen Kunst. Zudem war Willi Sitte der Urgroßonkel des Schriftstellers <a href="https://ostdeutschland.info/starkstromzeit-eine-kleine-geschichte-der-ddr/" target="_blank" rel="noopener">Aron Boks</a>. Am 8. Juni 2013 starb Willi Sitte in Halle (Saale). Bis heute zählt er neben <a href="https://ostdeutschland.info/tuebkes-panoramabild-wie-geschichte-lebendig-wird/" target="_blank" rel="noopener">Werner Tübke</a>, Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und <a href="https://ostdeutschland.info/walter-womacka-mosaike-einer-epoche/" target="_blank" rel="noopener">Walter Womacka</a> zu den bedeutendsten Künstlern der DDR.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/willi-sitte-ein-leben-zwischen-atelier-und-politik/">Willi Sitte – Ein Leben zwischen Atelier und Politik</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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