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	<description>Impulse für den Osten</description>
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	<item>
		<title>Buchvorstellung: Marieke Reimanns „Zweite Wende“</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-marieke-reimanns-zweite-wende/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Aug 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Heute ist Marieke Reimanns Buch „Zweite Wende. Warum Ostdeutschland uns alle angeht“ erschienen. Wir durften es vorab lesen. Der Titel klingt vielversprechend. Verspricht er zu viel?</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft wp-image-10140" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Reimann_Marieke_Zweite_Wende_2026.jpg" alt="Das Cover von Marieke Reimanns Buch: Zweite Wende" width="280" height="459"><br />
Marieke Reimann: „ Zweite Wende – Warum Ostdeutschland uns alle angeht“, Rowohlt Verlag, Hamburg 2026, 240 Seiten, 22 € (Hardcover).</p>
<p>Marieke Reimann wurde 1987 in Rostock geboren. Von 2018 bis 2020 war sie Chefredakteurin des Zeit-Magazins ze.tt. 2021 wurde sie [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-marieke-reimanns-zweite-wende/">Buchvorstellung: Marieke Reimanns „Zweite Wende“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Heute ist Marieke Reimanns Buch „Zweite Wende. Warum Ostdeutschland uns alle angeht“ erschienen. Wir durften es vorab lesen. Der Titel klingt vielversprechend. Verspricht er zu viel?</p>
<p><span id="more-9477"></span></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img decoding="async" class="alignleft wp-image-10140" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Reimann_Marieke_Zweite_Wende_2026.jpg" alt="Das Cover von Marieke Reimanns Buch: Zweite Wende" width="280" height="459"></p>
<p>Marieke Reimann: „ Zweite Wende – Warum Ostdeutschland uns alle angeht“, Rowohlt Verlag, Hamburg 2026, 240 Seiten, 22 € (Hardcover).</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Marieke Reimann wurde 1987 in Rostock geboren. Von 2018 bis 2020 war sie Chefredakteurin des Zeit-Magazins ze.tt. 2021 wurde sie Zweite Chefredakteurin des SWR, 2024 trat sie von diesem Posten zurück. Ihre beiden großen Themen sind Ostdeutschland und Feminismus. Wenn so jemand vor den Schicksalswahlen in Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg-Vorpommern ein lang angekündigtes Buch bei Rowohlt mit dem Titel „Zweite Wende“ veröffentlicht, dann ist die Erwartung groß. Zumindest bei uns. Wir wurden jedoch enttäuscht.</p>
<p>Denn Reimann legt hier ein Buch vor, das sich kaum von anderen zum Thema unterscheidet. Wie zuletzt etwa von Jana Hensel wird der Zustand Ostdeutschlands analysiert, indem zahlreiche Studien und manche Stimmen zitiert werden. Dazu gibt es gelegentlich einen Blick auf den persönlichen Werdegang – von der Journalismus-Studentin, die nebenbei putzt, bis in den Olymp des öffentlichen Rundfunks.</p>
<p>Beschrieben wird die erstaunliche Identifikation und Beschäftigung mit Ostdeutschland, sogar von vielen, die erst nach dem Mauerfall geboren wurden. Thema sind ebenfalls die frappierenden Unterschiede zwischen Ost und West – vor allem beim Vermögen und der Repräsentanz, aber auch in Bezug auf die Rolle der Frau. Die AfD und das BSW. Das schwierige Verhältnis von Merkel und Merz zum Osten. Und ein Hoch auf die Platte. Alles richtig, alles wichtig.</p>
<p>Etwas ausführlicher wird es beim Thema Medien. Diese berichten über Ostdeutsche zu unausgewogen und oft nur anlässlich von Krisen, Wahlen oder Jubiläen. Die Ostmedien sind in westdeutscher Hand. Die einzige Ausnahme bilden Berliner Zeitung und Ostdeutsche Allgemeine Zeitung, aber diese normalisieren rechtsextreme Narrative und Eigentümer Holger Friedrich mische sich zu sehr ein. Auch das ist hinlänglich bekannt, zumindest bei den potenziellen Lesern eines solchen Buches. Leider, in beiderlei Hinsicht. Außer: In der Erstausgabe der Ostdeutschen Allgemeinen war kein einziger Leitartikel einer Frau!</p>
<p>Am Ende stellt Reimann die Frage, wie wir 2030 auf die Wiedervereinigung blicken wollen. In ihrem Buch habe sie Ideen für ein positives Ende, eine „zweite Wende“, beschrieben. Vielleicht, weil sie schon ahnt, dass jetzt mancher Leser so irritiert ist wie wir – da müssen wir wohl eine Menge überlesen haben –, folgen nun diese knappen Stichpunkte: „Anerkennung der Unterschiede als Tat- und nicht als Verhandlungssache.“ „Stärkere Repräsentanz.“ Und: „Überregionale Medien müssen sich kritisch mit ihrer früheren Ostdeutschland-Berichterstattung auseinandersetzen.“</p>
<p>Damit ist hier alles gesagt. Auch schon von jedem (oder jeder)?</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Pierre Sanoussi-Bliss: Cola Whisky. Wie ich das einzige Mal meinem Vater begegnete</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/pierre-sanoussi-bliss-cola-whisky-wie-ich-das-einzige-mal-meinem-vater-begegnete/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Aug 2026 05:30:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Schauspieler Pierre Sanoussi-Bliss ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7968" class="size-full wp-image-7968" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Sanoussi-Bliss_DIAO2.png" alt="Pierre Sanoussi-Bliss, Schauspieler. Abbildung: Thilo Pulpanek" width="709" height="1000">Pierre Sanoussi-Bliss, Schauspieler. Abbildung: Thilo Pulpanek<br />
Meine Mutter ist eine unglaublich starke Frau, sie war (...) mir die beste Mutter, die man sich vorstellen kann. Soweit man das als Kind überhaupt einschätzen kann, habe ich [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/pierre-sanoussi-bliss-cola-whisky-wie-ich-das-einzige-mal-meinem-vater-begegnete/">Pierre Sanoussi-Bliss: Cola Whisky. Wie ich das einzige Mal meinem Vater begegnete</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Der Schauspieler Pierre Sanoussi-Bliss ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7965"></span></p>
<div id="attachment_7968" style="width: 719px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7968" class="size-full wp-image-7968" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Sanoussi-Bliss_DIAO2.png" alt="Pierre Sanoussi-Bliss, Schauspieler. Abbildung: Thilo Pulpanek" width="709" height="1000"><p id="caption-attachment-7968" class="wp-caption-text">Pierre Sanoussi-Bliss, Schauspieler. Abbildung: Thilo Pulpanek</p></div>
<p>Meine Mutter ist eine unglaublich starke Frau, sie war (...) mir die beste Mutter, die man sich vorstellen kann. Soweit man das als Kind überhaupt einschätzen kann, habe ich mich immer als ganz normal empfunden, aber meine Mutter hat, wie ich heute weiß, auch eine Menge von mir ferngehalten. Jedenfalls habe ich sehr schnell und anhaltend eine Art Grundvertrauen in die Menschen meiner Umgebung entwickelt.</p>
<p>Als mein Vater mit seinem Studium in Mittweida 1962 fertig war, ging er nach Berlin zu einem Zusatzstudium. Meine Mutter fragte ihn, ob sie für mich die guineische Staatsbürgerschaft beantragen kann und ob er einverstanden sei. Ja, das sei er, war die Antwort. Sollte ich als Schwarzer hier in der DDR nicht klarkommen, sollten das Misstrauen, sollten die Anfeindungen so groß sein, dass ich es in diesem Land nicht aushalte, sollte ich mit 18 gehen können, wohin ich möchte, so dachte meine Mutter. Der Mann vom Rat des Kreises, mit dem sich meine Mutter dann beriet, war nett und meinte, natürlich könne sie diesen Antrag stellen. Das Problem sei nur, wenn der guineische Staatspräsident eines Tages sagen würde: Alle Guineer müssen ins Heimatland, dann müsste ich dahin, und ein Zurück in die DDR gäbe es nicht. Deswegen stellte meine Mutter den Antrag dann doch nicht. Ich denke allerdings nicht, dass mich die DDR nach meinem 18. Geburtstag 1980 gegen den Willen meiner Mutter und als in der DDR sozialisiertes Wesen ausgeliefert hätte, wenn ein afrikanisches Staatsoberhaupt mal wieder gegen seine Nachbarn mobil macht. Aber sicher war sicher und das Thema war vom Tisch.</p>
<div id="attachment_7971" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7971" class="wp-image-7971" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/Weihnachtsgeschichten.jpeg" alt="Der erste Drehtag im Leben: für „Weihnachtsgeschichten“, DDR 1986. Abbildung: Pierre Sanoussi-Bliss/privat" width="600" height="430"><p id="caption-attachment-7971" class="wp-caption-text">Der erste Drehtag im Leben: für „Weihnachtsgeschichten“, DDR 1986. Abbildung: Pierre Sanoussi-Bliss/privat</p></div>
<p>Dass meine Mutter nicht zusammen mit Sanoussi die DDR verlassen hat, war überhaupt kein Thema. Sie hat gern in der Umgebung mit ihren Freunden und Verwandten in der DDR gelebt und war sich ehrlich gesagt nicht sicher, ob Sanoussi der Mann gewesen wäre, mit dem sie ein Leben in Afrika hätte leben wollen. Man darf nicht vergessen, dass es damals keine Computer mit Wikipedia und Youtube gab, wo man sich einfach so über Land und Leute oder Sitten und Bräuche hätte informieren können. Alles war Hörensagen und 1962 gab es sicher nicht die angenehmsten Gerüchte und Vermutungen, was afrikanisches Leben anging. Das hat sich schließlich bis heute kaum gewandelt, obwohl man sich besser informieren könnte, wenn man das wollte.</p>
<p>Meine erste und einzige bewusste Begegnung mit meinem Vater Amirou Sanoussi fand im Frühjahr 1989 statt. Ich war 28 Jahre alt und schon diplomierter Schauspieler, der vor Kurzem die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ absolviert hatte. Mein Vater war zu der Zeit Botschafter von Guinea in Kanada und machte einen Kurzbesuch in der DDR. Er nahm Kontakt zu meiner Mutter auf, weil er seinen inzwischen erwachsenen Sohn kennenlernen wollte. Zum letzten Mal gesehen hatte er mich, als ich noch ein Kleinkind war und woran ich mich natürlich nicht erinnern konnte.</p>
<p>Da der Botschafter von Guinea in der DDR schon seit Kindertagen sein Freund war, arrangierte dieser unser Treffen im guineischen Botschaftsgebäude in Berlin-Buchholz. Vor dieser merkwürdigen Begegnung hatte ich noch eine anstrengende Theaterprobe im „Jugendtreff“ im Palast der Republik mit meinen Schauspielerkollegen Walter Plathe, Simone Thomalla und Matthias Freihof. Der Abend hieß „Plattenspiele“ und war ein heiter-ironischer Ritt durch die Untiefen ostdeutschen Humors – mit ein paar kuscheligen Seitenhieben auf die sozialistische Realität, um es einigermaßen nett zu umschreiben.</p>
<div id="attachment_7973" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7973" class="wp-image-7973" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/Herz.jpg" alt="Staatsschauspiel Dresden: „Die Unbeständigkeit des Herzens“, 1994. Abbildung: Pierre Sanoussi-Bliss/privat" width="600" height="458"><p id="caption-attachment-7973" class="wp-caption-text">Staatsschauspiel Dresden: „Die Unbeständigkeit des Herzens“, 1994. Abbildung: Pierre Sanoussi-Bliss/privat</p></div>
<p>Nachmittags fuhr ich also direkt von der Probe nach Buchholz. Ich war erschöpft und etwas nervös. Vor der Botschaft wartete meine Mutter. Wir gingen gemeinsam hinein und wurden sehr freundlich von einer Art Hausdame mit Tine-Wittler-Figur empfangen, die in einen lilafarbenen afrikanischen Fummel gewandet war. Wir setzten uns, mein Vater erschien. Er sprach noch relativ gut Deutsch, jedenfalls besser als ich Russisch, das man mir jahrelang in der Schule erfolglos in den Kopf trichtern wollte, was bis heute ein ungutes Gefühl in mir aufkommen lässt, wenn ich slawische Sprachen höre.</p>
<p>Ein junger Mann betrat den Raum, sicher ein guineischer Student, der in der Botschaft offensichtlich als eine Art „Butler“ arbeitete, und fragte uns, was wir trinken wollen. Fanta? Cola? Whisky? Als Ossi waren das für mich natürlich alles selten zu konsumierende Herrlichkeiten und ich sagte, ich hätte gern ganz viel Coca Cola und einen Whisky. Daraufhin mischte sich sofort mein Vater ein und sagte: „Mein Sohn trinkt keinen Whisky!“</p>
<p>Damit war die Sache eigentlich gelaufen. Ich habe das natürlich als anmaßend empfunden. Wie kam dieser (schwarze) fremde Schnösel dazu, mir sofort nach dem Gutentagwünschen Vorschriften zu machen und seinen inzwischen 27-jährigen Sohn erziehen zu wollen? Und das nach über einem Vierteljahrhundert ohne Kontakt zu mir? Meine Mutter, die mich ziemlich gut kannte, stieß mich mit dem Knie an und in ihrem leicht flehentlichen Blick sah ich, dass ich das bitte einfach schweigend ertragen sollte. Ich akzeptierte.</p>
<div id="attachment_7974" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7974" class="wp-image-7974" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/DerAlte.jpg" alt="Als Axel Richter in „Der Alte“, ZDF 2014. Abbildung: Pierre Sanoussi-Bliss/privat" width="600" height="438"><p id="caption-attachment-7974" class="wp-caption-text">Als Axel Richter in „Der Alte“, ZDF 2014. Abbildung: Pierre Sanoussi-Bliss/privat</p></div>
<p>Im vor sich hinplätschernden Gespräch äußerte mein Vater dann sein Unverständnis darüber, dass ich nicht mit meiner Mutter zusammen leben würde. Das wunderte mich wiederum sehr. Gut, er kommt aus einem anderen Kulturkreis, in Afrika leben viele Familien generationsübergreifend zusammen. Aber als jemand, der in der DDR studiert hatte bzw. weltbürgerlich in Kanada als Botschafter tätig war, hätte er eigentlich wissen müssen, dass das bei uns nicht gerade Sitte ist. Außerdem war und ist das Verhältnis zu meiner Mutter gerade deswegen ein gutes, WEIL wir nicht zusammenwohnten. Wir kamen und kommen beide sehr gut allein zurecht.</p>
<p>Es ging dann so problematisch weiter. Im Grunde gerieten wir ständig aneinander, obwohl ich mich schon stark zurückhielt. Auch deswegen, weil mein Knie schon fast blau wurde, da meine Mutter mich unter dem Tisch permanent anrempelte, um mir zu verstehen zu geben, dass ich nicht so aufmüpfig sein und besser die Klappe halten sollte. Die ganze Situation war ihr sichtlich peinlich. Am Ende fuhren wir in die Gastwohnung der Botschaft, in der mein Vater wohnte. Er wollte mir diverse Anzüge von sich schenken, führte mich zu seinem Kleiderschrank und sagte sehr bestimmt: „Such dir was aus!“ Ich antwortete, dass ich das alles nicht brauchte, außerdem sei er ja einen Kopf kleiner als ich und die Sachen würden mir auf keinen Fall passen.</p>
<p>Es war absurd. Er ließ sich nicht abbringen und bestand darauf, dass ich etwas nehme, weil es sehr teure Anzüge seien. Schließlich gab er mir einfach zwei aus dem Schrank. Und auch ein paar Schuhe – kackbraune Slipper mit fürchterlichen goldenen Bommeln – musste ich (...) mitnehmen. Auf meinen Einwand, dass ich viel größere Füße hätte als er und diese Schuhe mir mindestens zwei Nummern zu klein seien, sagte er lediglich: „Die Schuhe haben 700 Dollar gekostet.“ Um diesen ganzen Unsinn zu beenden, nahm ich alles und sagte nichts mehr.</p>
<div id="attachment_7975" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7975" class="wp-image-7975" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/Goetz.jpg" alt="Titelrolle im „Götz von Berlichingen“, Jagsthausen 2020. Abbildung: Pierre Sanoussi-Bliss/privat" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7975" class="wp-caption-text">Titelrolle im „Götz von Berlichingen“, Jagsthausen 2020. Abbildung: Pierre Sanoussi-Bliss/privat</p></div>
<p>Beim Abschied gab er mir auch noch einen Umschlag. Als ich ihn öffnete, fand ich darin 3.000 DDR-Mark. Ich muss sehr enttäuscht geguckt haben, denn natürlich hatte ich eher auf Westgeld spekuliert. Damit hätte ich mir im Intershop eine Jeans und ein paar Platten kaufen können – zu der Zeit hörte ich Kate Bush. Kates Platten und mir wirklich gut passende Hosen gab es nur im Intershop. DDR-eigene Jeanskreationen wie „Wisent“, „Boxer“ oder „Goldfuchs“ kamen mir nicht an die Beine. Ich hatte in einem „Jugendmode“-Geschäft mal einige dieser Ost-Jeans anprobiert und konnte mich nicht entscheiden – zwischen Lachen und Weinen. Dass man in der DDR Westgeld besitzen durfte, wusste mein Vater angeblich nicht. Natürlich freute ich mich am Ende (...) über die 3.000 Ost-Mark, das war schließlich (...) sehr viel Geld, wenn man bedenkt, dass der Durchschnittsverdienst in der DDR 800 Mark im Monat betrug. Außerdem waren 3.000 Ost-Mark knapp 5.400 Feierabendbiere à 0,56 Mark der DDR. Wir hatten es doch eigentlich gar nicht so schlecht.</p>
<p>Tja, so war das mit meinem Vater. (...) Ich denke, er wollte mir, menschlich absolut verständlich, einfach nur zeigen, wozu er es gebracht hat. Wie ein amerikanischer Rapper, der aus der Gosse kommt und nach seinem Durchbruch Videos dreht, in denen er sich mit Diamanten, Ketten und Schmuck behängt, die schönsten Frauen am hauseigenen Pool um ihn herumtanzend, die fettesten Autos vor der Tür cruisend und der damit allen unmissverständlich zeigen will, dass er es geschafft hat. Ich bin meinem Vater nicht böse, aber das alles hatte auf mich wirklich eine abschreckende Wirkung. Wir haben nach diesem Aufeinandertreffen keinen Kontakt mehr gesucht und uns nie wieder gesehen. Ich weiß nicht, wie es ihm geht. Ich weiß nicht, wo er wohnt, nur dass er wieder in Guinea ist. Er müsste jetzt schon Mitte 70 sein. Vielleicht informiert er sich im Internet über mich. Ich google ihn jedenfalls ab und an, allerdings ohne neuen Erkenntnisgewinn. Meine Mutter hat ihm nach einem schlimmen Ebola-Ausbruch in dieser Region geschrieben, an die letzte Adresse, die sie von ihm hatte. Der Brief kam zurück.</p>
<p>Die Anzüge habe ich damals irgendwann in die Altkleidersammlung gegeben, die Schuhe irgendwo auf die Straße gestellt. Ich konnte niemanden in meinem Freundeskreis finden, der diese von meinem Vater gebrauchten, selbst für DDR-Verhältnisse hässlichen Slipper hätte tragen wollen.</p>
<p>Von den 3.000 Mark habe ich mir eine schicke Waschmaschine gekauft. Vorher hatte ich nur eine WM 66. Die Ossis unter Ihnen werden sich mit Schaudern erinnern. Ein fürchterliches Teil, das, wenn es schleuderte, durch die ganze Küche rutschte und einen selbst, versuchend die Bestie zu bändigen, gleich mit. Nun hatte ich eine richtig moderne, wunderbare Waschmaschine. Und ehrlicherweise muss ich gestehen, dass sie rein praktisch gesehen mehr Sinn machte als die neue Scheibe von Kate, auch wenn das jetzt blasphemisch klingt.</p>
<p>So habe ich dann jedes Mal, wenn ich Wäsche gewaschen habe, an meinen Vater gedacht. Allerdings ging die Maschine ziemlich schnell kaputt. Aber dann war auch schon „Westen“. Glücklicherweise. Jedenfalls was neue Waschmaschinen betraf.</p>
<p><em>Der Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch von Pierre Sanoussi-Bliss „Den Rest habe ich verdrängt“, Querverlag 2025.</em></p>
<div id="attachment_7976" style="width: 376px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7976" class="wp-image-7976" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/Cover_Foto-Detlef-Eden.jpg" alt="Pierre Sanoussi-Bliss: „Den Rest habe ich verdrängt“, Querverlag 2025. Abbildung: Detlef Eden" width="366" height="600"><p id="caption-attachment-7976" class="wp-caption-text">Pierre Sanoussi-Bliss: „Den Rest habe ich verdrängt“, Querverlag 2025. Abbildung: Detlef Eden</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Pierre Sanoussi-Bliss</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>GEBOREN:</strong> 1962/Ostberlin</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Berlin</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN THEATERTIPP:</strong> „Mauerstücke: Erinnerungsgeschichten“, Bettina Buske und Patricia Koelle (Hg.), 2009</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Ich war neunzehn“, 1968</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Insel Hiddensee</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/pierre-sanoussi-bliss-cola-whisky-wie-ich-das-einzige-mal-meinem-vater-begegnete/">Pierre Sanoussi-Bliss: Cola Whisky. Wie ich das einzige Mal meinem Vater begegnete</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Königs Wuster… wo? Brandenburg als Standortvorteil</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/der-osten-gibt-raum-man-muss-ihn-nur-nutzen-wollen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Aug 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=10236</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ostdeutschland wird als Gründungsstandort oft unterschätzt. Dabei bieten viele Regionen gute Bedingungen für innovative Firmen. Warum Brandenburg für sein Unternehmen zum Standortvorteil wurde, erläutert Flavio Holstein, Gründer und CEO des Sportgeräteherstellers Augletics.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10246" class="wp-image-10246" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/Porträt_holstein_flavio.jpg" alt="Für Flavio Holstein, CEO und Gründer von Augletics, passt die Wahrnehmung von Ostdeutschland als strukturschwache Region schon lange nicht mehr zur Realität. Abbildung: Augletics" width="600" height="788">Für Flavio Holstein, CEO und Gründer von Augletics, passt die Wahrnehmung von Ostdeutschland als strukturschwache Region schon lange [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/der-osten-gibt-raum-man-muss-ihn-nur-nutzen-wollen/">Königs Wuster… wo? Brandenburg als Standortvorteil</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ostdeutschland wird als Gründungsstandort oft unterschätzt. Dabei bieten viele Regionen gute Bedingungen für innovative Firmen. Warum Brandenburg für sein Unternehmen zum Standortvorteil wurde, erläutert Flavio Holstein, Gründer und CEO des Sportgeräteherstellers Augletics.</p>
<p><span id="more-10236"></span></p>
<div id="attachment_10246" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10246" class="wp-image-10246" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/Porträt_holstein_flavio.jpg" alt="Für Flavio Holstein, CEO und Gründer von Augletics, passt die Wahrnehmung von Ostdeutschland als strukturschwache Region schon lange nicht mehr zur Realität. Abbildung: Augletics" width="600" height="788"><p id="caption-attachment-10246" class="wp-caption-text">Für Flavio Holstein, CEO und Gründer von Augletics, passt die Wahrnehmung von Ostdeutschland als strukturschwache Region schon lange nicht mehr zur Realität. Abbildung: Augletics</p></div>
<p>„Königs Wuster… was?“ Das höre ich erstaunlich oft. Wenn ich erzähle, dass wir unser Unternehmen in Königs Wusterhausen aufgebaut haben, müssen viele erst einmal nachfragen, wo das überhaupt liegt. Kurz darauf folgt fast immer die Frage: „Warum denn dort?“</p>
<p>Die ehrliche Antwort lautet: Am Anfang gab es gar keinen großen Plan. Mein Mitgründer Stefan Kötitz hatte dort bereits seine Maschinenbaufirma Linatec. Wir haben uns eine kleine Fläche in seiner Produktionshalle geteilt und einfach angefangen. Aus dieser kleinen Ecke ist inzwischen eine eigene Halle geworden und bald kommt eine weitere dazu. Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir aber: Es war vielleicht kein Plan, trotzdem war es genau die richtige Entscheidung. Und ich würde sie heute wieder so treffen.</p>
<div id="attachment_10247" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10247" class="wp-image-10247" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/Augletics_Stefan-und-Flavio.jpg" alt="Flavio Holstein (links) und Stefan Kötitz (rechts) in der Produktionshalle von Augletics. Die beiden Unternehmensgründer haben sich beim Rudersport kennengelernt. Abbildung: Augletics" width="600" height="450"><p id="caption-attachment-10247" class="wp-caption-text">Flavio Holstein (links) und Stefan Kötitz (rechts) in der Produktionshalle von Augletics. Die beiden Unternehmensgründer haben sich beim Rudersport kennengelernt. Abbildung: Augletics</p></div>
<p>Ich komme aus dem Leistungssport. Jahrelang war Rudern mein Leben, zweimal bin ich deutscher Vizemeister geworden. Irgendwann wurde mir klar, dass der Weg an die Weltspitze zwar möglich, aber keine berufliche Perspektive für mich ist. Also habe ich an der TU Berlin Informatik und Elektrotechnik studiert und angefangen, das zu entwickeln, was mir als Sportler immer gefehlt hatte: ein Rudergerät, das sich wirklich wie Rudern anfühlt. Stefan, den ich aus dem Rudersport kannte, stieg zunächst als Business Angel ein und wurde später Mitgründer. Vier Jahre haben wir entwickelt, bevor wir das erste Gerät verkauft haben. Nicht, weil wir kein Kapital gefunden hätten, sondern weil wir erst verkaufen wollten, wenn das Produkt unseren Ansprüchen wirklich genügte.</p>
<p>Dieser Ansatz ist vermutlich kein typisches Start-up-Denken. Berlin zieht Gründer mit dem Versprechen von Netzwerken, Investoren und schnellem Wachstum an. Ich verstehe diesen Reiz. Aber manchmal habe ich den Eindruck, dass dadurch zu früh zu viel versprochen wird und zu wenig Zeit bleibt, ein wirklich gutes Produkt zu entwickeln. Wir haben den umgekehrten Weg gewählt: erst entwickeln, dann verkaufen. Erst profitabel werden, dann wachsen. Seit zwei Jahren wächst <a href="https://augletics.de/" target="_blank" rel="noopener">Augletics</a> organisch um rund 30 Prozent pro Jahr, ohne Risikokapital und ohne Abomodell.</p>
<h2><span class="title-bg">Brandenburg – alles andere als strukturschwach</span></h2>
<p>Rückblickend glaube ich, dass Brandenburg dabei kein Zufall war, sondern ein echter Standortvorteil. Viele stellen sich den Osten noch immer als strukturschwache Region vor. Diese Wahrnehmung passt aus meiner Sicht aber längst nicht mehr zur Realität. Wir sitzen im Landkreis Dahme-Spreewald, einer der dynamischsten Regionen Deutschlands, und profitieren gleichzeitig von der unmittelbaren Nähe zu Berlin. Viele unserer Mitarbeitenden kommen täglich mit der Regionalbahn aus der Hauptstadt, andere wohnen in Brandenburg und müssen heute nicht mehr nach Berlin pendeln, um einen anspruchsvollen Arbeitsplatz zu finden. Über Autobahn und Flughafen BER sind wir hervorragend mit Kunden, Lieferanten und internationalen Partnern verbunden. Gleichzeitig bietet die Technische Hochschule Wildau für technologieorientierte Unternehmen ein innovatives Umfeld und gut ausgebildete Fachkräfte. Als wir für unsere Expansion nach Frankreich und Italien Muttersprachlerinnen und Muttersprachler gesucht haben, hatten wir überraschend schnell qualifizierte Bewerbungen. Gute Fachkräfte gibt es eben nicht nur in den bekannten Start-up-Hotspots.</p>
<p>Mindestens genauso wichtig ist für mich aber die Unternehmenskultur. Während sich Unternehmen in manchen Metropolen mit immer neuen Benefits überbieten, erleben wir häufig etwas anderes. Viele Menschen wünschen sich vor allem spannende Aufgaben, Verlässlichkeit und einen Arbeitgeber, der sie fair behandelt. Wer Verantwortung überträgt, pünktlich bezahlt und ehrlich mit seinen Mitarbeitenden umgeht, bekommt dafür oft außergewöhnlich viel Loyalität und Engagement zurück. Das empfinde ich als echten Wettbewerbsvorteil.</p>
<h2><span class="title-bg">Vorteil persönliche Nähe</span></h2>
<p>Auch die Zusammenarbeit mit Politik und Wirtschaftsförderung fühlt sich oft persönlicher an. In einer Millionenstadt geht man als junges Unternehmen leicht unter. In Brandenburg hat man dagegen häufiger das Gefühl, dass wirtschaftliche Entwicklung wirklich gewollt ist. Man kennt sich, kommt ins Gespräch und findet pragmatische Unterstützung. Diese Nähe kann keine Förderung ersetzen, sie macht aber häufig den entscheidenden Unterschied.</p>
<p>Ich erzähle das nicht, weil ich glaube, dass jeder Gründer in den Osten ziehen sollte. Aber ich halte es für einen Denkfehler, ambitionierte Unternehmensgründungen fast ausschließlich mit wenigen Metropolen zu verbinden. Der Osten bietet etwas, das in vielen Regionen Deutschlands knapp geworden ist: Raum. Raum zum Bauen, Raum zum Produzieren, Raum zum Wachsen und Raum für langfristiges Denken. Genau diesen Raum haben wir in Königs Wusterhausen gefunden. Am Anfang war das kein Plan. Heute bin ich überzeugt, dass es genau der richtige Ort für uns ist.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/der-osten-gibt-raum-man-muss-ihn-nur-nutzen-wollen/">Königs Wuster… wo? Brandenburg als Standortvorteil</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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		<title>Silicon Saxony: Der Osten baut Zukunft</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/silicon-saxony-der-osten-baut-zukunft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Aug 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9924</guid>

					<description><![CDATA[<p>Kaum ein Thema sorgt in Deutschland regelmäßig für so viel Frust wie verspätete Großprojekte. Ob Flughafen, Bahnstrecke, Brücke oder öffentliche Infrastruktur. Doch aktuelle Industrieprojekte im Bereich der Halbleiterfertigung beweisen, dass es auch anders geht. Beispiele dafür gebe es in Dresden, sagt der Bau- und Immobilienexperte Klaus-Peter Stöppler.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10218" class="wp-image-10218" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/Klaus-Peter-Stoeppler.jpg" alt="Der Bau- und Immobilienexperte Klaus-Peter Stöppler sieht klare Prioritäten und eindeutige Entscheidungsstrukturen als Faktor für erfolgreiche Großprojekte. Abbildung: Klaus-Peter Stöppler" width="600" height="600">Der Bau- und Immobilienexperte Klaus-Peter Stöppler sieht [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/silicon-saxony-der-osten-baut-zukunft/">Silicon Saxony: Der Osten baut Zukunft</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Kaum ein Thema sorgt in Deutschland regelmäßig für so viel Frust wie verspätete Großprojekte. Ob Flughafen, Bahnstrecke, Brücke oder öffentliche Infrastruktur. Doch aktuelle Industrieprojekte im Bereich der Halbleiterfertigung beweisen, dass es auch anders geht. Beispiele dafür gebe es in Dresden, sagt der Bau- und Immobilienexperte Klaus-Peter Stöppler.</p>
<p><span id="more-9924"></span></p>
<div id="attachment_10218" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10218" class="wp-image-10218" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/Klaus-Peter-Stoeppler.jpg" alt="Der Bau- und Immobilienexperte Klaus-Peter Stöppler sieht klare Prioritäten und eindeutige Entscheidungsstrukturen als Faktor für erfolgreiche Großprojekte. Abbildung: Klaus-Peter Stöppler" width="600" height="600"><p id="caption-attachment-10218" class="wp-caption-text">Der Bau- und Immobilienexperte Klaus-Peter Stöppler sieht in klaren Prioritäten und eindeutigen Entscheidungsstrukturen Faktoren für erfolgreiche Großprojekte. Abbildung: Klaus-Peter Stöppler</p></div>
<p>„Die weit verbreitete Behauptung, Deutschland könne keine Großprojekte mehr erfolgreich umsetzen, ist schlichtweg falsch“, erklärt der Bau- und Immobilienexperte Klaus-Peter Stöppler. „Es gibt mehrere aktuelle Beispiele dafür, dass große Investitionsvorhaben sogar schneller als geplant realisiert werden können“, sagt er mit Verweis auf die jüngsten Aktivitäten von Infineon und Bosch in Dresden.</p>
<h2><span class="title-bg">Dresdner Halbleitercluster als Vorbild</span></h2>
<p>Im Umfeld des Dresdner Halbleiterclusters entstehen derzeit – bzw. werden deutlich erweitert – Produktions­standorte für Computerchips, die für künstliche Intelligenz, Elektromobilität, Industrieautomation, Telekommunikation und Rechenzentren benötigt werden. Allein die dort angekündigten Investitionen bewegen sich im zweistelligen Milliardenbereich. Dresden gilt inzwischen als größter Halbleiterstandort Europas. Zum dortigen Cluster gehören neben Infineon und Bosch auch Globalfoundries, TSMC/ESMC, X-Fab und Jenoptik. Etwa jeder dritte in Europa produzierte Chip stammt aus der Region „Silicon Saxony“.</p>
<p>Aus Sicht von Klaus-Peter Stöppler liegt der entscheidende Unterschied zwischen erfolgreichen und gescheiterten Großprojekten nicht in der Technologie oder der Größe der Investition. Woran es tatsächlich liegt, erklärt er wie folgt: „Fast alle Problemprojekte weisen dieselben Symptome auf: unklare Zielsetzungen, zu viele Entscheidungsebenen, mangelnde Verantwortlichkeiten und eine fehlende Gesamtsteuerung. Erfolgreiche Projekte dagegen zeichnen sich durch klare Prioritäten und eindeutige Entscheidungsstrukturen aus.“</p>
<p>Genau diese Faktoren seien bei den erfolgreichen Industrieprojekten in Dresden zu beobachten. Die Investoren verfolgten einen klar definierten wirtschaftlichen Zweck: Chips für KI und Automotive. Alle Beteiligten, also Bauherr, Land und EU, räumten den Projektzielen eine hohe Priorität ein und die Milliarden-Finanzierung habe von Anfang an festgestanden. „Sicherlich auch aufgrund der klaren wirtschaftspolitischen Zielsetzung und der verlässlichen Rahmenbedingungen arbeiteten Behörden, Projektsteuerer, Planer und ausführende Unternehmen ‚hervorragend‘ zusammen.“ Ausdrücklich lobt Stöppler die enge Projektsteuerung durch Strabag als Generalunternehmer und Drees &amp; Sommer als Bauleitung. Ebenso trägt nach seiner Einschätzung die enge Verzahnung von Industrie und Wissenschaft am Standort Dresden zum Erfolg bei. Dabei falle der Technischen Universität Dresden und ihrer Transfergesellschaft Tudag eine Schlüsselrolle zu.</p>
<h2><span class="title-bg">Milliardeninvestitionen schaffen Wachstum</span></h2>
<p>Klaus-Peter Stöppler betont: „Die Bedeutung solcher Projekte reicht weit über die Baustellen hinaus. Neue Produktionsstandorte ziehen Zulieferer, Forschungseinrichtungen und Dienstleister an.“ Er weist darauf hin, dass rund um den Dresdner Halbleiterstandort derzeit tausende neue Arbeitsplätze und zusätzliche Investitionen in Infrastruktur, Energieversorgung und Wasseraufbereitung entstehen. Allein für die Wasserversorgung der expandierenden Halbleiterindustrie investiere Dresden mehr als 300 Millionen Euro in ein neues Flusswasserwerk. Gleichzeitig investierten weitere Unternehmen zusätzliche Milliardenbeträge in den Ausbau ihrer Kapazitäten. „Europas größter Halbleiterstandort erweitert seine Produktionskapazitäten massiv, um die steigende Nachfrage aus den Bereichen künstliche Intelligenz, Elektromobilität und Digitalisierung zu bedienen“, umreißt Stöppler die Dimension von „Silicon Saxony“.</p>
<h2><span class="title-bg">Lehren für andere Großprojekte</span></h2>
<p>Nach Ansicht des Bau- und Immobilienexperten sollte die Politik die Erfolgsfaktoren dieser Projekte systematisch analysieren und auf andere Bereiche übertragen. Er gibt zu bedenken: „Wir diskutieren häufig darüber, warum Projekte scheitern. Viel wichtiger ist die Frage, warum manche Projekte erfolgreich sind. Die Antworten liegen beispielsweise in Dresden auf dem Tisch.“</p>
<p>Dazu gehörten frühzeitige Entscheidungen, eindeutige Verantwortlichkeiten, professionelle Projektsteuerung, eine enge Abstimmung aller Beteiligten sowie eine konsequente Orientierung am eigentlichen Projektziel. „Silicon Saxony ist eine Blaupause, wie sich Deutschland auf wichtigen Zukunftsmärkten positionieren kann“, so Stöppler. Er mahnt: „Die Übertragung dieses Erfolgsmodells auf andere Zukunftsmärkte wie Raumfahrt, Drohnen und Robotik muss gelingen, um Deutschland langfristig eine wirtschaftlich attraktive Zukunft zu verschaffen.“</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/silicon-saxony-der-osten-baut-zukunft/">Silicon Saxony: Der Osten baut Zukunft</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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		<title>Sabine Rennefanz: Gefährdetes Erbe. Geht es für die ostdeutschen Vorzeigearbeiterinnen zurück an den Herd?</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/sabine-rennefanz-gefaehrdetes-erbe-geht-es-fuer-die-ostdeutschen-vorzeigearbeiterinnen-zurueck-an-den-herd/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Aug 2026 05:30:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sabine Rennefanz, Journalistin und Autorin bei Der Spiegel und Tagesspiegel, ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7961" class="wp-image-7961" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Rennefanz_DIAO2.png" alt="Sabine Rennefanz, Journalistin, Autorin Der Spiegel, Tagesspiegel. Abbildung: Sven Gatter" width="703" height="1000">Sabine Rennefanz, Journalistin, Autorin Der Spiegel, Tagesspiegel. Abbildung: Sven Gatter<br />
Traditionelle Rollen- und Familienbilder werden wieder beliebter. Das betrifft auch die Bundesländer, für die Ex-Kanzlerin [...]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Sabine Rennefanz, Journalistin und Autorin bei Der Spiegel und Tagesspiegel, ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7959"></span></p>
<div id="attachment_7961" style="width: 713px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7961" class="wp-image-7961" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Rennefanz_DIAO2.png" alt="Sabine Rennefanz, Journalistin, Autorin Der Spiegel, Tagesspiegel. Abbildung: Sven Gatter" width="703" height="1000"><p id="caption-attachment-7961" class="wp-caption-text">Sabine Rennefanz, Journalistin, Autorin Der Spiegel, Tagesspiegel. Abbildung: Sven Gatter</p></div>
<p>Traditionelle Rollen- und Familienbilder werden wieder beliebter. Das betrifft auch die Bundesländer, für die Ex-Kanzlerin Merkel prototypisch stand. Kaum ein Zufall. In der vergangenen Woche wurde viel über die frühere Kanzlerin und Memoiren-Schreiberin Angela Merkel geredet. Wie sie es als ostdeutsche Frau an die Spitze der Regierung geschafft hat, und wie viel sie darauf verwandt hat, in einer männerdominierten Welt voranzukommen. Sie stand damit prototypisch für viele DDR-sozialisierte Frauen, die sich dank guter Ausbildung und Ehrgeiz im wiedervereinigten Deutschland nach 1990 zurechtfanden.</p>
<p>Bis heute gibt es in den ostdeutschen Ländern eine höhere Erwerbsquote von Frauen als im Westen, mehr weibliche Führungskräfte und eine geringere Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Ostdeutsche Frauen inspirierten zu Gedichten wie „Die Ostfrau an sich“ von Bert Papenfuß, zu Filmen („Frauen in Landschaften“), zu Büchern wie „Ostfrauen verändern die Republik“ (2019) oder jüngst „Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat“. Selbst Netzwerktreffen im Kanzleramt gibt es speziell für ostdeutsche Frauen, organisiert vom Ostbeauftragten der Bundesregierung. Doch damit könnte bald Schluss sein, und zwar nicht nur, weil es womöglich in der nächsten Bundesregierung keinen Ostbeauftragten mehr geben wird.</p>
<p>Wenn man sich die aktuelle Stimmungslage in den ostdeutschen Bundesländern anschaut, scheinen Frauen (und Männer) einen eher traditionellen Staat im Blick zu haben. Devise: zurück an den Herd. Alte, längst überwunden geglaubte Rollenbilder sind nicht nur im Westen, sondern besonders im Osten auf dem Vormarsch.</p>
<p>Kürzlich wurde in Berlin die neue Autoritarismus-Studie 2024 der Universität Leipzig vorgestellt. Seit 22 Jahren untersuchen die Forscher, wie sich autoritäre und antidemokratische Tendenzen entwickeln. Rund 2.500 repräsentativ ausgewählte Männer und Frauen in Ost und West werden dazu angesprochen, seit 2006 werden auch Einstellungen zu Sexismus und Rollenbildern abgefragt. Bisher waren die Antworten der Ostdeutschen progressiver. Das sei „häufig auf die Rolle der Frau und die Förderung weiblicher Erwerbstätigkeit in der DDR zurückgeführt worden“, schreiben die Forscher.</p>
<p>2024 stimmten bei einzelnen Aspekten zum ersten Mal mehr Ostdeutsche als Westdeutsche sexistischen und antifeministischen Thesen zu. So finden 31 Prozent der Befragten in den Ostländern, dass Frauen sich wieder stärker auf ihre Rolle als Ehefrau und Mutter konzentrieren sollten, bei den Westdeutschen sind es 26 Prozent. Dass sich Frauen in der Politik häufig lächerlich machen, findet mehr als jeder dritte Ostdeutsche (35 Prozent), das ist eine Zunahme gegenüber 2020 um 15 Prozent. 19 Prozent sind es bei Westdeutschen.</p>
<p>Ist das ein Anti-Merkel-Effekt? Eine Art Backlash, nachdem 16 Jahre eine Frau regiert hat? Negativer als früher wird übrigens Kinderlosigkeit empfunden: Ein Drittel der Ostdeutschen hält Frauen, die auf Kinder verzichten, für egoistisch (Westdeutschland 18 Prozent).</p>
<p>Was steckt dahinter? Ist es eine Krisenreaktion? Eine Folge rechter Propaganda? Die Forscher urteilen vorsichtig, dass die Rolle der Mutter im Osten und die Bedeutung von Familie im Wandel begriffen zu sein scheinen. Es ist wohl auch eine Konsequenz der veränderten Bevölkerungszusammensetzung.</p>
<p>In mehreren Wellen sind nach 1990 Hunderttausende Frauen in den Westen oder ins Ausland gegangen, vor allem die jungen, die agilen. Dass die Frauen sich eher trauten wegzugehen, ist vielleicht auch ihren selbstbewussten Ostmüttern zu verdanken. Aber sie fehlen heute. Und diejenigen, die geblieben sind, beklagen sich über mangelnde Unterstützung.</p>
<p>Angela Merkel war nicht für ihre frauenpolitische Politik bekannt. Noch 2017 sagte sie, sie würde sich nicht als Feministin bezeichnen, das nahm sie zwar am Ende ihrer Amtszeit zurück, aber da war es schon zu spät.</p>
<p><em>Dieser Beitrag ist zuerst im Tagesspiegel erschienen, am 3. Dezember 2024. </em></p>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1685" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg" alt="Label Impulsgeberin Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Sabine Rennefanz</span></h2>
<p><strong>GEBOREN:</strong> 1974/Beeskow<br>
<strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Berlin<br>
<strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> „Das Narrenschiff“, 2025<br>
<strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Engel aus Eisen“, 1981<br>
<strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Stechlinsee</p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/sabine-rennefanz-gefaehrdetes-erbe-geht-es-fuer-die-ostdeutschen-vorzeigearbeiterinnen-zurueck-an-den-herd/">Sabine Rennefanz: Gefährdetes Erbe. Geht es für die ostdeutschen Vorzeigearbeiterinnen zurück an den Herd?</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Jägerschnitzel. Der Ost-Ost-Blick #7: Hetze, Hitze, Hetze, Hitze</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/jaegerschnitzel-der-ost-ost-blick-7-hetze-hitze-hetze-hitze/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Aug 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=10206</guid>

					<description><![CDATA[<p>In Teil sieben seiner Kolumne widmet sich Julian Nejkow dem aktuellen Zustand der ostdeutschen Gesellschaft zwischen Sommerloch und dem bevorstehenden politischen Herbst.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8046" class="wp-image-8046" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Nejkow.jpg" alt="Julian Nejkow, 1988 in Thüringen geboren, ist Deutsch-Bulgare mit Bindestrichidentität. Er hat Politikwissenschaft in Jena und Dresden studiert. Seit 2021 beschäftigt er sich verstärkt mit Ostdeutschland. Abbildung: Paul Glaser" width="600" height="600">Julian Nejkow, 1988 in Thüringen geboren, ist Deutsch-Bulgare mit Bindestrichidentität. Er hat Politikwissenschaft in Jena und Dresden studiert. Seit 2021 beschäftigt er sich [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/jaegerschnitzel-der-ost-ost-blick-7-hetze-hitze-hetze-hitze/">Jägerschnitzel. Der Ost-Ost-Blick #7: Hetze, Hitze, Hetze, Hitze</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In Teil sieben seiner Kolumne widmet sich Julian Nejkow dem aktuellen Zustand der ostdeutschen Gesellschaft zwischen Sommerloch und dem bevorstehenden politischen Herbst.</p>
<p><span id="more-10206"></span></p>
<div id="attachment_8046" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8046" class="wp-image-8046" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Nejkow.jpg" alt="Julian Nejkow, 1988 in Thüringen geboren, ist Deutsch-Bulgare mit Bindestrichidentität. Er hat Politikwissenschaft in Jena und Dresden studiert. Seit 2021 beschäftigt er sich verstärkt mit Ostdeutschland. Abbildung: Paul Glaser" width="600" height="600"><p id="caption-attachment-8046" class="wp-caption-text">Julian Nejkow, 1988 in Thüringen geboren, ist Deutsch-Bulgare mit Bindestrichidentität. Er hat Politikwissenschaft in Jena und Dresden studiert. Seit 2021 beschäftigt er sich verstärkt mit Ostdeutschland. Er ist einer der Podcast-Hosts von „Nach meiner Kenntnis sofort!“ Abbildung: Paul Glaser</p></div>
<p>Das politische Berlin steht offiziell still und dann gibt es wieder Urlaubsbilder, wohin man auch schaut. Stillstand schafft Platz für Geschichten. Geschichten, die die Medien aufsparen für die „ruhigen“ Zeiten. Es sind Geschichten über Menschen, die etwas erreicht haben. Oft sind sie berührend und weniger negativ als gewohnt. Doch das Land steht nicht still. Nächster Halt: „Ostdeutschland“. In drei Bundesländern stehen Wahlen an: Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und auch ein wenig in Berlin. Fraktionskönig Spahn ist weg, weil sein Kind ein „gekauftes“ ist. „Klingbeil-Rolex“ und so weiter.</p>
<p>Und dann kommt die „Bild“: Messer, Messer, Messer, Freibad und so weiter. Clickbait ist das Thema, die Wahrheit der Statistiken ist völlig egal. Dass wir 1990 genauso oft Opfer von Messerattacken oder Gewalttaten wurden wie heute, darf keine Rolle spielen. Dass wir in großer Sicherheit leben, um die uns weit über 100 Länder beneiden, wird schnell vergessen.</p>
<p>Die Wahrheit ist: Was passiert da in Sachsen-Anhalt? Lange Zeit war das AfD-Folklore. Und jetzt ist Juli und dann ist schon August. Der Wahlkampf geht los und „Bild“, „Welt“ und „Nius“ fabulieren über dies und jenes in SA (huch). Im September wird es wohl entschieden: Alleinregierung der AfD? Möglich, aber nur die Medien können das entscheiden. Ich lese „Bild“ jeden Tag: Messerattacken, Freibadeinschränkungen oder einfach Trampen – alles gilt als gefährlich. Vor allem in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, weil die Öffis dort kaum fahren. Wie soll man sonst von A nach B kommen? Egal, Messer, Messer und dann?</p>
<p>Angst, was noch? Wut, was noch? Plötzlich Gewöhnung.</p>
<p>Ende Juli. Der CSD Berlin findet erstmals an zwei Tagen statt – eine große Feier. Ein Deutsch-Libanese rast in eine Menschenmenge. Eine Tote, viele Verletzte, fürchterliche Erinnerungen.</p>
<p>Jetzt reicht es, oder doch noch nicht? Es müssen Konsequenzen folgen! Schuldige müssen zur Verantwortung gezogen werden! Ich höre die Rufe: „Abschieben, abschieben, abschieben!“ Doch wohin? Wie soll man zum Beispiel mit einem Mann verfahren, der in Deutschland geboren ist? Warum ist Abschieben immer die Lösung? Was ist mit Prävention? Fragen über Fragen.</p>
<p>Eigentlich sollten wir das gesellschaftlich aushandeln. In den „sozialen“ Netzwerken geht das allerdings nicht. Angefacht von jenen, die mit Klicks Geld verdienen, findet eine vergiftete Debatte statt, bei der die Art und Weise, wie ein Gespräch geführt wird, eine größere Debatte anstößt als die Frage, ob ein Gespräch überhaupt noch stattfindet.</p>
<p>Je nach Standpunkt sind die vermeintlich Schuldigen schnell gefunden: die „Altparteien“ oder die AfD. Jedenfalls passen immer die Politik und die Ausländer. Manch einer macht „die Medien“ verantwortlich, andere „die Wissenschaft“ und bei nicht wenigen sind es schlicht „die Eliten“.</p>
<p>Doch was, wenn wir gar kein Problem mit Schuldzuweisungen, sondern mit der Übernahme von Verantwortung haben? Der Komiker Jimmy Carr sagte kürzlich: „Wenn du bis zum Mittag für dein Empfinden mehr als drei Arschlöcher getroffen hast, liegt der Verdacht nahe, dass du selbst auch eines bist.“ Überspitzt gesagt sind wir alle ein wenig selbst schuld, der eine mehr, die andere weniger. Denn aktuell ist es so, dass diejenigen, die stets und ständig ihre Rechte einfordern, ihre Pflichten wie selbstverständlich vernachlässigen. Und Rechte und Pflichten haben wir als Bürger alle gleichermaßen in der Demokratie. Der Politiker, die Journalistin, der Richter, die Polizistin und zuletzt und universell der Bürger.</p>
<p>Vielleicht ist es die Art und Weise, wie wir an die großen gesellschaftlichen Herausforderungen in Zukunft rangehen sollten. Oder wir schreien uns weiterhin gegenseitig an und stechen uns virtuell und real ab. Mal wieder hat jeder selbst die Wahl. Doch ich will und kann es nicht mehr hören, dass immer die anderen schuld sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-8127" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Nejkow_Hoellenjahre.jpg" alt width="200" height="284">Julian Nejkow: „Höllenjahre – von jetzt auf gleich”, epubli, Berlin 2024, 336 Seiten, 19,90 € (Softcover).</p>
<p>Mehr Informationen unter&nbsp;<a href="http://www.Ölbart.de" target="_blank" rel="noopener">Ölbart.de</a>.</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/jaegerschnitzel-der-ost-ost-blick-7-hetze-hitze-hetze-hitze/">Jägerschnitzel. Der Ost-Ost-Blick #7: Hetze, Hitze, Hetze, Hitze</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bodo Ramelow: Ankommen im Osten. Meine Reise und Gedanken zur Zukunft Ostdeutschlands</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/bodo-ramelow-ankommen-im-osten-meine-reise-und-gedanken-zur-zukunft-ostdeutschlands/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jul 2026 05:30:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bodo Ramelow, Vizepräsident des Deutschen Bundestages und ehemaliger Ministerpräsident des Freistaates Thüringen, Die Linke, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7951" class="wp-image-7951 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Ramelow_DIAO2.png" alt="Bodo Ramelow, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Ministerpräsident des Freistaates Thüringen (2014–2024) Die Linke. Abbildung: Inga Haar/Deutscher Bundestag" width="705" height="1000">Bodo Ramelow, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, ehemaliger Ministerpräsident des Freistaates Thüringen (2014–2024), [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/bodo-ramelow-ankommen-im-osten-meine-reise-und-gedanken-zur-zukunft-ostdeutschlands/">Bodo Ramelow: Ankommen im Osten. Meine Reise und Gedanken zur Zukunft Ostdeutschlands</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Bodo Ramelow, Vizepräsident des Deutschen Bundestages und ehemaliger Ministerpräsident des Freistaates Thüringen, Die Linke, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7947"></span></p>
<div id="attachment_7951" style="width: 715px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7951" class="wp-image-7951 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Ramelow_DIAO2.png" alt="Bodo Ramelow, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Ministerpräsident des Freistaates Thüringen (2014–2024) Die Linke. Abbildung: Inga Haar/Deutscher Bundestag" width="705" height="1000"><p id="caption-attachment-7951" class="wp-caption-text">Bodo Ramelow, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, ehemaliger Ministerpräsident des Freistaates Thüringen (2014–2024), Die Linke. Abbildung: Inga Haar/Deutscher Bundestag</p></div>
<p>Am 28. Februar 1990 kam ich zum ersten Diensttermin nach Erfurt zu einer Belegschaftsversammlung im Centrum Warenhaus. Es begann für mich eine Reise aus dem Westen in den Osten. Thüringen als Bundesland gab es noch gar nicht und die Centrum Warenhäuser gibt es längst nicht mehr.</p>
<p>Als ich ins heutige Thüringen kam, wusste ich nicht, dass ich hier meine politische und persönliche Heimat finden würde. Ich war ein Gewerkschafter, ein Westdeutscher, der in den Brüchen der Zeit an der Seite der Beschäftigten nach Lösungen und Perspektiven gesucht hat, nicht, um „blühende Landschaften“ zu versprechen, sondern um mitzuhelfen, dass die Menschen im Osten selbst entscheiden können, wie sie ihre neue Realität gestalten.</p>
<p>Thüringen hat mich mit offenen Armen empfangen. Schnell merkte ich: Hier, zwischen Eichsfeld und Altenburger Land, herrschte eine Mischung aus Aufbruchsstimmung und tiefem Misstrauen. Viele fühlten sich überrumpelt – die eigene Lebensleistung war infrage gestellt, der Staat, in dem sie geboren waren, war verschwunden, und nun bestimmten andere die Regeln. Ich wusste: Ich muss zuhören, verstehen, gemeinsam neue Wege finden.</p>
<hr>
<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Ostdeutschland braucht keine Bevormundung – es braucht Anerkennung Vertrauen, echte Partnerschaft. [...] Ostdeutschland ist kein Opfer – es ist ein Zukunftslabor.”</strong></span></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Die Wendezeit – Aufbruch mit Brüchen</span></h2>
<p>Die Wendezeit war für viele Menschen in Ostdeutschland ein tiefer Einschnitt. Sie war nicht nur politisch, sondern auch emotional ein Bruch. Von heute auf morgen verschwanden Betriebe, Berufe, Lebenspläne. Die Treuhand überzog die neuen Bundesländer mit einem radikalen Umbau, der oft an den Bedürfnissen der Menschen vorbeiging. Es ging nicht um Teilhabe, sondern um Abwicklung.</p>
<p>Ich erinnere mich an die vielen Gespräche mit Arbeiterinnen und Arbeitern, die mir ihre Geschichten erzählten: von Ungleichbehandlung, von Arroganz, von Entwurzelung. In diesen Jahren wurde das Fundament gelegt für ein dauerhaftes Gefühl des „Zurückgesetzt- Seins“, das bis heute anhält. Es war der Moment, in dem mir klar wurde: Ostdeutschland braucht keine Bevormundung – es braucht Anerkennung, Vertrauen, echte Partnerschaft.</p>
<p>Wenn ich einen Ort benennen müsste, der für mich die tiefste Wunde dieser Zeit symbolisiert, dann ist es Bischofferode. Der Kalistreik dort 1993 war ein Aufschrei. Hunderte Bergleute kämpften nicht nur um ihre Arbeitsplätze, sondern um ihre Würde. Wochenlang streikten sie, hungerten, harrten aus – und doch siegten am Ende wirtschaftliche Interessen und politische Kälte.</p>
<p>Ich war oft in Bischofferode. Die Gespräche mit den Bergleuten haben mich geprägt. Ihre Entschlossenheit, ihre Solidarität, aber auch ihre Enttäuschung gegenüber der Politik – das alles hat sich mir eingebrannt. Für mich ist Bischofferode Mahnung und Auftrag zugleich: Wenn wir von Transformation reden, dürfen wir die Menschen nicht vergessen. Wir dürfen ihre Lebenswirklichkeit nicht zu Zahlenkolonnen degradieren.</p>
<div id="attachment_7953" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7953" class="wp-image-7953" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/5007747.jpg" alt="Von 2014 bis 2024 war Bodo Ramelow Ministerpräsident von Thüringen. Abbildung: Janine Schmitz/photothek" width="600" height="399"><p id="caption-attachment-7953" class="wp-caption-text">Von 2014 bis 2024 war Bodo Ramelow Ministerpräsident von Thüringen. Abbildung: Janine Schmitz/photothek</p></div>
<h2><span class="title-bg">Zuhören, Einmischen, Handeln</span></h2>
<p>Als ich 1999 in den Thüringer Landtag einzog, wusste ich, dass ich keine Karriere anstrebte, sondern eine Aufgabe übernahm. Ich wollte der Stimme des Ostens Gehör verschaffen – nicht, indem ich alte Gegensätze vertiefe, sondern indem ich Brücken baue. Politik heißt für mich, konkret zu werden: Schulen sanieren, Busverbindungen erhalten, Pflege stärken.</p>
<p>2014 wurde ich Ministerpräsident. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik führte ein Politiker der Linken ein Bundesland. Das war für viele ein Schock, für andere ein Hoffnungsschimmer. Ich wusste: Ich muss ein Landesvater für alle sein, nicht nur für meine Wählerinnen und Wähler. Thüringen ist vielfältig – und das ist seine Stärke.</p>
<div id="attachment_7954" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7954" class="wp-image-7954" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/5024796.jpg" alt="25. März 2025: Bodo Ramelow nimmt die Wahl zum Vizepräsidenten des 21. Deutschen Bundestages an. Abbildung: Tobias Koch/Deutscher Bundestag" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7954" class="wp-caption-text">25. März 2025: Bodo Ramelow nimmt die Wahl zum Vizepräsidenten des 21. Deutschen Bundestages an. Abbildung: Tobias Koch/Deutscher Bundestag</p></div>
<h2><span class="title-bg">Mehr als ein Herkunftsort</span></h2>
<p>35 Jahre nach der Wiedervereinigung ist Ostdeutschland noch immer nicht gleichwertig. Die Löhne sind niedriger, die Vermögen kleiner, die Repräsentation in Führungspositionen unzureichend. Doch Ostdeutschland ist mehr als eine Problemregion. Es ist ein Ort voller Talente, voller Ideen, voller Menschen, die gelernt haben, sich durchzubeißen. Was mir Hoffnung macht, sind junge Menschen, die hierbleiben oder zurückkehren, um zu gestalten. Es gibt Gründerinnen, die neue Wege gehen, engagierte Bürgermeisterinnen, die sich dem demografischen Wandel entgegenstemmen, und Bürgerinitiativen, die für ihre Dörfer kämpfen. Ostdeutschland ist kein Opfer – es ist ein Zukunftslabor.</p>
<p>Wenn ich auf die vergangenen Jahrzehnte zurückblicke, dann sehe ich, wie wichtig es ist, Geschichte nicht nur zu erinnern, sondern auch aus ihr zu lernen. Die Wendezeit zeigt uns: Transformation braucht Zeit, Teilhabe und Transparenz. Sie darf nicht über die Köpfe hinweg geschehen. Sie braucht aber auch in der Gegenwart eine Form der kulturellen Sichtbarkeit, die die Erfahrungen vieler Menschen repräsentieren und materialisieren hilft. Das Deutsche Nationaltheater (DNT) in Weimar beispielsweise hat mit seinen Theaterstücken „Wir sind das Volk“ und „Treuhandkriegspanorama“ eine eigene kulturelle Form gefunden, um diesem Wunsch der Menschen nach Sichtbarkeit ihrer Erfahrungshorizonte Rechnung zu tragen. Auch die sogenannten Erzählsalons von Katrin Rohnstock gemeinsam mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung haben Plattformen geschaffen, auf denen individuelle Erlebnisse aus der Zeit des Umbruchs 1989/1990 der Nachwelt überliefert werden können.</p>
<p>Eine der größten Herausforderungen bleibt, das Vertrauen in Demokratie und Institutionen zu stärken. Viele Menschen fühlen sich bis heute nicht repräsentiert. Sie erleben, dass ihre Sorgen kleingeredet werden. Das öffnet Tür und Tor für Populismus und Radikalisierung. Dem müssen wir entschlossen entgegentreten – durch Dialog, durch Ernsthaftigkeit, durch konsequentes Handeln.</p>
<div id="attachment_7956" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7956" class="wp-image-7956" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/5007746.jpg" alt="11. Februar 2022: Bundestagspräsidentin Bärbel Bas empfängt Bodo Ramelow, damals auch Präsident des Bundesrates. Abbildung: Janine Schmitz/photothek" width="600" height="401"><p id="caption-attachment-7956" class="wp-caption-text">11. Februar 2022: Bundestagspräsidentin Bärbel Bas empfängt Bodo Ramelow, damals auch Präsident des Bundesrates. Abbildung: Janine Schmitz/photothek</p></div>
<h2><span class="title-bg">Ein anderer Osten ist möglich</span></h2>
<p>Was braucht Ostdeutschland in den kommenden Jahren? Zuerst: Respekt. Es muss Schluss sein mit dem Blick von oben herab. Die Erfahrung, die in den ostdeutschen Biografien liegt, ist eine Ressource. Der Osten hat gelernt, mit Brüchen zu leben, mit Wandel umzugehen – das kann ein Vorteil sein in einer Welt, die sich immer schneller verändert.</p>
<p>Zweitens: Beteiligung. Die Menschen wollen mitreden. Sie wollen nicht nur als Betroffene gesehen werden, sondern als Gestalter. Bürgerbeteiligung darf kein Feigenblatt sein, sondern muss echte Mitsprache ermöglichen – in der Regionalentwicklung, beim Klimaschutz, in der Bildungsplanung.</p>
<p>Und drittens: Investitionen. Wir brauchen eine kluge Strukturpolitik, die gezielt in Regionen investiert, die bisher abgehängt wurden. Es geht nicht ums Gießkannenprinzip, sondern um gezielte Förderung von Infrastruktur, Digitalisierung, Bildung und Kultur.</p>
<p>Ich bin in Thüringen angekommen – als Mensch, als Politiker, als Mitbürger. Dieses Land hat mir viel gegeben. Ich habe versucht, etwas zurückzugeben. Unsere Herausforderungen sind groß: Der demografische Wandel, der Strukturwandel, die politische Polarisierung. Aber ich bin überzeugt: Wenn wir zusammenhalten, wenn wir zuhören, wenn wir uns gegenseitig ernst nehmen, dann hat Thüringen – und der ganze Osten – eine gute Zukunft.</p>
<p>Ich werde auch weiterhin meine Stimme erheben – nicht als moralische Instanz, sondern als jemand, der weiß, wie viel Kraft in diesem Land steckt. Thüringen ist mein Zuhause. Und ich glaube an seine Zukunft.</p>
<div id="attachment_7957" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7957" class="wp-image-7957" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/3916276.jpg" alt="14. Juni 2017: Filmpremiere des Kinderfilms des Deutschen Bundestages „Applaus für Felix“. Abbildung: Sylvia Bohn" width="600" height="268"><p id="caption-attachment-7957" class="wp-caption-text">14. Juni 2017: Filmpremiere des Kinderfilms des Deutschen Bundestages „Applaus für Felix“. Abbildung: Sylvia Bohn</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Bodo Ramelow</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>GEBOREN:</strong> 1956/Osterholz-Scharmbeck (Niedersachsen)</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Erfurt und Saalburg-Ebersdorf</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN THEATERTIPP:</strong> „Treuhandkriegspanorama“, 2022</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Barbara“, 2012</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Thüringen, besonders die Bleiloch­talsperre</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/bodo-ramelow-ankommen-im-osten-meine-reise-und-gedanken-zur-zukunft-ostdeutschlands/">Bodo Ramelow: Ankommen im Osten. Meine Reise und Gedanken zur Zukunft Ostdeutschlands</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Feuer und Flamme für gute Ideen: Wie der Bestform Award kreative Lösungen fördert</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/feuer-und-flamme-fuer-gute-ideen-wie-der-bestform-award-kreative-loesungen-foerdert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Jul 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Event]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der „Bestform Award“, Kreativpreis des Landes Sachsen-Anhalt, zeichnet Lösungen aus, die Wirtschaft, Gesellschaft und Alltag auf neue Weise voranbringen. Ein Beispiel ist ein Nachrüst-Frontsprühbalken für Feuerwehr-Ersatzfahrzeuge von Benjamin Olschak aus dem Salzlandkreis.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10178" class="wp-image-10178" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Anzeigenmotiv_Benjamin-Olschak.jpg" alt="Benjamin Olschak auf einem Anzeigenmotiv für den Bestform Award. 2025 war er Sieger in der Kategorie Product. Abbildung: IMG Sachsen-Anhalt" width="600" height="338">Benjamin Olschak auf einem Anzeigenmotiv für den Bestform Award. 2025 war er Sieger in der Kategorie Product. Abbildung: IMG Sachsen-Anhalt<br />
Im Juni 2026 [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/feuer-und-flamme-fuer-gute-ideen-wie-der-bestform-award-kreative-loesungen-foerdert/">Feuer und Flamme für gute Ideen: Wie der Bestform Award kreative Lösungen fördert</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der „Bestform Award“, Kreativpreis des Landes Sachsen-Anhalt, zeichnet Lösungen aus, die Wirtschaft, Gesellschaft und Alltag auf neue Weise voranbringen. Ein Beispiel ist ein Nachrüst-Frontsprühbalken für Feuerwehr-Ersatzfahrzeuge von Benjamin Olschak aus dem Salzlandkreis.</p>
<p><span id="more-10085"></span></p>
<div id="attachment_10178" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10178" class="wp-image-10178" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Anzeigenmotiv_Benjamin-Olschak.jpg" alt="Benjamin Olschak auf einem Anzeigenmotiv für den Bestform Award. 2025 war er Sieger in der Kategorie Product. Abbildung: IMG Sachsen-Anhalt" width="600" height="338"><p id="caption-attachment-10178" class="wp-caption-text">Benjamin Olschak auf einem Anzeigenmotiv für den Bestform Award. 2025 war er Sieger in der Kategorie Product. Abbildung: IMG Sachsen-Anhalt</p></div>
<p>Im Juni 2026 ist eine neue <a href="https://www.investieren-in-sachsen-anhalt.de/presse/detail/sachsen-anhalt-zeigt-sich-in-bestform" target="_blank" rel="noopener">Wettbewerbsrunde</a> gestartet, bei der sich bis zum 13. November Unternehmen, aber auch Forschende oder Studierende mit ihren kreativen Ideen bewerben können. 2025 wurden mit mehr als hundert Einreichungen so viele Projekte wie nie zuvor verzeichnet. Gewonnen hat in der Kategorie Product <a href="https://wir-sind-aschersleben.de/mitglied/olschak-stahldesign/" target="_blank" rel="noopener">Olschak Stahl + Design</a> aus Aschersleben mit einem innovativen Nachrüst-Frontsprühbalken für Feuerwehr-Einsatzfahrzeuge.</p>
<p>Wenn Benjamin Olschak einen Satz besonders oft sagt, dann diesen: „Das dürfte kein Problem sein.“ So ist es auch vor einigen Jahren, als der Schlosser in der Nähe von Aschersleben mit den Ortswehrleitern der Freiwilligen Feuerwehren Drohndorf und Mehringen zusammensitzt. Sie machen sich Sorgen um die Feld- und Flächenbrände in der Region. Dann steht die Idee im Raum, Einsatzfahrzeuge mit einem Frontsprühbalken auszurüsten, der Brände schon beim Anfahren eindämmt und dabei sparsam mit Löschwasser umgeht.</p>
<p>Aus diesem Gedanken ist ein preisgekröntes Produkt geworden. Gemeinsam mit den Freiwilligen Feuerwehren Drohndorf und Mehringen gewann der Unternehmer 2025 beim <a href="https://bestform-sachsen-anhalt.de/" target="_blank" rel="noopener">Bestform Award</a> – dem Kreativwettbewerb des Landes Sachsen-Anhalt – den ersten Preis in der Kategorie Product. Nun begleitet er die neue Wettbewerbsrunde als Botschafter. Auf Plakaten, in Videos, im Podcast und bei Veranstaltungen wirbt er für den laufenden Wettbewerb und möchte andere ermutigen, ihre Ideen einzureichen – auch wenn sie „vielleicht noch nicht ganz fertig gedacht sind.“</p>
<h2><span class="title-bg">Eine Idee aus dem Feuerwehralltag</span></h2>
<p>Bis aus der Überlegung von einst ein funktionierendes Produkt wird, vergeht damals auch einige Zeit. Der Alltag im Drei-Mann-Betrieb Olschak Stahl + Design lässt wenig Raum für das Projekt. Doch die Idee verschwindet nie ganz aus dem Kopf von Benjamin Olschak. „Jetzt oder nie“, sagt er sich und beginnt Jahre später daran zu tüfteln. „Die Idee dahinter ist einfach zu gut, die konnte ich nicht ignorieren“, sagt der Schlosser. Er baut erste Prototypen. Die Feuerwehrleute testen sie im Einsatz und geben Rückmeldungen. Immer wieder bessern sie nach, denken neu, probieren. Dass sie einer „heißen Idee“ auf der Spur sind, ist da längst sicher. Benjamin Olschak betont immer wieder, dass er den Frontsprühbalken nicht erfunden hat: „So etwas gab es auch zu DDR-Zeiten schon“, sagt der 38-Jährige, „allerdings in nur sehr einfacher Version.“ Heute verfügen neue Feuerwehrfahrzeuge zwar teilweise über Frontsprühanlagen, diese dienen jedoch in erster Linie dem Eigenschutz. Benjamin Olschak will mehr: Er sieht das Bauteil immer als eine Kombination, die das Fahrzeug schützt und gleichzeitig bei der Bekämpfung von Flächenbränden hilft.</p>
<div id="attachment_10179" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10179" class="wp-image-10179" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Benjamin-Olschak-vorn-und-Martin-Bork_©Benjamin-Olschak.jpg" alt="Benjamin OIschak (vorne) mit dem Ortswehrleiter der Ortsfeuerwehr Mehringen, Martin Bork. Bis heute entwickelt sich das System des Frontsprühbalkens immer weiter. Abbildung: Benjamin Olschak" width="600" height="269"><p id="caption-attachment-10179" class="wp-caption-text">Benjamin OIschak (vorne) mit dem Ortswehrleiter der Ortsfeuerwehr Mehringen, Martin Bork. Abbildung: Benjamin Olschak</p></div>
<p>Die ersten Praxistests finden damals gleich dort statt, wo das System später eingesetzt werden soll – auf dem Feld. Ein Landwirt stellt dafür eine Fläche zur Verfügung. Als dort kontrolliert Feuer gelegt wird und das Fahrzeug samt Frontsprühbalken darüberfährt, zeigt sich schnell: Die Idee funktioniert. Die Feuerprobe ist bestanden. Das erste Modell ist bis heute im Einsatz. Doch der Tüftler weiß danach: Da geht noch was. „Wir wussten, dass wir den Frontsprühbalken noch besser machen können“, erinnert er sich. Also wurden Düsen neu angeordnet, Sprühwinkel verändert und Leitungen optimiert. Bis heute entwickelt sich das System weiter – immer in Zusammenarbeit mit den Feuerwehrleuten, die ihre Erfahrungen aus den Einsätzen zurückmelden. Genau dieses Zusammenspiel aus handwerklichem Können und praktischer Erfahrung überzeugte auch die Jury des Bestform Award.</p>
<h2><span class="title-bg">Einer, der lieber anpackt</span></h2>
<p>Dass Benjamin Olschak so lange an einer solchen Idee festhält, überrascht sein Umfeld wenig. Wer seinen beruflichen Weg betrachtet, kann schnell ablesen: Er ist einer, der Dinge am liebsten praktisch löst und anpackt.</p>
<p>Nach dem Abitur entscheidet sich der Aschersleber gegen ein Universitätsstudium. „Ich wollte lieber etwas mit meinen Händen schaffen“, erinnert er sich. Er wird Industriemechaniker, arbeitet viele Jahre in diesem Beruf und absolviert nebenbei ein technisches Studium. Später wird er Ausbilder und Prüfer und ist seit Jahren der Vorsitzende der IHK-Prüfungskommission. 2018 wagt er den Schritt in die Selbstständigkeit – zunächst nebenberuflich. Er verleiht Hüpfburgen und Werkzeuge, übernimmt kleinere Schlosserarbeiten und fertigt individuelle Konstruktionen. „Ich hatte Lust, etwas Neues auszuprobieren“, sagt er. Das Nebengeschäft läuft gut. Türen, Tore, Zäune, Dienstleistungen: Die Anfragen reißen nicht ab. Als sich schließlich die Gelegenheit ergibt, eine Schlosserei zu übernehmen, wagt er den Schritt in die Selbstständigkeit. Bereut hat er ihn nie, sagt der Unternehmer. In seiner Werkstatt entstehen seitdem nicht nur funktionale Lösungen, sondern auch außergewöhnliche Projekte. Für die Landesgartenschau in Bad Dürrenberg fertigt er einen großen Globus an, der bepflanzt werden kann und am Ende wie eine begehbare, grüne Weltkugel wirkt. Aktuell arbeitet er an einem Hasslauer Stern mit acht Metern Durchmesser, der künftig auf Veranstaltungen die Gäste anlocken soll.</p>
<h2><span class="title-bg">Der Preis als Türöffner</span></h2>
<p>Mit dem Gewinn des Bestform Awards bekommt die Schlosserei 2025 viel Aufmerksamkeit. Zeitungen berichteten, Rundfunk und Fernsehen werden auf den Frontsprühbalken aufmerksam. Anfragen kommen nicht mehr nur von Feuerwehren. Das System kann längst mehr. Denkbar sind Anwendungen beim Technischen Hilfswerk, in der Landwirtschaft oder bei Motocross-Veranstaltungen. Der Drohndorfer stattet sogar ein Amphibienfahrzeug vollständig mit dem Sprühsystem aus, sodass es Wasser in der Karosserie speichern kann. „Das dürfte kein Problem sein“ – ist es auch nicht.</p>
<p>Benjamin Olschak fertigt jeden Frontsprühbalken in Handarbeit. Er fährt zu den Fahrzeugen, misst die Fahrzeuge aus, konstruiert die passende Lösung und übernimmt auch die Montage selbst. Perspektivisch könnte er sich gut vorstellen, deutlich größere Stückzahlen zu produzieren. Dafür braucht er allerdings Partner, die gemeinsam mit ihm die Entwicklung vorantreiben – etwa auf dem Weg zu einer universellen Halterung, die den Sprühbalken zu einem echten Plug-and-Play-System machen könnte.</p>
<h2><span class="title-bg">Botschafter für kreative Ideen</span></h2>
<p>Dass er derzeit das Gesicht der neuen Bestform-Runde ist, macht ihn stolz, sagt er – auch wenn er es ungewohnt findet, sein „Gesicht überall zu sehen“. Für Olschak selbst hat sich die Teilnahme gelohnt – fachlich ebenso wie persönlich. Der Wettbewerb habe seinem Projekt viel Aufmerksamkeit verschafft und Türen geöffnet, sagt er. Das Preisgeld kommt größtenteils den neu gegründeten Fördervereinen der Feuerwehren Drohndorf und Mehringen zugute. Der Rest fließt in die Entwicklung der universellen Halterung, die die Montage noch leichter machen könnte.</p>
<p>Solche Brückenschläge zwischen Kreativität und Praxis, Gesellschaft und Wirtschaft sind es, die der Bestform Award seit 2013 sichtbar macht. „An diesem Wettbewerb teilzunehmen, war damals eine gute Idee“, sagt er. „Ich rate jedem, der in Sachsen-Anhalt etwas Neues, Kreatives in petto hat, dort mitzumachen.“</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/feuer-und-flamme-fuer-gute-ideen-wie-der-bestform-award-kreative-loesungen-foerdert/">Feuer und Flamme für gute Ideen: Wie der Bestform Award kreative Lösungen fördert</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Der Osten muss seine Geschichte selbst erzählen“ Interview mit Joerg Fieback von der Zebra Group</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/der-osten-muss-seine-geschichte-selbst-erzaehlen-interview-mit-joerg-fieback-von-der-zebra-group/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Jul 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=10100</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die 1991 in Chemnitz gegründete Zebra Group hat sich zu einer der größten inhabergeführten Agenturen in Deutschland entwickelt. Im Interview spricht CEO und Mitgründer Joerg Fieback über Ostdeutsche und Ostmarken, über „Ostimismus“ und „Ostwahlen“.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10102" class="wp-image-10102" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/ZEBRA-GF-18MAR26-1638.jpg" alt="Joerg Fieback, geboren 1974 in Ostberlin, Mitgründer und CEO der Chemnitzer Zebra Group, einer der 30 größten deutschen inhabergeführten Agenturen. Abbildung: Zebra Group" width="450" height="630">Joerg Fieback, geboren 1974 in Aue-Bad Schlema, Mitgründer und CEO der Chemnitzer Zebra Group, einer der 30 [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/der-osten-muss-seine-geschichte-selbst-erzaehlen-interview-mit-joerg-fieback-von-der-zebra-group/">„Der Osten muss seine Geschichte selbst erzählen“ Interview mit Joerg Fieback von der Zebra Group</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die 1991 in Chemnitz gegründete Zebra Group hat sich zu einer der größten inhabergeführten Agenturen in Deutschland entwickelt. Im Interview spricht CEO und Mitgründer Joerg Fieback über Ostdeutsche und Ostmarken, über „Ostimismus“ und „Ostwahlen“.</p>
<p><span id="more-10100"></span></p>
<div id="attachment_10102" style="width: 460px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10102" class="wp-image-10102" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/ZEBRA-GF-18MAR26-1638.jpg" alt="Joerg Fieback, geboren 1974 in Ostberlin, Mitgründer und CEO der Chemnitzer Zebra Group, einer der 30 größten deutschen inhabergeführten Agenturen. Abbildung: Zebra Group" width="450" height="630"><p id="caption-attachment-10102" class="wp-caption-text">Joerg Fieback, geboren 1974 in Aue-Bad Schlema, Mitgründer und CEO der Chemnitzer Zebra Group, einer der 30 größten deutschen inhabergeführten Agenturen. Abbildung: André Forner</p></div>
<h2><span class="title-bg">ostdeutschland.info: Joerg, wir haben uns 2025 auf dem MACHN Festival in Leipzig kennengelernt. Wie war das MACHN 2026 für dich?</span></h2>
<p><strong>Joerg Fieback: </strong>Das <a href="https://ostdeutschland.info/das-machn-wird-internationaler-interview-mit-marco-weicholdt/" target="_blank" rel="noopener">MACHN</a> ist für mich inzwischen viel mehr als ein Festival. Es gilt als das größte Business-Festival Ostdeutschlands, aber es ist viel mehr, als man unter einem Festival versteht, denn es ist ein Stimmungsbarometer für den Osten. Dort spürt man sehr schnell, wie die Menschen auf die Zukunft blicken. Mit welcher Energie sie unterwegs sind. Wo Optimismus entsteht. Wo Sorgen sind. Und welche Themen die Region wirklich bewegen.</p>
<p>Mich beeindruckt jedes Jahr aufs Neue, wie viele Menschen dort zusammenkommen, die nicht darauf warten, dass sich etwas verändert, sondern Veränderung selbst gestalten wollen. Gründer, Unternehmer, Wissenschaftler, Kreative, Kommunalpolitiker, Investoren, Studierende. Menschen, die etwas aufbauen wollen. Genau das gefällt mir am MACHN. Der Osten wird dort nicht als Problemfall behandelt. Er wird nicht auf Defizite reduziert. Er wird als Gestaltungsraum betrachtet. Das klingt banal, ist aber tatsächlich ein großer Unterschied.</p>
<p>Wenn über Ostdeutschland gesprochen wird, geht es häufig um Wahlergebnisse, Strukturprobleme, Abwanderung oder Fachkräftemangel. Alles wichtige Themen. Aber eben nicht die ganze Wahrheit. Wer über das MACHN läuft, erlebt etwas anderes: Innovationskraft, Unternehmertum, Kreativität und Aufbruch. Kurz gesagt: Zukunft. Für mich zeigt das Festival jedes Mal wieder, dass die spannendste Geschichte des Ostens nicht seine Vergangenheit, sondern seine Zukunft ist. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Der neue Osten entsteht längst. Man muss nur hinschauen.</p>
<div id="attachment_10149" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10149" class="wp-image-10149" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Titelbild_Keynote_Der-Osten-nervt_Joerg-Fieback.jpg" alt="Das Titelbild zu Joerg Fiebacks Keynote „Der Osten nervt“, die er auf dem MACHN Festival gehalten hat. Abbildung: Zebra Group" width="600" height="337"><p id="caption-attachment-10149" class="wp-caption-text">Das Titelbild zu Joerg Fiebacks Keynote „Der Osten nervt“, die er auf dem MACHN Festival gehalten hat. Abbildung: Zebra Group</p></div>
<h2><span class="title-bg">Du hast auf dem MACHN die Keynote „Der Osten nervt“ gehalten ...</span></h2>
<p>Der Titel sorgt zunächst immer für Irritation. Das ist durchaus beabsichtigt. Denn: Der Osten nervt tatsächlich. Er nervt in politischen Debatten. Er nervt in Wahlanalysen, Talkshows, Feuilletons und manchmal nervt er auch sich selbst. Aber mich interessiert die Frage: Warum eigentlich? Meine Antwort lautet: Weil der Osten bis heute Projektionsfläche ist. Für die einen ist er das Symbol des Scheiterns. Für die anderen das Symbol des Widerstands. Für manche ist er ein Sehnsuchtsort. Für andere eine Problemregion.</p>
<p>Was dabei oft verloren geht, ist die Wirklichkeit. Ich glaube, wir haben in Deutschland über Jahrzehnte hinweg ein sehr einseitiges Bild vom Osten erzählt. Ein Bild, das stark von Defiziten geprägt war: Arbeitslosigkeit, Strukturbruch, Abwanderung und Rechtsextremismus. Vieles davon hatte reale Ursachen. Wenn aber eine Region über Jahrzehnte vor allem über Probleme beschrieben wird, entsteht irgendwann ein Narrativ. Und Narrative haben Macht. Sie beeinflussen, wie über Regionen gesprochen wird. Sie beeinflussen Investitionsentscheidungen. Sie beeinflussen Karrierewege. Und sie beeinflussen auch das Selbstbild der Menschen, die dort leben.</p>
<blockquote><p>Der Osten hat nicht nur ein Strukturproblem. Er hat vor allem ein Narrativproblem. Wir brauchen eine vollständigere Erzählung.“</p></blockquote>
<p>Deshalb lautet meine These: Der Osten hat nicht nur ein Strukturproblem. Er hat vor allem ein Narrativproblem. Wir brauchen keine Schönfärberei. Aber wir brauchen eine vollständigere Erzählung. Denn der Osten ist eben nicht nur Protest, Mangel oder Rückstand. Er ist auch Innovationskraft, Unternehmertum, Kreativität, Kultur und Transformationserfahrung. Genau diese Geschichten müssen sichtbarer werden.</p>
<h2><span class="title-bg">Gibt es so etwas wie eine Superkraft der Ostdeutschen? Was bringen Ostdeutsche mit, das wir in ganz Deutschland benötigen?</span></h2>
<p>Wenn ich eine Eigenschaft nennen müsste, wäre es Transformationserfahrung. Ostdeutsche mussten erleben, was viele Unternehmen und Institutionen heute erst lernen: radikalen Wandel. Nach der Wende verschwanden ganze Systeme innerhalb weniger Monate. Berufe verloren ihre Grundlage. Unternehmen verschwanden. Lebensentwürfe mussten neu gedacht werden. Viele Menschen mussten sich mehrfach neu erfinden. Das war für viele schmerzhaft. Für manche existenziell. Aber daraus ist auch etwas entstanden, das heute enorm wertvoll sein kann: Resilienz.</p>
<p>Wir leben wieder in einer Zeit großer Umbrüche. Digitalisierung, künstliche Intelligenz, geopolitische Unsicherheit und demografischer Wandel. Fast jede Branche steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Plötzlich werden Fähigkeiten wichtig, die viele Ostdeutsche schon einmal trainieren mussten: Anpassungsfähigkeit, Pragmatismus, Improvisationsvermögen und die Bereitschaft, Neues zu wagen. Ich sage deshalb manchmal bewusst provokant: Der Osten hat Transformation nicht studiert. Der Osten hat sie erlebt. Vielleicht liegt genau darin eine Stärke, die Deutschland heute gut gebrauchen kann.</p>
<h2><span class="title-bg">Wo liegen die Schwächen der Ostdeutschen?</span></h2>
<p>Ich glaube, wir sind häufig zu bescheiden. Viele Ostdeutsche haben gelernt, Leistung nicht an die große Glocke zu hängen. Erst machen, dann reden. Das ist menschlich sympathisch. In einer Aufmerksamkeitsökonomie ist es aber nicht immer hilfreich. Wir erleben das auch bei Unternehmen. Viele ostdeutsche Mittelständler sind in ihrem Bereich Weltklasse. Aber kaum jemand kennt sie.</p>
<p>Dazu kommt ein zweiter Punkt: Netzwerke. Der aktuelle Elitenmonitor zeigt erneut, wie stark Ostdeutsche in Führungspositionen unterrepräsentiert sind. Das hat viele Ursachen. Eine davon ist sicherlich, dass Netzwerke, Mentoren und Zugänge im Osten historisch schwächer ausgeprägt sind. Wer weniger Vermögen vererbt bekommt, weniger Kontakte in Machtzentren hat und seltener Vorbilder in Spitzenpositionen sieht, startet oft mit anderen Voraussetzungen. Das hat nichts mit Talent zu tun. Es hat mit Strukturen zu tun. Deshalb glaube ich, dass wir im Osten stärker lernen müssen, uns gegenseitig sichtbar zu machen. Nicht aus Eitelkeit, sondern aus Verantwortung.</p>
<div id="attachment_10147" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10147" class="wp-image-10147" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Ostimist-gelb.jpg" alt="Der Ostimist-Sticker. Ostimismus bedeutet laut Joerg Fieback, die Opferrolle zu verlassen und mehr Selbstwirksamkeit zu zeigen. Abbildung: Zebra Group" width="600" height="600"><p id="caption-attachment-10147" class="wp-caption-text">Der Ostimist-Sticker. Ostimismus bedeutet laut Joerg Fieback, die Opferrolle zu verlassen und mehr Selbstwirksamkeit zu zeigen. Abbildung: Zebra Group</p></div>
<h2><span class="title-bg">Du bist bekennender „Ostimist“. Was hat es damit auf sich?</span></h2>
<p>Ostimismus ist für mich keine politische Haltung. Es ist eine kulturelle Haltung. Der Begriff entstand aus der Beobachtung, dass viele Debatten über Ostdeutschland zwischen zwei Extremen pendeln. Auf der einen Seite steht die Defiziterzählung: Der Osten als Problem. Auf der anderen Seite die Verklärung: Früher war alles besser. Beides führt nicht weiter. Ostimismus bedeutet für mich etwas anderes. Es bedeutet, Probleme klar zu benennen und trotzdem an Gestaltungskraft zu glauben.</p>
<p>Ich bin nicht Ostimist, weil alles gut ist. Ich bin Ostimist, weil ich glaube, dass es besser werden kann, und weil ich überzeugt bin, dass die Menschen hier viel mehr Potenzial haben, als ihnen oft zugetraut wird. Der neue Osten entsteht nicht auf politischen Podien und auch nicht in Leitartikeln. Er entsteht in Unternehmen, in Vereinen, in Initiativen, in Netzwerken und in den Köpfen der Menschen. Ostimismus heißt deshalb für mich: weniger Jammern, mehr Gestalten. Weniger Opferrolle, mehr Selbstwirksamkeit. Und vielleicht vor allem: den Osten nicht länger nur erklären lassen, sondern anfangen, ihn selbst zu erzählen.</p>
<blockquote><p>Ostimismus bedeutet, Probleme klar zu benennen und trotzdem an Gestaltungskraft zu glauben. Und vielleicht vor allem: den Osten nicht länger nur erklären lassen, sondern anfangen, ihn selbst zu erzählen.“</p></blockquote>
<h2><span class="title-bg">Ist der Begriff „Ostimist“ eigentlich schon final? Pessimisten lesen vielleicht „OstistMist“, aber du bist der Werber …</span></h2>
<p><em>(lacht)</em> Großartig. Das habe ich wirklich noch nie gehört. Aber vielleicht ist das sogar ein gutes Zeichen. Denn Wörter, über die niemand stolpert, bleiben selten hängen. Mir geht es ohnehin weniger um den Begriff, als um die Idee dahinter. Ostimismus beschreibt für mich eine Haltung: Probleme sehen, ohne sich von ihnen definieren zu lassen. Die eigene Herkunft ernst nehmen, ohne in Nostalgie zu verfallen. Die Zukunft gestalten, statt Vergangenheit zu verwalten. Wenn Menschen über das Wort diskutieren, reden sie meistens schon über genau diese Idee. Und dann hat es seinen Job erfüllt.</p>
<h2><span class="title-bg">Als Mitgründer und CEO der Zebra Group – was macht eure Agentur aus?</span></h2>
<p><a href="https://zebra.de/" target="_blank" rel="noopener">Zebra</a> wurde vor 35 Jahren in Chemnitz gegründet. Damals war die Stadt für viele noch Symbol einer Region im Umbruch. Mittlerweile war sie unter anderem Europäische Kulturhauptstadt 2025 – vielleicht steckt darin auch ein Teil unserer eigenen Geschichte.</p>
<p>Wir haben nie versucht, eine ostdeutsche Agentur zu sein. Aber wir haben auch nie versucht, keine ostdeutsche Agentur zu sein. Wir kommen von hier. Wir verstehen die Mentalität, die Menschen, die Unternehmen, die Herausforderungen. Gleichzeitig arbeiten wir längst weit über Sachsen hinaus. Für Marken, Institutionen und öffentliche Auftraggeber in ganz Deutschland. Was uns auszeichnet, ist die Verbindung aus strategischer Markenarbeit, Kreativität und Unternehmertum. Wir glauben an die Kraft von Marken und daran, dass sie etwas bewegen – in Köpfen, Herzen und Bilanzen.</p>
<p>Kommunikation ist auch mehr als Werbung. Kommunikation schafft Wahrnehmung. Und Wahrnehmung schafft Realität. Deshalb interessieren wir uns nicht nur für Kampagnen, sondern für Narrative. Für Bilder. Für die Geschichten, die Menschen über Marken, Unternehmen oder Regionen erzählen. Vielleicht erklärt das auch, warum uns das Thema „Osten“ so beschäftigt. Denn am Ende ist auch eine Region eine Marke. Mit Stärken. Mit Schwächen. Mit Klischees. Mit Potenzialen. Genau dort beginnt unsere Arbeit.</p>
<h2><span class="title-bg">Nach der Kampagne für die Landesmarke „So geht sächsisch“ 2025 habt ihr euch kürzlich auch den Etat für das Standortmarketing des Freistaats Thüringen gesichert.</span></h2>
<p>Darüber freuen wir uns natürlich sehr. Vor allem deshalb, weil wir glauben, dass ostdeutsche Regionen heute selbstbewusster über ihre Stärken sprechen dürfen. Lange Zeit wurden viele ostdeutsche Standorte vor allem über Fördermittel, Strukturwandel oder Probleme definiert. Das greift jedoch viel zu kurz.</p>
<p>Wenn ich durch Thüringen fahre, sehe ich Innovationskraft, Mittelstand, Weltmarktführer, Kultur, Lebensqualität, Hochschulen, Forschung, ... Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Die gibt es überall. Aber Kommunikation sollte nicht nur Defizite verwalten. Sie sollte auch Potenziale sichtbar machen. Deshalb geht es bei Standortmarketing heute nicht mehr darum, schöne Bilder zu produzieren. Es geht darum, glaubwürdige Geschichten zu erzählen. Geschichten, die zeigen, warum Menschen hier leben, arbeiten, investieren oder gründen wollen. Genau das macht diese Aufgabe so spannend.</p>
<h2><span class="title-bg">Du bist Vorstandsmitglied im GWA, dem Verband der führenden Kommunikations­agenturen Deutschlands. Wie ist die Stimmung in der Agenturbranche?</span></h2>
<p>Die Branche befindet sich wahrscheinlich in der größten Transformation seit dem Aufkommen des Internets. Künstliche Intelligenz verändert Prozesse, Rollenbilder, Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle. Viele klassische Agenturleistungen werden günstiger oder automatisierbar. Das sorgt natürlich für Unsicherheit. Gleichzeitig erlebe ich aber auch enorme Neugier.</p>
<p>Die spannendste Frage lautet aus meiner Sicht nicht, welche Jobs verschwinden, sondern welche neuen entstehen. Denn Kommunikation wird nicht weniger wichtig, eher das Gegenteil ist der Fall. In einer Welt, in der Inhalte immer schneller und günstiger produziert werden können, steigt der Wert von Orientierung. Von Strategie. Von Urteilskraft. Von Kreativität.</p>
<p>Wir bei Zebra sprechen von „Human Intelligence“. Denn KI macht Output billiger. Aber gute Entscheidungen werden dadurch nicht automatisch leichter. Ich glaube deshalb, dass erfolgreiche Agenturen künftig weniger Produzenten und stärker Navigatoren sein werden. Menschen und Unternehmen brauchen jemanden, der Technologie, Markenführung, Daten, Kreativität und Wirkung zusammenbringt. Genau dort entsteht der neue Agenturwert.</p>
<h2><span class="title-bg">2024 hat die Zebra Group eine Ost-West-Studie veröffentlicht: Wie isser denn, der Ossi?</span></h2>
<p>Die wichtigste Erkenntnis unserer <a href="https://ostdeutschland.info/marketing-im-osten-wo-die-deutschen-unterschiedlich-ticken-und-kaufen/" target="_blank" rel="noopener">Studie</a> war zunächst einmal: Es gibt den Ossi noch. Also, nicht den Klischee-Ossi. Aber durchaus auch den Unterschied zwischen Ost und West in Sachen Einstellungen, Werte und Wahrnehmungen. Und das hat uns selbst überrascht. Vor allem deshalb, weil wir festgestellt haben, dass manche Unterschiede bei den Nachwende-Generationen sogar stärker ausgeprägt sind als bei den Älteren. Das deutet darauf hin, dass Herkunft und kulturelle Prägung länger wirken, als von vielen vermutet.</p>
<p>Besonders spannend fanden wir die Unterschiede bei den Themen Heimatliebe und Lebensqualität. Während Westdeutsche ihre Region stärker über Lebensqualität beschreiben, spielt bei Ostdeutschen der Begriff Heimat eine deutlich größere Rolle. Nicht im nostalgischen Sinn. Sondern als Ausdruck von Verbundenheit.</p>
<blockquote><p>Während Westdeutsche ihre Region stärker über Lebensqualität beschreiben, spielt bei Ostdeutschen der Begriff Heimat eine deutlich größere Rolle, als Ausdruck von Verbundenheit.“</p></blockquote>
<p>Ein weiteres interessantes Ergebnis war die Mediennutzung. Die ostdeutsche Nachwende-Generation zeigte sich deutlich digitaler als ihre westdeutschen Pendants. Das ist insbesondere mit Blick auf politische Kommunikation und gesellschaftliche Debatten hochinteressant.</p>
<p>Auf der anderen Seite haben wir auch etwas festgestellt, das oft übersehen wird: Die Deutschen sind sich ähnlicher, als viele Debatten vermuten lassen. Familie, Vertrauen, Verlässlichkeit oder Markenbindung spielen in Ost und West eine große Rolle. Die Unterschiede liegen oft weniger zwischen den Regionen als in den Details. Genau diese Details machen gute Kommunikation aus. Deshalb war die Studie für uns nicht nur gesellschaftlich spannend, sondern auch fachlich hoch relevant.</p>
<h2><span class="title-bg">Wie sind Ostdeutsche als Konsumenten? Muss Werbung für sie anders sein?</span></h2>
<p>Die kurze Antwort lautet: Ja und nein. Nein, weil Menschen überall Menschen sind. Sie suchen Orientierung, Vertrauen, Zugehörigkeit und Lösungen für ihre Bedürfnisse. Die großen Mechanismen der Kommunikation funktionieren in Rostock genauso wie in Köln oder München. Ja, weil Biografien einen Unterschied machen. Menschen kaufen Produkte nicht nur mit ihrem Geld, sondern auch mit ihren Erfahrungen. Und die Erfahrungen vieler Ostdeutscher unterscheiden sich bis heute von denen vieler Westdeutscher.</p>
<p>Unsere Ost-West-Studie hat gezeigt, dass Herkunft, Heimat und Authentizität für viele Ostdeutsche eine größere Rolle spielen. Gleichzeitig begegnen sie überzogenen Werbeversprechen häufig skeptischer. Vielleicht liegt das an der eigenen Transformationsgeschichte oder daran, dass viele Menschen hier gelernt haben, genauer hinzuschauen. Für Marken bedeutet das vor allem eines: Glaubwürdigkeit schlägt Inszenierung. Werbung muss deshalb nicht grundsätzlich anders sein. Aber sie sollte ehrlicher sein. Nahbarer. Weniger laut und dafür relevanter. Die eigentliche Frage lautet ohnehin nicht: „Wie erreiche ich Ostdeutsche?“ Sondern: „Verstehe ich die Menschen, mit denen ich sprechen möchte?“ Gute Kommunikation beginnt immer mit Respekt vor den Lebensrealitäten ihrer Zielgruppen.</p>
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<h2><span class="title-bg">Vita Cola, Rondo Melange, Senf aus Born und Bautzen, Knusperflocken und Bambina – funktionieren Ostprodukte noch als solche?</span></h2>
<p>Ja, aber anders als früher. In den 1990er-Jahren war der Erfolg vieler Ostmarken häufig eine Form kultureller Selbstbehauptung. Menschen wollten sich ein Stück Identität bewahren. Das war verständlich. Heute erleben wir etwas anderes. Marken wie Vita Cola, Bautz’ner oder Knusperflocken profitieren zunehmend von Eigenschaften, die weit über Ostalgie hinausgehen. Sie wirken authentisch. In einer Welt voller austauschbarer Produkte suchen Menschen nach Herkunft, Glaubwürdigkeit und Charakter. Genau das bringen viele Ostmarken mit. Sie haben eine Geschichte. Sie haben Ecken und Kanten und wirken oft weniger konstruiert als manche internationale Markeninszenierung.</p>
<blockquote><p>Die besten Ostmarken verkaufen heute nicht Vergangenheit. Sie verkaufen Haltung.“</p></blockquote>
<p>Spannend ist dabei: Viele erfolgreiche Ostmarken werden längst nicht mehr nur im Osten gekauft. Sie funktionieren zunehmend als eigenständige Markenpersönlichkeiten. Das zeigt etwas sehr Interessantes. Herkunft kann eine Stärke sein. Aber nur dann, wenn sie nicht zum Selbstzweck wird. Die besten Ostmarken verkaufen heute nicht Vergangenheit. Sie verkaufen Haltung.</p>
<h2><span class="title-bg">Ost und West: Wo stehen wir heute generell?</span></h2>
<p>Wir sind weiter als viele denken und gleichzeitig nicht weit genug. 35 Jahre nach der Wiedervereinigung haben wir wirtschaftlich, infrastrukturell und gesellschaftlich enorme Fortschritte gemacht. Viele ostdeutsche Städte haben sich beeindruckend entwickelt. Universitäten, Unternehmen und Forschungsstandorte spielen längst auf nationalem und internationalem Niveau. Wer behauptet, die Wiedervereinigung sei gescheitert, verkennt diese Realität. Ebenso falsch wäre es jedoch zu behaupten, die Unterschiede hätten sich vollständig aufgelöst. Der Elitenmonitor zeigt eine weiterhin deutliche Unterrepräsentation Ostdeutscher in Führungspositionen. Bei Vermögen, Erbschaften und Netzwerken bestehen ebenfalls erhebliche Unterschiede.</p>
<blockquote><p>Wir sollten die Ost-West-Debatte nicht beenden. Wir sollten sie erwachsener führen. Weniger als Konflikt. Mehr als eine gemeinsame Aufgabe.“</p></blockquote>
<p>Hinzu kommt etwas, das mich besonders beschäftigt: die Wahrnehmung. Viele Menschen im Osten haben bis heute das Gefühl, dass ihre Erfahrungen, Perspektiven und Biografien nicht ausreichend repräsentiert werden. Das ist kein Randthema. Denn gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht nicht nur durch Infrastruktur oder Wirtschaftswachstum. Er entsteht auch durch Anerkennung. Deshalb glaube ich, dass wir die Ost-West-Debatte nicht beenden sollten. Wir sollten sie erwachsener führen. Weniger als Konflikt. Mehr als eine gemeinsame Aufgabe. Denn am Ende geht es nicht darum, Unterschiede wegzudiskutieren. Sondern darum, sie anzuerkennen und gemeinsam daraus Stärke zu entwickeln.</p>
<h2><span class="title-bg">Wie blickst du auf die „Ostwahlen“ 2026?</span></h2>
<p>Zunächst einmal stört mich der Begriff ein wenig. Er suggeriert häufig, dass Wahlen im Osten etwas grundsätzlich anderes seien als Wahlen im Rest des Landes. Dabei zeigen viele Entwicklungen, dass Themen wie Vertrauensverlust, politische Polarisierung oder Zukunftsängste längst gesamtdeutsche Phänomene sind.</p>
<p>Natürlich schauen Medien bei Wahlen im Osten besonders genau hin. Manchmal habe ich allerdings den Eindruck, dass dabei mehr über den Osten gesprochen wird als mit ihm. Mich interessiert deshalb weniger die Frage, wer gewinnt oder verliert, sondern die Frage, was Menschen bewegt. Wo entsteht Zuversicht? Wo entsteht Frustration? Wo fühlen sich Menschen gesehen und wo nicht?</p>
<blockquote><p>Der Osten ist kein Sonderfall, oft ist er ein Frühindikator.“</p></blockquote>
<p>Ich glaube, Politik wird in Zukunft stärker als bisher zeigen müssen, dass sie Gestaltung ermöglicht. Nicht nur Verwaltung. Denn viele Menschen sehnen sich nach Orientierung, Verlässlichkeit und Perspektive. Der Osten ist dabei kein Sonderfall, aber er ist oft ein Frühindikator. Viele Entwicklungen, die später bundesweit sichtbar werden, zeigen sich hier früher und deutlicher. Deshalb lohnt sich der Blick in den Osten nicht nur für Ostdeutsche, sondern für ganz Deutschland.</p>
<p>Vielleicht ist das sogar die wichtigste Botschaft, die ich derzeit mitnehme. Der Osten ist kein Randthema. Er ist ein Teil der Zukunft dieses Landes und vielleicht wird er gerade deshalb wieder so intensiv diskutiert. &nbsp;Weil sich in ihm viele Fragen bündeln, die uns alle betreffen: Wie gehen wir mit Wandel um? Wie schaffen wir Zugehörigkeit? Wie organisieren wir Zusammenhalt? Wie erzählen wir unsere gemeinsame Zukunft? Wenn wir darauf gute Antworten finden, gewinnt nicht nur der Osten. Dann gewinnt Deutschland.</p>
<h2><span class="title-bg">Vielen Dank.</span></h2>
<p><em>Die Fragen stellte Robert Nehring.</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/der-osten-muss-seine-geschichte-selbst-erzaehlen-interview-mit-joerg-fieback-von-der-zebra-group/">„Der Osten muss seine Geschichte selbst erzählen“ Interview mit Joerg Fieback von der Zebra Group</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Dr. Paula Piechotta: Ostgefühle. Vom Gefühlsknäuel zur Stärke – Ostdeutschland neu erzählen</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/dr-paula-piechotta-ostgefuehle-vom-gefuehlsknaeuel-zur-staerke-ostdeutschland-neu-erzaehlen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Jul 2026 05:30:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=7935</guid>

					<description><![CDATA[<p>Dr. Paula Piechotta, Mitglied des Deutschen Bundestages Bündnis90/Die Grünen, ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7945" class="wp-image-7945 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Piechotta_DIAO2.png" alt="Dr. Paula Piechotta, Mitglied des Deutschen Bundestages Bündnis90/Die Grünen. Abbildung: Philip Knoll" width="709" height="1000">Dr. Paula Piechotta, Mitglied des Deutschen Bundestages Bündnis90/Die Grünen. Abbildung: Philip Knoll<br />
Ostdeutschland ist beispiellos. Wer im Jahr 1933 in der Region des [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/dr-paula-piechotta-ostgefuehle-vom-gefuehlsknaeuel-zur-staerke-ostdeutschland-neu-erzaehlen/">Dr. Paula Piechotta: Ostgefühle. Vom Gefühlsknäuel zur Stärke – Ostdeutschland neu erzählen</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Dr. Paula Piechotta, Mitglied des Deutschen Bundestages Bündnis90/Die Grünen, ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7935"></span></p>
<div id="attachment_7945" style="width: 719px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7945" class="wp-image-7945 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Piechotta_DIAO2.png" alt="Dr. Paula Piechotta, Mitglied des Deutschen Bundestages Bündnis90/Die Grünen. Abbildung: Philip Knoll" width="709" height="1000"><p id="caption-attachment-7945" class="wp-caption-text">Dr. Paula Piechotta, Mitglied des Deutschen Bundestages Bündnis90/Die Grünen. Abbildung: Philip Knoll</p></div>
<p>Ostdeutschland ist beispiellos. Wer im Jahr 1933 in der Region des heutigen Ostdeutschlands letztmals an einer demokratischen Wahl teilnehmen konnte, der musste bis zur nächsten freien Wahl nicht wie die Westdeutschen bis 1949 warten, sondern ganze 57 Jahre bis 1990. Wer im Jahr 1945 in der sowjetischen Besatzungszone lebte, in dessen Umfeld wurden ungleich mehr Industrieanlagen und Schienentrassen für Reparaturen abmontiert und weggeschafft als in den anderen Besatzungszonen – und er hatte in der darauffolgenden Diktatur fast alle Möglichkeiten der freien Berufswahl sowie Eigentum und Entfaltungsmöglichkeiten verloren. Dieser in Ostdeutschland lebende Mensch hat damit sowohl was seine persönlichen Freiheiten als auch seine wirtschaftlichen Möglichkeiten betrifft, deutlich stärker für die deutsche Schuld an den Verbrechen des Nationalsozialismus bezahlt als Menschen im heutigen Westdeutschland. Dieser Mensch hat in vielen Fällen Traumata aus diesen Diktaturjahren an seine Kinder und Enkel weitergegeben. Dieser Mensch hat am Ende zwei aufeinanderfolgende Diktaturen durchlebt, mit staatlicher Willkür und immer in Angst, wegen unliebsamer Aussagen vom Staat weggesperrt zu werden. Er hat beispiellose Abwanderungswellen sowohl zu DDR-Zeiten als auch in den 1990er-Jahren erlebt und eine wirtschaftliche Transformation von der Plan- in die Marktwirtschaft, die nirgendwo schneller durchgezogen wurde als hier im Osten Deutschlands.</p>
<p>Dieser Mensch lebt heute in der europäischen Region, die mit Abstand die wenigsten Gläubigen pro Einwohner hat. In der die Skepsis gegenüber staatlichen Institutionen besonders hoch ist. Und das alles, obwohl Ostdeutschland eine der wenigen Regionen der Welt ist, in denen eine Revolution stattgefunden hat, die nicht nur erfolgreich, sondern auch friedlich verlief. Aber dieser kurze Glücksmoment wird in den Schatten gestellt von jahrzehntelang aufgetürmten Problemen, Ungerechtigkeiten und Unterdrückungen.</p>
<p>Unsere ostdeutsche Gefühlslandschaft ist nach den letzten acht Dekaden komplex und verheddert. Da ist noch immer so vieles nicht ausreichend aufgearbeitet und verarbeitet, dass man beim Versuch, aus diesem Gefühlsknäuel auszubrechen, aber nicht zu können – weil es einfach zu verworren ist –, über kurz oder lang sehr, sehr wütend wird.</p>
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<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Weil wir Glück hatten, tragen wir Verantwortung für die Gesellschaften, die heute in Unfreiheit leben.”</strong></span></p></blockquote>
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<h2><span class="title-bg">Unser Glück bedingte das Unglück anderer</span></h2>
<p>Weil wir 1989 Glück hatten und die Diktatur ohne Blutvergießen in die Knie ging, lernten Diktatoren weltweit, wie sie ähnliche Demonstrationen noch härter und erfolgreicher bekämpfen müssen. In unserem Glück liegt damit auch das Unglück anderer Gesellschaften, die in der Folge mit friedlichen Protesten oft nicht mehr erfolgreich waren. Damit tragen wir auch Verantwortung für die Gesellschaften, die heute in Unfreiheit leben und mit ihren Revolutionen weniger Glück haben.</p>
<p>Natürlich kann man auf Ostdeutschland auch als große Erfolgsgeschichte blicken. Nicht wenige haben immer wieder versucht, diese Erfolgserzählung zu setzen: Fast nirgendwo sonst hätten sich Menschen friedlich ihre Demokratie auf der Straße selbst erkämpft, fast nirgendwo sonst hätten Menschen so viel Erfahrung mit Umbrüchen und „Veränderungskompetenz“ wie hier, nirgendwo sonst habe man derart viel Selbstwirksamkeit erlebt wie hier. Das ist alles richtig, aber 1989 war ein verdammt kurzer Moment im Leben eines Menschen und er wurde eingerahmt und mehr als nivelliert durch jahrzehntelange Frustrationserfahrungen vor und nach 1989. Oder anders formuliert: Es gibt sicher ein Paralleluniversum, in dem diese Erzählungen von der Generation des beispiellosen ostdeutschen Glücksfalls breit in der Bevölkerung verfangen. In diesem, unserem Universum aber nicht.</p>
<p>Was in den 1980er-Jahren in Gdansk, in Prag, in Plauen und Leipzig begann und gelang, schulte viele Diktatoren, Despoten und Autokraten gerade auch im scharfen Kontrast zum Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens darin, wie man es eben NICHT machen darf, wenn man die eigene Diktatur erhalten möchte. Die Lehren daraus: Die Menschen nicht demonstrieren lassen. Auf Demonstrationen mit ultimativer Härte reagieren. Ein starker Durchgriff auf die Sicherheitskräfte.</p>
<p>Die Erkenntnisse über die erfolgreichen Revolutionen des Ostblocks machen es den heute für Menschenrechte und Demokratie auf die Straße gehenden Menschen auf der ganzen Welt schwerer, erfolgreich zu sein. Unser ostdeutscher und polnischer und tschechischer und slowakischer Glücksfall war die Grundlage dafür, dass Glücksfälle in Diktaturen nun noch schwerer zu erkämpfen sind. Die Kämpfe um Demokratie im Osten Europas sind keine fernen Konflikte – sie sind Echo dessen, was auch bei uns begann. Und sie zeigen einmal mehr, was auch für die DDR galt: Ein Regime, das auf Lügen und Gewalt beruht, bleibt nicht nur nach innen repressiv, sondern wirkt auch nach außen aggressiv. Deshalb ist unsere Solidarität mit der Ukraine, mit Belarus, mit Moldau nicht bloß Außenpolitik. Sie ist Konsequenz aus unserer Geschichte.</p>
<div id="attachment_7941" style="width: 420px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7941" class="wp-image-7941" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/OstfruehstueckMorgenstern.jpg" alt="Frühstück mit den ostdeutschen Delegierten auf der Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis90/Die Grünen 2024. Abbildung: Gianina Morgenstern" width="410" height="600"><p id="caption-attachment-7941" class="wp-caption-text">Frühstück mit den ostdeutschen Delegierten auf der Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis90/Die Grünen 2024. Abbildung: Gianina Morgenstern</p></div>
<h2><span class="title-bg">Demokratie neu erkämpfen</span></h2>
<p>Aber auch bei uns im Osten Deutschlands muss Demokratie wieder erkämpft werden, denn ihr Fortbestand ist immer wieder unter Druck. Und dafür braucht es in einer Region, in der nach zwei aufeinanderfolgenden Diktaturen das Vertrauen in staatliche Einrichtungen, Gerichte, Politik und Journalismus beispiellos niedrig ist, Vertrauensaufbau. Hier muss besonders ehrlich, besonders klar und besonders authentisch gesprochen werden, wenn man wieder mehr statt weniger Vertrauen gewinnen will. Und beim Punkt Authentizität bedeutet das auch, dass es mehr Identifikationsfiguren aus Ostdeutschland in all diesen Bereichen braucht – sie sind selbst im Osten bis heute unterrepräsentiert. Die Studie „Es ist kompliziert... Der Osten in den Medien“ zeigt einen weiteren Problempunkt auf: Der Osten begegnet in der gesamtdeutschen Debatte im Regelfall nur dann, wenn etwas schiefläuft – bei Wahlschocks oder in Problemszenarien. Diese Sicht verzerrt Realität und Potenzial und sie verlängert Stereotype um Generationen.</p>
<p>Was ich damit sagen will: Repräsentation und ausgewogene Berichterstattung sind kein Selbstzweck. Sie sind notwendige Voraussetzungen für eine wehrhafte Demokratie, in der sich Politik nicht von Lebensrealitäten entkoppeln kann.</p>
<p>Gebrochene Versprechen, nicht aufgearbeitete Traumatisierungen aus der Zeit vor 1989 und teilweise auch nach 1990, im Einigungsvertrag übersehene Gruppen, strukturelle Schieflagen. Ob es um Zusatzrenten, geschiedene Frauen, Eisenbahner oder Bergleute geht – zu viele Menschen mussten und müssen sich immer wieder neu erklären und sie sind müde davon. Diese Missstände waren selten aus bösem Willen geboren, sondern aus Überforderung. Dass sie allerdings fast nie korrigiert wurden, das war schon systematisch. Der Osten wurde nicht bewusst abgehängt, er hat sich nur nicht 100-prozentig so entwickelt, wie es sich der Westen erhofft hatte, wodurch wiederum Reaktanz im Westen ausgelöst wurde und ausgelöst wird. Das muss sich ändern.</p>
<div id="attachment_7942" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7942" class="wp-image-7942" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/CSDLeipzig24Uhl.jpg" alt="Paula Piechotta beim CSD 2024 in Leipzig. Abbildung: Gianina Morgenstern" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7942" class="wp-caption-text">Paula Piechotta beim CSD 2024 in Leipzig. Abbildung: Ferdinand Uhl</p></div>
<h2><span class="title-bg">Veränderung ist möglich</span></h2>
<p>Ostdeutschland war und ist Wandel gewohnt – aber anders als viele behaupten, bedeutet das vor allem, dass bei jedem Wandel die Risiken stärker gesehen werden als die Chancen. Die eigene Blauäugigkeit 1989 und 1990, die man selbst mit dermaßen vielen Schrammen und Verletzungen bezahlt hat: Diesen Fehler will hier niemand noch einmal machen.</p>
<p>Das verstellt inzwischen regelrecht den Blick darauf, dass die Wahrheit mal wieder weder schwarz noch weiß ist und es durchaus sehr bedeutende Fortschritte gibt. In vielen Zukunftsfeldern ist die Region heute Vorreiter: mit Silicon Saxony und der Chipindustrie, mit klimaneutralem Bauen in der Lausitz, mit E-Mobilität bei VW, mit starken Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Wo früher Braunkohle gefördert wurde, entsteht heute die Zukunft für klimaneutrales Bauen. Der Strukturwandel ist in vollem Gange und birgt Chancen nicht nur für den Osten, sondern für ganz Deutschland.</p>
<p>Wir müssen diese positiven Entwicklungen endlich sichtbar machen. Es wird Zeit, dass wir die Erzählung umdrehen, selbstbewusst und selbst erzählen sowie entscheiden, was gelingt. Und doch: Auch in der neuen Bundesregierung bleiben ostdeutsche Stimmen in zentralen Ämtern unterrepräsentiert. Die Bundestagsvizepräsidenten, hohe Kabinettsposten – wieder gehen Chancen verloren, den Osten aktiv in Entscheidungen einzubeziehen und ihm auf höchster politischer Ebene ein Sprachrohr zu geben. Ich höre oft: „Jetzt muss doch mal Schluss sein mit dem Ostthema.“ Nein. So lange reale Ungleichheiten bestehen, so lange ostdeutsche Perspektiven übergangen werden, so lange demokratisches Engagement aus dem Osten zu selten sichtbar wird, so lange werden wir weiter darüber reden.</p>
<p>Was ich auch oft höre: Der Osten sei eine gesamtdeutsche Aufgabe. Das ist zweifelsohne richtig. Aber genauso wenig, wie wir es akzeptieren würden, wenn Frauenpolitik in Deutschland nur von Männern gemacht würde, auch wenn die Gleichstellung der Geschlechter eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, genauso wenig darf die „gesamtdeutsche Aufgabe Ostdeutschland“ rechtfertigen, dass allein oder zu weit überwiegenden Teilen Westdeutsche über Ostdeutschland entscheiden.</p>
<p>Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass die parteiübergreifende Zusammenarbeit unter ostdeutschen Bundestagsabgeordneten ein ermutigender Schritt ist. In vielen Runden durfte ich parteiübergreifend mit ostdeutschen Kollegen an zentralen Dingen arbeiten und einiges Positives für die Region bewirken. Das allein reicht aber nicht. Auch unsere westdeutschen Kolleginnen und Kollegen müssen zuhören und bereit sein, Macht zu teilen. Gleichwertigkeit ist keine Geste – sie ist Grundlage für Vertrauen.</p>
<p>Darum: Erzählen wir weiter. Arbeiten wir weiter. Streiten wir weiter – für Gerechtigkeit, für Anerkennung, für Demokratie. Und erinnern wir uns dabei an die Menschen, die 1989 den Anfang gemacht haben. Sie haben gezeigt, dass Veränderung möglich ist, wenn Menschen ehrlich aussprechen, was es wirklich braucht, wenn sie mutig sind und wenn sie sich nicht einschüchtern lassen.</p>
<div id="attachment_7943" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7943" class="wp-image-7943" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/LostPlaceFerdinandUhl.jpg" alt="Lost Places in Leipzig und Umgebung – immer wieder einen Ausflug wert. Abbildungen: Ferdinand Uhl" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7943" class="wp-caption-text">Lost Places in Leipzig und Umgebung – immer wieder einen Ausflug wert. Abbildung: Ferdinand Uhl</p></div>
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<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1685" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg" alt="Label Impulsgeberin Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Sarah Oswald</span></h2>
<p><strong>GEBOREN:</strong> 1986/Gera<br>
<strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Leipzig<br>
<strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> Ilko-Sascha Kowalczuk: „Freiheitsschock“, 2024<br>
<strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Die Legende von Paul und Paula“, 1973<br>
<strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Elberadweg</p>
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<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
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<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/dr-paula-piechotta-ostgefuehle-vom-gefuehlsknaeuel-zur-staerke-ostdeutschland-neu-erzaehlen/">Dr. Paula Piechotta: Ostgefühle. Vom Gefühlsknäuel zur Stärke – Ostdeutschland neu erzählen</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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