Mit 16 Jahren gründete Linus Pliske aus Halle (Saale) sein Unternehmen „Vintage & Kickz“. Was mit dem Verkauf von Sneakern begann, ist heute ein angesagter Onlineshop für Designerprodukte.

Linus Pliske ist mit seinem Unternehmen „Vintage and Kickz“ nominiert für den Wirtschaftspreis Sachsen-Anhalt 2026. Abbildung: Björn Menzel
Der 22-Jährige Linus Pliske erzielt vor allem mit dem Verkauf von gebrauchten Handtaschen einen Jahresumsatz in Millionenhöhe. Eine eigentlich unglaubliche Erfolgsstory.
Der junge Mann schließt eine Gittertür auf. Eine Alarmanlage ist installiert. Es gibt Videokameras. Alles in diesem Haus erinnert an einen Hochsicherheitstrakt. „Wir haben hier sehr viel Geld in die Sicherheit investiert“, sagt Linus Pliske. Dieser hohe Standard ist notwendig für das, was der 22-Jährige zusammen mit seinen Mitarbeitenden in diesem Gebäude treibt. Es steht irgendwo im Raum Halle. Der genaue Standort des Lagers darf aus Sicherheitsgründen nicht verraten werden.
Anders sieht es beim Firmensitz aus. Er befindet sich in der Hallenser Innenstadt. Hier ist Vintage & Kickz auf rund 700 Quadratmetern zu Hause – ein Onlineshop für gebrauchte Designerprodukte. Linus Pliske ist Gründer, Inhaber und Geschäftsführer in einer Person. Mit der professionellen Aufarbeitung sowie dem Handel von Handtaschen renommierter Designer wie Louis Vuitton, Chanel oder Prada agiert er sehr erfolgreich. Das Geschäft wächst jedes Jahr. Die Anzahl der Mitarbeitenden auch.
Vater meldete Firma an
Doch wie konnte es zu diesem Erfolg kommen? Und wie kommt überhaupt ein 16-Jähriger auf die Idee, mit hochwertigen Handtaschen zu handeln? In einem Alter, in dem anderen ein paar Euro Taschengeld der Eltern reichen. Linus Pliske war damals so jung, dass er nicht mal eine eigene Firma anmelden durfte. Sein Vater übernahm diesen Schritt für ihn und übertrug ihm das Unternehmen zu seinem 18. Geburtstag.
Linus Pliske zieht seinen Mantel aus und setzt sich in einen Sessel. Er trägt ein weißes Hemd, seine Krawattennadel ist einem Golfschläger nachempfunden. Der Sessel steht im sogenannten Showroom – ein sechs Meter hoher Raum mit Stuck an der Decke. In diesem Raum liegen hochwertige Handtaschen in Regalen, Designermode hängt auf Stangen. Hier werden Videos für die Social-Media-Kanäle der Firma produziert.

Zu Beginn verkaufte Pliske mit einem Freund Sneaker im Internet. Er stieg jedoch schnell auf den Verkauf von Vintage-Designerhandtaschen um. Abbildung: Björn Menzel
Alles begann im Jahr 2019. Pliske war damals Abiturient. Zusammen mit seinem Kumpel Tobias Huber kaufte und verkaufte er hippe Schuhe im Internet. Die Sneaker waren sehr angesagt und die jungen Männer fanden sie selber cool. Doch das Geschäft mit den Schuhen probierten damals auch viele andere aus. „Ich kam dann ziemlich schnell auf die Idee mit den Taschen“, erzählt Pliske. Vor allem weil die Designerstücke sehr beständig in ihrem Wert seien und es einen Gebrauchtmarkt im Grunde nicht gegeben habe.
Zertifikate zur Sicherheit
Es bieten zwar immer wieder private Verkäuferinnen und Verkäufer ihre exklusiven Taschen im Internet an. Aber gerade bei den nicht gerade günstigen Stücken von bekannten Designermarken gibt es ein Problem. „In diesem Bereich sind sehr viele Fälschungen auf dem Markt“, sagt der Unternehmer. Ein Laie könne oft die echten von den gefälschten Taschen nicht unterscheiden. Genau das übernimmt Vintage and Kickz. Linus Pliske berichtet, dass er und sein Team durch ihre inzwischen jahrelange Erfahrung jedes unechte Stück entdecken würden.
„Wir haben da ein geschultes Auge“, sagt er und kann ausführlich davon berichten, mit welchen Kniffen die Hersteller ihre Marken schützen und woran gefälschte Taschen zu erkennen sind. Die Hallenser prüfen alle ihre Waren auf Authentizität und vergeben sogar Zertifikate, die die Echtheit der Produkte bestätigten. Für die Echtheitsprüfung nutzen Pliske und seine Mitarbeitenden auch ein eigens entwickeltes KI-Tool. Das System wird seit 2023 mit Daten originaler Stücke aus dem eigenen Bestand „gefüttert“ und bestätigt die Echtheit zusätzlich – mit einer Trefferquote von knapp 98 Prozent.
„Das Tool ist bereits seit März 2025 voll im Einsatz und inzwischen das Herzstück unserer Arbeit, weil wir so noch konsequenter sicherstellen können, dass alle Artikel in unserem Bestand zertifiziert original sind“, sagt Pliske. Das Thema Echtheit ist nicht nur beim Verkauf wichtig, sondern auch beim Einkauf der gebrauchten Ware. Denn Linus Pliske will natürlich keine Fälschungen in seinem Lager haben.
Sattlerei repariert die Taschen
Eine Tasche, die alle Prüfungen bestanden hat, durchläuft dann einmal alle Stationen in den Räumlichkeiten der Firma. Die Designerstücke werden aufwendig gereinigt, von Gerüchen befreit, aufgearbeitet und bei Bedarf sogar repariert. Dazu hat Vintage and Kickz eine eigene Sattlerei. Hier sitzen internationale Handwerkskräfte mit Spezialisierung auf Lederarbeiten, denn gelernte Sattler gibt es nicht mehr viele in Deutschland. „Wir kooperieren auch mit einer kleinen Sattlerei aus Halle“, sagt der Geschäftsführer. Die Taschen werden so originalgetreu wie möglich wieder hergestellt.

Pliskes Mitarbeitende setzen die Designerhandtaschen für den Onlineshop in Szene. Abbildung: Björn Menzel
Danach kommen sie in einen weiteren Raum, in dem alle Produkte professionell fotografiert werden. Im eigenen Internetshop sind später bis zu 25 Motive der jeweiligen Taschen zu sehen. Dann bekommen alle Produkte eine genaue Beschreibung sowie einen Preis und werden in den Onlineshop gestellt. Die Mitarbeitenden einer weiteren Abteilung kümmern sich um die Werbung, die hauptsächlich über Social-Media läuft. „Wir werden weiterempfohlen oder sind zum Beispiel über Instagram bekannt“, sagt Linus Pliske.
Größerer Firmensitz gesucht
Dieser ganze Aufwand lohnt sich. Der Shop für hochwertige Second-Hand-Designerbekleidung und -Taschen hat mittlerweile zehntausende Kundinnen und Kunden. Aus ganz Europa kaufen Interessierte ihre exklusiven Taschen, Accessoires und Mode bei Vintage and Kickz. Vor allem aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien kommen die Bestellungen. Linus Pliske wollte zwar eigentlich nach dem Abitur studieren, doch bisher fehlte ihm die Zeit dafür. „Ich habe 80 bis 100 Stunden pro Woche gearbeitet“, sagt er.
Umsatz und Gewinn sollen auch in den kommenden Jahren weiter steigen. Mehr noch: Der Geschäftsführer möchte sein Lager sowie die Logistik in ein größeres Gebäude umziehen lassen. Dafür sucht er aktuell nach passenden Angeboten. „Ich möchte in Sachsen-Anhalt bleiben, sehr gern natürlich in Halle“, sagt er. Am liebsten wäre ihm ein ausrangiertes Gebäude einer Bank oder ein ehemaliges Gefängnis. „Denn da gibt es schon sehr viele Vorkehrungen für die Sicherheit“, so der Unternehmer. Die Luxuswaren haben einen hohen Wert und sie zu lagern ist eine große Herausforderung.
Bei allen Entwicklungen soll eine Sache auf jeden Fall so bleiben, wie sie ist – die Produkte seiner Firma. „Mein ganzes Leben sind Handtaschen“, sagt der 22-Jährige bei der Verabschiedung.




























