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Quo vadis, Ostdeutschland? Umfrage unter ostdeutschen Bundestagsabgeordneten #5/5 Thüringen

Auch 2026 ste­hen in Ost­deutsch­land Land­tags­wah­len von höchs­ter Bri­sanz an – min­des­tens drei. Wir baten ost­deut­sche Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te um ihre Ein­schät­zung der poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on im Osten des Lan­des. In Teil fünf ver­öf­fent­li­chen wir State­ments von Ver­tre­tern, die in Thü­rin­gen zur Wahl standen.

Befragt wur­den von uns die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten mit ost­deut­schem Hin­ter­grund, wel­che bei der Bun­des­tags­wahl im ver­gan­ge­nen Jahr ihren Wahl­kreis in einem der sechs ost­deut­schen Bun­des­län­der hat­ten. Mit­glie­der gesi­chert rechts­extre­mis­ti­scher Par­tei­en wur­den nicht berück­sich­tigt. Somit ver­blie­ben rund 50 Abge­ord­ne­te. 23 haben uns geant­wor­tet. Wir ver­öf­fent­li­chen die State­ments ent­spre­chend der Bun­des­län­der, in denen das Man­dat errun­gen wurde.

Kon­kret woll­ten wir von den ost­deut­schen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten wis­sen: Wie beur­tei­len Sie die aktu­el­le poli­ti­sche und wirt­schaft­li­che Situa­ti­on in Ost­deutsch­land? Wofür plä­die­ren Sie? Was möch­ten Sie kon­kret verändern?

In den Ein­schät­zun­gen fin­den oft die über­aus schwie­ri­gen Start­be­din­gun­gen für die Wirt­schaft in Ost­deutsch­land Erwäh­nung, aber auch deren gro­ßes Poten­zi­al wird her­aus­ge­stellt. Defi­zi­te im Umgang mit Ost­deutsch­land wer­den benannt, bei Infra­struk­tur und Reprä­sen­ta­ti­on sowie in Bezug auf Ein­kom­men und Ver­mö­gen. Es wird Hand­lungs­be­darf for­mu­liert und es wer­den kon­kre­te Ansatz­punk­te dar­ge­stellt. Aber machen Sie sich bit­te selbst ein Bild.


Mandy Eißing, Die Linke, geboren 1976 in Altenburg, Wahlkreis: Saalfeld-Rudolstadt – Saale-Holzland-Kreis – Saale-Orla-Kreis/Thüringen. Abbildung: Deutscher Bundestag/Inga Haar

Man­dy Eiß­ing, Die Lin­ke, gebo­ren 1976 in Alten­burg, Wahl­kreis: Saal­feld-Rudol­stadt – Saa­le-Holz­land-Kreis – Saa­le-Orla-Kreis/Thü­rin­gen. Abbil­dung: Deut­scher Bundestag/Inga Haar

Die aktu­el­le Bun­des­re­gie­rung führt die stra­te­gie­lo­se Poli­tik gegen­über Ost­deutsch­land fort, die bereits ihre Vor­gän­ge­rin­nen präg­te. Statt die struk­tu­rel­len Pro­ble­me – wie Lohn- und Ren­ten­un­gleich­heit, den demo­gra­fi­schen Wan­del oder die Schwä­chung länd­li­cher Räu­me – kon­se­quent anzu­ge­hen, kon­zen­triert man sich auf die Finan­zie­rung pres­ti­ge­träch­ti­ger Groß­pro­jek­te. Die Rea­li­tät ist jedoch geprägt von höhe­rer Arbeits­lo­sig­keit und Alters­ar­mut, die bereits jeden vier­ten über 60-Jäh­ri­gen trifft.

Wäh­rend in West­deutsch­land nach der Wen­de die Ent­wick­lung wei­ter ging, war der Osten mit einem radi­ka­len Sys­tem­bruch und einer rigo­ro­sen neo­li­be­ra­len Trans­for­ma­ti­on kon­fron­tiert. Die Deindus­tria­li­sie­rung durch die Treu­hand und die dar­aus resul­tie­ren­de Abwan­de­rung haben tie­fe Spu­ren hin­ter­las­sen. Dass sich vie­le Ost­deut­sche bis heu­te als Bür­ger zwei­ter Klas­se füh­len, ist die direk­te Fol­ge einer Poli­tik, die Lebens­leis­tun­gen oft miss­ach­tet hat. Den­noch hat sich die Regi­on trotz der poli­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen behaup­tet und ver­fügt heu­te über exzel­len­te For­schung und zukunfts­ori­en­tier­te Industriezweige.“


Katrin Göring-Eckardt, Bündnis 90/ Die Grünen, geboren 1966 in Friedrichroda, Wahlkreis: Erfurt – Weimar – Weimarer Land II/Thüringen. Abbildung: Laurence Chaperon

Kat­rin Göring-Eckardt, Bünd­nis 90/Die Grü­nen, gebo­ren 1966 in Fried­richro­da, Wahl­kreis: Erfurt – Wei­mar – Wei­ma­rer Land II/Thüringen. Abbil­dung: Lau­rence Chaperon

Mit den gut aus­ge­bau­ten erneu­er­ba­ren Ener­gien, aus­ge­zeich­ne­ten Uni­ver­si­tä­ten und Men­schen, die anpa­cken kön­nen und wol­len, ist Ost­deutsch­land bes­tens aus­ge­stat­tet für eine gute wirt­schaft­li­che Zukunft. Eigent­lich. Lei­der ist in den letz­ten Wochen ver­mehrt von Stand­ort­schlie­ßun­gen oder Unter­neh­men zu lesen, die von Insol­venz bedroht sind. Im Che­mie-Drei­eck in Sach­sen-Anhalt und den Zulie­fer­be­trie­ben der Auto­in­dus­trie ist die Lage beson­ders pre­kär. Die Bun­des­re­gie­rung muss hier end­lich ins Han­deln kom­men und bewei­sen, dass die Wirt­schaft in Ost­deutsch­land den hohen Stel­len­wert genießt, den auch der Bun­des­kanz­ler gern hervorhebt. 

Es braucht Unter­stüt­zung der ange­schla­ge­nen Unter­neh­men, den wei­te­ren Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gien, die stär­ke­re Ein­glie­de­rung aus­län­di­scher Arbeits­kräf­te, die Stär­kung der ost­deut­schen Wis­sen­schafts­stand­or­te, eine För­de­rung der hie­si­gen Start-ups. Und nicht zuletzt braucht es ein kla­res Bekennt­nis der Bun­des­re­pu­blik zum Stand­ort Ost­deutsch­land. Ent­schei­dun­gen gegen die Ansied­lung von Bun­des­ein­rich­tun­gen wie zuletzt bei der DATI, die in Erfurt hät­te ange­sie­delt wer­den sol­len, sen­den ein fal­sches Signal. Ost­deutsch­land hat Poten­zi­al. Wir müs­sen es entfalten.“


Diana Herbstreuth, CDU, geboren 1981 in Erfurt, Wahlkreis: Saalfeld-Rudolstadt – Saale-Holzland-Kreis – Saale-Orla-Kreis/ Thüringen. Abbildung: Jens Oellermann

Dia­na Herbstreuth, CDU, gebo­ren 1981 in Erfurt, Wahl­kreis: Saal­feld-Rudol­stadt – Saa­le-Holz­land-Kreis – Saa­le-Orla-Kreis/Thü­rin­gen. Abbil­dung: Jens Oellermann

Ich sehe in den ost­deut­schen Bun­des­län­dern und Ber­lin viel Kraft: star­ke Mit­tel­ständ­ler, enga­gier­te Ver­ei­ne, klu­ge Köp­fe. Gleich­zei­tig spü­ren wir im länd­li­chen Raum struk­tu­rel­le Nach­tei­le: zu lang­sa­me Geneh­mi­gun­gen, hohe Ener­gie­prei­se, Fach­kräf­te­man­gel, Abwan­de­rung und das Gefühl, dass Ent­schei­dun­gen zu oft über die Köp­fe hin­weg getrof­fen wer­den. Ich kom­me aus Thü­rin­gen und habe als Berufs­of­fi­zie­rin in der Bun­des­wehr gelernt: Ver­läss­lich­keit, kla­re Zustän­dig­kei­ten und Team­geist schaf­fen Ver­trau­en – genau das braucht auch die Wirtschaft. 

Ich plä­die­re für einen ‚Neu­en Auf­bruch Ost‘: Büro­kra­tie run­ter, Ver­fah­ren digi­tal und schnel­ler; plan­ba­re, bezahl­ba­re und tech­no­lo­gie­of­fe­ne Ener­gie; bes­se­re Ver­kehrs- und Breit­band­in­fra­struk­tur; mehr Chan­cen für Aus­bil­dung, Hand­werk und Indus­trie sowie geziel­te Unter­stüt­zung für Struk­tur­wan­del-Regio­nen. Kon­kret will ich Geneh­mi­gun­gen beschleu­ni­gen, Kom­mu­nen finan­zi­ell stär­ken und Inves­ti­tio­nen in Sport-, Bil­dungs- und Sicher­heits­in­fra­struk­tur prio­ri­sie­ren, damit Fami­li­en und Unter­neh­men hier­blei­ben und wachsen.“


Michael Hose, CDU, geboren 1984 in Weimar, Wahlkreis: Erfurt – Weimar – Weimarer Land II/Thüringen. Abbildung: Michael Hose/Guido Werner

Micha­el Hose, CDU, gebo­ren 1984 in Wei­mar, Wahl­kreis: Erfurt – Wei­mar – Wei­ma­rer Land II/Thüringen. Abbil­dung: Micha­el Hose/Guido Werner

Thü­rin­gen steht wie alle ost­deut­schen Bun­des­län­der vor gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen, aber auch vor gro­ßen Chan­cen. Das erle­be ich beson­ders in Erfurt, Wei­mar und dem Gram­me­tal. Vie­le Men­schen sor­gen sich um siche­re Arbeits­plät­ze, stei­gen­de Lebens­hal­tungs­kos­ten und bezahl­ba­ren Wohn­raum sowie gute Zukunfts­chan­cen für ihre Kin­der. Gleich­zei­tig ent­ste­hen neue Arbeits­plät­ze, Fir­men inves­tie­ren und Hoch­schu­len sowie For­schungs­ein­rich­tun­gen gewin­nen an Bedeu­tung. Das zeigt: Unse­re Regi­on hat Zukunft.

Damit sich die­se Ent­wick­lung fort­setzt, müs­sen wir vor allem in Bil­dung, Aus­bil­dung und For­schung inves­tie­ren. Als ehe­ma­li­ger Schul­lei­ter weiß ich, wie wich­tig gute Kin­der­gär­ten, moder­ne Schu­len und eine star­ke beruf­li­che Aus­bil­dung sind. Gleich­zei­tig müs­sen Betrie­be schnel­ler bau­en, erwei­tern und neue Arbeits­plät­ze schaf­fen kön­nen. Auch Woh­nungs­bau muss schnel­ler mög­lich wer­den, damit mehr bezahl­ba­rer Wohn­raum ent­steht und Mie­ten nicht wei­ter steigen.

Mich moti­viert beson­ders mei­ne drei­jäh­ri­ge Toch­ter. Ich möch­te, dass sie in einer star­ken und lebens­wer­ten Regi­on auf­wächst. Vie­le Men­schen in Thü­rin­gen haben seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung enor­me Ver­än­de­run­gen gemeis­tert. Dar­auf kön­nen wir stolz sein. Ich set­ze dar­auf, Chan­cen zu beto­nen, Ver­trau­en zu stär­ken und Pro­ble­me ent­schlos­sen zu lösen.“


Elisabeth Kaiser, SPD, geboren 1987 in Gera, Wahlkreis: Gera – Greiz – Altenburger Land/Thüringen. Abbildung: BMF, Photothek, Juliane Sonntag

Eli­sa­beth Kai­ser, Staats­mi­nis­te­rin und Beauf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung für Ost­deutsch­land beim Bun­des­mi­nis­ter der Finan­zen, SPD, gebo­ren 1987 in Gera, Wahl­kreis: Gera – Greiz – Alten­bur­ger Land/Thüringen. Abbil­dung: BMF, Pho­to­thek, Julia­ne Sonntag

Die Regi­on hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gut ent­wi­ckelt, auch durch Unter­neh­mens­an­sied­lun­gen dank erneu­er­ba­rer Ener­gien und einer indus­trie­freund­li­chen Bevöl­ke­rung. Dar­auf lässt sich auf­bau­en. In den ost­deut­schen Bun­des­län­dern gibt es nach wie vor struk­tu­rel­le Defi­zi­te. Das wirkt sich auf die Ein­kom­men aus und ein Stück weit auf die poli­ti­sche Kul­tur. Die­se öko­no­mi­schen The­men müs­sen ins Zen­trum rücken. 

Ziel der neu­en Bun­des­re­gie­rung ist es, die Kon­junk­tur zu bele­ben. Wir inves­tie­ren 500 Mil­li­ar­den Euro, um die Wirt­schaft anzu­kur­beln und unse­re Infra­struk­tur zu stär­ken. Davon muss der Osten ange­mes­sen pro­fi­tie­ren. Ich set­ze mich dafür ein, dass davon viel in den Osten fließt und auch Pro­jek­te rea­li­siert wer­den, die in den letz­ten Jah­ren zurück­ge­stellt wur­den. Wir ver­bes­sern den Stand­ort wei­ter: Durch bes­se­re Stra­ßen, Brü­cken und Schie­nen, und in Bezug auf die digi­ta­le Infrastruktur. 

Wir müs­sen wie­der Nähe zur Demo­kra­tie her­stel­len. Das gelingt, wenn wir die demo­kra­ti­sche Selbst­wirk­sam­keit von jun­gen Men­schen stär­ken. Dafür müs­sen wir ihr Enga­ge­ment vor Ort struk­tu­rell för­dern, so ent­steht neu­er Zusam­men­halt. Auch die Mit­glied­schaft in Par­tei­en oder Gewerk­schaf­ten hilft dabei.“


 

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