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Quo vadis, Ostdeutschland? Umfrage unter ostdeutschen Bundestagsabgeordneten #4/5 Sachsen-Anhalt

Auch 2026 ste­hen in Ost­deutsch­land Land­tags­wah­len von höchs­ter Bri­sanz an – min­des­tens drei. Wir baten ost­deut­sche Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te um ihre Ein­schät­zung der poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on im Osten des Lan­des. In Teil vier ver­öf­fent­li­chen wir State­ments von Poli­ti­kern, die in Sach­sen-Anhalt zur Wahl standen.

Befragt wur­den von uns die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten mit ost­deut­schem Hin­ter­grund, wel­che bei der Bun­des­tags­wahl im ver­gan­ge­nen Jahr ihren Wahl­kreis in einem der sechs ost­deut­schen Bun­des­län­der hat­ten. Mit­glie­der gesi­chert rechts­extre­mis­ti­scher Par­tei­en wur­den nicht berück­sich­tigt. Somit ver­blie­ben rund 50 Abge­ord­ne­te. 23 haben uns geant­wor­tet. Wir ver­öf­fent­li­chen die State­ments ent­spre­chend der Bun­des­län­der, in denen das Man­dat errun­gen wurde.

Kon­kret woll­ten wir von den ost­deut­schen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten wis­sen: Wie beur­tei­len Sie die aktu­el­le poli­ti­sche und wirt­schaft­li­che Situa­ti­on in Ost­deutsch­land? Wofür plä­die­ren Sie? Was möch­ten Sie kon­kret verändern?

In den Ein­schät­zun­gen fin­den oft die über­aus schwie­ri­gen Start­be­din­gun­gen für die Wirt­schaft in Ost­deutsch­land Erwäh­nung, aber auch deren gro­ßes Poten­zi­al wird her­aus­ge­stellt. Defi­zi­te im Umgang mit Ost­deutsch­land wer­den benannt, bei Infra­struk­tur und Reprä­sen­ta­ti­on sowie in Bezug auf Ein­kom­men und Ver­mö­gen. Es wird Hand­lungs­be­darf for­mu­liert und es wer­den kon­kre­te Ansatz­punk­te dar­ge­stellt. Aber machen Sie sich bit­te selbst ein Bild.


Anna Aeikens, CDU, geboren 1998 in Magdeburg, Wahlkreis: Börde-Salzlandkreis/Sachsen-Anhalt. Abbildung: Sophie Weise-Meißner

Anna Aei­kens, CDU, gebo­ren 1998 in Mag­de­burg, Wahl­kreis: Bör­de-Salz­land­kreis/­Sach­sen-Anhalt. Abbil­dung: Sophie Weise-Meißner

Ich bin in Sach­sen-Anhalt auf­ge­wach­sen und weiß, wie prä­gend der länd­li­che Raum für vie­le Men­schen hier ist. Ost­deutsch­land hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gro­ße Schrit­te nach vorn gemacht. Gleich­zei­tig erle­ben gera­de länd­li­che Regio­nen wei­ter­hin Her­aus­for­de­run­gen: feh­len­de Arbeits­plät­ze vor Ort, lan­ge Wege, unsi­che­re Per­spek­ti­ven für jun­ge Men­schen. Dabei liegt genau hier enor­mes Poten­zi­al. Sach­sen-Anhalt steht für enga­gier­te Kom­mu­nen, star­ke Land­wirt­schaft, inno­va­ti­ve Betrie­be und viel Erfah­rung im Umgang mit Wan­del. Ob erneu­er­ba­re Ener­gien, regio­na­le Wert­schöp­fung oder neue Arbeits­mo­del­le – der länd­li­che Raum kann Vor­rei­ter sein. 

Mir ist wich­tig, dass poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen die Lebens­rea­li­tät der Men­schen vor Ort wider­spie­geln. Dazu gehö­ren gute Arbeit mit fai­ren Löh­nen, eine ver­läss­li­che Infra­struk­tur, medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung und ech­te Betei­li­gung. Wan­del gelingt dann, wenn er gemein­sam gestal­tet wird und Chan­cen eröff­net. Ich möch­te, dass der länd­li­che Raum in Ost­deutsch­land nicht wei­ter unter­schätzt wird, son­dern als Zukunfts­raum wahr­ge­nom­men wird – leben­dig, selbst­be­wusst und vol­ler Mög­lich­kei­ten.


Dr. Franziska Kersten, SPD, geboren 1968 in Lutherstadt Wittenberg, Wahlkreis: Börde-Salzlandkreis/Sachsen-Anhalt Abbildung: Franziska Kersten

Dr. Fran­zis­ka Kers­ten, SPD, gebo­ren 1968 in Luther­stadt Wit­ten­berg, Wahl­kreis: Bör­de-Salz­land­kreis/­Sach­sen-Anhalt. Abbil­dung: Fran­zis­ka Kersten

Ost­deutsch­land wird häu­fig als Ein­heit betrach­tet, dabei gibt es wirt­schaft­lich star­ke Bal­lungs­räu­me wie Leip­zig und sehr länd­li­che Regio­nen wie im Nor­den Sach­sen-Anhalts. Poli­tisch ist die Lage ange­spannt. Die AfD ist kein (rein) ost­deut­sches Phä­no­men, aber gera­de in Sach­sen-Anhalt sehen wir scho­ckie­ren­de Umfra­ge­er­geb­nis­se für einen ihrer radi­kals­ten Lan­des­ver­bän­de. Das Ver­trau­en der Men­schen in „die Poli­tik“ fehlt. Im direk­ten Gespräch fin­det man aber Ver­stän­di­gung. Ich appel­lie­re an die Men­schen in Ost­deutsch­land, sich zu enga­gie­ren und Her­aus­for­de­run­gen selbst­be­wusst anzugehen. 

Ich sehe für Ost­deutsch­land zwei gro­ße Chan­cen: Eine höhe­re Erb­schafts­steu­er auf Ver­mö­gen, die ja meis­tens im Wes­ten ver­erbt wer­den, wäre eine Chan­ce für mehr staat­li­che Inves­ti­tio­nen. Ost­deut­sche hat­ten nie die Chan­ce, sich sol­che Ver­mö­gen auf­zu­bau­en und es ist unse­re Auf­ga­be, auch hier für gleich­wer­ti­ge Lebens­ver­hält­nis­se zu sor­gen. Die zwei­te Chan­ce sehe ich in der Nut­zung unse­rer Flä­chen: Wir kön­nen gro­ße Indus­trie­an­la­gen, aber auch PV- und Wind­ener­gie ansie­deln. Wenn frü­her die Wirt­schaft dort war, wo die Koh­le war, muss sie heu­te dort­hin, wo die erneu­er­ba­ren Ener­gien sind.“


Sepp Müller, CDU, geboren 1989 in Lutherstadt Wittenberg, Wahlkreis: Anhalt – Dessau – Wittenberg/Sachsen-Anhalt. Abbildung: Tobias Koch

Sepp Mül­ler, CDU, gebo­ren 1989 in Luther­stadt Wit­ten­berg, Wahl­kreis: Anhalt – Des­sau – Wit­ten­ber­g/­Sach­sen-Anhalt. Abbil­dung: Tobi­as Koch

Der Wirt­schafts­stand­ort Ost­deutsch­land hat sich seit der deut­schen Wie­der­ver­ei­ni­gung zu einer dyna­mi­schen und zukunfts­ori­en­tier­ten Regi­on im Her­zen Euro­pas ent­wi­ckelt. Auf­bau­end auf tief­grei­fen­den Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­sen ist es gelun­gen, moder­ne Indus­trie­ker­ne, leis­tungs­fä­hi­ge For­schungs­land­schaf­ten und inno­va­ti­ve Mit­tel­stands­struk­tu­ren zu eta­blie­ren. Heu­te steht Ost­deutsch­land für Wett­be­werbs­fä­hig­keit, Inves­ti­ti­ons­be­reit­schaft und tech­no­lo­gi­sche Exzel­lenz. Den­noch besteht wei­ter­hin poli­ti­scher Handlungsbedarf.

Wir müs­sen daher zwei­er­lei tun: wirt­schaft­li­che Stär­ke sichern und Ver­trau­en zurück­ge­win­nen. Kon­kret heißt das: Ener­gie­prei­se sen­ken, Büro­kra­tie abbau­en und Pla­nungs- und Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren beschleu­ni­gen, damit Inves­ti­tio­nen tat­säch­lich statt­fin­den. Indus­trie, Mit­tel­stand und Hand­werk brau­chen ver­läss­li­che Rah­men­be­din­gun­gen – beson­ders in Regio­nen mit struk­tu­rel­len Nachteilen.

Gleich­zei­tig braucht es Poli­tik näher an den Men­schen. Ent­schei­dun­gen aus Ber­lin müs­sen die Lebens­rea­li­tät vor Ort berück­sich­ti­gen. Mein Ziel ist, ost­deut­sche Inter­es­sen stär­ker ein­zu­brin­gen: siche­re Arbeits­plät­ze, gute Infra­struk­tur, ver­läss­li­che medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung und Per­spek­ti­ven für jun­ge Menschen.

Ich plä­die­re für eine Poli­tik der Ver­nunft: Pro­ble­me offen benen­nen und trag­fä­hi­ge Lösun­gen anbie­ten – wirt­schaft­lich soli­de, sozi­al gerecht und ohne ideo­lo­gi­sche Experimente. “


David Schliesing, Die Linke, geboren 1983 in Osterburg, Wahlkreis: Börde – Salzlandkreis/Sachsen-Anhalt. Abbildung: Julia Dutschke

David Schlie­sing, Die Lin­ke, gebo­ren 1983 in Oster­burg, Wahl­kreis: Bör­de – Salz­land­kreis/­Sach­sen-Anhalt. Abbil­dung: Julia Dutschke

Wie ich die aktu­el­le poli­ti­sche und wirt­schaft­li­che Situa­ti­on in Ost­deutsch­land beur­tei­le? Schlecht. Klar: Ost­deutsch­land hat in den letz­ten Jahr­zehn­ten viel erreicht – oft trotz der Bun­des­po­li­tik. So ist der Lebens­stan­dard zwar gestie­gen, er bleibt aber nach wie vor hin­ter dem Wes­ten zurück. Von gleich­wer­ti­gen Lebens­ver­hält­nis­sen oder blü­hen­den Land­schaf­ten kann ange­sichts wei­ter bestehen­der öko­no­mi­scher, sozia­ler und poli­ti­scher Unter­schie­de und Unge­rech­tig­kei­ten kei­ne Rede sein. Beschäf­tig­te im Osten ver­die­nen bei glei­cher Qua­li­fi­ka­ti­on 14 Pro­zent weni­ger. Obwohl im Osten nur 20 Pro­zent der Gesamt­be­völ­ke­rung leben, sind hier 39 Pro­zent der Ein­kom­mens­ar­men zu Hau­se. 35 Jah­re nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung sind Ost­deut­sche in Spit­zen­po­si­tio­nen nach wie vor rar, in man­chen Bran­chen geht ihre eh schon mini­ma­le Reprä­sen­tanz sogar zurück.

Das Schlim­me ist: Auch die­se Bun­des­re­gie­rung hat kei­ne Stra­te­gie, um end­lich etwas gegen die bestehen­den Unge­rech­tig­kei­ten bei Löh­nen und Ren­ten, dem demo­gra­fi­schen Wan­del und für struk­tur­schwa­che, länd­li­che Räu­me im Osten zu tun. Und dies, obwohl nur mas­si­ve Inves­ti­tio­nen in die Infra­struk­tur und die sozia­le Gerech­tig­keit sowie die Schaf­fung neu­er und nach­hal­ti­ger Per­spek­ti­ven der Frus­tra­ti­on und dem damit zusam­men­hän­gen­den Rechts­ruck etwas ent­ge­gen­set­zen kön­nen. Ost­deutsch­land braucht end­lich einen Ideen- und Inves­ti­ti­ons­boos­ter. Poten­zi­al hat es genug!“


Teil fünf unse­rer Umfra­ge (Thü­rin­gen) erscheint am 16. März.

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