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„Keine Kochbuch-Koalitionen!“ Ministerpräsident Sven Schulze im Interview

Seit Ende Janu­ar ist er der jüngs­te Minis­ter­prä­si­dent Deutsch­lands. Sven Schul­ze regiert nun in Sach­sen-Anhalt und steht dort vor her­aus­for­dern­den Auf­ga­ben. Im Inter­view mit ostdeutschland.info spricht er über die poli­ti­sche und wirt­schaft­li­che Lage in sei­nem Bun­des­land, den bevor­ste­hen­den Wahl­kampf und mög­li­che Koalitionen.

Deutschlands jüngster Ministerpräsident, Sven Schulze (CDU), ist 1979 in Quedlinburg geboren. Der Diplom-Wirtschaftsingenieur ist Vorsitzender der CDU Sachsen-Anhalt. Von 2014 bis 2021 war er Mitglied des Europäischen Parlaments und anschließend Landesminister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten. Abbildung: Sven Schulze, Rayk Weber

Deutsch­lands jüngs­ter Minis­ter­prä­si­dent, Sven Schul­ze (CDU), ist 1979 in Qued­lin­burg gebo­ren. Der Diplom-Wirt­schafts­in­ge­nieur ist Vor­sit­zen­der der CDU Sach­sen-Anhalt. Von 2014 bis 2021 war er Mit­glied des Euro­päi­schen Par­la­ments und anschlie­ßend Lan­des­mi­nis­ter für Wirt­schaft, Tou­ris­mus, Land­wirt­schaft und Fors­ten. Abbil­dung: Rayk Weber

ostdeutschland.info: Herr Ministerpräsident, am 28. Januar sind Sie bereits im ersten Wahlgang in Ihr Amt gewählt worden. Wie ist es Ihnen ergangen?

Sven Schul­ze: Das war ein star­kes Zei­chen für unser Land. Es gibt eine brei­te Mehr­heit im Land­tag für mich als neu­en Minis­ter­prä­si­den­ten. Sogar eini­ge aus der Oppo­si­ti­on haben mich gewählt. Das gibt mir Rücken­wind für mei­ne Arbeit und bestärkt mich auf mei­nem Weg, unser Sach­sen-Anhalt wei­ter auf Kurs zu bringen.

Wo werden Sie andere Schwerpunkte als Ihr Amtsvorgänger Reiner Haseloff setzen?

Ich will unser Land klar auf Wachs­tums­kurs aus­rich­ten. Mehr Arbeits­plät­ze, gute Löh­ne, mehr Unter­neh­men ins Land holen, die star­ken Bran­chen stär­ken und mit neu­en Ideen fri­schen Wind ins Land brin­gen. Rai­ner Hasel­off war sehr aktiv für unser Land, ich über­neh­me jetzt und wer­de auch neue Wege gehen. Vier Beispiele:

  • Ich will, dass wir bei der Bun­des­wehr auch Stand­ort für die Pro­duk­ti­on wer­den und nicht nur viel Per­so­nal stellen.
  • Ich will, dass die Ener­gie­prei­se für Unter­neh­men sin­ken, damit die Betrie­be und Indus­trien wirt­schaft­lich pro­du­zie­ren können.
  • Ich will, dass unse­re Land­wirt­schaft mit moderns­ter Tech­no­lo­gie arbei­ten kann.
  • Ich will, dass die Lehr­in­hal­te an unse­ren Schu­len deut­lich mehr auf die spä­te­re Berufs­pra­xis aus­ge­rich­tet werden.

Seit 2021 waren Sie Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt. Wie beurteilen Sie die aktuelle wirtschaftliche Lage in Ihrem Bundesland?

Als Minis­ter­prä­si­dent ist Wirt­schafts­po­li­tik Chef­sa­che der gesam­ten Staats­kanz­lei. Deutsch­land steht unter Druck: zu hohe Ener­gie­prei­se, Fach­kräf­te­man­gel, inter­na­tio­na­le Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen durch Zöl­le und zu viel Büro­kra­tie, die uns aus Brüs­sel, Ber­lin und auch durch uns selbst auf­er­legt wird. Sach­sen-Anhalt ist als Indus­trie­land davon beson­ders betrof­fen. Aber: Wir haben nicht gewar­tet. Wir haben Büro­kra­tie abge­baut, klei­ne und mitt­le­re Unter­neh­men ent­las­tet, und wir wer­den das wei­ter tun in dem Rah­men, wie wir Land abbau­en kön­nen. Wir wol­len gezielt in Fach­kräf­te­si­che­rung inves­tie­ren und mas­siv um neue Ansied­lun­gen wer­ben. Sach­sen-Anhalt ist heu­te ein moder­ner Indus­trie­stand­ort. Ich will, dass wir noch attrak­ti­ver für Inves­ti­tio­nen und tech­no­lo­gisch inter­na­tio­nal wett­be­werbs­fä­hig werden.

Klar ist aber auch: Vie­le Pro­ble­me, mit denen wir hier zu kämp­fen haben, ent­ste­hen gar nicht hier bei uns in Sach­sen-Anhalt. Da kommt vie­les aus Brüs­sel und Ber­lin. Des­halb habe ich dort immer wie­der deut­lich gemacht, was unse­re Unter­neh­men brau­chen: bezahl­ba­re Ener­gie und fai­re Wett­be­werbs­be­din­gun­gen. Dort bewegt sich inzwi­schen etwas.

Was läuft gut in Sachsen-Anhalt: wirtschaftlich und darüber hinaus?

Inter­na­tio­na­le Unter­neh­men inves­tie­ren bei uns, zum Bei­spiel in Leu­na, Möckern und Bern­burg. Das ist ein gutes Zei­chen, denn es zeigt: Sach­sen-Anhalt steht im Fokus glo­ba­ler Inves­to­ren. Wir sind ein wett­be­werbs­fä­hi­ger Indus­trie­stand­ort im Her­zen Euro­pas. Gleich­zei­tig moder­ni­sie­ren wir den Staat. Mit den zusätz­li­chen Mit­teln für Infra­struk­tur und Kli­ma­schutz inves­tie­ren wir gezielt in Digi­ta­li­sie­rung, schnel­le­re Ver­fah­ren und weni­ger Büro­kra­tie. Unser Anspruch ist klar: Der Staat muss schnel­ler, schlan­ker und ser­vice­ori­en­tier­ter werden.

Der Staat muss schnel­ler, schlan­ker und ser­vice­ori­en­tier­ter werden.“

Und was mich beson­ders freut: Die Men­schen in Sach­sen-Anhalt sind über­wie­gend zufrie­den mit ihrem Leben hier im Land und bli­cken posi­tiv in die Zukunft. Das Ver­trau­en in unse­re Poli­zei und Jus­tiz ist hoch. Das ist kein Zufall, son­dern das Ergeb­nis von fokus­sier­ter poli­ti­scher Arbeit.

Welche Chancen hat Sachsen-Anhalt?

Unse­re Lage im Her­zen Deutsch­lands ist ein gro­ßer Stand­ort­vor­teil. Wir sind logis­ti­scher Kno­ten­punkt und bau­en unse­re Infra­struk­tur kon­se­quent wei­ter aus. Das schafft Tem­po für Inves­ti­tio­nen. Wirt­schaft­lich sind wir breit auf­ge­stellt: vom star­ken Hand­werk über Maschi­nen­bau und Che­mie bis hin zu erneu­er­ba­ren Ener­gien und Bat­te­rie­tech­no­lo­gie. Dazu kom­men leis­tungs­fä­hi­ge Hoch­schu­len mit Schwer­punk­ten in Zukunfts­fel­dern wie Bio­tech­no­lo­gie und Medizintechnik.

Sach­sen-Anhalt ist bereit – weil die Men­schen hier bereit sind. Und das macht mich stolz.“

Aber die größ­te Chan­ce sind die Men­schen in unse­rem Land. Wir haben gelernt, mit tief­grei­fen­den Ver­än­de­run­gen umzu­ge­hen – von der Wen­de bis zum Struk­tur­wan­del in der Ener­gie­po­li­tik. Die­se Erfah­rung macht uns wider­stands­fä­hig und offen für Neu­es. Ob Digi­ta­li­sie­rung, künst­li­che Intel­li­genz oder indus­tri­el­le Trans­for­ma­ti­on: Wir wer­den die­se Ver­än­de­run­gen aktiv gestal­ten. Sach­sen-Anhalt ist bereit – weil die Men­schen hier bereit sind. Und das macht mich stolz.

Im Mai 2025 haben wir ein Interview mit Ihnen veröffentlicht, in dem Sie auf spürbare Verbesserungen durch die neue Bundesregierung für die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt und ganz Ostdeutschland setzen. Ein „Weiter so“ dürfe es nicht geben. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisher auf den Weg Gebrachten?

Die neue Bun­des­re­gie­rung hat die Pro­ble­me erkannt und wich­ti­ge Maß­nah­men auf den Weg gebracht. Zur Sen­kung der Ener­gie­kos­ten wur­de die Gas­spei­cher­um­la­ge abge­schafft, die Strom­steu­er für pro­du­zie­ren­de Unter­neh­men gesenkt, ein Zuschuss zu den Über­tra­gungs­netz­ent­gel­ten ein­ge­führt. Gemein­sam mit der EU-Kom­mis­si­on wer­den wei­te­re Schrit­te fol­gen. Auch die Eini­gung auf eine gemein­sa­me Moder­ni­sie­rungs­agen­da von Bund und Län­dern ist erfreu­lich. Mit über 200 Maß­nah­men wird auf Bun­des­ebe­ne Büro­kra­tie abge­baut und wer­den Ver­wal­tungs­pro­zes­se beschleu­nigt. Seit unse­rem letz­ten Gespräch wur­den also vie­le Ver­än­de­run­gen ein­ge­lei­tet. Mir ist wich­tig, dass alle Maß­nah­men nun zügig umge­setzt werden.

Sven Schulzes Vorschlag zu Sozialleistungen hat jüngst für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Abbildung: Sven Schulze, Rayk Weber

„Der Sozi­al­staat darf nicht die Wirt­schaft fres­sen, denn sozia­le Sicher­heit kommt nur aus wirt­schaft­li­cher Stär­ke.“ Das ist Sven Schul­zes Agen­da. Abbil­dung: Rayk Weber

Empfänger von Sozialleistungen sollen gemeinnützige Arbeit leisten – Ihr Vorschlag hat jüngst hohe Wellen geschlagen. Wie ist er konkret gemeint?

Wer vom Geld der Steu­er­zah­ler lebt und arbei­ten könn­te, es aber nicht tut, dem müs­sen wir ein neu­es Ange­bot machen. Und wenn er das ablehnt, dann muss ihm die Unter­stüt­zung gekürzt wer­den. Das ist eine Fra­ge der sozia­len Gerech­tig­keit. Mir geht es um die Grup­pe von Men­schen, bei denen Ver­mitt­lung, Qua­li­fi­zie­rung und För­de­rung seit Jah­ren nicht mehr grei­fen. Das sind Men­schen, die den Anschluss ver­lo­ren haben – an Tages­struk­tur, Ver­läss­lich­keit und oft auch an beruf­li­che Rou­ti­nen. Das müs­sen wir ändern, das ist gut für die Men­schen und für unser Sozi­al­sys­tem. Ganz wich­tig ist mir: Der Sozi­al­staat darf nicht die Wirt­schaft fres­sen, denn sozia­le Sicher­heit kommt nur aus wirt­schaft­li­cher Stär­ke. Das ist mei­ne Agenda.

Im Januar forderte CSU-Chef Söder eine Zusammenlegung kleinerer Bundesländer. Wie gut gefällt Ihnen die Idee, mit Thüringen und Sachsen oder gar allen „neuen“ Bundesländern zu fusionieren?

Wir müs­sen unser Bun­des­land nicht mit ande­ren zusam­men­le­gen. Aber was wir zusam­men­le­gen kön­nen, sind Ver­wal­tun­gen, die auch meh­re­re Län­der abde­cken kön­nen. Das haben wir begonnen.

Der 1994 in Sachsen-Anhalt geborene Influencer Alexander Prinz formuliert in seinem aktuellen Buch einen „Oststolz“ auf das seit der Wende Erreichte im Gegensatz zur Opferrolle. Für Sie die richtige Einstellung?

Ich hal­te nichts von einer Opfer­hal­tung. Uns Ost­deut­schen steht Selbst­be­wusst­sein viel bes­ser, weil wir oft mehr erreicht haben als man­cher im Wes­ten. Was die Men­schen in Ost­deutsch­land im Umbruch und nach der Ein­heit geleis­tet haben, davor habe ich ganz hohen Respekt. Jede Fami­lie hat doch erlebt, wie schwer es ist, in einem neu­en poli­ti­schen Sys­tem erfolg­reich zu sein. Und den aller­meis­ten ist das gelun­gen. Dar­auf kön­nen wir stolz sein und dür­fen uns nicht selbst kleinreden.

Welche Bedeutung hat Ostdeutschland für Deutschland?

Ganz klar: Ost­deutsch­land ist heu­te ein Erfolgs­fall. Was hier in den letz­ten 35 Jah­ren geleis­tet wur­de, ist enorm. Die Men­schen in Ost­deutsch­land haben einen kom­plet­ten Sys­tem­wech­sel gemeis­tert, wirt­schaft­li­che Umbrü­che ver­kraf­tet und ihre Regio­nen Schritt für Schritt neu auf­ge­baut. Mit Fleiß, Mut und einem unglaub­li­chen Gestal­tungs­wil­len. Dar­auf kön­nen wir stolz sein. Heu­te ist Ost­deutsch­land modern, inno­va­tiv und attrak­tiv für inter­na­tio­na­le Unter­neh­mens­an­sied­lun­gen. Das zeigt: Wir sind längst Teil der Lösung für die wirt­schaft­li­che Stär­ke Deutschlands.

Ost­deutsch­land ist längst Teil der Lösung für die wirt­schaft­li­che Stär­ke Deutschlands.“

Zudem brin­gen die Men­schen in Ost­deutsch­land eine beson­de­re Erfah­rung ein: Wir wis­sen, wie Trans­for­ma­ti­on funk­tio­niert. Wir wis­sen, wie man mit Brü­chen umgeht. Die­ses Wis­sen ist heu­te wert­vol­ler denn je – für ganz Deutsch­land. Und ich sage ganz klar: Nie­mand muss unse­re Län­der mehr ver­las­sen, weil es kei­ne Per­spek­ti­ven gibt. Im Gegen­teil. Wir bie­ten Chan­cen, gute Arbeits­plät­ze, Lebens­qua­li­tät und Gestal­tungs­spiel­raum. Sach­sen-Anhalt und die ost­deut­schen Län­der sind Impuls­ge­ber. Und ich bin stolz dar­auf, dass wir zei­gen: Mit Ent­schlos­sen­heit, Ver­läss­lich­keit und har­ter Arbeit kann man aus gro­ßen Umbrü­chen gro­ße Chan­cen machen.

In diesem Jahr werden 100 Jahre Bauhaus in Dessau gefeiert. Was verbinden Sie mit der Bauhaus-Schule?

Das Bau­haus ist seit 1925 ein zen­tra­ler Teil der Geschich­te unse­res Lan­des. Hier sind die Bau­wer­ke ent­stan­den, die heu­te welt­weit bekannt sind. Heu­te ist das Bau­haus UNESCO-Welt­erbe und damit kul­tu­rel­les Aus­hän­ge­schild Sach­sen-Anhalts. Men­schen aus aller Welt kom­men zu uns nach Des­sau, um die­sen Ort zu erle­ben. Das stärkt unse­ren Tou­ris­mus, unse­re regio­na­le Wirt­schaft und damit die gesam­te Regi­on. Und es trägt dazu bei, dass Sach­sen-Anhalt inter­na­tio­nal wahr­ge­nom­men wird. Für unser Land ist das Bau­haus des­halb weit mehr als ein Kapi­tel der Kul­tur­ge­schich­te. Das Bau­haus steht bis heu­te für Offen­heit, für Frei­heit der Kunst und für eine Gesell­schaft, die Neu­es zulässt. Die­se Hal­tung ist für mich kei­ne his­to­ri­sche Rand­no­tiz. Sie gehört zum Selbst­ver­ständ­nis unse­res Landes.

Am 6. September finden in Sachsen-Anhalt Landtagswahlen statt. In den Medien kursieren Begriffe wie „Blutwurstkoalition“ (CDU mit SPD und Linke) und „Rote-Bete-Koalition“, wenn sogar das BSW noch hinzukäme. Welche Koalitionen schließen Sie aus?

Ich hal­te schon sprach­lich nichts von den Kochbuch-Koalitionen.

Sie haben den CDU-Wahlkampf bei den vorangegangenen Landtagswahlen geleitet. Worauf wird es diesmal vor allem ankommen?

Unse­re Bot­schaft ist klar und ein­fach: Sach­sen-Anhalt stär­ker machen. Das geht nur mit uns. Das geht nur mit mir.

Sie haben das letzte Wort …

Auf ein selbst­be­wuss­tes Ostdeutschland!

Vielen Dank.

Die Fra­gen stell­te Robert Nehring.

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