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170 Jahre Rotkäppchen-Sekt: Vom visionären Traum zur beliebten Sektmarke

Die Rot­käpp­chen-Sekt­kel­le­rei fei­ert heu­te ihr 170-jäh­ri­ges Bestehen. Was einst als Idee drei­er Freun­de begann, gilt heu­te als Para­de­bei­spiel für ost­deut­sche Erfolgs­ge­schich­ten. Anläss­lich des Jubi­lä­ums wid­men wir dem Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men ein Porträt.

Sie sind traditionell Teil vieler Silvesterfeiern: Rotkäppchen-Sektflaschen. Der Ursprung ihrer Geschichte liegt in der Gründung einer Weinhandlung. Abbildung: Rotkäppchen Mumm

Sie sind tra­di­tio­nell Teil vie­ler Sil­ves­ter­fei­ern: Rot­käpp­chen-Sekt­fla­schen. Der Ursprung ihrer Geschich­te liegt in der Grün­dung einer Wein­hand­lung. Abbil­dung: Rotkäppchen-Mumm

Die Geschich­te der Rot­käpp­chen-Sekt­kel­le­rei hat ihren Ursprung in Frey­burg (Unstrut) im Bur­gen­land­kreis in Sach­sen-Anhalt. Am 26. Sep­tem­ber 1856 fass­ten die Brü­der Moritz und Juli­us Kloss sowie ihr Freund Carl Foers­ter den Ent­schluss, eine Wein­hand­lung zu grün­den. Sie erkann­ten schnell das Poten­zi­al von Schaum­wei­nen und betei­lig­ten sich 1857 an der „Frey­bur­ger Cham­pa­gner-Fabrik-Gesell­schaft“. Kurz dar­auf grün­de­ten sie eine eige­ne Fir­ma zur Her­stel­lung von Sekt. Die ers­ten 6.000 Fla­schen Kloss & Foers­ter Sekt wur­den in einer Woh­nung im Hin­ter­haus der Fami­lie Kloss abge­füllt. Dabei wur­den sie von Kel­ler­meis­ter Gott­fried Lewal­der unterstützt.

Ein Anteilsschein der Freyburger Champagner-Fabrik-Gesellschaft von 1857. Kloss & Foerster beteiligten sich daran. Die Gesellschaft wurde 1867 versteigert und der Besitz ging an Kloss & Foerster über. Abbildung: EDHAC e.V., Wikimedia Commons

Ein Anteils­schein der Frey­bur­ger Cham­pa­gner-Fabrik-Gesell­schaft von 1857. Kloss & Foers­ter betei­lig­ten sich dar­an. Die Gesell­schaft wur­de 1867 ver­stei­gert und der Besitz ging an Kloss & Foers­ter über. Abbil­dung: EDHAC e.V., Wiki­me­dia Commons

Ein Regionalprodukt wird international

Die ers­te Fla­sche wur­de am 17. Juni 1858 anläss­lich der Hoch­zeit von Juli­us Kloss und Emma Gab­ler geöff­net. Das Getränk kam gut an. Noch im sel­ben Jahr begann der Ver­kauf an Kun­den. 1861 wur­de der Sekt auf der Thü­rin­gi­schen Gewer­be­aus­stel­lung in Wei­mar erst­mals der Öffent­lich­keit prä­sen­tiert. Auf­grund des fran­zö­si­schen Ursprungs des Ori­gi­nals setz­te das Unter­neh­men auf fran­zö­si­sche Mar­ken­na­men wie „Mono­pol“, „Cré­mant Rosé“ oder „Sil­lery Grand Mousseux“ und prä­sen­tier­te den Sekt auf wei­te­ren Ausstellungen.

Das historische Hauptgebäude der Rotkäppchen-Sektkellerei in Freyburg. 1887 startete der Bau des fünfstöckigen Kellereigebäudes. Abbildung: Rotkäppchen Mumm

Das his­to­ri­sche Haupt­ge­bäu­de der Rot­käpp­chen-Sekt­kel­le­rei in Frey­burg. 1887 star­te­te der Bau des fünf­stö­cki­gen Kel­lerei­ge­bäu­des. Abbil­dung: Rotkäppchen-Mumm

Im Jahr 1866 wur­de der Fir­men­sitz in Frey­burg ver­grö­ßert. Nach dem Schei­tern der „Cham­pa­gner-Fabrik-Gesell­schaft“ gin­gen deren Gebäu­de, Ein­rich­tun­gen und Mate­ria­li­en über eine Ver­stei­ge­rung an Kloss & Foers­ter über. Auf­grund der stei­gen­den Nach­fra­ge reich­ten die regio­na­len Lie­fe­run­gen bald nicht mehr aus. Ab 1867 kauf­te man Most und Wein aus Baden und Würt­tem­berg, ab 1870 impor­tier­te das Unter­neh­men auch Wein aus der Cham­pa­gne. 1887 ent­stand ein neu­es Kel­lerei­ge­bäu­de mit einer Flä­che von 13.000 Qua­drat­me­tern. Es ist bis heu­te das Herz der Sektkellerei.

Ein Rotkäppchen-Werbeposter für Kloss & Foerster aus dem Jahr 1912. 1895 ist das Geburtsjahr der Wortmarke Rotkäppchen Sekt. Abbildung: Hans Rudi Erdt, Hollerbaum & Schmidt, Wikimedia Commons

Ein Rot­käpp­chen-Wer­be­pos­ter für Kloss & Foers­ter aus dem Jahr 1912. 1895 ist das Geburts­jahr der Wort­mar­ke Rot­käpp­chen Sekt. Abbil­dung: Hans Rudi Erdt, Hol­ler­baum & Schmidt, Wiki­me­dia Commons

Der Name „Rotkäppchen Sekt“ entsteht

Nach dem Gesetz zum Schutz der Waren­be­zeich­nun­gen von 1894 durf­te der Sekt nicht mehr „Mono­pol“ hei­ßen. So kamen die rote Kap­sel und der Name „Rot­käpp­chen Sekt“ zustan­de. Am 20. Febru­ar 1895 wur­de die Wort­mar­ke beim Patent­amt ange­mel­det und gilt bis heu­te. Bis zum Ende des Ers­ten Welt­kriegs flo­rier­te das Geschäft. Danach ging das Wein­gut in Frank­reich ver­lo­ren und die Ein­fuhr fran­zö­si­scher Wei­ne wur­de schwie­ri­ger. Auch die Welt­wirt­schafts­kri­se von 1929 traf die Sekt­kel­le­rei. Im Zwei­ten Welt­krieg erschwer­ten Trans­port­pro­ble­me das Geschäft zusätzlich.

Nach dem Krieg kam es zur Ent­eig­nung. So führ­te der Befehl Nr. 76 der Sowje­ti­schen Mili­tär­ad­mi­nis­tra­ti­on zur Zwangs­ver­wal­tung von Kloss & Foers­ter. Aus dem Unter­neh­men ging die VEB Rot­käpp­chen Sekt­kel­le­rei Frey­burg her­vor. Der bis­he­ri­ge Besit­zer Gün­ther Kloss ging in den Wes­ten und grün­de­te im hes­si­schen Rüdes­heim die Sekt­kel­le­rei Kloss & Foers­ter neu.

Eine DDR-Marke übersteht die Wendezeit

In der DDR wur­de Rot­käpp­chen-Sekt nach Fünf­jah­res­plä­nen pro­du­ziert. Im Jahr 1955 beweg­ten die Mit­ar­bei­ten­den täg­lich bis zu 60.000 Fla­schen im klas­si­schen Rüt­tel­ver­fah­ren. So ent­wi­ckel­te sich Rot­käpp­chen zu einer belieb­ten DDR-Mar­ke. Ab 1981 wur­den von Ros­tock aus inter­na­tio­na­le Schiff­fahrts­li­ni­en belie­fert. Dar­auf­hin nah­men zwei west­deut­sche Impor­teu­re Rot­käpp­chen in ihr Pro­gramm auf. In der DDR wur­de in den 1980er-Jah­ren der „Grand Mousseux“ zum belieb­tes­ten Produkt.

  • Ein Etikett der VEB Rotkäppchen Sektkellerei, um 1979. Abbildung: Klaaschwotzer, Wikimedia Commons
    Ein Eti­kett der VEB Rot­käpp­chen Sekt­kel­le­rei, um 1979. Abbil­dung: Klaa­schwot­zer, Wiki­me­dia Commons

Mit der Wen­de im Jahr 1989 brach der Umsatz ein. Nur noch 7,1 Mil­lio­nen Fla­schen wur­den ver­kauft – 50 Pro­zent weni­ger als im Vor­jahr. Schritt für Schritt konn­te sich das Unter­neh­men jedoch wie­der eta­blie­ren. 2002 über­nahm Rot­käpp­chen von der kana­di­schen Seagram-Grup­pe die Mar­ken Mumm, Jules Mumm und MM Extra sowie die Sekt­kel­le­rei­en in Elt­ville am Rhein und Hoch­heim am Main. Die Unter­neh­mens­grup­pe trägt seit­dem den Namen Rot­käpp­chen-Mumm.

Das Jubiläumslogo zu 170 Jahre Rotkäppchen. Abbildung: Rotkäppchen Mumm

Das Jubi­lä­ums­lo­go zu 170 Jah­re Rot­käpp­chen. Abbil­dung: Rotkäppchen-Mumm

Im Jahr 2023 wur­de die Rot­käpp­chen Erleb­nis­welt in Frey­burg eröff­net. Auf 1.400 Qua­drat­me­tern kön­nen Besu­cher dort 50 inter­ak­ti­ve Sta­tio­nen erkun­den und hin­ter die Kulis­sen der Sekt­her­stel­lung blicken.

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