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Interview 20 Jahre DDR Museum: Vom Pionierprojekt zum Besuchermagnet

Mor­gen, am 15. Juli, fei­ert das DDR Muse­um sein 20-jäh­ri­ges Jubi­lä­um. Wir spra­chen mit Geschäfts­füh­rer Qui­rin Graf Adel­mann von Adel­manns­fel­den und Direk­tor Gor­don Frei­herr von Godin über die Ent­ste­hung des Erfolgs­pro­dukts und dar­über, wel­che Pro­jek­te als Nächs­tes anstehen.

Für Geschäftsführer Quirin Graf Adelmann von Adelmannsfelden und Direktor Gordon Freiherr von Godin ist das DDR Museum ein Lebenswerk. Abbildung: DDR Museum

Für Geschäfts­füh­rer Qui­rin Graf Adel­mann von Adel­manns­fel­den (links) und Direk­tor Gor­don Frei­herr von Godin ist das DDR Muse­um ein Lebens­werk. Abbil­dung: DDR Museum

ostdeutschland.info: Herr Graf Adelmann, Herr von Godin. Das DDR Museum im Zentrum von Berlin gibt es nun schon seit 20 Jahren. Welche Bedeutung hat es heute für Sie, für die Hauptstadt und über diese hinaus?

Qui­rin Graf Adel­mann von Adel­manns­fel­den und Gor­don Frei­herr von Godin: Das DDR Muse­um ist aus dem Nichts und gegen die star­ke Skep­sis öffent­li­cher Häu­ser ent­stan­den. Das Muse­um ist natio­nal und inter­na­tio­nal, mit viel Ein­satz, inhalt­li­cher Schär­fe und lau­fen­der Arbeit zu For­schung und Bil­dung, zu einer Insti­tu­ti­on gewach­sen, die nun von uns Ver­ant­wor­tung abver­langt, jen­seits zeit­po­li­ti­scher Strö­mun­gen und Moden. Es zeigt, dass pri­va­tes Enga­ge­ment und star­ke Team­zu­sam­men­set­zung zu Erfolg, Unab­hän­gig­keit und Aner­ken­nung füh­ren kön­nen. Des­halb bedeu­tet uns das Muse­um als Lebens­werk viel. Es dient der Ent­de­ckung, Auf­klä­rung und Erin­ne­rung. Auch durch Begleit­for­ma­te zieht es wei­ter­hin in sei­nen Bann.

Herr von Godin, wie viele Besucher hat das Museum und wo kommen diese her?

Gor­don Frei­herr von Godin: Unse­re Besu­cher­struk­tur gleicht der von Ber­lin im All­ge­mei­nen. Wir begrü­ßen jähr­lich über 500.000 Besu­cher. Dar­un­ter sind die meis­ten aus Deutsch­land. Sehr vie­le Besu­cher kom­men auch aus West­eu­ro­pa: aus Groß­bri­tan­ni­en, Frank­reich, Bene­lux, Ita­li­en oder Spanien.

Über wie viele Exponate verfügt das Museum?

Gor­don Frei­herr von Godin: Das Muse­um ver­fügt inzwi­schen über mehr als 400.000 Objek­te und Expo­na­te, die im Depot und Muse­um auf­be­wahrt, erhal­ten und aus­ge­stellt wer­den. Die Samm­lung wächst wei­ter­hin täg­lich durch Spen­den aus der Gesellschaft.

Zu den mehr als 400.000 Objekten und Exponaten im Besitz des Museums gehört auch dieses Motorrad MZ ETZ 250 F der Volkspolizei. Abbildung: DDR Museum

Zu den mehr als 400.000 Objek­ten und Expo­na­ten im Besitz des Muse­ums gehört auch die­ses Motor­rad MZ ETZ 250 F der Volks­po­li­zei. Abbil­dung: DDR Museum

Was zählt zu Ihren Lieblingsausstellerstücken?

Qui­rin Graf Adel­mann von Adel­manns­fel­den: Für mich müs­sen Objek­te eine Funk­ti­on haben. Des­halb habe ich kein ein­zel­nes Objekt oder Objek­te, die zu mei­nen Lieb­lings­stü­cken gehören.

Gor­don Frei­herr von Godin:  Ein „Man­gel­ta­ge­buch“ einer Dame aus Sach­sen-Anhalt ist mein Lieb­lings­ob­jekt. Anhand der Auf­lis­tung deckt es die deut­li­chen öko­no­mi­schen Miss­stän­de in der DDR auf.

Mit Ihnen beiden arbeiten Ost und West zusammen. Sie sind sogar verwandt. Wer von Ihnen hat einen ostdeutschen Hintergrund?

Qui­rin Graf Adel­mann von Adel­manns­fel­den: Gor­don. Jeden­falls bis 1990. Denn ihn zog es spä­ter beruf­lich nach Mün­chen, wäh­rend ich 1993 in den Osten zog und hier die Trans­for­ma­ti­on live mit­er­lebt habe.

Graf Adelmann, wie kam es zur Gründung des DDR Museums und wann sind sie beide dazugestoßen?

Qui­rin Graf Adel­mann von Adel­manns­fel­den: Der Eth­no­lo­ge Peter Ken­zel­mann hat sich als Ber­lin-Besu­cher 2004 gefragt, wes­halb es kein Muse­um zum The­ma DDR in der Haupt­stadt gibt und es als Pro­jekt gegrün­det. Ich habe Peter bei einem ande­ren Kul­tur­pro­jekt in Mar­zahn unter­stützt, bin spä­ter dazu gekom­men und habe das Muse­um 2016 voll­stän­dig über­nom­men. Gor­don von Godin habe ich über­zeu­gen kön­nen, Bay­ern zu ver­las­sen und die Posi­ti­on des Direk­tors von Robert Rückel zu über­neh­men, der dann zum Deut­schen Spio­na­ge­mu­se­um gewech­selt ist. Der wesent­li­che Unter­schied zwi­schen Ken­zel­mann und Adel­mann war, dass Peter Ken­zel­mann nicht wei­ter sam­meln und kein Samm­lungs­team auf­bau­en woll­te. Wir haben das Gegen­teil machen wol­len, auch wenn es dazu kei­ne wirt­schaft­li­che Gegen­fi­nan­zie­rung gab.

Ende 2022 platzte der 16 Meter hohe Aquadom im Radisson-Hotel, in dem das DDR Museum untergebracht war. Haben Sie sich mittlerweile davon erholen können?

Gor­don Frei­herr von Godin: Wir haben das Scha­den­er­eig­nis bereits Ende März 2023 über­wun­den. Die Geschwin­dig­keit und die Fol­gen für unse­re Nach­barn wir­ken bis heu­te nach. Hotel und anlie­gen­de Flä­chen waren mehr als zwei Jah­re im Bau, was sich bis heu­te aus­wirkt. Die Kom­bi­na­ti­on mit Covid-19 hat Ber­lin einen schwe­ren Schlag ver­setzt. Wir sind aber sehr zufrie­den. Wir haben das Bes­te dar­aus gemacht und neue Aus­stel­lungs­tei­le umge­setzt. Die Ent­wick­lun­gen, etwa unse­re Doku­men­ta­ti­ons­rei­he „Orte Ost“ und die Umset­zung eines neu­en auch für die Öffent­lich­keit bestimm­ten Depots, wan­del­ten die­se Zwangs­im­pul­se zu neu­er Schaffenskraft.

  • Ein Parteitisch aus dem Ausstellungsbereich „Partei und Staat“ im DDR Museum. Abbildung: DDR Museum
    Ein Par­tei­tisch aus dem Aus­stel­lungs­be­reich „Par­tei und Staat“ im DDR Muse­um. Abbil­dung: DDR Museum

Bei Ihnen finden auch Veranstaltungen statt…

Qui­rin Graf Adel­mann von Adel­manns­fel­den: Seit jeher haben wir eine Aus­stel­lungs­flä­che, die the­ma­tisch von uns selbst und von Exter­nen genutzt wird. Wir nut­zen sie auch für Par­al­lel­for­ma­te, der­zeit für eine von uns unter­stütz­te Thea­ter­pro­duk­ti­on einer frei­en Künst­ler­grup­pe, die ohne uns gar nicht umge­setzt wer­den könnte.

Welche Ziele haben Sie mit dem DDR Museum?

Gor­don Frei­herr von Godin: Wir wol­len wei­te­re Kapa­zi­tä­ten schaf­fen, um mög­lichst vie­le Objek­te aus der DDR zu erhal­ten. Zudem möch­ten wir an die­sem oder einem ande­ren Stand­ort eine Insti­tu­ti­on für die Zeit zwi­schen 1949 und 1990 blei­ben und das wei­ter aus­bau­en. Außer­dem wol­len wir die größ­te digi­ta­le Daten­bank zum The­ma wei­ter fül­len, die alle Objek­te kata­lo­gi­siert, kon­tex­tua­li­siert und für die All­ge­mein­heit zugäng­lich macht.

Was ist als Nächstes geplant?

Qui­rin Graf Adel­mann von Adel­manns­fel­den: Kurz­fris­tig pla­nen wir neue Aus­stel­lungs­tei­le wie das Klas­sen­zim­mer und wer­den die Doku­rei­he zu „Orte Ost“ fort­füh­ren. Lang­fris­tig haben wir Pla­nun­gen abge­schlos­sen, um einen Muse­ums- und Aus­stel­lungs­ort, gepaart mit Dar­stel­lungs­flä­chen im eige­nen Gebäu­de her­zu­stel­len. Wir war­ten der­zeit auf die städ­ti­sche Geneh­mi­gung. Nach erteil­tem Bau­vor­be­scheid sind gera­de aber­mals andert­halb Jah­re ins Land gegan­gen. Das ist der Zustand unse­res Lan­des, nahe an der DDR. Das Tem­po pri­va­ter Initia­ti­ven trifft auf Poli­tik in Schock­star­re und Ver­wal­tung im exe­ku­ti­ven Totpunkt.

Vielen Dank.

Die Fra­gen stell­ten Robert Neh­ring und Valen­tin Radonici.

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