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POND: Die Geburt eines ostdeutschen Klangexperiments

Es gibt Bands, die ihre Zeit wider­spie­geln – und es gibt jene, die ihrer Zeit vor­aus sind. POND gehört zwei­fel­los zur zwei­ten Kate­go­rie. Bernd Haber stellt die Geschich­te der Elek­tro-Band aus dem Osten Deutsch­lands vor.

Was Ende der 1970er-Jah­re im Ost­ber­li­ner Bezirk Prenz­lau­er Berg begann, ent­wi­ckel­te sich zu einer außer­ge­wöhn­li­chen musi­ka­li­schen Rei­se zwi­schen elek­tro­ni­scher Avant­gar­de, DDR-Rock­ge­schich­te und kos­mi­scher Klang­kunst. Als Wolf­gang „Pau­le“ Fuchs im Jahr 1978 gemein­sam mit Man­fred Hen­nig die Band POND grün­de­te, war die musi­ka­li­sche Land­schaft der DDR noch fest in den Hän­den klas­si­scher Rock- und Pop­for­ma­tio­nen. Bei­de Musi­ker hat­ten zuvor in der Rock­band Baby­lon gespielt – doch ihr Blick ging wei­ter. Zunächst noch im Pro­gres­si­ve Rock ver­wur­zelt, wag­te POND bereits früh den Schritt in eine damals im Osten nahe­zu unbe­kann­te Rich­tung: elek­tro­ni­sche Instrumentalmusik.

Der Durchbruch gelang Pond im Jahr 1982 mit dem Song „Planetenwind“

Der Durch­bruch gelang POND im Jahr 1982 mit dem Song „Pla­ne­ten­wind“. Abbil­dung: POND

Inspi­riert von inter­na­tio­na­len Grö­ßen wie Jean-Michel Jar­re, Klaus Schul­ze und Tan­ge­ri­ne Dream, ent­wi­ckel­te die Band ab 1980 ihren cha­rak­te­ris­ti­schen Sound – sphä­risch, rhyth­misch und visio­när zugleich. Was heu­te selbst­ver­ständ­lich erscheint, war damals revo­lu­tio­när: POND war die ein­zi­ge Band der DDR, die elek­tro­ni­sche Musik live auf die Büh­ne brach­te – und damit musi­ka­li­sches Neu­land betrat. Die 65 Kilo­gramm schwe­re Bron­ze-Kir­chen­glo­cke, POND-Wahr­zei­chen und bei allen Kon­zer­ten auf der Büh­ne prä­sent, fer­tig­te nach Anga­ben und Vor­stel­lun­gen von Wolf­gang Fuchs Apold­as letz­ter Glo­cken­gie­ßer­meis­ter der Fami­lie Schil­ling, Peter Schil­ling. Sie trägt die Inschrift „Rhythm & Sound Wolf­gang Fuchs.“

Durchbruch mit „Planetenwind“

Der Durch­bruch ließ nicht lan­ge auf sich war­ten. Mit dem Titel „Pla­ne­ten­wind“ gelang POND 1982 ein ers­ter gro­ßer Erfolg in den Jah­res-Charts. Die gleich­na­mi­ge LP (1984) sowie das Nach­fol­ge­al­bum „Auf der Sei­den­stra­ße“ (1986) wur­den zu Mei­len­stei­nen der ost­deut­schen Musik­ge­schich­te. Bei­de Ver­öf­fent­li­chun­gen erreich­ten sechs­stel­li­ge Ver­kaufs­zah­len – eine beacht­li­che Leis­tung im streng regu­lier­ten Musik­markt der DDR. POND schuf dabei mehr als nur Musik: Die Band insze­nier­te Klang­räu­me. Ihre Kon­zer­te fan­den nicht nur in klas­si­schen Sälen statt, son­dern auch in Pla­ne­ta­ri­en – ein Set­ting, das per­fekt zur kos­mi­schen Ästhe­tik ihrer Kom­po­si­tio­nen passte.

Die Band­ge­schich­te von POND ist auch eine Geschich­te von Trans­for­ma­ti­on. Nach per­so­nel­len Ver­än­de­run­gen – dar­un­ter der Ein­stieg von Harald Witt­kow­ski – ent­wi­ckel­te sich der Sound wei­ter. Ende der 1980er-Jah­re tra­ten schließ­lich Fuchs’ Zwil­lings­söh­ne Frank und Sascha in die Band ein. Mit ihnen hielt ein moder­ne­rer, rhyth­mus­be­ton­ter Stil Ein­zug, der sich teil­wei­se in Rich­tung Tech­no beweg­te. Die­se Pha­se zeigt exem­pla­risch, wie POND stets offen für neue Ein­flüs­se blieb – ohne die musi­ka­li­sche Iden­ti­tät aufzugeben.

Comeback und Neuausrichtung

1996 kam es zur Auf­lö­sung der Band – zumin­dest vor­über­ge­hend. Wolf­gang Fuchs führ­te POND nun als Solo­pro­jekt wei­ter. Doch die Geschich­te war bei Wei­tem nicht zu Ende. 2003 erfolg­te das Come­back: Mit dem Album „Trans­pon­der“ kehr­te POND nicht nur musi­ka­lisch zu sei­nen Wur­zeln zurück, son­dern prä­sen­tier­te gleich­zei­tig ein beson­de­res Kon­zept – eine Kom­bi­na­ti­on aus Musik und Buch zum 25-jäh­ri­gen Jubi­lä­um der Band. Die­ses Zusam­men­spiel von Klang und Lite­ra­tur ist bis heu­te ein Mar­ken­zei­chen von POND geblie­ben. Das POND-Buch, in dem Fuchs sei­ne Erleb­nis­se als Musi­ker in der DDR schil­dert, gilt als ein­drucks­vol­les Zeit­do­ku­ment der ost­deut­schen Musikszene.

Auch Jahr­zehn­te nach der Grün­dung bleibt die Band aktiv – und erfolg­reich. Beim Deut­schen Rock- und Pop­mu­si­ker­preis 2018 wur­de POND gleich mehr­fach aus­ge­zeich­net, unter ande­rem als bes­te Elec­tro­nic­band sowie für das Jubi­lä­ums­al­bum. Ein wei­te­rer Höhe­punkt folg­te 2025: Das POND-Buch erhielt den Kul­tur­preis des Deut­schen Rock- und Pop­mu­si­ker-Ver­ban­des – ein Zei­chen dafür, dass das Werk nicht nur musi­ka­lisch, son­dern auch kul­tur­his­to­risch von Bedeu­tung ist. Zum 45-jäh­ri­gen Büh­nen­ju­bi­lä­um im Jahr 2023 ver­öf­fent­lich­te POND zudem das Dop­pel­al­bum „Pla­ne­ten­wind 2“, eine musi­ka­li­sche Zeit­rei­se von den Anfän­gen bis in die Gegen­wart. Im Febru­ar 2026 erhielt Wolf­gang Fuchs aka Pau­le Pond den wohl­ver­dien­ten renom­mier­ten Deut­schen Preis für Elek­tro­ni­sche Musik für sein „Lebens­werk“, womit auch erst­mals ein ost­deut­scher Elek­tronik­mu­si­ker mit die­sem begehr­ten Preis aus­ge­zeich­net wurde.

Mehr als Musik

POND ist weit mehr als eine Band – sie ist ein kul­tu­rel­les Phä­no­men. Ihre Geschich­te spie­gelt die Her­aus­for­de­run­gen und Mög­lich­kei­ten künst­le­ri­scher Arbeit in der DDR eben­so wider, wie die Trans­for­ma­ti­on nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung. Die Musik von POND erzählt von Expe­ri­men­tier­freu­de, Durch­hal­te­ver­mö­gen und dem Mut, eige­ne Wege zu gehen. Sie ver­bin­det welt­weit Gene­ra­tio­nen von Hörern – von Ost­rock­fans bis hin zu Lieb­ha­bern elek­tro­ni­scher Klang­wel­ten. Und viel­leicht liegt genau dar­in ihr größ­ter Erfolg: POND hat es geschafft, aus begrenz­ten Mög­lich­kei­ten gren­zen­lo­se Musik zu erschaffen.

Fast fünf Jahr­zehn­te nach ihrer Grün­dung und mehr als 1.500 Kon­zer­ten und 20 Alben spä­ter steht POND noch immer für Inno­va­ti­on und Authen­ti­zi­tät. Zwi­schen Syn­the­si­zern und Ster­nen­him­mel, zwi­schen DDR-Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart hat sich die Band einen fes­ten Platz in der deut­schen Musik­ge­schich­te erar­bei­tet. Oder, um es mit einem Bild zu sagen: POND ist kein stil­ler Teich – son­dern ein musi­ka­li­scher Kos­mos, der nach wie vor in Bewe­gung ist.

Dis­ko­gra­fie & Literatur

1984: Pla­ne­ten­wind

1986: Auf der Seidenstraße

1989: Maschi­nen­mensch

1993: Fro­he Weihnacht

1993: Space Walks

2003: Trans­pon­der

2004: Live in Berlin

2006: Hal­le­lu­jah (Sin­gle)

2006: Sound­tracks

2008: Bil­der einer Aus­stel­lung – Die größ­ten Hits (Dop­pel-CD)

2009: Gemäl­de einer Vernissage

2011: Die POND Space-Night

2013: Pla­ne­ten­wind vs. Am Fens­ter (Sin­gle)

2014: Gemäl­de einer Ver­nis­sa­ge, mit den Bran­den­bur­ger Symphonikern

2016: Edel­weiß

2018: 40 Jah­re POND – Das Jubi­lä­ums­kon­zert (Dop­pel-CD).

2002 & 2021: Wolf­gang Fuchs: Das POND-Buch – Wer­de­gang, Geschich­ten und All­tag eines Rock­mu­si­kers in der Ex-DDR

Bernd Haber ist gebürtiger Ostberliner. Er zog vor 30 Jahren in die USA und ist Gründer und Managing Director des Unternehmens Worldstrings Promotion sowie Gründer des Unternehmens New Sound Experience. Er lebt in Phoenix, Arizona.
Bernd Haber ist gebür­ti­ger Ost­ber­li­ner. Er zog vor 30 Jah­ren in die USA und ist Grün­der und Mana­ging Direc­tor des Unter­neh­mens World­strings Pro­mo­ti­on sowie Grün­der des Unter­neh­mens New Sound Expe­ri­ence. Er lebt in Phoe­nix, Arizona.

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