Im Mai 2026 feiern die Steiger Hotels aus der Sächsischen Schweiz 30-jähriges Jubiläum. Im Interview spricht Hotelchefin Margaux Steiger über den Tourismus in der Region, Wünsche an die Politik und Zukunftsvisionen.

Margaux Paulin Steiger, geboren 1991, ist Inhaberin der Steiger Hotels in der Sächsischen Schweiz. steiger-hotels.com. Abbildung: Steffen Unger
ostdeutschland.info: Frau Steiger, seit wann gibt es Ihre Hotelgruppe?
Margaux Steiger: Unsere Steiger Hotels feiern im Mai 2026 ihr 30-jähriges Bestehen. Meine Eltern Viktor und Jeanette haben das erste Haus, den Sebnitzer Hof, im Mai 1996 eröffnet. Ich selbst bin vor knapp zehn Jahren ins Hotelgeschäft eingestiegen – mit dem Kauf meines ersten eigenen Hotels. In den letzten Jahren habe ich die Steiger Hotels zur größten Hotelgruppe der Region gemacht.
Wie hat sich der Tourismus in der Sächsischen Schweiz in den letzten Jahren entwickelt?
Total zum Positiven! Ich war als junges Mädchen oft mit meiner Mama auf der Messe unterwegs. Am Stand mussten wir immer erklären, wo die Region ist und was man da machen kann. Bad Schandau war für die Reisenden, die selbst aus dem Osten kommen, ein Begriff, aber Sebnitz kannte quasi niemand. „Ihr Reiseziel zwischen Berlin, Dresden und Prag“ – so weit musste man da einordnen. Heute und besonders nach der Coronapandemie ist unsere Region – zu Recht! – viel bekannter und ein gefragtes Aktivreiseziel.
Welche Unterschiede zu Ihrer Heimatregion haben Sie in der Sächsischen Schweiz beobachtet?
Puh, gar nicht so einfach, denn ich bin bereits mit vier Jahren hierhergezogen. Für mich gibt es gar keine andere Heimat als die Sächsische Schweiz. Ich würde hier tatsächlich sagen, der Dialekt ist der größte Pain. Ich bin „zweisprachig“ aufgewachsen und das ist gerade heute im Mehrgenerationenhaushalt mit meinem zehnjährigen Sohn sehr witzig.

Die Eingangshalle vom Hotel Zeitgeist by Steiger Hotels. Abbildung: Steiger Hotels
Sehen Sie noch Unterschiede im Urlaubsverhalten zwischen Ost- und Westdeutschen?
Ich persönlich sehe hier eigentlich kein Ost-West-Thema. Für mich geht es im Alltag eher um die klare Positionierung unseres Hotels. Ich führe die Steiger Hotels schon sehr KI-getrieben, digital und habe einen anderen Ansatz als die klassische Hotellerie. Du kannst bei uns zum Beispiel nur mit Karte bezahlen und ein Service-Roboter düst im Restaurant rum. Da ist dann eher mal die Frage, ob die Leute das akzeptieren. Hier gibt es viele Unterschiede.
Die Unternehmensform Ihrer Steiger Hotels lautet „eingetragener Kaufmann“ (e. K.) – wie unter anderem bei Trigema. Warum haben Sie sich dafür entschieden, unbeschränkt selbst zu haften?
Familie Grupp und uns verbindet wahrscheinlich nicht nur, dass wir aus Baden-Württemberg kommen. Für mich ist klar: Ich übernehme unternehmerische Verantwortung und zwar als eingetragener Kaufmann. Für mich war eine andere Rechtsform gar nicht vorstellbar. In unserer Familie wird das Verantwortungsbewusstsein großgeschrieben. Deshalb sind meine Hotels auch ein Familienunternehmen und ich übernehme persönlich die Verantwortung für unser Tun.
Wie sind Ihre sechs Vier-Sterne-Hotels durch die bisherigen Krisen gekommen?
In meinen jetzt elf Jahren als Unternehmerin habe ich eines gelernt: Krise kann ich. Coronapandemie, Waldbrand, Hochwasser, Hackerangriff – jede Krise ist anders. Was immer geholfen hat, waren starke Beziehungen zu allen Menschen, die dazu beitragen, dass unser Unternehmen funktioniert. Transparenz, Schnelligkeit, Veränderungsbereitschaft und Verantwortung für die Situation zu übernehmen waren, denke ich, die wichtigsten Aspekte. 2024 wurde ich mit dem Unternehmerpreis ausgezeichnet – wegen der Hochwasserbedrohungslage konnte ich fast nicht zur Preisverleihung kommen. Krisen sind Bestandteil der Wirtschaft und wir tun uns leichter, wenn wir das einfach akzeptieren, statt darüber zu lamentieren. Aber die wichtigste Fähigkeit ist dabei: schnelle Anpassungsfähigkeit ohne große Emotionen gegenüber der Vergangenheit und niemals, wirklich niemals den Satz sagen: „Das haben wir immer schon so gemacht“.

Apparthotel Bad Schandau by Steiger Hotels. Abbildung: Steiger Hotels
Was zählt aktuell zu den größten wirtschaftlichen Herausforderungen für Sie?
Definitiv der zunehmende Anteil an Arbeitskosten, sprich Sozialabgaben. Wirtschaftliche Unsicherheit hatten und haben wir immer. Natürlich würde ich mir hier ein starkes Wachstum wünschen, aber mit diesen Verhältnissen können wir umgehen. Ich würde sonst nicht ein weiteres Hotel eröffnen. Aber die staatlichen Lasten von Bürokratie, Abgaben und vielen, vielen Vorschriften sind eine kaum kalkulierbare Herausforderung. Vor allem, weil die Menschen immer preissensibler werden und wir die Kosten nicht weitergeben können, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Was erwarten Sie von Landes- und Bundesregierung?
Konkret: „Einfach mal machen“. Wir haben viel zu viele Debatten darüber, was nicht geht. Das kann ich als Unternehmerin einfach nicht mehr hören. Wir haben nicht endlos Zeit, sondern müssen auf Herausforderungen schnell reagieren.
Und wir brauchen einen Agenda-2010-Moment, da bin ich ganz ehrlich. Ohne Reformen im Sozialsystem und bei den Steuern sind wir in ziemlich kurzer Zeit nicht mehr wettbewerbsfähig. Wir müssen schnell, effizient und veränderungsbereit sein.
Welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit bei den Steiger Hotels?
Eine sehr große! Wir sind auf einem guten Weg, haben aber auch noch den meisten Teil vor uns. In der Hotellerie wurde die Nachhaltigkeit viel zu lange total verpennt – und das ist auch heute noch so. Oft beobachtet man in unserer Branche Innovationsstau und den Hang zum Greenwashing.
Wir gehen das anders an. Seit 2020 haben wir ein laufendes Energie-Audit und investieren gezielt: Solarthermie, Blockheizkraftwerke und Photovoltaik für die Energieversorgung, Self-Check-in und digitale Prozesse statt Papier, und beim Bauen setzen wir auf Upcycling, regionale Materialien und kurze Wege. Im Geschäftsjahr 2025 konnten wir unseren CO2-Ausstoß trotz gestiegener Auslastung um 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr senken. Und noch etwas, das in der Branche oft vergessen wird: Nachhaltigkeit, richtig und langfristig gedacht, senkt auch Kosten. Weniger Energieverbrauch, weniger Ressourcenverschwendung – das schlägt sich direkt in der Bilanz nieder. Für mich ist Nachhaltigkeit deshalb keine Frage der Moral allein, sondern auch eine unternehmerische Entscheidung.

Ein Schlafzimmer im Apparthotel Bad Schandau by Steiger Hotels. Das Jahr 2026 steht bei der Hotelgruppe unter dem Motto „Zeit, dass sich was dreht.“ Abbildung: Steiger Hotels
Wie lautet Ihre Vision für die Steiger Hotels?
2026 steht bei uns unter dem Motto „Zeit, dass sich was dreht“. Wir möchten ein Ort für unbeschwerten Urlaub mit höchstem Komfort sein: „Zu Gast bei Freunden“. Für unser Team haben wir 2026 das Programm „Gute Laune, Gute Arbeit“ ausgerufen, um den Teamgeist zu stärken und gemeinsam Fortschritte zu machen.
Persönlich sehe ich es als meine Aufgabe und als großes Privileg, die Steiger Hotels zu einem coolen Unternehmen zu machen, das eine neue Generation gern weiterführt. Was bewegen, was reißen und dabei eine gute Zeit haben.
Vielen Dank.
Die Fragen stellte Robert Nehring.




























