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Jetzt machen: Das Ostdeutsche Wirtschaftsforum 2026

Vom 31. Mai bis 2. Juni fand im bran­den­bur­gi­schen Bad Saa­row das elf­te Ost­deut­sche Wirt­schafts­fo­rum (OWF) statt. Das Mot­to lau­te­te: „Eine neue (Un)ordnung“. Wir waren wie­der vor Ort.

Das OWF feierte bei Sonnenschein seinen elften Geburtstag. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen/Brundert, Marquardt

Das Ost­deut­sche Wirt­schafts­fo­rum 2026 lud erneut nach Bad Saa­row ein. Abbil­dung: Deutsch­land - Land der Ideen/Brundert, Marquardt

Das „Davos des Ostens“ begann bei Son­ne satt am „Mär­ki­schen Meer“, dem Schar­müt­zel­see. Aber wo viel Licht ist, da ist auch viel Schat­ten. Dar­auf wie­sen unter ande­rem zwei Stu­di­en hin, die auf dem Forum vor­ge­stellt wur­den. Das OWF-Trans­for­ma­ti­ons­ba­ro­me­ter zeigt, dass jedes zwei­te Unter­neh­men in Ost­deutsch­land die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung die­ser Regi­on nega­tiv ein­schätzt und dass nur 14 Pro­zent künf­tig mehr als bis­her inves­tie­ren wol­len. Der Wett­be­werbs­re­port Ost­deutsch­land 2026 stellt fest, dass das Brut­to­in­lands­pro­dukt je Erwerbs­tä­ti­gen in den ost­deut­schen Flä­chen­län­dern bei etwa 85 Pro­zent des west­deut­schen Niveaus liegt (vor zehn Jah­ren: 78 Pro­zent), die Zahl der Erwerbs­per­so­nen in Ost­deutsch­land bis zum Jahr 2035 vor­aus­sicht­lich um sie­ben Pro­zent zurück­ge­hen wird und das Median­ver­mö­gen ost­deut­scher Haus­hal­te im Schnitt nur rund ein Vier­tel des west­deut­schen beträgt.

Lähmende Stagnation

Ganz Deutsch­land befin­det sich seit etwa 2019 in einer End­los­kri­se. Die Wirt­schaft ande­rer Län­der wächst längst wie­der, unse­re nicht. Für West­deutsch­land ende­te ein Zyklus von 80 Jah­ren, in denen es im Gro­ßen und Gan­zen nur berg­auf ging. Nun haben sich die Vor­aus­set­zun­gen, unter denen dies mög­lich war, jedoch fun­da­men­tal ver­än­dert. Die­se Ent­wick­lung wur­de auf dem OWF mehr­fach beschrieben.

Den Osten des Lan­des trifft die Sta­gna­ti­on auf­grund sei­nes wirt­schaft­li­chen Rück­stan­des här­ter. Er bräuch­te wei­ter­hin eine Spe­zi­al­be­hand­lung, aber die ist kaum zu erken­nen. Obwohl eini­ge Regio­nen längst auf­ge­schlos­sen haben, droht der Abstand ganz Ost­deutsch­lands zum Wes­ten wie­der grö­ßer zu werden.

Ostdeutschland ist keine Defizitregion

Die Ost­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung, Eli­sa­beth Kai­ser (SPD), mahn­te, Ost­deutsch­land nicht als Defi­zit­re­gi­on zu stig­ma­ti­sie­ren. Denn hier gelin­ge auch sehr viel und es gebe gro­ßes Poten­zi­al. So lie­ge auch das Wirt­schafts­wachs­tum höher als im Westen.

Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser, wies bei ihrer Rede darauf hin, dass das Wirtschaftswachstum in Ostdeutschland höher liegt als im Westen Deutschlands. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen/Brundert, Marquardt

Die Ost­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung, Eli­sa­beth Kai­ser, warn­te davor, Ost­deutsch­land als Defi­zit­re­gi­on zu stig­ma­ti­sie­ren. Abbil­dung: Deutsch­land - Land der Ideen/Brundert, Marquardt

Viel­fach wur­de auf dem Forum vor­ge­bracht, dass eine Visi­on, ein wirt­schaft­li­ches Gesamt­kon­zept, eine Indus­trie­stra­te­gie für Deutsch­land feh­le. Nötig sei eine Schwer­punkt­set­zung, eine ver­läss­li­che Fest­le­gung auf zu för­dern­de Zukunfts­tech­no­lo­gien. Die Sehn­sucht nach einem Mas­ter­plan ließ einen Red­ner sogar die Kraft bewun­dern, die ein (chi­ne­si­scher) Fünf-Jah­res-Plan entfalte.

Strompreissenkung und Bürokratieabbau

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig betonte wie 2025 das große Wirtschaftspotenzial des Ostseeraumes. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen/Brundert, Marquardt

Meck­len­burg-Vor­pom­merns Minis­ter­prä­si­den­tin Manue­la Schwe­sig beton­te das gro­ße Wirt­schafts­po­ten­zi­al des Ost­see­rau­mes. Abbil­dung: Deutsch­land - Land der Ideen/Brundert, Marquardt

Die ost­deut­schen Län­der­chefs Manue­la Schwe­sig (SPD) und Diet­mar Woid­ke (SPD) hat­ten eine Kern­bot­schaft im Gepäck: STROMPREIS RUNTER! Der Minis­ter­prä­si­dent von Bran­den­burg for­der­te dar­über hin­aus, die Wirt­schaft auf die Eins zu set­zen. Sie finan­zie­re alles ande­re. Meck­len­burg-Vor­pom­merns Minis­ter­prä­si­den­tin Schwe­sig hob zudem wie schon auf dem OWF 2025 das gro­ße wirt­schaft­li­che Poten­zi­al des Ost­see­rau­mes hervor.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke rief in seiner Rede dazu auf, die Wirtschaft auf die Eins zu setzen. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen/Brundert, Marquardt

Bran­den­burgs Minis­ter­prä­si­dent Diet­mar Woid­ke rief dazu auf, die Wirt­schaft zu prio­ri­sie­ren. Abbil­dung: Deutsch­land - Land der Ideen/Brundert, Marquardt

Der drit­te anwe­sen­de Minis­ter­prä­si­dent, Sven Schul­ze (CDU) – wie in MV ste­hen auch in sei­nem Bun­des­land in etwa 100 Tagen rich­tung­wei­sen­de Wah­len an – zeig­te unter ande­rem, wie man Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren beschleu­ni­gen kann. In Sach­sen-Anhalt wird gera­de eine von drei Ver­wal­tungs­ebe­nen aufgelöst.

Auch Kars­ten Wild­ber­ger (CDU), Bun­des­mi­nis­ter für Digi­ta­les und Staats­mo­der­ni­sie­rung, berich­te­te von erfolg­ten Wei­chen­stel­lun­gen. Er hob den Fort­schritt bei den Digi­ta­li­sie­rungs­pro­jek­ten Deutsch­land-Stack und Deutsch­land-App her­vor und beton­te die Chan­cen, die künst­li­che Intel­li­genz biete.

Bundeskanzler: „Sehr gute Jahre liegen vor uns!“

Mit gro­ßer Span­nung wur­de die Rede des Bun­des­kanz­lers erwar­tet. Den Mas­ter­plan für Deutsch­land hat­te Fried­rich Merz (CDU) nicht dabei. Auch kein umfas­sen­des Reform­pa­ket, das vie­le erseh­nen. Dafür zähl­te der Bun­des­kanz­ler eine Rei­he erreich­ter Fort­schrit­te auf, nöti­ge Kor­rek­tu­ren am Kurs der letz­ten Jahr­zehn­te. Merz stell­te klar, dass es einen „Big-Bang“, der alle Pro­ble­me löse, auch nicht geben wer­de. Vehe­ment wand­te er sich gegen den weit­ver­brei­te­ten Pes­si­mis­mus im Land. Für die­sen gebe es kei­nen Grund, denn: „Es lie­gen nicht die bes­ten Jah­re unse­res Lan­des hin­ter uns, aber es lie­gen sehr gute Jah­re vor uns.“ Dazu warb er für gemein­sa­mes Han­deln über Par­tei­gren­zen hin­weg. Die AfD ist damit aller­dings nicht gemeint. Fried­rich Merz mach­te über­deut­lich, dass es mit ihm kein Zurück vor die Ade­nau­er­zeit geben wer­de, wie es die AfD anstrebe.

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz war auf dem OWF zu Gast. Er warb für gemeinsames Handeln über Parteigrenzen hinweg. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen/Brundert, Marquardt

Bun­des­kanz­ler Fried­rich Merz auf dem Ost­deut­schen Wirt­schafts­fo­rum 2026: „Es lie­gen nicht die bes­ten Jah­re unse­res Lan­des hin­ter uns, aber es lie­gen sehr gute Jah­re vor uns.“ Abbil­dung: Deutsch­land - Land der Ideen/Brundert, Marquardt

Ost­deutsch­land kommt für Bun­des­kanz­ler Merz bei der Ent­wick­lung des gesam­ten Lan­des eine Schlüs­sel­rol­le zu. Vor allem die star­ke For­schungs­land­schaft und das gro­ße Poten­zi­al in Sachen erneu­er­ba­re Ener­gien, etwa für die Was­ser­stoff­wirt­schaft, sei­en Trümp­fe, die aus­ge­spielt wer­den können.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze rief die OWF-Teilnehmer dazu auf, zu handeln, anstatt immer nur dasselbe zu reden. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen/Brundert, Marquardt

Minis­ter­prä­si­dent Sven Schul­ze schafft in Sach­sen-Anhalt eine Ver­wal­tungs­ebe­ne ab. Abbil­dung: Deutsch­land - Land der Ideen/Brundert, Marquardt

Einfach mal machen

Minis­ter­prä­si­dent Schul­ze sag­te auf dem OWF den Satz: „Wir reden auf dem OWF immer das­sel­be, aber wir müs­sen es auch mal ver­ste­hen.“ Tat­säch­lich sind Wirt­schafts­fo­ren wie das „Davos des Ostens“ natur­ge­mäß „Orte der Wor­te“. Bei die­ser Aus­ga­be jedoch konn­te man den Ein­druck gewin­nen, dass sich etwas ver­än­dert hat. Statt dem tra­di­tio­nel­len „Wir müs­sen mal dar­über nach­den­ken“ hieß es hier des Öfte­ren „Wir haben dies getan und wer­den als Nächs­tes das umset­zen“. Dem­nach scheint das Han­deln-Müs­sen ange­kom­men zu sein. Ob das Tem­po der Maß­nah­men reicht, wird bald zu spü­ren sein.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, Ministerpräsident Dietmar Woidke, OWF-Direktorin Juliane Nandra und OWF-Gründer Frank Nehring vor dem Logo des OWF. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen/Brundert, Marquardt

Minis­ter­prä­si­den­tin Manue­la Schwe­sig, Minis­ter­prä­si­dent Diet­mar Woid­ke, OWF-Direk­to­rin Julia­ne Nan­dra und OWF-Grün­der Frank Neh­ring (v. l. n. r.). Abbil­dung: Deutsch­land - Land der Ideen/Brundert, Marquardt

 

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