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Bernhard Heisig: Spuren eines bewegten Künstlerlebens

Seit dem 9. Okto­ber 2026 ist das ver­schol­len geglaub­te Bild „Begeg­nung mit Bil­dern“ von Bern­hard Hei­sig im Rah­men einer Aus­stel­lung im Mili­tär­his­to­ri­schen Muse­um der Bun­des­wehr in Dres­den zu bewun­dern. Wir wid­men dem Ver­tre­ter der „Leip­zi­ger Schu­le“ ein Porträt.

Bernhard Heisigs Gemälde „Begegnung mit Bildern“ ist zum MHMBw Dresden zurückgekehrt. Abbildung: VG Bild-Kunst, Bonn 2026/ bpk / Nationalgalerie, SMB / Andres Kilger

Bern­hard Hei­sigs Gemäl­de „Begeg­nung mit Bil­dern“ ist zum MHMBw Dres­den zurück­ge­kehrt. Abbil­dung: VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / bpk / Natio­nal­ga­le­rie, SMB / And­res Kilger

Das Mili­tär­his­to­ri­sche Muse­um der Bun­des­wehr hat­te sich im Vor­feld sei­ner vom 9. Okto­ber 2026 bis 31. August lau­fen­den Aus­stel­lung „Kunst auf Kom­man­do? Wer­ke zur Natio­na­len Volks­ar­mee der DDR“ mit der For­schung von Kunst­be­stän­den aus der Zeit der DDR befasst. Dabei stie­ßen die For­scher auf das cir­ca 1981 erschaf­fe­ne Gemäl­de von Bern­hard Hei­sig. Das Bild gelang­te in den spä­ten 1980er-Jah­ren als Leih­ga­be vom Vor­gän­ger­mu­se­um des Mili­tär­his­to­ri­schen Muse­ums Dres­den (dem Armee­mu­se­um der DDR) zur Natio­nal­ga­le­rie nach Berlin.

Bewusstsein für Militarismus

Hei­sig schuf Ende der 1970er-Jah­re meh­re­re Ein­zel­wer­ke sowie ein Tri­pty­chon mit dem Titel „Begeg­nung mit Bil­dern“. Von die­sen Ein­zel­wer­ken exis­tie­ren bzw. exis­tier­ten ver­schie­de­ne Fas­sun­gen. Auf­grund der kom­ple­xen Ent­ste­hungs­ge­schich­te ist es schwie­rig, die Werk­i­den­ti­tät des Gemäl­des klar festzulegen.

Bei dem Werk „Begeg­nung mit Bil­dern“ han­delt es sich um ein Ölge­mäl­de auf Lein­wand mit den Maßen 101 x 80 cm. Es zeigt ein Por­trät von Hei­sigs Sohn Wal­ter Eis­ler. Wäh­rend eines Ate­lier­be­suchs sei­nes Soh­nes, der 1975 zum Mili­tär­dienst bei der NVA beru­fen wur­de, fiel Hei­sig die Ähn­lich­keit der NVA-Uni­for­men mit den Wehr­machts­uni­for­men auf. Laut dem Mili­tär­his­to­ri­schen Muse­um hat­te Hei­sig durch die „Begeg­nung mit Bil­dern“ sei­nes Groß­va­ters aus dem Ers­ten Welt­krieg sowie sei­nes Vaters und ihm selbst aus dem Zwei­ten Welt­krieg die Absicht, das Bewusst­sein sei­nes Soh­nes für den kon­ti­nu­ier­li­chen Mili­ta­ris­mus zu erwe­cken. Beim Hin­ter­grund des Por­träts hat sich Hei­sig vom Tri­pty­chon „Der Krieg“ des Malers Otto Dix inspi­rie­ren las­sen, das einen Sol­da­ten aus dem Ers­ten Welt­krieg zeigt.

Ausbildung und DDR-Karriere

Bern­hard Hei­sig wur­de 1925 in Bres­lau gebo­ren. Sein Vater Wal­ter Hei­sig war eben­falls Maler und Gra­fi­ker. Bei ihm absol­vier­te er sei­ne ers­te Aus­bil­dung. Von 1942 bis 1945 nahm Bern­hard Hei­sig als Kriegs­frei­wil­li­ger am Zwei­ten Welt­krieg teil. Die trau­ma­ti­schen Erleb­nis­se aus die­ser Zeit ver­ar­bei­te­te der Maler spä­ter in sei­nen Bil­dern. Er geriet in sowje­ti­sche Kriegs­ge­fan­gen­schaft, wur­de aus Bres­lau ver­trie­ben und zog nach Zeitz in Sachsen-Anhalt.

Bernhard Heisig war Dozent und Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Abbildung: Elisabeth Heinemann, Wikimedia Commons

Bern­hard Hei­sig war Dozent und Rek­tor der Hoch­schu­le für Gra­fik und Buch­kunst in Leip­zig. Abbil­dung: Eli­sa­beth Hei­ne­mann, Wiki­me­dia Commons

Hei­sig stu­dier­te ab 1948 zunächst an der Fach­hoch­schu­le für ange­wand­te Kunst in Leip­zig und ab 1949 an der Aka­de­mie für gra­fi­sche Küns­te und Bau­ge­wer­be. 1954 begann er sei­ne Tätig­keit als Dozent an der Hoch­schu­le für Gra­fik und Buch­kunst Leip­zig, 1961 wur­de er zum Pro­fes­sor ernannt und schließ­lich Rek­tor der Hoch­schu­le. Von 1956 bis 1958 war er Vor­sit­zen­der des Ver­ban­des Bil­den­der Künst­ler (VBK) des Bezirks Leipzig.

Bernhard Heisig (links) mit Erich Honecker und Willi Sitte bei einem Rundgang durch die zehnte Kunstausstellung der DDR im Albertinum Dresden. Abbildung: Rainer Mittelstädt, Das Bundesarchiv, Wikimedia Commons

Bern­hard Hei­sig (links) mit Erich Hon­ecker und Wil­li Sit­te bei einem Rund­gang durch die zehn­te Kunst­aus­stel­lung der DDR im Alber­ti­num Dres­den. Abbil­dung: Rai­ner Mit­tel­städt, Das Bun­des­ar­chiv, Wiki­me­dia Commons

1964 übte Hei­sig auf dem fünf­ten Kon­gress des VBK Kri­tik an der DDR-Kul­tur­po­li­tik und der Pro­gram­ma­tik des „Bit­ter­fel­der Weges“. Dar­auf­hin wur­de er als Rek­tor abge­setzt. 1971 erfolg­te sei­ne Reha­bi­li­ta­ti­on durch Erich Hon­ecker. 1974 wur­de Hei­sig zum Vize­prä­si­den­ten des VBK der DDR ernannt. 1976 kehr­te er an die Leip­zi­ger Hoch­schu­le zurück, deren Rek­tor er eben­falls wie­der wur­de. Nach der Über­ga­be die­ser Funk­ti­on 1987 an sei­nen Schü­ler Arno Rink ging er wei­ter­hin sei­nen Lehr­ver­pflich­tun­gen nach. Der Maler Neo Rauch war von 1986 bis 1990 Meis­ter­schü­ler und von 1993 bis 1998 Assis­tent von Bern­hard Hei­sig. Im Dezem­ber 1989 gab Hei­sig die ihm 1972 und 1978 ver­lie­he­nen Natio­nal­prei­se der DDR aus Pro­test gegen die Poli­tik der ehe­ma­li­gen DDR-Füh­rung zurück.

„Ikarus“ und Helmut-Schmidt-Porträt

Hei­sig ist neben der „Begeg­nung mit Bil­dern“ auch für das Gemäl­de „Ika­rus“ bekannt. Es ent­stand im Jahr 1975 als Auf­trags­ar­beit für das Haupt­foy­er des Palasts der Repu­blik. Das Bild wid­met sich dem Höhen­flug und Absturz des Ika­rus, einer Gestalt aus der grie­chi­schen Mytho­lo­gie. Es han­delt sich um ein monu­men­ta­les Ölge­mäl­de auf Leinwand.

Das Gemälde „Ikarus“ gehört zu denk bekanntesten Werken von Bernhard Heisig. Abbildung: Das Bundesarchiv, Wikimedia Commons

Das Gemäl­de „Ika­rus“ gehört zu den bekann­tes­ten Wer­ken von Bern­hard Hei­sig. Abbil­dung: Das Bun­des­ar­chiv, Wiki­me­dia Commons

Hei­sig hat­te schon zu DDR-Zei­ten Aus­stel­lun­gen im Aus­land. So prä­sen­tier­te er sei­ne Wer­ke unter ande­rem 1977 im Rah­men der Docu­men­ta 6 in Kas­sel aus. Ein wei­te­res bekann­tes Gemäl­de von ihm ist das Por­trät des Alt­bun­des­kanz­lers Hel­mut Schmidt aus dem Jahr 1986, das der Maler für die Kanz­ler­ga­le­rie im Bun­des­kanz­ler­amt anfertigte.

Nach dem Bau eines Ate­lier­hau­ses leb­te Hei­sig mit sei­ner zwei­ten Ehe­frau Gud­run Brü­ne in Stro­deh­ne, einem Orts­teil der Gemein­de Havel­aue in Bran­den­burg. Dort starb er im Jahr 2011.

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