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Buchvorstellung: „Es war einmal ein Land“ von Jana Hensel

Heu­te ist Jana Hen­sels Buch „Es war ein­mal ein Land. War­um sich der Osten von der Demo­kra­tie ver­ab­schie­det“ erschie­nen. Ein Warn­ruf im Grund­ton der Resi­gna­ti­on und das in einem für Ost­deutsch­land ent­schei­den­den Wahljahr.

BUCHTIPP:

Cover Jana Hensel: Es war einmal ein LandJana Hen­sel: „Es war ein­mal ein Land. War­um sich der Osten von der Demo­kra­tie ver­ab­schie­det“, Auf­bau-Ver­lag, Ber­lin 2026, 263 Sei­ten, 22 € (Hard­co­ver).

„Es war ein­mal ein Land“ folgt einer stei­len The­se: Ost­deutsch­land ver­ab­schie­det sich von der Demo­kra­tie. Die­se Grund­an­nah­me steht zum Bei­spiel im Wider­spruch zu den Ergeb­nis­sen der gro­ßen Auto­ri­ta­ris­mus-Stu­die. Die­ser zufol­ge befür­wor­te­ten zuletzt 95 Pro­zent der Ost­deut­schen die Idee der Demo­kra­tie (West­deutsch­land: 90 Pro­zent). Im Osten des Lan­des waren 2024 zwar nur noch 30 Pro­zent zufrie­den damit, wie Demo­kra­tie hier­zu­lan­de prak­ti­ziert wird – im Wes­ten übri­gens auch nur 46 Pro­zent. Aller­dings besteht ein wesent­li­cher Unter­schied zwi­schen Idee und Umset­zung. Stich­wort DDR.

Der Leser aber weiß natür­lich, was gemeint ist: die AfD und ihre Wäh­ler. Der ver­meint­li­chen Alter­na­ti­ve für Deutsch­land dia­gnos­ti­ziert die Autorin eine aus­ge­präg­te Zer­stö­rungs­lust in Bezug auf Par­tei­en, Medi­en und ande­re demo­kra­ti­sche Institutionen.

Dies sei ein Buch, das sie nie­mals habe schrei­ben wol­len, erklärt Jana Hen­sel, gebo­ren 1976 in Bor­na, auf­ge­wach­sen in Leip­zig, Autorin der „Zonen­kin­der“ (2002) und seit vie­len Jah­ren Jour­na­lis­tin bei Die Zeit. Die Demo­kra­tie habe den Ost­deut­schen nicht das gebracht, was sie sich erhofft hät­ten. Der Osten drif­te vom Wes­ten weg. Er wer­de lau­ter, wüten­der, selbst­be­wuss­ter, kom­pro­miss­lo­ser, unver­söhn­li­cher. Und so ist sich die Autorin sicher: „Das Ende der Demo­kra­tie in Ost­deutsch­land wird kom­men. Viel­leicht ist es schon da. Wir soll­ten also vor­be­rei­tet sein.“

Um das Ver­hält­nis von Ost und West zu beschrei­ben, nutzt Hen­sel das nicht neue Bild der ent­täusch­ten Lie­be: Der Osten sei mit vie­len Schmet­ter­lin­gen im Bauch eine Bezie­hung mit dem Wes­ten ein­ge­gan­gen. Bald bemerkt er jedoch, dass der Wes­ten die Lie­be nicht mehr erwi­dert. Der Osten wird nicht für voll genom­men, igno­riert, geg­hos­tet. Und so fol­gen Streit, Rück­zug, Rebel­li­on, Erschöp­fung, Aufgabe.

Anhand von Wahr­neh­mun­gen und Refle­xio­nen sowie Gesprä­chen, die sie geführt hat, beschreibt Hen­sel erst den Weg Ost­deutsch­lands nach links und dann des­sen Hin­wen­dung nach rechts. Den Wen­de­punkt mar­kiert die soge­nann­te Flücht­lings­kri­se 2015.

Bei die­ser Erzäh­lung wird noch ein­mal deut­lich, was für einen beson­ders tie­fen Ein­schnitt die Hartz-IV-Geset­ze für Ost­deutsch­land bedeu­tet haben. Damals war hier jeder Drit­te im Nied­rig­lohn­sek­tor beschäf­tigt. Des­halb tra­fen die­se Geset­ze den Osten beson­ders hart. Vie­le wähl­ten dar­auf­hin PDS.

Hen­sel erin­nert an die Rol­le von Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel und Bun­des­prä­si­dent Gauck, mit denen für vie­le im Wes­ten die Ossi­quo­te in der Poli­tik voll erfüllt war. Ange­la Mer­kel sei aller­dings erfolg­reich gewe­sen, weil sie ihre ost­deut­sche Prä­gung nicht in den Vor­der­grund rück­te. In ihrem ers­ten Kabi­nett gab es kei­nen ost­deut­schen Minis­ter, im zwei­ten durf­te Johan­na Wan­ka nach­rü­cken. Und der Ros­to­cker Pfar­rer Joa­chim Gauck habe sich als „Vor­zei­ge­de­mo­krat“ in einer Wei­se in Sze­ne gesetzt, die ihn von den Ost­deut­schen eher trennte.

2009 liegt die Wahl­be­tei­li­gung bei der Bun­des­tags­wahl im Osten nur noch bei 65 Pro­zent, 2013 bei 68 Pro­zent. Zum Ver­gleich: Im März 1990 gin­gen zur „ers­ten frei­en“ Wahl noch 93 Pro­zent an die Urne. Hen­sel erkennt hier stil­len Pro­test – Resi­gna­ti­on, die dann 2015 in Wut umschlägt. 2016 lan­det die AfD in Sach­sen-Anhalt und Meck­len­burg-Vor­pom­mern bei über 20 Pro­zent. 2017 zieht sie in den Bun­des­tag ein – mit 22 Pro­zent im Osten. 2019 bekommt sie in Sach­sen 27,5 Pro­zent und plötz­lich – so Hen­sel – erzäh­le sich der Osten erst­mals sei­ne eige­ne Geschichte.

Auf die pas­si­ve Pha­se des Rück­zugs vie­ler Ost­deut­scher fol­ge mit dem Zustrom, den die AfD im Osten ver­zeich­net, eine akti­ve, wobei die­se Par­tei eher zufäl­lig zu dem wer­de, wor­auf sich nun so vie­le eini­gen. Schließ­lich sei sie von west­deut­schen Euro­kri­ti­kern gegrün­det wor­den. Wird die AfD heu­te gewählt, obwohl sie rechts­ra­di­kal ist, und weni­ger, weil sie es ist, fragt Hen­sel. In jedem Fall sei sie nun der Ort des Pro­tests, den Ost­deutsch­land erst nach links getra­gen habe.

Hen­sel zeich­net die Kar­rie­ren von Tino Chrup­al­la und Frau­ke Petry nach. Bei­de sind wirt­schaft­lich im Osten geschei­tert. Chrup­al­la bestä­tigt: „Jede Kri­se bringt der AfD mehr Wäh­ler.“ Und ein Mit­ar­bei­ter aus dem AfD-Umfeld sagt ganz offen: „Die AfD treibt mit den Ost­deut­schen ihr ideo­lo­gi­sches Spiel und ein poli­ti­sches Geschäft.“

Die Autorin zitiert Manue­la Schwe­sig: „Wir bekom­men im Osten jetzt die Quit­tung dafür, dass bis­her jede Bun­des­re­gie­rung über vie­le Pro­ble­me und Ant­wor­ten aus dem Osten hin­weg­ge­gan­gen ist.“ Hen­sel fragt sich, ob im Spie­gel­jahr 2029 zu Ende gehen wer­de, was nach 40 Jah­ren DDR dann 40 Jah­re gedau­ert habe. Das sind kei­ne guten Aus­sich­ten, aber es ist abso­lut legi­tim, hier ohne Hap­py End zu schlie­ßen. Jana Hen­sels Buch ist erhel­lend. Eine Art letz­ter Warn­ruf. Aber es wer­den noch vie­le folgen.

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