Mit gewohnt spitzer Feder widmet sich Daniel Heidrich diesmal dem Wesen der repräsentativen Demokratie. Offenbar wird sie von vielen missverstanden. Heute stelle sich die dringende Frage, wer wir künftig sein wollen.

Daniel Heidrich wurde 1975 in Berlin-Köpenick geboren. Er ist ein erfolgreicher und meinungsstarker ostdeutscher Unternehmer. ebk-gruppe.com
„In diesem Kampf gilt es zunächst und vor allem, den Faschismus niederzuringen […] Der Sturz der Regierung durch den Reichstag kann nur das Signal sein für den Aufmarsch und die Machtentfaltung der breitesten Massen außerhalb des Parlaments, um in dem Kampf das ganze Gewicht der wirtschaftlichen und sozialen Leistung der Schaffenden und auch die Wucht der großen Zahl einzusetzen. […] Ich eröffne den Reichstag in Erfüllung meiner Pflicht als Alterspräsidentin und in der Hoffnung, trotz meiner jetzigen Invalidität das Glück zu erleben, als Alterspräsidentin den ersten Rätekongreß Sowjetdeutschlands zu eröffnen.“ (Clara Zetkin, 30.08.1932)
Man kann sagen, dass die Zeiten in Deutschland schon einmal rauer waren. Man muss sagen, dass die repräsentative Demokratie in ihren Anfängen nie den Gedanken verfolgte, dass alle beteiligt werden, geschweige denn mitbestimmen dürfen. Die Nazis, die Kommunisten und Konservativen lehnten aus unterschiedlichsten Gründen die repräsentative Demokratie in der Weimarer Republik ab. Nach ihrer Erzählung entsprach sie nicht dem Volkswillen. Damit hatten sie sogar Recht. Und so fegte das deutsche Volk mithilfe des Reichstags die repräsentative Demokratie hinweg. Es waren eben nicht ein paar Industrielle, die durch einen Pakt mit Hitler die Demokratie zerstörten. Es waren mehr oder weniger alle, die die Nase voll hatten von der repräsentativen!!!!! Demokratie. Sie hatte nicht geliefert.
Wenn also jetzt mit den Landtagswahlen im Osten die nächste Landeskristallnacht erwartet wird, Polizei, Pfleger und alle Lehrer schon mal in den Widerstand gehen sollen, dann ist das nichts weiter als historischer Unfug. Mir macht die AfD keine Angst. Ich finde vieles, was sie fordert, bescheuert und unappetitlich. Als Unternehmer kann ich nur sagen: Macht mal. Ich investiere in einem solchen Bundesland sicher nichts. „Zur Demokratie gehört aber auch der Gedanke, dass Ordnungen, die nicht mehr leisten, was sie versprechen, jederzeit beseitigt werden können.“ (Jörg Baberowski, „Am Volk vorbei“, C.H. Beck 2026, S. 30).
Zu lange haben wir die Setzung gesellschaftlicher Normen mit der Demokratie selbst gleichgesetzt. Wir haben durch Bürokratie und die Verrechtlichung dieser Normen die Rauheit aus dem politischen Leben entfernt und eine Langeweiledemokratie erschaffen. Wer wollte es unseren Großeltern nach dem Zweiten Weltkrieg auch verdenken? Die Volkssouveränität hat zu viel Schaden angerichtet, als dass wir ihr je wieder Macht verleihen wollten. Wohlstand und Ruhe waren das westdeutsche Trostpflaster und gleichzeitig Opium fürs Volk.
Das ist jetzt vorbei! Jetzt geht es wieder ums Eingemachte. Es geht wieder darum, wer wir sind, wer wir sein wollen und was unsere Kultur ist. „Die kulturelle Anschlussfähigkeit ist der politischen Resonanzfähigkeit vorgelagert.“ (Holger Marcks, Politikwissenschaftler, „Based Podcast“, 24.08.2026). Es geht darum, ob wir noch ein Staat sind und, wenn ja, welcher? Nach den Merkel-Jahren waren vier der wichtigsten Merkmale eines Staates nicht mehr vorhanden.
Erstens: Ich besitze keine Waffen und übertrage das Gewaltmonopol. Dafür schützt mich der Staat. Nach Merkel war unser Land nicht mehr verteidigungsfähig, und unsere Weihnachtsmärkte sehen aus wie Hochsicherheitsveranstaltungen.
Zweitens: Wir geben unser Geld ab, damit der Nationalstaat Aufgaben erledigt, die ich nicht erledigen kann. Das Ergebnis: marode Brücken, Schulen ohne Klimaanlage, kein Zug kommt mehr pünktlich und die schwarze Null verbot Investitionen.
Drittens: Die Grenzen. Wir konnten die Grenzen unseres Staates nicht mehr schützen. Wir hatten und haben nicht im Griff, wer kommt, wie viele davon kommen, und wir können niemanden rauswerfen. Ein Staat ohne Grenzen ist keiner.
Viertens: die Kultur. Ein Staatsvolk braucht Identifikationsmerkmale, sonst macht es keinen Sinn, sich mit den anderen verbunden zu fühlen und für sie einzustehen. Wir haben so viele doppelte Staatsbürger. Werden sie an meiner Seite kämpfen, wenn ich mit der Bundeswehr den Kampf aufnehmen muss? Ich habe da so meine Zweifel.
Aber ohne souveränen Staat keine Staatsbürger und ohne Staatsbürger keine Demokratie. Wir ringen gerade um unsere Identität und auch das ist demokratisch. Ich persönlich habe dazu eine klare Haltung. Ich kann aber jeden verstehen, der mit dem Staat und den aktuellen Normen nicht mehr einverstanden ist.
Und wenn wir jetzt um die Normen und den Staat ringen, dann müssen wir uns als Erstes darauf einigen, was Demokratie ist. Demokratie ist eben nicht der Schutz von Minderheitsrechten. Minderheitsrechte sind das Ergebnis einer aufgeklärten Demokratie, aber eben nicht die Demokratie selbst. Demokratie ist allein die friedliche Veränderung der Machtverhältnisse, denn „in einer Demokratie müssen die herrschenden Personen damit rechnen, die Macht wieder zu verlieren, und zugleich müssen sie davon überzeugt sein, sie jederzeit durch Wahlen wiedererlangen zu können“ (Baberowski, S. 31). Und: „Erst nach einer Wahl werden wir wissen, ob wir in einer Demokratie gelebt haben oder nicht. Nämlich dann, wenn die Exekutive ihre Macht gewaltlos und freiwillig abgegeben hat.“ (Philip Manow, Politikwissenschaftler).
Das ist erst einmal alles!
Ob die AfD demokratisch ist, werden wir sehen, wenn sie bereit ist, ihre Macht wieder abzugeben, Gerichtsurteile akzeptiert und freie Wahlen zulässt. Dass sie all das aktuell verhindern kann, ist so gut wie ausgeschlossen. Wir können ihr aber die Macht nach einer Wahl nicht verwehren, ohne selbst undemokratisch zu sein.
Viktor Orbán ging nach der Wahl einfach nach Hause. Die Medien hatten monatelang geschrieben, dass das niemals passieren werde. Es wurde zur Begründung, die AfD nicht an die Regierung zu lassen. Und nun hilft als Argument nur noch die Landeskristallnacht.
Noch einmal: Die AfD ist ein Ort für Landesverräter und Rassisten. Sie paktieren mit unseren Feinden und setzen somit das Leben meiner Kameraden aufs Spiel. Aber sie konnte sich zu lange hinter der Brandmauer verstecken und diesen Irren in ihrer Partei einen Platz geben. „Die Brandmauer hat die AfD vor der Demokratie beschützt und nicht die Demokratie vor der AfD.“ (Christian Stecker, Politikwissenschaftler).
Und während im Osten Deutschlands und in Osteuropa Politik wieder kulturell begründet wird, gewinnen diese Gegenden ihre Handlungsfähigkeit zurück. Ob das jetzt erfolgreiche Politik oder Politik gegen die eigene Klientel ist, bewerten allein die Wähler und nicht die Journalisten. Im sogenannten Westen Europas versucht man dagegen, die Langeweiledemokratie zu bewahren. Es wird immer noch so getan, als ob sachpolitische Argumente den Ausschlag für Wahlentscheidungen geben würden. Wer emotional und kulturell argumentiert, ist eigentlich ein Faschist. Politik wird nicht mehr errungen, sondern verrechtlicht und als schicksalhaftes Ereignis beschrieben.
Wenn Politik jedoch nur Schicksal ist, warum sollte man sich dann regieren lassen und sein Glück nicht selbst in die Hand nehmen? Technokratie und schicksalhafte Politik waren der Tenor im Sozialismus. Es gab keinen anderen Weg als den in den Kommunismus. Ein dauerhaft währender Corona-Lockdown durch wissenschaftliche Begründungen.
Machtlosigkeit bei gleichzeitiger Langeweile ist im Osten … nichts Neues.
























