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Das Magdeburger Start-up Meshwerk: Damit kein Wissen verloren geht

Die Wirt­schaft hat ein Pro­blem: Den Unter­neh­men fehlt zum einen das Erfah­rungs­wis­sen aus­schei­den­der Exper­ten und zum ande­ren die Zeit für die Ein­ar­bei­tung neu­er Mit­ar­bei­ten­der. Eine Lösung bie­tet die KI-basier­te Platt­form des Mag­de­bur­ger Start-ups Meshwerk.

Das Team von Meshwerk. Das Unternehmen hat laut Geschäftsführer Dr. Enrico Pannicke gute Wachstumschancen und ist für den Wirtschaftspreis Sachsen-Anhalt nominiert. Abbildung: Kathrain Graubaum, Meshwerk

Das Team von Mesh­werk. Laut Geschäfts­füh­rer Dr. Enri­co Pan­ni­cke hat das Unter­neh­men gute Wachs­tums­chan­cen. Abbil­dung: Kath­rain Grau­baum, Meshwerk

Zunächst eta­blier­te sich die Spar­te Medime­sh im Gesund­heits­we­sen. Vor Kur­zem habe sich das Start-up um Work­mesh für Indus­trie und Hand­werk geöff­net. Wäh­rend Enri­co Pan­ni­cke über sein Unter­neh­men spricht, fällt ihm auf: Die Grün­dung des Unter­neh­mens erfolg­te am 24. März 2022 und exakt vier Jah­re spä­ter war es für den Wirt­schafts­preis Sach­sen-Anhalt nomi­niert. Wie rasant die künst­li­che Intel­li­genz in unser Leben ein­zie­hen wür­de, konn­te er damals wohl ahnen, aber nicht genau wis­sen. Mit Mut zum Risi­ko und einer guten Por­ti­on Instinkt ent­schie­den sich der Medi­zin­tech­ni­ker Dr. Enri­co Pan­ni­cke und der Radio­lo­ge Dr. Ben­net Hen­sen für die Zukunfts­tech­no­lo­gie KI als Fun­da­ment für ihr neu­ar­ti­ges Geschäfts­mo­dell Mesh­werk. Sym­bol des Start-ups ist ein Netzwerk-Icon.

Praxisnahe Innovationen

„Wir sind inzwi­schen sechs Mit­ar­bei­ten­de im Team und haben bei Sti­mu­la­te exzel­len­te Rah­men­be­din­gun­gen zum Wach­sen“, sagt Enri­co Pan­ni­cke. Am medi­zi­ni­schen For­schungs­cam­pus Sti­mu­la­te im Mag­de­bur­ger Wis­sen­schafts­ha­fen erfor­schen und ent­wi­ckeln inter­dis­zi­pli­nä­re Teams aus den Berei­chen Kli­nik, Indus­trie und Wis­sen­schaft Tech­no­lo­gien für die bild­ge­stütz­te, mini­mal­in­va­si­ve Medi­zin. Cam­pus-Lei­ter ist Prof. Dr. Georg Rose. Bei ihm hat­te Enri­co Pan­ni­cke als einer der Ers­ten den im Jahr 2010 an der Otto-von-Gue­ri­cke-Uni­ver­si­tät Mag­de­burg gestar­te­ten Mas­ter­stu­di­en­gang „Medi­zin­tech­nik“ absol­viert. „Medi­zin­tech­nik ist ein sehr anwen­dungs­ori­en­tier­tes For­schungs­ge­biet. For­schung und Ent­wick­lung müs­sen aber auch sehr pra­xis­nah erfol­gen, damit am Ende eine wirk­li­che Inno­va­ti­on für die Pati­en­ten her­aus­kommt“, betont Pan­ni­cke. Er führt fort, dass er in die­sem Sin­ne als Lei­ter der For­schungs­grup­pe „Inter­ven­tio­nel­le Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­phie“ am For­schungs­cam­pus ziel­füh­rend arbei­ten konn­te. In sei­ner Dok­tor­ar­beit befass­te er sich mit der Ent­wick­lung von Emp­fangs­spu­len für bild­ge­führ­te Ein­grif­fe, um den Zugang zum Pati­en­ten in einem „geschlos­se­nen Magnet­re­so­nanz-Sys­tem“, also in der MRT-Röh­re, zu verbessern.

Weil Enri­co Pan­ni­cke und sein dama­li­ger Kol­le­ge Ben­net Hen­sen ihre beruf­li­che Zukunft als „Unter­neh­mer“ sahen, grün­de­ten sie gemein­sam ein Start-up – bei­de ihre Fach­kennt­nis­se nut­zend zunächst mit dem Gesund­heits­we­sen als Ziel­markt. Die Grün­dungs­idee steckt im Namen der ers­ten Spar­te: „Medime­sh – Cli­ni­cal Insights“. Die­se hat die Ver­net­zung der Med­Tech-Unter­neh­men mit Medi­zi­nern und das Gewin­nen kli­ni­scher Ein­bli­cke als Kern­ele­men­te. „Unse­re digi­ta­le Platt­form bringt Medi­zi­ner und Her­stel­ler von Medi­zin­tech­nik zusam­men, damit die Pro­duk­te stär­ker am kli­ni­schen Bedarf aus­ge­rich­tet sind und damit die Tech­nik so ein­fach wie mög­lich anzu­wen­den ist“, sagt Enri­co Pan­ni­cke. Er zeigt an sei­nem Com­pu­ter, wie die KI-basier­te Platt­form den soge­nann­ten „Work­flow“, also den Ablauf von Arbeits­schrit­ten bzw. -auf­ga­ben, erleichtert.

Mit einer KI-basierten App der Meshwerk-Plattform und Bedienungsanleitungen für medizinische Produkte strukturieren. Abbildung: Kathrain Graubaum, Meshwerk

Mit einer KI-basier­ten App der Mesh­werk-Platt­form und Bedie­nungs­an­lei­tun­gen für medi­zi­ni­sche Pro­duk­te struk­tu­rie­ren. Abbil­dung: Kath­rain Grau­baum, Meshwerk

Wer heut­zu­ta­ge den KI-Modus sei­ner Such­ma­schi­ne nutzt, der weiß, wie rasend schnell das funk­tio­niert. So kann sich auch die Mesh­werk-Platt­form in kür­zes­ter Zeit enor­mes Wis­sen aneig­nen und anwen­den. Ein Mag­de­bur­ger Kun­de, die Radio­lo­gie Paw­low, lässt sich von die­ser Platt­form eine Video­an­lei­tung erstel­len. Jeden Mor­gen wird in der Pra­xis der Kon­trast­mit­tel­in­jek­tor, das ist eine Spritz­pum­pe für MRT-Kon­trast­mit­tel, ein­ge­rich­tet. Wer das noch nicht gemacht hat, muss ein­ge­ar­bei­tet wer­den. Das kos­tet Zeit. Mesh­werk hat die Lösung: Ein­ma­lig gibt eine Fach­kraft die Anlei­tung zur Bedie­nung die­ses Gerä­tes und lässt sich dabei mit dem Han­dy fil­men. Eine KI-basier­te App der Mesh­werk-Platt­form ana­ly­siert das Han­dy-Video, struk­tu­riert die Anlei­tung neu und kom­pri­miert sie auf das Wesentliche.

Man kön­ne der KI auch unter­schied­li­che Vor­ga­ben machen, etwa über das Vor­wis­sen der Ziel­grup­pe oder über einen bestimm­ten inhalt­li­chen Fokus. Die KI ver­tont die Anlei­tung und über­setzt sie auf Wunsch in ver­schie­de­ne Spra­chen. Am Ende, so Pan­ni­cke, schlägt die App eine ein­fach zu ver­ste­hen­de Video­an­lei­tung vor, die von einer Fach­kraft bewer­tet wird. Gibt die­se grü­nes Licht, wird das Video per QR-Code an Nut­ze­rin­nen und Nut­zer ver­schickt. Die kön­nen sich dann selbst­be­stimmt, zeit­lich und räum­lich unab­hän­gig anhand der Anlei­tung schlau machen.

„Von unse­rer anfäng­li­chen Spe­zia­li­sie­rung aus­ge­hend, wol­len wir nun eine uni­ver­sel­le Platt­form für alle Bran­chen ent­wi­ckeln“, sagt Enri­co Pan­ni­cke. Das Start-up hat sich gera­de um die Spar­te Work­mesh für Indus­trie und Hand­werk erwei­tert. So möch­te sie Teil der Lösung eines all­ge­gen­wär­ti­gen Pro­blems unse­rer Gegen­wart sein: „Resul­tie­rend aus dem Per­so­nal­man­gel“, so Pan­ni­cke, „hat kaum noch jemand Zeit, jeman­dem etwas zu erklä­ren. Und wenn Fach­kräf­te weg­ge­hen, neh­men sie oft ihr Wis­sen mit, ohne es einem Nach­fol­ger zu hin­ter­las­sen. In dicken Hand­bü­chern nach­le­sen will kein Mensch. Aber unse­re KI-basier­te Platt­form kann das. Sie ist wie ein Wis­sens­staub­sauger. Saugt alles auf, was sie zu einem bestimm­ten Sach­ver­halt im Inter­net fin­det. Zusätz­lich kann sie mit sämt­li­chen vor­han­de­nen Mate­ria­li­en wie Text- und Audio­do­ku­men­ten oder auch Vide­os gefüt­tert werden.“

KI-generierte Schulungen per Video

Geschäfts­füh­rer Enri­co Pan­ni­cke ist auch Ver­trieb­ler in Per­so­na; ist also ver­ant­wort­lich für den erfolg­rei­chen Ver­kauf des Pro­duk­tes. In die­sem Zusam­men­hang war er bei der Indus­trie- und Han­dels­kam­mer in Hal­le, um dort Mesh­werk vor­zu­stel­len. Die Platt­form kann auch Schu­lun­gen und Wei­ter­bil­dungs­for­ma­te erstel­len. Die Prä­sen­ta­ti­ons­in­hal­te und deren Vor­trag wer­den von der KI gene­riert und kön­nen in unter­schied­li­chen Ver­sio­nen erstellt wer­den, etwa generationengerecht.

Und wenn jemand eine Fra­ge hat? „Dann reicht es meis­tens, sich die bestimm­te Stel­le im Video noch­mals anzu­schau­en“, der Mesh­werk-Chef ver­weist auf eine Erkennt­nis der Neu­ro­wis­sen­schaf­ten, die der Volks­mund schon in der ana­lo­gen Welt ver­in­ner­licht hat: In der Wie­der­ho­lung liegt die Mut­ter der Weis­heit. Zudem wer­de zu jeder Anlei­tung, zu jeder Prä­sen­ta­ti­on ein Chat­bot ent­wi­ckelt. „Das Dia­log­sys­tem arbei­tet mit künst­li­cher Intel­li­genz und natür­li­cher Sprach­ver­ar­bei­tung, um men­schen­ähn­li­che Gesprä­che mit einem ‚Exper­ten‘ zu simu­lie­ren“, erklärt Enri­co Pannicke.

Kürz­lich war er bei einem Dach­de­cker­be­trieb. Der macht sich sogar attrak­tiv für sei­ne Aus­zu­bil­den­den, wenn Basis­kennt­nis­se zunächst durch sol­che Video­an­lei­tun­gen ver­mit­telt wer­den. Ihm sei klar, sagt Enri­co Pan­ni­cke, dass die Mesh­werk-Tools per­sön­li­che Begeg­nun­gen erset­zen. Aber der demo­gra­fi­sche Wan­del habe die Unter­neh­men vor genau die­ses Pro­blem gestellt: „Für die alt­be­kann­ten Schu­lungs­for­ma­te feh­len die Fach­kräf­te, über­haupt das Per­so­nal und somit auch die Zeit. Unse­re Chan­ce, Markt­füh­rer zu wer­den, ergibt sich aus der Lösung die­ses Pro­blems“, ist er über­zeugt. Mesh­werk hat das Ziel, sich auf dem euro­päi­schen Markt zu etablieren.

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