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Elitenmonitor 2026: Ostdeutsche bleiben deutlich unterrepräsentiert

Ost­deut­sche sind in eini­gen Berei­chen nun stär­ker in der Füh­rung ver­tre­ten als zuvor – im Gan­zen blei­ben sie in den Eli­ten jedoch ekla­tant unter­re­prä­sen­tiert. Das zeigt der aktu­el­le Eli­ten­mo­ni­tor. Ein Teil von ihm ist im jüngst ver­öf­fent­lich­ten Bericht der Ost­be­auf­trag­ten erschienen. 

Die Zahl ostdeutscher Führungskräfte in obersten Bundesbehörden (inklusive Geburtsort Berlin) ist seit 2022 von 13,9 Prozent auf 16,3 Prozent gestiegen. Abbildung: Depositphotos, pressmaster

Die Zahl ost­deut­scher Füh­rungs­kräf­te in den obers­ten Bun­des­be­hör­den ist inklu­si­ve Geburts­ort Ber­lin von 13,9 Pro­zent in 2022 auf nun 16,3 Pro­zent gestie­gen. Abbil­dung: Depo­sit­pho­tos, pressmaster

Das Ver­bund­for­schungs­vor­ha­ben der Uni­ver­si­tä­ten Leip­zig und Jena sowie der Hoch­schu­le Zittau/Görlitz unter­sucht, wie sich die Prä­senz Ost­deut­scher in Spit­zen­po­si­tio­nen ent­wi­ckelt. Der Eli­ten­mo­ni­tor ver­bin­det die Ana­ly­se von rund 5.000 Eli­te­bio­gra­fien mit qua­li­ta­ti­ven Inter­views. Die For­schung unter­sucht, wie Kar­rie­re­we­ge in Spit­zen­po­si­tio­nen ver­lau­fen und wel­che Fak­to­ren in den ver­schie­de­nen Kar­rie­re­pha­sen beson­ders rele­vant sind.

Dem aktu­el­len Eli­ten­mo­ni­tor zufol­ge liegt der Anteil ost­deut­scher Füh­rungs­kräf­te ins­ge­samt bei 12,1 Pro­zent, genau wie schon 2024. Die­ser Wert habe noch nie über zwölf Pro­zent gele­gen. Der Bevöl­ke­rungs­an­teil Ost­deut­scher wird im Moni­tor auf cir­ca 19 Pro­zent geschätzt. Beson­ders in den Berei­chen Wirt­schaft und Mili­tär gebe es kaum ost­deut­sches Spit­zen­per­so­nal. Stark unter­re­prä­sen­tiert sei­en Ost­deut­sche auch in Lei­tungs­funk­tio­nen der Jus­tiz, den Medi­en und dem Kul­tur­be­reich. Etwas bes­ser sehe es in der Ver­wal­tung und in der Wis­sen­schaft aus.

Ungleichgewicht bei Hochschulzugangsberechtigung

Die Stu­di­en­ergeb­nis­se zei­gen, dass frü­he Bil­dungs­ent­schei­dun­gen für die spä­te­ren Auf­stiegs­mög­lich­kei­ten rele­vant sein kön­nen. Im Jahr 2024 lag der Anteil der Schul­ab­gän­ger mit Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung in Ost­deutsch­land bei 39,5 Pro­zent, in West­deutsch­land bei 47,7 Pro­zent. Von den­je­ni­gen mit Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung nah­men 2020 in Ost­deutsch­land 74,3 Pro­zent ein Stu­di­um auf, in West­deutsch­land waren es 80,2 Pro­zent. Laut Eli­ten­mo­ni­tor ist ein Stu­di­um fak­tisch ein Ein­tritts­ti­cket für den spä­te­ren Auf­stieg in höchs­te Entscheidungspositionen.

Ein wich­ti­ger Punkt auf dem Weg zur Füh­rungs­kraft ist das erfolg­rei­che Meis­tern kri­ti­scher Kar­rie­re­pha­sen. Der Schlüs­sel zum Erfolg liegt dar­in, akti­ves Inter­es­se für ver­ant­wort­li­che Auf­ga­ben zu zei­gen. Die Ergeb­nis­se der For­scher zei­gen, dass es den Ost­deut­schen an Kar­rie­re­vor­bil­dern im fami­liä­ren oder per­sön­li­chen Umfeld man­gelt. Ihr Wis­sen über Auf­stiegs­chan­cen beschränkt sich auf öffent­lich zugäng­li­che Quel­len. Die Inter­views des Eli­te­mo­ni­tors zei­gen, dass das direk­te Anspre­chen, Vor­schla­gen oder Geholt-Wer­den für den Erhalt einer Eli­te­po­si­ti­on aus­schlag­ge­bend ist. Ost­deut­schen fehlt durch bis heu­te beein­flus­sen­de Trans­for­ma­ti­ons­brü­che oft der wich­ti­ge Zugang zu Netz­wer­ken. Die­ser muss den Ergeb­nis­sen zufol­ge akti­ver ver­folgt werden.

Mehr ostdeutsche Führungskräfte in obersten Bundesbehörden

Ange­sichts des gerin­gen Anteils Ost­deut­scher in Füh­rungs­po­si­tio­nen der Bun­des­ver­wal­tung hat die Bun­des­re­gie­rung im Jahr 2023 ein Kon­zept zur Stei­ge­rung die­ses Anteils beschlos­sen. Die­ser Beschluss wird von der aktu­el­len Bun­des­re­gie­rung fort­ge­führt. Das Bun­des­kon­zept ist eine Ergän­zung zum Eli­ten­mo­ni­tor. Jedes Jahr wer­den Daten erho­ben, die Erkennt­nis­se über die Wirk­sam­keit des Kon­zepts lie­fern sol­len. Für die Unter­su­chung im Jahr 2026 wur­den die Daten von 15.613 Füh­rungs­kräf­ten ausgewertet.

Die Zahl der unter­such­ten Füh­rungs­kräf­te in den obers­ten Bun­des­be­hör­den, die ihren Geburts­ort in Ost­deutsch­land (mit Ber­lin) haben, ist seit 2022 kon­ti­nu­ier­lich gestie­gen. 2023 lag ihr Anteil bei 13,9 Pro­zent. 2026 beträgt er 16,3 Pro­zent. Der Anteil Ost­deut­scher an der Gesamt­be­völ­ke­rung liegt bei etwa 20 Pro­zent. Auch die Zahl der Beschäf­tig­ten mit Geburts­ort in Ost­deutsch­land ohne Ber­lin ist gestie­gen. 2022 betrug ihr Anteil 7,5 Pro­zent an den Füh­rungs­kräf­ten, 2026 sind es 8,9 Pro­zent. Bei den Refe­rats­lei­tun­gen mit Geburts­ort in Ost­deutsch­land ein­schließ­lich Ber­lin gab es eine Stei­ge­rung von 15,1 Pro­zent (2022) auf 17,6 Pro­zent (2026). Auch die Refe­rats­lei­tun­gen von Men­schen mit Geburts­ort in Ost­deutsch­land ohne Ber­lin nahm von 8,2 Pro­zent (2022) auf 9,3 Pro­zent zu.

Par­al­lel zu die­sem Anstieg liegt der Anteil der Füh­rungs­kräf­te mit Geburts­ort in West­deutsch­land ohne Ber­lin bei 80 Pro­zent (2022 waren es 83,5 Pro­zent). Auch wenn die Anzahl der Füh­rungs­kräf­te mit die­sem geo­gra­fi­schen Hin­ter­grund abnimmt, bleibt der Anteil der Füh­rungs­kräf­te mit west­deut­schem Geburts­ort ohne Ber­lin sehr hoch.

Anzahl der Richter mit ostdeutschem Geburtsort gestiegen

Die Anzahl der Ost­deut­schen (mit Ber­lin) in den obe­ren Bun­des­be­hör­den ist kon­ti­nu­ier­lich ange­stie­gen. Lag die Zahl 2022 noch bei 11,3 Pro­zent, so ver­bes­ser­te sie sich seit­dem auf 13,4 Pro­zent. Somit kom­men im Jahr 2026 erst­mals mehr als 100 Füh­rungs­kräf­te die­ser Insti­tu­tio­nen aus Ost­deutsch­land. Der bemer­kens­wer­tes­te Zuwachs ist bei den Abtei­lungs­lei­tun­gen der obe­ren Bun­des­be­hör­den zu ver­zeich­nen. 2022 lag die Quo­te bei 13 Pro­zent und ist seit­dem um 3,3 Pro­zent­punk­te auf 15,3 Pro­zent gestiegen.

Der Anteil ostdeutscher Richter (inklusive Geburtsort Berlin) an den obersten Bundesgerichten kletterte zwischen 2022 und 2026 von 7,1 Prozent auf 10,6 Prozent. Abbildung: Depositphotos, Vitali Radko

Der Anteil ost­deut­scher Rich­ter (inklu­si­ve Geburts­ort Ber­lin) an den obers­ten Bun­des­ge­rich­ten klet­ter­te zwi­schen 2022 und 2026 von 7,1 Pro­zent auf 10,6 Pro­zent. Abbil­dung: Depo­sit­pho­tos, Vita­li Radko

Auch in der Berufs­bran­che der Rich­ter ist ein Zuwachs bei Füh­rungs­per­so­nen mit Geburts­ort in Ost­deutsch­land zu ver­zeich­nen. So stieg der Anteil der in Ost­deutsch­land (mit Ber­lin) gebo­re­nen Rich­te­rin­nen und Rich­ter bei den obers­ten Bun­des­ge­rich­ten von 7,1 Pro­zent auf 10,6 Pro­zent. Bei ost­deut­schen Rich­te­rin­nen und Rich­tern ohne Geburts­ort Ber­lin stieg der Anteil der Füh­rungs­per­so­nen von 5,1 Pro­zent auf 8,8 Prozent.

Zusam­men­fas­send lässt sich aus den Zah­len ablei­ten, dass Ost­deut­sche in Füh­rungs­po­si­tio­nen unter­re­prä­sen­tiert sind, gemes­sen an ihrem Anteil an der Bevöl­ke­rung. Ein posi­ti­ver Trend ist jedoch erkenn­bar. Die nächs­te Erhe­bung zu Füh­rungs­kräf­ten ist dem Bericht zufol­ge für den 30. Juni 2027 geplant.

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