Johannes Ulrich und Franz Neumann, Geschäftsführer von Ostwerk, sind wichtige Impulsgeber für Ostdeutschland. Sie setzen sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag sind sie auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.

Johannes Ulrich & Franz Neumann, Geschäftsführung Ostwerk. Abbildung: Max Threlfall
Stell dir vor, in Ostdeutschland wären Dörfer und Kleinstädte lebendig, dein Arbeitsplatz zukunftssicher und alle würden sich gegenseitig unterstützen und stärken. Gibt es das schon? Ja! Muss es mehr werden? Ja!
Wir wollen diese zuversichtlichen Geschichten schreiben und erzählen. Und wir beginnen bei uns selbst, mit einer Geschichte von Ostwerk, der Sparda-Bank Berlin und uns – Franz und Johannes. Darin steckt für uns vieles, was wir uns für Ostdeutschland im Großen wünschen: Optimismus, Vision, Gemeinschaft und Mut.
Der älteste der vier in unserer Geschichte ist Johannes. 1988 in Dessau geboren und in Berlin aufgewachsen, wurde er vor allem mit der positiven Entwicklung nach der Wende sozialisiert. Johannes prägt die Zuversicht durch erlebte Selbstwirksamkeit. Als Geschäftsführer von Ostwerk mag Johannes die Verantwortung für ein gemeinsames und gesellschaftliches Ziel und kann dabei seinen Optimismus in seiner Heimat einbringen.
Als Franz in Rathenow (Brandenburg) geboren wird, ist es Juni 1990. Seine Familie wird geprägt von unruhigen Nachwendeerfahrungen, die viele Familien aus dieser Zeit beschreiben. Franz wächst mit Demut und Strebsamkeit auf und will es zum Erwachsenwerden aus seinem Dorf heraus nach Berlin schaffen. Mit klarer Vision für sein Leben möchte er schon früh mitgestalten und Menschen entwickeln. Die Gründung einer eigenen Familie zieht ihn bewusst zurück von Berlin nach Rathenow. Er will bleiben und als Geschäftsführer von Ostwerk etwas zurückgeben.
Im Mai 1990 wurde die Sparda-Bank Berlin eG in Berlin gegründet. Die Genossenschaftsbank ist die Nachfolgerin der Reichsbahnsparkasse der DDR und damit als einzige Bank auf das Geschäftsgebiet aller sechs ostdeutschen Bundesländer konzentriert. Nach einem rasanten Wachstum in den 1990er-Jahren hat die Sparda-Bank Berlin mit der Gemeinschaft aus Mitgliedern und Mitarbeitenden diverse Finanzkrisen überstanden und stemmt sich nun mit einem menschzentrierten Geschäftsmodell gegen die demografischen Herausforderungen. Seit 2023 besinnt sich die Genossenschaftsbank auf ihre Identität und verstärkt als „Deine Bank im Osten“ ihre Verantwortung für die Region mit Netzwerkarbeit und neuen Begegnungsstätten.
Am 17. Juni 2024 haben wir Ostwerk in Berlin gegründet. Ostwerk ist als Beteiligungsgesellschaft und Tochter der Sparda-Bank Berlin die Konsequenz aus der gesellschaftlichen Verantwortung von „Deine Bank im Osten“ und der intrinsischen Motivation von Franz und Johannes. Muttergesellschaft und Tochter sind im Mut und in der Überzeugung vereint, Ostdeutschland als eine lebenswerte Region zu gestalten. Gemeinsam wollen die Sparda-Bank Berlin und Ostwerk zentrale Gestaltungskräfte für Ostdeutschland sein. Ostwerk ergänzt das Netzwerk der Sparda-Bank Berlin um eine zentrale Gruppe von engagierten und gestaltenden Personen: Unternehmerinnen und Unternehmer.
Wir nehmen uns und andere Unternehmen in die Verantwortung, die Zukunft Ostdeutschlands zu gestalten.”
Unternehmen als regionale Säulen
Der Wirkungsradius von Unternehmen ist enorm, sodass sie eine besondere Rolle bei den komplexen Fragen unserer Zeit einnehmen. Sie können Leben direkt beeinflussen – durch das Brot aus der Backstube, den Ausbildungsplatz mit Übernahmegarantie oder die gemeinsame Freizeitgestaltung in der Betriebssportgruppe. Die Geschichte vieler Dörfer und Kleinstädte rankt sich um die großen Arbeitgeber in ihrer Region. Es geht mit ihnen hoch und auch wieder runter. Im schlimmsten Fall geht es am Anfang vielen Menschen gut und am Ende nur den Unternehmen. In diesem Bewusstsein gilt es, in Zukunft zu wirtschaften und regional zu agieren. Unternehmen müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein und diese aktiv annehmen. Um Verantwortung zu übernehmen, muss einiges zusammenkommen. Es braucht Rahmenbedingungen und Strukturen, damit Verantwortung gewollt und wirksam ist. Es braucht Werte und Haltung, die als Kompass dienen und das Handeln prägen – und schließlich den Mut und den Willen zur Umsetzung.
Unsere Umsetzung begann etwa ein Jahr vor der Gründung von Ostwerk. Das Bekenntnis der Sparda-Bank Berlin zu Ostdeutschland hat in uns als langjährige Mitarbeitende ein Feuer entfacht und Ideen entstehen lassen. Danach begann der Prozess von Idee, Konzept, Projekt und Gründung. Die Bank war erst irritiert, dann begeistert, kurz überfordert und bei der Gründung überglücklich.
Die Phasen, die wir im eigenen Unternehmen durchlaufen sind, lassen sich mit dem Begriff Intrapreneurship gut beschreiben: Damit ist das unternehmerische Handeln innerhalb eines bestehenden Unternehmens gemeint. Dabei übernehmen Mitarbeitende eine unternehmerische Rolle, indem sie Ideen entwickeln und umsetzen, die das Unternehmen aus sich selbst heraus voranbringen. Dieser Ansatz fördert Kreativität und Eigenverantwortung und ermöglicht es Unternehmen, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und auf Veränderungen im Markt flexibel zu reagieren.
Uns wurde es ermöglicht, unsere Ideen zu entwickeln und umzusetzen, mit der Sicherheit und Unterstützung der Bank im Rücken. Mit unserer Vision vor Augen haben wir ein Konzept entwickelt, das sowohl die wirtschaftliche als auch die gesellschaftliche Verantwortung der Sparda-Bank Berlin widerspiegelt. Seit Juni 2024 leistet Ostwerk als Investor seinen Beitrag zum wirtschaftlichen Wachstum und zur regionalen Entwicklung in Ostdeutschland. Durch gezielte Investments mit Eigenkapital und einer aktiven Netzwerkarbeit unterstützt Ostwerk Unternehmen dabei, ihre Potenziale voll auszuschöpfen und innovative Projekte zu realisieren. Ostwerk fördert nicht nur die wirtschaftliche Stabilität, sondern auch die regionale Verantwortung der Unternehmen. Bei einem Investment achtet Ostwerk auf das Zusammenspiel von finanzieller Rendite und regionaler Wirkung, die sich sowohl aus dem Geschäftsmodell selbst als auch über die Verantwortungsübernahme als Akteurin oder Akteur der Region zeigen kann.

Geschäftsführer Johannes Ulrich und Franz Neumann sind als Investoren aus der Region für die Region unterwegs. Abbildung: Max Threlfall
Grundlagen für Zukunft vor Ort
Die Sparda-Bank Berlin bietet dabei den stabilen Rahmen, in dem Ostwerk agieren kann. Die Genossenschaftsbank steht für Stabilität und Verlässlichkeit, was die Ernsthaftigkeit unserer Mission unterstreicht. Mit ihrem menschzentrierten Geschäftsmodell und ihrer starken regionalen Verankerung bietet die Sparda-Bank Berlin nicht nur die finanzielle Grundlage durch ihre Mitglieder, sondern auch ein genossenschaftliches Wertegerüst, das unseren Antritt für eine vielfältige, kooperative und offene Gesellschaft stärkt.
Das Hauptziel von Ostwerk ist es, durch Unternehmertum Zukunftsperspektiven in Ostdeutschland zu schaffen. Wir fördern Unternehmertum, das sich durch Innovation, Nachhaltigkeit und regionale Verantwortung auszeichnet. Durch die Unterstützung von klassischen Start-ups, Genossenschaften und anderen gemeinwohlorientierten Unternehmen trägt Ostwerk dazu bei, dass sich die Lebensqualität der Menschen verbessert, die regionale Wirtschaft gestärkt und das Miteinander gefördert wird.
Zukunftsperspektiven für Menschen entstehen durch nachhaltige Lebensqualität, einen attraktiven Wirtschaftsstandort und eine starke Zivilgesellschaft. Diese drei Säulen sind für uns entscheidend für die langfristige Entwicklung Ostdeutschlands zu einer lebenswerten und zukunftsfähigen Region.
„Ich lebe hier gerne“ sagen wir, wenn wir nachhaltige Lebensqualität meinen. Das bedeutet, dass Menschen nur in einer gesunden und lebenswerten Umgebung gut leben können. Das lebendige Dorf und die bunte Kleinstadt brauchen Angebote für alle Sinne und wesentlichen Bedürfnisse – von Kultur über Gastronomie bis hin zum gut sortierten Konsum um die Ecke. Zum Leben gehören auch Wohnen, Energieversorgung, Mobilität und eine langfristig intakte Umwelt. Die Lösungen sind je nach Ort und Region sehr unterschiedlich, um Menschen zum Bleiben zu bewegen. Der Drang, in die Großstadt zu ziehen, ist bei vielen von ihnen weniger gewollt als erforderlich, um mehr Perspektive und Lebensqualität zu haben.
Die Aussage „Ich habe hier eine berufliche Zukunft“ spricht für einen attraktiven Wirtschaftsstandort. Dieser zeichnet sich durch ansprechende Beschäftigungsmöglichkeiten, gut ausgebildete Fachkräfte und innovative Ansätze aus. Um Ostdeutschland zu einem solchen Standort auszubauen, braucht es stabile Unternehmen in zukunftsorientierten Branchen. Die ostdeutschen Regionen sind von Strukturwandel und Transformationsprozessen geprägt. Durch Gründungen von Start-ups sowie Nachfolgen von wichtigen Betrieben und erfahrenen mittelständischen Unternehmen können solche Prozesse vorangetrieben werden. Wenn Menschen sich für einen Wohn- und Lebensort entscheiden, möchten sie sich (von) dort auch beruflich einbringen und weiterentwickeln können. Es muss die Sicherheit geben, dass die persönliche und wirtschaftliche Stabilität dort möglich ist.
Eine starke Zivilgesellschaft erzeugt das Gefühl: „Wir sind hier alle füreinander da.“ Sie ist das Rückgrat einer funktionierenden Demokratie. Die Unterstützung von Vereinen und Initiativen, die Förderung des ehrenamtlichen Engagements und die Stärkung lokaler Gemeinschaften sind dabei wesentliche Faktoren für ein bereicherndes Zusammenleben. Auch die Förderung von Austausch, Wissenstransfer und Bildung tragen dazu bei, dass die Zivilgesellschaft stark und lebendig bleibt. Es braucht eine Kultur, in der viele Menschen vor Ort aktiv an der Gestaltung ihrer Zukunft mitwirken können. Es braucht eine Kultur, in der Vielfalt und Offenheit willkommen sind und in der gemeinsam für Gerechtigkeit und Chancengleichheit aufgestanden wird.

17. Juni 2024: Gründung mit den Geschäftsführern von Ostwerk, dem Vorstand der Sparda-Bank Berlin sowie Notarin Dr. Julia Maier-Reinhardt.
Zukunftsperspektiven für alle
Die Chancen sind riesig, unsere Region mit noch mehr Zukunftsperspektiven zu füllen und Bestehendes sichtbar zu machen. Wir nehmen uns und andere Unternehmen in die Verantwortung, die Zukunft Ostdeutschlands zu gestalten. Es braucht das Engagement und die Innovationskraft der Unternehmen von Usedom bis in den Thüringer Wald.
Wir als Ostwerk wenden uns zusammen mit der Sparda-Bank Berlin gezielt an Unternehmen, die in ihrer Region etwas bewegen wollen. Wir haben gemeinsam angefangen, eine Geschichte zu schreiben und wollen andere unterstützen, auch ihre Geschichten für unsere Region zu erzählen.
Und denken wir an Ostdeutschland, dann werden wir in Zukunft viele dieser Geschichten lesen.

Podiumsdiskussion am Standort der Sparda-Bank Berlin zu kooperativem Wirtschaften in Magdeburg. Abbildung: Jana Dünnhaupt
Ostwerk GmbH
GEGRÜNDET: 2024/Berlin
STANDORT: Berlin
MITARBEITENDE: 2
WEBSITE: ost-werk.de
Johannes Ulrich & Franz Neumann
UNSER BUCHTIPP: Hendrik Bolz: „Nullerjahre“, 2022
UNSER FILMTIPP: „Mit der Faust in die Welt schlagen“, 2024
UNSERE URLAUBSTIPPS: Oberwiesenthal und Havelland
BUCHTIPP:
„Denke ich an Ostdeutschland ...“In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden. „Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4. Als Hardcover und E-Book hier erhältlich. |




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