Einer der bedeutendsten Künstler der DDR, Walter Womacka, wäre heute 100 Jahre alt. Wir gehen der Frage nach, wer der Schöpfer der riesigen Mosaike über den Alltag des Sozialismus war.

Sozialistischer Realismus: Das Mosaikfries „Unser Leben“ von Walter Womacka ziert das „Haus des Lehrers“ am Alexanderplatz in Berlin. Abbildung: Ndiggity, Wikimedia Commons
Womacka wurde 1925 als Sohn eines Gärtners in Obergeorgenthal (Horní Jiřetín), einer Stadt im Nordwesten des heutigen Tschechiens, geboren. Von 1940 bis 1943 machte Womacka eine Ausbildung als Dekorationsmaler. Nach dem Zweiten Weltkrieg besuchte er die Meisterschule für gestaltendes Handwerk in Braunschweig. 1949 wechselte er an die Hochschule für Baukunst und Bildende Künste in Weimar und studierte dort bei Hanns Hoffmann-Lederer, Hermann Kirchberger und Otto Herbig. 1951 setzte der Maler, Grafiker und Gestalter sein Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden fort.

Das Wandmosaik „Frieden“ von Walter Womacka befindet sich an der Marzahner Promenade 45 in Berlin-Marzahn. Abbildung: Singlespeedfahrer, Wikimedia Commons
Ab 1953 arbeitete er an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Dort wirkte er zunächst als Assistent und ab 1968 als ihr Rektor. Zu seinen bekanntesten Studenten gehörte Georg Baselitz. Von 1959 bis 1988 war der Künstler Vizepräsident des Verbandes der Bildenden Künstler der DDR (VBK). Er erhielt begehrte Aufträge zur Dekoration von prestigeträchtigen Bauten der DDR: Ministerien, Kaufhäuser und Institute. Diese Dekorationen setzte der Maler oft als riesige Mosaike um. In diesen wurde in leicht verständlicher Art der Aufbau des Sozialismus gefeiert. Seine Bilder waren ein wichtiger Teil der Inszenierung der DDR. Für manche war Walter Womacka einfach ein Staatskünstler, der auch Walter Ulbricht und Markus Wolf, den Chef des DDR-Geheimdienstes, porträtierte. Andere erkennen auch den künstlerischen Wert von Womackas Motiven. Seine Werke sind ein Stück DDR, sie erinnern an diese Zeit – im Guten wie im Schlechten.
Ein Beispiel für seine Mosaikkunst ist das 1964 erschaffene 7 x 125 m große Bildfries „Unser Leben“ am Haus des Lehrers am Berliner Alexanderplatz. Jede einzelne Seite des Frieses besitzt ein eigenes Themengebiet. Die Nordseite fokussiert sich auf die Bereiche Wissenschaft und Technik. Die Südwand des Frieses bildet Arbeiter in verschiedenen Tätigkeiten ab. Auf der Westseite des Bildes werden Alltagssituationen aus der DDR gezeigt, während sich die Ostseite dem Themenfeld Völkerfreundschaft widmet, symbolisiert durch weiße Tauben.
Noch bekannter als das Mosaikfries am Alexanderplatz ist Womackas Gemälde „Am Strand“. Das 1962 entstandene Ölgemälde ist die meistverkaufte Gemäldereproduktion der DDR. Sie erschien 1968 auch als Briefmarke mit einer Auflage von zwölf Millionen Stück. Auf dem Bild gibt Womacka eine Szene wieder, die er am Strand des Seebads Loddin auf der Insel Usedom gesehen hatte. Abgebildet ist ein junges Paar in einer Küstenlandschaft. Als der Künstler das Bild auf einer Ausstellung des Berliner Künstlerverbandes vorstellte, wurde es von einigen Kritikern abgelehnt. Große Bekanntheit erlangte „Am Strand“, als die „Neue Berliner Illustrierte“ NBI es auf ihrer Titelseite abdruckte. Als Reproduktion konnte sich das Bild über drei Millionen Mal weltweit verkaufen. 1963 erhielt der damalige Vorsitzende des Politbüros des ZK der SED, Walter Ulbricht, das Gemälde als Geschenk zu seinem 70. Geburtstag.

Eine Replikation von Womackas „Am Strand“ als Wandgemälde, gemalt vom Künstler Andreas Bogdain, befindet sich im Heidkampweg in Berlin-Baumschulenweg. Abbildung: Urfin7, Wikimedia Commons
Nach der Wende verschwand Womacka aufgrund seiner Nähe zum SED-Regime aus dem Fokus. Wie wenig Bedeutung er nach der Wende erhielt, zeigt die Tatsache, dass sein Wandbild „Der Mensch gestaltet seine Welt“ mit dem Abriss des ehemaligen DDR-Außenministeriums verloren ging.

Das Wandbild „Der Mensch gestaltet seine Welt“ befand sich im ehemaligen Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR. Es ist beim Abriss des Gebäudes verloren gegangen. Abbildung: SpreeTom, Wikimedia Commons
Am 18. September 2010 starb Walter Womacka in Berlin. Sein Gemälde „Am Strand“ ist bis heute beliebt. Bei einer Umfrage des Albertinums Dresden, die ermitteln sollte, welche Bilder aus der Ausstellung „Ostdeutsche Malerei und Skulptur 1949–1990“ in die Dauerausstellung gehören, landete Womackas Bild auf dem ersten Platz.

Walter Womacka während einer Ausstellungseröffnung im Dezember 2006 in Berlin. Abbildung: SpreeTom, Wikimedia Commons
























