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Vor dem AfD-Parteitag in Erfurt: Diskussion von Formen des Widerstands

Aus Anlass des bevor­ste­hen­den Bun­des­par­tei­tags der AfD in Erfurt lud Luke Hoß, rechts­po­li­ti­scher Spre­cher der Frak­ti­on Die Lin­ke im Bun­des­tag, am 24. Juni zu einem fach­po­li­ti­schen Früh­stück ins Paul-Löbe-Haus des Deut­schen Bun­des­ta­ges. Dis­ku­tiert wer­den soll­ten For­men des Wider­stands. Wir waren dabei.

Die Diskussionsteilnehmer Suraj Mailitafi vom Bündnis „Widersetzen“, Philosophin Eva von Redecker, der Bundestagsabgeordnete Luke Hoß und Jens-Christian Wagner (Leiter der Gedenkstätte Buchenwald) diskutierten über Strategien im Kampf gegen den Rechtsextremismus. Abbildung: Jennifer Marke, Fraktion Die Linke Im Bundestag

Die Dis­kus­si­ons­teil­neh­mer Suraj Mai­li­ta­fi vom Bünd­nis „Wider­set­zen“, Phi­lo­so­phin Eva von Rede­cker, der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Luke Hoß und Jens-Chris­ti­an Wag­ner, der Lei­ter der Gedenk­stät­te Buchen­wald, (v. l. n. r.) spra­chen über Stra­te­gien im Kampf gegen den Rechts­extre­mis­mus. Abbil­dung: Jen­ni­fer Mar­ke, Frak­ti­on Die Lin­ke im Bundestag

Am 4. und 5. Juli fin­det in der Mes­se Erfurt der 17. Bun­des­par­tei­tag der AfD statt. Erwar­tet wer­den 600 Dele­gier­te, 400 Pres­se­ver­tre­ter und mehr als 50.000 Gegen­de­mons­tran­ten. Die Haupt­stadt Thü­rin­gens berei­tet sich auf den größ­ten Poli­zei­ein­satz der Geschich­te vor. Befürch­tet wird eine Eska­la­ti­on der Gegen­de­mons­tran­ten. Die Wut im lin­ken Lager ist groß. Schon das Datum macht fas­sungs­los. Vor genau 100 Jah­ren hielt die NSDAP im thü­rin­gi­schen Wei­mar den Reichs­par­tei­tag ab, auf dem die Hit­ler­ju­gend gegrün­det und der „Deut­sche Gruß“ erst­mals mas­sen­haft in der Öffent­lich­keit gezeigt wur­de. Vor die­sem Hin­ter­grund lud Die Lin­ke zur Dis­kus­si­on ein.

Ein­gangs­state­ments gaben die Phi­lo­so­phin Eva von Rede­cker, der Lei­ter der Gedenk­stät­te Buchen­wald, Jens-Chris­ti­an Wag­ner, der Mit­or­ga­ni­sa­tor des Bünd­nis­ses „Wider­set­zen“, Suraj Mai­li­ta­fi, sowie der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Luke Hoß. Im Anschluss wur­de das Panel geöffnet.

Eva von Rede­cker rief dazu auf, die AfD nicht aus dem Tun­nel­blick der His­to­rie anzu­schau­en. Es sei wich­tig, den Rechts­ruck vor dem glo­ba­len Hin­ter­grund zu betrach­ten. Über­all, wo die Moti­ve des Neo­li­be­ra­lis­mus gesetzt sei­en, habe es der Rechts­extre­mis­mus ein­fach. Die Phi­lo­so­phin bezeich­ne­te den deut­schen Fata­lis­mus gegen­über der AfD als ver­fehlt. Das Bild eines apo­ka­lyp­ti­schen Sze­na­ri­os wer­de zum Pro­blem, wenn die AfD in Sach­sen-Anhalt an die Macht kom­men wür­de und die nega­ti­ven Befürch­tun­gen bezüg­lich ihrer Poli­tik nicht ein­tre­ten. Von Rede­cker geht nicht davon aus, dass Men­schen aus länd­li­chen Gegen­den in Ost­deutsch­land Ver­ständ­nis für eine geplan­te Blo­cka­de des AfD-Par­tei­ta­ges haben. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on des Pro­tests im Vor­feld hält sie daher für wich­tig. Sie fin­det es ent­schei­dend, den Kampf gegen den Rechts­extre­mis­mus aus der Per­spek­ti­ve von Men­schen zu betrach­ten, die bereits von rech­ter Poli­tik und Gewalt bedroht sind.

„Berlin ist nicht Weimar“

Jens-Chris­ti­an Wag­ner mahn­te, dass Ber­lin nicht Wei­mar sei. Ange­sichts der Ver­glei­che zwi­schen der AfD und der NSDAP plä­dier­te er dafür, mit fal­schen poli­ti­schen Ana­lo­gien die­ser Art vor­sich­tig zu sein. Die Zeit der Wei­ma­rer Repu­blik sei mit heu­te nicht ver­gleich­bar. Sei­ner Ansicht nach gibt es in Deutsch­land eine viel sta­bi­le­re Zivil­ge­sell­schaft als zur dama­li­gen Zeit. Wag­ner wider­sprach von Rede­ckers Ein­schät­zung, das Erstar­ken des Rechts­extre­mis­mus sei nur auf den Neo­li­be­ra­lis­mus zurück­zu­füh­ren. Die­se Ana­ly­se sei ver­kürzt gedacht. Er wies auf das Par­tei­pro­gramm der AfD Sach­sen-Anhalt hin. Dar­in sei­en in jeder drit­ten Zei­le Anklän­ge an das völ­ki­sche Den­ken des 20. Jahr­hun­derts zu fin­den. Dies unter­schei­de sie von Liber­tä­ren wie dem argen­ti­ni­schen Prä­si­den­ten Javier Milei, der einen Neo­li­be­ra­lis­mus in sei­ner radi­kals­ten Form anstre­be. Laut Wag­ners Ein­schät­zung will die AfD so etwas nicht.

Wich­tig sei es, das völ­ki­sche Gedan­ken­gut der Par­tei sicht­bar zu machen und zu ver­deut­li­chen, woher es kom­me. In die­sem Zusam­men­hang erklär­te Wag­ner, dass er eine Über­prü­fung des AfD-Par­tei­ver­bots für rich­tig hält und ihm das Argu­ment, ein Ver­bot wür­de der Par­tei hel­fen, nicht aus­rei­che. Als Bei­spiel führ­te er das erfolg­rei­che Par­tei­ver­bot gegen die Sozia­lis­ti­sche Reichs­par­tei im Jahr 1952 an. Wag­ner kün­dig­te an, wäh­rend des AfD-Par­tei­tags vor dem Mes­se­ge­län­de Erfurt spre­chen zu wol­len. Er wün­sche sich, dass Hun­dert­tau­sen­de zum Pro­test kom­men. Den­noch sei er gegen Blo­cka­den, da die­se der AfD in die Kar­ten spie­len würden.

„Strahl der Hoffnung senden“

Suraj Mai­li­ta­fi, Mit­or­ga­ni­sa­tor des Bünd­nis­ses „Wider­set­zen“, das die Pro­tes­te gegen den AfD-Par­tei­tag orga­ni­siert, erläu­ter­te die Stand­punk­te von „Wider­set­zen“. Er erklär­te, dass das von der AfD aus­ge­wähl­te Datum, der 4. Juli, kein Zufall sei und erin­ner­te an den Reichs­par­tei­tag der NSDAP vor 100 Jah­ren in Thü­rin­gen. Das Ver­hal­ten der AfD dür­fe nicht klein­ge­re­det wer­den. Es brau­che Räu­me der Hoff­nung. Wie die­se ent­ste­hen, sei für ihn bei den Pro­tes­ten gegen die AfD-Ver­samm­lung am 29. und 30. Novem­ber 2025 in Gie­ßen sicht­bar gewor­den. Auf Uni­on und SPD sei kein Ver­lass, da die Regie­rungs­par­tei­en die Ideen der AfD bezüg­lich der Migra­ti­ons­po­li­tik teil­wei­se durch­set­zen wür­den. Die Blo­cka­de und der damit ver­bun­de­ne geplan­te Pro­test gegen den AfD-Par­tei­tag geben laut Mai­li­ta­fi ein wich­ti­ges Signal an Men­schen, die tag­täg­lich Ras­sis­mus erle­ben. Das Bünd­nis „Wider­set­zen“ wol­le von Erfurt einen Strahl der Hoff­nung nach Deutsch­land sen­den und den Men­schen, die sich wegen Rechts­extre­mis­mus Sor­gen machen, zei­gen, dass sie nicht allein sind. Mai­li­ta­fi erklär­te, dass bereits das zeit­wei­se Ver­hin­dern und Stö­ren des AfD-Par­tei­tags ein Erfolg wäre. Jede Minu­te, in der sich die Teil­neh­mer des Par­tei­tags nicht ver­net­zen und aus­tau­schen kön­nen, sei positiv.

Alle Teil­neh­mer waren sich einig, dass es not­wen­dig sei, gegen das Erstar­ken des Rechts­extre­mis­mus zu pro­tes­tie­ren. Luke Hoß ana­ly­sier­te die Dis­kus­si­on wie folgt: „Alle Expert:innen haben bei unse­rem fach­po­li­ti­schen Früh­stück betont: Die AfD ist eine im Kern faschis­ti­sche Par­tei und eine rea­le Gefahr für Men­schen. Für uns als Lin­ke ist des­halb klar: Jetzt ist der Moment, wo wir Wider­stand leis­ten müs­sen, gemein­sam mit der Brei­te der Zivil­ge­sell­schaft. Es ist wich­tig, die AfD mit allen Mit­teln zu bekämp­fen. Des­halb ist zivi­ler Unge­hor­sam gegen den AfD-Par­tei­tag am 4. Juli in Erfurt, bei dem die Faschis­ten ihre Macht­über­nah­me pla­nen, nicht nur legi­tim, son­dern geboten.“

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