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Buchvorstellung: „Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung“ von Karsten Krampitz

Ein­mal aus­bre­chen und ein selbst­be­stimm­tes Leben füh­ren. Die­sen Wunsch haben vier DDR-Jugend­li­che mit Beein­träch­ti­gung. Kars­ten Kram­pitz beschreibt in sei­nem Roman „Gesell­schaft mit beschränk­ter Hoff­nung“, wie aus die­sem Wunsch eine ein­zig­ar­ti­ge Kom­mu­ne ent­stand. Nach einer wah­ren Begebenheit.

BUCHTIPP:

Karsten Krampitz beschreibt in seinem Roman „Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung“, wie vier DDR-Jugendliche mit Beeinträchtigung dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben nachgehen. Kars­ten Kram­pitz: „Gesell­schaft mit beschränk­ter Hoff­nung“, Edi­ti­on Nau­ti­lus, Ham­burg 2025, 200 Sei­ten, 22 € (Hard­co­ver).

Arn­stadt, Thü­rin­gen, Ende der 1970er-Jah­re: Die Jugend­li­chen Gruns, Schrö­der, Rose und Chris­ti­an beschlie­ßen, aus dem Mari­en­stift aus­zu­bre­chen. Gruns, der Kopf der Grup­pe, ist Absol­vent einer Pre­di­ger­schu­le in Eisen­ach und stellt den Kon­takt zur Thü­rin­ger Lan­des­kir­che her. Er fragt nach der Mög­lich­keit zur Grün­dung einer Wohn­ge­mein­schaft. Die Kos­ten für die „Lat­scher“ (Pfle­ger) sol­len durch die Ren­te und das Pfle­ge­geld der Bewoh­ner gedeckt werden.

Die Kir­che stellt ein ver­las­se­nes Pfarr­haus in Hartro­da im Alten­bur­ger Land in Thü­rin­gen zur Ver­fü­gung. Zusam­men mit den vier Grün­dern zie­hen die Pfle­ger Fran­ky Loh­mann, Bie­ne May­er und Timo Schül­ler ein – die „Gesell­schaft mit beschränk­ter Hoff­nung“ ist gegrün­det. Wäh­rend Chris­ti­an die Kom­mu­ne bald wie­der ver­lässt, schließt sich Gruns Schwes­ter Lena der Grup­pe an. Auch der schweig­sa­me ehe­ma­li­ge Gren­zer Bernd Mozeck kommt nach Hartro­da. Er pflegt Gruns und wid­met sich in sei­ner Frei­zeit dem Fernschach.

Als wei­te­rer Pfle­ger stößt Schlot­ter zur Kom­mu­ne. Er ist Roa­die der Blues­rock­band „Misch­po­ke“ und hat vom Staat ein Ber­lin-Ver­bot erteilt bekom­men. In Hartro­da fin­det er sein Exil. Gemein­sam mit ihm kom­men auch die übri­gen Band­mit­glie­der um den Band­lea­der Eisen nach Hartro­da und wer­den fes­ter Bestand­teil der Gemein­schaft. Zwi­schen Lena und Schlot­ter ent­wi­ckelt sich eine enge Ver­bin­dung, sie ver­lie­ben sich inein­an­der und hei­ra­ten. An den Wochen­en­den ist Misch­po­ke bei soge­nann­ten „Mug­gen“ (Kon­zer­ten) in der gesam­ten DDR unter­wegs. Für die Auf­trit­te in Ber­lin tritt mit der Zeit Mozeck anstel­le von Schlot­ter als Roa­die ein.

Eine offe­ne Atmo­sphä­re, die durch Rüst­zei­ten, Gar­ten­fes­te und Kon­zer­te ent­steht, zieht bald Men­schen aus ganz Thü­rin­gen und dar­über hin­aus an. Hip­pies, Punks und Exis­ten­zia­lis­ten kom­men nach Hartro­da. Auch Gruns Pre­dig­ten sor­gen für Auf­merk­sam­keit und Besu­cher. In sei­nen Pre­dig­ten in der Dorf­kir­che übt er Kri­tik an den Ver­hält­nis­sen in der DDR und schafft es dabei immer wie­der, Kon­se­quen­zen durch die Staats­macht zu ent­ge­hen. Hartro­da bleibt ein schein­bar geschütz­ter Raum, in dem alles, was gesagt wird, auch dort bleibt.

Doch das Leben der Kom­mu­ne bleibt nicht ohne Brü­che. Im Früh­jahr 1985 tritt Misch­po­ke beim Stein­brü­cken Open Air auf. Als die Band­mit­glie­der zurück­keh­ren, erfah­ren sie, dass Lena sich wäh­rend ihrer Abwe­sen­heit bei einem Sturz schwer ver­letzt hat. Zwar erholt sie sich teil­wei­se, bleibt aber gesund­heit­lich ange­schla­gen. Schlot­ter küm­mert sich ver­stärkt um sie und Mozeck springt häu­fi­ger als Roa­die ein. Ende der 1980er-Jah­re erhält die Band ein Lizenz­ver­bot und arbei­tet des­halb in wech­seln­den Side-Pro­jek­ten unter neu­en Namen weiter.

Mit dem Jahr 1989 ver­än­dert sich schließ­lich alles. Wäh­rend Misch­po­ke unter dem Namen „Grup­pe Kon­gress“ auf Tour in der Sowjet­uni­on ist, gerät die DDR ins Wan­ken. Als die Musi­ker zurück­keh­ren, spü­ren sie die revo­lu­tio­nä­re Stim­mung im Land. In die­se Zeit fällt Lenas Tod, der für die Gemein­schaft ein schwe­rer Schlag ist.

Nach dem Mau­er­fall droht der Kom­mu­ne das Aus. Schrö­der und Rose gehen und Gruns bleibt allein zurück. Er will sich davon nicht unter­krie­gen las­sen und sucht Unter­stüt­zung bei der Orga­ni­sa­ti­on „Ambu­lan­te Hil­fe e. V.“, um ein Hotel für Men­schen mit Beein­träch­ti­gung auf­zu­bau­en. Dafür muss Gruns die frü­he­re Wirt­schaft­lich­keit der Kom­mu­ne bele­gen. Bei Recher­chen in Sta­si-Akten stößt er auf Mozecks Ver­gan­gen­heit und erfährt, war­um die­ser so lan­ge geschwie­gen hat und wie Mozeck als IM Inter­na aus Hartro­da wei­ter­ge­lei­tet hat. Zwar ver­söh­nen sich die bei­den, doch die Zukunft Hartro­das bleibt offen.

Kars­ten Kram­pitz gelingt ein ein­dring­li­cher Roman nach einer wah­ren Bege­ben­heit, der zeigt, wie Men­schen trotz wid­ri­ger Umstän­de ihre eige­ne Form von Frei­heit und Gemein­schaft schaf­fen. Die Band Misch­po­ke ist der DDR-Blues­band Frey­gang nach­emp­fun­den, und auch die Geschich­te der vier Jugend­li­chen, die aus dem Arn­städ­ter Mari­en­stift aus­bre­chen, beruht auf his­to­ri­schen Ereignissen.

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