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Buchvorstellung: Marieke Reimanns „Zweite Wende“

Heu­te ist Marie­ke Rei­manns Buch „Zwei­te Wen­de. War­um Ost­deutsch­land uns alle angeht“ erschie­nen. Wir durf­ten es vor­ab lesen. Der Titel klingt viel­ver­spre­chend. Ver­spricht er zu viel?

BUCHTIPP:

Das Cover von Marieke Reimanns Buch: Zweite Wende

Marie­ke Rei­mann: „ Zwei­te Wen­de – War­um Ost­deutsch­land uns alle angeht“, Rowohlt Ver­lag, Ham­burg 2026, 240 Sei­ten, 22 € (Hard­co­ver).

Marie­ke Rei­mann wur­de 1987 in Ros­tock gebo­ren. Von 2018 bis 2020 war sie Chef­re­dak­teu­rin des Zeit-Maga­zins ze.tt. 2021 wur­de sie Zwei­te Chef­re­dak­teu­rin des SWR, 2024 trat sie von die­sem Pos­ten zurück. Ihre bei­den gro­ßen The­men sind Ost­deutsch­land und Femi­nis­mus. Wenn so jemand vor den Schick­sals­wah­len in Sach­sen-Anhalt und in Meck­len­burg-Vor­pom­mern ein lang ange­kün­dig­tes Buch bei Rowohlt mit dem Titel „Zwei­te Wen­de“ ver­öf­fent­licht, dann ist die Erwar­tung groß. Zumin­dest bei uns. Wir wur­den jedoch enttäuscht.

Denn Rei­mann legt hier ein Buch vor, das sich kaum von ande­ren zum The­ma unter­schei­det. Wie zuletzt etwa von Jana Hen­sel wird der Zustand Ost­deutsch­lands ana­ly­siert, indem zahl­rei­che Stu­di­en und man­che Stim­men zitiert wer­den. Dazu gibt es gele­gent­lich einen Blick auf den per­sön­li­chen Wer­de­gang – von der Jour­na­lis­mus-Stu­den­tin, die neben­bei putzt, bis in den Olymp des öffent­li­chen Rundfunks.

Beschrie­ben wird die erstaun­li­che Iden­ti­fi­ka­ti­on und Beschäf­ti­gung mit Ost­deutsch­land, sogar von vie­len, die erst nach dem Mau­er­fall gebo­ren wur­den. The­ma sind eben­falls die frap­pie­ren­den Unter­schie­de zwi­schen Ost und West – vor allem beim Ver­mö­gen und der Reprä­sen­tanz, aber auch in Bezug auf die Rol­le der Frau. Die AfD und das BSW. Das schwie­ri­ge Ver­hält­nis von Mer­kel und Merz zum Osten. Und ein Hoch auf die Plat­te. Alles rich­tig, alles wichtig.

Etwas aus­führ­li­cher wird es beim The­ma Medi­en. Die­se berich­ten über Ost­deut­sche zu unaus­ge­wo­gen und oft nur anläss­lich von Kri­sen, Wah­len oder Jubi­lä­en. Die Ost­me­di­en sind in west­deut­scher Hand. Die ein­zi­ge Aus­nah­me bil­den Ber­li­ner Zei­tung und Ost­deut­sche All­ge­mei­ne Zei­tung, aber die­se nor­ma­li­sie­ren rechts­extre­me Nar­ra­ti­ve und Eigen­tü­mer Hol­ger Fried­rich mische sich zu sehr ein. Auch das ist hin­läng­lich bekannt, zumin­dest bei den poten­zi­el­len Lesern eines sol­chen Buches. Lei­der, in bei­der­lei Hin­sicht. Außer: In der Erst­aus­ga­be der Ost­deut­schen All­ge­mei­nen war kein ein­zi­ger Leit­ar­ti­kel einer Frau!

Am Ende stellt Rei­mann die Fra­ge, wie wir 2030 auf die Wie­der­ver­ei­ni­gung bli­cken wol­len. In ihrem Buch habe sie Ideen für ein posi­ti­ves Ende, eine „zwei­te Wen­de“, beschrie­ben. Viel­leicht, weil sie schon ahnt, dass jetzt man­cher Leser so irri­tiert ist wie wir – da müs­sen wir wohl eine Men­ge über­le­sen haben –, fol­gen nun die­se knap­pen Stich­punk­te: „Aner­ken­nung der Unter­schie­de als Tat- und nicht als Ver­hand­lungs­sa­che.“ „Stär­ke­re Reprä­sen­tanz.“ Und: „Über­re­gio­na­le Medi­en müs­sen sich kri­tisch mit ihrer frü­he­ren Ost­deutsch­land-Bericht­erstat­tung auseinandersetzen.“

Damit ist hier alles gesagt. Auch schon von jedem (oder jeder)?

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