<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Politik Archive - ostdeutschland.info</title>
	<atom:link href="https://ostdeutschland.info/category/politik/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://ostdeutschland.info/category/politik/</link>
	<description>Impulse für den Osten</description>
	<lastBuildDate>Mon, 11 May 2026 20:40:47 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/02/cropped-Ost_Button_ffe500-32x32.png</url>
	<title>Politik Archive - ostdeutschland.info</title>
	<link>https://ostdeutschland.info/category/politik/</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Einheit als Prozess. Interview mit der Podcasterin Nine-Christine Müller</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/einheit-ist-kein-zustand-sie-ist-ein-prozess-interview-mit-der-podcasterin-nine-christine-mueller/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 May 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Podcast]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9550</guid>

					<description><![CDATA[<p>Nine-Christine Müller ist Kommunikationsexpertin, Moderatorin und Host des Podcasts „Ostwärts: Gespräche über ostdeutsche Identitäten“. Dieser ist aktuell auf Tour. Im Interview teilt sie Näheres.<br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9565" class="wp-image-9565" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/Nine-Christine_MuellercDmytroGuk_Portrait_Podcasten_2.jpg" alt="Nine-Christine Müller, geboren 1989 in Jena, ist Kommunikationsexpertin, Moderatorin und Podcast-Host von „Ostwärts“. ostwaerts-podcast.com. Abbildung: Dmytro Guk" width="450" height="675">Nine-Christine Müller, geboren 1989 in Jena, ist Kommunikationsexpertin, Moderatorin und Podcast-Host von <a href="https://www.ostwaerts-podcast.com/" target="_blank" rel="noopener">„Ostwärts</a>“.&#160;Abbildung: Dmytro Guk<br />
ostdeutschland.info: Nine, du bist Podcast-Host von „Ostwärts“. Wann bist du mit ihm gestartet und wie kam [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/einheit-ist-kein-zustand-sie-ist-ein-prozess-interview-mit-der-podcasterin-nine-christine-mueller/">Einheit als Prozess. Interview mit der Podcasterin Nine-Christine Müller</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Nine-Christine Müller ist Kommunikationsexpertin, Moderatorin und Host des Podcasts „Ostwärts: Gespräche über ostdeutsche Identitäten“. Dieser ist aktuell auf Tour. Im Interview teilt sie Näheres.<span id="more-9550"></span></p>
<div id="attachment_9565" style="width: 460px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9565" class="wp-image-9565" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/Nine-Christine_MuellercDmytroGuk_Portrait_Podcasten_2.jpg" alt="Nine-Christine Müller, geboren 1989 in Jena, ist Kommunikationsexpertin, Moderatorin und Podcast-Host von „Ostwärts“. ostwaerts-podcast.com. Abbildung: Dmytro Guk" width="450" height="675"><p id="caption-attachment-9565" class="wp-caption-text">Nine-Christine Müller, geboren 1989 in Jena, ist Kommunikationsexpertin, Moderatorin und Podcast-Host von <a href="https://www.ostwaerts-podcast.com/" target="_blank" rel="noopener">„Ostwärts</a>“.&nbsp;Abbildung: Dmytro Guk</p></div>
<h2><span class="title-bg">ostdeutschland.info: Nine, du bist Podcast-Host von „Ostwärts“. Wann bist du mit ihm gestartet und wie kam es dazu?</span></h2>
<p><strong>Nine-Christine Müller: </strong>Als ich meinen Podcast „Ostwärts: Gespräche über ostdeutsche Identitäten“ 2022 startete, wurde ich oft gefragt: Warum dieses Thema? Warum wieder der Osten? Meine Antwort war und ist: Weil zu oft <em>über </em>ihn gesprochen wird und zu selten <em>aus </em>ihm heraus.</p>
<p>Über den Osten zu sprechen heißt für mich, aus einer spezifischen Erfahrung heraus zu erzählen. Einer ostdeutschen Perspektive, die sich über Jahre im Spannungsfeld zwischen Unsichtbarkeit und Zuschreibung entwickelt hat. Der Osten wurde vermessen, seziert, bedauert. Aber selten wurde wirklich zugehört.</p>
<p>Mit Ostwärts wollte ich das ändern und das nicht als Antwort, sondern als Einladung zum Zuhören. Einen Raum schaffen, in dem Ambivalenz und Vielfalt gewünscht sind, Widersprüche Platz haben und Perspektiven zu hören sind, die sonst zu kurz kommen. Was fehlt, sind differenzierte Narrative, die Erfolge würdigen, Potenziale benennen und Zukunft denken; statt immer wieder Defizite zu beschreiben.</p>
<p>Und das Thema geht alle an: Die Geschichte der DDR und der Transformationszeit nach 1989/90 ist untrennbar verbunden mit der NS-Geschichte und der Nachkriegsordnung. Im Heute steckt sehr viel Gestern.</p>
<h2><span class="title-bg">Gibt es immer wiederkehrende Themen?</span></h2>
<p>Ostwärts funktioniert, weil er Ambivalenz zulässt und weil er ostdeutsche Erfahrungen weder heroisiert noch pathologisiert, sondern in ihrer Normalität ernst nimmt. Und weil er zeigt, dass ostdeutsche Identitäten plural sind: generationell, sozial, migrantisch, urban und ländlich zugleich.</p>
<p>Seit über drei Jahren spreche ich mit Menschen über ihre ostdeutschen Prägungen, über Brüche, Aufbrüche und das lange Echo der Neunziger. Mich interessiert, warum so viele Biografien zwischen Unsichtbarkeit und Zuschreibung pendeln, warum Herkunft oft erst im Kontrast spürbar wird. Und warum Repräsentationsfragen nicht nur statistisch sind, sondern existenziell.</p>
<p>Viele meiner Gäste erzählen weniger von der DDR selbst, als von der radikalen Umwertung nach 1990. Identität entsteht hier nicht aus Nostalgie, sondern aus Transformation: aus Anpassung und Widerstand, aus Aufbruch und Verlust. Was heute als Politikverdrossenheit oder Systemmisstrauen beschrieben wird, ist oft tief in biografischen Entwertungs- und Beschleunigungserfahrungen verankert. Daran kommt man nicht vorbei, wenn man die Gegenwart verstehen will.</p>
<h2><span class="title-bg">Was war für dich bislang am Bemerkenswertesten, Überraschendsten?</span></h2>
<p>Jedes Gespräch ist spannend und ich gehe immer wieder mit neuen Impulsen raus. Besonders hängen geblieben ist ein Satz von Bodo Ramelow: Er hätte sich manchmal gewünscht, dass Ost und West zwei verschiedene Sprachen gesprochen hätten, weil wir dieselbe Sprache benutzen und trotzdem oft ganz verschiedene Dinge meinen.</p>
<p>Das hat mich nicht losgelassen. Diese Illusion des gemeinsamen Verständnisses ist vielleicht das eigentliche Problem der deutschen Einheit. Wenn man glaubt, man versteht sich und weiß schon alles, hört man auf zuzuhören. Und dann wundert man sich über dreißig Jahre später, warum vieles nicht geklappt hat.</p>
<h2><span class="title-bg">Wie viele Folgen gibt es bereits und wie viele Hörer haben sie?</span></h2>
<p>Ich veröffentliche gerade meine 42. Folge. Monatlich erreiche ich rund 3.000 Hörerinnen und Hörer, plus die Reichweite über meine Kanäle – mit wachsender Tendenz. Für einen unabhängigen gesellschaftspolitischen Podcast ohne Redaktion im Rücken und ohne Verlagsstruktur ist das eine Zahl, auf die ich super stolz bin.</p>
<div id="attachment_9569" style="width: 460px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9569" class="wp-image-9569" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/Ostwaerts_Gespraeche-ueber-ostdeutsche-Identitaeten.jpg" alt="Das Keyvisual des Podcasts. Die Moderatorin veröffentlicht gerade ihre 42. Podcastfolge von „Ostwärts“ und erreicht rund 3.000 Hörerinnen und Hörer. Abbildung: „Ostwärts“" width="450" height="450"><p id="caption-attachment-9569" class="wp-caption-text">Der Podcast Ostwärts erreicht monatlich rund 3.000 Hörerinnen und Hörer. Abbildung: Ostwärts</p></div>
<h2><span class="title-bg">„Einheit gut, alles gut.“, „Born in the GDR“, „Nach meiner Kenntnis ist das sofort!“ – mittlerweile gibt es einige Ost-Podcasts. Es erscheinen auch viele Bücher zur Thematik. Wie beobachtest du das wachsende Interesse am Thema Ostdeutschland?</span></h2>
<p>Super! Ich freue mich über alle Projekte. Der Osten hat jahrzehntelang eine mediale Unterversorgung erlebt, die man nur als strukturell bezeichnen kann. Jetzt entstehen Formate, Bücher, Initiativen und das ist keine Modeerscheinung, das ist eine Korrektur, die längst überfällig war.</p>
<h2><span class="title-bg">Du bist jetzt mit Ostwärts auf Tour gegangen. Was hat es damit auf sich?</span></h2>
<p>Ich fahre in die ländlichen Regionen der östlichen Flächenländer und mache dort Live-Folgen mit Menschen, die vor Ort zivilgesellschaftlich aktiv sind. Menschen, die gestalten, ohne dass jemand zuschaut.</p>
<p>Es geht mir darum, Demokratie dort sichtbar zu machen, wo sie oft totgeredet wird. Der ländliche Raum wird medial entweder ignoriert oder als Problemzone beschrieben, die er so nicht ist.</p>
<p>Die nächsten <a href="http://ostwaerts-podcast.com" target="_blank" rel="noopener">Termine</a>:</p>
<ul>
<li>30. Mai, 13 bis 15 Uhr – Neiße Filmfestival, Sachsen</li>
<li>17. Juni, 16 bis 18 Uhr – Briesen (Mark), Brandenburg</li>
<li>2. Juli – Malchin, Mecklenburg-Vorpommern (Uhrzeit folgt)</li>
</ul>
<h2><span class="title-bg">Die Tour ist im Kontext des Flow Fund für Ostdeutschland entstanden – wie funktioniert diese Förderung konkret?</span></h2>
<p>Der Flow Fund ist das Gegenteil von dem, was die meisten unter Förderung verstehen: kein langer Antrag, keine Jurysitzung in Berlin, keine Verwendungsnachweise in fünffacher Ausfertigung. Stattdessen: 17 Menschen, die vor Ort leben, zivilgesellschaftlich oder unternehmerisch aktiv sind und je 25.000 Euro eigenständig vergeben. Jedes Projekt bekommt 5.000 Euro von mir. Das klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Ist es aber.</p>
<h2><span class="title-bg">Wer sind deine Kooperationspartner und Unterstützer?</span></h2>
<p>Meine Partner suche ich nicht nach Reichweite aus, sondern nach Haltung. Das klingt idealistisch, ist aber schlicht die Voraussetzung dafür, dass Ostwärts glaubwürdig bleibt. Auf der Förderseite bin ich dankbar für die Unterstützung durch das Grow-Stipendium 2024 von Netzwerk Recherche und Schöpflin-Stiftung, den Flow Fund für Ostdeutschland 2025 und die Kinnings Foundation.</p>
<p>Inhaltlich und strukturell arbeite ich mit der Hessischen Landesvertretung, dem DDR-Museum, der Stiftung Bürger für Bürger, der Sparda-Bank Berlin, dem Tagesspiegel und dem MACHN Festival zusammen. Das sind sehr unterschiedliche Partner, von Erinnerungskultur bis Medienjournalismus, und das spiegelt auch wider, wie plural das Thema ostdeutsche Identität eigentlich ist.</p>
<p>Was mich dabei immer wieder überrascht: Wie viele Institutionen dieses Thema mittlerweile ernst nehmen. Das war vor drei Jahren noch anders.&nbsp; Und ja, ich bin offen für neue Kooperationen. Wer Interesse hat, kann sich gern <a href="mailto:ostwaerts@mail.de">bei mir melden</a>.</p>
<div id="attachment_9570" style="width: 460px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9570" class="wp-image-9570" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/Nine-Christine_MuellercDmytroGuk_Portrait_Podcasten_1_beschnitten.jpg" alt="Ihre Kooperationspartner sucht die Podcasterin nicht nach Reichweite, sondern nach Haltung aus. Abbildung: Dmytro Guk" width="450" height="466"><p id="caption-attachment-9570" class="wp-caption-text">„Ostdeutschland ist kein Problemraum“, sagt Nine-Christine Müller. Abbildung: Dmytro Guk</p></div>
<h2><span class="title-bg">Du bist derzeit auch Fellow der Kinnings Foundation …</span></h2>
<p>Kinnings ist ein Leadership-Programm für junge Changemaker aus Ostdeutschland und es ist das erste Netzwerk, in dem ich nicht erklären muss, woher ich komme. Das klingt nach wenig. Es ist aber sehr viel. Ich arbeite dort mit Menschen aus Bildung, Zivilgesellschaft, Politik und Kultur zusammen, die nicht nur reden, sondern gestalten. Was mich beeindruckt: das kollektive Selbstbewusstsein. Kein Trotz, kein Erklärungsbedarf, sondern sehr viel Energie. Ostdeutschland ist kein Problemraum. Es ist ein Raum voller Menschen, die längst wissen, was sie können.</p>
<h2><span class="title-bg">Wie blickst du auf das „Ostwahljahr“ 2026?</span></h2>
<p>Sehr ambivalent. Sabine Rennefanz hat geschrieben: „Hört auf, den Sieg der AfD herbeizureden!“ und ich verstehe diesen Impuls. Gleichzeitig: Außerhalb der Berliner Blase ist es mehr als nachvollziehbar, sich mit den möglichen Folgen der Wahlen ernsthaft auseinanderzusetzen. Wegschauen hat in diesem Land selten geholfen.</p>
<h2><span class="title-bg">Du hast das letzte Wort ...</span></h2>
<p>Der Osten ist nicht nur Vergangenheit. Er ist ein Raum, der erzählt werden will und das vielstimmig, widersprüchlich und ohne Auflösung auf Bestellung.</p>
<p>Ich wünsche mir eine Öffentlichkeit, die das aushält. Die neugierig bleibt, nachfragt, zuhört; auch wenn die Antworten unbequem sind. Die Vielfalt nicht als Problem behandelt, sondern als das, was sie ist: Realität.</p>
<p>Einheit ist kein Zustand. Sie ist ein Prozess. Und dieses Gespräch hat gerade erst begonnen.</p>
<h2><span class="title-bg">Vielen Dank.</span></h2>
<p><em>Die Fragen stellte Robert Nehring.</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/einheit-ist-kein-zustand-sie-ist-ein-prozess-interview-mit-der-podcasterin-nine-christine-mueller/">Einheit als Prozess. Interview mit der Podcasterin Nine-Christine Müller</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Dominique Lellek: Ostdeutsch &#038; selbstbestimmt. Fern der Heimat wurde mir klar, wie viel Stärke in ihr steckt</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/dominique-lellek-ostdeutsch-selbstbestimmt-fern-der-heimat-wurde-mir-klar-wie-viel-staerke-in-ihr-steckt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 May 2026 05:30:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=7313</guid>

					<description><![CDATA[<p>Dominique Lellek, Chief Marketing Officer der Alteos GmbH, ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7322" class="wp-image-7322 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/Lellek_DIAO2.png" alt="Dominique Lellek, Chief Marketing Officer Alteos GmbH. Abbildung: Ben Gierig" width="704" height="1000">Dominique Lellek, Chief Marketing Officer Alteos GmbH. Abbildung: Ben Gierig<br />
Wenn ich an Ostdeutschland denke, denke ich an Neuanfänge. An tief verwurzelte Geschichte. An Systemumbruch. An [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/dominique-lellek-ostdeutsch-selbstbestimmt-fern-der-heimat-wurde-mir-klar-wie-viel-staerke-in-ihr-steckt/">Dominique Lellek: Ostdeutsch &amp; selbstbestimmt. Fern der Heimat wurde mir klar, wie viel Stärke in ihr steckt</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Dominique Lellek, Chief Marketing Officer der Alteos GmbH, ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7313"></span></p>
<div id="attachment_7322" style="width: 714px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7322" class="wp-image-7322 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/Lellek_DIAO2.png" alt="Dominique Lellek, Chief Marketing Officer Alteos GmbH. Abbildung: Ben Gierig" width="704" height="1000"><p id="caption-attachment-7322" class="wp-caption-text">Dominique Lellek, Chief Marketing Officer Alteos GmbH. Abbildung: Ben Gierig</p></div>
<p>Wenn ich an Ostdeutschland denke, denke ich an Neuanfänge. An tief verwurzelte Geschichte. An Systemumbruch. An Menschen, die sich immer wieder neu finden mussten. An meine Heimat – die beim Aufwachsen oft schlechter geredet wurde, als sie eigentlich ist. „Guck, dass du fortkommst“, das haben wir oft gehört. Und einige von uns hat das inspiriert, wirklich fortzugehen. So wie mich.</p>
<p>Ich war Quark im Schaufenster, als die Mauer fiel. Meine Kindheit verbrachte ich behütet auf einem Bauernhof mitten in der Sächsischen Schweiz – zwischen Stall, Wald und Streuobstwiese. Heute lebe ich in Berlin, aber ich schreibe diesen Text aus einer anderen Perspektive: der des ländlichen Raums aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Geleitet von Erinnerungen und von vielen Gesprächen mit Freunden, Familie, Menschen, die geblieben sind. Ich bin mir auch bewusst, dass eine Biografie wie die meine – mit all ihrer Freiheit und den Möglichkeiten – in der DDR nicht möglich gewesen wäre, und ich bin den Menschen, die damals friedlich demonstriert haben, unendlich dankbar. Ich konnte frei entscheiden, was ich mit meinem Leben machen möchte, was ein absolutes Privileg ist.</p>
<p>Dennoch, die Nachwendezeit hat auch uns Nachwendekinder geprägt – durch die Erzählungen, die Erschöpfung, die leisen Enttäuschungen, die sich mal mehr, mal weniger in den Alltag unserer Familien eingeschlichen haben. Umschulungen, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, abrupte Brüche in Lebensläufen – all das spürten wir auch als Kinder, ohne es benennen zu können. Wir spürten es in der Stimmung am Küchentisch, in der Unruhe, die keiner aussprach, aber alle kannten.</p>
<div id="attachment_7324" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7324" class="wp-image-7324" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/1_Auf-dem-Alexanderplatz-1991.jpg" alt="Auf dem Alexanderplatz, 1991. Abbildung: privat" width="600" height="399"><p id="caption-attachment-7324" class="wp-caption-text">Auf dem Alexanderplatz, 1991. Abbildung: privat</p></div>
<h2><span class="title-bg">Ich wurde Ossi, als ich wegging</span></h2>
<p>Eine ostdeutsche Identität spielte in meiner Kindheit keine Rolle. Zu Hause wuchs ich ohne Ostalgie auf. Dass ich offenbar „anders“ war, wurde mir erst bewusst, als ich ging – weg vom Dorf, weg von Sachsen, hinein in eine Welt, in der meine Herkunft plötzlich etwas bedeutete, teils abgrenzte.</p>
<p>Es waren viele kleine Erlebnisse, die sich nach und nach in mein Bewusstsein einprägten. Als Au-pair in den USA habe ich meinen Dialekt praktisch verschluckt. Denn ich klang einfach anders als die anderen deutschen Mädels und wurde auch etwas seltsam angeschaut.</p>
<p>Eine damalige Kommilitonin aus Westdeutschland erzählte mir, wie überrascht sie von ihrem Umfeld gefragt wurde, warum sie im Osten studieren möchte. Da schreiben wir schon das Jahr 2010.</p>
<p>In Chicago bekam ich meinen ersten Job bei der dortigen Auslandshandelskammer. Bei einer Feierstunde – ausgerechnet zum Tag der Deutschen Einheit – stand ich mit drei Herren im Anzug, alle etwa 50 plus, an einem der Stehtische. Wir unterhielten uns höflich, bis die Frage kam, woher ich komme. „Aus Sachsen“, sagte ich. Es brach schallendes Gelächter aus, und ich erinnere mich noch sehr genau daran, wie ich innerlich erstarrte. „Ach, ’n Ossi! Wahnsinn – wie kommst du denn hierher?“ Es klang, als wäre ich aus einer dunklen Höhle gekrochen. Sie gratulierten mir, dass ich es „rausgeschafft“ habe.</p>
<p>Bis heute, über zehn Jahre später, höre ich immer wieder anerkennende Bemerkungen, dass man mir gar nicht anhöre, wo ich herkomme. Wann wurde das eigentlich zu einem Kompliment? Übrigens: Sobald ich die Landesgrenze überschritten habe oder mit meinen Eltern telefoniere, spreche ich automatisch wieder im sächsischen Dialekt.</p>
<p>Diese Erlebnisse waren nicht nur individuell. Sie stehen für ein Gefühl, das viele von uns kennen – manchmal subtil, manchmal schmerzhaft konkret. Die unsichtbaren Wunden der Wendezeit wurden an uns weitergegeben – aber auch wir haben unsere eigenen erfahren. Ich habe acht Jahre im Ausland gelebt, war so weit weg, habe so viel erlebt und spüre sie doch.</p>
<p>Enttäuschung und Wut liegen nah beieinander – mal stumm, mal laut, oft unausgesprochen, aber gegenwärtig. Sie zeigen sich nicht in Ausbrüchen, sondern in kleinen Gesten, langen Blicken, einem Schulterzucken. In der Hast der wirtschaftlichen Union Deutschlands wurde ganz offensichtlich vergessen, was es für Menschen – und für eine ganze Gesellschaft – bedeutet, sich komplett neu zu formen. Als könne man Identität, Erlebnisse und Erfahrungen einfach überschreiben oder neu coden. Der gestiegene materielle Wohlstand konnte die Lücke im Selbstbild nie wirklich füllen. Was auf dem Papier besser wurde, fühlte sich für viele innerlich nie wirklich an wie ein Fortschritt. Lohnlücken, fehlendes Vermögen, geringere Rentenansprüche – der ungewollte Vergleich zwischen Ost und West dringt nicht nur in Statistiken, sondern auch in Lebensrealitäten immer stärker an die Oberfläche.</p>
<p>Gerade im ländlichen Raum herrscht seit Jahren eine lähmende Machtlosigkeit. Arztpraxen schließen. Marktplätze veröden. Ein Riss zieht sich durch alle Generationen, denn viele sind fortgegangen – physisch oder innerlich. Die Wege werden weiter, der Leerstand wächst. Der Frust sitzt tief – wirtschaftlich, sozial, emotional. Wer viel arbeitet, verdient unangemessen wenig. Wer träumt, wird belächelt. Statt Hoffnung gibt es neue Regeln, Formulare, Pflichten. Und kaum jemanden, der zuhört.</p>
<p>Dieses Vakuum füllen Populisten mit einfachen Antworten und schmissigen Headlines. Doch sie liefern keine Lösungen, sondern nur mehr Wut. Sie ziehen Gräben – durch Familien, Freundeskreise, Gemeinden. Warum lassen wir das eigentlich unkommentiert zu?</p>
<p>Das öffentliche Narrativ über uns verdeckt die Themen, die wir eigentlich diskutieren müssten: Werksschließungen, Lehrermangel, finanzielle Ungleichheit und tiefsitzende Existenzängste.</p>
<div id="attachment_7325" style="width: 434px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7325" class="wp-image-7325" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/2_Stolz-wie-Bolle-neben-unserem-damaligen-Fortschritt-Ladekran-1995.jpg" alt="Stolz wie Bolle neben unserem damaligen Fortschritt Ladekran, 1995. Abbildung: privat" width="424" height="600"><p id="caption-attachment-7325" class="wp-caption-text">Stolz wie Bolle neben dem eigenen Fortschritt Ladekran, 1995. Abbildung: privat</p></div>
<h2><span class="title-bg">Stimme zeigen bedeutet Verantwortung</span></h2>
<p>Wir sind keine Marionetten. Es ist an der Zeit, unsere Stimme zu finden – und sie auch zu nutzen. Denn ganz ehrlich: Wem überlassen wir eigentlich gerade den Raum?</p>
<p>Ich wünsche mir, dass wir (wieder) lernen, miteinander zu sprechen. Wirklich zu sprechen. Nicht nur zu senden oder zu urteilen, sondern zuzuhören. Das klingt einfach – ist es aber nicht. Denn allzu oft schalten wir ab, wenn es unbequem wird. Wir drehen uns weg, rollen mit den Augen, wechseln das Thema. Vielleicht wäre es genau in diesen Momenten wichtig, stehen zu bleiben. Fragen zu stellen. Ein echtes Gespräch zuzulassen – auch wenn es anstrengend ist.</p>
<p>Wir dürfen uns nicht in Lager zurückziehen. Nicht ins Schweigen. Nicht in den Zynismus. Die Verantwortung für das Miteinander liegt nicht nur bei „denen da oben“. Sie liegt auch bei uns. „Die machen doch eh, was sie wollen.“ Diesen Satz höre ich oft. Doch wer seine Geschichte teilt, bricht das Schweigen, schafft Sichtbarkeit – ob über Social Media, in Leserbriefen oder bei Bürgerforen. Es braucht keine Bühne, keine politische Karriere – nur den Mut, sichtbar zu werden.</p>
<p>Der Protest an der Wahlurne ist der einfache Weg. Doch echte Veränderung beginnt früher: dort, wo wir einander zuhören, Unterschiede aushalten, Differenzen überbrücken – und gemeinsam aktiv werden.</p>
<p>Wenn etwas Neues entsteht, lasst uns mit Offenheit darauf zugehen. Nicht misstrauisch beäugen, nicht vorschnell werten. Helft denen, die gestalten wollen, dabei erfolgreich zu sein – durch Unterstützung, durch Mitmachen, durch Zutrauen.</p>
<p>Unser Kollektiv gibt uns Macht. Es ist die Kraft der vielen, die Wandel möglich macht – aus der Gemeinschaft heraus.</p>
<div id="attachment_7326" style="width: 410px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7326" class="wp-image-7326" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/3_Ueber-5-Jahre-habe-ich-in-den-USA-gelebt-und-ausgerechnet-dort-.JPEG.jpeg" alt="Über fünf Jahre habe ich in den USA gelebt und ausgerechnet dort meine erste „Ossi-Erfahrung“ gemacht. Abbildung: privat" width="400" height="600"><p id="caption-attachment-7326" class="wp-caption-text">Über fünf Jahre in den USA gelebt und ausgerechnet dort die erste „Ossi-Erfahrung“ gemacht. Abbildung: privat</p></div>
<h2><span class="title-bg">Orte der Kraft, Felder der Gestaltung</span></h2>
<p>Lokale Initiativen stärken: Es gibt unheimlich viele Menschen, die ehrenamtlich mit wenig Mitteln und viel Kreativität unglaublich viel auf die Beine stellen – Jugendklubs, Kulturinitiativen, engagierte Gruppen, die Räume für Begegnung schaffen. Die finanzielle Förderung muss verständlich und zugänglich sein. Nicht jeder, der Gutes tut, hat einen Vereinsstempel.</p>
<p>Bildung als Grundlage für Zukunft: Wie sollen Kinder träumen, wenn schon vier Schulstunden am Tag ohne Ausfälle Luxus sind? Wer auf dem Land lebt, braucht Perspektiven – nicht Personalnotstand und kilometerweite Wege. Der Zugang zu guter Bildung darf keine Frage des Wohnorts sein.</p>
<p>Landwirtschaft wertschätzen: Wir leben mit der Natur, nicht gegen sie. Aber Auflagen und Gesetze werden oft gemacht, als wolle man Betrug verhindern, statt Erfolg zu ermöglichen. Dokumentation frisst unsere Zeit. Und die Natur hält sich nicht an Verwaltungsraster. Bei uns halten viele landwirtschaftliche Betriebe über Generationen hinweg Traditionen aufrecht. Diese Arbeit verdient Vertrauen, nicht Misstrauen.</p>
<p>Prestigeprojekte der Wirtschaftsförderung: Sie müssen auch den ländlichen Raum erreichen. Wir möchten genauso eingebunden werden in Fortschritt und Innovation. Doch die PR-Maschinerie richtet sich an die eigenen Entscheidungsträger – nicht an jene, die tatsächlich Chancen und Mitgestaltung brauchen. Mehr ostdeutsche Repräsentation: Überhaupt, wir brauchen mehr Ostdeutsche in Führungs- und Entscheidungspositionen – selbstbewusst, sichtbar, hörbar. Kein Quoten-Ossi, kein Exot, kein Aber. Unsere Dialekte, unsere Biografien, unsere Geschichte sind kein Makel – sie sind ein Wert. Holt uns an den Tisch der Entscheidungen, gebt uns Zugang zu Netzwerken und Vitamin B.</p>
<div id="attachment_7327" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7327" class="wp-image-7327" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/4_Wanderung-um-Hohnstein-2018.-Die-Saechsische-Schweiz-ist-fuer-mich-einer-der-schoensten-Landstriche-ueberhaupt.jpg" alt="Wanderung um Hohnstein, 2018. Die Sächsische Schweiz ist für mich einer der schönsten Landstriche überhaupt. Abbildung: privat" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7327" class="wp-caption-text">Wanderung um Hohnstein, 2018. Die Sächsische Schweiz ist für Dominique Lellek einer der schönsten Landstriche überhaupt. Abbildung: privat</p></div>
<h2><span class="title-bg">Ein Platz, der Worte trägt</span></h2>
<p>Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich auf dem Altmarkt in Dresden. Ich liebe meine Heimat und merke: Die Worte fließen hier anders. Hier, wo Geschichte hörbar wird.</p>
<p>Ich will keine Wahrheit verkünden – ich will den Graben ein Stück kleiner machen. Und ich denke: Vielleicht ist es genau das, was wir brauchen – Orte, an denen Worte wieder entstehen können. An denen Nähe entsteht, wo sonst Distanz war.</p>
<p>Mit Tränen in den Augen lausche ich den Glocken der Frauenkirche. Ich erinnere mich an ihren Schutthaufen – einst Symbol der Zerstörung. Heute steht sie wieder: stark, bestimmt, unübersehbar.</p>
<p>Genau das wünsche ich mir für Ostdeutschland: Dass wir aufstehen. Nicht trotzig, nicht angepasst – sondern aufrecht. Mit Stolz auf das, was war, mit Mut für das, was kommt. Mit dem Bewusstsein, dass wir viel erlebt, viel getragen und viel aufgebaut haben – oft leise, oft übersehen, aber niemals bedeutungslos.</p>
<p>Mit Stolz auf die Transformation der letzten 35 Jahre. Mit Mut zur Eigenständigkeit. Mit Lust auf Gestaltung.</p>
<p>Lasst uns laut sein. Nicht, um zu übertönen, sondern um gehört zu werden. Nicht gegen andere, sondern für das, was uns wichtig ist.</p>
<p>Damit die Zukunft nicht über uns hinwegrollt – sondern von uns mitgestaltet wird. Selbstbestimmt. Gemeinsam. Jetzt.</p>
<div id="attachment_7328" style="width: 455px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7328" class="wp-image-7328" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/5_Blick-aus-meinem-alten-Kinderzimmer-in-den-Garten-und-Rueckzugsort-meiner-Oma-2024.jpg" alt="Blick aus meinem alten Kinderzimmer in den Garten, dem Rückzugsort meiner Oma, 2024. Sie war eine der stärksten Frauen, die ich kenne. Abbildung: privat" width="445" height="600"><p id="caption-attachment-7328" class="wp-caption-text">Blick aus dem Kinderzimmer in den Garten, dem Rückzugsort der Oma, 2024. Sie war eine der stärksten Frauen, die Dominique Lellek kennt. Abbildung: privat</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1685" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg" alt="Label Impulsgeberin Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Dominique Lellek</span></h2>
<p><strong>GEBOREN:</strong> 1990/Sebnitz<br>
<strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Berlin<br>
<strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> Juli Zeh: „Über Menschen“, 2021<br>
<strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „In einem Land, das es nicht mehr gibt“, 2022<br>
<strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Burg Hohnstein</p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/dominique-lellek-ostdeutsch-selbstbestimmt-fern-der-heimat-wurde-mir-klar-wie-viel-staerke-in-ihr-steckt/">Dominique Lellek: Ostdeutsch &amp; selbstbestimmt. Fern der Heimat wurde mir klar, wie viel Stärke in ihr steckt</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Im Osten nichts Neues #10: NieWiederLinksistJetzt</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/im-osten-nichts-neues-10-niewiederlinksistjetzt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 May 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9488</guid>

					<description><![CDATA[<p>Daniel Heidrich wagt im zehnten Teil seiner Kolumne einen ostdeutschen Blick auf die aus seiner Sicht zunehmende Radikalisierung der politischen Linken in Westdeutschland. Freunde werden die beiden wohl nicht mehr.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3958" class="wp-image-3958" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/12/Template_Im_Osten_nichts_Neues_grau_gross.png" alt="Daniel Heidrich wurde 1975 in Berlin-Köpenick geboren. Er ist ein erfolgreicher und meinungsstarker ostdeutscher Unternehmer. ebk-gruppe.com" width="495" height="501">Daniel Heidrich wurde 1975 in Berlin-Köpenick geboren. Er ist ein erfolgreicher und meinungsstarker ostdeutscher Unternehmer. <a href="https://www.ebk-gruppe.com/">ebk-gruppe.com</a><br />
„Um eine Antwort […] zu finden, schlage ich vor, die fortschrittliche Linke [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/im-osten-nichts-neues-10-niewiederlinksistjetzt/">Im Osten nichts Neues #10: NieWiederLinksistJetzt</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Daniel Heidrich wagt im zehnten Teil seiner Kolumne einen ostdeutschen Blick auf die aus seiner Sicht zunehmende Radikalisierung der politischen Linken in Westdeutschland. Freunde werden die beiden wohl nicht mehr.</p>
<p><span id="more-9488"></span></p>
<div id="attachment_3958" style="width: 505px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3958" class="wp-image-3958" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/12/Template_Im_Osten_nichts_Neues_grau_gross.png" alt="Daniel Heidrich wurde 1975 in Berlin-Köpenick geboren. Er ist ein erfolgreicher und meinungsstarker ostdeutscher Unternehmer. ebk-gruppe.com" width="495" height="501"><p id="caption-attachment-3958" class="wp-caption-text">Daniel Heidrich wurde 1975 in Berlin-Köpenick geboren. Er ist ein erfolgreicher und meinungsstarker ostdeutscher Unternehmer. <a href="https://www.ebk-gruppe.com/">ebk-gruppe.com</a></p></div>
<p>„Um eine Antwort […] zu finden, schlage ich vor, die fortschrittliche Linke wie einen exotischen Stamm zu behandeln, dessen Erzählungen und Mythen zur Erklärung der Welt dem Glauben näherstehen als der Analyse.“ (Eva Illouz – linke Soziologin und Intellektuelle, in ihrem Buch „Der 8. Oktober. Über die Ursprünge des neuen Antisemitismus“, 2025).</p>
<p>Die Linke als Bewegung hat im Osten Deutschlands und in Osteuropa aufgehört zu existieren. Die Veränderung der Demokratie und damit ihre vermeintliche Rettung kommt aus dem rechtskonservativen Lager. Polen und Ungarn erkämpfen sich gerade einen Weg zurück nach Europa. Es geht um nichts weniger, als Demokratie vs. Autokratie. Dieser Weg zurück ins Demokratische wird durch „Rechte“ angeführt und gewonnen.</p>
<p>Ich will nicht rechts sein. Zu sehr hängen mir die Baseballschlägerjahre nach. Meine verletzten Freunde, meine Flucht vor den Jungs mit den Bomberjacken und den Messern. Sie alle waren rechts. Nun kann ich auch nicht mehr links sein. Ein „sich tugendhaft gebender Hass“ gegen alles, was nicht in die progressive Bubble passt, überfordert meinen Intellekt. Ich glaube, gerade als Ostdeutscher stehe ich diesem Tugendfuror eines absolut geschlossenen Weltbildes angewidert gegenüber. Ich kann die ganzen Widersprüche nicht mehr ertragen.</p>
<p>„Dabei wird der Genozid nicht als Folge einer konkreten Regierung in Israel bewertet, sondern als notwendige Konsequenz der zionistischen Ideologie. […] Und genau das ist jetzt nicht mehr nur die Position von irgendwelchen […] Aktivistii, das ist die Position von Die Linke Niedersachsen. […] Hoch die Internationale!“ (Mitglieder von Die Linke Niedersachsen auf Instagram).</p>
<p>Ein junger Mann aus Westdeutschland, nennen wir ihn Lasse, argumentiert, dass der Zionismus die Ursache allen Übels im Nahen Osten sei. Lasse sagt, dass Völkermord und Kriegsverbrechen in der Natur der Idee liegen, dass Juden einen eigenen Staat brauchen. Lasses Urgroßvater lebte unter Antisemiten. Ach, was soll die ganze Vorsicht: Er war mit ziemlicher Sicherheit Antisemit und fand die Idee des Zionismus super. Baldur von Schirach sprach im Namen von Lasses Großvater, dass er noch mit einer Kapelle kommen würde, wenn die Juden Deutschland endlich verlassen würden. Jetzt war es so, dass einige Juden das taten, was Schirach wollte, und andere nicht. Darüber war Lasses Großvater so erbost, dass er half, sechs Millionen von den Dagebliebenen zu töten. Daraufhin folgten die Überlebenden der „Zionistischen Ideologie“ und verließen Deutschland nach dem Krieg. Diese Flucht ist für Lasse die Ursache für Völkermord und Kriegsverbrechen. Lasses Großvater war Antisemit, aber bestimmt kein Antizionist. Heute ist Lasse kein Antisemit, aber stolzer Antizionist. Er hasst ziemlich sicher auch Deutschland, aber das ist eine andere Geschichte, und Geschichte ist nicht seine Stärke.</p>
<p>Die Radikalisierung der Westdeutschen nimmt dramatische Formen an:&nbsp;„Ich will, dass Christian Ulmen und allen anderen Täter an ihren großen Zehen auf den Marktplätzen dieser Nation aufgehangen und öffentlich kastriert werden. […] Wer noch das Wort Unschuldsvermutung verwendet, soll mit dem Wort ‚Täterschützer‘ auf der Stirn zwangstätowiert werden.“ (Leonie Plaar, linke Influencerin aus Osnabrück in einem Video auf Instagram).</p>
<p>„Ob es Beweise für die behaupteten Vergewaltigungen israelischer Frauen gibt oder nicht, o. k., wenn es Beweise gibt, dann werden wir das beklagen […] aber wir wollen diese Beweise sehen und wir wollen wissen, ob es stimmt.“ (Judith Butler). Judith Butler ist eine queer-feministische Ikone. Sie lehrt an der University of California, Berkeley. &nbsp;Diese Aussage tätigte sie am 3. März 2024! Lange nachdem Videos und Fakten des 7. Oktober 2023 auf dem Tisch lagen. Harte Queer-Feminist:innen sagen eigentlich immer: „Glaubt den Frauen, nicht den Männern. Männer sind schuldig, weil sie Männer sind.“ Es sei denn … die Frauen sind Jüdinnen. Der Antizionismus ist, wie Eva Illouz gut beschrieb, jetzt „die intellektuell respektable Form des Antisemitismus“. Er ist in der „Westlinken“ tief verankert und bricht sich nun ganz offen Bahn.</p>
<p>Links zu sein bedeutete für mich, fortschrittlich zu sein. Die linke Idee des dialektischen Prozesses von These, Antithese und Synthese ist meine Idee des Streits. Nur ist sie nicht mehr die Idee derer, die sich heute als links bezeichnen. Heute bedeutet links zu sein vor allem, alle anderen für blöd und ungebildet zu erklären. Ich habe jetzt aufgehört, links zu sein. Nicht, weil ich linke Ideen ablehne, sondern weil ich einfach nicht so sein will wie diese „Linken“. Auf Linkedin hat Mirko Lange, ein Influencer, den Trust-Score erfunden. Das Ziel besteht darin, Aussagen daraufhin zu untersuchen, ob sie richtig gesagt wurden. Bewertet wird in A, B, C, D. Er nennt es Democracy Intelligence. Im Englischen bedeutet Intelligence aber auch Geheimdienst. Er begründet also ein digitales Wahrheitsministerium zur Rettung der Demokratie. Gewissheit und Autorität gehen mit einer Illusion der Gültigkeit einher (vg. Kahneman und Illouz).</p>
<p>Dieses betreute Denken ist viel näher an einer Diktatur als irgendwelche rechten Influencer, die alles raushauen, was ihrem ungebildeten Kleinhirn entspringt. Hat man ein Problem mit der Migration oder dem Stadtbild, dann ist man einfach nur das Opfer einer rechten Kampagne. Auseinandersetzung erledigt. Der Aufstand der „Anständigen“ endet mit einem kurzen: „Halts Maul, du Rassist.“</p>
<p>„Der Weg in die Hölle ist gepflastert mit guten Absichten.“ (Bernhard von Clairvaux). Ich kann all die guten Absichten des Linksseins immer noch sehen. Ich weiß aber auch, dass viele linke Ideen aus der Sowjetunion kamen. Ich weiß ebenfalls, dass die westdeutsche Linke 1968 tief ins Innere des Totalitären geblickt hat. Das marxistisch-leninistische Menschenbild ist das des Proletariers, der mit Bildung zur Erkenntnis erzogen werden kann. Entwickelte er aus dieser Bildung heraus Zweifel und eine eigene Meinung, wurde er als Erstes agitiert, dann niedergebrüllt, dann als Wegbereiter des Faschismus bezeichnet. „Komm nicht vom Wege ab, Genosse!“ Der Knüller am Marxismus-Leninismus war aber auch, dass alles mit wissenschaftlichen Erkenntnissen begründet wurde. Follow the Science, ansonsten bist du ein Faschist.</p>
<p>Und so führt Lasses linke Idee direkt in eine Diktatur der „Anständigen“. Lasse ist sogar bereit, die größten Menschenfeinde zu unterstützen, wenn es gegen den Imperialismus geht.</p>
<p>Ich mache mir nichts vor. Kommen die hartgesottenen Rechtsradikalen an die Schaltstellen der Macht, ist das das Ende unseres demokratischen Miteinanders. Lassen wir jedoch die westdeutschen Linken die soziale Gerechtigkeit einführen, führt der Weg direkt in das Umerziehungslager. Mit einem Unterschied: Der Trust-Score würde ständig grün leuchten und wir hätten ein besseres Gefühl dabei.</p>
<p>Ein gutes Gefühl bei der Umerziehung wäre im Osten … nichts Neues</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/im-osten-nichts-neues-10-niewiederlinksistjetzt/">Im Osten nichts Neues #10: NieWiederLinksistJetzt</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Veranstaltungsreihe zu „Heimat Ostdeutschland“ startet</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/veranstaltungsreihe-zu-heimat-ostdeutschland-startet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Apr 2026 10:27:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9459</guid>

					<description><![CDATA[<p>Am 29. April 2026 startet im thüringischen Greiz die Veranstaltungsreihe „Ist das noch/schon mein Land? Heimat Ostdeutschland“ vom PEN Berlin. Die Dialogreihe wird von der Ostbeauftragten der Bundesregierung gefördert.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9460" class="wp-image-9460" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/26.04.23.-Heimatreihe_Uebersicht_Extraausgabe-Ost.jpg" alt="Die Extraausgabe der Veranstaltungsreihe findet in Greiz, Neuruppin und Görlitz statt. Abbildung: Scholz &#38; Friends/PEN Berlin" width="600" height="400">Die Extraausgabe der Veranstaltungsreihe findet in Greiz, Neuruppin und Görlitz statt. Abbildung: Scholz &#38; Friends/PEN Berlin<br />
In dem Projekt vom <a href="https://penberlin.de/">PEN Berlin</a> werden in 20 Veranstaltungen in allen ostdeutschen [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/veranstaltungsreihe-zu-heimat-ostdeutschland-startet/">Veranstaltungsreihe zu „Heimat Ostdeutschland“ startet</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 29. April 2026 startet im thüringischen Greiz die Veranstaltungsreihe „Ist das noch/schon mein Land? Heimat Ostdeutschland“ vom PEN Berlin. Die Dialogreihe wird von der Ostbeauftragten der Bundesregierung gefördert.</p>
<p><span id="more-9459"></span></p>
<div id="attachment_9460" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9460" class="wp-image-9460" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/26.04.23.-Heimatreihe_Uebersicht_Extraausgabe-Ost.jpg" alt="Die Extraausgabe der Veranstaltungsreihe findet in Greiz, Neuruppin und Görlitz statt. Abbildung: Scholz &amp; Friends/PEN Berlin" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-9460" class="wp-caption-text">Die Extraausgabe der Veranstaltungsreihe findet in Greiz, Neuruppin und Görlitz statt. Abbildung: Scholz &amp; Friends/PEN Berlin</p></div>
<p>In dem Projekt vom <a href="https://penberlin.de/">PEN Berlin</a> werden in 20 Veranstaltungen in allen ostdeutschen Bundesländern die Menschen vor Ort über Heimat sprechen, um sich offen über politische Bewertungen, Identitätsfragen und -zuschreibungen in gesellschaftlichen Debatten auszutauschen. Ein Gespräch über Heimat kann dazu führen, dass schwierige Themen wie beispielsweise die Sorge vor der Überforderung des Staates durch Flüchtlinge, vor einer Verschlechterung der Wirtschaftslage, vor Extremismus, aber auch vor Vereinzelung und gesellschaftlicher Spaltung wieder versachlicht werden. Auch können ostdeutsche Besonderheiten wie zum Beispiel eine ausgeprägte Entfremdung zwischen Stadt und Land, ein besonders tiefgehender demographischer Wandel, Fremdeln mit dem politischen System, Prägungen aus Zeiten der DDR sowie die Erfahrungen der Transformationszeit besser eingeordnet werden.</p>
<p>Bereits im Sommer 2024 hatte PEN Berlin eine Gesprächsreihe mit dem Titel „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ veranstaltet. Damals lautete das Thema Meinungsfreiheit, nun heißt es Heimat. Unter dem Wort „Heimat“ können sich viele Menschen immer noch – oder wieder? – etwas vorstellen: in Milieus, in denen der Begriff seit eh und je „beheimatet“ ist, in rechtsextremen Kreisen, die diesen Begriff zu vereinnahmen versuchen, aber auch links der Mitte. Was aber ist Heimat? Und mit Jean Améry formuliert: Wie viel Heimat braucht der Mensch? Was ist erforderlich, um sich zu beheimaten? Was gefährdet das Heimatgefühl? Wie geht Heimat im Plural?</p>
<p>Die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser will der bestehenden Sprachlosigkeit und der Polarisierung in Ostdeutschland etwas entgegensetzen und unterstützt bewusst Initiativen, die neue Dialogräume schaffen, in der Menschen auf Augenhöhe mit ganz unterschiedlichen Meinungen, Herkünften miteinander ins Gespräch kommen. Die Staatsministerin wird als Teilnehmerin deren Umsetzung begleiten: Bei der Auftaktveranstaltung wird sie mitdiskutieren und bei weiteren Terminen als beobachtender Gast im Publikum dabei sein, um so auch persönliche Erfahrungen bei der Umsetzung neuer Dialogformate in Ostdeutschland zu sammeln. Kaiser ist es ein wichtiges Anliegen, Räume zu schaffen und auch anhand des Themas Heimat mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Sie fördert dieses Engagement in der Veranstaltungsreihe „Heimat Ostdeutschland” mit einer Zuwendung von rund 200.000 Euro.</p>
<div id="attachment_8891" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8891" class="wp-image-8891" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/03/250904_JBMF_PHT4329_quelle_photothek_sonntag.png" alt="Die Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland, Staatsministerin Elisabeth Kaiser, erklärt, dass die Veranstaltungsreihe zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beiträgt. Abbildung: BMF, Photothek, Juliane Sonntag" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-8891" class="wp-caption-text">Die Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland, Staatsministerin Elisabeth Kaiser (SPD), unterstützt die Veranstaltungsreihe „Ist das noch/schon mein Land? Heimat Ostdeutschland“. Abbildung: BMF, Photothek, Juliane Sonntag</p></div>
<p>PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel erklärt zum Auftakt der Reihe: „Wir finden es reizvoll, in die Orte zurückzukehren, an denen wir vor anderthalb Jahren mit der damaligen Gesprächsreihe gastiert haben. Einmal von außen irgendwo in der Provinz zu landen und dann auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden, halten wir für nicht so gut. Und wir denken, dass sich die Leitfrage dieser Reihe „Ist das noch/schon mein Land?“ – im Osten Deutschlands noch mal anders stellt als im Westen.“</p>
<p>Zur Auftaktveranstaltung wird neben Elisabeth Kaiser die in Thüringen lebende Lyrikerin Romina Nikolić von Moderator Michael Helbing auf dem Podium begrüßt.</p>
<p>Zeit:&nbsp;&nbsp;&nbsp; 29. April 2026, 19 bis 21 Uhr<br>
Ort:&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 10arium, Friedrich-Naumann-Straße 10, Greiz</p>
<p>Fortgesetzt wird die Reihe am 30. April im Museum Neuruppin mit dem langjährigen Bürgermeister der Fontanestadt, Jens-Peter Golde, sowie der Schriftstellerin und Dramatikerin Maxi Obexer. Am 5. Mai geht es im Theater Görlitz mit dem Autor Marko Martin und der Görlitzer Kulturmanagerin Agnieszka Bormann weiter.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/veranstaltungsreihe-zu-heimat-ostdeutschland-startet/">Veranstaltungsreihe zu „Heimat Ostdeutschland“ startet</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mosaike einer Epoche: Wer war Walter Womacka?</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/walter-womacka-mosaike-einer-epoche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9085</guid>

					<description><![CDATA[<p>Einer der bedeutendsten Künstler der DDR, Walter Womacka, wäre heute 100 Jahre alt. Wir gehen der Frage nach, wer der Schöpfer der riesigen Mosaike über den Alltag des Sozialismus war.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9389" class="wp-image-9389" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Bild_Womacka_Unser_Leben_hell.jpg" alt="Sozialistischer Realismus: Das Mosaikfries „Unser Leben“ von Walter Womacka ziert das „Haus des Lehrers“ am Alexanderplatz in Berlin. Abbildung: Ndiggity, Wikimedia Commons" width="600" height="338">Sozialistischer Realismus: Das Mosaikfries „Unser Leben“ von Walter Womacka ziert das „Haus des Lehrers“ am Alexanderplatz in Berlin. Abbildung: Ndiggity, Wikimedia Commons<br />
Womacka [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/walter-womacka-mosaike-einer-epoche/">Mosaike einer Epoche: Wer war Walter Womacka?</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Einer der bedeutendsten Künstler der DDR, Walter Womacka, wäre heute 100 Jahre alt. Wir gehen der Frage nach, wer der Schöpfer der riesigen Mosaike über den Alltag des Sozialismus war.</p>
<p><span id="more-9085"></span></p>
<div id="attachment_9389" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9389" class="wp-image-9389" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Bild_Womacka_Unser_Leben_hell.jpg" alt="Sozialistischer Realismus: Das Mosaikfries „Unser Leben“ von Walter Womacka ziert das „Haus des Lehrers“ am Alexanderplatz in Berlin. Abbildung: Ndiggity, Wikimedia Commons" width="600" height="338"><p id="caption-attachment-9389" class="wp-caption-text">Sozialistischer Realismus: Das Mosaikfries „Unser Leben“ von Walter Womacka ziert das „Haus des Lehrers“ am Alexanderplatz in Berlin. Abbildung: Ndiggity, Wikimedia Commons</p></div>
<p>Womacka wurde 1925 als Sohn eines Gärtners in Obergeorgenthal (Horní Jiřetín), einer Stadt im Nordwesten des heutigen Tschechiens, geboren. Von 1940 bis 1943 machte Womacka eine Ausbildung als Dekorationsmaler. Nach dem Zweiten Weltkrieg besuchte er die Meisterschule für gestaltendes Handwerk in Braunschweig. 1949 wechselte er an die Hochschule für Baukunst und Bildende Künste in Weimar und studierte dort bei Hanns Hoffmann-Lederer, Hermann Kirchberger und Otto Herbig. 1951 setzte der Maler, Grafiker und Gestalter sein Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden fort.</p>
<div id="attachment_9368" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9368" class="wp-image-9368" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Wall_mosaic_Marzahner_Promenade_45_Berlin-Marzahn.jpg" alt="Das Wandmosaik „Frieden“ von Walter Womacka befindet sich an der Marzahner Promenade 45 in Berlin Marzahn. Singlespeedfahrer, Wikimedia Commons." width="600" height="375"><p id="caption-attachment-9368" class="wp-caption-text">Das Wandmosaik „Frieden“ von Walter Womacka befindet sich an der Marzahner Promenade 45 in Berlin-Marzahn. Abbildung: Singlespeedfahrer, Wikimedia Commons</p></div>
<p>Ab 1953 arbeitete er an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Dort wirkte er zunächst als Assistent und ab 1968 als ihr Rektor. Zu seinen bekanntesten Studenten gehörte Georg Baselitz. Von 1959 bis 1988 war der Künstler Vizepräsident des Verbandes der Bildenden Künstler der DDR (VBK). Er erhielt begehrte Aufträge zur Dekoration von prestigeträchtigen Bauten der DDR: Ministerien, Kaufhäuser und Institute. Diese Dekorationen setzte der Maler oft als riesige Mosaike um. In diesen wurde in leicht verständlicher Art der Aufbau des Sozialismus gefeiert. Seine Bilder waren ein wichtiger Teil der Inszenierung der DDR. Für manche war Walter Womacka einfach ein Staatskünstler, der auch Walter Ulbricht und Markus Wolf, den Chef des DDR-Geheimdienstes, porträtierte. Andere erkennen auch den künstlerischen Wert von Womackas Motiven. Seine Werke sind ein Stück DDR, sie erinnern an diese Zeit – im Guten wie im Schlechten.</p>
<p>Ein Beispiel für seine Mosaikkunst ist das 1964 erschaffene 7 x 125 m große Bildfries „Unser Leben“ am Haus des Lehrers am Berliner Alexanderplatz. Jede einzelne Seite des Frieses besitzt ein eigenes Themengebiet. Die Nordseite fokussiert sich auf die Bereiche Wissenschaft und Technik. Die Südwand des Frieses bildet Arbeiter in verschiedenen Tätigkeiten ab. Auf der Westseite des Bildes werden Alltagssituationen aus der DDR gezeigt, während sich die Ostseite dem Themenfeld Völkerfreundschaft widmet, symbolisiert durch weiße Tauben.</p>
<div id="metaslider-id-9390" style="width: 100%;" class="ml-slider-3-107-0 metaslider metaslider-flex metaslider-9390 ml-slider has-dots-nav ms-theme-default-base" role="region" aria-label="Womacka Fries" data-height="300" data-width="600">
    <div id="metaslider_container_9390">
        <div id="metaslider_9390">
            <ul aria-live="off" class="slides">
                <li style="display: block; width: 100%;" class="slide-9392 ms-image " aria-roledescription="slide" data-date="2026-04-15 15:58:37" data-filename="Berlin_-_Haus_des_Lehrers_-_Mosaik_-_Nord-600x300.jpg" data-slide-type="image"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Berlin_-_Haus_des_Lehrers_-_Mosaik_-_Nord-600x300.jpg" height="300" width="600" alt="Der Nordteil des Mosaiks „Unser Leben“ von Walter Womacka legt den Fokus auf den Bereich Wissenschaft und Technik. Abbildung: Andreas Steinhoff, Wikimedia Commons" class="slider-9390 slide-9392 msDefaultImage" title="Der Nordteil des Mosaiks „Unser Leben“ von Walter Womacka legt den Fokus auf den Bereich Wissenschaft und Technik. Abbildung: Andreas Steinhoff, Wikimedia Commons"><div class="caption-wrap"><div class="caption"><div>Der Nordseite des Mosaikfries „Unser Leben“ von Walter Womacka konzentriert sich auf den Bereich Wissenschaft und Technik. Abbildung: Andreas Steinhoff, Wikimedia Commons</div></div></div></li>
                <li style="display: none; width: 100%;" class="slide-9394 ms-image " aria-roledescription="slide" data-date="2026-04-15 16:02:22" data-filename="Berlin_-_Haus_des_Lehrers_-_Mosaik_-_Ost_b-600x300.jpg" data-slide-type="image"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Berlin_-_Haus_des_Lehrers_-_Mosaik_-_Ost_b-600x300.jpg" height="300" width="600" alt="Die Ostseite des Mosaiks „Unser Leben“ von Walter Womacka legt den Fokus auf den Bereich Völkerfreundschaft. Symbolisiert durch weiße Tauben. Abbildung: Andreas Steinhoff, Wikimedia Commons" class="slider-9390 slide-9394 msDefaultImage" title="Die Ostseite des Mosaiks „Unser Leben“ von Walter Womacka legt den Fokus auf den Bereich Völkerfreundschaft. Symbolisiert durch weiße Tauben. Abbildung: Andreas Steinhoff, Wikimedia Commons"><div class="caption-wrap"><div class="caption"><div>Die Ostseite des Mosaikfries „Unser Leben“ von Walter Womacka legt den Fokus auf den Bereich Völkerfreundschaft. Symbolisiert durch weiße Tauben. Abbildung: Andreas Steinhoff, Wikimedia Commons</div></div></div></li>
                <li style="display: none; width: 100%;" class="slide-9396 ms-image " aria-roledescription="slide" data-date="2026-04-15 16:04:24" data-filename="Berlin_-_Haus_des_Lehrers_-_Mosaik_-_Sued-600x300.jpg" data-slide-type="image"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Berlin_-_Haus_des_Lehrers_-_Mosaik_-_Sued-600x300.jpg" height="300" width="600" alt="Die Südseite des Mosaiks „Unser Leben“ von Walter Womacka widmet sich Arbeitern in unterschiedlichen Tätigkeiten. Abbildung: Andreas Steinhoff, Wikimedia Commons" class="slider-9390 slide-9396 msDefaultImage" title="Die Südseite des Mosaiks „Unser Leben“ von Walter Womacka widmet sich Arbeitern in unterschiedlichen Tätigkeiten. Abbildung: Andreas Steinhoff, Wikimedia Commons"><div class="caption-wrap"><div class="caption"><div>Die Südseite des Mosaikfries „Unser Leben“ von Walter Womacka widmet sich Arbeitern in unterschiedlichen Tätigkeiten. Abbildung: Andreas Steinhoff, Wikimedia Commons</div></div></div></li>
                <li style="display: none; width: 100%;" class="slide-9398 ms-image " aria-roledescription="slide" data-date="2026-04-15 16:06:50" data-filename="Berlin_-_Haus_des_Lehrers_-_Mosaik_-_West_c-600x300.jpg" data-slide-type="image"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Berlin_-_Haus_des_Lehrers_-_Mosaik_-_West_c-600x300.jpg" height="300" width="600" alt="Die Westseite des Mosaikfries „Unser Leben“ von Walter Womacka zeigt verschiedene Alltagssituationen in der DDR. Abbildung: Andreas Steinhoff, Wikimedia Commons" class="slider-9390 slide-9398 msDefaultImage" title="Die Westseite des Mosaikfries „Unser Leben“ von Walter Womacka zeigt verschiedene Alltagssituationen in der DDR. Abbildung: Andreas Steinhoff, Wikimedia Commons"><div class="caption-wrap"><div class="caption"><div>Die Westseite des Mosaikfries „Unser Leben“ von Walter Womacka zeigt verschiedene Alltagssituationen in der DDR. Abbildung: Andreas Steinhoff, Wikimedia Commons</div></div></div></li>
            </ul>
        </div>
        
    </div>
</div>
<p>Noch bekannter als das Mosaikfries am Alexanderplatz ist Womackas Gemälde „Am Strand“. Das 1962 entstandene Ölgemälde ist die meistverkaufte Gemäldereproduktion der DDR. Sie erschien 1968 auch als Briefmarke mit einer Auflage von zwölf Millionen Stück. Auf dem Bild gibt Womacka eine Szene wieder, die er am Strand des Seebads Loddin auf der Insel Usedom gesehen hatte. Abgebildet ist ein junges Paar in einer Küstenlandschaft. Als der Künstler das Bild auf einer Ausstellung des Berliner Künstlerverbandes vorstellte, wurde es von einigen Kritikern abgelehnt. Große Bekanntheit erlangte „Am Strand“, als die „Neue Berliner Illustrierte“ NBI es auf ihrer Titelseite abdruckte. Als Reproduktion konnte sich das Bild über drei Millionen Mal weltweit verkaufen. 1963 erhielt der damalige Vorsitzende des Politbüros des ZK der SED, Walter Ulbricht, das Gemälde als Geschenk zu seinem 70. Geburtstag.</p>
<div id="attachment_9369" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9369" class="wp-image-9369" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Am_Strand_Bogdain.jpg" alt="Eine Replikation von Womackas „Am Strand“ als Wandgemälde, gemalt vom Künstler Andreas Bogdain, befindet sich im Heidkampweg in Berlin Baumschulenweg. Abbildung: Urfin7, Wikimedia Commons." width="600" height="450"><p id="caption-attachment-9369" class="wp-caption-text">Eine Replikation von Womackas „Am Strand“ als Wandgemälde, gemalt vom Künstler Andreas Bogdain, befindet sich im Heidkampweg in Berlin-Baumschulenweg. Abbildung: Urfin7, Wikimedia Commons</p></div>
<p>Nach der Wende verschwand Womacka aufgrund seiner Nähe zum SED-Regime aus dem Fokus. Wie wenig Bedeutung er nach der Wende erhielt, zeigt die Tatsache, dass sein Wandbild „Der Mensch gestaltet seine Welt“ mit dem Abriss des ehemaligen DDR-Außenministeriums verloren ging.</p>
<div id="attachment_9399" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9399" class="wp-image-9399" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Der_Mensch_gestaltet_seine_Welt.jpg" alt="Das Bildfries „Der Mensch gestaltet seine Welt“ befand sich im ehemaligen Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR. Es ist beim Abriss des Gebäudes verloren gegangen. Abbildung: SpreeTom, Wikimedia Commons" width="600" height="183"><p id="caption-attachment-9399" class="wp-caption-text">Das Wandbild „Der Mensch gestaltet seine Welt“ befand sich im ehemaligen Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR. Es ist beim Abriss des Gebäudes verloren gegangen. Abbildung: SpreeTom, Wikimedia Commons</p></div>
<p>Am 18. September 2010 starb Walter Womacka in Berlin. Sein Gemälde „Am Strand“ ist bis heute beliebt. Bei einer Umfrage des Albertinums Dresden, die ermitteln sollte, welche Bilder aus der Ausstellung „Ostdeutsche Malerei und Skulptur 1949–1990“ in die Dauerausstellung gehören, landete Womackas Bild auf dem ersten Platz.</p>
<div id="attachment_9370" style="width: 390px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9370" class="wp-image-9370" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Walter_Womacka_2006.jpg" alt="Walter Womacka während einer Ausstellungseröffnung im Dezember 2006 in Berlin. Abbildung: SpreeTom, Wikimedia Commons." width="380" height="392"><p id="caption-attachment-9370" class="wp-caption-text">Walter Womacka während einer Ausstellungseröffnung im Dezember 2006 in Berlin. Abbildung: SpreeTom, Wikimedia Commons</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/walter-womacka-mosaike-einer-epoche/">Mosaike einer Epoche: Wer war Walter Womacka?</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Demokratie Leben“: Ostdeutsche Bundesgrüne fordern Erhalt der Demokratieförderung</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/demokratie-leben-ostdeutsche-bundesgruene-fordern-erhalt-der-demokratiefoerderung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Apr 2026 09:28:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9403</guid>

					<description><![CDATA[<p>Anlässlich der Debatte um Kürzungen im Rahmen des Bundesförderprogramms „Demokratie Leben“ haben sich ostdeutsche Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen in einem Brief an Bundesbildungs- und Familienministerin Karin Prien (CDU) gewandt. Wir veröffentlichen den Brief in ganzer Länge.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9405" class="wp-image-9405" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Depositphotos_131894054_XL.jpg" alt="Dem Bundesförderprogramm „Demokratie Leben“ drohen Kürzungen durch das Bundesbildungs- und Familienministerium. Abbildung: Rawpixel, Depositphotos" width="600" height="329">Dem Bundesförderprogramm „Demokratie Leben“ drohen Kürzungen durch das Bundesbildungs- und Familienministerium. Abbildung: Rawpixel, Depositphotos<br />
„Als Abgeordnete der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen mit ostdeutschen Wahlkreisen [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/demokratie-leben-ostdeutsche-bundesgruene-fordern-erhalt-der-demokratiefoerderung/">„Demokratie Leben“: Ostdeutsche Bundesgrüne fordern Erhalt der Demokratieförderung</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Anlässlich der Debatte um Kürzungen im Rahmen des Bundesförderprogramms „Demokratie Leben“ haben sich ostdeutsche Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen in einem Brief an Bundesbildungs- und Familienministerin Karin Prien (CDU) gewandt. Wir veröffentlichen den Brief in ganzer Länge.</p>
<p><span id="more-9403"></span></p>
<div id="attachment_9405" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9405" class="wp-image-9405" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Depositphotos_131894054_XL.jpg" alt="Dem Bundesförderprogramm „Demokratie Leben“ drohen Kürzungen durch das Bundesbildungs- und Familienministerium. Abbildung: Rawpixel, Depositphotos" width="600" height="329"><p id="caption-attachment-9405" class="wp-caption-text">Dem Bundesförderprogramm „Demokratie Leben“ drohen Kürzungen durch das Bundesbildungs- und Familienministerium. Abbildung: Rawpixel, Depositphotos</p></div>
<p>„Als Abgeordnete der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen mit ostdeutschen Wahlkreisen wenden wir uns an Sie bezüglich des Umbaus und der Kürzungen im Rahmen von „Demokratie Leben“. Mit großer Sorge blicken wir auf die laufende Debatte, auf die Verunsicherung bei den vielfältigen Projekten und insbesondere auf die Auswirkungen für die ostdeutsche Zivilgesellschaft.</p>
<p>Gerade in Ostdeutschland erleben wir seit Jahren massive Angriffe auf Kulturschaffende, auf Demokratieprojekte, auf Menschen, die sich in kleinen Orten für ein gutes Miteinander einsetzen. Hass und Hetze sind laut gegen diejenigen, die sich lokal engagieren. Diese Menschen erleben gerade eine große Verunsicherung. Die Debatte um Verfassungstreue bei Buchläden durch Ihren Kollegen Weimer hinterlässt bei vielen offene Fragen. Ebenso die Debatte um die Fortschreibung und den zukünftigen Rahmen von „Demokratie Leben“.</p>
<p>Insbesondere in Ostdeutschland ist strukturelle Förderung auch 36 Jahre nach der friedlichen Revolution wichtig. Anders als in westdeutschen Bundesländern gibt es keine breit etablierte Förderlandschaft durch Betriebe, Institutionen; Kirchengemeinden oder weitere. Dies ist für Sportvereine ebenso ein Manko, wie für Kultur- und Jugendeinrichtungen. Erst recht für Menschen, die sich gegen rechtsextremes Gedankengut, Antisemitismus und diejenigen stellen, die unsere Demokratie abschaffen wollen.</p>
<p>Mit dem Wegfall von „Demokratie Leben“ fehlt in diesen Regionen ein wichtiger Baustein des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Projekte stehen vor dem Aus, Strukturen, mühsam entwickeltes Wissen und Kompetenzen gehen verloren. Gesellschaftliche Stimmen werden stiller, Orte für den Austausch und für Debatten verschwinden, dabei sind gerade sie auf verlässliche und kontinuierliche Unterstützung angewiesen. Genau dies macht uns Sorgen. Es befremdet in einer Zeit, wo sich alle demokratischen Kräfte darauf berufen, dass wir mehr miteinander sprechen, unser gegenseitiges Verständnis verbessern müssen.</p>
<p>Wir appellieren an Sie, die Belange Ostdeutschlands bei „Demokratie Leben“ in den Blick zu nehmen. Lassen Sie die Projekte nicht allein, geben Sie Engagierten Sicherheit statt Verunsicherung und stellen Sie sich als Partner an die Seite der Zivilgesellschaft. Sie hat unser aller Anerkennung und Unterstützung verdient.“</p>
<p>Michael Kellner, Katrin Göring-Eckhardt, Steffi Lemke, Dr. Andrea Lübcke, Claudia Müller, Julia Schneider, Kassem Taher Saleh.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/demokratie-leben-ostdeutsche-bundesgruene-fordern-erhalt-der-demokratiefoerderung/">„Demokratie Leben“: Ostdeutsche Bundesgrüne fordern Erhalt der Demokratieförderung</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Tobias Kremkau: Luxus der Leere. Realität der Verantwortung</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/tobias-kremkau-luxus-der-leere-realitaet-der-verantwortung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Apr 2026 05:30:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=7272</guid>

					<description><![CDATA[<p>Tobias Kremkau, Kreisvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen Altmark und Berater für die CoWorkLand e.G., ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7287" class="wp-image-7287" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Kremkau_DIAO2.png" alt="Tobias Kremkau, Kreisvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen, Altmark Berater für die CoWorkLand e.G. Abbildung: Ruben Engel" width="704" height="1000">Tobias Kremkau, Kreisvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen Altmark, Berater für die CoWorkLand e.G. Abbildung: Ruben Engel<br />
Wer [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/tobias-kremkau-luxus-der-leere-realitaet-der-verantwortung/">Tobias Kremkau: Luxus der Leere. Realität der Verantwortung</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Tobias Kremkau, Kreisvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen Altmark und Berater für die CoWorkLand e.G., ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7272"></span></p>
<div id="attachment_7287" style="width: 714px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7287" class="wp-image-7287" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Kremkau_DIAO2.png" alt="Tobias Kremkau, Kreisvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen, Altmark Berater für die CoWorkLand e.G. Abbildung: Ruben Engel" width="704" height="1000"><p id="caption-attachment-7287" class="wp-caption-text">Tobias Kremkau, Kreisvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen Altmark, Berater für die CoWorkLand e.G. Abbildung: Ruben Engel</p></div>
<p>Wer über politische Arbeit in Ostdeutschland spricht, denkt meist an Wahlergebnisse, an Polarisierung, an die Rolle der AfD. Selten richtet sich der Blick auf die Strukturen, die Tag für Tag demokratische Arbeit unter schwierigsten Bedingungen leisten – auf die kleinen Kreisverbände der demokratischen Parteien in ländlichen Regionen Ostdeutschlands.</p>
<p>Ich selbst bin Teil eines solchen Kreisverbands in der Altmark, einer dünn besiedelten Region im Norden von Sachsen-Anhalt, und weiß: Demokratische Arbeit hier draußen ist kein Selbstläufer, sondern eine tägliche Herausforderung – und genau genommen gar nicht mehr im eigentlichen Sinne möglich. Deshalb müssen wir neue Wege suchen, um politisch wirken zu können. Vor drei Jahren bin ich von Berlin-Friedrichshain in die Hansestadt Stendal gezogen und der (politische) Kulturschock hätte kaum größer sein können.</p>
<p>Eben noch war ich eines von mehreren Hundert Mitgliedern in einem Kreisverband, der nicht auf mein Engagement angewiesen war. Nun war ich einer von rund 70 Mitgliedern auf einer Fläche, die doppelt so groß ist wie das Saarland.</p>
<p>Und ich war eine von gerade einmal vier Personen, die zur nächsten Mitgliederversammlung erschienen, auf der der neue Kreisvorstand gewählt werden sollte. Eine Wahl war unter diesen Umständen nicht möglich. Der Verband stand kurz vor der Auflösung – was bedeutet hätte, dass die politische Arbeit meiner Partei in dieser Region wohl für lange Zeit zum Erliegen gekommen wäre.</p>
<p>Spontan erklärte ich mich bereit, Verantwortung zu übernehmen: im Vorstand mitzuarbeiten, den anstehenden Europa- und Kommunalwahlkampf zu organisieren und die Parteiarbeit sowie das Mitgliederengagement wiederzubeleben. Hier, anders als in Berlin, kam es unmittelbar auf mein persönliches Engagement an. Zwar verfügen wir inzwischen wieder über einen gewählten Kreisvorstand und erleben einen erfreulichen Zuwachs an engagierten Mitgliedern, doch die strukturellen Herausforderungen bleiben gewaltig.</p>
<hr>
<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Es braucht eine grundlegende Entlastung der Kommunen und eine überfällige Staatsreform.”</strong></span></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Fläche, Vereinzelung und Integration</span></h2>
<p>Ländliche Kreisverbände – und das gilt nicht nur für meine Partei – kämpfen mit geografischen und demografischen Bedingungen, die politische Arbeit erschweren. Die Wege zwischen Mitgliedern sind lang, der ÖPNV ausgedünnt und digitale Kommunikation ist kein vollwertiger Ersatz, wenn der persönliche Austausch fehlt. Die geringe Bevölkerungsdichte spiegelt sich in kleinen Mitgliederzahlen wider. Wer sich engagiert, trägt oft überproportional viel Verantwortung und ist selten ersetzbar.</p>
<p>Hinzu kommt ein Phänomen, das vielleicht meiner Partei in besonderem Maße eigen ist: Der überwiegende Teil unserer Mitglieder – und nahezu alle Neumitglieder der letzten Jahre – sind Zugezogene, häufig westdeutsch sozialisiert. Das bringt durchaus Vorteile mit sich: Sie tragen ein anderes, oft selbstverständliches Bild unserer Partei in sich. Doch gleichzeitig fehlt es ihnen meist an gewachsenen lokalen Netzwerken und tiefen biografischen Bezügen zur Region.</p>
<p>Das führt zu einem Paradox: Viele Menschen in der Altmark haben eine Meinung zu uns – häufig geprägt von medialen Narrativen –, doch kaum jemand kennt ein Mitglied persönlich. Unsere Mitglieder wiederum suchen in der Partei nicht nur politische Mitgestaltung, sondern auch Anschluss, Orientierung, ein soziales Netz in einer für sie neuen Umgebung. Das weckt neue Erwartungen an die Parteiarbeit – sie wird zur Integrationsaufgabe im besten Sinne.</p>
<div id="attachment_7282" style="width: 460px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7282" class="wp-image-7282" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Flyer-Pendleraktion-Zuhoeren.jpg" alt="Pendleraktion „Zuhören“: mit den Leuten ins Gespräch kommen. Abbildung: privat/Tobias Kremkau" width="450" height="600"><p id="caption-attachment-7282" class="wp-caption-text">Pendleraktion „Zuhören“: mit den Leuten ins Gespräch kommen. Abbildung: privat/Tobias Kremkau</p></div>
<h2><span class="title-bg">Ehrenamt unter Druck</span></h2>
<p>Hinzu tritt eine strukturelle Überforderung: Ohne hauptamtliche Unterstützung, ohne Geschäftsstellen oder angestelltes Personal schultern wenige Engagierte die gesamte politische Infrastruktur – von Organisation und Kommunikation über Veranstaltungen bis hin zu Wahlkämpfen. Viele dieser Aktiven sind im fortgeschrittenen Alter; jüngere Menschen fehlen. Sie zieht es – aus nachvollziehbaren Gründen – in die Städte. Wer in der Region bleibt, ist meist bereits stark eingespannt, sei es beruflich, familiär oder beides. Das ehrenamtliche Engagement, das die demokratische Arbeit vor Ort überhaupt erst ermöglicht, wird so zur dauerhaften Belastung.</p>
<p>Gleichzeitig schreitet ein besorgniserregender gesellschaftlicher Wandel voran: Der spürbare Rechtsruck und die zunehmenden Anfeindungen gegenüber ehrenamtlich Engagierten, die sich für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung einsetzen, schrecken immer mehr Menschen ab. Viele ziehen sich ins Private zurück und wünschen sich dies als unpolitischen Raum. Politik soll draußen bleiben: aus den Vereinen, von den Esstischen, aus den Skatrunden.</p>
<p>Doch wir leben in einer Parteiendemokratie. Es ist elementar für das Funktionieren unseres Gemeinwesens, dass sich Menschen in Parteien engagieren und über sie in die Räte und Parlamente auf allen Ebenen hineinwirken. In Ostdeutschland jedoch wirkt das historisch belastete Verhältnis zu Parteien und politischem Engagement fort – verschärft durch die fortschreitende Radikalisierung der politischen Rechten. Dies führt zu einer Atmosphäre der Abschreckung, die unser demokratisches Fundament ins Wanken bringt.</p>
<div id="attachment_7283" style="width: 462px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7283" class="wp-image-7283" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Flyer-verteilen-mit-Familie.jpg" alt="Flyer verteilen: mit Hilfe vom Nachwuchs. Abbildung: privat/Tobias Kremkau" width="452" height="600"><p id="caption-attachment-7283" class="wp-caption-text">Flyer verteilen: mit Hilfe vom Nachwuchs. Abbildung: privat/Tobias Kremkau</p></div>
<h2><span class="title-bg">Sichtbar bleiben – ohne Bühne</span></h2>
<p>Ein weiteres strukturelles Problem liegt in der öffentlichen Sichtbarkeit. In einer Region mit lediglich zwei Tageszeitungen und geringem medialen Interesse an politischen Themen jenseits der großen Schlagzeilen ist es schwer, überhaupt Gehör zu finden. Soziale Medien bieten zwar theoretisch alternative Kanäle – doch in der Praxis stoßen sie rasch an ihre Grenzen: mangelhafte Netzabdeckung, geringe Reichweiten und digitale Unsicherheit erschweren die Kommunikation zusätzlich. Oft ist nicht einmal klar, wer die Zielgruppe ist und wofür wir eigentlich kommunizieren. Strategische Öffentlichkeitsarbeit wird unter solchen Voraussetzungen zur Herausforderung.</p>
<p>Empfehlungen, auf Plattformen wie Tiktok zu setzen, laufen in einer dünn besiedelten Region mit einer überalterten Bevölkerung ins Leere. Und wir müssen uns – bei allem Verständnis für moderne Wahlkampfformate – nicht mit dem neuesten Trend-Tanz blamieren, nur um Parteifreunden in Stuttgart, Düsseldorf oder Hamburg zu gefallen. Solche Aktionen mögen anderswo sinnvoll sein, sie tragen jedoch kaum dazu bei, unsere Präsenz und unser Ansehen vor Ort zu stärken.</p>
<p>Immerhin leisten wir uns – im Gegensatz zu vielen anderen Kreisverbänden – noch eine eigene Geschäftsstelle. Auf über 4.500 km2 macht das immerhin zwei Fensterscheiben eines ehemaligen Ladengeschäfts mit unserem Logo sichtbar. Eine Teilzeitstelle mit zehn Wochenstunden können wir uns allerdings nur dank einer Förderung unseres Bundesverbandes leisten.</p>
<p>Dass progressiver Politik im ländlichen Osten mit Skepsis begegnet wird, ist kein Geheimnis. In vielen Regionen sitzen tief verwurzelte Ressentiments gegen „die da oben“, gegen Veränderung, gegen grüne Ideen. Wer sich öffentlich positioniert, setzt sich Anfeindungen aus. Die Dominanz rechter Diskurse prägt zunehmend das gesellschaftliche Klima – sie erschwert nicht nur die politische Arbeit, sondern macht sie mitunter auch riskant.</p>
<p>Und doch erfüllen gerade kleine Kreisverbände eine unverzichtbare Funktion: Sie sichern demokratische Präsenz – oft als einzig sichtbare Alternative zu autoritären und populistischen Kräften. Wir schaffen Räume für Austausch und Begegnung, engagieren uns in Bürgerinitiativen, wirken in Gemeinderäten mit und bringen lokale Perspektiven in politische Debatten ein: etwa zu Mobilität, Landwirtschaft, Daseinsvorsorge oder der Energiewende.</p>
<p>Dabei geht es nicht um Dauerpräsenz oder Lautstärke, sondern um Verlässlichkeit. Um die leisen Stimmen, die nicht verstummen. Um Orte, an denen Menschen zusammenkommen und gemeinsam überlegen, wie ein gutes Zusammenleben gelingen kann – auf dem Land, mit all seinen Besonderheiten und Herausforderungen. Deshalb lohnt es sich weiterhin, sich in einer demokratischen Partei zu engagieren. Aber wir müssen politische Arbeit neu denken.</p>
<div id="attachment_7284" style="width: 460px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7284" class="wp-image-7284" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Plakat-haengen-hochkant.jpg" alt="Werben für ein Miteinander in der Altmark und dem Jerichower Land. Abbildung: privat/Tobias Kremkau" width="450" height="600"><p id="caption-attachment-7284" class="wp-caption-text">Werben für ein Miteinander in der Altmark und dem Jerichower Land. Abbildung: privat/Tobias Kremkau</p></div>
<h2><span class="title-bg">Was sich ändern muss</span></h2>
<p>Aus meinen bisherigen Erfahrungen lassen sich einige grundlegende Einsichten ableiten.</p>
<p>Erstens: Kreisverbände im ländlichen Raum brauchen gezielte, dauerhafte Unterstützung durch ihre Bundes- und Landesverbände – personell, finanziell und organisatorisch. Ohne diese strukturelle Rückendeckung bleibt das Engagement Einzelner überlastet und auf Dauer kaum tragfähig. In den Parteizentralen muss ankommen, dass sich die politische Realität nicht allein nach der Zahl der Stimmen bemisst. Wer den ländlichen Raum nur als zahlenmäßig schwachen Wahlkreis betrachtet, verkennt seine Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Denn wenn Regionen aus dem demokratischen Konsens kippen, hilft keine progressive Mehrheit in der nächsten Großstadt – dann bricht das Fundament unserer Gesellschaft.</p>
<p>Zweitens: Der ländliche Raum darf nicht länger nur mitgedacht werden – er muss als gleichwertiger politischer Gestaltungsraum anerkannt werden. Mit eigenen Herausforderungen, aber auch mit eigenem Potenzial. Es reicht nicht, von der Landeshauptstadt aus mit der Gießkanne über Förderprogramme zu handeln. Es braucht echte Beteiligung, echte Gestaltungshoheit. Menschen vor Ort müssen selbst entscheiden können, was gefördert wird und wie.</p>
<p>Drittens: Wer demokratische Verankerung flächendeckend sichern will, muss dort investieren, wo es unbequem, kleinteilig und wenig prestigeträchtig ist. Das heißt: in Strukturen, die heute zu oft auf Verschleiß laufen. Doch dafür braucht es mehr als wohlmeinende Sonntagsreden – es braucht eine grundlegende Entlastung der Kommunen und nicht weniger als eine überfällige Staatsreform. Denn – und hier spannt sich der Bogen vom kleinen, überlasteten Kreisverband bis hin zur Bundesrepublik – unser demokratisches Fundament bröckelt. Und das beginnt ganz unten, auf kommunaler Ebene.</p>
<p>Der viel zitierte „Luxus der Leere“ ist dabei keine romantische Kulisse, sondern eine widersprüchliche Realität. Sie bietet Freiraum für neue Ideen, für ein anderes Miteinander. Aber sie verlangt auch Verantwortung: für Zugehörigkeit, Beteiligung, Vertrauen – die Grundpfeiler einer lebendigen Demokratie.</p>
<p>Diesen Raum dürfen wir nicht den Lautesten und Radikalsten überlassen. Sondern wir müssen diejenigen stärken, die bereit sind, ihn gemeinsam mit anderen zu gestalten – verlässlich, empathisch, demokratisch.</p>
<div id="attachment_7285" style="width: 460px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7285" class="wp-image-7285" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Plakate-sortieren.jpg" alt="Wahlkampf: wenige Schultern tragen viel. Abbildung: privat/Tobias Kremkau" width="450" height="600"><p id="caption-attachment-7285" class="wp-caption-text">Wahlkampf: Wenige Schultern tragen viel. Abbildung: privat/Tobias Kremkau</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Tobias Kremkau</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>GEBOREN:</strong> 1985/Magdeburg</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Magdeburg</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> Christian Bangel: „Oder Florida“, 2017</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Zwei zu eins“, 2024</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN URLAUBSTIPP: </strong></span>Kühlungsborn, Mecklenburg-Vorpommern</p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/tobias-kremkau-luxus-der-leere-realitaet-der-verantwortung/">Tobias Kremkau: Luxus der Leere. Realität der Verantwortung</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Jägerschnitzel. Der Ost-Ost-Blick #4: Extraausgabe, Extraausgabe</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/jaegerschnitzel-der-ost-ost-blick-4-extraausgabe-extraausgabe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Apr 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9324</guid>

					<description><![CDATA[<p>Sieben Wochen ist die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung alt. Die Idee zu einer solchen klang gut, die Umsetzung ist sehr umstritten. Unser Kolumnist Julian Nejkow hat sich das Projekt näher angesehen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8046" class="wp-image-8046" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Nejkow.jpg" alt="Julian Nejkow, 1988 in Thüringen geboren, ist Deutsch-Bulgare mit Bindestrichidentität. Er hat Politikwissenschaft in Jena und Dresden studiert. Seit 2021 beschäftigt er sich verstärkt mit Ostdeutschland. Abbildung: Paul Glaser" width="600" height="600">Julian Nejkow, 1988 in Thüringen geboren, ist Deutsch-Bulgare mit Bindestrichidentität. Er hat Politikwissenschaft in Jena [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/jaegerschnitzel-der-ost-ost-blick-4-extraausgabe-extraausgabe/">Jägerschnitzel. Der Ost-Ost-Blick #4: Extraausgabe, Extraausgabe</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Sieben Wochen ist die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung alt. Die Idee zu einer solchen klang gut, die Umsetzung ist sehr umstritten. Unser Kolumnist Julian Nejkow hat sich das Projekt näher angesehen.</p>
<p><span id="more-9324"></span></p>
<div id="attachment_8046" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8046" class="wp-image-8046" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Nejkow.jpg" alt="Julian Nejkow, 1988 in Thüringen geboren, ist Deutsch-Bulgare mit Bindestrichidentität. Er hat Politikwissenschaft in Jena und Dresden studiert. Seit 2021 beschäftigt er sich verstärkt mit Ostdeutschland. Abbildung: Paul Glaser" width="600" height="600"><p id="caption-attachment-8046" class="wp-caption-text">Julian Nejkow, 1988 in Thüringen geboren, ist Deutsch-Bulgare mit Bindestrichidentität. Er hat Politikwissenschaft in Jena und Dresden studiert. Seit 2021 beschäftigt er sich verstärkt mit Ostdeutschland. Abbildung: Paul Glaser</p></div>
<p>Da ist sie also, die sagenumwobene Ostdeutsche Allgemeine Zeitung. Laut Verleger Holger Friedrich eine Selbstverständlichkeit, aber durchaus eine große Sache für jeden, der sich als Ostdeutscher versteht. Es gebe eine „Süddeutsche“ für den Süden, eine „WAZ“ für den Westen und es gab eine „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“. Warum also keine „OAZ“? Die Bedenkenträger argumentieren schnell und scharf: Die Zeitungen in der DDR haben gezeigt, wie die Ostdeutschen Journalismus verstehen. Nur ist Ostdeutschland nicht gleich DDR und 40 Jahre sind als Maßstab für die Geschichte des Journalismus ein wenig zu kurz gegriffen.</p>
<p>Ja, natürlich muss jetzt die erste deutsche Zeitung Erwähnung finden. Die „Einkommende Zeitung“ wurde 1650 nach den Grauen des Dreißigjährigen Kriegs in Leipzig etabliert. Sie begründete die Tradition der Buch- und Messestadt. Damals noch eher in Mitteldeutschland, als Geografie das Land und den Standort einordnete und nicht die Geschichte. Soweit so historisch.</p>
<p>Medien für den Osten sind rar gesät. Dass Anfang der 1990er-Jahre versucht wurde, ostdeutsche Medien wie „Der Freitag“ oder das Boulevardblatt „Super“ zu etablieren, war nur teilweise von Erfolg gekrönt. Das gilt im Grunde bis heute. „Die Zeit“ versucht seit 2013 zumindest, sich mit der dünnen Sonderbeilage „Zeit im Osten“ dem Gegenstand zu nähern. Wie ernst das gemeint ist, konnte man in der Jubiläumsausgabe zum 80. Geburtstag der Wochenzeitung sehen: Sie kam komplett ohne den „Osten“ aus. Manches kann man sich nicht ausdenken.</p>
<p>Doch mal weg von der Geschichte und den Umständen, wie es nun zur „OAZ“ kam: Wichtiger ist es, sich der Zeitung, ihres Inhalts und der Rezeption zu widmen. Ich habe mich bewusst dazu entschieden, mir das Treiben seit der gedruckten Erstausgabe am 20. Februar 2026, aber auch schon davor intensiv anzuschauen. Viele Artikel und Kommentare taten sich mit einer objektiven Einordnung offenbar mehr als schwer. Doch warum?</p>
<p>Natürlich kann man sich an einem zweiseitigen, wohlwollenden Porträt des AfD-Vorsitzenden Tino Chrupalla in der Erstausgabe reiben. Ja, man kann das ausführliche Interview mit dem rechten Verleger Götz Kubitschek scharf kritisieren, den Gastbeitrag Sahra Wagenknechts mindestens mal schräg finden und sich ebenso wundern, wie der Soziologe Hartmut Rosa aus Jena sehr schlüssig sein Konzept des wachsenden Rechtspopulismus in der „OAZ“ erklärt.</p>
<p>Vier von mittlerweile Dutzenden Beispielen, die zeigen: Mit einer kurzen Kritik nach der ersten Ausgabe ist es bei der „OAZ“ nicht getan. Die bisher laut „OAZ“ gut verkaufte Zeitung lässt sich noch schwer einordnen. Ohne Frage: Sie hat schon die eine oder andere Debatte wieder aufleben lassen. Sei es die ewige „Elitendebatte“ um Ost und West oder die „Seid-mal-dankbar-Debatte“. Die Ostdeutsche Allgemeine sorgt auch für Perspektivwechsel, die durchaus den Blick weiten lassen und leider manchmal auch verengen.</p>
<p>Nicht ganz unschuldig an manchen Bedenken ist neben dem Journalistischen der Auftritt der Zeitung, vor allem in Persona des Verlegers Holger Friedrich. Geschickt trifft er parallel Menschen wie Augstein und Döpfner, mit denen er sich medienwirksam öffentlich streitet und dabei ostdeutsche Themen nach vorne stellt.</p>
<p>All das kann man schwierig finden. Außerdem sollte zur Kenntnis genommen werden, dass der westdeutsche Chefredakteur Dorian Baganz nach nicht einmal vier Wochen das Handtuch geworfen hat. Es gilt auch zu berücksichtigen, dass es gemäß dem eigenen Anspruch viel mehr Regionalausgaben geben müsste und dass es eine große Verquickung mit der „Berliner Zeitung” gibt.</p>
<p>Auf der anderen Seite: Wieder einmal wurde der Osten, in diesem Fall die „OAZ”, von einigen westdeutschen Medienhäusern in den Blick genommen. Soweit, so richtig. Doch wieder wird man den Eindruck nicht los, dass eine überkritische Brille aufgesetzt wurde. Beim Schreiben der Kritiken stellt man sich nicht wenige mit ein wenig Schaum vor dem Mund vor.</p>
<p>Doch auch hier muss versucht werden, objektiv zu bleiben. Denn nicht wenige der Journalisten der „OAZ“ bieten Anlass zur Kritik. Einige Artikel spalten mehr als sie einen. Hier finden sich in jeder Ausgabe, in der Onlinepräsenz und im Podcast „sachlich richtig“ Beispiele. Es gibt also Hausaufgaben für beide Seiten.</p>
<p>Nein, ich bediene hier nicht die Opferrolle, denn auch ich werde die Zeitung kritisch begleiten, aber vielleicht geben wir der Idee erstmal eine Chance, bevor wir sie mal wieder verdammen. Denn in einem hat der Verleger Friedrich, neben vielem Streitbaren, Recht: Der Osten braucht eine starke Stimme. Ob das die „OAZ“ wird, werden wir sehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-8127" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Nejkow_Hoellenjahre.jpg" alt width="200" height="284">Julian Nejkow: „Höllenjahre – von jetzt auf gleich”, epubli, Berlin 2024, 336 Seiten, 19,90 € (Softcover).</p>
<p>Mehr Informationen unter&nbsp;<a href="http://www.Ölbart.de" target="_blank" rel="noopener">Ölbart.de</a>.</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/jaegerschnitzel-der-ost-ost-blick-4-extraausgabe-extraausgabe/">Jägerschnitzel. Der Ost-Ost-Blick #4: Extraausgabe, Extraausgabe</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zukunftszentrum: Uta Bretschneider neue Programmdirektorin</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/zukunftszentrum-bretschneider-wird-neue-programmdirektorin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Apr 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9316</guid>

					<description><![CDATA[<p>Das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation in Halle (Saale) bekommt eine neue Programmdirektorin und Sprecherin der Geschäftsführung. Ab dem 1. Mai 2026 wird Dr. Uta Bretschneider, bislang Direktorin des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig, ihre neue Stelle antreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9318" class="wp-image-9318" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Uta_Bretschneider_Zukunftszentrum.jpeg" alt="Dr. Uta Bretschneider betont, dass das Zukunftszentrum zu einem Ort werden soll, an dem individuelle Sichtweisen und Forschungsergebnisse zusammenkommen. Abbildung: Oliver Zschau" width="600" height="337">Dr. Uta Bretschneider betont, dass das Zukunftszentrum zu einem Ort werden soll, an dem [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/zukunftszentrum-bretschneider-wird-neue-programmdirektorin/">Zukunftszentrum: Uta Bretschneider neue Programmdirektorin</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation in Halle (Saale) bekommt eine neue Programmdirektorin und Sprecherin der Geschäftsführung. Ab dem 1. Mai 2026 wird Dr. Uta Bretschneider, bislang Direktorin des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig, ihre neue Stelle antreten.</p>
<p><span id="more-9316"></span></p>
<div id="attachment_9318" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9318" class="wp-image-9318" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Uta_Bretschneider_Zukunftszentrum.jpeg" alt="Dr. Uta Bretschneider betont, dass das Zukunftszentrum zu einem Ort werden soll, an dem individuelle Sichtweisen und Forschungsergebnisse zusammenkommen. Abbildung: Oliver Zschau" width="600" height="337"><p id="caption-attachment-9318" class="wp-caption-text">Dr. Uta Bretschneider betont, dass das Zukunftszentrum zu einem Ort werden soll, an dem individuelle Sichtweisen und Forschungsergebnisse zusammenkommen. Abbildung: Oliver Zschau</p></div>
<p>Geboren wurde Bretschneider am 14. Februar 1985 im sächsischen Burgstädt. Sie studierte Volkskunde/Kulturgeschichte und Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Vor ihrer Stelle als Direktorin des Zeitgeschichtlichen Forums in Leipzig war die Kulturwissenschaftlerin Direktorin des Hennebergischen Museums Kloster Veßra.</p>
<h2><span class="title-bg">Lebendiger Ort mit nationaler Strahlkraft</span></h2>
<p>Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Elisabeth Kaiser erklärt zur Neubesetzung: „Das <a href="https://zukunftszentrum.info/">Zukunftszentrum</a> soll ein lebendiger, offener Ort mit nationaler und europäischer Strahlkraft werden. Damit legen wir nun richtig los! [...] Frau Dr. Bretschneider steht für innovative Ansätze und Ideen und eröffnet uns einen neuen Blick auf das Thema Transformation. Sie überzeugt durch ihre fachliche Kompetenz, ihre konzeptionelle Tiefe und ihre mitreißende Herangehensweise an die Themen des Zukunftszentrums.“</p>
<div id="attachment_9319" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9319" class="wp-image-9319" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Zukunftszentrum_Elisabeth_Kaiser.jpg" alt="Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser auf einer Veranstaltung zum Zukunftszentrum. Kaiser erklärt, dass das Zukunftszentrum zu einem lebendigen, offenen Ort mit nationaler und europäischer Strahlkraft werden soll. Abbildung: Zukunftszentrum, Anna Kolata" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-9319" class="wp-caption-text">Die Ostbeauftragte der Bundesregierung Elisabeth Kaiser auf einer Veranstaltung zum Zukunftszentrum: Das Zukunftszentrum soll zu einem lebendigen, offenen Ort mit nationaler und europäischer Strahlkraft werden. Abbildung: Zukunftszentrum, Anna Kolata</p></div>
<h2><span class="title-bg">Bretschneider: „Zukunftszentrum wird Debattenort werden“</span></h2>
<p>Bretschneider betont zu ihrer neuen Position: „Das Zukunftszentrum ist ein Ort des europäischen Zusammenwachsens sowie der Stärkung von Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Ich freue mich, das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation gemeinsam mit dem Team aufzubauen. Ich blicke dieser Herausforderung mit großer Vorfreude entgegen. Es wird der Ort sein, an dem individuelle Sichtweisen und Forschungsergebnisse zusammenkommen, ein Debattenort, an dem Themen gesetzt und besetzt werden.“</p>
<h2><span class="title-bg">Zentrales Projekt der Bundesregierung in Ostdeutschland</span></h2>
<p>Das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation in Halle (Saale) ist ein bundesweit und europäisch einmaliges Vorhaben. Die Einrichtung des Zukunftszentrums basiert auf einer Empfehlung der Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ aus dem Jahr 2020.</p>
<p>Die Errichtung des Zentrums ist Gegenstand des Koalitionsvertrags zwischen CDU, CSU und SPD für die 21. Legislaturperiode. In seinem am 10. Oktober 2025 beschlossenen Antrag „35 Jahre Deutsche Einheit – Freiheit in Deutschland und Europa festigen“ fordert der Bundestag die Bundesregierung auf, das Erinnern und die Auseinandersetzung mit dem Einigungsprozess ab 1990 im neuen Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation am Standort Halle (Saale) zu unterstützen (Drucksache 21/2026).</p>
<p>Der Bund wird für das Zukunftszentrum einen <a href="https://ostdeutschland.info/zukunftszentrum-halle-saale-gewinnerentwurf-steht-fest/" target="_blank" rel="noopener">eigenen Neubau in Halle (Saale)</a> errichten. Im Rahmen eines Architekturwettbewerbs ging Ende April 2025 die Planergemeinschaft Richter Musikowski Architekten aus Berlin als Sieger hervor. Aktuell sind die Mittel für die Beauftragung der weiteren Planungen freigegeben worden. Der Baubeginn ist derzeit für das Jahr 2028 vorgesehen. Die Eröffnung ist aktuell für das Jahr 2032 geplant. Das Bundesbauministerium geht derzeit von Baukosten in Höhe von 277 Millionen Euro aus.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/zukunftszentrum-bretschneider-wird-neue-programmdirektorin/">Zukunftszentrum: Uta Bretschneider neue Programmdirektorin</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Petra Köpping: Damit die Wut nicht zerreißt. Warum wir für eine Zukunft gegen die Polarisierung polarisieren müssen</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/petra-koepping-damit-die-wut-nicht-zerreisst-warum-wir-fuer-eine-zukunft-gegen-die-polarisierung-polarisieren-muessen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Apr 2026 05:30:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=7243</guid>

					<description><![CDATA[<p>Petra Köpping, die Stellvertretende Ministerpräsidentin und Staatsministerin für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt des Freistaates Sachsen (SPD), ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7260" class="wp-image-7260 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Koepping_DIAO2.png" alt="Petra Köpping, Stellvertretende Ministerpräsidentin und Staatsministerin für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt des Freistaates Sachsen (SPD). Abbildung: Sozialministerium Sachsen" width="705" height="1000">Petra Köpping, Stellvertretende Ministerpräsidentin und Staatsministerin für [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/petra-koepping-damit-die-wut-nicht-zerreisst-warum-wir-fuer-eine-zukunft-gegen-die-polarisierung-polarisieren-muessen/">Petra Köpping: Damit die Wut nicht zerreißt. Warum wir für eine Zukunft gegen die Polarisierung polarisieren müssen</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Petra Köpping, die Stellvertretende Ministerpräsidentin und Staatsministerin für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt des Freistaates Sachsen (SPD), ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7243"></span></p>
<div id="attachment_7260" style="width: 715px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7260" class="wp-image-7260 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Koepping_DIAO2.png" alt="Petra Köpping, Stellvertretende Ministerpräsidentin und Staatsministerin für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt des Freistaates Sachsen (SPD). Abbildung: Sozialministerium Sachsen" width="705" height="1000"><p id="caption-attachment-7260" class="wp-caption-text">Petra Köpping, Stellvertretende Ministerpräsidentin und Staatsministerin für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt des Freistaates Sachsen (SPD). Abbildung: Sozialministerium Sachsen</p></div>
<p>„Euch wird es nicht besser gehen als uns.“ Diesen Pessimismus höre ich in den vergangenen Jahren immer öfter von Eltern, wenn sie gegenüber ihren Kindern und Enkelkindern in die Zukunft schauen. Geprägt und manchmal auch gezeichnet von den eigenen Erfahrungen der Wende und Nachwendezeit, sehen sie sich und ihre Familien heute wieder vor grundlegenden Umbrüchen. Sie wissen, man kann es schaffen. Sie wissen aber auch, wie schwer es ist. Wenn man noch einmal bei null anfangen musste. Sich wieder etwas Wohlstand aufzubauen. Ein zweites Mal schafft man so eine Transformation – wie diese tiefgreifenden Umbrüche heute gern genannt werden – nicht.</p>
<p>Diese Einstellungen spiegeln sich auch in Umfragen. Der „Sachsenmonitor“ erfasst regelmäßig den Blick auf das Leben und die Zukunftserwartungen der Menschen in Sachsen. Sie bewerten ihre eigene Situation als gut, die Gesamtsituation dagegen nicht, was sich in einem negativen Zukunftsbild niederschlägt. Diese Diskrepanz zeigt sich auch im Zukunftsbild junger Menschen. Für die Studie „Wie ticken junge Menschen in Sachsen?“ wurden junge Menschen während der Coronazeit im Februar 2022 befragt. Sie blickten ihrer eigenen Zukunft positiv entgegen. Die Zukunftschancen ihrer Generation dagegen schätzten sie deutlich pessimistischer ein.</p>
<p>Die Elterngeneration „vererbt“ am Küchentisch ihre Erfahrungen und auch ihren Blick in die Zukunft: Euch wird es nicht besser gehen als uns. Aber es kann ihnen besser gehen. Für das Projekt „Wir sind der Osten“ habe ich es vor Jahren schon gesagt: In Ostdeutschland ist noch ganz viel neu zu bewegen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass das Feld in Westdeutschland schon oft bestellt ist. Die Chance ist da, dass es jungen Menschen besser gehen wird. Weil sie Möglichkeiten in Ostdeutschland finden, die sie bisher so in dieser Form nicht gefunden haben.</p>
<p>Hier im Osten, auch in Sachsen, wurden zuletzt ganz starke Zeichen gesetzt. 30 Milliarden Euro werden in den nächsten Jahren investiert. 30 zusätzliche Milliarden. Das ist deutlich mehr als ein sächsischer Jahreshaushalt, was gerade investiert wird: in Stahl, Optik, Breitband, Halbleiter, Wasserstoff und Großforschungszentren. In Zukunft. Trotz der schwierigen Lage.</p>
<p>Aber die Schwierigkeiten müssen wir genauso sehen – und was sie im Alltag der Menschen anrichten. Von Kriegen, den Folgen der Inflation, der Coronakrise und Zukunftsaufgaben der Digitalisierung über den klimaneutralen Umbau der Wirtschaft bis hin zum Umgang mit dem demografischen Wandel: Jedes dieser Themen allein wäre schon eine Herausforderung für unsere Gesellschaft. Das schlägt sich nieder. Wenn ich in Sachsen in den letzten Jahren unterwegs war, habe ich oft drei Dinge beobachtet: Die Menschen sind erschöpft. Sie sind verunsichert. Sie ziehen sich zurück.</p>
<p>Dass in solchen Zeiten viele Leute zweifeln, dass sich Pessimismus ausbreitet, ist nicht verwunderlich. Das Gefühl der Unsicherheit trifft im Osten Deutschlands dazu auf ein Grundgefühl einer entsicherten Gesellschaft.</p>
<hr>
<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Wir sollten endlich wieder den moderaten, differenzierten Stimmen einen ausreichenden Raum geben.”</strong></span></p></blockquote>
<hr>
<p>In den Nachwendejahren war ich Bürgermeisterin von Großpösna und später Landrätin. In vielen Gesprächen über die letzten Jahre wurde mir immer wieder deutlich: Hinter Wut und Frust von vielen Menschen, die sich Jahrzehnte später auch noch entladen und auf die von außen oft fassungs- und hilflos geschaut wurde, standen sehr oft schmerzhafte persönliche Geschichten. Mir erzählten Menschen aus der Nachwendezeit von Verlust der Arbeit, Abwertung ihrer Lebensleistung durch die Gesellschaft und folglich Verletzungen in ihrer ganzen Biografie. Verletzungen brennen sich ins Gedächtnis, ganz besonders unbehandelte und solche, die immer wieder geschehen. Und sie brennen sich eben nicht nur ins eigene Gedächtnis, sondern auch in das der Kinder und Enkel. Auch durch die Erfahrungen der Nachwendezeit ausgelöst, schwelen bis heute soziale Konflikte, die den oberflächlichen kulturellen Kämpfen den Nährboden liefern und unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt bedrohen.</p>
<p>In diesen Jahren hat sich auch ein fast greifbarer Egoismus in unsere Gesellschaft gefressen. Eine zunehmende Mehrheit der Menschen in ganz Deutschland sagt: Es geht immer egoistischer zu. Jeder ist sich nur noch selbst der Nächste. Daraus ziehen Menschen den Schluss: Dann muss ich mir auch der Nächste sein.</p>
<p>Gerade im Osten ist mir in den Erzählungen der Menschen der Nachwendezeit immer wieder begegnet: Jeder müsse sehen, wo er bleibt. Aus diesem Kampf um das „über die Runden kommen“ wurde ein verdrehtes „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Das hat etwas mit den Menschen im Osten gemacht – eine Ellbogenmentalität hat sich ausgebreitet, zu der sich viele gezwungen sahen, auf die sie aber nie stolz waren.</p>
<div id="attachment_7252" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7252" class="wp-image-7252" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/08/596A3898.jpg" alt="Petra Köpping unterwegs in Sachsen: Hier in Leipzig, Chemnitz und Pulsnitz. Abbildung: Sozialministerium Sachsen" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7252" class="wp-caption-text">Petra Köpping unterwegs in Sachsen: Hier in Leipzig, Chemnitz und Pulsnitz. Abbildung: Sozialministerium Sachsen</p></div>
<h2><span class="title-bg">Polarisierung</span></h2>
<p>Auf diese emotionalen Glutnester stieß in den vergangenen Jahren die Polarisierung. Das Freund-Feind-Denken. Eine differenzierte Meinung scheint keine Rolle mehr in der Öffentlichkeit zu spielen. Es gibt eine Besserwisserei und Aggressivität von lauten Rändern, die viele von uns stumm macht. Dabei werden Fronten aufgebaut, indem mit immer schärferen Begriffen die andere Seite bewertet oder die eigene missliche Lage beschrieben wird.</p>
<p>Oft ist genau das leider der leichteste Weg, um Gehör zu finden – zumindest kurzfristig. Geschuldet ist das auch den konfliktbelohnenden Algorithmen der „sozialen Medien“ und der überhandnehmenden Medienlogik, die nur auf Konflikt und Lautstärke schaut. Gute Nachrichten verkaufen sich nicht.</p>
<p>Es gibt politische Akteure, die diese Mechanismen gezielt nutzen. Sie haben daraus eine Polarisierungsmaschine gebaut, die bei jeder Gelegenheit angeworfen wird. Gefüttert mit Falschinformationen und Halbwahrheiten werden so bewusst Gräben gerissen, wo in der eigentlichen Sache keine sind.</p>
<p>Langfristig richtet diese Form der Debatte unglaublichen Schaden an. Das können wir heute schon beobachten. Alles scheint politisch empörend, selbst die einfachsten Dinge, die eigentlich nicht politisch sind. Die Folge ist: Viele Menschen sind frustriert. Davon, wie öffentliche Diskurse geführt werden und wie dort miteinander umgegangen wird. Das Ergebnis ist: Sie ziehen sich zurück. Der Zukunftspessimismus gewinnt an Kraft. Oder richtiger: Der Zukunftsoptimismus wird erstickt.</p>
<div id="attachment_7253" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7253" class="wp-image-7253" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/08/A19A5153.jpg" alt="Petra Köpping unterwegs in Sachsen: Hier in Leipzig, Chemnitz und Pulsnitz. Abbildung: Sozialministerium Sachsen" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7253" class="wp-caption-text">Abbildung: Sozialministerium Sachsen</p></div>
<h2><span class="title-bg">Wir sind uns einiger, als wir denken</span></h2>
<p>Aber wir sind uns einiger, als wir denken! Das wird schnell klar, wenn man sich länger unterhält und hinter die Reizworte schauen kann. Man ist bei sehr vielem inhaltlich gar nicht so weit entfernt! Viele wollen, dass Probleme gelöst werden. Und zwar machbar und gerecht.</p>
<p>Die einen und die anderen – das ist falsch! Auch wenn es noch so oft wiederholt wird. Es gibt weiter eine breite Mitte, die differenziert denkt. Eine breite Mitte, die von sich radikalisierenden Rändern aus der Debatte gedrängt wird. Aber genau diese muss zu Wort kommen und sich das Wort nehmen!</p>
<p>Deswegen finde ich die neue ostdeutsche Arbeiterbewegung so wichtig, die in immer mehr Betrieben für ihre Rechte und höhere Löhne kämpft. Das bringt vielen ostdeutschen Beschäftigten den Respekt zurück! Deswegen finde ich auch die Großdemonstrationen der vergangenen Jahre gegen Rechtsextremismus und für Demokratie so wichtig. Sie verkörpern ein „Wir“ der Mitte statt „ich, ich, ich“. Ein „Wir“, das respektvoll um die besten Lösungen für unsere Aufgaben streiten kann, aber sich gleichzeitig in Gemeinsamkeit gegen den Wutruf: „Wir [und nur wir] sind das Volk, [alle anderen sind der Feind]“ stellt.</p>
<p>Genau das „Wir“, wie auf den Demonstrationen, sehe ich immer dort, wo Menschen gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Wenn ich in Sachsen unterwegs bin, sehe ich täglich Menschen, die einfach „machen“. Sie sind oft still, erzeugen keine Aufreger und finden deswegen oft nicht ihre verdiente Anerkennung in der überlauten Polarisierung. Zu Unrecht! Erzählen wir uns auch diese guten Geschichten! Besonders junge Menschen bauen in Sachsen viel auf – nicht nur im Haupt-, sondern auch im Ehrenamt: Vereine, Unternehmen, Nachbarschaftsstrukturen. Diese Menschen verkörpern, was sich die übergroße Mehrheit wünscht: dass nicht jeder auf sich selbst schaut. Die gleichen Befragungen, die belegen, dass viele denken, jeder sei sich nur noch selbst der Nächste, zeigen auch: Die gleichen Menschen wollen, dass es anders ist.</p>
<div id="attachment_7256" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7256" class="wp-image-7256" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/08/A19A6789.jpg" alt="Es gibt weiterhin eine breite Mitte, die differenziert denkt. Sie muss zu Wort kommen und sich das Wort nehmen. Abbildung: Sozialministerium Sachsen" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7256" class="wp-caption-text">Es gibt weiterhin eine breite Mitte, die differenziert denkt. Sie muss zu Wort kommen und sich das Wort nehmen. Abbildung: Sozialministerium Sachsen</p></div>
<h2><span class="title-bg">Jetzt und hier</span></h2>
<p>Es muss darum gehen, tatsächliche Probleme zu lösen, statt sich an unnötigen und fabrizierten Debatten zu zerreiben. Nicht das Gendersternchen, das Tofu-Schnitzel oder der Flug in den Urlaub. Es geht darum, unsere Infrastruktur wieder stark zu machen. Für gute Arbeitsplätze. Für eine starke Gesundheits-, Pflege- und Soziallandschaft. Das ist der Rahmen für die Zukunft der heutigen Kinder und Enkelkinder, innerhalb dessen sie sich etwas aufbauen können. In diesen Umbruchzeiten müssen wir die Chancen nutzen und gleichzeitig die Fehler der Nachwendezeit meiden.</p>
<p>Polarisierung und Egoismus machen hingegen unsere Gesellschaft kaputt. Ich will nicht, dass Deutschland, der Osten und Sachsen wie die USA werden. Wir sollten endlich wieder den moderaten, differenzierten Stimmen einen ausreichenden Raum geben. Eine vermittelnde Position ist keine Schwäche, sondern etwas Gutes. Dafür müssen wir auch laut einstehen. Wir müssen gemeinsam gegen die Polarisierung polarisieren! Wir müssen gemeinsam dem Egoismus entgegentreten. So kann es gelingen, dass die Wut unsere Gesellschaft nicht auseinanderreißt.</p>
<p>Dieser Weg gibt mir die Zuversicht zu sagen: Denke ich an Ostdeutschland, sehe ich – trotz der Schwierigkeiten, trotz der manchmal fast zum Zerreißen gespannten gesellschaftlichen Nerven – unglaublich viele Chancen. Chancen, für die nächsten Generationen etwas aufzubauen. Das motiviert mich, jungen Menschen zu sagen: Probiert euch jetzt und hier aus.</p>
<p>Ich wünsche, dass sie Stolz entwickeln auf das, was sie leisten. Im Kleinen wie im Großen: für ihre Stadt, ihr Dorf und ihre ganze Region.</p>
<div id="attachment_7257" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7257" class="wp-image-7257" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/08/A19A8836.jpg" alt="Abbildung: Sozialministerium Sachsen" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7257" class="wp-caption-text">Abbildung: Sozialministerium Sachsen</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1685" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg" alt="Label Impulsgeberin Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Petra Köpping</span></h2>
<p><strong>GEBOREN:</strong> 1958/Nordhausen<br>
<strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Grimma<br>
<strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> Steffen Mau, Thomas Lux, Linus Westheuser: „Triggerpunkte. Konsens und Konflikt in der Gegenwarts­gesellschaft“, 2023<br>
<strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Gundermann“, 2018<br>
<strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Leipziger Neuseenland</p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/petra-koepping-damit-die-wut-nicht-zerreisst-warum-wir-fuer-eine-zukunft-gegen-die-polarisierung-polarisieren-muessen/">Petra Köpping: Damit die Wut nicht zerreißt. Warum wir für eine Zukunft gegen die Polarisierung polarisieren müssen</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
