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	<title>Politik Archive - ostdeutschland.info</title>
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	<description>Impulse für den Osten</description>
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	<title>Politik Archive - ostdeutschland.info</title>
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		<title>Nur 17 Prozent behielten den Job: So veränderte 1990 Karrieren</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/die-wende-im-berufsleben-wie-1990-karrieren-veraenderte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Oct 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine neue Studie der Rockwool Foundation zeigt 36 Jahre nach der Wiedervereinigung, wie die Wende viele ostdeutsche Berufskarrieren auf den Kopf gestellt hat. Die Daten zeigen zum Beispiel, dass nur 17 Prozent der ostdeutschen Arbeitnehmer im Jahr 1992 noch den denselben Job hatten wie drei Jahre zuvor.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10691" class="wp-image-10691" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/10/West_and_East_Germans_at_the_Brandenburg_Gate_in_1989.jpg" alt="Ost- und Westdeutsche stehen 1989 auf der Berliner Mauer. Eine Studie der Rockwool Foundation zeigt, dass im Jahr 1992 nur 17 Prozent der ostdeutschen Frauen und Männer im [...]
</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/die-wende-im-berufsleben-wie-1990-karrieren-veraenderte/">Nur 17 Prozent behielten den Job: So veränderte 1990 Karrieren</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine neue Studie der Rockwool Foundation zeigt 36 Jahre nach der Wiedervereinigung, wie die Wende viele ostdeutsche Berufskarrieren auf den Kopf gestellt hat. Die Daten zeigen zum Beispiel, dass nur 17 Prozent der ostdeutschen Arbeitnehmer im Jahr 1992 noch den denselben Job hatten wie drei Jahre zuvor.</p>
<p><span id="more-10649"></span></p>
<div id="attachment_10691-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10691-2" class="wp-image-10691" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/10/West_and_East_Germans_at_the_Brandenburg_Gate_in_1989.jpg" alt="Ost- und Westdeutsche stehen 1989 auf der Berliner Mauer. Eine Studie der Rockwool Foundation zeigt, dass im Jahr 1992 nur 17 Prozent der ostdeutschen Frauen und Männer im gleichen Beruf arbeiteten. Abbildung: Lear21, Wikimedia Commons" width="600" height="452"><p id="caption-attachment-10691-2" class="wp-caption-text">Ost- und Westdeutsche stehen 1989 auf der Berliner Mauer. Eine Studie der Rockwool Foundation zeigt, dass im Jahr 1992 nur 17 Prozent der Ostdeutschen noch dieselbe Arbeitsstelle hatten wie 1989. Abbildung: Lear21, Wikimedia Commons</p></div>
<p>In der Studie von <a href="https://www.rfberlin.com/de/" target="_blank" rel="noopener">Rockwool</a> wurden die Geburtsjahrgänge 1929–1931, 1939–1941, 1949–1951 und 1959–1961 analysiert. Im Fokus standen die Herausforderungen und Chancen der Betroffenen. Für den Datensatz wurden zwei Quellen miteinander verbunden: das Arbeitsregister der DDR von 1989 (mit Daten von rund sieben Millionen Angestellten) und Beschäftigungsdaten der Sozialversicherung Westdeutschlands für dieselben Personen nach der Wiedervereinigung.</p>
<p>Was auf den ersten Blick für einige Menschen nach einer verheißungsvollen Zukunft aussah, entwickelte sich schnell zum Kraftakt. Der 9. November 1989 brachte der ostdeutschen Arbeitswelt eine Umstellung und einen Wandel, wie er in dieser Form in Nachkriegseuropa noch nie vorkam. Innerhalb von drei Jahren sank die Beschäftigung im Osten um 35 Prozent. Die von der DDR-Regierung offiziell nicht anerkannte Arbeitslosigkeit stieg auf über 15 Prozent.</p>
<h2><span class="title-bg">Nur 17 Prozent behielten ihren Job</span></h2>
<p>1989 übte der <a href="https://www.rfberlin.com/research-insights/regime-change-and-occupational-mobility/" target="_blank" rel="noopener">Studie</a> zufolge die Mehrheit der DDR-Arbeitnehmer Fach- und Hilfsarbeitertätigkeiten aus. Der Anteil an akademischen und angelernten Berufen war geringer als bei den westdeutschen Arbeitnehmern. 53 Prozent der Männer arbeiteten in der DDR als Facharbeiter, im Westen waren es 40 Prozent. Gleichzeitig übten in der DDR weniger als zehn Prozent der Männer akademische oder angelernte Berufe aus, während es in Westdeutschland 20 Prozent waren. Laut Studie war hierbei nicht die Bildung ausschlaggebend, sondern die Ausrichtung der Planwirtschaft, die die Schwerindustrie gegenüber Akademikerberufen höher bewertete.</p>
<p>Die Veränderungen für ostdeutsche Männer sind in den Jahren 1989 bis 1992 deutlich erkennbar. Nur etwa 17 Prozent von ihnen behielten in diesem Zeitraum ihre berufliche Tätigkeit, die übrigen 83 Prozent wechselten ihn oder wurden arbeitslos. Auf der anderen Seite gingen 70 Prozent der westdeutschen Männer in diesem Zeitraum demselben Job nach.</p>
<p>Aufgrund der beruflichen Veränderungen ergaben sich Unterschiede bezüglich der Aufstiegschancen für ostdeutsche Arbeitnehmer. Die Chance auf einen beruflichen Aufstieg habe rund 23 Prozent betragen und sei damit 18,5 Prozent höher als bei westdeutschen Arbeitnehmern gewesen. Gleichzeitig war das Abstiegsrisiko um 15 Prozent höher. Die Wiedervereinigung brachte somit sowohl Aufstiegschancen als auch Abstiegsrisiken mit sich.</p>
<h2><span class="title-bg">Höhere Aufstiegswahrscheinlichkeiten</span></h2>
<p>Die DDR-Frauen erlebten ähnliche berufliche Umbrüche wie die Männer. Ebenfalls nur 17 Prozent der Frauen im Osten hatten 1992 denselben Job wie 1989. In Westdeutschland waren es 63 Prozent der Frauen. Im Vergleich zu ostdeutschen Männern war die Wahrscheinlichkeit für einen beruflichen Aufstieg bei ostdeutschen Frauen mit 22 Prozent höher. Die Aufstiegswahrscheinlichkeiten lagen 19 Prozent höher als bei westdeutschen Frauen. Gleichzeitig war aber auch das Risiko für einen beruflichen Abstieg für ostdeutsche Frauen um 9,8 Prozent höher als bei westdeutschen Frauen. In allen untersuchten Geburtsjahrgängen von ostdeutschen Frauen überstieg die Wahrscheinlichkeit für einen Aufstieg die Wahrscheinlichkeit für einen beruflichen Abstieg.</p>
<p>Besonders stark war der Fall in die Nichterwerbslosigkeit für die zwischen 1929 und 1931 geborenen ostdeutschen Frauen und Männer. 80 Prozent der männlichen Beschäftigten aus der DDR wurden im Zeitraum 1989 bis 1992 arbeitslos oder gingen in den Ruhestand. Bei den Westmännern lag der Wert bei 54 Prozent, bei den Ostfrauen waren es 49 Prozent und bei den Westfrauen 81 Prozent der untersuchten Personen.</p>
<p>Die Arbeitslosenquote der ostdeutschen Männer stieg von 1989 bis 1992 von null auf zehn Prozent, bei den ostdeutschen Frauen kletterte sie von null auf 20 Prozent. Bei Männern blieb diese Zehn-Prozent-Quote bis 1996 bestehen. Ab 1996 kam es zu einem Anstieg und 1998 lag die Arbeitslosenquote von ostdeutschen Männern bei rund 18 Prozent. Bei den ostdeutschen Frauen blieb die 20-Prozent-Quote in den restlichen 1990er-Jahren gleich. Im Westen stieg die Arbeitslosenquote in diesem Zeitraum ebenfalls und befand sich jeweils bei rund zehn Prozent.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/die-wende-im-berufsleben-wie-1990-karrieren-veraenderte/">Nur 17 Prozent behielten den Job: So veränderte 1990 Karrieren</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Dr. Dietmar Woidke: Wo stehen wir heute? Das Verhältnis von Ost und West in Deutschland</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/dr-dietmar-woidke-wo-stehen-wir-heute-das-verhaeltnis-von-ost-und-west-in-deutschland/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Oct 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dr. Dietmar Woidke (SPD), der Ministerpräsident von Brandenburg, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8110" class="size-full wp-image-8110" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/10/Woidke_DIAO2.png" alt="Dr. Dietmar Woidke, Ministerpräsident Brandenburg (SPD). Abbildung: Uwe Kloessing " width="705" height="1000">Dr. Dietmar Woidke, Ministerpräsident Brandenburg, SPD. Abbildung: Uwe Kloessing<br />
80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. 76 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik und der Deutschen Demokratischen [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/dr-dietmar-woidke-wo-stehen-wir-heute-das-verhaeltnis-von-ost-und-west-in-deutschland/">Dr. Dietmar Woidke: Wo stehen wir heute? Das Verhältnis von Ost und West in Deutschland</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Dr. Dietmar Woidke </span><span style="color: #000000;">(SPD)</span><span style="color: #000000;">, der Ministerpräsident von Brandenburg, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-8079"></span></p>
<div id="attachment_8110-2" style="width: 715px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8110-2" class="size-full wp-image-8110" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/10/Woidke_DIAO2.png" alt="Dr. Dietmar Woidke, Ministerpräsident Brandenburg (SPD). Abbildung: Uwe Kloessing " width="705" height="1000"><p id="caption-attachment-8110-2" class="wp-caption-text">Dr. Dietmar Woidke, Ministerpräsident Brandenburg, SPD. Abbildung: Uwe Kloessing</p></div>
<p>80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. 76 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik und der Deutschen Demokratischen Republik. 36 Jahre nach dem Fall der Mauer und nach 35 Jahren vereintem Deutschland. Manch einer mag sagen: Das ist doch alles schon so lange her, müssen wir da eigentlich noch speziell über Ostdeutschland reden? Aus meiner Überzeugung ist klar, die Antwort lautet: „Ja.“</p>
<p>Wichtig ist aber, wie wir über Ostdeutschland reden. Ganz sicher nicht nur mit einem Blick auf gefühlte oder vorhandene Defizite und Ungerechtigkeiten. Wir in Ostdeutschland haben viele Gründe, mit einem gesunden Selbstbewusstsein auf unsere Geschichte zu blicken. Ganz besonders natürlich auf die Wiedervereinigung und die Jahre seitdem. Die Aufbauleistung, die die Menschen hier erbracht haben, ist beispiellos. Natürlich mit viel Unterstützung aus dem Westen, das will ich nicht infrage stellen. Aber unsere Entwicklung, die wirtschaftliche Dynamik, die oft geringen Arbeitslosenzahlen, der Erfolg Brandenburgs und der anderen neuen Länder – das ist ein gemeinsamer Erfolg, auf den wir Ostdeutsche stolz sein können.</p>
<hr>
<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Der Mauerfall ist eine gigantische Gemeinschaftsleistung der Ostdeutschen. [...] Gemeinsam kriegen wir so ziemlich alles hin.”</strong></span></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg"><strong>Verkürzter Blick </strong></span></h2>
<p>Der Blick auf unsere Vergangenheit wird viel zu oft auf das Unrecht in der DDR, die Staatssicherheit und die SED-Diktatur verkürzt. Die Geschichte der DDR ist vielfältiger. Die Verkürzung liegt vielfach an der westdeutsch geprägten Medienlandschaft. Damit will ich dieses Unrecht auf keinen Fall kleinreden: Viele haben unter diesem Staat sehr gelitten. Sie verdienen eine Aufklärung, eine Würdigung des Widerstands und auch eine Wiedergutmachung dessen, was sie erdulden mussten.</p>
<p>Wir in Brandenburg tun das in enger Zusammenarbeit mit den Opferverbänden. Ich bin sehr dankbar für die guten Gespräche, die wir regelmäßig führen. Aber neben dem Leid, das die Diktatur verursacht hat, war die DDR auch das Land, in dem man gemeinsam mit der Familie und anderen geliebten Menschen gelebt hat. Sie war das Land, in dem viele eine glückliche Kindheit verbracht haben. Sie war die Nachbarschaft, in der man sich mit vielen gut verstanden und sich geholfen hat. Sie war das Land, in dem man die eigene Zukunft mit harter Arbeit aufgebaut hat. In dem – so banal es klingen mag, ist es doch von großer Bedeutung – der Konsum und die Gaststätte auch auf dem Land vor der Haustür lagen. In der Erinnerung spielt es dabei für viele keine Rolle, dass in beiden das Angebot äußerst bescheiden war.</p>
<p>Das sind große Lebensleistungen, die anerkannt werden müssen. Aus westdeutscher Sicht wurde darüber allerdings oft hinweggegangen. Das hat Blessuren hinterlassen, die bis heute nachwirken. Dazu gehört auch, dass (ebenfalls aus westdeutscher Sicht) vielfach nur der Rechtsabbiegepfeil als ostdeutsche Errungenschaft wahrgenommen wird. Es gibt aber viel mehr und das wissen – glaube ich – alle, die selbst in der DDR gelebt haben. Ob es die Gleichberechtigung von Mann und Frau war, die quantitativ gute Kinderbetreuung (mir ist klar: auch das war ideologisch begründet) oder die Polikliniken als ambulante und stationäre Gesundheitsversorgung auch auf dem Land. Etwas, was jetzt nach rund 35 Jahren endlich im westdeutsch geprägten Gesundheitssystem Nachfolge findet – als MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum).</p>
<p>Dennoch ist eines klar: Die friedliche Revolution, der Mauerfall, die deutsche Einheit sind großartige Marken in der deutschen Geschichte. Es sind wahrlich historische Daten und Ereignisse, an die es sich jedes Jahr zu erinnern, die es zu feiern lohnt. Wenn also jedes Jahr in der Hauptstadt eines deutschen Bundeslandes der Tag der Deutschen Einheit gefeiert wird, dann ist das absolut angemessen. Bei uns in Potsdam war diese Feier zuletzt im Jahr 2020 zu Gast. Trotz Pandemie haben wir ein wunderbares Bürgerfest gefeiert – über die ganze Stadt verteilt und nicht an einem, sondern an 30 Tagen auf einer großen Einheits-Expo. Wir haben damals aus der Not eine Tugend gemacht, aus dem Problem, das sich uns gestellt hat, eine echte Stärke. Vielleicht ist das eine spezifisch ostdeutsche Stärke oder zumindest eine brandenburgische: Die Situation nehmen, wie sie ist, und in aller Sachlichkeit etwas möglichst Gutes daraus machen.</p>
<div id="attachment_8112-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8112-2" class="wp-image-8112" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/10/MP_Vereidigung.jpg" alt="Vereidigung des Ministerpräsidenten, Dezember 2024. Abbildung: Staatskanzlei Brandenburg, Cathrin Bauer " width="600" height="400"><p id="caption-attachment-8112-2" class="wp-caption-text">Vereidigung des Ministerpräsidenten, Dezember 2024. Abbildung: Staatskanzlei Brandenburg, Cathrin Bauer</p></div>
<p>Ich glaube, dass wir bei allen heutigen Problemen gut daran tun, uns an die schwierigen Jahre nach der Wende zu erinnern. In den 90er-Jahren war die wirtschaftliche Lage zum Teil desolat, die Arbeitslosigkeit massiv gestiegen. Ganz technisch wird oft von „unterbrochenen Erwerbsbiografien“ gesprochen. Dabei wird schnell übersehen, dass hinter einem solchen Begriff viele Menschen und Familien stehen, die damit konfrontiert waren, dass der Arbeitsplatz, das Einkommen und auch Familienangehörige oder Nachbarn plötzlich weg waren. Dass nicht mal mehr sicher war, ob man den Kindern noch kleinste Wünsche erfüllen konnte, weil das zur Verfügung stehende Geld nicht mehr reichte. Auch das ist eine Erfahrung, die für viele bis heute nachhallt, obwohl wir seit den schwierigen Anfängen so vieles erreicht haben. Ostdeutschland ist heute extrem vielfältig, genauso vielfältig wie der Norden, Süden oder Westen. Es gibt Regionen, die boomen. Es gibt Regionen, in denen es noch viel zu tun gibt. Aber in der Rückschau können wir selbstbewusst festhalten: Wir haben Großartiges erreicht.</p>
<p>Eine wichtige Voraussetzung dafür war und ist politische Stabilität. Ohne diese Stabilität gibt es keinen wirtschaftlichen Erfolg, ohne sie gibt es keinen Wohlstand. Wie sehr es sich lohnt, Herausforderungen konzentriert und gemeinsam anzugehen, sehen wir heute besonders in der Lausitz. Was wir dort auf die Beine stellen und schon gestellt haben, ist vorbildlich: Wie man Veränderungen als langjährigen Prozess organisiert, wie man erst neue Arbeitsplätze schafft, bevor alte wegfallen, wie man eine ganze Region für die Zukunft hervorragend aufstellt.</p>
<p>Beim Blick auf die bisherigen Prozesse muss ich oft an die großartige Regine Hildebrandt denken. Es gibt kaum jemanden in Ostdeutschland, der sich nicht an sie als die „Mutter Courage des Ostens“ erinnert, an die streitbare und meinungsstarke Frau, die Herz und Seele der brandenburgischen SPD war. Von ihr gibt es das Zitat: „Mit Ost und West werden wir schon klarkommen, schwieriger wird‘s mit oben und unten.“ In diesem Ausspruch steckt ein gutes Stück Optimismus, aber genauso eine wichtige Aufgabe. Denn natürlich sehe ich auch, dass wir problematische Unterschiede zwischen West und Ost haben, die sich deutlich in den Zahlen zeigen – und die viele Ostdeutsche völlig zurecht bewegen.</p>
<div id="attachment_8113-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8113-2" class="wp-image-8113" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/10/MP-Woidke.jpg" alt="Dr. Dietmar Woidke ist seit August 2013 Ministerpräsident des Landes Brandenburg. Abbildung: Uwe Klössing" width="600" height="367"><p id="caption-attachment-8113-2" class="wp-caption-text">Dr. Dietmar Woidke ist seit August 2013 Ministerpräsident des Landes Brandenburg. Abbildung: Uwe Klössing</p></div>
<h2><span class="title-bg"><strong>Muster aufbrechen </strong></span></h2>
<p>Da sind die Lohnunterschiede: Es ist nicht gerechtfertigt, dass man für die gleiche Arbeit in einem westdeutschen Bundesland deutlich mehr Geld bekommt. Da ist die unterschiedliche Vermögensbildung: Im Westen wird viel mehr von einer Generation an die nächste vererbt, das sorgt für sehr unterschiedliche Startchancen. Deshalb sollte hier mit Steuern steuernd eingegriffen werden. Vielleicht am auffälligsten ist es nach wie vor bei der Besetzung der Führungsetagen.</p>
<p>Auf die Frage, ob die jeweiligen Chefinnen und Chefs aus dem Osten oder Westen kommen, gibt der „Elitenmonitor“ – eine langfristige Studie der Universitäten Leipzig und Jena sowie der Hochschule Zittau/Görlitz – eine eindeutige Antwort: Ostdeutsche sind in Führungspositionen insgesamt nur zu zwölf Prozent vertreten. Wenn wir uns nur Ostdeutschland anschauen, landen wir bei knapp über 47 Prozent. Selbst im Osten wird also die Mehrheit aller Führungspositionen von Menschen mit westdeutscher Sozialisation eingenommen. In Politik und Verwaltung sind die Zahlen etwas besser – auch weil dort gezielt Menschen mit ostdeutscher Biografie gefördert werden.</p>
<p>Um diese Muster weiter aufzubrechen, braucht es Zeit, Überzeugungskraft und Selbstbewusstsein. Gerade Letzteres ist ein entscheidender Faktor. Und die Menschen in Ostdeutschland haben allen Grund, selbstbewusst und mit Stolz auf sich und ihre gesamtdeutsche Geschichte zu blicken. Das gilt insbesondere heute, wenn wir mit unterschiedlichen Lebenswelten konfrontiert sind. Mit den Unterschieden von Stadt und Land, unterschiedlichen Informationsquellen, vielleicht auch, um es mit Regine Hildebrandt zu sagen, mit der Frage von oben und unten. Das alles in Einklang zu bringen ist keine leichte Aufgabe. Denn die Herausforderungen werden immer komplexer, wie die letzten fünf Jahre eindringlich gezeigt haben.</p>
<div id="attachment_8114-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8114-2" class="wp-image-8114" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/10/EroeffnungChescoForschungsfabrik_Banddurchschneiden_016_ST.jpg" alt="Die Lausitz ist ganz vorn mit dabei, wenn es um Forschung und Entwicklung geht. Abbildung: BTU, Sascha Thor" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-8114-2" class="wp-caption-text">Die Lausitz ist ganz vorn mit dabei, wenn es um Forschung und Entwicklung geht. Abbildung: BTU, Sascha Thor</p></div>
<h2><span class="title-bg"><strong>Zusammenfinden </strong></span></h2>
<p>Die vielleicht wichtigste Frage für die kommenden Jahre lautet: Wie finden wir gemeinsamen Grund? Man kommt am besten zusammen, wenn man zusammen etwas schafft. Wenn man gemeinsam etwas für die Zukunft tut. Auch dabei hilft der Blick auf die Wendejahre. Man muss sich nur verdeutlichen, dass das vereinte Deutschland eine ostdeutsche Erfindung ist. Ohne die friedliche Revolution, ohne die unzähligen mutigen Menschen, die für ihre Freiheit auf die Straße gegangen sind, gäbe es heute kein vereintes Deutschland. Für viele später Geborene mag die Einheit eine Selbstverständlichkeit und Normalität sein, die man nie anders kennengelernt hat. Aber diejenigen von uns, die die knapp vier Jahrzehnte der deutschen Teilung erlebt haben, wissen, was für ein großes Glück das für alle Deutschen ist. Ein Glück, mit dem man viele Jahre nicht rechnen konnte.</p>
<p>Zusammengefasst kann gesagt werden: Die Mauer ist nicht gefallen, sie wurde von unzähligen Menschen gemeinsam umgestoßen. Es ist diese gigantische Gemeinschaftsleistung der Ostdeutschen, die für unsere heute auseinanderdriftende Gesellschaft eine wichtige Lehre beinhaltet: Gemeinsam kriegen wir so ziemlich alles hin.</p>
<p>Wenn ich also an Ostdeutschland denke, ist mir nicht bange. Wir haben sehr gute Voraussetzungen für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg und dafür, dass man auch in Zukunft gut bei uns leben kann. Dazu zwei Beispiele aus Brandenburg: Wir sind sehr gut aufgestellt bei den erneuerbaren Energien und belegen immer wieder Spitzenplätze bei deren Ausbau. Und wir sind in der Lausitz ganz vorn mit dabei, wenn es um Forschung und Entwicklung geht. Der genannte Zusammenhalt und ein selbstbewusster Blick auf unsere gesamtdeutsche Geschichte sind dafür aber zwingend notwendig.</p>
<div class="mceTemp"></div>
<div id="attachment_8115-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8115-2" class="wp-image-8115" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/10/Woidke-ueber.-Landesverdienstorden.jpg" alt="Der Ministerpräsident überreicht engagierten Brandenburgerinnen und Brandenburgern den Landesverdienstorden. Abbildung: Staatskanzlei Brandenburg, Andy Lange" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-8115-2" class="wp-caption-text">Der Ministerpräsident überreicht engagierten Brandenburgerinnen und Brandenburgern den Landesverdienstorden. Abbildung: Staatskanzlei Brandenburg, Andy Lange</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Dr. Dietmar Woidke</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>GEBOREN:</strong> 1961/Naundorf bei Forst</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Forst (Lausitz)</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> Ulrich Plenzdorf: „Die neuen Leiden des jungen W.“, 1972<br>
</span><span style="color: #000000;"><strong>MEINE FILMTIPPS: </strong>„Gundermann“, 2018; „In Liebe, eure Hilde“, 2024<strong><br>
</strong></span><span style="color: #000000;"><strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Zu viele Orte in Brandenburg, um einen hervorzuheben! </span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/dr-dietmar-woidke-wo-stehen-wir-heute-das-verhaeltnis-von-ost-und-west-in-deutschland/">Dr. Dietmar Woidke: Wo stehen wir heute? Das Verhältnis von Ost und West in Deutschland</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Elitenmonitor 2026: Ostdeutsche bleiben deutlich unterrepräsentiert</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/elitenmonitor-2026-ostdeutsche-bleiben-deutlich-unterrepraesentiert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Oct 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=10643</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ostdeutsche sind in einigen Bereichen nun stärker in der Führung vertreten als zuvor – im Ganzen bleiben sie in den Eliten jedoch eklatant unterrepräsentiert. Das zeigt der aktuelle Elitenmonitor. Ein Teil von ihm ist im jüngst veröffentlichten Bericht der Ostbeauftragten erschienen.<br />
<img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10680" class="wp-image-10680" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/10/Depositphotos_353191596_XL.jpg" alt="Die Zahl ostdeutscher Führungskräfte in obersten Bundesbehörden (inklusive Geburtsort Berlin) ist seit 2022 von 13,9 Prozent auf 16,3 Prozent gestiegen. Abbildung: Depositphotos, pressmaster" width="600" height="400">Die Zahl ostdeutscher Führungskräfte in den obersten Bundesbehörden ist [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/elitenmonitor-2026-ostdeutsche-bleiben-deutlich-unterrepraesentiert/">Elitenmonitor 2026: Ostdeutsche bleiben deutlich unterrepräsentiert</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ostdeutsche sind in einigen Bereichen nun stärker in der Führung vertreten als zuvor – im Ganzen bleiben sie in den Eliten jedoch eklatant unterrepräsentiert. Das zeigt der aktuelle Elitenmonitor. Ein Teil von ihm ist im jüngst veröffentlichten Bericht der Ostbeauftragten erschienen. <span id="more-10643"></span></p>
<div id="attachment_10680-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10680-2" class="wp-image-10680" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/10/Depositphotos_353191596_XL.jpg" alt="Die Zahl ostdeutscher Führungskräfte in obersten Bundesbehörden (inklusive Geburtsort Berlin) ist seit 2022 von 13,9 Prozent auf 16,3 Prozent gestiegen. Abbildung: Depositphotos, pressmaster" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-10680-2" class="wp-caption-text">Die Zahl ostdeutscher Führungskräfte in den obersten Bundesbehörden ist inklusive Geburtsort Berlin von 13,9 Prozent in 2022 auf nun 16,3 Prozent gestiegen. Abbildung: Depositphotos, pressmaster</p></div>
<p>Das Verbundforschungsvorhaben der Universitäten Leipzig und Jena sowie der Hochschule Zittau/Görlitz untersucht, wie sich die Präsenz Ostdeutscher in Spitzenpositionen entwickelt. Der <a href="https://research.uni-leipzig.de/elitenmonitor/neuerscheinung-die-unterrepraesentation-ostdeutscher-in-spitzenpositionen-in-deutschland/">Elitenmonitor</a> verbindet die Analyse von rund 5.000 Elitebiografien mit qualitativen Interviews. Die Forschung untersucht, wie Karrierewege in Spitzenpositionen verlaufen und welche Faktoren in den verschiedenen Karrierephasen besonders relevant sind.</p>
<p>Dem aktuellen Elitenmonitor zufolge liegt der Anteil ostdeutscher Führungskräfte insgesamt bei 12,1 Prozent, genau <a href="https://ostdeutschland.info/aktueller-elitenmonitor-weiterhin-zu-wenige-ostdeutsche-in-fuehrungspositionen/" target="_blank" rel="noopener">wie schon 2024</a>. Dieser Wert habe noch nie über zwölf Prozent gelegen. Der Bevölkerungsanteil Ostdeutscher wird im Monitor auf circa 19 Prozent geschätzt. Besonders in den Bereichen Wirtschaft und Militär gebe es kaum ostdeutsches Spitzenpersonal. Stark unterrepräsentiert seien Ostdeutsche auch in Leitungsfunktionen der Justiz, den Medien und dem Kulturbereich. Etwas besser sehe es in der Verwaltung und in der Wissenschaft aus.</p>
<h2><span class="title-bg">Ungleichgewicht bei Hochschulzugangsberechtigung</span></h2>
<p>Die Studienergebnisse zeigen, dass frühe Bildungsentscheidungen für die späteren Aufstiegsmöglichkeiten relevant sein können. Im Jahr 2024 lag der Anteil der Schulabgänger mit Hochschulzugangsberechtigung in Ostdeutschland bei 39,5 Prozent, in Westdeutschland bei 47,7 Prozent. Von denjenigen mit Hochschulzugangsberechtigung nahmen 2020 in Ostdeutschland 74,3 Prozent ein Studium auf, in Westdeutschland waren es 80,2 Prozent. Laut Elitenmonitor ist ein Studium faktisch ein Eintrittsticket für den späteren Aufstieg in höchste Entscheidungspositionen.</p>
<p>Ein wichtiger Punkt auf dem Weg zur Führungskraft ist das erfolgreiche Meistern kritischer Karrierephasen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, aktives Interesse für verantwortliche Aufgaben zu zeigen. Die Ergebnisse der Forscher zeigen, dass es den Ostdeutschen an Karrierevorbildern im familiären oder persönlichen Umfeld mangelt. Ihr Wissen über Aufstiegschancen beschränkt sich auf öffentlich zugängliche Quellen. Die Interviews des Elitemonitors zeigen, dass das direkte Ansprechen, Vorschlagen oder Geholt-Werden für den Erhalt einer Eliteposition ausschlaggebend ist. Ostdeutschen fehlt durch bis heute beeinflussende Transformationsbrüche oft der wichtige Zugang zu Netzwerken. Dieser muss den Ergebnissen zufolge aktiver verfolgt werden.</p>
<h2><span class="title-bg">Mehr ostdeutsche Führungskräfte in obersten Bundesbehörden</span></h2>
<p>Angesichts des geringen Anteils Ostdeutscher in Führungspositionen der Bundesverwaltung hat die Bundesregierung im Jahr 2023 ein Konzept zur Steigerung dieses Anteils beschlossen. Dieser Beschluss wird von der aktuellen Bundesregierung fortgeführt. Das Bundeskonzept ist eine Ergänzung zum Elitenmonitor. Jedes Jahr werden Daten erhoben, die Erkenntnisse über die Wirksamkeit des Konzepts liefern sollen. Für die Untersuchung im Jahr 2026 wurden die Daten von 15.613 Führungskräften ausgewertet.</p>
<p>Die Zahl der untersuchten Führungskräfte in den obersten Bundesbehörden, die ihren Geburtsort in Ostdeutschland (mit Berlin) haben, ist seit 2022 kontinuierlich gestiegen. 2023 lag ihr Anteil bei 13,9 Prozent. 2026 beträgt er 16,3 Prozent. Der Anteil Ostdeutscher an der Gesamtbevölkerung liegt bei etwa 20 Prozent. Auch die Zahl der Beschäftigten mit Geburtsort in Ostdeutschland ohne Berlin ist gestiegen. 2022 betrug ihr Anteil 7,5 Prozent an den Führungskräften, 2026 sind es 8,9 Prozent. Bei den Referatsleitungen mit Geburtsort in Ostdeutschland einschließlich Berlin gab es eine Steigerung von 15,1 Prozent (2022) auf 17,6 Prozent (2026). Auch die Referatsleitungen von Menschen mit Geburtsort in Ostdeutschland ohne Berlin nahm von 8,2 Prozent (2022) auf 9,3 Prozent zu.</p>
<p>Parallel zu diesem Anstieg liegt der Anteil der Führungskräfte mit Geburtsort in Westdeutschland ohne Berlin bei 80 Prozent (2022 waren es 83,5 Prozent). Auch wenn die Anzahl der Führungskräfte mit diesem geografischen Hintergrund abnimmt, bleibt der Anteil der Führungskräfte mit westdeutschem Geburtsort ohne Berlin sehr hoch.</p>
<h2><span class="title-bg">Anzahl der Richter mit ostdeutschem Geburtsort gestiegen</span></h2>
<p>Die Anzahl der Ostdeutschen (mit Berlin) in den oberen Bundesbehörden ist kontinuierlich angestiegen. Lag die Zahl 2022 noch bei 11,3 Prozent, so verbesserte sie sich seitdem auf 13,4 Prozent. Somit kommen im Jahr 2026 erstmals mehr als 100 Führungskräfte dieser Institutionen aus Ostdeutschland. Der bemerkenswerteste Zuwachs ist bei den Abteilungsleitungen der oberen Bundesbehörden zu verzeichnen. 2022 lag die Quote bei 13 Prozent und ist seitdem um 3,3 Prozentpunkte auf 15,3 Prozent gestiegen.</p>
<div id="attachment_10681-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10681-2" class="wp-image-10681" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/10/Depositphotos_313992914_XL.jpg" alt="Der Anteil ostdeutscher Richter (inklusive Geburtsort Berlin) an den obersten Bundesgerichten kletterte zwischen 2022 und 2026 von 7,1 Prozent auf 10,6 Prozent. Abbildung: Depositphotos, Vitali Radko" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-10681-2" class="wp-caption-text">Der Anteil ostdeutscher Richter (inklusive Geburtsort Berlin) an den obersten Bundesgerichten kletterte zwischen 2022 und 2026 von 7,1 Prozent auf 10,6 Prozent. Abbildung: Depositphotos, Vitali Radko</p></div>
<p>Auch in der Berufsbranche der Richter ist ein Zuwachs bei Führungspersonen mit Geburtsort in Ostdeutschland zu verzeichnen. So stieg der Anteil der in Ostdeutschland (mit Berlin) geborenen Richterinnen und Richter bei den obersten Bundesgerichten von 7,1 Prozent auf 10,6 Prozent. Bei ostdeutschen Richterinnen und Richtern ohne Geburtsort Berlin stieg der Anteil der Führungspersonen von 5,1 Prozent auf 8,8 Prozent.</p>
<p>Zusammenfassend lässt sich aus den Zahlen ableiten, dass Ostdeutsche in Führungspositionen unterrepräsentiert sind, gemessen an ihrem Anteil an der Bevölkerung. Ein positiver Trend ist jedoch erkennbar. Die nächste Erhebung zu Führungskräften ist dem <a href="https://www.ostbeauftragte.de/ostb/Content/DE/Downloads/Berichte/Berichte-Ostbeauftragte/2026-in-bewegung-bleiben.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=5">Bericht</a> zufolge für den 30. Juni 2027 geplant.</p>
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		<title>36 Jahre Wiedervereinigung: Für 90 Prozent ist die innere Einheit noch nicht erreicht</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/36-jahre-wiedervereinigung-fuer-90-prozent-ist-die-innere-einheit-noch-nicht-erreicht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Oct 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=10640</guid>

					<description><![CDATA[<p>Heute feiert Deutschland 36 Jahre Wiedervereinigung. Im September 2025 startete das Projekt „DNA des Ostens“ eine offene Onlinebefragung zum Thema Ost-West-Unterschiede. Nun hat es eine interessante Zwischenbilanz gezogen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10652" class="wp-image-10652" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/10/Bundesarchiv_Bild_183-1990-1003-417_Berlin_Flaggen_vor_dem_Reichstag_cropped.jpg" alt="Am 3. Oktober 1990 wurden vor dem Reichstagsgebäude die Fahnen aller Bundesländer Deutschlands aufgestellt. 36 Jahre später hat das Projekt „DNA des Ostens” online zu Ost-West-Unterschieden befragt. Abbildung: Thomas Uhlemann, Das Bundesarchiv, Wikimedia Commons" width="600" height="400">Am 3. Oktober 1990 wurden vor dem Reichstagsgebäude die Fahnen aller Bundesländer [...]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Heute feiert Deutschland 36 Jahre Wiedervereinigung. Im September 2025 startete das Projekt „DNA des Ostens“ eine offene Onlinebefragung zum Thema Ost-West-Unterschiede. Nun hat es eine interessante Zwischenbilanz gezogen.</p>
<p><span id="more-10640"></span></p>
<div id="attachment_10652-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10652-2" class="wp-image-10652" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/10/Bundesarchiv_Bild_183-1990-1003-417_Berlin_Flaggen_vor_dem_Reichstag_cropped.jpg" alt="Am 3. Oktober 1990 wurden vor dem Reichstagsgebäude die Fahnen aller Bundesländer Deutschlands aufgestellt. 36 Jahre später hat das Projekt „DNA des Ostens” online zu Ost-West-Unterschieden befragt. Abbildung: Thomas Uhlemann, Das Bundesarchiv, Wikimedia Commons" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-10652-2" class="wp-caption-text">Am 3. Oktober 1990 wurden vor dem Reichstagsgebäude die Fahnen aller Bundesländer Deutschlands aufgestellt. 36 Jahre später hat das Projekt „DNA des Ostens” zu Ost-West-Unterschieden befragt. Abbildung: Thomas Uhlemann, Das Bundesarchiv, Wikimedia Commons</p></div>
<p>In den zurückliegenden zwölf Monaten antworteten der <a href="https://dna-des-ostens.de/" target="_blank" rel="noopener">„DNA des Ostens“</a>, einem Projekt der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, 2.560 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit insgesamt 34.500 Einzelantworten auf 14 Fragen. In der Umfrage geht es unter anderem um die Berichterstattung über Ost-West-Unterschiede, Altersabhängigkeiten beim Blick auf Ostdeutschland, die Identifikation mit Ostdeutschland sowie eine gemeinsame ostdeutsche Kultur.</p>
<p>92 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass es ihrer Meinung nach immer noch deutliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland gibt. Nur acht Prozent sehen keine deutlichen Unterschiede. 57 Prozent der Teilnehmer sind der Ansicht, dass nicht zu viel über Ost-West-Unterschiede gesprochen und geschrieben wird. 43 Prozent sind der Meinung, dass die Berichterstattung über Unterschiede zu umfangreich ist. Bei der Darstellung Ostdeutschlands in den Medien herrscht weitgehend Einigkeit: 77 Prozent finden, dass Ostdeutschland in den Medien nicht angemessen dargestellt wird.</p>
<h2><span class="title-bg">Regionalere Identifikation</span></h2>
<p>Hinsichtlich der Identifikation dominiert der bestimmte Ort oder die Region gegenüber Ost- oder Westdeutschland. 77 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen die Identifikation mit Ost- oder Westdeutschland nicht wichtiger ist als die noch regionalere Bindung zum Heimatort oder zur Heimatregion. Unterschiede zwischen Ost und West scheinen für viele Teilnehmer kein bedeutendes Thema zu sein: Eine Mehrheit von 68 Prozent gab an, im Alltag nicht zwischen Ost- und Westdeutschen zu unterscheiden.</p>
<h2><span class="title-bg">Innere Einheit weit entfernt</span></h2>
<p>Auch 36 Jahre nach dem Tag der Wiedervereinigung scheint die innere Einheit noch in weiter Ferne zu liegen. 90 Prozent der Befragten finden, dass die innere Einheit noch nicht erreicht ist. Ein Grund dafür könnten die unterschiedlichen Aufstiegsmöglichkeiten sein. 65 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass Ostdeutsche gegenüber Westdeutschen benachteiligt sind, was die beruflichen Aufstiegschancen betrifft.</p>
<p>Die Umfrage hat auch positive Ergebnisse geliefert: 81 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Menschen in Ostdeutschland stolz auf das seit 1990 Erreichte sein können. Gleichzeitig erklären jedoch 79 Prozent der Befragten, dass die Lebensleistung der Menschen in Ostdeutschland nicht angemessen gewürdigt wird.</p>
<h2><span class="title-bg">Fehlende Krisenfestigkeit</span></h2>
<p>Interessant sind auch die Ergebnisse beim Thema Widerstandsfähigkeit gegenüber gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Krisen. Ostdeutsche sind für 66 Prozent der Teilnehmer aufgrund von Erfahrungen mit der DDR oder der Transformationszeit nicht resistenter gegenüber solchen Krisensituationen. 81 Prozent der Befragten geben an, dass sie aufgrund dieser Erfahrungen gesellschaftlichen Veränderungen skeptisch gegenüberstehen. Detaillierte Ergebnisse der Umfrage finden Sie <a href="https://dna-des-ostens.de/wp-content/themes/dnado-theme/assets/Ergebnisse_der_Umfrage_dna-des-ostens_Stand_29_September_2026.pdf" target="_blank" rel="noopener">hier</a>.</p>
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		<title>Was braucht die ostdeutsche Energiewirtschaft jetzt? Statements von Unternehmen und der Ostbeauftragten</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/wo-steht-die-ostdeutsche-energiewirtschaft-die-energieumfrage-2026-von-ostdeutschland-info/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Sep 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=10532</guid>

					<description><![CDATA[<p>In wenigen Tagen findet in Leipzig das Ostdeutsche Energieforum statt. Aus diesem Anlass haben wir die Ostbeauftragte der Bundesregierung und ausgewählte Energieunternehmen in Ostdeutschland um Statements zur ostdeutschen Energiewirtschaft gebeten.<br />
Neben der Ostbeauftragen Elisabeth Kaiser haben uns die Unternehmen E.DIS, EWE, ThEEN und die VNG ihre Einschätzungen zukommen lassen. Konkret wollten wir wissen: Was braucht die ostdeutsche Energiewirtschaft jetzt?<br />
In den Statements werden große Chancen für eine positive Entwicklung der ostdeutschen Energiewirtschaft gesehen. Grund dafür seien unter anderem die bereits vorhandene Infrastruktur [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/wo-steht-die-ostdeutsche-energiewirtschaft-die-energieumfrage-2026-von-ostdeutschland-info/">Was braucht die ostdeutsche Energiewirtschaft jetzt? Statements von Unternehmen und der Ostbeauftragten</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In wenigen Tagen findet in Leipzig das Ostdeutsche Energieforum statt. Aus diesem Anlass haben wir die Ostbeauftragte der Bundesregierung und ausgewählte Energieunternehmen in Ostdeutschland um Statements zur ostdeutschen Energiewirtschaft gebeten.<span id="more-10532"></span></p>
<p>Neben der Ostbeauftragen Elisabeth Kaiser haben uns die Unternehmen E.DIS, EWE, ThEEN und die VNG ihre Einschätzungen zukommen lassen. Konkret wollten wir wissen: Was braucht die ostdeutsche Energiewirtschaft jetzt?</p>
<p>In den Statements werden große Chancen für eine positive Entwicklung der ostdeutschen Energiewirtschaft gesehen. Grund dafür seien unter anderem die bereits vorhandene Infrastruktur und die Transformationserfahrungen vor Ort. Zugleich werden verlässliche politische Rahmenbedingungen für Investitionen gefordert und eine frühzeitige Kommunikation im Transformationsprozess. Aber machen Sie sich selbst ein Bild:</p>
<hr>
<div id="attachment_10569-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10569-2" class="wp-image-10569" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/09/250904_JBMF_PHT4329_quelle_photothek_juliane_sonntag.jpg" alt="Elisabeth Kaiser, Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland. Abbildung: BMF, Photothek, Juliane Sonntag" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-10569-2" class="wp-caption-text">Elisabeth Kaiser, Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland. Abbildung: BMF, Photothek, Juliane Sonntag</p></div>
<blockquote><p><em>Eine starke Energiewirtschaft ist eine wichtige Grundlage für wirtschaftliches Wachstum und sichere Arbeitsplätze in Ostdeutschland. Dafür braucht die ostdeutsche Energiewirtschaft vor allem gute und verlässliche Rahmenbedingungen.</em></p>
<p><em>Energie muss sicher und bezahlbar sein. Mit dem Industriestrompreis schaffen wir für energieintensive Unternehmen mehr Planungssicherheit und stärken damit industrielle Wertschöpfung. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, brauchen wir leistungsfähige Netze, mehr Speicher und flexible Kapazitäten. Die Bundesregierung beschleunigt deshalb den Stromnetzausbau und arbeitet daran, den Ausbau erneuerbarer Energien und der Netze stärker aufeinander abzustimmen und kosteneffizienter zu gestalten.</em></p>
<p><em>Ostdeutschland ist Vorreiter bei der Energiewende, denn hier wird schon heute besonders viel Strom aus Wind und Sonne erzeugt – sogar mehr, als vor Ort verbraucht wird. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass aus diesem Potenzial konkrete wirtschaftliche Anwendungen entstehen. Ein Beispiel ist die Wasserstoffwirtschaft, deren Hochlauf wir durch den Aufbau des Wasserstoff-Kernnetzes fördern.</em></p>
<p><em>Erneuerbare Energien sind nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch ein echter Standortvorteil für Ostdeutschland. Denn wo viel erneuerbare Energie verfügbar ist, entstehen neue Möglichkeiten für Industrie, Mittelstand und Zukunftstechnologien. Das gilt für energieintensive Geschäftsmodelle ebenso wie für Wasserstoff, Speichertechnologien oder Rechenzentren.</em></p>
<p><em>Ostdeutschland ist Zukunftsregion. Hier werden neue Energiesysteme erprobt, industrielle Transformation findet konkret statt und innovative Unternehmen schaffen neue Perspektiven. Die Chancen der Energiewende wollen wir gemeinsam mit den Ländern, Kommunen und der Wirtschaft nutzen. Das Ostdeutsche Energieforum ist der richtige Ort, um über die nächsten Schritte zu sprechen.“</em></p>
<hr>
</blockquote>
<div id="attachment_10570-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10570-2" class="wp-image-10570" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/09/Patrick-Wittenberg-E.DIS-AG.jpg" alt="Dr. Patrick Wittenberg, Vorstandsvorsitzender, E.DIS AG, Abbildung: Uwe Tölle, E.DIS AG" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-10570-2" class="wp-caption-text">Dr. Patrick Wittenberg, Vorstandsvorsitzender, E.DIS AG, Abbildung: Uwe Tölle, E.DIS AG</p></div>
<blockquote><p><em>Gut ausgebaute Stromverteilnetze sind das Rückgrat der Energiewende, deshalb investiert die E.DIS Netz in diesem Jahr rund 350 Millionen Euro – mit weiter steigender Tendenz. Damit haben wir unsere Investitionen im Vergleich zu den Vorjahren bereits deutlich erhöht. Und dies ist nicht alles: In den kommenden fünf Jahren plant das Unternehmen, mehr als 2 Milliarden Euro zu investieren – und damit das Verteilnetz auf allen Ebenen auszubauen.</em></p>
<p><em>E.DIS steht vor einer großen Aufgabe – und gleichzeitig steckt dahinter bereits heute ein großer Erfolg: eine Grünstromquote in unserem Stromnetz von 180 Prozent (EEG-Einspeisung ins Netz der E.DIS, bezogen auf den Netzabsatz der E.DIS, vorbehaltlich nachträglicher Anpassungen durch Mehr- und Mindermengenabrechnungen mit den Lieferanten und sonstigem Clearing).</em></p>
<p><em>Technisch setzt E.DIS die Energiewende in seinem Netz erfolgreich um, doch neben all den Herausforderungen und notwendigen Investitionen müssen wir dabei auch ein Hauptaugenmerk auf die Kosten für unsere Netzkunden legen. Daher sprechen wir uns ausdrücklich für eine Synchronisierung des Ausbaus der Erzeugungs-Anlagen mit dem vorhandenen Stromnetz aus. Für das Gelingen einer bezahlbaren Energiewende.“</em></p>
<hr>
</blockquote>
<div id="attachment_10571-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10571-2" class="wp-image-10571" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/09/Stefan_Dohler_ohne-EWE-Nadel.jpg" alt="Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender, EWE AG, Abbildung: EWE AG" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-10571-2" class="wp-caption-text">Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender, EWE AG, Abbildung: EWE AG</p></div>
<blockquote><p><em>EWE hat sich bereits kurz nach der Wiedervereinigung in Brandenburg und auf Rügen engagiert und trägt dort bis heute Verantwortung für eine sichere und bezahlbare Energieversorgung. Gleichzeitig verändert die Energiewende die Geschäftsmodelle grundlegend. Gerade dort, wo heute Gasinfrastruktur eine wichtige Rolle spielt, müssen neue Perspektiven entstehen.</em></p>
<p><em>Ostdeutschland braucht deshalb verlässliche Rahmenbedingungen, die Investitionen in die Transformation ermöglichen – in Netze und Speicher ebenso wie in neue, klimafreundliche Wärmelösungen. Wir erleben etwa bei Quartieren und größeren Versorgungslösungen, wie sich bestehende Strukturen Schritt für Schritt auf eine klimafreundliche Zukunft ausrichten lassen.</em></p>
<p><em>Ostdeutschland hat viel Energie, Fläche und Transformationskompetenz. Daraus kann ein echter Standortvorteil werden, wenn Energiewende und wirtschaftliche Entwicklung konsequent zusammengedacht werden.“</em></p>
<hr>
</blockquote>
<div id="attachment_10572-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10572-2" class="wp-image-10572" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/09/20260105_theen_jana_liebe_webseite_quer.jpg" alt="Dr. Jana Liebe, Geschäftsführerin, Thüringer Erneuerbare Energien Netzwerk (ThEEN) e.V. Abbildung: ThEEN 2026" width="600" height="375"><p id="caption-attachment-10572-2" class="wp-caption-text">Dr. Jana Liebe, Geschäftsführerin, Thüringer Erneuerbare Energien Netzwerk (ThEEN) e.V. Abbildung: ThEEN 2026</p></div>
<blockquote><p><em>Die Energiewende ist eine gesamtgesellschaftliche Gemeinschaftsaufgabe – vergleichbar mit der deutschen Wiedervereinigung. Gerade Ostdeutschland verfügt aufgrund seiner Transformationserfahrungen über hervorragende Voraussetzungen, zu einer Modellregion zu werden und den Wandel aktiv mitzugestalten: weg von bürokratischen Top-down-Entscheidungen hin zu regionaler Versorgungssicherheit, lokaler Wertschöpfung und einer breiten Einbindung der Bevölkerung. Die Erträge der grünen Energieversorgung sollen vor allem den Menschen und Unternehmen vor Ort zugutekommen. Daher müssen Wege gefunden werden, Wertschöpfung in den Regionen zu halten und für ihre Entwicklung nutzbar zu machen.</em></p>
<p><em>Der Transformationsprozess sollte künftig deutlich stärker als politische, technische, infrastrukturelle und gesamtgesellschaftliche Gemeinschaftsaufgabe gedacht, umgesetzt und finanziell ausgestattet werden. Neben dem Aus- und Umbau der Energieinfrastruktur braucht es dafür vor allem frühzeitige Information und Kommunikation, um gemeinsam tragfähige und akzeptierte Lösungen zu entwickeln.“</em></p>
<hr>
</blockquote>
<div id="attachment_10573-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10573-2" class="wp-image-10573" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/09/VNG-HV-Stephan-Haupt-67606_Vorschau.jpg" alt="Stephan Haupt, Geschäftsführer der VNG Handel &amp; Vertrieb GmbH. Abbildung: Torsten Pross" width="600" height="418"><p id="caption-attachment-10573-2" class="wp-caption-text">Stephan Haupt, Geschäftsführer der VNG Handel &amp; Vertrieb GmbH. Abbildung: Torsten Pross</p></div>
<blockquote><p><em>Die ostdeutsche Energiewirtschaft braucht jetzt vor allem verlässliche politische Rahmenbedingungen für Investitionen in Erzeugung, Netze, Speicher, Wasserstoff und Biogas. Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit müssen dabei gleichermaßen im Blick bleiben. Ostdeutschland verfügt mit seiner starken Infrastruktur, qualifizierten Fachkräften und Transformationserfahrung über beste Voraussetzungen, die Energiewende erfolgreich zu gestalten. Gerade Biogas kann als flexibel einsetzbarer erneuerbarer Energieträger die Versorgungssicherheit stärken und die Energiewende im ländlichen Raum voranbringen.“</em></p></blockquote>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/wo-steht-die-ostdeutsche-energiewirtschaft-die-energieumfrage-2026-von-ostdeutschland-info/">Was braucht die ostdeutsche Energiewirtschaft jetzt? Statements von Unternehmen und der Ostbeauftragten</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Tom Waurig: Ost, Ost, Ostdeutschland. Wie mutige Menschen für ein anderes Bild von Ostdeutschland streiten</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/tom-waurig-ost-ost-ostdeutschland-wie-mutige-menschen-fuer-ein-anderes-bild-von-ostdeutschland-streiten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Sep 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=8066</guid>

					<description><![CDATA[<p>Tom Waurig, Sozialunternehmer, politischer Bildner sowie Gründer und Chefredakteur des Veto Magazins, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8068" class="wp-image-8068 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/09/Waurig_DIAO2.png" alt="Tom Waurig, Sozialunternehmer, politischer Bildner, Gründer und Chefredakteur Veto Magazin. Abbildung: Benjamin Jenak" width="703" height="1000">Tom Waurig, Sozialunternehmer, politischer Bildner, Gründer und Chefredakteur Veto Magazin. Abbildung: Benjamin Jenak<br />
Mai 2017: Mehr als 1.000 Fans [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/tom-waurig-ost-ost-ostdeutschland-wie-mutige-menschen-fuer-ein-anderes-bild-von-ostdeutschland-streiten/">Tom Waurig: Ost, Ost, Ostdeutschland. Wie mutige Menschen für ein anderes Bild von Ostdeutschland streiten</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Tom Waurig, Sozialunternehmer, politischer Bildner sowie Gründer und Chefredakteur des Veto Magazins, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-8066"></span></p>
<div id="attachment_8068-2" style="width: 713px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8068-2" class="wp-image-8068 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/09/Waurig_DIAO2.png" alt="Tom Waurig, Sozialunternehmer, politischer Bildner, Gründer und Chefredakteur Veto Magazin. Abbildung: Benjamin Jenak" width="703" height="1000"><p id="caption-attachment-8068-2" class="wp-caption-text">Tom Waurig, Sozialunternehmer, politischer Bildner, Gründer und Chefredakteur Veto Magazin. Abbildung: Benjamin Jenak</p></div>
<p>Mai 2017: Mehr als 1.000 Fans des sächsischen Fußballklubs Dynamo Dresden machen sich auf den Weg nach Karlsruhe. Es ist das vorletzte Spiel der damaligen Zweitligasaison. Stunden später werden alle großen Nachrichtenportale darüber berichten – weniger über das Spiel, das Dynamo mit 4:3 für sich entscheidet, als vielmehr über das Drumherum: Randale, Plünderungen, verletzte Polizeikräfte und eine „Kriegserklärung“ an den DFB. In Karlsruhe eskalierte die jahrelange Fehde um die Kommerzialisierung des Sports zwischen dem Verband und den Fans vieler Traditionsklubs – angeführt von den Ultras von Dynamo Dresden.</p>
<p>Ich war damals dabei, besaß ein paar Jahre eine Dauerkarte für alle Heimspiele. Bis zur Pandemie war das Fansein mein Hobby. Es war ein Erleben von Gemeinschaft. Beim Fanmarsch zum Stadion in Karlsruhe hatte ich mich am Ende eingereiht, vom Geschehen ganz vorne bekam ich nichts mit. Ich erfuhr später aus den Medienberichten davon.</p>
<p>An was ich mich noch gut erinnere, das ist ein Fangesang, den ich damals nach vielen Jahren im Stadion zum allerersten Mal hörte: „Ost, Ost, Ostdeutschland!“ Die Massen im Auswärtsblock bewegten sich seitlich zum Spielfeld, legten die Hände auf die Schulter der Person vor ihnen und marschierten in den Reihen der Tribüne auf und ab. Ich drängte mich an den Rand, schaute dem Treiben zu, fühlte mich unwohl. Nicht wegen der Kritik am DFB oder den Shirts im Military-Look, sondern wegen des Gesangs. Ich konnte mich damit nicht identifizieren, wie ich es auch mit anderen Parolen nie konnte: „Ihr seid Wessis, a***** Wessis!“ Rivalität im Fußball, ja, die gibt es und sie bewegt sich oft entlang von Grenzen, aber auf diese Art und Weise, das ist mir fremd.</p>
<hr>
<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Was es braucht, ist gemeinsame Identifikation. Lasst uns dem Osten zujubeln und Fans sein: Demokratie-Ultras.”</strong></span></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg"><strong>Ein ständiges Unwohlsein </strong></span></h2>
<p>Ich bin im Januar 1990 in Görlitz geboren, habe ein geteiltes Deutschland nie erleben müssen. Teile meiner Familie leben im Westen, den Osten habe ich nie verlassen. Sachsen fühle ich mich irgendwie verbunden. Vielleicht ist es auch eher eine Verpflichtung, progressive Ideen genau hier zu verbreiten und nicht zu kapitulieren.</p>
<p>Denke ich an Ostdeutschland, denke ich an die Bilder von den rechtsextremen Ausschreitungen vor einer Geflüchtetenunterkunft in Heidenau, an Pegida, an Neonazi-Aufmärsche am 13. Februar in Dresden. Zehn Jahre lang habe ich für eine Anti-Rechts-Initiative gearbeitet, diese Bilder haben mich geprägt. Später dann die permanenten Erklärungsversuche immer neuer AfD-Wahlerfolge und das ständige Unwohlsein damit. Die „ostdeutsche Seele“ zu erklären, das wird medial immer wieder versucht – und meist bleibt es oberflächlich.</p>
<p>Ich selbst bewege mich in einer gesellschaftlichen Blase. Mit Menschen, die AfD wählen oder mit der rechtsextremen Partei sympathisieren, habe ich privat nicht wirklich zu tun. Dafür aber mit den Menschen, die gegenhalten, die Hoffnung geben, die einen anderen Osten prägen.</p>
<div id="attachment_8070-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8070-2" class="wp-image-8070" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/09/annaschmitt_karla_schroeder-61.jpg" alt="Anna Schmidt gibt in Dresden Kurse in Brazilian Jiu-Jitsu – und nur Frauen haben Zutritt. Abbildung: Karla Schröder " width="600" height="451"><p id="caption-attachment-8070-2" class="wp-caption-text">Anna Schmidt gibt in Dresden Kurse in Brazilian Jiu-Jitsu – und nur Frauen haben Zutritt. Abbildung: Karla Schröder</p></div>
<h2><span class="title-bg"><strong>Das ist der andere Osten </strong></span></h2>
<p>Denke ich an Ostdeutschland, dann denke ich an die vielen Engagierten, die sich Nazis in den Weg stellen und die sich trotz aller Widerstände um ein positives Bild vom Osten bemühen, die streiten, die bleiben, die gestalten. Ihnen gebe ich mit dem Veto Magazin seit Jahren eine mediale Bühne, um die mutigen Geschichten zu erzählen und zu verbreiten – zehn Beispiele:</p>
<p>Bad Dürrenberg in Sachsen-Anhalt: durchschnittlich kleinstädtisch. Im April 2025 hielt Max auf dem Marktplatz seiner Heimatstadt eine Rede bei der montäglichen Querdenken-Demo. Er sei nicht hier, um zu gefallen, spricht er ins Mikrofon, sondern als Antifaschist. Das Video mit der Rede des 16-jährigen Schülers zählt heute bald eine halbe Million Aufrufe. Sein Leben hat sich seitdem verändert. Seine Mutter sorgt sich um ihn. Max aber hat eine klare Mission. Bis zu den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt im September 2026 möchte er alles tun, um gegen die rechtsextreme AfD zu mobilisieren.</p>
<p>Anna Schmidt will sich nicht mit der Erzählung abfinden, „dass Männer Kämpfer sind und Frauen nicht“. Also gibt sie in Dresden Kurse in Brazilian Jiu-Jitsu – und nur FLINTA* haben Zutritt. Auch Schmidt hat auf der Matte negative Erfahrungen mit Männern gemacht. Sie erzählt von denen, die sie unterschätzt haben und nicht richtig mit ihr kämpfen wollten, weil sie eine Frau ist. Gleichzeitig reagierten Männer oft mit der immer gleichen Frage, wenn sie von ihrer Kampfsportleidenschaft erzählt: „Oh, muss ich da Angst haben vor dir?“ Und ihre Antwort ist jedes Mal die gleiche: „Ja!“</p>
<p>Der 13. Februar ist der wohl am stärksten umkämpfte Gedenktag im Land. Rechtsextreme nutzten ihn seit Ende der 1990er-Jahre für ihre eigenen Zwecke. 2010 wurden die Aufzüge schließlich durch Sitzblockaden gestoppt. Seit zehn Jahren bringt sich Rita Kunert in Bündnissen ein, um ein differenziertes Bild von der Bombardierung Dresdens zu zeichnen. Kunert habe vergleichsweise spät zum Aktivismus gefunden. Als die Kinder aus dem Haus waren, fand sie Zeit und sieht sich als Bindeglied zum Bildungsbürgertum: „Ich bin einfach älter, erreiche andere Menschen.“</p>
<p>Was passiert, wenn Kultur nicht nur auf Bühnen spielt, sondern alltäglich wird? Anica Happich sucht im Theater Antworten auf die gesellschaftliche Spaltung. Mit ihren Kulturangeboten geht sie in Erfurts Plattenbauviertel und sucht auch den Dialog mit Menschen, die AfD wählen. Und das ausgerechnet in Thüringen. Dort also, wo Rechts-sein Alltag ist. Wenn Happich öffentliche Räume bespielt, ist das immer auch ein politischer Akt. Theater versteht sie als eine Praxis, die Haltung und Antworten verlangt – auch auf unbequeme Fragen: Mit wem reden wir denn noch?</p>
<p>Wie eine Oase glitzert der Kashay Salon im düster verregneten Dresdner Industriegelände. Discokugeln und bunte Lichter strahlen durch die Nacht. Teppiche und Tücher hängen am zweistöckigen Backsteingebäude, Wimpelketten sind quer über den Hof gespannt. Ein paar Stunden zuvor hat Rakans noch Dutzende Luftballons aufgepustet, die jetzt unkontrolliert über die Tanzfläche schweben. Für diesen Abend hat das von Rakans gegründete Kollektiv Rawmantique den Club gebucht. Das bedeutet: es wird queer, sexpositiv und ausgelassen.</p>
<div id="attachment_8071-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8071-2" class="wp-image-8071" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/09/Jessy_James_KarlaSchroeder_DSC102-1.jpg" alt="Jessy James LaFleur geht aufs Land und streitet genau dort für ein anderes Narrativ vom „Osten“. Abbildung: Karla Schröder" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-8071-2" class="wp-caption-text">Jessy James LaFleur geht aufs Land und streitet genau dort für ein anderes Narrativ vom „Osten“. Abbildung: Karla Schröder</p></div>
<h2><span class="title-bg"><strong>#Baseballschlägerjahre </strong></span></h2>
<p>Ocean Hale ist in Döbeln geboren, aufgewachsen und – immer noch da. Im Gegensatz zu vielen befreundeten Menschen. Es gab einen Grund, in Sachsen zu bleiben: den Verein Treibhaus. Das soziokulturelle Zentrum wurde bereits im frühen Teenageralter zu einem zweiten Zuhause, erzählt er. „Mir war früh klar, dass ich mich politisch engagieren wollte und hier ging das. Viele Kleinstädte im Hinterland haben so einen Anker gar nicht. Das ist wirklich ein Halt für progressive Kräfte in der Region.“ Doch dieser kontinuierliche Einsatz geht auch an die Substanz.</p>
<p>Der #Hashtag Baseballschlägerjahre zeigt, wie Neonazis in den 90ern den ostdeutschen Alltag dominierten. Auch Doro Schneider hat Drohungen erlebt – und engagiert sich seitdem im Dreiländereck. Es gibt Momente, in denen sie sich fragt, warum sie sich das eigentlich alles antut. Mit vier Kindern, davon zwei Teenager, wäre ihr Tag schon gut ausgefüllt. Und doch investiert Schneider Zeit in ein Ehrenamt. Viel Zeit, seit gut 18 Jahren inzwischen. „Ich möchte, dass meine Kinder in einer ordentlichen Welt leben. Und ich will meinen Teil dazu beitragen.“</p>
<p>Ein lauter, dumpfer Schlag hallt durch den Raum. Der großgewachsene Kämpfer zerrt am Bund seiner Baumwolljacke. In Neubrandenburg hat Sunny ein linkes Kampfsportstudio aufgebaut. Vor mehr als zehn Jahren zog er aus dem Wendland in die mecklenburgische Kleinstadt. Sich mit den Kumpels im Keller raufen, das habe ihm schon immer gefallen, erzählt er. Nach seinem Umzug in den Osten sind schließlich auch die Anfeindungen von Rechtsaußen mehr geworden: „Ich bin oft genug von Faschos verprügelt worden und wollte mich einfach auch verteidigen können.“</p>
<p>Jessy James LaFleur macht das, was die demokratischen Parteien zu lange schon versäumt haben: Sie geht aufs Land. An Orte, die anfällig sind für rechte Parolen und völkische Gedanken. Knapp 142 km von Berlin entfernt liegt die Oberlausitz. 67 Prozent der Region gehören zu Sachsen, 30 Prozent zu Polen und drei Prozent zu Brandenburg. „Wo Öffis kaum vorhanden sind, wo Frustration sich stetig aufbäumt und Wälder für Kohle verschwinden, wo Menschen sich ungehört und abgehangen fühlen.“ So beschreibt Jessy James LaFleur den Landstrich. Genau hier streitet sie für ein anderes Narrativ vom „Osten“.</p>
<p>Ostritz: eine unscheinbare ostsächsische Gemeinde, gelegen zwischen Zittau und Görlitz. 2.000 Menschen leben hier entlang der Grenze zu Polen. Tourismusmagnet ist ein Kloster aus dem 13. Jahrhundert, ein weitläufiges Gelände, das idyllisch an der Neiße liegt. Ungewollt ist Ostritz durch Neonazi-Events bekannt geworden. Josefine Johne und Bastien Eifler stellen sich gegen dieses mediale Bild ihrer Heimat und schaffen mit einem „Alternativen Zentrum“ kreative Freiräume. Denn sie wissen nur zu gut: „Freizeitangebote waren schon immer Mangelware in Ostritz.“</p>
<div id="attachment_8072-2" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8072-2" class="wp-image-8072" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/09/Kampfsport_DSC00183-1.jpg" alt="Neonazis tummeln sich im Kampfsport. In Neubrandenburg ist ein linker Gegenentwurf entstanden. Abbildung: Benjamin Jenak" width="500" height="334"><p id="caption-attachment-8072-2" class="wp-caption-text">Neonazis tummeln sich im Kampfsport. In Neubrandenburg ist ein linker Gegenentwurf entstanden. Abbildung: Benjamin Jenak</p></div>
<h2><span class="title-bg"><strong>Ostdeutschland zujubeln </strong></span></h2>
<p>Ich bewundere diese Menschen für ihren Einsatz, dafür, dass sie für Veränderung etwas riskieren. Ohne sie wäre im Osten vieles sehr viel düsterer. Wenn wir uns zusammentun, scheint also vieles möglich. Das habe ich oft auch im Stadion erlebt: dass ein kollektiver Rausch Gutes schafft. Was ich von den vielen Besuchen mitnehme, das ist die Erkenntnis, dass eine Verbundenheit auch unter Unbekannten entstehen kann, sobald uns die Hingabe für dieselbe Sache eint. Was es dafür braucht, ist gemeinsame Identifikation. Lasst uns dem Osten zujubeln und gemeinsam Fans sein: Demokratie-Ultras. Schließlich waren es auch die medial so oft gescholtenen Fangruppierungen, die dafür gesorgt haben, dass der weitverbreitete Rassismus der 90er-Jahre in den Stadien ein Randphänomen geworden ist. Weil Ultras Auseinandersetzungen mit Rechtsextremen um die Deutungshoheit geführt und an vielen Orten auch für sich entschieden haben.</p>
<div id="attachment_8073-2" style="width: 310px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8073-2" class="wp-image-8073" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/09/Ostritz_Engagierte_DSC09050.jpg" alt="Im sächsischen Ostritz schaffen Engagierte Freiräume und so ein anderes Bild ihrer Heimat. Abbildung: Benjamin Jenak" width="300" height="450"><p id="caption-attachment-8073-2" class="wp-caption-text">Im sächsischen Ostritz schaffen Engagierte Freiräume und so ein anderes Bild ihrer Heimat. Abbildung: Benjamin Jenak</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg"><strong>Tom Waurig</strong></span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>GEBOREN:</strong> 1990/Görlitz</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Dresden </span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> Jakob Springfeld: „Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert“, 2025<br>
</span><span style="color: #000000;"><strong>MEIN FILMTIPP: </strong>„Im Osten was Neues“, 2025<strong><br>
</strong></span><span style="color: #000000;"><strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Alte Spitzenfabrik in Grimma</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/tom-waurig-ost-ost-ostdeutschland-wie-mutige-menschen-fuer-ein-anderes-bild-von-ostdeutschland-streiten/">Tom Waurig: Ost, Ost, Ostdeutschland. Wie mutige Menschen für ein anderes Bild von Ostdeutschland streiten</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Jägerschnitzel. Der Ost-Ost-Blick #10: Herbstnebel</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/jaegerschnitzel-der-ost-ost-blick-10-herbstnebel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Sep 2026 08:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=10545</guid>

					<description><![CDATA[<p>In Teil zehn seiner Kolumne wirft Julian Nejkow einen Blick auf die Ergebnisse der Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Er registriert eine Politik, die immer mehr auf Sicht fährt anstatt entschlossen zu handeln.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10553" class="wp-image-10553" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/09/Nejkow-Cover-Kolumne.jpg" alt="Julian Nejkow, 1988 in Thüringen geboren, ist Deutsch-Bulgare mit Bindestrichidentität. Er hat Politikwissenschaft in Jena und Dresden studiert. Seit 2021 beschäftigt er sich verstärkt mit Ostdeutschland. Abbildung: Paul Glaser" width="450" height="563">Julian Nejkow, 1988 in Thüringen geboren, ist Deutsch-Bulgare mit Bindestrichidentität. Er hat [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/jaegerschnitzel-der-ost-ost-blick-10-herbstnebel/">Jägerschnitzel. Der Ost-Ost-Blick #10: Herbstnebel</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In Teil zehn seiner Kolumne wirft Julian Nejkow einen Blick auf die Ergebnisse der Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Er registriert eine Politik, die immer mehr auf Sicht fährt anstatt entschlossen zu handeln.</p>
<p><span id="more-10545"></span></p>
<div id="attachment_10553-2" style="width: 460px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10553-2" class="wp-image-10553" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/09/Nejkow-Cover-Kolumne.jpg" alt="Julian Nejkow, 1988 in Thüringen geboren, ist Deutsch-Bulgare mit Bindestrichidentität. Er hat Politikwissenschaft in Jena und Dresden studiert. Seit 2021 beschäftigt er sich verstärkt mit Ostdeutschland. Abbildung: Paul Glaser" width="450" height="563"><p id="caption-attachment-10553-2" class="wp-caption-text">Julian Nejkow, 1988 in Thüringen geboren, ist Deutsch-Bulgare mit Bindestrichidentität. Er hat Politikwissenschaft in Jena und Dresden studiert. Seit 2021 beschäftigt er sich verstärkt mit Ostdeutschland. Abbildung: Paul Glaser</p></div>
<p>Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sagte für gestern und heute dichten Nebel voraus. Das erinnert mich unweigerlich an ein Gedicht. Es war das einzige Gedicht, das ich einst halbwegs fehlerfrei vortragen konnte: der „Erlkönig“.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?</p>
<p>Es ist der Vater mit seinem bundesrepublikanischen Kind;</p>
<p>Er hat den Knaben so halb noch im Arm,</p>
<p>Er fasst ihn nicht sicher, er hält ihn lauwarm.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –</p>
<p>Siehst, Vater, du den Populismus nicht?</p>
<p>Den Populismus mit Kron’ und Schweif? –</p>
<p>Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. –</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!</p>
<p>Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir;</p>
<p>Manch’ Wahlversprechen sind an dem Strand,</p>
<p>Meine Versprechen hüll ich in manch gülden Gewand.“ –</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,</p>
<p>Was der Populismus mir leise verspricht? –</p>
<p>Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;</p>
<p>In dürren Blättern säuselt der Wind. –</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?</p>
<p>Meine Töchter und Söhne dir die Augen verblenden schön?</p>
<p>Dir alles versprechen und nichts davon halten oder alles zu Tode verwalten?“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort</p>
<p>Populismus Töchter und Söhne am düstern Ort? –</p>
<p>Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:</p>
<p>Es scheinen die alten Weiden so grau. –</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;</p>
<p>Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“ –</p>
<p>Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!</p>
<p>Populismus hat mir ein Leids getan! –</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dem Vater grauset’s; er reitet geschwind,</p>
<p>Er hält in Armen das ächzende bundesrepublikanische Kind,</p>
<p>Erreicht den Reichstag mit Mühe und Not;</p>
<p>In seinen Armen das Kind war tot.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Johann Wolfgang von Goethe, verzeihen Sie mir. Meine etwas eigene Interpretation Ihrer Ballade ist eigentümlich. Ich gebe zu, Gedichtinterpretation ist wahrlich nie meine Stärke gewesen. Vielmehr ist es die Analyse, bei der ich solide war und bin. Doch ich bin mit meinem Latein am Ende.</p>
<p>Wieder einmal habe ich die letzten zwei Tage kaum eine Berichterstattung zu den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin verpasst. Zuweilen fragte ich mich: Reden wir vom gleichen Sachverhalt? Da tritt ein Kanzler nach einer Prognose vor die Presse und verkündet ein stattgefundenes Desaster, um danach klarzumachen, dass im Prinzip alles bleibt, wie es ist. Bei der Wahlparty der Linken, die einen fulminanten Sieg in Berlin einfuhr, tummelte sich das „Who is who“ der Berliner Unterwelt. In Mecklenburg-Vorpommern verkündete Ministerpräsidentin Manuela Schwesig einen Wahlsieg, während die CDU ihre Koffer packte und aus dem Landtag flog. Die einen sprechen von einem Sieg, obwohl sie vier Prozent verloren haben, die anderen, die 21 Prozent gewonnen haben, wurden im Vergleich zu 2021 stärkste Kraft und fühlen sich trotzdem wie Verlierer.</p>
<p>Verrückte Politikwelt.</p>
<p>Doch damit nicht genug. Wird die Berliner CDU unter ihrem Spitzenkandidaten nach einer Wahlniederlage mehr denn je gebraucht? Ist das so? Man könnte meinen, ich berichte hier von einem satirischen Theaterstück, doch dem ist nicht so. Wieder einmal hat der Wähler geliefert. Die Wahlbeteiligung war historisch hoch, doch es entsteht der dringende Verdacht, einigen Gewählten wäre es lieber gewesen, die Wähler wären zu Hause auf dem Sofa geblieben. „Was die für einen Scheiß zusammenwählen“, ist von einem Amtsträger der CDU unter vorgehaltener Hand zu hören.</p>
<p>Die Botschaft der Wähler wird nicht gehört, nicht verstanden und am ehesten ignoriert. Denn am Ende bleibt doch irgendwie alles, wie es ist – das ist die Ironie der Geschehnisse. Schwesig wurschtelt sich mit Rot-Rot-Grün durch. Berlin wird demnächst von „Kenia“ oder „Transnistrien“ regiert, SPD und Grüne können vor Lachen kaum noch schlafen. Beide verlieren bei den Wahlen, sind aber trotzdem dabei. Sie sind die Sieger der Herzen, die Zweitplatzierten oder die Drittplatzierten. Die Politik hat es verstanden, nur spricht sie ganz offensichtlich eine Sprache, die selbst wohlwollende Bürger nicht mehr verstehen.</p>
<p>So siegt der Populismus – nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Vergessen wir nicht die Situation in Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen und Brandenburg. Es sind zum Teil absurde Konstellationen, die dann von der Politik in Fachsprache zurechtargumentiert werden. Das Politik-Establishment scheint anzunehmen, dass der Wähler es nicht merkt. Dem ist jedoch nicht so. Die Politik gibt sich jetzt entschlossen. Sie haben die richtigen Antworten auf die falschen Fragen. Sie stochern im Nebel und fahren auf Sicht. Immer nach dem Motto: Die nächste Wahl kommt bestimmt – oder wir können es nicht und machen es trotzdem.</p>
<p>Na dann volle Fahrt voraus.</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>Podcast-Tipp:</strong>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-10675" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/09/Bild-Nachmeinerkenntnissofort.jpg" alt="Cover zum Podcast: „Nach meiner Kenntnis ist das sofort“ von Julian Nejkow und Clemens Kießling. " width="200" height="197"></p>
<p>Julian Nejkow und Clemens Kießling: <a href="https://open.spotify.com/show/6ktnMiUYUpudzm6gTcjpCq" target="_blank" rel="noopener">Nach meiner Kenntnis ist das sofort!</a></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/jaegerschnitzel-der-ost-ost-blick-10-herbstnebel/">Jägerschnitzel. Der Ost-Ost-Blick #10: Herbstnebel</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Buchvorstellung: „Nicht mit unserem Land“ von Reiner Haseloff</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-nicht-mit-unserem-land-von-reiner-haseloff-und-robert-burdy/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Sep 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=10241</guid>

					<description><![CDATA[<p>Reiner Haseloff hat Sachsen-Anhalt viele Jahre als Ministerpräsident geprägt. Nach der Landtagswahl ist ein Buch von ihm erschienen, in dem er gemeinsam mit dem Journalisten Robert Burdy auf sein politisches Leben zurückblickt. Wir haben es gelesen. </p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-10535" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/09/Burdy_Haseloff_Nicht-mit-unserem-Land_Cover_2026.jpg" alt="Das Cover von Reiner Haseloff und Robert Burdys Buch: Nicht mit unserem Land" width="280" height="459"><br />
Reiner Haseloff, Robert Burdy: „Nicht mit unserem Land: Eine ostdeutsche Positionsbestimmung“, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2026, 256 Seiten, 22 € (Hardcover).</p>
<p>Das Buch [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-nicht-mit-unserem-land-von-reiner-haseloff-und-robert-burdy/">Buchvorstellung: „Nicht mit unserem Land“ von Reiner Haseloff</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Reiner Haseloff hat Sachsen-Anhalt viele Jahre als Ministerpräsident geprägt. Nach der Landtagswahl ist ein Buch von ihm erschienen, in dem er gemeinsam mit dem Journalisten Robert Burdy auf sein politisches Leben zurückblickt. Wir haben es gelesen. <span id="more-10241"></span></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-10535" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/09/Burdy_Haseloff_Nicht-mit-unserem-Land_Cover_2026.jpg" alt="Das Cover von Reiner Haseloff und Robert Burdys Buch: Nicht mit unserem Land" width="280" height="459"></p>
<p>Reiner Haseloff, Robert Burdy: „Nicht mit unserem Land: Eine ostdeutsche Positionsbestimmung“, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2026, 256 Seiten, 22 € (Hardcover).</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Das Buch ist in elf verschiedene Kapitel aufgeteilt, die politisch prägende Abschnitte im Leben von Reiner Haseloff beleuchten. Zu Beginn widmen sich Haseloff und Burdy, ein in Köln geborener langjähriger MDR-Nachrichtensprecher, dem Thema Freiheit. Haseloff beschreibt, inwiefern der Volksaufstand von 1956 in Ungarn ein Vorreiter für den Aufstand in der DDR von 1989 war. Dabei wird die enge Bindung Haseloffs zu Ungarn deutlich. Seine Frau studierte in Budapest, während er sein Studium in Dresden absolvierte, sodass sie eine Fernbeziehung führen mussten.</p>
<p>Wie ein roter Faden zieht sich das Thema Religion durch Haseloffs Leben. Die Leser erfahren, welche prägenden Einflüsse Pfarrer Heinrich Aust und der christliche Philosoph Josef Pieper auf Haseloff ausübten. Es wird beschrieben, wie Haseloff in der DDR zur Blockpartei CDU kam und warum er sich nach der Wende der bundesdeutschen CDU anschloss. Darüber hinaus erklärt Haseloff, wie ihm die Religion in schwierigen Phasen Kraft gab, etwa seine Kirchenbesuche während der Coronapandemie.</p>
<p>Anschließend legen die beiden Autoren den Fokus auf die Krise der Volksparteien SPD und CDU sowie den Aufstieg der AfD. Haseloff macht deutlich, dass er die Brandmauer-Diskussion für falsch hält. Er erläutert, warum die Abgrenzung zur AfD seiner Ansicht nach für die Union keine strategische Position, sondern eine Überlebensfrage und Frage ihrer christlichen Identität ist. In diesem Zusammenhang thematisieren Haseloff und Burdy den Konflikt in der CDU Sachsen-Anhalt mit dem ehemaligen Innenminister Holger Stahlknecht. Stahlknecht hatte gemeinsam mit anderen Kräften im Landesverband eine Öffnung gegenüber der AfD in Betracht gezogen. Haseloff betont, dass er im Hinblick auf den Zusammenhalt der Kenia-Koalition keine andere Wahl hatte, als Stahlknecht zu entlassen, und verteidigt sein Vorgehen.</p>
<p>Ein weiteres Thema des Buches ist die Wirtschaft. Haseloff und Burdy zeigen anhand von Großprojekten, etwa der geplanten Intel-Ansiedlung in Magdeburg, wie die Leistungs- und Genehmigungsgeschwindigkeit ostdeutscher Verwaltungen funktioniert – selbst wenn globale Marktkrisen eine Umsetzung verhindern. Von beiden wird der Niedergang des Solar Valleys kritisiert, der durch chinesisches Preisdumping bei gleichzeitig mangelnder Unterstützung durch die Politik verursacht wurde. Haseloff übt auch Kritik an der Bundesregierung, wenn es um die aus Berlin vorgegebene Energiepolitik und den Umgang mit der Klimakrise geht. Neben der Migrationspolitik seit 2015 hält er die Politik der Ampel für eine der Hauptursachen für den Frust der Bürger.</p>
<p>Beim Thema Zuwanderungspolitik blicken Haseloff und Burdy detailliert auf die Flüchtlingskrise von 2015 zurück. Haseloff betont, dass eine strikte Trennung zwischen humanitärem Asyl für Schutzsuchende, gezielter Fachkräfteeinwanderung und der Festlegung von Obergrenzen notwendig ist. Die Autoren erklären, dass das Bürgervertrauen stark gelitten habe, weil der Staat aktenkundige Gefährder nicht ausreichend verfolgte. Haseloff sagt, dass die Frage, ob der Staat die Aufnahme Hunderttausender Menschen tatsächlich bewältigen könne, 2015 nicht beantwortet wurde. Dies sei rückblickend ein Fehler gewesen.</p>
<p>Im Buch zeigt sich eine gemischte Haltung Haseloffs zur Selbstkritik. So bedauert er beispielsweise, sich mit seiner kritischen Haltung gegenüber Angela Merkel in der Migrationskrise 2015 nicht konsequenter durchgesetzt zu haben. Bei den Entscheidungen zur Coronapandemie verteidigt er hingegen seinen Kurs, auf die harte Durchsetzung der Maskenpflicht zu verzichten. Robert Burdy merkt an, dass er Haseloffs Entscheidung, die Amtszeit wegen der Krise der Kenia-Koalition zu verlängern, als einen Fall von „Selbstüberschätzung“ betrachtet. Eine Selbstkritik zum Zeitpunkt seines Rücktritts im Januar 2026, der als Grund für das Scheitern seines Nachfolgers Sven Schulze im Landtagswahlkampf angesehen werden kann, sucht man im Buch hingegen vergeblich.</p>
<p>Zusammengefasst ist das Buch an einigen Stellen eine Abrechnung, insbesondere mit der Bundespolitik in Berlin und den Entscheidungen Angela Merkels in der Migrations- und Energiepolitik. Gleichzeitig ist es eine Verteidigung seiner Landespolitik und enthält in einigen Punkten auch Selbstkritik.</p>
<p>Das Buch ermöglicht es, den Menschen hinter dem Politiker Reiner Haseloff kennenzulernen und seine politischen Entscheidungen besser zu verstehen. Die Leserschaft erhält einen Einblick in das politische Schaffen des prägendsten Politikers Sachsen-Anhalts der letzten 15 Jahre.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-nicht-mit-unserem-land-von-reiner-haseloff-und-robert-burdy/">Buchvorstellung: „Nicht mit unserem Land“ von Reiner Haseloff</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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		<title>Buchvorstellung: „Jenseits der Brandmauer“ von Monchi</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-jenseits-der-brandmauer-von-monchi/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Sep 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Mecklenburg-Vorpommern finden am Wochenende Landtagswahlen statt. Die AfD und die SPD liefern sich einen Kampf um Platz eins. In seinem Buch beschreibt Feine Sahne Fischfilet-Frontmann Monchi, wie die AfD zur dominierenden Partei im Bundesland wurde und warum die „Brandmauer” in seiner Heimat Jarmen nicht funktioniert.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-10407" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/Monchi_Jenseits-der-Brandmauer_2026_Cover.jpg" alt="Das Cover von Monchi: Jenseits der Brandmauer" width="280" height="457"><br />
Monchi: „Jenseits der Brandmauer: Über mein Leben in der ostdeutschen Provinz“, Verlag Kiepenheuer &#38; Witsch, Köln 2026, 240 Seiten, 20 [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-jenseits-der-brandmauer-von-monchi/">Buchvorstellung: „Jenseits der Brandmauer“ von Monchi</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In Mecklenburg-Vorpommern finden am Wochenende Landtagswahlen statt. Die AfD und die SPD liefern sich einen Kampf um Platz eins. In seinem Buch beschreibt Feine Sahne Fischfilet-Frontmann Monchi, wie die AfD zur dominierenden Partei im Bundesland wurde und warum die „Brandmauer” in seiner Heimat Jarmen nicht funktioniert.</p>
<p><span id="more-10346"></span></p>
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<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-10407" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/Monchi_Jenseits-der-Brandmauer_2026_Cover.jpg" alt="Das Cover von Monchi: Jenseits der Brandmauer" width="280" height="457"></p>
<p>Monchi: „Jenseits der Brandmauer: Über mein Leben in der ostdeutschen Provinz“, Verlag Kiepenheuer &amp; Witsch, Köln 2026, 240 Seiten, 20 € (Hardcover).</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p class="isSelectedEnd">Monchi heißt bürgerlich Jan Gorkow und wurde 1987<!--TgQPHd|||[]--> in Neubrandenburg geboren. Er ist der charismatische Frontmann der Punkrock-Band Feine Sahne Fischfilet. Sein Buch beginnt am Abend der Bundestagswahl 2025. In seiner Heimatstadt Jarmen in Vorpommern erhielt die AfD 54 Prozent der Zweitstimmen und damit die absolute Mehrheit. Auch landesweit war sie erfolgreich: In Mecklenburg-Vorpommern gewann sie in 719 von 726 Gemeinden. Monchi erklärt, warum das Konzept der Brandmauer in Jarmen nicht funktioniert und weshalb er diese Idee kritisch sieht. Für ihn ist der Begriff „Brandmauer“ vor allem ein Großstadtbegriff und ein politisches Konzept, das sich in der Provinz nicht umsetzen lässt. Er und viele andere Menschen in Deutschland würden längst jenseits dieser Brandmauer leben – an Orten, an denen man der AfD nicht mehr aus dem Weg gehen könne. Zu den AfD-Wählern gehören auch Bekannte von Monchi. Er will diese Menschen aber nicht aufgeben und er erläutert, warum es aus seiner Sicht ein Fehler wäre, die 10,3 Millionen AfD-Wähler (Bundestagswahl 2025) auszugrenzen.</p>
<p>Monchi geht auch auf die Gründe für das Erstarken der AfD ein. Er berichtet von den Problemen im ländlichen Gesundheitswesen. Er erzählt beispielhaft vom Alltag seiner Mutter, die als Zahnärztin arbeitet. Manche ihrer Patienten müssen aufgrund der wenigen Praxen bis zu 30 Kilometer fahren. Das sorgt für Frust. Außerdem zeigt Monchi, dass in Jarmen immer mehr Geschäfte schließen. Er berichtet, dass der Bürgermeister jeden Unternehmer, der sich neu in Jarmen niederlässt, mit einem Blumenstrauß begrüßt. Auch Monchi sieht jede Neueröffnung als Hoffnungsschimmer.</p>
<p>Eine Lösung im Umgang mit der AfD sieht Monchi darin, Jarmen attraktiv für Menschen aus anderen Gebieten in Mecklenburg-Vorpommern und Deutschland zu machen, damit diese in die Kleinstadt ziehen. Hilfreich findet er Angebote für die Menschen vor Ort, sodass Menschen zusammenkommen. Ein Beispiel, wie Monchi den Zusammenhalt der Gemeinde fördert, ist das von ihm und seiner Band organisierte jährliche Festival „Wasted in Jarmen“. Ihm zufolge besuchen auch Menschen das Festival, die vermutlich zu den 54 Prozent AfD-Wählern gehören. Das Event bietet eine Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen, und auch Jugendliche aus der politisch rechten Bubble könnten hier ein Interesse für Punkrock entwickeln und so eine Wandlung durchmachen. Als weiteres Beispiel verweist der Musiker auf den Bau eines Skateparks in Jarmen. Dieser war durch Spenden bei Lesungen von Monchi, Konzerten und zum Teil aus Geldern der Gemeinde Jarmen möglich geworden. Der Skatepark soll dazu beitragen, dass Jugendlichen in Jarmen eine Perspektive und ein Freizeitangebot ermöglicht werden. Monchi will auch um die jungen Menschen in Jarmen kämpfen und verhindern, dass die AfD sie für sich gewinnen kann.</p>
<p>Monchi nimmt die Leserschaft mit auf eine Reise durch seine eigene Kindheit und beschreibt, wie er selbst zu einem politisch links geprägten Menschen wurde. Dies geschah auf einer Schulparty. Mehrere Dorfnazis traten auf ihn ein und verletzten ihn schwer. Ab diesem Zeitpunkt befasste er sich immer mehr mit Politik, beschäftigte sich mit der ideologischen Bedeutung der Nazis und engagierte sich bei Protesten. Monchi nennt auch zwei Menschen, die ihn als jungen Menschen stark geprägt haben: zum einen Ralph Krüger, Mitglied der Ultras von Hansa Rostock mit Affinität zu Punkrock, zum anderen den Pfarrer Lothar König. Sowohl Krüger als auch König mahnten ihn dazu, seinen Blick auch über sein linkspolitisches Umfeld hinaus zu richten.</p>
<p>Monchis Buch ist ein Aufruf, nicht in Schwarz-Weiß-Kategorien zu denken, und ein Plädoyer für ein Miteinander trotz unterschiedlicher politischer Ansichten. Am Beispiel von Jarmen macht er deutlich, welche Umstände zum Erstarken der AfD in Vorpommern geführt haben und wie durch Engagement der Kontakt zu Menschen, die zur AfD tendieren, aufrechterhalten werden kann. So zeigt er eine mögliche Lösung im Umgang mit den Wählern dieser Partei auf, ohne sie auszugrenzen.</p>
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		<title>Ostdeutsches Energieforum 2026: Zwischen Netzen, Speichern und Populismus</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/odef-2026-energiepolitik-zwischen-netzen-speichern-und-populismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Sep 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Event]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vom 30. September bis 1. Oktober 2026 findet im Campus Jahnallee der Universität Leipzig sowie digital das 15. Ostdeutsche Energieforum statt. Besucher erwartet ein umfassendes und abwechslungsreiches Programm. ostdeutschland.info ist erneut Medienpartner.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10470" class="wp-image-10470" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/09/ostdeutsches-energieforum-2026.jpg" alt="Das Leitthema des 15. Ostdeutschen Energieforums lautet „Sicherheit in unsicheren Zeiten“. Abbildung: Ostdeutsches Energieforum" width="600" height="306">Das Leitthema des 15. Ostdeutschen Energieforums lautet „Sicherheit in unsicheren Zeiten“. Abbildung: Ostdeutsches Energieforum<br />
Nach ihren „Windmühlen der Schande“ hat die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel in der jüngsten Haushaltsdebatte des [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/odef-2026-energiepolitik-zwischen-netzen-speichern-und-populismus/">Ostdeutsches Energieforum 2026: Zwischen Netzen, Speichern und Populismus</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Vom 30. September bis 1. Oktober 2026 findet im Campus Jahnallee der Universität Leipzig sowie digital das 15. Ostdeutsche Energieforum statt. Besucher erwartet ein umfassendes und abwechslungsreiches Programm. ostdeutschland.info ist erneut Medienpartner.</p>
<p><span id="more-10468"></span></p>
<div id="attachment_10470-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10470-2" class="wp-image-10470" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/09/ostdeutsches-energieforum-2026.jpg" alt="Das Leitthema des 15. Ostdeutschen Energieforums lautet „Sicherheit in unsicheren Zeiten“. Abbildung: Ostdeutsches Energieforum" width="600" height="306"><p id="caption-attachment-10470-2" class="wp-caption-text">Das Leitthema des 15. Ostdeutschen Energieforums lautet „Sicherheit in unsicheren Zeiten“. Abbildung: Ostdeutsches Energieforum</p></div>
<p>Nach ihren „Windmühlen der Schande“ hat die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel in der jüngsten Haushaltsdebatte des Bundestags energiepopulistisch noch einen draufgelegt. In ihrer Rede erklärte sie: „Die sogenannte Energiewende ist verlorenes, verbranntes Geld ... Das ist eine energiepolitische Geisterfahrt.“</p>
<h2><span class="title-bg">Sicherheit in unsicheren Zeiten</span></h2>
<p>Wie Populismus, parteipolitische Interessen oder politische Grundsätze eine realistische Klima- und Energiekommunikation beeinflussen, darüber diskutieren auf dem Ostdeutschen Energieforum in Leipzig am 1. Oktober der Journalist und Podcaster Paul Ronzheimer und der Politikwissenschaftler Wolfgang Muno.</p>
<div id="attachment_10471-2" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10471-2" class="wp-image-10471" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/09/E81A3533.jpg" alt="Das Ostdeutsche Energieforum erwartet in diesem Jahr über 500 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Energiewirtschaft, Industrie, Wissenschaft und Kommunen. Abbildung: Ostdeutsches Energieforum" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-10471-2" class="wp-caption-text">Das Ostdeutsche Energieforum erwartet in diesem Jahr über 500 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Energiewirtschaft, Industrie, Wissenschaft und Kommunen. Abbildung: Ostdeutsches Energieforum</p></div>
<p>Die ostdeutschen Unternehmerverbände als Veranstalter des Forums haben auch zur Jubiläumsausgabe ein so spannendes wie kontroverses Programm zusammengestellt, das die Konflikte aufgreift, die die Energiepolitik derzeit bestimmen. Unter dem Leitthema „Sicherheit in unsicheren Zeiten“ kommen am 30. September und 1. Oktober 2026 in Leipzig über 500 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Energiewirtschaft, Industrie, Wissenschaft und Kommunen zusammen.</p>
<p>Das Ostdeutsche Energieforum widmet sich unter anderem diesen Fragen:</p>
<ol>
<li>Wie lassen sich Unternehmen und private Haushalte dauerhaft mit bezahlbarer Energie versorgen?</li>
<li>Wie werden Netze, Speicher und neue Erzeugungsanlagen sinnvoll aufeinander abgestimmt?</li>
<li>Welchen konkreten Nutzen haben die Regionen, in denen Windräder, Solarparks, Trassen, Speicher oder Rechenzentren entstehen?</li>
</ol>
<h2><span class="title-bg">Ostdeutschland als strategische Brücke</span></h2>
<p>Auch das Fremdeln der Autoindustrie mit der Energiewende, der Konflikt zwischen Stromnetzen und Speichern sowie der Druck auf die Kommunen bei der Wärmeplanung stehen auf der Agenda. Gleichzeitig beleuchtet das Ostdeutsche Energieforum 2026 die Energiezukunft aus europäischer Perspektive. Europas Strategie ist dabei zentraler Bezugspunkt für die Energiewende in der Region. Grenzüberschreitende Strom- und Wasserstoffinfrastrukturen, gemeinsame Reservekapazitäten und ein integrierter Strommarkt können Versorgung und Preise stabilisieren. Ostdeutschland liegt strategisch günstig – als Brücke zwischen Nordsee-Wind, Ostsee-Offshore, polnischen Netzknoten und süddeutschen Lastzentren.</p>
<p>Zum Programm gehört auch der Wirtschaftsempfang der IHK zu Leipzig am Abend des 30. September im Design Offices Leipzig in der Alten Hauptpost am Augustusplatz. Wie in den Vorjahren kann das Ostdeutsche Energieforum wieder im Live-Stream online auf der Website verfolgt werden.</p>
<p>Anmeldung und Programm unter:<br>
<a href="http://www.ostdeutsches-energieforum.de">www.ostdeutsches-energieforum.de</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/odef-2026-energiepolitik-zwischen-netzen-speichern-und-populismus/">Ostdeutsches Energieforum 2026: Zwischen Netzen, Speichern und Populismus</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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