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	<title>Politik Archive - ostdeutschland.info</title>
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	<description>Impulse für den Osten</description>
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	<title>Politik Archive - ostdeutschland.info</title>
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		<title>Der Osten als Avantgarde #14: Seine verborgene Stärke</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Jul 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Netzwerk der gemeinnützigen Initiative DenkRaumOst hat es sich zum Ziel gesetzt, Ostdeutschlands Charme sichtbar zu machen. In Teil 14 ihrer Kolumne widmet sich die Ökonomin Dr. Daphne Hering der Kultur Ostdeutschlands und fördert wertvolle Ressourcen zutage.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10019" class="wp-image-10019" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Daphne_Hering.jpg" alt="Dr. Daphne Hering ist Ökonomin, Unternehmerin, Investorin und Transformationsrednerin. Sie ist gebürtige Düsseldorferin und hat von 2000-2006 Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg in Sachsen studiert. 2006 lernte sie dort ihren Mann kennen, der gebürtig aus Karl-Marx-Stadt [...]
</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/der-osten-als-avantgarde-14-kulturelle-schoenheit-und-transformationserfahrung/">Der Osten als Avantgarde #14: Seine verborgene Stärke</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Netzwerk der gemeinnützigen Initiative DenkRaumOst hat es sich zum Ziel gesetzt, Ostdeutschlands Charme sichtbar zu machen. In Teil 14 ihrer Kolumne widmet sich die Ökonomin Dr. Daphne Hering der Kultur Ostdeutschlands und fördert wertvolle Ressourcen zutage.</p>
<p><span id="more-10017"></span></p>
<div id="attachment_10019" style="width: 460px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10019" class="wp-image-10019" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Daphne_Hering.jpg" alt="Dr. Daphne Hering ist Ökonomin, Unternehmerin, Investorin und Transformationsrednerin. Sie ist gebürtige Düsseldorferin und hat von 2000-2006 Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg in Sachsen studiert. 2006 lernte sie dort ihren Mann kennen, der gebürtig aus Karl-Marx-Stadt stammt. Abbildung: Initiative Denkraum Ost" width="450" height="598"><p id="caption-attachment-10019" class="wp-caption-text">Dr. Daphne Hering ist Ökonomin, Unternehmerin, Investorin und Transformationsrednerin. Die gebürtige Düsseldorferin hat von 2000 bis 2006 Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg in Sachsen studiert. Abbildung: Initiative Denkraum Ost</p></div>
<p>Als ich im Herbst 2001 das erste Mal in die Semperoper in Dresden ging, um Wagners Walküre zu hören, betrat ich das Foyer und lief entlang der Eingangstüren zum Opernsaal. Über den Türen waren die Namen berühmter Opern, Komponisten und Dichter angebracht. Plötzlich blieb ich verblüfft stehen. Nicht wegen der Architektur. Auch nicht wegen des Goldes oder der Geschichte des Hauses. Sondern wegen eines Opernnamens. Über einer dieser Türen stand in goldenen Buchstaben: „Daphne“.</p>
<p>Der Moment, als ich durch diese Tür in den Innenraum des Opernsaals ging, berührte mich auf eine Weise, die ich damals noch nicht ganz verstand. Irgendetwas in mir spürte, dass dort etwas still weiterlebte. Etwas, das tiefer reichte als die Gegenwart. Eine Schöpferkraft aus der Vergangenheit, die für unsere Zukunft wegweisend werden könnte. Erst später erfuhr ich, dass die Oper Daphne von Richard Strauss 1938 in der Semperoper uraufgeführt wurde. Rückblickend erscheint es mir fast symbolisch, dass ausgerechnet diese Oper mich damals so tief berührte. Nicht nur wegen meines Vornamens, sondern auch, weil die Figur Daphne in der griechischen Mythologie für Transformation steht – und kaum eine Region Deutschlands hat tiefgreifendere gesellschaftliche Transformationen erlebt als der Osten.</p>
<h2><span class="title-bg">Kulturelle Tiefe Ostdeutschlands</span></h2>
<p>Während meines Studiums an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg – der ältesten Montanuniversität der Welt – fiel mir etwas auf, das sich nur schwer beschreiben lässt. Ich begegnete einer stillen und zugleich lebendigen, kulturellen Tiefe. Nicht laut, inszeniert oder getragen von einem Bedürfnis nach Selbstvermarktung. Sondern eher wie eine kraftvolle Meeresströmung, die an der Oberfläche ruhig, ja fast still erscheint.</p>
<p>Meine Großmutter Dorothea öffnete meinen Blick für die weltberühmten Silbermann-Orgeln. Den Klang der größten Silbermann-Orgel durfte ich oft im Dom St. Marien in Freiberg erleben – und ihre monumentale Kraft werde ich nie vergessen. Je länger ich in Freiberg lebte, desto deutlicher wurde mir die kulturelle, intellektuelle und wissenschaftliche Tiefe, der ich im Osten Deutschlands begegnete:</p>
<ul>
<li>Dresden. Semperoper. Frauenkirche. Caspar David Friedrich. Gerhard Richter. Otto Dix.</li>
<li>Leipzig. Thomaskirche. Johann Sebastian Bach. Clara und Robert Schumann. Felix Mendelssohn Bartholdy. Richard Wagner. Gottfried Wilhelm Leibniz.</li>
<li>Weimar und Jena. Friedrich Schiller. Johann Wolfgang von Goethe. Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Gotthold Ephraim Lessing. Alexander von Humboldt. Novalis. Abraham Gottlob Werner.</li>
<li>Und die Bergakademie Freiberg – an der über Jahrhunderte hinweg Wissen entstand, das industrielle und wirtschaftliche Entwicklung weit über Deutschland hinaus, ja sogar weltweit geprägt hat.</li>
</ul>
<p>Mich berührte dabei nie nur die Größe dieser Namen. Vielmehr stellte ich mir die Frage, warum diese kulturelle und geistige Tiefe oft eher subtil präsent ist. Möglicherweise liegt für mich gerade darin eine der interessantesten Erfahrungen des Ostens: dass kulturelle Schönheit dort weniger ausgestellt als getragen wird. Und dass darin eine Form von Würde liegt, die in einer Zeit permanenter Selbstinszenierung fast aus der Zeit gefallen scheint.</p>
<h2><span class="title-bg">Umbruch als Erfahrungswert</span></h2>
<p>Der Fall der Mauer bedeutete für Millionen Menschen nicht nur das Ende eines politischen Systems. Er bedeutete einen tiefgreifenden Umbruch in ihrem Leben. Lebensrealitäten, Sicherheiten und Identitäten veränderten sich innerhalb kürzester Zeit. Ganze Wirtschaftsstrukturen wandelten sich. Berufswege mussten neu gedacht werden. Existenzen wurden erschüttert und vielfach neu aufgebaut. Je länger ich mich mit diesen Umbrüchen und den Geschichten der Menschen im Osten beschäftigte, desto stärker entstand in mir der Eindruck, dass genau in dieser Erfahrung eine oft unterschätzte Fähigkeit liegt: die Fähigkeit zur Transformation.</p>
<p>Eine gute Freundin aus dem Osten sagte einmal zu mir: „Wir Ostdeutschen sind Migranten im eigenen Land.“ – Dieser Satz erinnert mich an das, was ich viele Jahre später in meiner Forschung über Migration untersuchte. Menschen, die zwischen Welten leben oder tiefgreifende Umbrüche erleben, entwickeln häufig eine besondere Kompetenz: Sie lernen, Unsicherheit auszuhalten, sich neu zu orientieren und durch ihre Lebenserfahrungen und ihr Wissen Möglichkeiten dort zu erkennen, wo andere zunächst vor allem Verlust sehen. In der Entrepreneurship-Forschung sprechen wir von „Opportunity Identification“, der Fähigkeit, in Zeiten von Unsicherheit und Veränderung, genauer gesagt: innerer kognitiver Dissonanz, neue Möglichkeiten wahrzunehmen, um daraus neue Unternehmen und damit Zukunft zu gestalten. Oft entsteht Innovationskraft nämlich genau dort: nicht trotz des Bruchs, sondern durch die Verbindung unterschiedlicher Erfahrungen, Perspektiven und Informationen. Plötzlich erschien mir der Osten in einem anderen Licht. Nicht nur als Region historischer Umbrüche. Sondern als Erfahrungsraum gesellschaftlicher Neuerfindung. Möglicherweise besteht die eigentliche Avantgarde des Ostens genau darin. Nicht im Festhalten an Vergangenem. Sondern in einer bemerkenswerten Fülle an Erfahrungen:</p>
<ul>
<li>Der Erfahrung, dass Wandel schmerzhaft sein kann und dennoch Neues entstehen lässt.</li>
<li>Der Erfahrung, dass Brüche nicht nur Verlust bedeuten, sondern auch die Möglichkeit eröffnen, die eigene Geschichte neu zu verstehen.</li>
<li>Der Erfahrung, dass Zukunft nicht entsteht, indem Unterschiede verschwinden, sondern dann entsteht, wenn Menschen lernen, mit ihnen zu leben und an ihnen zu wachsen.</li>
</ul>
<p>Damit entsteht eine besondere Fähigkeit: die Fähigkeit, Wandel zu gestalten. Je länger ich darüber nachdachte, desto häufiger fragte ich mich, ob genau darin eine der am meisten unterschätzten Erfahrungen des Ostens liegen könnte. Nicht als politische Kategorie. Sondern als menschliche Erfahrung von Wandel, Unsicherheit und Neuanfang, die uns in einer Zeit tiefgreifender technologischer, gesellschaftlicher und geopolitischer Umbrüche mehr zu sagen hat, als wir bisher verstanden haben. Gerade darin könnte eine bislang unterschätzte Zukunftskompetenz liegen.</p>
<h2><span class="title-bg">Würdigung von Erfahrungen und Lebenswegen</span></h2>
<p>An der TU Bergakademie Freiberg begegnete ich im Rahmen meines Studiums einem Mathematikprofessor, der mich bis heute tief geprägt hat: Professor Stephan Dempe. Er war kein Mensch großer Inszenierung. Keine laute Persönlichkeit. Keine akademische Eitelkeit. Und doch lag in seiner Art eine außergewöhnliche Präsenz. Ich hatte oft das Gefühl, dass er seine Studenten sehr genau sah. Nicht nur ihre Leistungen, sondern ihr tatsächliches Potenzial. Besonders bewegte mich, dass er sich niemals bedroht zu fühlen schien von Menschen, die ihn eines Tages übertreffen könnten. Im Gegenteil. Gerade jene, in denen er besondere Fähigkeiten erkannte, wollte er fördern. Er wollte ihnen Flügel geben.</p>
<p>Rückblickend erscheint mir genau darin eine Haltung, die ich im Osten häufiger wahrgenommen habe: eine stille Form von Ernsthaftigkeit, Verbindlichkeit und Konzentration auf die Sache selbst. – Nicht Selbstdarstellung, sondern Verantwortung. Nicht permanente Sichtbarkeit, sondern Hingabe. Und womöglich berührte mich das auch deshalb so sehr, weil diese Haltung in einer Zeit wachsender Selbstinszenierung fast ungewöhnlich geworden ist. Aus dieser Beobachtung kam eine weitere Frage hervor: Was geschieht eigentlich mit einer Gesellschaft, wenn Eigenschaften wie Verbindlichkeit, Bescheidenheit, Ernsthaftigkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, nicht mehr als Stärke wahrgenommen werden? Wenn die Erfahrungen und Leistungen ganzer Lebenswege zwar vorhanden sind, aber nur unzureichend gesehen oder gewürdigt werden? Menschen brauchen nicht nur wirtschaftliche Sicherheit. Sie brauchen auch das Gefühl, mit ihrer Geschichte, ihren unterschiedlichen Erfahrungen und Fähigkeiten sowie ihrem Beitrag Teil eines größeren Ganzen zu sein. Wo dieses Gefühl über lange Zeit verloren geht, entsteht Entfremdung. Nicht immer laut. Oft leise. Menschen ziehen sich innerlich zurück. Vertrauen schwindet. Aus dem Gefühl, nicht gesehen, abgewertet oder gar nihiliert zu werden, entsteht Frustration. Aus Frustration wird Härte, aus Härte wiederum Abgrenzung und aus Abgrenzung Konflikt. Die Fähigkeit, einander zuzuhören und gemeinsame Räume zu gestalten, geht so langsam verloren.</p>
<p>Härte bleibt selten bei sich. Sie sucht Resonanz. Sie sucht Menschen, Erzählungen oder politische Angebote, die den eigenen Schmerz benennen. Genau darin liegt eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Denn Schmerz kann verstanden werden — oder instrumentalisiert werden. Gesellschaftlicher Frieden setzt daher viel früher an, als wir häufig glauben. – Frieden bedeutet nicht nur die Abwesenheit von Krieg. Frieden beginnt nicht erst in politischen Verhandlungen, sondern hält dort Einzug, wo Menschen sich mit ihrer Geschichte, ihren Erfahrungen und in ihrer Würde gesehen fühlen — und dadurch die Fähigkeit bewahren, sich selbst und anderen mit Offenheit und Güte zu begegnen. Vor allem aber beginnt Frieden dort, wo Menschen lernen, ihre eigene Geschichte nicht länger als Makel, sondern als Teil ihrer Würde zu begreifen — wo Brüche nicht nur als Verlust, sondern als Quelle von Erfahrung und Reife angenommen werden können und aus der Gestaltungskraft entstehen kann. Erst wenn Menschen den Wert ihrer eigenen Erfahrungen, ihrer kulturellen Wurzeln und ihres Beitrags für das Gemeinwesen wieder erkennen, entsteht etwas, das tiefer reicht als Anerkennung von außen: innerer Frieden. Und aus innerem Frieden erwächst häufig etwas Überraschendes: die Bereitschaft, (wieder) zuzuhören, zu verstehen, Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft aktiv mitgestalten zu wollen. Mir erscheint, dass genau hier auch die Verbindung zwischen Herkunft, kultureller Tiefe, innerem Frieden und gesellschaftlicher Erneuerung liegt. Denn Menschen, die ihre Herkunft, ihre Kultur und ihre eigene Geschichte als wertvoll begreifen, gewinnen nicht nur Würde zurück. Sie gewinnen Handlungskraft zurück. Wer sich nicht permanent gegen die eigene Vergangenheit verteidigen muss, kann seine Energie auf die Gestaltung der Zukunft richten. Womöglich ist dies einer der am meisten unterschätzten Zusammenhänge unserer Zeit.</p>
<h2><span class="title-bg">Gesellschaftsressource Kultur</span></h2>
<p>In den vergangenen Jahren wurde viel darüber gesprochen, wie Ostdeutschland wirtschaftlich aufholen, stabiler und attraktiver werden kann. Mich aber beschäftigt zunehmend ein anderer Aspekt: Was geschieht, wenn wir die besonderen Erfahrungen dieser Region nicht länger primär als Defizit, sondern endlich als Ressource betrachten? Was entsteht, wenn Transformationsfähigkeit, Anpassungskompetenz, Improvisationswille und die Erfahrung des Neuanfangs nicht länger als Belastung, sondern als gesellschaftliches Kapital verstanden werden? Meine Forschung bestätigt diese Dynamik. Menschen, die gelernt haben, zwischen unterschiedlichen Welten zu navigieren, entwickeln häufig eine besondere Fähigkeit, neue Möglichkeiten zu erkennen und mit außergewöhnlichen und alternativen Mitteln in die Tat umzusetzen. Nicht trotz ihrer Brüche, sondern gerade durch sie. Vielleicht gilt etwas Ähnliches auch für den Osten. Denn wer gelernt hat, mit Unsicherheit umzugehen, wer erlebt hat, wie schnell vermeintliche Gewissheiten verschwinden können, entwickelt oft einen anderen Blick auf Veränderung. Einen Blick, der nicht nur Risiken sieht, sondern auch Potenziale. Gerade in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz, geopolitische Spannungen und technologische Umbrüche unsere Gesellschaft tiefgreifend verändern, könnte diese Fähigkeit zu einer der wichtigsten Zukunftsressourcen überhaupt werden: Doch diese Fähigkeit entsteht nicht im luftleeren Raum. Menschen brauchen einen gewissen Grad an innerem Frieden und ein Fundament, aus dem heraus sie sich immer wieder neu erfinden können. Es wäre denkbar, dass genau darin die besondere Bedeutung der kulturellen, wissenschaftlichen und geistigen Tiefe liegt, die ich im Osten immer wieder wahrgenommen habe.</p>
<p>Die Musik Johann Sebastian Bachs. Die Humanität Friedrich Schillers. Die Bildungsideale Alexander von Humboldts. Die wissenschaftliche Neugierde eines Gottfried Wilhelm Leibniz oder Abraham Gottlob Werners. Sie alle verweisen auf etwas, das größer ist als ihre Zeit: die Fähigkeit des Menschen, Sinn zu stiften, Neues zu entdecken, sich weiterzuentwickeln, Verantwortung zu übernehmen und Zukunft schöpferisch zu gestalten. Genau darin könnte die tiefste Ressource einer Gesellschaft liegen. Nicht allein in ihrem Kapital, ihren Technologien oder ihren Institutionen, sondern in den geistigen und kulturellen Quellen, aus denen Menschen Orientierung, Würde und Gestaltungskraft schöpfen. Dieses kulturelle Erbe kann somit ein stabiles Fundament für eine gelingende Transformation bilden. Transformationserfahrungen entfalten ihre größte Kraft aber nicht allein aus dem kulturellen Fundament und durch das Erlebte. Sie entfalten sie dort, wo Erfahrungen integriert werden können, wo Brüche nicht nur als Verlust verstanden werden, sondern Teil einer eigenen und gemeinsamen größeren Geschichte werden, die einem Zukunftspfad dienen. Wo polarisierend-schmerzhafte Erfahrungen und Unterschiedlichkeit nicht länger Zerrissenheit und Schmerz erzeugen, sondern zu einer neuen inneren Harmonie finden.</p>
<p>In seinem Buch „Lebenselixier Schönheit“* beschreibt der Philosoph Christoph Quarch Schönheit als „nichts anderes als Harmonie“ (S. 58). Harmonie meint dabei nicht Gleichförmigkeit oder friedvolles Nebeneinander, sondern die Fähigkeit, Unterschiedliches in eine stimmige Beziehung zueinander zu bringen. Schönheit im Sinne der Harmonie kann laut Quarch nur dann entstehen, „... wenn die vielen, die zu einem Ganzen zusammenstimmen, unterschiedlich oder gar [diametral, Anmerkung der Autorin] gegensätzlich sind; wenn es sich nicht um eine harmonistische, sondern um eine spannungsgeladene Ganzheit handelt.“ (S. 59).</p>
<p>Mir scheint, dass genau darin eine der tiefsten gesellschaftlichen Aufgaben unserer Zeit liegt. Denn erst, wenn Erfahrungen, Unterschiede und Widersprüche integriert und in eine harmonische Beziehung, basierend auf ihrem kulturellen Fundament, zueinander gebracht werden können, entstehen Würde, Orientierung und die Kraft, Zukunft zu gestalten. Und möglicherweise liegt genau darin ein weiterer Aspekt der Avantgarde des Ostens. Nicht allein in den Brüchen seiner Geschichte. Sondern in der Verbindung zwischen kulturellem Fundament, unterschiedlichen Positionen und der gelebten Transformationserfahrung. Genau hier entscheidet sich möglicherweise die eigentliche Zukunftsfrage unserer Zeit. Wir erfahren eine zunehmende Polarisierung unserer Gesellschaft. Dennoch können Gesellschaften nicht allein von Konflikten leben. Sie brauchen vielmehr doch eine Vorstellung davon, was sie gemeinsam erschaffen wollen und eine Vision. Eine Vision die größer ist als ihre Ängste, Frustrationen und Wut; größer als ihre Verletzungen; größer als die Geschichten, die sie sich über Jahrzehnte übereinander erzählt haben. Genau deswegen liegt eine weitere Aufgabe unserer Zeit genau nicht darin, Unterschiede zu beseitigen, sondern stattdessen, eine neue Form des Miteinanders zu lernen.</p>
<h2><span class="title-bg">Lebenserfahrungen als Stärke</span></h2>
<p>Wir haben gelernt, Unterschiede zu bewerten, sie in Kategorien einzuordnen und zu kritisieren. Was wir vielfach verlernt haben, ist mit ihnen in Beziehung zu treten. Dabei entsteht Zukunft selten dort, wo Menschen einander nur von einer Wahrheit überzeugen. Sie entsteht dort, wo Menschen bereit sind, sich von den Erfahrungen anderer berühren zu lassen. Wo sie hinter einzelnen Positionen plötzlich Lebenserfahrungen erkennen, hinter Meinungen Biografien sehen und hinter Unterschieden neue Pfade erahnen. Denn erst, wenn wir mit unserer eigenen Geschichte versöhnt sind, entsteht jene innere Ruhe, aus der Offenheit wachsen kann. Aus dieser Offenheit entfaltet sich Neugier, mit der Bereitschaft, zuzuhören und zu lernen. Dann kann in Perspektiven, die nicht die eigenen sind, auch etwas Wertvolles entdeckt werden. Daraus entsteht jener Raum, in dem etwas Neues wachsen kann.</p>
<p>Auch in der Musik bildet sich Harmonie nicht dadurch, dass alle Instrumente denselben Ton spielen. Eine Symphonie hat als Fundament eine bestimmte Tonart und lebt von und entwickelt sich aus Verschiedenheit. Von Spannung. Von Kontrasten. Von Stimmen, die eigenständig bleiben und dennoch etwas größeres Gemeinsames hervorbringen. – Für Gesellschaften könnte dasselbe gelten. Die Zukunft Deutschlands wird nicht dadurch entstehen, dass Ost und West sich entweder diametral gegenüberstehen oder sich komplett einander angleichen. Sie wird dort entstehen, wo wir beginnen, die Unterschiedlichkeit unserer Erfahrungen als gemeinsame Ressource zu verstehen. Nicht als Fehler, die korrigiert werden müssen. Nicht als Rückstände der Vergangenheit. Sondern als Stimmen einer gemeinsamen Komposition, gar einer Symphonie. Die Fähigkeiten Vergangenheit anzunehmen, Unterschiedlichkeit als Ressource zu begreifen und Widersprüche auszuhalten sind letztlich keine politischen Techniken. Sie sind Voraussetzungen für Resonanz, Vertrauen und ein gelingendes Miteinander. Womöglich beginnt Frieden genau dort: Nicht wenn Unterschiede verschwinden, sondern, wenn Menschen lernen, ihnen zuzuhören, auf sie einzugehen und so zu antworten, dass daraus ein harmonisch wachsendes Spiel wird.</p>
<p>Die Erfahrungen unseres Lebens sind mehr als nur Erinnerungen an die Vergangenheit. Sie sind Ressourcen für unsere Zukunft. Sie geben uns die Kraft, unsere Zukunft mit Integrität, Würde und Verantwortung zu gestalten. Genau darin liegt die eigentliche Hoffnung und Stärke unserer Zeit. Hoffnung entwickelt sich nicht dadurch, dass Herausforderungen kleiner werden, sondern dort, wo wir größer werden als unsere Ängste. Die Erfahrungen des Ostens sind dabei nicht nur Teil einer vergangenen Transformation. Sie könnten zu einer besonderen Ressource für die Zukunft werden. Für Deutschland. Für Europa. Denn Frieden entsteht nicht aus Gleichförmigkeit, sondern dort, wo Menschen den Wert ihrer eigenen Geschichte erkennen, die Erfahrungen anderer achten und den Mut finden, daraus gemeinsam eine lebenswerte Zukunft zu gestalten.</p>
<p>Es liegt nahe, dass eine gelingende Gesellschaft darin einer Symphonie ähneln könnte, wenn diametral unterschiedliche, ja vielleicht sogar polarisierende Stimmen lernen, auf Basis einer gemeinsamen Tonart – auf Grundlage unseres gemeinsamen kulturellen Erbes, unserer gemeinsamen Werte und einer gemeinsamen Zukunftsvision – miteinander zu klingen. So entsteht aus diesem Klang, der größer ist als jede einzelne Stimme für sich: die Symphonie unserer gemeinsamen Zukunft.</p>
<p>*Christoph Quarch: „Lebenselixier Schönheit. Was uns rettet“, 2026.</p>
<p>&nbsp;</p>
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<tbody>
<tr>
<td><strong>Die nächsten Live-Termine von DenkRaumOst</strong>
<p><a href="http://www.denkraumost.de/events">denkraumost.de/events</a></p></td>
</tr>
</tbody>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Buchvorstellung: „Arm aber sexy“. Stefan Wolle über Berlin</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-stefan-wolle-arm-aber-sexy/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jul 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9474</guid>

					<description><![CDATA[<p>Dank Mauerfall und Wiedervereinigung sind Ost- und Westberlin wieder miteinander verschmolzen. In seinem Buch erzählt der Historiker Stefan Wolle vom Wandel, den die Stadt Berlin von 1990 bis heute durchlebt hat.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img decoding="async" class="alignleft wp-image-9449" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Wolle_Stefan_Arm_aber_sexy_2026_cover.jpg" alt="Das Cover von Stefan Wolles Buch: Arm aber sexy" width="228" height="363"><br />
Stefan Wolle: „Arm aber sexy – Die Geschichte Berlins seit 1990“, BeBra Verlag, Berlin 2026, 224 Seiten, 24 € (Hardcover mit Bildern).</p>
<p>Wolles Buch beginnt mit der Silvesterparty 1989. Sieben Wochen nach dem Mauerfall sollte [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-stefan-wolle-arm-aber-sexy/">Buchvorstellung: „Arm aber sexy“. Stefan Wolle über Berlin</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dank Mauerfall und Wiedervereinigung sind Ost- und Westberlin wieder miteinander verschmolzen. In seinem Buch erzählt der Historiker Stefan Wolle vom Wandel, den die Stadt Berlin von 1990 bis heute durchlebt hat.</p>
<p><span id="more-9474"></span></p>
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<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-9449" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/04/Wolle_Stefan_Arm_aber_sexy_2026_cover.jpg" alt="Das Cover von Stefan Wolles Buch: Arm aber sexy" width="228" height="363"></p>
<p>Stefan Wolle: „Arm aber sexy – Die Geschichte Berlins seit 1990“, BeBra Verlag, Berlin 2026, 224 Seiten, 24 € (Hardcover mit Bildern).</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Wolles Buch beginnt mit der Silvesterparty 1989. Sieben Wochen nach dem Mauerfall sollte die Feier ein fröhliches Happening werden, sie endete jedoch im Chaos. Menschen stiegen aufs Brandenburger Tor und beschädigten die Quadriga. Außerdem wurde auf die Konstruktion der Videowand geklettert, die daraufin zusammenbrach. Die Bilanz: ein Toter und 135 Verletzte. Während die Polizei in beiden Teilen Berlins die gute Zusammenarbeit betonte, versuchten die Medien laut Wolle einen politischen Zusammenhang herzustellen. Für den Autor steht diese Nacht sinnbildlich für den folgenden Wandel der Stadt – geprägt von Hoffnungen und späteren Enttäuschungen.</p>
<p>Wolle beschreibt die Umbruchzeit 1989/1990 und das rasante Tempo, mit dem sich der Alltag der Menschen veränderte. Im Mittelpunkt stehen dabei die Stürmung der Stasi-Zentrale am 15. Januar 1990 sowie die Wirtschafts- und Sozialunion zwischen BRD und DDR, die am 1. Juli 1990 inkraft trat. Die anfängliche Begeisterung über die D-Mark wich schnell wirtschaftlichen Problemen. Durch die Umrechnung von Löhnen, Gehältern und Renten im Verhältnis eins zu eins gerieten viele Betriebe unter Druck. Entlassungen und Betriebsschließungen waren die Folge. Gleichzeitig veränderten sich die Konsumgewohnheiten in Ostdeutschland, wodurch viele Produzenten aus Industrie und Landwirtschaft auf ihren Waren sitzen blieben.</p>
<p>Neben den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen rücken auch die unterschiedlichen Hausbesetzerszenen in Ost- und Westberlin in den Fokus. Dabei prallten verschiedene politische Ansichten und Erfahrungen aufeinander. Ergänzt wird dieser Blick durch die Entwicklung der Lichtenberger Naziszene, die Anfang bis Mitte der 1990er-Jahre ihren Höhepunkt erreichte.</p>
<p>Ein weiterer Schwerpunkt des Buches ist die politische Entwicklung Berlins nach der Wiedervereinigung. Wolle beschreibt die Entscheidung für Berlin als Hauptstadt am 20. Juni 1991 und den Antrag „zur Vollendung der Einheit Deutschlands“. Außerdem thematisiert er die Bevölkerungsentwicklung der Stadt sowie den gescheiterten Versuch einer Länderfusion zwischen Berlin und Brandenburg.</p>
<p>Der Autor widmet sich auch der politischen Entwicklung unter Klaus Wowereit und der damit verbundenen Neuausrichtung der Stadt. Dazu gehören der Abschied von den Flughäfen Tegel und Tempelhof sowie der Bau des BER. Zudem greift Wolle die Berliner Demonstrationsgeschichte auf – von Protesten in den 1990er-Jahren bis zum Sturm auf den Reichstag 2020 und den Corona-Demonstrationen.</p>
<p>Im Kapitel „Der Sound der Metropole“ beschreibt Wolle den Wandel der Berliner Kulturszene. Er erklärt die Entwicklung der Clubszene, die 1990er-Jahre und Berlin als Veranstaltungsort der „Loveparade“. Gleichzeitig zeigt Wolle, wie sich die Stadt zunehmend zur Hauptstadt der LGTBQ-Community in Deutschland entwickelte.</p>
<p>Auch große Bauprojekte und Stadtentwicklungen spielen im Buch eine wichtige Rolle. Dazu zählt der Abriss des Palasts der Republik und die Entstehung des Humboldt-Forums sowie die Proteste gegen die Abrissentscheidung. Ebenso beschreibt Wolle das Ende und den geplanten Abriss des ehemaligen Sport- und Erholungszentrums (SEZ) an der Landsberger Allee/Ecke Danziger Straße. An dieser Stelle sollen künftig 550 neue Wohnungen entstehen.</p>
<p>Zum Abschluss zieht der Wolle, angelehnt an den alle drei Jahre erscheinenden Zukunftsatlas des „Handelsblatts“, eine Bilanz zu Themen wie Wohnungsmarkt, ÖPNV, Schule, Kriminalität, Tourismus und Demografie. Das Buch endet, wie es beginnt, mit einer Silvesterparty: der von 2024.</p>
<p>Dem Autor gelingt es, die Leserschaft auf eine historische Reise durch 36 Jahre Berliner Stadtgeschichte mitzunehmen. Durch den klar strukturierten Aufbau wird der enorme Wandel der Stadt seit 1990 deutlich sichtbar.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Vor dem AfD-Parteitag in Erfurt: Diskussion von Formen des Widerstands</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/vor-dem-afd-parteitag-in-erfurt-dikussionen-von-formen-des-widerstands/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9991</guid>

					<description><![CDATA[<p>Aus Anlass des bevorstehenden Bundesparteitags der AfD in Erfurt lud Luke Hoß, rechtspolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke im Bundestag, am 24. Juni zu einem fachpolitischen Frühstück ins Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages. Diskutiert werden sollten Formen des Widerstands. Wir waren dabei.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9994" class="wp-image-9994" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/widersetzen_ParlFrüh_JM-31.jpg" alt="Die Diskussionsteilnehmer Suraj Mailitafi vom Bündnis „Widersetzen“, Philosophin Eva von Redecker, der Bundestagsabgeordnete Luke Hoß und Jens-Christian Wagner (Leiter der Gedenkstätte Buchenwald) diskutierten über Strategien im Kampf gegen den Rechtsextremismus. Abbildung: Jennifer Marke, Fraktion [...]
</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/vor-dem-afd-parteitag-in-erfurt-dikussionen-von-formen-des-widerstands/">Vor dem AfD-Parteitag in Erfurt: Diskussion von Formen des Widerstands</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Aus Anlass des bevorstehenden Bundesparteitags der AfD in Erfurt lud Luke Hoß, rechtspolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke im Bundestag, am 24. Juni zu einem fachpolitischen Frühstück ins Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages. Diskutiert werden sollten Formen des Widerstands. Wir waren dabei.</p>
<p><span id="more-9991"></span></p>
<div id="attachment_9994" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9994" class="wp-image-9994" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/widersetzen_ParlFrüh_JM-31.jpg" alt="Die Diskussionsteilnehmer Suraj Mailitafi vom Bündnis „Widersetzen“, Philosophin Eva von Redecker, der Bundestagsabgeordnete Luke Hoß und Jens-Christian Wagner (Leiter der Gedenkstätte Buchenwald) diskutierten über Strategien im Kampf gegen den Rechtsextremismus. Abbildung: Jennifer Marke, Fraktion Die Linke Im Bundestag" width="600" height="338"><p id="caption-attachment-9994" class="wp-caption-text">Die Diskussionsteilnehmer Suraj Mailitafi vom Bündnis „Widersetzen“, Philosophin Eva von Redecker, der Bundestagsabgeordnete Luke Hoß und Jens-Christian Wagner, der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, (v. l. n. r.) sprachen über Strategien im Kampf gegen den Rechtsextremismus. Abbildung: Jennifer Marke, Fraktion Die Linke im Bundestag</p></div>
<p>Am 4. und 5. Juli findet in der Messe Erfurt der 17. Bundesparteitag der AfD statt. Erwartet werden 600 Delegierte, 400 Pressevertreter und mehr als 50.000 Gegendemonstranten. Die Hauptstadt Thüringens bereitet sich auf den größten Polizeieinsatz der Geschichte vor. Befürchtet wird eine Eskalation der Gegendemonstranten. Die Wut im linken Lager ist groß. Schon das Datum macht fassungslos. Vor genau 100 Jahren hielt die NSDAP im thüringischen Weimar den Reichsparteitag ab, auf dem die Hitlerjugend gegründet und der „Deutsche Gruß“ erstmals massenhaft in der Öffentlichkeit gezeigt wurde. Vor diesem Hintergrund lud Die Linke zur Diskussion ein.</p>
<p>Eingangsstatements gaben die Philosophin Eva von Redecker, der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, Jens-Christian Wagner, der Mitorganisator des Bündnisses „Widersetzen“, Suraj Mailitafi, sowie der Bundestagsabgeordnete Luke Hoß. Im Anschluss wurde das Panel geöffnet.</p>
<p>Eva von Redecker rief dazu auf, die AfD nicht aus dem Tunnelblick der Historie anzuschauen. Es sei wichtig, den Rechtsruck vor dem globalen Hintergrund zu betrachten. Überall, wo die Motive des Neoliberalismus gesetzt seien, habe es der Rechtsextremismus einfach. Die Philosophin bezeichnete den deutschen Fatalismus gegenüber der AfD als verfehlt. Das Bild eines apokalyptischen Szenarios werde zum Problem, wenn die AfD in Sachsen-Anhalt an die Macht kommen würde und die negativen Befürchtungen bezüglich ihrer Politik nicht eintreten. Von Redecker geht nicht davon aus, dass Menschen aus ländlichen Gegenden in Ostdeutschland Verständnis für eine geplante Blockade des AfD-Parteitages haben. Die Kommunikation des Protests im Vorfeld hält sie daher für wichtig. Sie findet es entscheidend, den Kampf gegen den Rechtsextremismus aus der Perspektive von Menschen zu betrachten, die bereits von rechter Politik und Gewalt bedroht sind.</p>
<h2><span class="title-bg">„Berlin ist nicht Weimar“</span></h2>
<p>Jens-Christian Wagner mahnte, dass Berlin nicht Weimar sei. Angesichts der Vergleiche zwischen der AfD und der NSDAP plädierte er dafür, mit falschen politischen Analogien dieser Art vorsichtig zu sein. Die Zeit der Weimarer Republik sei mit heute nicht vergleichbar. Seiner Ansicht nach gibt es in Deutschland eine viel stabilere Zivilgesellschaft als zur damaligen Zeit. Wagner widersprach von Redeckers Einschätzung, das Erstarken des Rechtsextremismus sei nur auf den Neoliberalismus zurückzuführen. Diese Analyse sei verkürzt gedacht. Er wies auf das Parteiprogramm der AfD Sachsen-Anhalt hin. Darin seien in jeder dritten Zeile Anklänge an das völkische Denken des 20. Jahrhunderts zu finden. Dies unterscheide sie von Libertären wie dem argentinischen Präsidenten Javier Milei, der einen Neoliberalismus in seiner radikalsten Form anstrebe. Laut Wagners Einschätzung will die AfD so etwas nicht.</p>
<p>Wichtig sei es, das völkische Gedankengut der Partei sichtbar zu machen und zu verdeutlichen, woher es komme. In diesem Zusammenhang erklärte Wagner, dass er eine Überprüfung des AfD-Parteiverbots für richtig hält und ihm das Argument, ein Verbot würde der Partei helfen, nicht ausreiche. Als Beispiel führte er das erfolgreiche Parteiverbot gegen die Sozialistische Reichspartei im Jahr 1952 an. Wagner kündigte an, während des AfD-Parteitags vor dem Messegelände Erfurt sprechen zu wollen. Er wünsche sich, dass Hunderttausende zum Protest kommen. Dennoch sei er gegen Blockaden, da diese der AfD in die Karten spielen würden.</p>
<h2><span class="title-bg">„Strahl der Hoffnung senden“</span></h2>
<p>Suraj Mailitafi, Mitorganisator des Bündnisses „Widersetzen“, das die Proteste gegen den AfD-Parteitag organisiert, erläuterte die Standpunkte von „Widersetzen“. Er erklärte, dass das von der AfD ausgewählte Datum, der 4. Juli, kein Zufall sei und erinnerte an den Reichsparteitag der NSDAP vor 100 Jahren in Thüringen. Das Verhalten der AfD dürfe nicht kleingeredet werden. Es brauche Räume der Hoffnung. Wie diese entstehen, sei für ihn bei den Protesten gegen die AfD-Versammlung am 29. und 30. November 2025 in Gießen sichtbar geworden. Auf Union und SPD sei kein Verlass, da die Regierungsparteien die Ideen der AfD bezüglich der Migrationspolitik teilweise durchsetzen würden. Die Blockade und der damit verbundene geplante Protest gegen den AfD-Parteitag geben laut Mailitafi ein wichtiges Signal an Menschen, die tagtäglich Rassismus erleben. Das Bündnis „Widersetzen“ wolle von Erfurt einen Strahl der Hoffnung nach Deutschland senden und den Menschen, die sich wegen Rechtsextremismus Sorgen machen, zeigen, dass sie nicht allein sind. Mailitafi erklärte, dass bereits das zeitweise Verhindern und Stören des AfD-Parteitags ein Erfolg wäre. Jede Minute, in der sich die Teilnehmer des Parteitags nicht vernetzen und austauschen können, sei positiv.</p>
<p>Alle Teilnehmer waren sich einig, dass es notwendig sei, gegen das Erstarken des Rechtsextremismus zu protestieren. Luke Hoß analysierte die Diskussion wie folgt: „Alle Expert:innen haben bei unserem fachpolitischen Frühstück betont: Die AfD ist eine im Kern faschistische Partei und eine reale Gefahr für Menschen. Für uns als Linke ist deshalb klar: Jetzt ist der Moment, wo wir Widerstand leisten müssen, gemeinsam mit der Breite der Zivilgesellschaft. Es ist wichtig, die AfD mit allen Mitteln zu bekämpfen. Deshalb ist ziviler Ungehorsam gegen den AfD-Parteitag am 4. Juli in Erfurt, bei dem die Faschisten ihre Machtübernahme planen, nicht nur legitim, sondern geboten.“</p>
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		<title>Buchvorstellung: „Souverän – Plädoyer für mehr direkte Demokratie“</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-souveraen-plaedoyer-fuer-mehr-direkte-demokratie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Jun 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Eisenacher Bürgerrechtler Ralf-Uwe Beck beschäftigt sich in seinem Buch mit Möglichkeiten direkter Demokratie in Deutschland. Auf diesem Feld ist er Experte. Wir haben den „Essay aus ostdeutscher Perspektive“ gelesen.</p>
<p>BUCHTIPP:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-9088" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/03/Beck_Souveraen_Plaedoyer_fuer_mehr_direkte_Demokratie_2026.jpg" alt="Das Cover von Ralf-Uwe Becks Buch „Souverän: Plädoyer für mehr direkte Demokratie“" width="280" height="440"><br />
Ralf-Uwe Beck: „Souverän – Plädoyer für mehr direkte Demokratie“, Oekom-Verlag, München 2026, 240 Seiten, 22 €.</p>
<p>&#160;<br />
Beck zeigt anhand eigener Erfahrungen, wie der Kampf für direkte Demokratie funktionieren kann. Gemeinsam mit anderen [...]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Eisenacher Bürgerrechtler Ralf-Uwe Beck beschäftigt sich in seinem Buch mit Möglichkeiten direkter Demokratie in Deutschland. Auf diesem Feld ist er Experte. Wir haben den „Essay aus ostdeutscher Perspektive“ gelesen.</p>
<p><span id="more-9476"></span></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-9088" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/03/Beck_Souveraen_Plaedoyer_fuer_mehr_direkte_Demokratie_2026.jpg" alt="Das Cover von Ralf-Uwe Becks Buch „Souverän: Plädoyer für mehr direkte Demokratie“" width="280" height="440"></p>
<p>Ralf-Uwe Beck: „Souverän – Plädoyer für mehr direkte Demokratie“, Oekom-Verlag, München 2026, 240 Seiten, 22 €.</p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beck zeigt anhand eigener Erfahrungen, wie der Kampf für direkte Demokratie funktionieren kann. Gemeinsam mit anderen initiierte er das Volksbegehren „Mehr Demokratie in Thüringen“. Dafür wurden im Jahr 2000 innerhalb von vier Monaten 387.469 Unterschriften gesammelt. Bis die Thüringer Landesregierung das Volksbegehren zuließ, waren jedoch mehrere Anläufe notwendig. Um die Unterschriftensammlung erfolgreich umzusetzen, mussten Beck und seine Unterstützer innerhalb von elf Tagen eine Million Unterschriftsbögen drucken und an Aktionskreise im gesamten Bundesland verteilen. Am Ende gelang es den Initiatoren, die erforderlichen 280.000 Stimmen deutlich zu übertreffen und den Nachweis bei der Landesregierung einzureichen.</p>
<p>Der Autor macht auf einen wenig bekannten Umstand aufmerksam: Die Einführung direkter Demokratie auf Bundesebene sei in den vergangenen 36 Jahren gleich zweimal greifbar nah gewesen – 1990 und 2013. Im Jahr 1990 gehörte die direkte Demokratie zu den wichtigsten Forderungen der ostdeutschen Vertreter am „Runden Tisch“. Sie hatten die Idee, eine gemeinsame Verfassung für Ost- und Westdeutschland zu erarbeiten und anschließend darüber abstimmen zu lassen. Dies sollte dazu beitragen, dass sich das deutsche Volk auch verfassungsrechtlich wiedervereint. Noch im Juni 1990 sprach sich der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse für eine Volksabstimmung über eine gesamtdeutsche Verfassung aus. Beck zufolge scheiterte dieses Vorhaben jedoch am Widerstand von CDU/CSU und dem damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble. Die westdeutsche Seite lehnte eine neue Verfassung ab. Beim Aushandeln des Einigungsvertrags sahen Schäuble und Kohl laut Beck keinen Mehrwert darin, da sie das Grundgesetz für ausreichend hielten.</p>
<p>Einen weiteren Versuch gab es 2013. Die SPD machte die Einführung direkter Demokratie zu einem Wahlkampfthema. Ihr Vorschlag sah ein fakultatives Referendum nach Schweizer Vorbild vor, mit dem Bürger beschlossene Gesetze überprüfen können. Die Idee sei aber während der Koalitionsverhandlungen von der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel gegenüber dem SPD-Verhandlungsführer Sigmar Gabriel abgelehnt worden.</p>
<p>Seit dem Brexit-Referendum in Großbritannien 2016 haben sich CDU/CSU, SPD und Grüne dem Autor zufolge zunehmend von der Einführung direkter Demokratie auf Bundesebene distanziert. Als Begründung dienten häufig der Ausgang jenes Referendums und dessen Folgen.</p>
<p>Beck erläutert die Haltung der verschiedenen Parteien zur direkten Demokratie. Die Grünen etwa galten lange als starke Befürworter, hätten sich aber in den vergangenen Jahren von dieser Position entfernt. Im Hinblick auf die AfD beschreibt Beck, dass diese die Volksbefragungen einführen wolle, um sie gegen die parlamentarische Demokratie einzusetzen und diese letztlich abzuschaffen. Dies widerspreche jedoch dem eigentlichen Zweck direkter Demokratie. Beck versteht diese als Ergänzung und Unterstützung der parlamentarischen Demokratie, nicht als deren Gegnerin. Deshalb hält er es für gefährlich, dass CDU/CSU, SPD, Grüne und FDP das Thema zunehmend der AfD überlassen.</p>
<p>Im weiteren Verlauf des Buches stellt Beck verschiedene Formen direkter Demokratie in anderen Ländern vor. Ein Beispiel ist die „Citizens Assembly“ in Irland. Dort wurden 2016 Bürgerräte ausgelost, um scheinbar unlösbare politische Fragen zu diskutieren und Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Anschließend wurde über die Ergebnisse in einer Volksbefragung abgestimmt. Ein weiteres Beispiel ist das fakultative Referendum in der Schweiz. Bürgerinnen und Bürger haben dort 100 Tage Zeit, Einspruch gegen ein vom Parlament beschlossenes Gesetz einzulegen. Dafür müssen 50.000 Unterschriften gesammelt werden. Wird diese Zahl erreicht, entscheidet die Bevölkerung in einer Volksabstimmung über die Einführung des Gesetzes. Beck schlägt vor, bei Volksbefragungen drei Varianten zur Auswahl zu stellen: einen Vorschlag des Parlaments, einen Vorschlag aus der Bevölkerung sowie eine Kompromisslösung, die von Bürgerräten erarbeitet wird.</p>
<p>Insgesamt gelingt es Beck überzeugend darzustellen, warum Volksbefragungen auf Bundesebene für die politische Entwicklung Deutschlands vorteilhaft sein könnten. Er widerspricht der Befürchtung, dass mehr direkte Demokratie dem Parlamentarismus schade und argumentiert stattdessen, dass sie diesen stärken könne. Zudem macht er deutlich, dass direkte Demokratie eine Möglichkeit bietet, verloren gegangenes Vertrauen in die Politik zurückzugewinnen. Das Buch vermittelt einen guten Überblick über das Thema und trägt dazu bei, die Debatte um direkte Demokratie besser zu verstehen.</p>
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		<title>Jägerschnitzel. Der Ost-Ost-Blick #6: Die Osterklärer</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/jaegerschnitzel-der-ost-ost-blick-6-die-osterklaerer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jun 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Belletristik]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Teil sechs seiner Kolumne widmet sich Julian Nejkow dem Autor Lukas Rietzschel und dessen Buch „Sanditz“. Am Beispiel Rietzschels beschreibt er das Phänomen der „Osterklärer“ und erläutert, warum er es für problematisch hält.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8046" class="wp-image-8046" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Nejkow.jpg" alt="Julian Nejkow, 1988 in Thüringen geboren, ist Deutsch-Bulgare mit Bindestrichidentität. Er hat Politikwissenschaft in Jena und Dresden studiert. Seit 2021 beschäftigt er sich verstärkt mit Ostdeutschland. Abbildung: Paul Glaser" width="600" height="600">Julian Nejkow, 1988 in Thüringen geboren, ist Deutsch-Bulgare mit Bindestrichidentität. Er [...]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In Teil sechs seiner Kolumne widmet sich Julian Nejkow dem Autor Lukas Rietzschel und dessen Buch „Sanditz“. Am Beispiel Rietzschels beschreibt er das Phänomen der „Osterklärer“ und erläutert, warum er es für problematisch hält.</p>
<p><span id="more-9946"></span></p>
<div id="attachment_8046" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8046" class="wp-image-8046" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Nejkow.jpg" alt="Julian Nejkow, 1988 in Thüringen geboren, ist Deutsch-Bulgare mit Bindestrichidentität. Er hat Politikwissenschaft in Jena und Dresden studiert. Seit 2021 beschäftigt er sich verstärkt mit Ostdeutschland. Abbildung: Paul Glaser" width="600" height="600"><p id="caption-attachment-8046" class="wp-caption-text">Julian Nejkow, 1988 in Thüringen geboren, ist Deutsch-Bulgare mit Bindestrichidentität. Er hat Politikwissenschaft in Jena und Dresden studiert. Seit 2021 beschäftigt er sich verstärkt mit Ostdeutschland. Abbildung: Paul Glaser</p></div>
<p>Eines vorweg: Jeder Einzelne und jede Einzelne,&nbsp;der oder die sich für den Osten der Republik engagiert, wird in mir einen Verbündeten finden. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir nicht ab und an mal Bilanz ziehen müssen, was wir im Großen erreicht haben. Die Geschichten im Kleinen sind zahlreich, aber viel zu wenig erzählt.</p>
<p>Die Liste der Namen, die sich für den Osten der Republik engagiert haben und engagieren, ist umfangreich. Einige von ihnen sind durch ihre mediale Präsenz durchaus dem ost- wie westdeutschen Publikum bekannt.</p>
<p>In den Fokus geriet zuletzt noch einmal der Autor Lukas Rietzschel. In Bezug auf seinen Roman „<a href="https://ostdeutschland.info/buchvorstellung-sanditz-von-lukas-rietzschel/" target="_blank" rel="noopener">Sanditz</a>“ überschlugen sich die Literaturkritiker und Feuilletons der Republik. Fast kein Loblied konnte zu hoch gesungen werden: „Nachwendeepos“, „das Buch, wenn man Ostdeutschland verstehen will“, um nur zwei von Dutzenden zu nennen. Zuweilen konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Herren Literaturkritiker fleißig voneinander abgeschrieben haben. Aber da kann ich mich natürlich täuschen.</p>
<p>Doch zurück zur Sache. Sanditz ist ein gutes, ein wichtiges Buch. Wer den Autor und die Stadt, an die dieser Roman angelehnt ist, kennt, der kann sie quasi gemeinsam mit ihm abgehen und – wenn man aus ähnlichen Verhältnissen kommt – gewiss auch seiner eigenen Vergangenheit nachspüren. Sicher steht die fiktive Stadt auch für andere ostdeutsche Städte und Rietzschel holt damit gewiss viele Menschen ab. Ich für meinen Teil feiere das Buch, aber genau da liegt das Problem: Autorinnen und Autoren solcher Bücher, Influencer, Podcasthosts etc. werden zu Osterklärern stilisiert – zunächst von den Medien, doch irgendwann erheben sich einige auch selbst in diesen Stand. Nur für wen erklären sie den Osten? Für die Ostdeutschen selbst wohl kaum. Diese nehmen sie meist auch nicht als ihre Vertreter wahr und ernst.</p>
<p>Nein, diese Menschen erklären allzu oft den Westdeutschen, wie es im Osten so läuft. Und ihre Lesungen sind voll. Umgekehrt lassen sich viele Ostdeutsche gern von „Wessis“ wie Björn Höcke oder Alice Weidel die Welt erklären – bizarr. Die Besucher hören den Osterklärern jedenfalls gespannt zu, wenn diese behaupten, der Osten sei so oder so, die Menschen würden deswegen oder jenes wegen die AfD wählen und sie seien unglücklich und unzufrieden. Bis dann einer aus dem Publikum ruft, sie sollten doch dankbar sein.</p>
<p>Um es überspitzt zu sagen: Dann ist die Debatte beendet – oder zumindest sind alle Beteiligten mehr oder weniger zufrieden.</p>
<p>Bis dann irgendwann die nächste Sau durch ein ostdeutsches Dorf getrieben wird. Meist medial durch verantwortliche Redakteure, die sich im Osten so gut auskennen wie ich mit Atomphysik. Zur Hilfe werden dann die Osterklärer gerufen, die erklären sollen, was da wieder in Sanditz, Chemnitz oder Görlitz etc. vor sich geht. Was haben wir nicht alles erklärt und wiederholt und erklärt und wiederholt! Jetzt wollen wir verbieten und maßregeln und die Leute sollten am liebsten die Fresse halten, oder nicht? (Der Ton ist bei uns im Osten ein wenig rauer).</p>
<p>Das Leben soll ja in der Kurzschau eine Tragödie und in der Langschau eine Komödie sein, so einst Charlie Chaplin. Doch wo ist hier der Höhepunkt, wo das retardierende Moment? Wird das Ende zu einer Katastrophe und wie sähe das aus? So altklug und abgedroschen es klingen mag: Wenn wir das wirklich wissen wollen, müssen wir eben nicht erklären, sondern zuhören – so lange, bis es uns aus den Ohren herauskommt. Denn zu behaupten, das wurde ausreichend gemacht, halte ich für genauso hanebüchen wie die Behauptung, die Einheit sei vollzogen. Denn sie wurde wirtschaftlich gedacht und gesellschaftlich vernachlässigt.</p>
<p>Jetzt noch einen frischen Slogan oder gar eine Handlungsempfehlung – ohne mich! &nbsp;Jeder weiß, was zu tun ist.</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>BUCHTIPP: </strong>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-8127" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Nejkow_Hoellenjahre.jpg" alt width="200" height="284">Julian Nejkow: „Höllenjahre – von jetzt auf gleich”, epubli, Berlin 2024, 336 Seiten, 19,90 € (Softcover).</p>
<p>Mehr Informationen unter&nbsp;<a href="http://www.Ölbart.de" target="_blank" rel="noopener">Ölbart.de</a>.</p></td>
</tr>
</tbody>
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		<title>Willi Sitte – Ein Leben zwischen Atelier und Politik</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/willi-sitte-ein-leben-zwischen-atelier-und-politik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Jun 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Er gehörte zu den bekanntesten Malern der DDR und prägte als langjähriger Präsident des Verbands Bildender Künstler die Kulturpolitik des Staates wie nur wenige andere: Willi Sitte. Wir widmen dem Maler und Grafiker ein Porträt.</p>
<p>Willi Sitte wurde am 28. Februar 1921 im tschechischen Kratzau (Chrastava) geboren. Sein Vater war sudetendeutscher Bauer, seine Mutter Tschechin. Bereits in jungen Jahren wurde sein zeichnerisches Talent erkannt und gefördert. 1936 begann er ein Studium zum Textilmusterzeichner an der Kunsthochschule des Nordböhmischen Gewerbemuseums in Reichenberg [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/willi-sitte-ein-leben-zwischen-atelier-und-politik/">Willi Sitte – Ein Leben zwischen Atelier und Politik</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Er gehörte zu den bekanntesten Malern der DDR und prägte als langjähriger Präsident des Verbands Bildender Künstler die Kulturpolitik des Staates wie nur wenige andere: Willi Sitte. Wir widmen dem Maler und Grafiker ein Porträt.</p>
<p><span id="more-9086"></span></p>
<p>Willi Sitte wurde am 28. Februar 1921 im tschechischen Kratzau (Chrastava) geboren. Sein Vater war sudetendeutscher Bauer, seine Mutter Tschechin. Bereits in jungen Jahren wurde sein zeichnerisches Talent erkannt und gefördert. 1936 begann er ein Studium zum Textilmusterzeichner an der Kunsthochschule des Nordböhmischen Gewerbemuseums in Reichenberg (Liberec), das er 1940 abschloss.</p>
<p>Im selben Jahr erhielt Sitte eine Empfehlung für die Hermann-Göring-Meisterschule in Kronenburg in der Eifel. Dort geriet er jedoch durch die Kritik an seinen Ausbildungsaufgaben in Konflikt mit den Verantwortlichen. In der Folge wurde er 1941 zur Wehrmacht eingezogen und an die Ostfront versetzt. Nach einer Gelbsucht-Erkrankung kam er nach Italien. Von dort desertierte er 1944 und schloss sich italienischen Partisanen an. In dieser Zeit entstand sein siebenteiliger Totentanz-Zyklus „Danza funebre del terzo Reich“.</p>
<div id="attachment_9917" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9917" class="wp-image-9917" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Bundesarchiv_Bild_183-1987-1003-024_Dresden_X._DDR-Kunstausstellung_Sitte_Honecker.jpg" alt="Willi Sitte begrüßt Erich Honecker 1987 anlässlich einer Kunstausstellung im Dresdner Albertinum. Abbildung: Bernd Settnik, Das Bundesarchiv, Wikimedia Commons" width="600" height="386"><p id="caption-attachment-9917" class="wp-caption-text">Willi Sitte begrüßt Erich Honecker 1987 anlässlich einer Kunstausstellung im Dresdner Albertinum. Abbildung: Bernd Settnik, Das Bundesarchiv, Wikimedia Commons</p></div>
<h2><span class="title-bg">Halle (Saale) und Kunsthochschule Burg Giebichenstein</span></h2>
<p>Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieb Sitte zunächst in Italien, kehrte aber 1946 in seine Heimatstadt Kratzau zurück. Aufgrund der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei musste er das Land jedoch verlassen und ließ sich in Halle (Saale) nieder. Ein Jahr später trat er der SED bei. 1951 erhielt er einen Lehrauftrag an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein. 1959 wurde er dort zum Professor berufen. Ab 1964 leitete er auch die Klasse für Textilgestaltung.</p>
<p>In den 1950er-Jahren und frühen 1960er-Jahren war Sitte Teil der kritischen und eigenständigen Hallenser Kunstszene, die sich gegen die Einflussnahme von Kulturfunktionären wandte. Dadurch kam es wiederholt zu Spannungen mit der SED, was sich auf seine Lehrtätigkeit auswirkte. Zu seinem Freundeskreis zählten damals unter anderem Christa Wolf, Wolf Biermann sowie Rainer und Sarah Kirsch. Während der Formalismus-Debatte, die um 1950 geführt wurde, kritisierte der Staat seine Kunst mehrfach als nicht mit den Vorgaben des Sozialistischen Realismus vereinbar.</p>
<h2><span class="title-bg">Aufstieg zum „Staatsmaler“</span></h2>
<p>Ab 1964 entschied sich Sitte jedoch für ein stärkeres politisches Engagement. Dieser Schritt belastete einige seiner persönlichen Beziehungen und führte zum Verlust mehrerer Freundschaften. Zugleich avancierte er zu einem prominenten Vertreter des Sozialistischen Realismus und erlangte gegen Ende der 1960er-Jahre zunehmend Anerkennung für seine Kunst.</p>
<p>Einen Höhepunkt seiner politischen Laufbahn erreichte er im Jahr 1974 mit der Ernennung zum Präsidenten des Verbands Bildender Künstler der DDR (VBK-DDR). Dieses Amt bekleidete er bis 1988, wobei er sich während seiner Amtszeit dafür einsetzte, die Eigenständigkeit des Verbands gegenüber der SED zu bewahren. Er ermöglichte Arbeitsreisen für Künstler, verbesserte ihre Materialversorgung und unterstützte auch Künstler aus dem Untergrund, indem er sie in den Verband aufnahm und ihnen Arbeitsmöglichkeiten verschaffte. Gleichzeitig stand sein Wirken in der Kritik: So befürwortete er 1976 die Ausbürgerung seines ehemaligen Freundes Wolf Biermann und bezeichnete die Künstlergruppe um Bärbel Bohley als „bekannte staatsfeindliche Gruppe“.</p>
<p>Auch international fand Sittes Kunst in den 1970er-Jahren Beachtung. Dazu trugen die Verleihung der Goldmedaille auf der dritten Internationalen Grafikbiennale 1972 sowie seine Teilnahme an der documenta 6 in Kassel im Jahr 1977 bei.</p>
<div id="attachment_9918" style="width: 490px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9918" class="wp-image-9918" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Bundesarchiv_Bild_183-Z1008-315_Leipzig__Neues_Gewandhaus__Tafelbild.jpg" alt="Das Tafelbild „Rock-Sänger“ ist eines der bekanntesten Gemälde Willi Sittes. Es wurde 1981 im „Neuen Gewandhaus“ Leipzig ausgestellt. Abbildung: Waltraud Grubitzsch, Das Bundesarchiv, Wikimedia Commons" width="480" height="583"><p id="caption-attachment-9918" class="wp-caption-text">Das Tafelbild „Rock-Sänger“ ist eines der bekanntesten Gemälde von Willi Sitte. Es wurde 1981 im „Neuen Gewandhaus“ Leipzig ausgestellt. Abbildung: Waltraud Grubitzsch, Das Bundesarchiv, Wikimedia Commons</p></div>
<p>Zu seinen bedeutendsten Werken zählt das 1981 entstandene Gemälde „Rock-Sänger“. Das Tafelbild zeigt einen nackten Musiker mit Gitarre, der vor seinen Fans posiert. Während sich auf Höhe seiner Füße zahlreiche Hände dem Sänger entgegenstrecken, versammeln sich auf Kopfhöhe weitere Zuhörer in einer engelhaften Formation um ihn. Im Hintergrund bewegt sich eine nackte Frau in Trance. Das Bild ist ein charakteristisches Beispiel für Sittes Stil, barocke Gestaltungselemente mit expressiven und provozierenden Körperdarstellungen zu verbinden.</p>
<div id="attachment_9919" style="width: 460px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9919" class="wp-image-9919" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Willi_Sitte2007.jpg" alt="Willi Sitte bei einer Signierstunde in der Willi-Sitte-Galerie Merseburg 2007. Die Galerie wurde zu seinem 85. Geburtstag 2006 eröffnet. Abbildung: SpreeTom, Wikimedia Commons" width="450" height="719"><p id="caption-attachment-9919" class="wp-caption-text">Sitte bei einer Signierstunde in der Willi-Sitte-Galerie Merseburg 2007. Sie wurde zu seinem 85. Geburtstag 2006 eröffnet. Abbildung: SpreeTom, Wikimedia Commons</p></div>
<p>Mitte der 1980er-Jahre nahm seine politische Karriere weiter an Fahrt auf. Von 1986 bis 1989 gehörte er dem Zentralkomitee der SED an. Mit dem Ende seiner Amtszeit als Präsident des Verbands Bildender Künstler ging auch seine prägende Ära zu Ende. Nach dem Zusammenbruch der DDR und der deutschen Wiedervereinigung verschwanden viele von Sittes Werken zunächst in Depots. Eine Neubewertung seines Schaffens setzte erst später ein. Anlässlich seines 85. Geburtstags wurde im Februar 2006 die Willi-Sitte-Galerie in Merseburg eröffnet.</p>
<p>Auch sein Bruder Rudolf Sitte war als Maler in der DDR tätig und arbeitete im Bereich der baubezogenen Kunst. Zudem war Willi Sitte der Urgroßonkel des Schriftstellers <a href="https://ostdeutschland.info/starkstromzeit-eine-kleine-geschichte-der-ddr/" target="_blank" rel="noopener">Aron Boks</a>. Am 8. Juni 2013 starb Willi Sitte in Halle (Saale). Bis heute zählt er neben <a href="https://ostdeutschland.info/tuebkes-panoramabild-wie-geschichte-lebendig-wird/" target="_blank" rel="noopener">Werner Tübke</a>, Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und <a href="https://ostdeutschland.info/walter-womacka-mosaike-einer-epoche/" target="_blank" rel="noopener">Walter Womacka</a> zu den bedeutendsten Künstlern der DDR.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/willi-sitte-ein-leben-zwischen-atelier-und-politik/">Willi Sitte – Ein Leben zwischen Atelier und Politik</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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		<title>Der Osten als Avantgarde #13: Wie geht Natur?!</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/der-osten-als-avantgarde-13-wie-geht-natur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Jun 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Netzwerk der gemeinnützigen Initiative DenkRaumOst hat es sich zum Ziel gesetzt, Ostdeutschlands Charme sichtbar zu machen. In Teil 13 ihrer Kolumne widmet sich die Stiftungsexpertin und Moderatorin Kathrin Succow dem Thema Naturschutz in Ostdeutschland.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9808" class="wp-image-9808" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Portraet-Kathrin-Succow.jpg" alt="Kathrin Succow ist selbständige Stiftungsexpertin, Moderatorin, Produzentin des Dokumentarfilms „Wie Geht Natur?!“ und Stiftungsratsvorsitzende der Michael Succow Stiftung. Sie ist geboren in Mecklenburg-Vorpommern, aufgewachsen in Brandenburg, lange in Berlin zuhause und hat ihre Wahlheimat am Alpenrand. https://www.kathrin-succow.de/" width="450" height="666">Kathrin Succow [...]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Netzwerk der gemeinnützigen Initiative DenkRaumOst hat es sich zum Ziel gesetzt, Ostdeutschlands Charme sichtbar zu machen. In Teil 13 ihrer Kolumne widmet sich die Stiftungsexpertin und Moderatorin Kathrin Succow dem Thema Naturschutz in Ostdeutschland.</p>
<p><span id="more-9737"></span></p>
<div id="attachment_9808" style="width: 460px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9808" class="wp-image-9808" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Portraet-Kathrin-Succow.jpg" alt="Kathrin Succow ist selbständige Stiftungsexpertin, Moderatorin, Produzentin des Dokumentarfilms „Wie Geht Natur?!“ und Stiftungsratsvorsitzende der Michael Succow Stiftung. Sie ist geboren in Mecklenburg-Vorpommern, aufgewachsen in Brandenburg, lange in Berlin zuhause und hat ihre Wahlheimat am Alpenrand. https://www.kathrin-succow.de/" width="450" height="666"><p id="caption-attachment-9808" class="wp-caption-text">Kathrin Succow ist selbstständige Stiftungsexpertin, Moderatorin, Produzentin des Dokumentarfilms „Wie geht Natur?!“ und Stiftungsratsvorsitzende der Michael Succow Stiftung. <a href="https://www.kathrin-succow.de/">kathrin-succow.de</a></p></div>
<p>Wenn über die deutsche Einheit und das Erbe der DDR gesprochen wird, dann geht es meist um die Treuhand und die marode Volkswirtschaft, um das, was abgewickelt wurde, was verloren ging und mit Hilfe des Westens neu aufgebaut werden musste.</p>
<p>Es gibt aber auch ein ganz anderes Narrativ, nämlich von dem, was der ehemalige Osten in die deutsche Einheit eingebracht hat: großartige Landschaften und wertvolle Natur. Dabei geht es um Lebensräume für Tiere und Pflanzen, Orte der Erholung und Regeneration für uns Menschen, um Hotspots der Biodiversität, um gesunde Böden, Wasser und Lebensmittel – für ganz Deutschland.</p>
<p>Es handelt sich dabei um eine ostdeutsche Heldengeschichte, die viel zu selten erzählt wird, obwohl sie für uns alle von Bedeutung ist und unser Land unvergleichlich reicher und schöner macht. Es ist die Geschichte eines beispiellosen Geschenks an das vereinte Deutschland: das Nationalparkprogramm von 1990, das sogenannte „Tafelsilber der deutschen Einheit“.</p>
<p>In den flüchtigen Monaten zwischen Mauerfall und offizieller Wiedervereinigung herrschte ein historisches Vakuum. Während viele den Blick ausschließlich nach Westen richteten und die wirtschaftliche Integration herbeisehnten, erkannte eine kleine, entschlossene Gruppe von Wissenschaftlern und Naturschützern rund um meinen Vater, den Biologen Michael Succow, das kurze historische Zeitfenster. Zu ihnen gehörten an erster Stelle Hannes Knapp, Lebrecht Jeschke und Matthias Freude, aber auch ein Netzwerk von Mitstreitern, die jahrelang, manchmal auch über Jahrzehnte ohne Telefon und Öffentlichkeitsarbeit, ohne Internet und Social Media, hochengagiert „vorgearbeitet“ haben und im richtigen Moment am richtigen Ort waren.</p>
<div id="attachment_9809" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9809" class="wp-image-9809" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Michael-Succow-_Wally-Pruss.jpg" alt="Der Biologe Michael Succow setzte sich mit Mitstreitern in der Wendezeit für das Nationalparkprogramm von 1990 ein und war erfolgreich. Abbildung: Wally Pruß" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-9809" class="wp-caption-text">Der Biologe Michael Succow setzte sich mit Mitstreitern in der Wendezeit erfolgreich für das Nationalparkprogramm von 1990 ein. Abbildung: Wally Pruß</p></div>
<p>Es bot sich die einmalige Chance, wertvollste Naturlandschaften in kürzester Zeit vor dem erwartbaren ökonomischen Ausverkauf zu retten: unberührte Landschaften, große intakte Moore, uralte Wälder und lebendige Flussauen, die unzähligen Tier- und Pflanzenarten unersetzlichen Lebensraum boten. Landschaften entlang der innerdeutschen Grenze, Truppenübungsplätze der NVA und der in der DDR stationierten Sowjetarmee, Staatsjagdgebiete.</p>
<h2><span class="title-bg">Nachhaltigste Treuhand-Operation der Wendezeit</span></h2>
<p>Man könnte diesen Akt als die erfolgreichste und nachhaltigste „Treuhand-Operation“ der gesamten Wendezeit bezeichnen – nur dass hier nicht privatisiert und liquidiert, sondern das ökologische Fundament für das Gemeinwohl künftiger Generationen gesichert wurde. In einem beispiellosen Kraftakt, der seitdem in vielen Ländern Schule gemacht hat. In der letzten Sitzung der DDR-Volkskammer, letzter Tagesordnungspunkt, wurde ein beispielloses „Nationalparkprogramm für den Osten Deutschlands“ verabschiedet, unwiederbringlich Bestandteil des Einigungsvertrages.</p>
<p>Fünf Nationalparks, sechs Biosphärenreservate und drei Naturparks – von der Vorpommerschen Boddenlandschaft bis zur Sächsischen Schweiz, vom Spreewald bis zur Müritz – wurden quasi von Ostdeutschland als ökologische Mitgift in das vereinte Deutschland eingebracht. Das war kein glücklicher Zufall, sondern das Ergebnis mutigen, strategischen Handelns ostdeutscher Akteure. Es zeigt auf eindrucksvolle Weise, was Ostdeutschland im Kern stark macht: ein tiefer, pragmatischer Sinn für das Wesentliche, eine unverrückbare Verbundenheit mit der Landschaft, und die bemerkenswerte Fähigkeit, in Zeiten des massiven gesellschaftlichen Umbruchs weitreichende Verantwortung zu übernehmen. Es ist eine Geschichte, die von Gestaltungswillen, Stringenz und einem gesunden ostdeutschen Selbstbewusstsein zeugt.</p>
<h2><span class="title-bg">Verfilmung auf der großen Leinwand</span></h2>
<p>Dieses Erbe ist heute aktueller und wichtiger denn je. Aber zu wenige wissen davon – in Ost und West. Deshalb haben die Filmemacher Jakob Friedrich/Jason Krüger mit mir als Produzentin diese Geschichte als Filmdoku „Wie geht Natur?!“ auf die Leinwand gebracht – nicht als nostalgischer Rückblick, sondern als unverzichtbarer Kompass für unsere Zeit heute. Der Film begleitet meinen Vater und seine Weggefährten. Er fängt ein, was es bedeutet, eine Vision gegen massive Widerstände durchzusetzen, und stellt die drängende Frage unserer Epoche: Wie bewahren wir unsere Lebensgrundlagen in einer von kurzfristigen, wirtschaftlichen Interessen dominierten Welt? Wir erzählen Geschichten des Gelingens.</p>
<p>Der Dokumentarfilm hatte im November 2025 in Berlin seine Premiere. Die Resonanz ist überwältigend: Rund 60 mal in ganz Deutschland aufgeführt, oft mit Filmtalks. Mir persönlich war besonders wichtig: ins Gespräch kommen, in Gemeinschaft sein, Mut machen, Kraft tanken. Erst kürzlich gab es für den Film den Publikumspreis der Ökofilmtour Brandenburg. Beleg dafür, wie sehr Menschen nach echten Geschichten des Gelingens und der Ermutigung dürsten. „Wie geht Natur?!“ ist auf Deutschlandtournee, alle Termine und Infos <a href="http://www.wiegehtnatur.de/">hier</a>.</p>
<h2><span class="title-bg">Gemeinwohlengagement aus Ostdeutschland</span></h2>
<p>Als Tochter führe ich heute die von uns als Familie 1999 gegründete <a href="http://www.succow-stiftung.de/">Michael Succow Stiftung</a> mit einem engagierten Team vor Ort in Greifswald und in den Projektgebieten als eine der wichtigsten Stiftungen Ostdeutschlands weiter. Mein Vater ist heute 85 Jahre alt und noch immer für sein Herzensthema Naturschutz aktiv. Unsere Stiftungsarbeit baut direkt auf dem Fundament jenes historischen Herbstes 1990 auf. Wir setzen uns weltweit für den Erhalt intakter Ökosysteme, den Moorschutz und eine zukunftsfähige Landnutzung ein. Dabei leitet uns dieselbe Überzeugung von damals: Konsequenter Naturschutz ist keine romantische Träumerei, sondern die härteste Währung für die Zukunft menschlicher Zivilisation.</p>
<p>Die ostdeutsche Naturschutzrevolution lehrt uns eine fundamentale Lektion: Es sind nicht immer nur die lauten, ökonomischen Triumphe, die eine Gesellschaft dauerhaft absichern. Es sind auch die weitsichtigen Entscheidungen zum Schutz unserer Lebensgrundlagen, die den wahren Reichtum einer Nation ausmachen. Lassen Sie uns diese ostdeutsche Heldengeschichte gemeinsam weitertragen und auf diese Weise fortschreiben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>Die nächsten Live-Termine von DenkRaumOst</strong>
<p><a href="http://www.denkraumost.de/events">denkraumost.de/events</a></p></td>
</tr>
</tbody>
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		<title>Umfrage: Wirtschaftliche Situation in Ostdeutschlands hat sich weiter verschlechtert</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/owf-transformationsbarometer-2026-ostdeutschlands-wirtschaft-zweifelt-trotz-chancen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jun 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anlässlich des Ostdeutschen Wirtschaftsforums haben die Standortinitiative Deutschland – Land der Ideen und die Deutsche Kreditbank AG (DKB) wieder die wirtschaftliche Lage und die Herausforderungen ostdeutscher Unternehmen ermitteln lassen. Ergebnis: Es wird viel Potenzial gesehen, aber die Situation hat sich weiter verschlechtert.</p>
<p>Für die aktuelle Studie hat das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag der DKB und von Deutschland – Land der Ideen zwischen Februar und April 2026 repräsentativ 1.500 privatwirtschaftliche Entscheider in Ostdeutschland und Berlin befragt. Ziel war, ein belastbares [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/owf-transformationsbarometer-2026-ostdeutschlands-wirtschaft-zweifelt-trotz-chancen/">Umfrage: Wirtschaftliche Situation in Ostdeutschlands hat sich weiter verschlechtert</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Anlässlich des Ostdeutschen Wirtschaftsforums haben die Standortinitiative Deutschland – Land der Ideen und die Deutsche Kreditbank AG (DKB) wieder die wirtschaftliche Lage und die Herausforderungen ostdeutscher Unternehmen ermitteln lassen. Ergebnis: Es wird viel Potenzial gesehen, aber die Situation hat sich weiter verschlechtert.</p>
<p><span id="more-9765"></span></p>
<p>Für die aktuelle Studie hat das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag der DKB und von Deutschland – Land der Ideen zwischen Februar und April 2026 repräsentativ 1.500 privatwirtschaftliche Entscheider in Ostdeutschland und Berlin befragt. Ziel war, ein belastbares Lagebild zu erhalten.</p>
<h2><span class="title-bg">Hohes Standortpotenzial, aber schlechte Wirtschaftssituation</span></h2>
<p>49 Prozent der Befragten schätzen die allgemeine wirtschaftliche Situation in Ostdeutschland negativ ein (<a href="https://ostdeutschland.info/skepsis-trotz-potenzial-owf-transformationsbarometer-2025-zur-stimmung-der-wirtschaft-in-ostdeutschland/">2025</a>: 44,9 Prozent). Unternehmen aus Thüringen (60 Prozent) und aus Sachsen-Anhalt (59 Prozent) beurteilen sie am schlechtesten.</p>
<div id="attachment_9800" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9800" class="magazin-schatten wp-image-9800" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/Screenshot-2026-05-29-160041.png" alt="Das OWF-Transformationsbarometer zeigt die Stimmung ostdeutscher Unternehmen auf. Abbildung: Deutschland – Land der Ideen/Deutsche Kreditbank (DKB)" width="600" height="452"><p id="caption-attachment-9800" class="wp-caption-text">Das OWF-Transformationsbarometer zeigt die Stimmung ostdeutscher Unternehmen auf. Abbildung: Deutschland – Land der Ideen/Deutsche Kreditbank (DKB)</p></div>
<p>Obwohl die wirtschaftliche Allgemeinsituation überwiegend negativ gesehen wird, schätzen die Befragten das Potenzial der ostdeutschen Bundesländer als unverändert gut ein. 57 Prozent der Teilnehmer (2025: 56 Prozent) glauben, dass das Potenzial der ostdeutschen Bundesländer groß ist. Nur 22 Prozent zweifeln am Potenzial der neuen Bundesländer.</p>
<div id="attachment_9769" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9769" class="magazin-schatten wp-image-9769" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Transformationsbarometer-Bild-2.jpg" alt="Das Potenzial des Wirtschaftsstandorts Ost wird mit 57 Prozent hoch eingeschätzt. Abbildung: Deutschland – Land der Ideen/Deutsche Kreditbank (DKB)" width="600" height="382"><p id="caption-attachment-9769" class="wp-caption-text">Das Potenzial des Wirtschaftsstandorts Ostdeutschland wird von 57 Prozent hoch eingeschätzt. Abbildung: Deutschland – Land der Ideen/Deutsche Kreditbank (DKB)</p></div>
<p>Gleichzeitig werden wirtschaftspolitische Maßnahmen kaum spürbar positiv wahrgenommen. Auf den höchsten Wert kommt hier noch der Ausbau der digitalen Infrastruktur mit 15 Prozent. 53 Prozent gaben an, dass sie gar keine wirtschaftlichen Maßnahmen spürbar positiv wahrnehmen.</p>
<h2><span class="title-bg">Abgabenlast und Energiepreise bereiten Sorgen</span></h2>
<p>Den größten Transformationsbedarf in ihrem Unternehmen sehen die Studienteilnehmer beim Einsatz von KI (28 Prozent) gefolgt von der IT-Sicherheit (22 Prozent) und der Anpassung des Geschäftsmodells (17 Prozent).</p>
<p>Die größten Zukunftssorgen bereiten die Steuer- und Abgabenlast (36 Prozent), die Energiepreise (35 Prozent), die Inflation/Kostensteigerung (32 Prozent), steigende Lohnkosten (29 Prozent) und der Fachkräftemangel (22 Prozent). Bei diesen Sorgen gibt es regionale Unterschiede. Die Befragten aus Brandenburg beunruhigt vor allem die Inflation, in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Sachsen-Anhalt und Sachsen treibt am meisten die Sorge vor der Steuer- und Abgabenlast um und bei den Teilnehmern aus Thüringen steht die Sorge vor hohen Energiepreisen an der Spitze.</p>
<div id="attachment_9770" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9770" class="magazin-schatten wp-image-9770" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Transformationsbarometer-Bild-3.jpg" alt="Die Steuer- und Abgabenlast und die Energiepreise sind an der Spitze der Zukunftssorgen der Befragten. Abbildung: Deutschland – Land der Ideen/Deutsche Kreditbank (DKB)" width="600" height="373"><p id="caption-attachment-9770" class="wp-caption-text">Die Steuer- und Abgabenlast sowie die Energiepreise bereiten die größten Zukunftssorgen. Abbildung: Deutschland – Land der Ideen/Deutsche Kreditbank (DKB)</p></div>
<p>Wie bei der <a href="https://ostdeutschland.info/skepsis-trotz-potenzial-owf-transformationsbarometer-2025-zur-stimmung-der-wirtschaft-in-ostdeutschland/" target="_blank" rel="noopener">Befragung 2025</a> wird an die Bundesregierung vor allem der Wunsch nach Bürokratieabbau gerichtet (66 Prozent). An zweiter Stelle der Wünsche steht das Senken der Energiepreise (54 Prozent). Auf Platz drei folgen Steuererleichterungen für Unternehmen (40 Prozent).</p>
<div id="attachment_9771" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9771" class="magazin-schatten wp-image-9771" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Tranformationsbarometer-Bild-4.jpg" alt="Der Bürokratieabbau und das Senken der Energiepreise liegen an der Spitze der Wunschliste, die die Teilnehmer an die Bundesregierung haben. Abbildung: Deutschland – Land der Ideen/Deutsche Kreditbank (DKB)" width="600" height="380"><p id="caption-attachment-9771" class="wp-caption-text">Der Bürokratieabbau und das Senken der Energiepreise stehen ganz oben auf der Wunschliste für die Bundesregierung. Abbildung: Deutschland – Land der Ideen/Deutsche Kreditbank (DKB)</p></div>
<p>Zu den Bereichen mit den größten Wirtschaftserwartungen in den ostdeutschen Bundesländern zählen Erneuerbare Energien und Speichertechnologien (28 Prozent) vor Mikroelektronik und Halbleiterindustrie (20 Prozent), Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (20 Prozent), Tourismus (16 Prozent) sowie Logistik und Infrastruktur.</p>
<p>Die Ergebnisse des OWF-Transformationsbarometers können <a href="https://app.civey.com/dashboards/owf-transformationsbarometer-26-25224?tab=general">hier</a> abgerufen werden.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/owf-transformationsbarometer-2026-ostdeutschlands-wirtschaft-zweifelt-trotz-chancen/">Umfrage: Wirtschaftliche Situation in Ostdeutschlands hat sich weiter verschlechtert</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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		<title>100 Tage Ostdeutsche Allgemeine Zeitung. Interview mit Geschäftsführer Dirk Jehmlich</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/100-tage-ostdeutsche-allgemeine-zeitung-interview-mit-geschaeftsfuehrer-dirk-jehmlich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 30 May 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9697</guid>

					<description><![CDATA[<p>Vor 100 Tagen, am 19. Februar 2026, ist die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (OAZ) online gegangen, einen Tag später erschien die erste Printausgabe. Im Interview zieht Geschäftsführer Dirk Jehmlich Bilanz.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9715" class="wp-image-9715" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/1779186154352_cut.jpg" alt="Dirk Jehmlich, Geschäftsführer der Ostdeutscher Verlag GmbH, wurde 1979 im brandenburgischen Altdöbern geboren. Abbildung: OAZ" width="450" height="626">Dirk Jehmlich, Geschäftsführer der Ostdeutscher Verlag GmbH, wurde 1979 im brandenburgischen Altdöbern geboren. Abbildung: OAZ<br />
ostdeutschland.info: Herr Jehmlich, vor 100 Tagen ist die erste Ausgabe der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung erschienen. Ein [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/100-tage-ostdeutsche-allgemeine-zeitung-interview-mit-geschaeftsfuehrer-dirk-jehmlich/">100 Tage Ostdeutsche Allgemeine Zeitung. Interview mit Geschäftsführer Dirk Jehmlich</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vor 100 Tagen, am 19. Februar 2026, ist die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (OAZ) online gegangen, einen Tag später erschien die erste Printausgabe. Im Interview zieht Geschäftsführer Dirk Jehmlich Bilanz.</p>
<p><span id="more-9697"></span></p>
<div id="attachment_9715" style="width: 460px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9715" class="wp-image-9715" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/1779186154352_cut.jpg" alt="Dirk Jehmlich, Geschäftsführer der Ostdeutscher Verlag GmbH, wurde 1979 im brandenburgischen Altdöbern geboren. Abbildung: OAZ" width="450" height="626"><p id="caption-attachment-9715" class="wp-caption-text">Dirk Jehmlich, Geschäftsführer der Ostdeutscher Verlag GmbH, wurde 1979 im brandenburgischen Altdöbern geboren. Abbildung: OAZ</p></div>
<h2><span class="title-bg">ostdeutschland.info: Herr Jehmlich, vor 100 Tagen ist die erste Ausgabe der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung erschienen. Ein Grund zum Feiern?</span></h2>
<p><strong>Dirk Jehmlich: </strong>Unbedingt. Die letzten 100 Tage waren sehr anstrengend, aber jede einzelne Stunde wert. Ganz persönlich muss ich sagen, dass ich lange nicht mehr das Gefühl hatte, etwas zu tun, das wirklich gesellschaftliche Relevanz hat. Auch wenn wir noch weit von unserem eigenen Anspruch entfernt sind, bin ich stolz darauf, was das gesamte Team in diesen 100 Tagen auf die Beine gestellt hat.</p>
<h2><span class="title-bg">Wie haben Sie die Aufnahme der OAZ wahrgenommen?</span></h2>
<p>Ein gewisser Anfangshype war zu erwarten. Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte, waren die vielen wirklich netten, dankbaren und anerkennenden Zuschriften sowie die zahlreichen Angebote, uns zu unterstützen, die wir von Beginn an erhalten haben. Daran hat man gemerkt, dass wir einen Nerv getroffen haben und der Launch der OAZ zum Zeitgeist passt.</p>
<p>Die Reaktionen anderer Medien auf den Start der OAZ erzählen dabei oft mehr über den Zustand unseres Mediendiskurses als über die OAZ selbst. Noch bevor die erste Ausgabe erschienen war, wussten viele etablierte Medien bereits ganz genau, was da kommt, und ordneten uns entsprechend gehässig ein. <a href="https://projekt-halle.berlinerverlag.com/100-tage-oaz-was-wir-aus-der-berichterstattung-ueber-uns-gelernt-haben/">Wir haben gerade unseren Pressespiegel veröffentlicht.</a> Diese Übersicht beantwortet die Frage eigentlich ganz gut.</p>
<h2><span class="title-bg">Eine martialische Wortmarke, eine Art Homestory bei Tino Chrupalla, große Ansprüche und generell viel Eigen-PR – zum Start gab es dafür auch manche Kritik …</span></h2>
<p>Ja, wir haben lange überlegt, ob wir die Schrift der FAZ übernehmen und die Idee mit der Himmelsrichtung von der Süddeutschen kopieren. Man würde doch sofort erkennen, auf wen wir abzielen ;-).</p>
<p>Der Schriftzug der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung ist letztlich ein Rorschachtest. Er sagt weniger darüber aus, wer die OAZ ist, sondern vielmehr darüber, wie der Betrachter selbst tickt. Chrupalla hat mich zunächst auch überrascht. Manche sehen darin eine Provokation – ich sehe darin eher eine Konfrontation mit unserer eigenen politischen Kultur. Es zeigt, dass wir teilweise oftmals weniger tolerant als unsere Verfassung sind. Ich möchte in einem Land leben, in dem Journalisten einen gewählten Bundespolitiker so behandeln dürfen wie jeden anderen Bundespolitiker auch – selbst wenn man seine Positionen nicht teilt.</p>
<p>Und ja: Gerade am Anfang braucht es auch große Ansprüche. Bei all der Kritik denke ich oft an die Zeile: „Vergiss die Spinner, die dich runterziehen. Weil sie selber nicht fliegen können.“ (Jan Delay)</p>
<div id="attachment_9704" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9704" class="wp-image-9704" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/20260219MW_96.jpg" alt="Die Erstausgabe der OAZ. Seit 100 Tagen gibt es das neue Medium in Print und Online. Abbildung: Markus Wächter, Berliner Zeitung" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-9704" class="wp-caption-text">Die Erstausgabe der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung. Seit 100 Tagen gibt es das neue Medium in Print und online. Abbildung: Markus Wächter, Berliner Zeitung</p></div>
<h2><span class="title-bg">Warum braucht es die OAZ?</span></h2>
<p>Dass es mehr als 36 Jahre nach der Wiedervereinigung noch immer keine überregionale Zeitung aus Ostdeutschland gab, war eigentlich verrückt. Bis heute wird der gesamtdeutsche Mediendiskurs stark durch drei Himmelsrichtungen geprägt – und bewertet nach einem westdeutschen Maßstab.</p>
<p>Die OAZ möchte ostdeutsche Perspektiven ganz selbstverständlich in den gesamtdeutschen Diskurs einbringen und Ostdeutschland als eine der zukunftsstärksten Regionen Europas erzählen. Zudem haben wir uns vorgenommen, wieder mehr Menschen aus ihren Social-Media-Gruppen zurück auf eine journalistische Plattform zu holen, um eine starke Debattenkultur zu fördern.</p>
<h2><span class="title-bg">Wer kauft die OAZ?</span></h2>
<p>Ganz genau kann ich das noch nicht sagen. Unsere erste Leserbefragung läuft gerade an. Aus den vielen Zuschriften und persönlichen Gesprächen würde ich aber schließen, dass unsere Leser überwiegend über 45 Jahre alt sind, sich selbst als kritisch beschreiben und bemängeln, dass viele Medien zu selten Klartext sprechen – insbesondere wenn es um Verantwortungslosigkeit, Machtmissbrauch oder ineffiziente Systeme geht. Natürlich hat ein großer Teil unserer Leser eine ostdeutsche Sozialisierung. Auffällig ist zudem, dass sich unter ihnen viele Unternehmer befinden, die täglich sehr direkt mit der Realität konfrontiert werden, ebenso viele kulturinteressierte Menschen und Leser, die sich lieber selbst eine Meinung bilden möchten.</p>
<div id="attachment_9706" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9706" class="wp-image-9706" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/20260219MW_46.jpg" alt="Die Erstausgabe der OAZ beim Andruck. Laut Jehmlich wird die Zeitung von vielen Unternehmern gelesen. Abbildung: Markus Wächter, Berliner Zeitung" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-9706" class="wp-caption-text">Die Erstausgabe der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung beim Andruck. Laut Dirk Jehmlich wird die Zeitung von vielen Unternehmern gelesen. Abbildung: Markus Wächter, Berliner Zeitung</p></div>
<h2><span class="title-bg">Gibt es regionale Unterschiede bei der Nachfrage?</span></h2>
<p>Erstaunlich wenig. Natürlich haben wir in Sachsen deutlich mehr Leser als in anderen Bundesländern. Trotzdem überrascht es uns, wie viele Leser aus allen Teilen Ostdeutschlands kommen.</p>
<p>Bei den Abonnenten fallen zudem viele westdeutsche Kunden auf. Wir gehen davon aus, dass es sich dabei häufig um Menschen mit ostdeutscher Sozialisierung handelt, die heute im Westen Deutschlands leben.</p>
<h2><span class="title-bg">Unter der Woche gibt es eine hohe Überschneidung mit Inhalten der Berliner Zeitung. Wird das auch künftig der Fall sein?</span></h2>
<p>In Zukunft wird man vermutlich eher feststellen, dass man auch in der Berliner Zeitung viele OAZ-Beiträge findet. Gleichzeitig werden wir darauf achten, dass die Berliner Zeitung unsere Hauptstadtzeitung bleibt.</p>
<p>Bei vielen Themen ergibt es allerdings wenig Sinn, Inhalte künstlich nur für die BLZ oder nur für die OAZ vorzuhalten. Gute Beiträge bleiben gute Beiträge – unabhängig davon, wo sie erscheinen.</p>
<h2><span class="title-bg">Die OAZ kann gut austeilen – gegen „Altparteien“, NGOs, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk oder vermeintliche Einschränkungen der Meinungsfreiheit. Bei Kritik an ihr wirkt sie dagegen mitunter empfindlich. Wie passt das zusammen?</span></h2>
<p>Ist das wirklich so? Diejenigen zu prüfen, die Verantwortung tragen, gehört zur zentralen Aufgabe von Medien. Wenn Institutionen ihrem Auftrag und ihren eigenen Versprechen nicht gerecht werden und dadurch das Vertrauen der Menschen enttäuschen, dann darf das nicht folgenlos bleiben. Das muss angesprochen werden.</p>
<p>Ich glaube allerdings, dass wir als OAZ auf Kritik nur sehr selten reagieren. Lediglich auf eine aus unserer Sicht diffamierende <a href="https://projekt-halle.berlinerverlag.com/warum-wir-gegen-volksverpetzer-juristisch-vorgehen/" target="_blank" rel="noopener">Berichterstattung durch den Volksverpetzer</a> mussten wir reagieren. Aber „austeilen“ würde ich das nicht nennen. Jeder verantwortungsvolle Geschäftsführer würde sich genauso verhalten.</p>
<div id="attachment_9705" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9705" class="wp-image-9705" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/MW_20260219_404.jpg" alt="OAZ Gründer und Herausgeber Holger Friedrich mit Ehefrau Silke Friedrich. Abbildung: Markus Wächter, Berliner Zeitung" width="600" height="430"><p id="caption-attachment-9705" class="wp-caption-text">OAZ-Gründer und -Herausgeber Holger Friedrich mit Ehefrau Silke Friedrich. Abbildung: Markus Wächter, Berliner Zeitung</p></div>
<h2><span class="title-bg">In der OAZ ist das BSW recht präsent und es kommen Stimmen von rechts zu Wort – etwa Ulrich Siegmund, Götz Kubitschek oder Susanne Dagen. Bezweckt die OAZ eine Normalisierung der politischen Ränder?</span></h2>
<p>Für uns gibt es nur eine Brandmauer – und die verläuft zwischen Demokraten und Extremisten. Egal ob links, rechts, oben oder unten: Solange sich jemand zur Demokratie bekennt, gehört er zum pluralistischen Blumenstrauß unserer Gesellschaft. Und Menschen auszugrenzen, die am Rand stehen, fand ich schon auf dem Schulhof falsch. Einfalt hat sich noch nie ausgezahlt. Dann lieber Positionen anhören und sich mit ihnen auseinandersetzen, auch wenn man sie nicht teilt. Nur so weiß man am Ende, warum man für oder gegen etwas ist – statt bloß Meinungen nachzuquatschen.</p>
<h2><span class="title-bg">Wie würden Sie die Blattlinie der OAZ beschreiben?</span></h2>
<p>Blattlinie bedeutet für uns: keine Lager, keine Ideologien, keine Moralisierung. Ostdeutschland optimistisch. Staatstreu, aber regierungskritisch. These gegen Antithese – die Synthese entsteht im Kopf der Leser.</p>
<p>Eigentlich sind das alles Selbstverständlichkeiten journalistischer Arbeit. Heute wirkt das fast schon ungewöhnlich. Wer vor 80 Jahren eine Zeitung gegründet hat, tat das bewusst aus einem politischen Lager heraus – das gehörte damals dazu. Wer heute ein Medium gründet, interessiert sich dagegen oft weniger für publizistische Grundsätze als für Aufmerksamkeit, Reichweite und algorithmische Dynamiken.</p>
<p>Dass wir ausgerechnet im Zeitalter der Aufmerksamkeitsökonomie den Anspruch haben, ein ernsthaft journalistisches Medium aufzubauen, ist aus meiner Sicht der eigentlich interessante Punkt unserer Linie.</p>
<h2><span class="title-bg">Ursprünglich war von 14 Redaktionen in Ostdeutschland die Rede. Vorerst bleibt es aber beim Hauptstandort Dresden?</span></h2>
<p>Heute sind wir in Dresden, Berlin und Schwerin vertreten. Bis Ende des Jahres wäre es großartig, wenn wir in allen ostdeutschen Bundesländern eigene Regionalredaktionen eröffnet hätten. Ob es irgendwann einmal 14 Redaktionen werden, kann ich heute noch nicht sagen. Entscheidend ist für uns, dort präsent zu sein, wo lokale Geschichten entstehen, um sie überregional erzählen zu können. Denn am Ende hat jede große nationale oder globale Geschichte einmal lokal begonnen.</p>
<h2><span class="title-bg">Wie viele Mitarbeitende hat die OAZ derzeit – und wie viele sollen es perspektivisch werden?</span></h2>
<p>Aktuell sind es zwischen 25 und 100 – je nachdem, wie man zählt. Wir bauen derzeit gemeinsam mit dem Berliner Verlag eine hybride Struktur auf, um agiler handeln zu können. Hinzu kommen zahlreiche freie Autoren.</p>
<p>Ich wäre allerdings kein guter Geschäftsführer, wenn ich unseren Erfolg an der Größe der Belegschaft messen würde. Unser Ziel ist Qualität in ausreichender Quantität – und eine&nbsp; Arbeitsbelastung, bei der die Menschen trotzdem Lust haben, morgens in die Redaktion zu kommen. Das allein ist schon ein ambitioniertes Ziel.</p>
<h2><span class="title-bg">Wie kamen Sie zur OAZ und was haben Sie zuvor gemacht?</span></h2>
<p>In den vergangenen 20 Jahren habe ich als Strategie- und Innovationsberater überwiegend große Unternehmen dabei unterstützt, neue Wachstumschancen zu erschließen. Vor einigen Jahren haben wir unsere Beratung erfolgreich verkauft. Seitdem habe ich große Freude daran, gemeinsam mit Unternehmern strategische Überraschungen auf die Straße zu bringen. Holger Friedrich kenne ich bereits seit über 15 Jahren. Als ich hörte, was er mit der OAZ vorhat, war für mich sofort klar: Da möchte ich unbedingt dabei sein. Ein Medienprojekt mit politischer Agenda fände ich persönlich furchtbar reizlos. Ebenso ein Medium, das Aufmerksamkeit ausschließlich über Empörung kapitalisiert. Aber an einem Leitmedium mitzuwirken, das dazu beiträgt, aus Ostdeutschland eine Erfolgsgeschichte zu machen – dafür investiere ich gern meine Lebenszeit.</p>
<h2><span class="title-bg">Gründungs-Chefredakteur Dorian Baganz hat die OAZ bereits nach wenigen Wochen verlassen. Auch bekannte Journalistinnen wie Anja Reich-Osang oder Wiebke Hollersen sind aus dem Schwesterblatt Berliner Zeitung ausgeschieden …</span></h2>
<p>… und gleichzeitig sind in dieser Zeit deutlich mehr Menschen zu uns gekommen. Dorians Weggang habe ich persönlich bedauert. Anja Reich-Osang und Wiebke Hollersen kenne ich nicht persönlich – allerdings waren beide meines Wissens deutlich länger als drei Wochen dabei.</p>
<p>Menschen verlassen Unternehmen nun einmal irgendwann. Die Frage ist selten ob, sondern eher wann. Als bei uns in der Beratung Mitarbeitende nach drei Monaten, drei Jahren oder 18 Jahren gegangen sind, wurde darüber allerdings nicht berichtet. Die Medienwelt liebt solche Geschichten naturgemäß besonders.</p>
<h2><span class="title-bg">Die Ostdeutsche Medienholding gilt als sehr profitabel. Wie wurde der Start der OAZ finanziert – und wann sollen schwarze Zahlen geschrieben werden?</span></h2>
<p>Wenn Gesellschafter eines profitablen Verlags über mehrere Jahre hinweg keine Gewinne entnehmen, entsteht irgendwann eine solide Kriegskasse – ganz ohne Sondervermögen. Tatsächlich brauchen wir diesen Puffer inzwischen nicht mehr, denn die OAZ arbeitet bereits profitabel.</p>
<p>So einen finanziellen Rückhalt zu haben, bedeutet für uns vor allem eines: vollständige publizistische Unabhängigkeit. Gleichzeitig gibt er uns die Möglichkeit, gezielt mit Anzeigenkunden zusammenzuarbeiten, die wirklich zur Region stehen und einen echten Beitrag leisten wollen. Ich empfinde diesen Freiraum als großes Privileg und als Inspiration weiter zu denken.</p>
<h2><span class="title-bg">Rund um eine Zeitungsmarke lassen sich heute viele Formate entwickeln – Events, Podcasts, Merchandising oder sogar Fernsehen. Welche Pläne verfolgen Sie?</span></h2>
<p>Die Welt ist voller Gelegenheiten. Wir werden aktuell von vielen Menschen angesprochen und probieren deshalb neue Ideen recht leichtfüßig aus. Dann schauen wir, ob sie echten Mehrwert für unsere Kunden schaffen und sich nachhaltig etablieren lassen. So vermeiden wir lange Planungsprozesse und lernen lieber direkt im Markt. Derzeit konzentrieren wir uns allerdings ganz klar auf Zeitung, Website und E-Paper. Ich glaube nicht, dass großes Wachstum noch durch neue Kanäle, Formate oder noch mehr Inhalte entsteht. Die Aufmerksamkeitsökonomie, neue Technologien und veränderte Konsumgewohnheiten schaffen gerade einen völlig neuen Markt mit neuen Spielregeln. Darum geht es uns langfristig. Um neue Märkte.</p>
<h2><span class="title-bg">Was ist die nächste große Zielmarke für die OAZ?</span></h2>
<p>Aus allen sechs ostdeutschen Bundesländern zu berichten, unsere publizistischen Leitlinien konsequent einzulösen und mit der OAZ einen Debattenraum zu schaffen, der so weit ist wie unsere Verfassung. Denn wo Worte enden, beginnt die Gewalt.</p>
<h2><span class="title-bg">Vielen Dank.</span></h2>
<p><em>Die Fragen stellte Robert Nehring.</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/100-tage-ostdeutsche-allgemeine-zeitung-interview-mit-geschaeftsfuehrer-dirk-jehmlich/">100 Tage Ostdeutsche Allgemeine Zeitung. Interview mit Geschäftsführer Dirk Jehmlich</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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		<title>Wirtschaft und Markt #3: Der Aufholprozess ist in Gefahr</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/wirtschaft-und-markt-3-der-aufholprozess-ist-in-gefahr/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 May 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft+Markt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9679</guid>

					<description><![CDATA[<p>Im dritten Teil seiner Wirtschaftskolumne beschäftigt sich Frank Nehring mit dem Wettbewerbsreport Ostdeutschland 2026. Dieser offenbart einen an Dynamik verlierenden Aufholprozess.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8705" class="wp-image-8705" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/01/FN-OWF23-Foto-Bernd-Brundert.jpg" alt="Frank Nehring, langjähriger Herausgeber von Wirtschaft+Markt und Gründer des Ostdeutschen Wirtschaftsforums OWF. Abbildung: Bernd Brundert" width="600" height="400">Frank Nehring, langjähriger Herausgeber von Wirtschaft+Markt und Gründer des Ostdeutschen Wirtschaftsforums OWF. Abbildung: Bernd Brundert<br />
„Im Jahr 2025 lag das BIP je Erwerbstätigen in den ostdeutschen Flächenländern bei rund 85 Prozent des westdeutschen Durchschnitts – vor zehn Jahren waren [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/wirtschaft-und-markt-3-der-aufholprozess-ist-in-gefahr/">Wirtschaft und Markt #3: Der Aufholprozess ist in Gefahr</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im dritten Teil seiner Wirtschaftskolumne beschäftigt sich Frank Nehring mit dem Wettbewerbsreport Ostdeutschland 2026. Dieser offenbart einen an Dynamik verlierenden Aufholprozess.</p>
<p><span id="more-9679"></span></p>
<div id="attachment_8705" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8705" class="wp-image-8705" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/01/FN-OWF23-Foto-Bernd-Brundert.jpg" alt="Frank Nehring, langjähriger Herausgeber von Wirtschaft+Markt und Gründer des Ostdeutschen Wirtschaftsforums OWF. Abbildung: Bernd Brundert" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-8705" class="wp-caption-text">Frank Nehring, langjähriger Herausgeber von Wirtschaft+Markt und Gründer des Ostdeutschen Wirtschaftsforums OWF. Abbildung: Bernd Brundert</p></div>
<p>„Im Jahr 2025 lag das BIP je Erwerbstätigen in den ostdeutschen Flächenländern bei rund 85 Prozent des westdeutschen Durchschnitts – vor zehn Jahren waren es erst 78 Prozent, 1991 lediglich 34,5 Prozent.“ (WBR, S. 11)</p>
<p>Ostdeutschland hat wirtschaftlich erheblich aufgeholt. Doch der <a href="https://ostdeutschland.info/saarower-kreis/">Wettbewerbsreport Ostdeutschland 2026</a> (WBR), der am 1. Juni 2026 beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum vorgestellt wird, zeigt zugleich: Der Aufholprozess verliert an Dynamik.</p>
<p>Joachim Ragnitz, Mitherausgeber des Reports, warnt: „Der Aufholprozess Ostdeutschlands kommt nur noch langsam voran. Es braucht deshalb eine realistische und kritische Bewertung sowie konsequente Aktivitäten aus Politik und Wirtschaft.“</p>
<p>Es geht nicht um Optimismus oder Pessimismus, sondern um Wettbewerbsfähigkeit. Weder Beschönigungen noch Schwarzmalerei helfen weiter. Entscheidend sind wirtschaftspolitische Klarheit, Investitionen und strukturelle Reformen.</p>
<p>Der Report macht deutlich: Die wirtschaftliche Entwicklung Ostdeutschlands bleibt eine Erfolgsgeschichte, aber zugleich bestehen zentrale strukturelle Defizite fort. Insbesondere bei Investitionen, Innovation, Humankapital und Vermögensbildung liegt Ostdeutschland weiterhin hinter dem Westen zurück. Hinzu kommen demografischer Druck, schwache Unternehmensinvestitionen sowie Defizite bei technologischer Entwicklung und Produktivität.</p>
<p>35 Jahre nach der deutschen Einheit ist eine pauschale Benachteiligungsdebatte zwar nicht mehr zielführend. Die Unterschiede zwischen Ost und West bestehen jedoch weiterhin, allerdings differenzierter und strukturell relevant. Deshalb braucht Ostdeutschland mehr als allgemeine Standortpolitik. Gefragt sind gezielte Impulse für Innovation, industrielle Stärke, Bildung und Kapitalbildung.</p>
<p>Der Anspruch darf nicht länger nur darin bestehen aufzuholen. Ostdeutschland muss sich als Zukunftsregion behaupten – mit Wettbewerbsfähigkeit, Investitionskraft und technologischer Stärke. Der Wettbewerbsreport Ostdeutschland 2026 liefert dafür eine wichtige Grundlage: als nüchterne Analyse und Impuls für eine neue wirtschaftspolitische Debatte über Chancen, Wachstum und die Zukunftsfähigkeit Ostdeutschlands.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/wirtschaft-und-markt-3-der-aufholprozess-ist-in-gefahr/">Wirtschaft und Markt #3: Der Aufholprozess ist in Gefahr</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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