Ostdeutsche sind in einigen Bereichen nun stärker in der Führung vertreten als zuvor – im Ganzen bleiben sie in den Eliten jedoch eklatant unterrepräsentiert. Das zeigt der aktuelle Elitenmonitor. Ein Teil von ihm ist im jüngst veröffentlichten Bericht der Ostbeauftragten erschienen.

Die Zahl ostdeutscher Führungskräfte in den obersten Bundesbehörden ist inklusive Geburtsort Berlin von 13,9 Prozent in 2022 auf nun 16,3 Prozent gestiegen. Abbildung: Depositphotos, pressmaster
Das Verbundforschungsvorhaben der Universitäten Leipzig und Jena sowie der Hochschule Zittau/Görlitz untersucht, wie sich die Präsenz Ostdeutscher in Spitzenpositionen entwickelt. Der Elitenmonitor verbindet die Analyse von rund 5.000 Elitebiografien mit qualitativen Interviews. Die Forschung untersucht, wie Karrierewege in Spitzenpositionen verlaufen und welche Faktoren in den verschiedenen Karrierephasen besonders relevant sind.
Dem aktuellen Elitenmonitor zufolge liegt der Anteil ostdeutscher Führungskräfte insgesamt bei 12,1 Prozent, genau wie schon 2024. Dieser Wert habe noch nie über zwölf Prozent gelegen. Der Bevölkerungsanteil Ostdeutscher wird im Monitor auf circa 19 Prozent geschätzt. Besonders in den Bereichen Wirtschaft und Militär gebe es kaum ostdeutsches Spitzenpersonal. Stark unterrepräsentiert seien Ostdeutsche auch in Leitungsfunktionen der Justiz, den Medien und dem Kulturbereich. Etwas besser sehe es in der Verwaltung und in der Wissenschaft aus.
Ungleichgewicht bei Hochschulzugangsberechtigung
Die Studienergebnisse zeigen, dass frühe Bildungsentscheidungen für die späteren Aufstiegsmöglichkeiten relevant sein können. Im Jahr 2024 lag der Anteil der Schulabgänger mit Hochschulzugangsberechtigung in Ostdeutschland bei 39,5 Prozent, in Westdeutschland bei 47,7 Prozent. Von denjenigen mit Hochschulzugangsberechtigung nahmen 2020 in Ostdeutschland 74,3 Prozent ein Studium auf, in Westdeutschland waren es 80,2 Prozent. Laut Elitenmonitor ist ein Studium faktisch ein Eintrittsticket für den späteren Aufstieg in höchste Entscheidungspositionen.
Ein wichtiger Punkt auf dem Weg zur Führungskraft ist das erfolgreiche Meistern kritischer Karrierephasen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, aktives Interesse für verantwortliche Aufgaben zu zeigen. Die Ergebnisse der Forscher zeigen, dass es den Ostdeutschen an Karrierevorbildern im familiären oder persönlichen Umfeld mangelt. Ihr Wissen über Aufstiegschancen beschränkt sich auf öffentlich zugängliche Quellen. Die Interviews des Elitemonitors zeigen, dass das direkte Ansprechen, Vorschlagen oder Geholt-Werden für den Erhalt einer Eliteposition ausschlaggebend ist. Ostdeutschen fehlt durch bis heute beeinflussende Transformationsbrüche oft der wichtige Zugang zu Netzwerken. Dieser muss den Ergebnissen zufolge aktiver verfolgt werden.
Mehr ostdeutsche Führungskräfte in obersten Bundesbehörden
Angesichts des geringen Anteils Ostdeutscher in Führungspositionen der Bundesverwaltung hat die Bundesregierung im Jahr 2023 ein Konzept zur Steigerung dieses Anteils beschlossen. Dieser Beschluss wird von der aktuellen Bundesregierung fortgeführt. Das Bundeskonzept ist eine Ergänzung zum Elitenmonitor. Jedes Jahr werden Daten erhoben, die Erkenntnisse über die Wirksamkeit des Konzepts liefern sollen. Für die Untersuchung im Jahr 2026 wurden die Daten von 15.613 Führungskräften ausgewertet.
Die Zahl der untersuchten Führungskräfte in den obersten Bundesbehörden, die ihren Geburtsort in Ostdeutschland (mit Berlin) haben, ist seit 2022 kontinuierlich gestiegen. 2023 lag ihr Anteil bei 13,9 Prozent. 2026 beträgt er 16,3 Prozent. Der Anteil Ostdeutscher an der Gesamtbevölkerung liegt bei etwa 20 Prozent. Auch die Zahl der Beschäftigten mit Geburtsort in Ostdeutschland ohne Berlin ist gestiegen. 2022 betrug ihr Anteil 7,5 Prozent an den Führungskräften, 2026 sind es 8,9 Prozent. Bei den Referatsleitungen mit Geburtsort in Ostdeutschland einschließlich Berlin gab es eine Steigerung von 15,1 Prozent (2022) auf 17,6 Prozent (2026). Auch die Referatsleitungen von Menschen mit Geburtsort in Ostdeutschland ohne Berlin nahm von 8,2 Prozent (2022) auf 9,3 Prozent zu.
Parallel zu diesem Anstieg liegt der Anteil der Führungskräfte mit Geburtsort in Westdeutschland ohne Berlin bei 80 Prozent (2022 waren es 83,5 Prozent). Auch wenn die Anzahl der Führungskräfte mit diesem geografischen Hintergrund abnimmt, bleibt der Anteil der Führungskräfte mit westdeutschem Geburtsort ohne Berlin sehr hoch.
Anzahl der Richter mit ostdeutschem Geburtsort gestiegen
Die Anzahl der Ostdeutschen (mit Berlin) in den oberen Bundesbehörden ist kontinuierlich angestiegen. Lag die Zahl 2022 noch bei 11,3 Prozent, so verbesserte sie sich seitdem auf 13,4 Prozent. Somit kommen im Jahr 2026 erstmals mehr als 100 Führungskräfte dieser Institutionen aus Ostdeutschland. Der bemerkenswerteste Zuwachs ist bei den Abteilungsleitungen der oberen Bundesbehörden zu verzeichnen. 2022 lag die Quote bei 13 Prozent und ist seitdem um 3,3 Prozentpunkte auf 15,3 Prozent gestiegen.

Der Anteil ostdeutscher Richter (inklusive Geburtsort Berlin) an den obersten Bundesgerichten kletterte zwischen 2022 und 2026 von 7,1 Prozent auf 10,6 Prozent. Abbildung: Depositphotos, Vitali Radko
Auch in der Berufsbranche der Richter ist ein Zuwachs bei Führungspersonen mit Geburtsort in Ostdeutschland zu verzeichnen. So stieg der Anteil der in Ostdeutschland (mit Berlin) geborenen Richterinnen und Richter bei den obersten Bundesgerichten von 7,1 Prozent auf 10,6 Prozent. Bei ostdeutschen Richterinnen und Richtern ohne Geburtsort Berlin stieg der Anteil der Führungspersonen von 5,1 Prozent auf 8,8 Prozent.
Zusammenfassend lässt sich aus den Zahlen ableiten, dass Ostdeutsche in Führungspositionen unterrepräsentiert sind, gemessen an ihrem Anteil an der Bevölkerung. Ein positiver Trend ist jedoch erkennbar. Die nächste Erhebung zu Führungskräften ist dem Bericht zufolge für den 30. Juni 2027 geplant.




























