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Im Osten nichts Neues #9: Partisanen, kommt, nehmt mich mit euch

Aus kon­kre­tem Anlass rich­tet Dani­el Heid­rich sei­nen Blick dies­mal auf die Unter­schie­de zwi­schen Ost- und West­deut­schen in Bezug auf Wehr­pflicht, Pazi­fis­mus und das Ver­hält­nis zu Russland.

Daniel Heidrich wurde 1975 in Berlin-Köpenick geboren. Er ist ein erfolgreicher und meinungsstarker ostdeutscher Unternehmer. ebk-gruppe.com

Dani­el Heid­rich wur­de 1975 in Ber­lin-Köpe­nick gebo­ren. Er ist ein erfolg­rei­cher und mei­nungs­star­ker ost­deut­scher Unter­neh­mer. ebk-gruppe.com

„Ich hab geträumt, der Krieg wär vor­bei. Du warst hier und wir waren frei. Und die Mor­gen­son­ne schien. Alle Türen war‘n offen, die Gefäng­nis­se leer. Es gab kei­ne Waf­fen und kei­ne Krie­ge mehr. Das war das Para­dies! Der Traum ist aus!“ (Ralph Möbi­us ali­as Rio Rei­ser, Ton Stei­ne Scher­ben: Der Traum ist aus).

Jetzt ste­he ich hier am 6. Febru­ar 2026 in einer Uni­form, die einst die mei­ner Fein­de war, und spre­che es laut und für alle hör­bar aus: Ich gelo­be; der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land; treu zu die­nen; und das Recht; und die Frei­heit des deut­schen Vol­kes; tap­fer zu verteidigen!

Das Pathos des Moments hat mich gepackt, und ich muss­te an den lan­gen Weg bis zu die­sem Punkt den­ken. Mein Vater und mein Schwie­ger­va­ter waren einst Sol­da­ten der NVA. Zur Wen­de war ich 14, und dann kam der Tag, als mein Vater in einer Bun­des­wehr­uni­form vor mir stand: „Schau mal, Dani­el, ich bin jetzt mein eige­ner Feind.“ Wir ehe­ma­li­gen DDR-Bür­ger sind in einem der mili­ta­ris­tischs­ten Län­der Mit­tel­eu­ro­pas auf­ge­wach­sen. Es ist für den West­deut­schen schwer, sich vor­zu­stel­len, wie dicht wir an Preu­ßens Tra­di­ti­on der mili­tä­ri­schen Hier­ar­chie und der Gewalt­be­reit­schaft des Drit­ten Rei­ches waren. Ab der ers­ten Klas­se wur­de mit uns „For­mal­dienst“ geübt. Zu jedem Schul­tag fol­gen­de Mel­dung: Alle Kin­der ste­hen auf, der Mel­der (ana­log Zug­füh­rer) nimmt Hal­tung an und hebt die Hand zum Pio­nier­gruß über den Kopf: „Frau Mus­ter­mann, ich mel­de, Klas­se 2a ist zum Unter­richt bereit.“ Die Leh­re­rin ant­wor­tet: „Für Frie­den und Sozia­lis­mus seid bereit!“ Alle ant­wor­ten gemein­sam: „Immer bereit.“ Jeden ver­damm­ten Mor­gen. Es wur­de stän­dig über den Frie­den und den kapi­ta­lis­ti­schen Aggres­sor gefa­selt, und doch waren es wir, die sich per­ma­nent auf den Krieg vor­be­rei­te­ten. Es gab Quo­ten für Offi­ziers­an­wär­ter, wel­che die Schu­len zu erfül­len hat­ten. Appel­le, Antre­ten in Klas­sen­stär­ke. Ab zwölf Kin­der in Drei­er-Rot­ten. In der ach­ten Klas­se hat­te ich im Sport die Dis­zi­plin Hand­gra­na­ten­weit­wurf. Es gab Wehr­sport­la­ger für die FDJ. Alles für den Frie­den, den Sozia­lis­mus und die Frei­heit des „ost­deut­schen“ Vol­kes. Die NVA war mit Sicher­heit eine der kampf­kräf­tigs­ten Armeen Kon­ti­nen­tal­eu­ro­pas. Eine Ernied­ri­gungs­ma­schi­ne, ana­log zur preu­ßi­schen Tra­di­ti­on. Als mein Vater Offi­zier wur­de, stand er in Rei­ter­ho­se, Offi­ziers­dolch und Stie­feln mit knie­ho­hem Leder­schaft vor mir. Er sah aus wie ein Wehr­machts­of­fi­zier. Es war die glei­che Uni­form. Mein Gott, selbst die Schul­ter­stü­cke waren eins zu eins. Die DDR war kein Frie­dens­staat. Sie war ein preu­ßi­sches Abbild des Sol­da­ti­schen. Nur, dass wir stän­dig „Klei­ne wei­ße Frie­dens­tau­be“ san­gen. Und den­noch pas­sier­te 1989 ein Wun­der. Die Natio­na­le Volks­ar­mee wei­ger­te sich, auf die eige­nen Leu­te zu schie­ßen. Die NVA putsch­te sich im Zuge der Unge­wiss­heit nicht an die Macht. Sie ist die ein­zi­ge Armee der Welt, die sich ohne Krieg auf­lös­te. Ein­fach so. Ich zol­le allen NVA-Offi­zie­ren dafür mei­nen Respekt. Tau­sen­de ande­re Män­ner in der Geschich­te ent­schie­den sich an die­sem Punkt anders. Die Macht war zum Grei­fen nah. Ohne es zu wol­len, griff hier ein Prin­zip der Bun­des­wehr: Die Inne­re Füh­rung. Der mora­li­sche Antrieb eines Mas­sen­hee­res, wie Clau­se­witz es einst beschrieb.

Nun bin ich also ein deut­scher Sol­dat und erhal­te dafür mehr Zuspruch aus dem Wes­ten als aus dem Osten. Ich habe hier für mich die Erklä­rung, dass sich auch in die­ser Fra­ge bei­de Tei­le Deutsch­lands immer noch unterscheiden.

Im Osten exis­tie­ren vor­wie­gend zwei For­men des Pazi­fis­mus. Die einen Pazi­fis­ten leh­nen das Sol­da­ti­sche, die Gewalt­be­reit­schaft und die Uni­for­mi­tät von gan­zem Her­zen ab. Häu­fig selbst Wehr­dienst­leis­ten­de der NVA gewe­sen und geheilt von all­dem. „Kei­ne zehn Pfer­de bekom­men mich je wie­der dahin“ (Zitat aus einem per­sön­li­chen Gespräch). Sie sind aus emo­tio­na­len Grün­den Pazi­fis­ten. Sie wis­sen, dass sie blank sind in der Argu­men­ta­ti­on, wenn es um Russ­lands Aggres­sio­nen geht. Sie haben kei­ne Argu­men­te, außer, dass es wün­schens­wert wäre, wenn es all das nicht gäbe. Und sie geben es zu. Ich ach­te das und hal­te es für gesell­schaft­lich wichtig.

Dann begeg­nen mir die „Oppo­si­ti­ons­pa­zi­fis­ten“. Sie ver­wech­seln Russ­land mit der Sowjet­uni­on. Sie sind häu­fig anti­ame­ri­ka­nisch. Sie sehen vor allem im west­li­chen Impe­ria­lis­mus eine Bedro­hung. Gelernt ist gelernt. Im Osten Deutsch­lands fühlt man sich daher etwas weni­ger bedroht von Russ­land als im Wes­ten. Para­do­xer­wei­se sieht man das wei­ter im Osten, von Polen über Finn­land bis zur Ukrai­ne, völ­lig anders. Ost­deutsch­land ist hier mal wie­der ein his­to­ri­sches Para­do­xon. Die­se Hal­tung ist rein bio­gra­fisch und nichts wei­ter als eine per­sön­li­che Abwehr­hal­tung gegen was auch immer. Es ist auch der Grund für die wir­re AfD-Hal­tung zu die­sem The­ma, wel­che null Kon­sis­tenz hat.

Aus dem „Wes­ten“, so scheint mir, kommt dage­gen der meis­tens lin­ke, poli­ti­sche Pazi­fis­mus. Er begeg­net mir häu­fig in den Medi­en. Er ist meist wohl­stands­ver­wahr­lost, manch­mal femi­nis­tisch, häu­fig anti­ka­pi­ta­lis­tisch. Er kommt intel­lek­tu­ell daher und schreibt Bücher wie das des klei­nen Ole Nymoen: „War­um ich nie­mals für mein Land kämp­fen wür­de“. Er lehnt die Men­schen ab, die nicht gebil­det sind. Men­schen, für die es kei­ne Opti­on gibt zu flie­hen, weil sie es sich nicht leis­ten kön­nen. Die­se Pazi­fis­ten möch­ten links sein und sind den­noch nicht auf der Sei­te der Schwa­chen. Ich ver­ach­te das von gan­zem Herzen.

Es waren lin­ke Iko­nen, wel­che in Spa­ni­en mit der Waf­fe in der Hand gegen den rech­ten Ter­ror an der Sei­te der Schwa­chen stan­den. Und da ich kein ein­zi­ges deut­sches Marsch­lied kann, sang ich bei der Bun­des­wehr ein­fach deren Lie­der. „Spa­ni­ens Him­mel“ und „Bel­la Ciao“. So, wie ich es in der DDR gelernt hat­te. Mei­ne Kame­ra­den hör­ten mir zu, lächel­ten und summ­ten mit. „Par­ti­sa­nen, kommt, nehmt mich mit euch.“

Auf einem ehe­ma­li­gen Trup­pen­übungs­platz der NVA trai­nier­ten wir, die Demo­kra­tie zu ver­tei­di­gen. Sei­te an Sei­te mit mei­nen Kame­ra­den aus ganz Deutsch­land. Ost und West. Call on me. Mei­ne Wen­de ist hier­mit voll­endet. Der Traum ist aus, etwas Neu­es beginnt! Das ist … im Osten nichts Neues!

 

„Im Osten nichts Neu­es“ von Dani­el Heid­rich: alle Kolum­nen auf einen Blick.

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