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Walter Gropius: Der Mann hinter dem Bauhaus

In die­sem Jahr wer­den 100 Jah­re Bau­haus­ge­bäu­de in Des­sau gefei­ert. Nie­mand war so eng mit dem Bau­haus ver­bun­den wie Wal­ter Gro­pi­us. Er grün­de­te die berühm­te Kunst- und Design­schu­le aller­dings schon 1919 in Wei­mar. Wir wid­men Gro­pi­us und dem Bau­haus ein Porträt.

Walter Gropius im Jahr 1928. Er prägte das Bauhaus als Gründer entscheidend. Walter Gropius im Jahr 1928. Er prägte das Bauhaus als Gründer entscheidend. Abbildung: Hugo Erfurth, Wikimedia Commons

Wal­ter Gro­pi­us im Jahr 1928. Er präg­te das Bau­haus als Grün­der und Archi­tekt ent­schei­dend. Abbil­dung: Hugo Erfurth, Wiki­me­dia Commons

Wal­ter Gro­pi­us wur­de 1883 in Ber­lin gebo­ren. Nach sei­ner Schul­zeit begann er 1903 ein Archi­tek­tur­stu­di­um an der Tech­ni­schen Hoch­schu­le Mün­chen. Ab 1906 setz­te er sein Stu­di­um an der Tech­ni­schen Hoch­schu­le Ber­lin fort, brach es jedoch 1908 ab. Im sel­ben Jahr trat er in das Büro des Archi­tek­ten Peter Beh­rens ein. Dort wur­de er mit der Bau­lei­tung ver­schie­de­ner Pro­jek­te betraut, dar­un­ter der für das Haus Cuno in Hagen. 1910 mach­te sich Gro­pi­us als Archi­tekt und Indus­trie­de­si­gner selbst­stän­dig. Sei­ne ers­te bedeu­ten­de Arbeit ist das 1911 gemein­sam mit sei­nem Mit­ar­bei­ter Adolf Mey­er ent­wor­fe­ne Fagus-Werk in Alfeld.

Das Fagus-Werk in Alfeld an der Leine. Es ist die erste bedeutende Arbeit von Walter Gropius und wurde 1911 von ihm und seinem Mitarbeiter Adolf Meyer entworfen. Abbildung: Barbara Arand, Wikimedia Commons

Das Fagus-Werk in Alfeld an der Lei­ne. Es ist die ers­te bedeu­ten­de Arbeit von Wal­ter Gro­pi­us. Das Werk wur­de 1911 von ihm und sei­nem Mit­ar­bei­ter Adolf Mey­er ent­wor­fen. Abbil­dung: Bar­ba­ra Arand, Wiki­me­dia Commons

Ein ent­schei­den­der Wen­de­punkt in sei­ner Lauf­bahn folg­te im Jahr 1919: Auf Emp­feh­lung des bel­gi­schen Archi­tek­ten und Desi­gners Hen­ry van de Vel­de kam Gro­pi­us nach Wei­mar, um des­sen Stel­le als Direk­tor der Groß­her­zog­lich-Säch­si­schen Hoch­schu­le für bil­den­de Kunst zu übernehmen.

Gro­pi­us benann­te die Ein­rich­tung in „Staat­li­ches Bau­haus in Wei­mar“ um und eta­blier­te eine neue Kunst­schu­le. Im Vor­der­grund stand die Idee der Zusam­men­füh­rung von Kunst und Hand­werk. Die Kunst soll­te von der Indus­tria­li­sie­rung unab­hän­gig sein und das Kunst­hand­werk reak­ti­viert wer­den. So ent­stand eine Alter­na­ti­ve zur Ästhe­tik des His­to­ris­mus. Zum Leit­bild des Bau­hau­ses gehör­te auch, die Archi­tek­tur mit ande­ren Küns­ten zu verknüpfen.

In den fol­gen­den Jah­ren gewan­nen in Thü­rin­gen poli­tisch rechts­ge­rich­te­te Kräf­te an Ein­fluss. Dadurch ver­schlech­ter­te sich das Ver­hält­nis zwi­schen dem Bau­haus und sei­nen Unter­stüt­zern, zu denen unter ande­rem die bekann­ten Maler Was­si­ly Kan­din­sky und Paul Klee gehör­ten. Der wach­sen­de poli­ti­sche Druck führ­te schließ­lich zur Auf­lö­sung der Schu­le am 26. Dezem­ber 1924. Es folg­te der Bau­haus-Umzug nach Des­sau im Jahr 1925.

Umzug und erneute Schließung

Die­ser Schritt wur­de vor allem durch das Enga­ge­ment des dama­li­gen Des­sau­er Bür­ger­meis­ters Fritz Hes­se mög­lich. Er über­zeug­te die Lokal­po­li­ti­ker von der Idee, das Bau­haus nach Des­sau zu holen, und such­te den direk­ten Aus­tausch mit Gro­pi­us und wei­te­ren Unter­stüt­zern der Schu­le. Im März 1925 erhielt Gro­pi­us schließ­lich den Auf­trag, das gemein­sa­me Gebäu­de der Kunst­ge­wer­be- und Hand­wer­ker­schu­le Des­sau und des Bau­hau­ses zu entwerfen.

Das Bauhaus-Gebäude in Dessau. Es wurde am 4. Dezember 1926 eröffnet. Abbildung: A.Savin, Wikimedia Commons

Das Bau­haus-Gebäu­de in Des­sau. Es wur­de am 4. Dezem­ber 1926 eröff­net. Abbil­dung: A.Savin, Wiki­me­dia Commons

Am 1. April 1925 zogen Gro­pi­us und sei­ne Mit­ar­bei­ter nach Des­sau und began­nen mit der Umset­zung des Pro­jekts. Der Bau des Schul­ge­bäu­des begann im Sep­tem­ber des­sel­ben Jah­res. Das Richt­fest wur­de am 21. März 1926 gefei­ert und die Bau­haus-Ein­wei­hung folg­te am 4. Dezem­ber 1926.

Bis heu­te besteht das Bau­haus­ge­bäu­de aus fünf Gebäu­de­tei­len: dem Werk­stät­ten­flü­gel, dem Flü­gel der Kunst­ge­wer­be- und Hand­wer­ker­schu­le, dem Ate­lier­bau, dem Zwi­schen­trakt mit Aula, Büh­ne und Men­sa sowie dem Verwaltungstrakt.

Das Direktorenzimmer im Bauhausgebäude Dessau. Von hier aus arbeitete Walter Gropius bis zu seinem Rücktritt als Bauhausdirektor im Jahr 1928. Abbildung: JensKunstfreund, Wikimedia Commons

Das Direk­to­ren­zim­mer im Bau­haus­ge­bäu­de Des­sau. Von hier aus arbei­te­te Wal­ter Gro­pi­us bis zu sei­nem Rück­tritt als Bau­haus­di­rek­tor im Jahr 1928. Abbil­dung: Jens­Kunst­freund, Wiki­me­dia Commons

1928 leg­te Wal­ter Gro­pi­us die Lei­tung des Bau­hau­ses nie­der. Sein Nach­fol­ger wur­de der Schwei­zer Archi­tekt Han­nes Mey­er, der jedoch bereits 1930 ent­las­sen wur­de und anschlie­ßend gemein­sam mit Bau­haus-Stu­den­ten nach Mos­kau ging. Ihm folg­te der deutsch-ame­ri­ka­ni­sche Archi­tekt Lud­wig Mies van der Rohe. In den poli­tisch zuneh­mend ange­spann­ten Jah­ren gelang es die­sem jedoch nicht, das Bau­haus aus den ideo­lo­gi­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen her­aus­zu­hal­ten. Nach dem Wahl­sieg der Natio­nal­so­zia­lis­ten bei den Des­sau­er Gemein­de­rats­wah­len 1931 ver­such­ten die­se, dem Bau­haus die finan­zi­el­len Mit­tel zu ent­zie­hen und den Abriss des Gebäu­des durch­zu­set­zen. Mit dem Abriss­vor­ha­ben schei­ter­te die NSDAP zwar, den­noch beschloss der Des­sau­er Gemein­de­rat am 22. August 1932 die Schlie­ßung des Bauhauses.

Wiederöffnung 1976 und Gropius Wirken in den USA

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg wur­de der frü­he­re Des­sau­er Bür­ger­meis­ter Fritz Hes­se erneut in sein Amt gewählt. Er ernann­te den Bau­haus­schü­ler Hubert Hoff­mann zum Stadt­bau­rat und beauf­trag­te ihn damit, die Wie­der­eröff­nung des Bau­hau­ses vor­zu­be­rei­ten. In den 1950er-Jah­ren began­nen die ers­ten Arbei­ten am Werk­stät­ten­flü­gel. Mit der umfas­sen­den Sanie­rung und Rekon­struk­ti­on des gesam­ten Gebäu­de­kom­ple­xes wur­de 1975 begon­nen. Am 4. Dezem­ber 1976, genau fünf­zig Jah­re nach der ursprüng­li­chen Eröff­nung, fand die fei­er­li­che Wie­der­eröff­nung statt. Seit 1994 ist das Gebäu­de Sitz der Stif­tung Bau­haus Des­sau. Zwei Jah­re spä­ter wur­de es in die Lis­te des UNESCO-Welt­kul­tur­er­bes aufgenommen.

Die Auf­nah­me in die Welt­kul­tur­er­be-Lis­te und die Wie­der­eröff­nung erleb­te Gro­pi­us nicht mehr. Mit der Bau­haus-Schlie­ßung 1932 und der Macht­er­grei­fung der Natio­nal­so­zia­lis­ten 1933 hat­te sich sei­ne Situa­ti­on in Deutsch­land deut­lich ver­schlech­tert. Als die Natio­nal­so­zia­lis­ten das Bau­haus 1934 als „Kir­che des Mar­xis­mus“ angrif­fen, ent­schloss er sich zur Emi­gra­ti­on nach Lon­don. Drei Jah­re spä­ter über­sie­del­te er in die USA, wo er eine Pro­fes­sur für Archi­tek­tur an der „Gra­dua­te School of Design“ der Har­vard Uni­ver­si­ty übernahm.

Das MetLife Building (ehemals vormals PanAM-Building) in New York City befindet sich neben dem bekannten Chrysler Building. Es wurde zwischen 1957 und 1959 von Gropius entworfen und zählt zu seinen bedeutendsten Werken in den USA. Abbildung: Elisa Rolle, Wikimedia Commons

Das Met­Li­fe-Buil­ding (ehe­mals Pan Am Buil­ding) in New York City befin­det sich neben dem bekann­ten Chrys­ler Buil­ding. Es wur­de zwi­schen 1957 und 1959 von Gro­pi­us ent­wor­fen und zählt zu sei­nen bedeu­tends­ten Wer­ken in den USA. Abbil­dung: Eli­sa Rol­le, Wiki­me­dia Commons

Neben sei­ner Lehr­tä­tig­keit blieb Gro­pi­us als Archi­tekt aktiv. Zu sei­nen bekann­tes­ten in den USA ent­stan­de­nen Ent­wür­fen zählt das ehe­ma­li­ge Pan-Am-Gebäu­de, das heu­ti­ge Met­Li­fe-Buil­ding in New York City. Es befin­det sich an der Park Ave­nue in Man­hat­tan. Wal­ter Gro­pi­us starb am 5. Juli 1969 in Boston.

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