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Buchvorstellung: „Nicht mit unserem Land“ von Reiner Haseloff

Rei­ner Hasel­off hat Sach­sen-Anhalt vie­le Jah­re als Minis­ter­prä­si­dent geprägt. Nach der Land­tags­wahl ist ein Buch von ihm erschie­nen, in dem er gemein­sam mit dem Jour­na­lis­ten Robert Bur­dy auf sein poli­ti­sches Leben zurück­blickt. Wir haben es gelesen. 

BUCHTIPP:

Das Cover von Reiner Haseloff und Robert Burdys Buch: Nicht mit unserem Land

Rei­ner Hasel­off, Robert Bur­dy: „Nicht mit unse­rem Land: Eine ost­deut­sche Posi­ti­ons­be­stim­mung“, Her­der Ver­lag, Frei­burg im Breis­gau 2026, 256 Sei­ten, 22 € (Hard­co­ver).

Das Buch ist in elf ver­schie­de­ne Kapi­tel auf­ge­teilt, die poli­tisch prä­gen­de Abschnit­te im Leben von Rei­ner Hasel­off beleuch­ten. Zu Beginn wid­men sich Hasel­off und Bur­dy, ein in Köln gebo­re­ner lang­jäh­ri­ger MDR-Nach­rich­ten­spre­cher, dem The­ma Frei­heit. Hasel­off beschreibt, inwie­fern der Volks­auf­stand von 1956 in Ungarn ein Vor­rei­ter für den Auf­stand in der DDR von 1989 war. Dabei wird die enge Bin­dung Hasel­offs zu Ungarn deut­lich. Sei­ne Frau stu­dier­te in Buda­pest, wäh­rend er sein Stu­di­um in Dres­den absol­vier­te, sodass sie eine Fern­be­zie­hung füh­ren mussten.

Wie ein roter Faden zieht sich das The­ma Reli­gi­on durch Hasel­offs Leben. Die Leser erfah­ren, wel­che prä­gen­den Ein­flüs­se Pfar­rer Hein­rich Aust und der christ­li­che Phi­lo­soph Josef Pie­per auf Hasel­off aus­üb­ten. Es wird beschrie­ben, wie Hasel­off in der DDR zur Block­par­tei CDU kam und war­um er sich nach der Wen­de der bun­des­deut­schen CDU anschloss. Dar­über hin­aus erklärt Hasel­off, wie ihm die Reli­gi­on in schwie­ri­gen Pha­sen Kraft gab, etwa sei­ne Kir­chen­be­su­che wäh­rend der Coronapandemie.

Anschlie­ßend legen die bei­den Autoren den Fokus auf die Kri­se der Volks­par­tei­en SPD und CDU sowie den Auf­stieg der AfD. Hasel­off macht deut­lich, dass er die Brand­mau­er-Dis­kus­si­on für falsch hält. Er erläu­tert, war­um die Abgren­zung zur AfD sei­ner Ansicht nach für die Uni­on kei­ne stra­te­gi­sche Posi­ti­on, son­dern eine Über­le­bens­fra­ge und Fra­ge ihrer christ­li­chen Iden­ti­tät ist. In die­sem Zusam­men­hang the­ma­ti­sie­ren Hasel­off und Bur­dy den Kon­flikt in der CDU Sach­sen-Anhalt mit dem ehe­ma­li­gen Innen­mi­nis­ter Hol­ger Stahl­knecht. Stahl­knecht hat­te gemein­sam mit ande­ren Kräf­ten im Lan­des­ver­band eine Öff­nung gegen­über der AfD in Betracht gezo­gen. Hasel­off betont, dass er im Hin­blick auf den Zusam­men­halt der Kenia-Koali­ti­on kei­ne ande­re Wahl hat­te, als Stahl­knecht zu ent­las­sen, und ver­tei­digt sein Vorgehen.

Ein wei­te­res The­ma des Buches ist die Wirt­schaft. Hasel­off und Bur­dy zei­gen anhand von Groß­pro­jek­ten, etwa der geplan­ten Intel-Ansied­lung in Mag­de­burg, wie die Leis­tungs- und Geneh­mi­gungs­ge­schwin­dig­keit ost­deut­scher Ver­wal­tun­gen funk­tio­niert – selbst wenn glo­ba­le Markt­kri­sen eine Umset­zung ver­hin­dern. Von bei­den wird der Nie­der­gang des Solar Val­leys kri­ti­siert, der durch chi­ne­si­sches Preis­dum­ping bei gleich­zei­tig man­geln­der Unter­stüt­zung durch die Poli­tik ver­ur­sacht wur­de. Hasel­off übt auch Kri­tik an der Bun­des­re­gie­rung, wenn es um die aus Ber­lin vor­ge­ge­be­ne Ener­gie­po­li­tik und den Umgang mit der Kli­ma­kri­se geht. Neben der Migra­ti­ons­po­li­tik seit 2015 hält er die Poli­tik der Ampel für eine der Haupt­ur­sa­chen für den Frust der Bürger.

Beim The­ma Zuwan­de­rungs­po­li­tik bli­cken Hasel­off und Bur­dy detail­liert auf die Flücht­lings­kri­se von 2015 zurück. Hasel­off betont, dass eine strik­te Tren­nung zwi­schen huma­ni­tä­rem Asyl für Schutz­su­chen­de, geziel­ter Fach­kräf­te­ein­wan­de­rung und der Fest­le­gung von Ober­gren­zen not­wen­dig ist. Die Autoren erklä­ren, dass das Bür­ger­ver­trau­en stark gelit­ten habe, weil der Staat akten­kun­di­ge Gefähr­der nicht aus­rei­chend ver­folg­te. Hasel­off sagt, dass die Fra­ge, ob der Staat die Auf­nah­me Hun­dert­tau­sen­der Men­schen tat­säch­lich bewäl­ti­gen kön­ne, 2015 nicht beant­wor­tet wur­de. Dies sei rück­bli­ckend ein Feh­ler gewesen.

Im Buch zeigt sich eine gemisch­te Hal­tung Hasel­offs zur Selbst­kri­tik. So bedau­ert er bei­spiels­wei­se, sich mit sei­ner kri­ti­schen Hal­tung gegen­über Ange­la Mer­kel in der Migra­ti­ons­kri­se 2015 nicht kon­se­quen­ter durch­ge­setzt zu haben. Bei den Ent­schei­dun­gen zur Coro­na­pan­de­mie ver­tei­digt er hin­ge­gen sei­nen Kurs, auf die har­te Durch­set­zung der Mas­ken­pflicht zu ver­zich­ten. Robert Bur­dy merkt an, dass er Hasel­offs Ent­schei­dung, die Amts­zeit wegen der Kri­se der Kenia-Koali­ti­on zu ver­län­gern, als einen Fall von „Selbst­über­schät­zung“ betrach­tet. Eine Selbst­kri­tik zum Zeit­punkt sei­nes Rück­tritts im Janu­ar 2026, der als Grund für das Schei­tern sei­nes Nach­fol­gers Sven Schul­ze im Land­tags­wahl­kampf ange­se­hen wer­den kann, sucht man im Buch hin­ge­gen vergeblich.

Zusam­men­ge­fasst ist das Buch an eini­gen Stel­len eine Abrech­nung, ins­be­son­de­re mit der Bun­des­po­li­tik in Ber­lin und den Ent­schei­dun­gen Ange­la Mer­kels in der Migra­ti­ons- und Ener­gie­po­li­tik. Gleich­zei­tig ist es eine Ver­tei­di­gung sei­ner Lan­des­po­li­tik und ent­hält in eini­gen Punk­ten auch Selbstkritik.

Das Buch ermög­licht es, den Men­schen hin­ter dem Poli­ti­ker Rei­ner Hasel­off ken­nen­zu­ler­nen und sei­ne poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen bes­ser zu ver­ste­hen. Die Leser­schaft erhält einen Ein­blick in das poli­ti­sche Schaf­fen des prä­gends­ten Poli­ti­kers Sach­sen-Anhalts der letz­ten 15 Jahre.

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