Der neue Roman des Dresdner Schriftstellers Ingo Schulze wurde im September mit dem Uwe-Johnson-Preis prämiert. Er spielt im Jahr 1979 in der DDR. Schulze verknüpft Erlebtes von damals mit der Gegenwart.
| BUCHTIPP:
Ingo Schulze: „Das Wasser im August“, S. Fischer Verlage, Frankfurt am Main 2026, 230 Seiten, 26 € (Hardcover). |
Ein namenloser Ich-Erzähler wird zu einer Lesung in Mecklenburg-Vorpommern eingeladen. Auftraggeberin ist Barbara, die Ehefrau seines früheren Mitschülers Manfred. Sie wünscht sich zur Feier von Manfreds 63. Geburtstag eine Lesung aus einem ungedruckten Manuskript durch den Erzähler. Also macht sich der Erzähler auf den Weg zum Hotel Luisenhof in der Region um Güstrow. Seine Frau Carola reagiert empört auf die Einladung. Manfred soll die Eltern des Erzählers 1981 an die Stasi verraten haben. Diese wurden daraufhin verhört.
Im Hotel angekommen, trifft der Erzähler auf eine Tagungsgruppe und frühere Schulkameraden. Vor ihnen trägt er seine Sommernovelle vor. Diese ist gleichzeitig der zweite Erzählstrang aus Ingo Schulzes Buch. Die Leserschaft wird ins Jahr 1979 in der DDR entführt. Der Text erzählt vom Jugendlichen Thomas. Er möchte Schriftsteller werden und macht Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern. Währenddessen wohnt er im Tempziner Stadtteil Klein-Jarchow beim Künstlerehepaar Emmy und Paul. Dort trägt er dem Ehepaar seine ersten Texte über einen Tanzstunden-Abschlussball in Dresden vor. Emmy und Paul reagieren kritisch. Sie regen ihn dazu an, seine Art des Verfassens von Texten grundsätzlich neu anzugehen und das Beobachten und Beschreiben zu trainieren.
Während seines Sommeraufenthalts lernt Thomas Sonja kennen. Die Tochter des Dorfpfarrers Siegmund, die als Zahnärztin arbeitet, fasziniert Thomas. Ihrer kann er sich mit seinen Selbstzweifeln anvertrauen und mit ihr erlebt er freie, unbeschwerte Stunden. Zwischen Sonja und Thomas entwickelt sich eine Romanze. Bei einem Ausflug an den Tollensesee gesteht Sonja Thomas, dass sie schwanger ist. Bei einem gemeinsamen Ausflug nach Stralsund trennen sich ihre Wege, da Sonja aus privaten Gründen wegmuss. Thomas kehrt noch einmal nach Klein-Jarchow zurück, verkracht sich mit Siegmund und reist nach einem letzten Bad im Tollensesee nach Dresden zurück.
Die Klassenkameraden erkennen den Erzähler in der Novelle wieder. Es handelt sich um Thomas, der seine eigene Geschichte wiedergibt. Im Anschluss an Thomas Lesevortrag diskutieren die Zuhörer seine Novelle sowie aktuelle Themen wie die Kriege in der Ukraine und in Gaza. Unter den Zuhörern befindet sich auch Angelika. Sie dient Thomas als Vorbild für die Novellenfigur Sonja. Angelika und Thomas gehen gemeinsam im See beim Luisenhof schwimmen. Es kommt zu einer Konfrontation, in der Angelika Thomas ein Geheimnis offenbart. Auch mit Manfred diskutiert Thomas und die beiden unterhalten sich über den Stasi-Vorwurf. Was hat es mit Angelikas Geheimnis auf sich? Hat Manfred wirklich die Eltern von Thomas an die Stasi verraten?
Im Gespräch mit dem MDR über seinen Roman erzählt Ingo Schulze, dass er die Handlung in eine Zeit legen wollte, in der er selbst Jugendlicher war. Er beschreibt das Jahr 1979 in der DDR als eine Zeit mit einer positiven Zukunft, die seine Generation als sehr veränderbar empfand. Diese positive Zukunft sei heute abhandengekommen. Schulze gelingt es gut, die Leser in die unbeschwerte Zeit von damals mitzunehmen und dieses Gefühl spürbar zu machen. Mit dem Blick in die Gefühlswelt des von der DDR geprägten Ich-Erzählers verdeutlicht er auch die Verunsicherung dieser Generation gegenüber der Gegenwart. Ein tiefsinniger und lesenswerter Roman.





























