In Mecklenburg-Vorpommern finden am Wochenende Landtagswahlen statt. Die AfD und die SPD liefern sich einen Kampf um Platz eins. In seinem Buch beschreibt Monchi, wie die AfD zur dominierenden Partei im Bundesland wurde und warum die „Brandmauer” in seiner Heimat Jarmen nicht funktioniert.
| BUCHTIPP:
Monchi: „Jenseits der Brandmauer: Über mein Leben in der ostdeutschen Provinz“, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2026, 240 Seiten, 20 € (Hardcover). |
Monchi heißt bürgerlich Jan Gorkow und wurde 1987 in Neubrandenburg geboren. Er ist der charismatische Frontmann der Punkrock-Band Feine Sahne Fischfilet. Sein Buch beginnt am Abend der Bundestagswahl 2025. In seiner Heimatstadt Jarmen in Vorpommern erhielt die AfD 54 Prozent der Zweitstimmen und damit die absolute Mehrheit. Auch landesweit war sie erfolgreich: In Mecklenburg-Vorpommern gewann sie in 719 von 726 Gemeinden. Monchi erklärt, warum das Konzept der Brandmauer in Jarmen nicht funktioniert und weshalb er diese Idee kritisch sieht. Für ihn ist der Begriff „Brandmauer“ vor allem ein Großstadtbegriff und ein politisches Konzept, das sich in der Provinz nicht umsetzen lässt. Er und viele andere Menschen in Deutschland würden längst jenseits dieser Brandmauer leben – an Orten, an denen man der AfD nicht mehr aus dem Weg gehen könne. Zu den AfD-Wählern gehören auch Bekannte von Monchi. Er will diese Menschen aber nicht aufgeben und er erläutert, warum es aus seiner Sicht ein Fehler wäre, die 10,3 Millionen AfD-Wähler (Bundestagswahl 2025) auszugrenzen.
Monchi geht auch auf die Gründe für das Erstarken der AfD ein. Er berichtet von den Problemen im ländlichen Gesundheitswesen. Er erzählt beispielhaft vom Alltag seiner Mutter, die als Zahnärztin arbeitet. Manche ihrer Patienten müssen aufgrund der wenigen Praxen bis zu 30 Kilometer fahren. Das sorgt für Frust. Außerdem zeigt Monchi, dass in Jarmen immer mehr Geschäfte schließen. Er berichtet, dass der Bürgermeister jeden Unternehmer, der sich neu in Jarmen niederlässt, mit einem Blumenstrauß begrüßt. Auch Monchi sieht jede Neueröffnung als Hoffnungsschimmer.
Eine Lösung im Umgang mit der AfD sieht Monchi darin, Jarmen attraktiv für Menschen aus anderen Gebieten in Mecklenburg-Vorpommern und Deutschland zu machen, damit diese in die Kleinstadt ziehen. Hilfreich findet er Angebote für die Menschen vor Ort, sodass Menschen zusammenkommen. Ein Beispiel, wie Monchi den Zusammenhalt der Gemeinde fördert, ist das von ihm und seiner Band organisierte jährliche Festival „Wasted in Jarmen“. Ihm zufolge besuchen auch Menschen das Festival, die vermutlich zu den 54 Prozent AfD-Wählern gehören. Das Event bietet eine Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen, und auch Jugendliche aus der politisch rechten Bubble könnten hier ein Interesse für Punkrock entwickeln und so eine Wandlung durchmachen. Als weiteres Beispiel verweist der Musiker auf den Bau eines Skateparks in Jarmen. Dieser war durch Spenden bei Lesungen von Monchi, Konzerten und zum Teil aus Geldern der Gemeinde Jarmen möglich geworden. Der Skatepark soll dazu beitragen, dass Jugendlichen in Jarmen eine Perspektive und ein Freizeitangebot ermöglicht werden. Monchi will auch um die jungen Menschen in Jarmen kämpfen und verhindern, dass die AfD sie für sich gewinnen kann.
Monchi nimmt die Leserschaft mit auf eine Reise durch seine eigene Kindheit und beschreibt, wie er selbst zu einem politisch links geprägten Menschen wurde. Dies geschah auf einer Schulparty. Mehrere Dorfnazis traten auf ihn ein und verletzten ihn schwer. Ab diesem Zeitpunkt befasste er sich immer mehr mit Politik, beschäftigte sich mit der ideologischen Bedeutung der Nazis und engagierte sich bei Protesten. Monchi nennt auch zwei Menschen, die ihn als jungen Menschen stark geprägt haben: zum einen Ralph Krüger, Mitglied der Ultras von Hansa Rostock mit Affinität zu Punkrock, zum anderen den Pfarrer Lothar König. Sowohl Krüger als auch König mahnten ihn dazu, seinen Blick auch über sein linkspolitisches Umfeld hinaus zu richten.
Monchis Buch ist ein Aufruf, nicht in Schwarz-Weiß-Kategorien zu denken, und ein Plädoyer für ein Miteinander trotz unterschiedlicher politischer Ansichten. Am Beispiel von Jarmen macht er deutlich, welche Umstände zum Erstarken der AfD in Vorpommern geführt haben und wie durch Engagement der Kontakt zu Menschen, die zur AfD tendieren, aufrechterhalten werden kann. So zeigt er eine mögliche Lösung im Umgang mit den Wählern dieser Partei auf, ohne sie auszugrenzen.
































