Heute feiert Deutschland 36 Jahre Wiedervereinigung. Im September 2025 startete das Projekt „DNA des Ostens“ eine offene Onlinebefragung zum Thema Ost-West-Unterschiede. Nun hat es eine interessante Zwischenbilanz gezogen.

Am 3. Oktober 1990 wurden vor dem Reichstagsgebäude die Fahnen aller Bundesländer Deutschlands aufgestellt. 36 Jahre später hat das Projekt „DNA des Ostens” zu Ost-West-Unterschieden befragt. Abbildung: Thomas Uhlemann, Das Bundesarchiv, Wikimedia Commons
In den zurückliegenden zwölf Monaten antworteten der „DNA des Ostens“, einem Projekt der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, 2.560 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit insgesamt 34.500 Einzelantworten auf 14 Fragen. In der Umfrage geht es unter anderem um die Berichterstattung über Ost-West-Unterschiede, Altersabhängigkeiten beim Blick auf Ostdeutschland, die Identifikation mit Ostdeutschland sowie eine gemeinsame ostdeutsche Kultur.
92 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass es ihrer Meinung nach immer noch deutliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland gibt. Nur acht Prozent sehen keine deutlichen Unterschiede. 57 Prozent der Teilnehmer sind der Ansicht, dass nicht zu viel über Ost-West-Unterschiede gesprochen und geschrieben wird. 43 Prozent sind der Meinung, dass die Berichterstattung über Unterschiede zu umfangreich ist. Bei der Darstellung Ostdeutschlands in den Medien herrscht weitgehend Einigkeit: 77 Prozent finden, dass Ostdeutschland in den Medien nicht angemessen dargestellt wird.
Regionalere Identifikation
Hinsichtlich der Identifikation dominiert der bestimmte Ort oder die Region gegenüber Ost- oder Westdeutschland. 77 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen die Identifikation mit Ost- oder Westdeutschland nicht wichtiger ist als die noch regionalere Bindung zum Heimatort oder zur Heimatregion. Unterschiede zwischen Ost und West scheinen für viele Teilnehmer kein bedeutendes Thema zu sein: Eine Mehrheit von 68 Prozent gab an, im Alltag nicht zwischen Ost- und Westdeutschen zu unterscheiden.
Innere Einheit weit entfernt
Auch 36 Jahre nach dem Tag der Wiedervereinigung scheint die innere Einheit noch in weiter Ferne zu liegen. 90 Prozent der Befragten finden, dass die innere Einheit noch nicht erreicht ist. Ein Grund dafür könnten die unterschiedlichen Aufstiegsmöglichkeiten sein. 65 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass Ostdeutsche gegenüber Westdeutschen benachteiligt sind, was die beruflichen Aufstiegschancen betrifft.
Die Umfrage hat auch positive Ergebnisse geliefert: 81 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Menschen in Ostdeutschland stolz auf das seit 1990 Erreichte sein können. Gleichzeitig erklären jedoch 79 Prozent der Befragten, dass die Lebensleistung der Menschen in Ostdeutschland nicht angemessen gewürdigt wird.
Fehlende Krisenfestigkeit
Interessant sind auch die Ergebnisse beim Thema Widerstandsfähigkeit gegenüber gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Krisen. Ostdeutsche sind für 66 Prozent der Teilnehmer aufgrund von Erfahrungen mit der DDR oder der Transformationszeit nicht resistenter gegenüber solchen Krisensituationen. 81 Prozent der Befragten geben an, dass sie aufgrund dieser Erfahrungen gesellschaftlichen Veränderungen skeptisch gegenüberstehen. Detaillierte Ergebnisse der Umfrage finden Sie hier.




























