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Wirtschaft und Markt #5: Unternehmensnachfolge neu denken

Frank Neh­ring erläu­tert in Teil fünf sei­ner Kolum­ne, wes­halb das The­ma Nach­fol­ge nicht aus­schließ­lich als Ver­kauf betrach­tet wer­den soll­te. Er skiz­ziert ein Modell, das vor allem für die klein­tei­li­ge Wirt­schaft in Ost­deutsch­land attrak­tiv sein könnte.

Frank Nehring, langjähriger Herausgeber von Wirtschaft+Markt und Gründer des Ostdeutschen Wirtschaftsforums OWF. Abbildung: Bernd Brundert

Frank Neh­ring, lang­jäh­ri­ger Her­aus­ge­ber von Wirtschaft+Markt und Grün­der des Ost­deut­schen Wirt­schafts­fo­rums OWF. Abbil­dung: Bernd Brundert

Unter­neh­mens­nach­fol­ge gilt in Deutsch­land noch immer vor allem als Fra­ge des Eigen­tü­mer­wech­sels: Wer über­nimmt das Unter­neh­men, zu wel­chem Preis und unter wel­chen Bedin­gun­gen? Die­se Sicht­wei­se greift zu kurz. Denn hin­ter jeder unge­klär­ten Nach­fol­ge steht nicht nur ein Unter­neh­mer, der sein Lebens­werk über­ge­ben möch­te. Es geht um Beschäf­tig­te, Kun­den, Lie­fe­ran­ten, Know-how, regio­na­le Wert­schöp­fung und oft auch um die wirt­schaft­li­che Iden­ti­tät einer gan­zen Region.

Beson­ders pro­ble­ma­tisch ist die Situa­ti­on bei klei­ne­ren Unter­neh­men. Deutsch­land ver­fügt zwar über ein dich­tes Nach­fol­ge-Öko­sys­tem aus Kam­mern, Bera­tern, Ban­ken, Nach­fol­ge­bör­sen und För­der­pro­gram­men. Trotz­dem schei­tern zahl­rei­che Über­ga­ben. Gera­de klei­ne, wirt­schaft­lich gesun­de Betrie­be fin­den häu­fig kei­nen geeig­ne­ten Nach­fol­ger. Die ent­schei­den­de Fra­ge lau­tet des­halb: Was kön­nen wir tun, bevor ein Unter­neh­men über­haupt zum Ver­kaufs­fall wird?

Gemeinsam stärker als allein

Das Grund­prin­zip ist ein­fach: Meh­re­re wirt­schaft­lich trag­fä­hi­ge Unter­neh­men ohne Nach­fol­ger schlie­ßen sich regio­nal zusam­men. Eigen­tum und unter­neh­me­ri­sche Ver­ant­wor­tung blei­ben bei den jewei­li­gen Unter­neh­men. Gemein­sam kön­nen jedoch Auf­ga­ben orga­ni­siert wer­den, die ein ein­zel­ner klei­ner Betrieb nur schwer bewäl­ti­gen kann. Ver­wal­tung, Mar­ke­ting, Recrui­ting und Digi­ta­li­sie­rung las­sen sich bün­deln. Inves­ti­tio­nen kön­nen koor­di­niert, Wis­sen kann geteilt und der Zugang zu Kapi­tal ver­bes­sert werden.

Ent­schei­dend ist dabei: Die Nach­fol­ge­ge­mein­schaft soll kei­ne klas­si­sche Bera­tungs­ge­sell­schaft und auch kei­ne Betei­li­gungs­ge­sell­schaft sein. Sie soll einen orga­ni­sa­to­ri­schen Rah­men schaf­fen, in dem vor­han­de­ne Kom­pe­ten­zen bes­ser zusam­men­wir­ken. Ban­ken, Kam­mern, Hoch­schu­len, Wirt­schafts­för­de­rer, Bera­ter und Unter­neh­mer wer­den zu einem gemein­sa­men Öko­sys­tem ver­bun­den. Damit ver­än­dert sich auch die Per­spek­ti­ve poten­zi­el­ler Nachfolger.

Ein ein­zel­ner klei­ner Betrieb mag wenig attrak­tiv erschei­nen. Ein pro­fes­sio­nell orga­ni­sier­ter Ver­bund meh­re­rer Unter­neh­men kann dage­gen eine ganz ande­re Grö­ßen­ord­nung und Ent­wick­lungs­per­spek­ti­ve bieten.

Gera­de für Ost­deutsch­land könn­te die­ser Ansatz inter­es­sant sein. Der demo­gra­fi­sche Druck ist hoch, vie­le Unter­neh­mer gehö­ren bereits einer älte­ren Gene­ra­ti­on an. Gleich­zei­tig sind Unter­neh­men regio­nal stark ver­an­kert und für Beschäf­ti­gung und Wert­schöp­fung von gro­ßer Bedeu­tung. Es geht um die Fra­ge, ob sich Unter­neh­mens­nach­fol­ge von einem indi­vi­du­el­len Pro­blem zu einer regio­na­len Ent­wick­lungs­auf­ga­be machen lässt.

Mehr Unternehmen könnten überleben

Natür­lich wird nicht jede Nach­fol­ge gelin­gen. Und nicht jedes Unter­neh­men ist zukunfts­fä­hig. Das ist auch nicht der Anspruch. Die­ser Ansatz rich­tet sich an Betrie­be, die wirt­schaft­lich trag­fä­hig und regio­nal ver­an­kert sind, über erfah­re­ne Unter­neh­mer ver­fü­gen, aber kei­nen geeig­ne­ten Nach­fol­ger fin­den. Das Ziel ist nicht, den Struk­tur­wan­del auf­zu­hal­ten. Im Gegen­teil: Es geht dar­um, Unter­neh­men so wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, dass sie Teil des nächs­ten Struk­tur­wan­dels wer­den können.

Viel­leicht liegt genau dar­in die wich­tigs­te Bot­schaft: Unter­neh­mens­nach­fol­ge darf nicht erst begin­nen, wenn der Unter­neh­mer auf­hö­ren will. Sie muss begin­nen, wenn das Unter­neh­men für die nächs­te Gene­ra­ti­on fit gemacht wer­den soll.

Aus vie­len ein­zel­nen Über­ga­ben könn­te so eine gemein­sa­me Zukunfts­stra­te­gie ent­ste­hen. Und aus einem Nach­fol­ge­pro­blem eine neue Chan­ce für den Mittelstand.

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