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50 Jahre: Wie der Palast der Republik zum Ballast der Republik wurde

Er war ein Sym­bol der DDR und wäre in die­sem Jahr 50 Jah­re alt gewor­den: der Palast der Repu­blik. Nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung wur­de er zum „Bal­last der Repu­blik“. Vor 20 Jah­ren begann der Abriss.

Die Westfront des Palasts der Republik in den 1980er Jahren. Abbildung: Lutz Schramm, Wikimedia Commons

Die West­front des Palasts der Repu­blik in den 1980er-Jah­ren. Abbil­dung: Lutz Schramm, Wiki­me­dia Commons

Um die Ent­ste­hung die­ses Bau­werks zu ver­ste­hen, lohnt sich ein Blick zurück in die frü­hen 1970er-Jah­re. Zu die­ser Zeit ent­wi­ckel­te sich bei der poli­ti­schen Füh­rung der DDR die Idee, ein reprä­sen­ta­ti­ves Gebäu­de als Sym­bol und Auf­bruchs­si­gnal im Zen­trum der Haupt­stadt zu errich­ten. Den Plan für das Gebäu­de auf dem Are­al des 1950 gespreng­ten Stadt­schlos­ses ent­warf ein Kol­lek­tiv der Bau­aka­de­mie der DDR unter der Lei­tung von Heinz Graf­fun­der. Offi­zi­ell wur­den die Bau­kos­ten mit 485 Mil­lio­nen DDR-Mark bezif­fert, in einer inter­nen Auf­stel­lung gab der dama­li­ge Minis­ter für Bau­we­sen, Wolf­gang Jun­ker, jedoch 800 Mil­lio­nen Mark an.

Der Bau des Palasts star­te­te 1973 und dau­er­te 32 Mona­te. Am Ende war er 180 m lang, 85 m breit und 32 m hoch. Zur Gewähr­leis­tung des Brand­schut­zes wur­den 720 Ton­nen Spritz­asbest auf die Stahl­tei­le des Roh­baus auf­ge­tra­gen – obwohl des­sen Ein­satz in der DDR bereits seit 1969 ver­bo­ten war. Am 23. April 1976 wur­de das Gebäu­de fei­er­lich eröff­net und ab dem 25. April war es für die Öffent­lich­keit frei zugänglich.

Der Palast der Republik im April 1986. Er diente als Volks- und Kulturhaus. Abbildung: Peter Heinz Junge, Das Bundesarchiv/Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst

Der Palast der Repu­blik im April 1986. Er dien­te als Volks- und Kul­tur­haus. Abbil­dung: Peter Heinz Jun­ge, Das Bundesarchiv/Allgemeiner Deut­scher Nachrichtendienst/Wikimedia Commons

Volkshaus und Kulturhaus

Der Palast der Repu­blik soll­te viel­sei­tig genutzt wer­den kön­nen. Das Ziel war, das Gebäu­de als Volks- bzw. Kul­tur­haus zu eta­blie­ren. Der Palast erfüll­te eine Dop­pel­funk­ti­on: Einer­seits dien­te er als Sitz des DDR-Par­la­ments, der Volks­kam­mer, und als poli­ti­sche Ver­an­stal­tungs­stät­te, ande­rer­seits war er ein Ort für Kul­tur und Begeg­nung. Sein Haupt­foy­er war ein belieb­ter Treff­punkt. Dort stand die „Glä­ser­ne Blu­me“, eine 5,20 Meter hohe und fast fünf Ton­nen schwe­re Skulp­tur aus Edel­stahl und Glas, die von den Mag­de­bur­ger Künst­lern Regi­nald Rich­ter und Richard O. Wil­helm ent­wor­fen wurde.

Der Palast bot eine Viel­zahl an Räum­lich­kei­ten. Der Klei­ne Saal fun­gier­te als Volks­kam­mer­sitz, der Gro­ße Saal wur­de für Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen wie Kon­zer­te genutzt. Auch im Haupt­foy­er fan­den Ver­an­stal­tun­gen statt. Dort gab es auch Restau­rants und Bars. Im Palast befan­den sich zudem eine Dis­ko­thek und eine Bow­ling­bahn. Beson­ders auf­fäl­lig war die umfang­rei­che Licht­aus­stat­tung des Gebäu­des – nicht zuletzt des­halb ent­stand im Volks­mund der spöt­ti­sche Name „Erichs Lampenladen“.

Harry Belafonte trat 1983 gemeinsam mit Dianne Reeves auf einer FDJ-Manifestation für den Frieden der Welt im Palast der Republik auf. Das Bundesarchiv/Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst, Hans Peter Lochmann

Har­ry Bel­a­fon­te trat 1983 gemein­sam mit Dian­ne Ree­ves im Palast der Repu­blik auf. Abbil­dung: Hans Peter Loch­mann, Das Bundesarchiv/Allgemeiner Deut­scher Nachrichtendienst/Wikimedia Commons

Im Palast tra­ten zahl­rei­che inter­na­tio­na­le Künst­ler wie San­ta­na, Har­ry Bel­a­fon­te und Mireil­le Mathieu auf. Zudem war er Aus­tra­gungs­ort des Fes­ti­vals „Rock für den Frie­den“, bei dem von 1982 bis 1987 jähr­lich im Janu­ar Bands wie die Puh­dys, Karat, City oder Sil­ly auf­tra­ten. Am 25. Okto­ber 1983 durf­te hier über­ra­schend der west­deut­sche Rock­sän­ger Udo Lin­den­berg vier Lie­der vor aus­ge­wähl­tem FDJ-Publi­kum spie­len, nach­dem er in sei­nem Lied „Son­der­zug nach Pan­kow“ dar­über geklagt hat­te, dass ihm Auf­trit­te in der DDR ver­sagt blieben.

Gleich­zei­tig blieb der Palast ein zen­tra­ler poli­ti­scher Ort: Er dien­te als Tagungs­ort für SED-Par­tei­ta­ge und für das Par­la­ment der FDJ. Auch die letz­te gewähl­te Volks­kam­mer der DDR tag­te hier. Am 18. Mai 1990 wur­de im Palast der Repu­blik der Staats­ver­trag zur Wäh­rungs-, Wirt­schafts- und Sozi­al­uni­on ratifiziert.

Im Jahr 2005 war auf dem Palast der Republik die temporäre Kunstinstallation „Palast des Zweifels“ des norwegischen Künstlers Lars Ramberg angebracht. Abbildung: Jula2812, Wikimedia Commons

Im Jahr 2005 war auf dem Palast der Repu­blik die tem­po­rä­re Kunst­in­stal­la­ti­on „Palast des Zwei­fels“ des nor­we­gi­schen Künst­lers Lars Ram­berg ange­bracht. Abbil­dung: Jula2812, Wiki­me­dia Commons

Von der Sanierung zum Abriss

Mit der Wie­der­ver­ei­ni­gung änder­te sich die Situa­ti­on grund­le­gend. Es folg­te eine lang­jäh­ri­ge und teils kon­tro­vers geführ­te Dis­kus­si­on über die Zukunft des Gebäu­des. Bereits am 19. Sep­tem­ber 1990 wur­de der Palast auf Anwei­sung der letz­ten DDR-Regie­rung geschlos­sen. Zwi­schen 1998 und 2003 erfolg­te eine umfas­sen­de Asbest­sa­nie­rung, die rund 35 Mil­lio­nen Euro kostete.

2004 fand nach einem Beschluss des Ber­li­ner Senats zum Abriss des Palasts ein Kon­zert der Band Ein­stür­zen­de Neu­bau­ten statt. Aber die Zukunft des Bau­werks blieb umstrit­ten. Nach zahl­rei­chen Debat­ten, die teil­wei­se bis heu­te andau­ern, fass­te am 19. Janu­ar 2006 schließ­lich auch der Bun­des­tag den Beschluss zum Abriss des Gebäu­des. Die­ser begann am 6. Febru­ar 2006, dau­er­te bis 2008 und ver­ur­sach­te Kos­ten in Höhe von 32 Mil­lio­nen Euro. Im Jahr 2008 war der Abriss abge­schlos­sen. Der meis­te schwe­di­sche Roh­stahl – rund 25.000 Ton­nen – wur­de ein­ge­schmol­zen und nach Dubai für den Bau des Burj Kha­li­fa ver­kauft. Wei­te­rer Stahl wur­de von Volks­wa­gen für den Bau von Moto­ren­blö­cken für den Golf VI verwendet.

Graffiti auf dem Fundament des abgerissenen Palats der Republik. Der Abriss des Palasts für Republik sorgt bis heute für Diskussionen. Abbildung: Schreibkraft, Wikimedia Commons

Graf­fi­ti auf dem Fun­da­ment des abge­ris­se­nen Palasts der Repu­blik. Der Abriss sorgt bis heu­te für Dis­kus­sio­nen. Abbil­dung: Schreib­kraft, Wiki­me­dia Commons

An glei­cher Stel­le ent­stand mit dem Hum­boldt Forum ein neu­es Gebäu­de mit his­to­ri­scher Anknüp­fung an das Ber­li­ner Stadt­schloss der Hohen­zol­lern. Es wur­de am 17. Dezem­ber 2020 eröff­net. Dort wer­den auch eini­ge Objek­te aus dem Palast der Repu­blik aus­ge­stellt. Mehr Erin­ne­rung aber war offen­bar nicht gewollt.

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