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	<title>Robert Nehring, Autor bei ostdeutschland.info</title>
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	<description>Impulse für den Osten</description>
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	<title>Robert Nehring, Autor bei ostdeutschland.info</title>
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	<item>
		<title>Pierre Sanoussi-Bliss: Cola Whisky. Wie ich das einzige Mal meinem Vater begegnete</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/pierre-sanoussi-bliss-cola-whisky-wie-ich-das-einzige-mal-meinem-vater-begegnete/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Aug 2026 05:30:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Schauspieler Pierre Sanoussi-Bliss ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7968" class="size-full wp-image-7968" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Sanoussi-Bliss_DIAO2.png" alt="Pierre Sanoussi-Bliss, Schauspieler. Abbildung: Thilo Pulpanek" width="709" height="1000">Pierre Sanoussi-Bliss, Schauspieler. Abbildung: Thilo Pulpanek<br />
Meine Mutter ist eine unglaublich starke Frau, sie war (...) mir die beste Mutter, die man sich vorstellen kann. Soweit man das als Kind überhaupt einschätzen kann, habe [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/pierre-sanoussi-bliss-cola-whisky-wie-ich-das-einzige-mal-meinem-vater-begegnete/">Pierre Sanoussi-Bliss: Cola Whisky. Wie ich das einzige Mal meinem Vater begegnete</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Der Schauspieler Pierre Sanoussi-Bliss ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7965"></span></p>
<div id="attachment_7968" style="width: 719px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7968" class="size-full wp-image-7968" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Sanoussi-Bliss_DIAO2.png" alt="Pierre Sanoussi-Bliss, Schauspieler. Abbildung: Thilo Pulpanek" width="709" height="1000"><p id="caption-attachment-7968" class="wp-caption-text">Pierre Sanoussi-Bliss, Schauspieler. Abbildung: Thilo Pulpanek</p></div>
<p>Meine Mutter ist eine unglaublich starke Frau, sie war (...) mir die beste Mutter, die man sich vorstellen kann. Soweit man das als Kind überhaupt einschätzen kann, habe ich mich immer als ganz normal empfunden, aber meine Mutter hat, wie ich heute weiß, auch eine Menge von mir ferngehalten. Jedenfalls habe ich sehr schnell und anhaltend eine Art Grundvertrauen in die Menschen meiner Umgebung entwickelt.</p>
<p>Als mein Vater mit seinem Studium in Mittweida 1962 fertig war, ging er nach Berlin zu einem Zusatzstudium. Meine Mutter fragte ihn, ob sie für mich die guineische Staatsbürgerschaft beantragen kann und ob er einverstanden sei. Ja, das sei er, war die Antwort. Sollte ich als Schwarzer hier in der DDR nicht klarkommen, sollten das Misstrauen, sollten die Anfeindungen so groß sein, dass ich es in diesem Land nicht aushalte, sollte ich mit 18 gehen können, wohin ich möchte, so dachte meine Mutter. Der Mann vom Rat des Kreises, mit dem sich meine Mutter dann beriet, war nett und meinte, natürlich könne sie diesen Antrag stellen. Das Problem sei nur, wenn der guineische Staatspräsident eines Tages sagen würde: Alle Guineer müssen ins Heimatland, dann müsste ich dahin, und ein Zurück in die DDR gäbe es nicht. Deswegen stellte meine Mutter den Antrag dann doch nicht. Ich denke allerdings nicht, dass mich die DDR nach meinem 18. Geburtstag 1980 gegen den Willen meiner Mutter und als in der DDR sozialisiertes Wesen ausgeliefert hätte, wenn ein afrikanisches Staatsoberhaupt mal wieder gegen seine Nachbarn mobil macht. Aber sicher war sicher und das Thema war vom Tisch.</p>
<div id="attachment_7971" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7971" class="wp-image-7971" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/Weihnachtsgeschichten.jpeg" alt="Der erste Drehtag im Leben: für „Weihnachtsgeschichten“, DDR 1986. Abbildung: Pierre Sanoussi-Bliss/privat" width="600" height="430"><p id="caption-attachment-7971" class="wp-caption-text">Der erste Drehtag im Leben: für „Weihnachtsgeschichten“, DDR 1986. Abbildung: Pierre Sanoussi-Bliss/privat</p></div>
<p>Dass meine Mutter nicht zusammen mit Sanoussi die DDR verlassen hat, war überhaupt kein Thema. Sie hat gern in der Umgebung mit ihren Freunden und Verwandten in der DDR gelebt und war sich ehrlich gesagt nicht sicher, ob Sanoussi der Mann gewesen wäre, mit dem sie ein Leben in Afrika hätte leben wollen. Man darf nicht vergessen, dass es damals keine Computer mit Wikipedia und Youtube gab, wo man sich einfach so über Land und Leute oder Sitten und Bräuche hätte informieren können. Alles war Hörensagen und 1962 gab es sicher nicht die angenehmsten Gerüchte und Vermutungen, was afrikanisches Leben anging. Das hat sich schließlich bis heute kaum gewandelt, obwohl man sich besser informieren könnte, wenn man das wollte.</p>
<p>Meine erste und einzige bewusste Begegnung mit meinem Vater Amirou Sanoussi fand im Frühjahr 1989 statt. Ich war 28 Jahre alt und schon diplomierter Schauspieler, der vor Kurzem die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ absolviert hatte. Mein Vater war zu der Zeit Botschafter von Guinea in Kanada und machte einen Kurzbesuch in der DDR. Er nahm Kontakt zu meiner Mutter auf, weil er seinen inzwischen erwachsenen Sohn kennenlernen wollte. Zum letzten Mal gesehen hatte er mich, als ich noch ein Kleinkind war und woran ich mich natürlich nicht erinnern konnte.</p>
<p>Da der Botschafter von Guinea in der DDR schon seit Kindertagen sein Freund war, arrangierte dieser unser Treffen im guineischen Botschaftsgebäude in Berlin-Buchholz. Vor dieser merkwürdigen Begegnung hatte ich noch eine anstrengende Theaterprobe im „Jugendtreff“ im Palast der Republik mit meinen Schauspielerkollegen Walter Plathe, Simone Thomalla und Matthias Freihof. Der Abend hieß „Plattenspiele“ und war ein heiter-ironischer Ritt durch die Untiefen ostdeutschen Humors – mit ein paar kuscheligen Seitenhieben auf die sozialistische Realität, um es einigermaßen nett zu umschreiben.</p>
<div id="attachment_7973" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7973" class="wp-image-7973" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/Herz.jpg" alt="Staatsschauspiel Dresden: „Die Unbeständigkeit des Herzens“, 1994. Abbildung: Pierre Sanoussi-Bliss/privat" width="600" height="458"><p id="caption-attachment-7973" class="wp-caption-text">Staatsschauspiel Dresden: „Die Unbeständigkeit des Herzens“, 1994. Abbildung: Pierre Sanoussi-Bliss/privat</p></div>
<p>Nachmittags fuhr ich also direkt von der Probe nach Buchholz. Ich war erschöpft und etwas nervös. Vor der Botschaft wartete meine Mutter. Wir gingen gemeinsam hinein und wurden sehr freundlich von einer Art Hausdame mit Tine-Wittler-Figur empfangen, die in einen lilafarbenen afrikanischen Fummel gewandet war. Wir setzten uns, mein Vater erschien. Er sprach noch relativ gut Deutsch, jedenfalls besser als ich Russisch, das man mir jahrelang in der Schule erfolglos in den Kopf trichtern wollte, was bis heute ein ungutes Gefühl in mir aufkommen lässt, wenn ich slawische Sprachen höre.</p>
<p>Ein junger Mann betrat den Raum, sicher ein guineischer Student, der in der Botschaft offensichtlich als eine Art „Butler“ arbeitete, und fragte uns, was wir trinken wollen. Fanta? Cola? Whisky? Als Ossi waren das für mich natürlich alles selten zu konsumierende Herrlichkeiten und ich sagte, ich hätte gern ganz viel Coca Cola und einen Whisky. Daraufhin mischte sich sofort mein Vater ein und sagte: „Mein Sohn trinkt keinen Whisky!“</p>
<p>Damit war die Sache eigentlich gelaufen. Ich habe das natürlich als anmaßend empfunden. Wie kam dieser (schwarze) fremde Schnösel dazu, mir sofort nach dem Gutentagwünschen Vorschriften zu machen und seinen inzwischen 27-jährigen Sohn erziehen zu wollen? Und das nach über einem Vierteljahrhundert ohne Kontakt zu mir? Meine Mutter, die mich ziemlich gut kannte, stieß mich mit dem Knie an und in ihrem leicht flehentlichen Blick sah ich, dass ich das bitte einfach schweigend ertragen sollte. Ich akzeptierte.</p>
<div id="attachment_7974" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7974" class="wp-image-7974" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/DerAlte.jpg" alt="Als Axel Richter in „Der Alte“, ZDF 2014. Abbildung: Pierre Sanoussi-Bliss/privat" width="600" height="438"><p id="caption-attachment-7974" class="wp-caption-text">Als Axel Richter in „Der Alte“, ZDF 2014. Abbildung: Pierre Sanoussi-Bliss/privat</p></div>
<p>Im vor sich hinplätschernden Gespräch äußerte mein Vater dann sein Unverständnis darüber, dass ich nicht mit meiner Mutter zusammen leben würde. Das wunderte mich wiederum sehr. Gut, er kommt aus einem anderen Kulturkreis, in Afrika leben viele Familien generationsübergreifend zusammen. Aber als jemand, der in der DDR studiert hatte bzw. weltbürgerlich in Kanada als Botschafter tätig war, hätte er eigentlich wissen müssen, dass das bei uns nicht gerade Sitte ist. Außerdem war und ist das Verhältnis zu meiner Mutter gerade deswegen ein gutes, WEIL wir nicht zusammenwohnten. Wir kamen und kommen beide sehr gut allein zurecht.</p>
<p>Es ging dann so problematisch weiter. Im Grunde gerieten wir ständig aneinander, obwohl ich mich schon stark zurückhielt. Auch deswegen, weil mein Knie schon fast blau wurde, da meine Mutter mich unter dem Tisch permanent anrempelte, um mir zu verstehen zu geben, dass ich nicht so aufmüpfig sein und besser die Klappe halten sollte. Die ganze Situation war ihr sichtlich peinlich. Am Ende fuhren wir in die Gastwohnung der Botschaft, in der mein Vater wohnte. Er wollte mir diverse Anzüge von sich schenken, führte mich zu seinem Kleiderschrank und sagte sehr bestimmt: „Such dir was aus!“ Ich antwortete, dass ich das alles nicht brauchte, außerdem sei er ja einen Kopf kleiner als ich und die Sachen würden mir auf keinen Fall passen.</p>
<p>Es war absurd. Er ließ sich nicht abbringen und bestand darauf, dass ich etwas nehme, weil es sehr teure Anzüge seien. Schließlich gab er mir einfach zwei aus dem Schrank. Und auch ein paar Schuhe – kackbraune Slipper mit fürchterlichen goldenen Bommeln – musste ich (...) mitnehmen. Auf meinen Einwand, dass ich viel größere Füße hätte als er und diese Schuhe mir mindestens zwei Nummern zu klein seien, sagte er lediglich: „Die Schuhe haben 700 Dollar gekostet.“ Um diesen ganzen Unsinn zu beenden, nahm ich alles und sagte nichts mehr.</p>
<div id="attachment_7975" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7975" class="wp-image-7975" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/Goetz.jpg" alt="Titelrolle im „Götz von Berlichingen“, Jagsthausen 2020. Abbildung: Pierre Sanoussi-Bliss/privat" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7975" class="wp-caption-text">Titelrolle im „Götz von Berlichingen“, Jagsthausen 2020. Abbildung: Pierre Sanoussi-Bliss/privat</p></div>
<p>Beim Abschied gab er mir auch noch einen Umschlag. Als ich ihn öffnete, fand ich darin 3.000 DDR-Mark. Ich muss sehr enttäuscht geguckt haben, denn natürlich hatte ich eher auf Westgeld spekuliert. Damit hätte ich mir im Intershop eine Jeans und ein paar Platten kaufen können – zu der Zeit hörte ich Kate Bush. Kates Platten und mir wirklich gut passende Hosen gab es nur im Intershop. DDR-eigene Jeanskreationen wie „Wisent“, „Boxer“ oder „Goldfuchs“ kamen mir nicht an die Beine. Ich hatte in einem „Jugendmode“-Geschäft mal einige dieser Ost-Jeans anprobiert und konnte mich nicht entscheiden – zwischen Lachen und Weinen. Dass man in der DDR Westgeld besitzen durfte, wusste mein Vater angeblich nicht. Natürlich freute ich mich am Ende (...) über die 3.000 Ost-Mark, das war schließlich (...) sehr viel Geld, wenn man bedenkt, dass der Durchschnittsverdienst in der DDR 800 Mark im Monat betrug. Außerdem waren 3.000 Ost-Mark knapp 5.400 Feierabendbiere à 0,56 Mark der DDR. Wir hatten es doch eigentlich gar nicht so schlecht.</p>
<p>Tja, so war das mit meinem Vater. (...) Ich denke, er wollte mir, menschlich absolut verständlich, einfach nur zeigen, wozu er es gebracht hat. Wie ein amerikanischer Rapper, der aus der Gosse kommt und nach seinem Durchbruch Videos dreht, in denen er sich mit Diamanten, Ketten und Schmuck behängt, die schönsten Frauen am hauseigenen Pool um ihn herumtanzend, die fettesten Autos vor der Tür cruisend und der damit allen unmissverständlich zeigen will, dass er es geschafft hat. Ich bin meinem Vater nicht böse, aber das alles hatte auf mich wirklich eine abschreckende Wirkung. Wir haben nach diesem Aufeinandertreffen keinen Kontakt mehr gesucht und uns nie wieder gesehen. Ich weiß nicht, wie es ihm geht. Ich weiß nicht, wo er wohnt, nur dass er wieder in Guinea ist. Er müsste jetzt schon Mitte 70 sein. Vielleicht informiert er sich im Internet über mich. Ich google ihn jedenfalls ab und an, allerdings ohne neuen Erkenntnisgewinn. Meine Mutter hat ihm nach einem schlimmen Ebola-Ausbruch in dieser Region geschrieben, an die letzte Adresse, die sie von ihm hatte. Der Brief kam zurück.</p>
<p>Die Anzüge habe ich damals irgendwann in die Altkleidersammlung gegeben, die Schuhe irgendwo auf die Straße gestellt. Ich konnte niemanden in meinem Freundeskreis finden, der diese von meinem Vater gebrauchten, selbst für DDR-Verhältnisse hässlichen Slipper hätte tragen wollen.</p>
<p>Von den 3.000 Mark habe ich mir eine schicke Waschmaschine gekauft. Vorher hatte ich nur eine WM 66. Die Ossis unter Ihnen werden sich mit Schaudern erinnern. Ein fürchterliches Teil, das, wenn es schleuderte, durch die ganze Küche rutschte und einen selbst, versuchend die Bestie zu bändigen, gleich mit. Nun hatte ich eine richtig moderne, wunderbare Waschmaschine. Und ehrlicherweise muss ich gestehen, dass sie rein praktisch gesehen mehr Sinn machte als die neue Scheibe von Kate, auch wenn das jetzt blasphemisch klingt.</p>
<p>So habe ich dann jedes Mal, wenn ich Wäsche gewaschen habe, an meinen Vater gedacht. Allerdings ging die Maschine ziemlich schnell kaputt. Aber dann war auch schon „Westen“. Glücklicherweise. Jedenfalls was neue Waschmaschinen betraf.</p>
<p><em>Der Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch von Pierre Sanoussi-Bliss „Den Rest habe ich verdrängt“, Querverlag 2025.</em></p>
<div id="attachment_7976" style="width: 376px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7976" class="wp-image-7976" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/08/Cover_Foto-Detlef-Eden.jpg" alt="Pierre Sanoussi-Bliss: „Den Rest habe ich verdrängt“, Querverlag 2025. Abbildung: Detlef Eden" width="366" height="600"><p id="caption-attachment-7976" class="wp-caption-text">Pierre Sanoussi-Bliss: „Den Rest habe ich verdrängt“, Querverlag 2025. Abbildung: Detlef Eden</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Pierre Sanoussi-Bliss</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>GEBOREN:</strong> 1962/Ostberlin</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Berlin</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN THEATERTIPP:</strong> „Mauerstücke: Erinnerungsgeschichten“, Bettina Buske und Patricia Koelle (Hg.), 2009</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Ich war neunzehn“, 1968</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Insel Hiddensee</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/pierre-sanoussi-bliss-cola-whisky-wie-ich-das-einzige-mal-meinem-vater-begegnete/">Pierre Sanoussi-Bliss: Cola Whisky. Wie ich das einzige Mal meinem Vater begegnete</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bodo Ramelow: Ankommen im Osten. Meine Reise und Gedanken zur Zukunft Ostdeutschlands</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/bodo-ramelow-ankommen-im-osten-meine-reise-und-gedanken-zur-zukunft-ostdeutschlands/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jul 2026 05:30:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=7947</guid>

					<description><![CDATA[<p>Bodo Ramelow, Vizepräsident des Deutschen Bundestages und ehemaliger Ministerpräsident des Freistaates Thüringen, Die Linke, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7951" class="wp-image-7951 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Ramelow_DIAO2.png" alt="Bodo Ramelow, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Ministerpräsident des Freistaates Thüringen (2014–2024) Die Linke. Abbildung: Inga Haar/Deutscher Bundestag" width="705" height="1000">Bodo Ramelow, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, ehemaliger Ministerpräsident des Freistaates Thüringen (2014–2024), [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/bodo-ramelow-ankommen-im-osten-meine-reise-und-gedanken-zur-zukunft-ostdeutschlands/">Bodo Ramelow: Ankommen im Osten. Meine Reise und Gedanken zur Zukunft Ostdeutschlands</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Bodo Ramelow, Vizepräsident des Deutschen Bundestages und ehemaliger Ministerpräsident des Freistaates Thüringen, Die Linke, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7947"></span></p>
<div id="attachment_7951" style="width: 715px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7951" class="wp-image-7951 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Ramelow_DIAO2.png" alt="Bodo Ramelow, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Ministerpräsident des Freistaates Thüringen (2014–2024) Die Linke. Abbildung: Inga Haar/Deutscher Bundestag" width="705" height="1000"><p id="caption-attachment-7951" class="wp-caption-text">Bodo Ramelow, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, ehemaliger Ministerpräsident des Freistaates Thüringen (2014–2024), Die Linke. Abbildung: Inga Haar/Deutscher Bundestag</p></div>
<p>Am 28. Februar 1990 kam ich zum ersten Diensttermin nach Erfurt zu einer Belegschaftsversammlung im Centrum Warenhaus. Es begann für mich eine Reise aus dem Westen in den Osten. Thüringen als Bundesland gab es noch gar nicht und die Centrum Warenhäuser gibt es längst nicht mehr.</p>
<p>Als ich ins heutige Thüringen kam, wusste ich nicht, dass ich hier meine politische und persönliche Heimat finden würde. Ich war ein Gewerkschafter, ein Westdeutscher, der in den Brüchen der Zeit an der Seite der Beschäftigten nach Lösungen und Perspektiven gesucht hat, nicht, um „blühende Landschaften“ zu versprechen, sondern um mitzuhelfen, dass die Menschen im Osten selbst entscheiden können, wie sie ihre neue Realität gestalten.</p>
<p>Thüringen hat mich mit offenen Armen empfangen. Schnell merkte ich: Hier, zwischen Eichsfeld und Altenburger Land, herrschte eine Mischung aus Aufbruchsstimmung und tiefem Misstrauen. Viele fühlten sich überrumpelt – die eigene Lebensleistung war infrage gestellt, der Staat, in dem sie geboren waren, war verschwunden, und nun bestimmten andere die Regeln. Ich wusste: Ich muss zuhören, verstehen, gemeinsam neue Wege finden.</p>
<hr>
<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Ostdeutschland braucht keine Bevormundung – es braucht Anerkennung Vertrauen, echte Partnerschaft. [...] Ostdeutschland ist kein Opfer – es ist ein Zukunftslabor.”</strong></span></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Die Wendezeit – Aufbruch mit Brüchen</span></h2>
<p>Die Wendezeit war für viele Menschen in Ostdeutschland ein tiefer Einschnitt. Sie war nicht nur politisch, sondern auch emotional ein Bruch. Von heute auf morgen verschwanden Betriebe, Berufe, Lebenspläne. Die Treuhand überzog die neuen Bundesländer mit einem radikalen Umbau, der oft an den Bedürfnissen der Menschen vorbeiging. Es ging nicht um Teilhabe, sondern um Abwicklung.</p>
<p>Ich erinnere mich an die vielen Gespräche mit Arbeiterinnen und Arbeitern, die mir ihre Geschichten erzählten: von Ungleichbehandlung, von Arroganz, von Entwurzelung. In diesen Jahren wurde das Fundament gelegt für ein dauerhaftes Gefühl des „Zurückgesetzt- Seins“, das bis heute anhält. Es war der Moment, in dem mir klar wurde: Ostdeutschland braucht keine Bevormundung – es braucht Anerkennung, Vertrauen, echte Partnerschaft.</p>
<p>Wenn ich einen Ort benennen müsste, der für mich die tiefste Wunde dieser Zeit symbolisiert, dann ist es Bischofferode. Der Kalistreik dort 1993 war ein Aufschrei. Hunderte Bergleute kämpften nicht nur um ihre Arbeitsplätze, sondern um ihre Würde. Wochenlang streikten sie, hungerten, harrten aus – und doch siegten am Ende wirtschaftliche Interessen und politische Kälte.</p>
<p>Ich war oft in Bischofferode. Die Gespräche mit den Bergleuten haben mich geprägt. Ihre Entschlossenheit, ihre Solidarität, aber auch ihre Enttäuschung gegenüber der Politik – das alles hat sich mir eingebrannt. Für mich ist Bischofferode Mahnung und Auftrag zugleich: Wenn wir von Transformation reden, dürfen wir die Menschen nicht vergessen. Wir dürfen ihre Lebenswirklichkeit nicht zu Zahlenkolonnen degradieren.</p>
<div id="attachment_7953" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7953" class="wp-image-7953" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/5007747.jpg" alt="Von 2014 bis 2024 war Bodo Ramelow Ministerpräsident von Thüringen. Abbildung: Janine Schmitz/photothek" width="600" height="399"><p id="caption-attachment-7953" class="wp-caption-text">Von 2014 bis 2024 war Bodo Ramelow Ministerpräsident von Thüringen. Abbildung: Janine Schmitz/photothek</p></div>
<h2><span class="title-bg">Zuhören, Einmischen, Handeln</span></h2>
<p>Als ich 1999 in den Thüringer Landtag einzog, wusste ich, dass ich keine Karriere anstrebte, sondern eine Aufgabe übernahm. Ich wollte der Stimme des Ostens Gehör verschaffen – nicht, indem ich alte Gegensätze vertiefe, sondern indem ich Brücken baue. Politik heißt für mich, konkret zu werden: Schulen sanieren, Busverbindungen erhalten, Pflege stärken.</p>
<p>2014 wurde ich Ministerpräsident. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik führte ein Politiker der Linken ein Bundesland. Das war für viele ein Schock, für andere ein Hoffnungsschimmer. Ich wusste: Ich muss ein Landesvater für alle sein, nicht nur für meine Wählerinnen und Wähler. Thüringen ist vielfältig – und das ist seine Stärke.</p>
<div id="attachment_7954" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7954" class="wp-image-7954" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/5024796.jpg" alt="25. März 2025: Bodo Ramelow nimmt die Wahl zum Vizepräsidenten des 21. Deutschen Bundestages an. Abbildung: Tobias Koch/Deutscher Bundestag" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7954" class="wp-caption-text">25. März 2025: Bodo Ramelow nimmt die Wahl zum Vizepräsidenten des 21. Deutschen Bundestages an. Abbildung: Tobias Koch/Deutscher Bundestag</p></div>
<h2><span class="title-bg">Mehr als ein Herkunftsort</span></h2>
<p>35 Jahre nach der Wiedervereinigung ist Ostdeutschland noch immer nicht gleichwertig. Die Löhne sind niedriger, die Vermögen kleiner, die Repräsentation in Führungspositionen unzureichend. Doch Ostdeutschland ist mehr als eine Problemregion. Es ist ein Ort voller Talente, voller Ideen, voller Menschen, die gelernt haben, sich durchzubeißen. Was mir Hoffnung macht, sind junge Menschen, die hierbleiben oder zurückkehren, um zu gestalten. Es gibt Gründerinnen, die neue Wege gehen, engagierte Bürgermeisterinnen, die sich dem demografischen Wandel entgegenstemmen, und Bürgerinitiativen, die für ihre Dörfer kämpfen. Ostdeutschland ist kein Opfer – es ist ein Zukunftslabor.</p>
<p>Wenn ich auf die vergangenen Jahrzehnte zurückblicke, dann sehe ich, wie wichtig es ist, Geschichte nicht nur zu erinnern, sondern auch aus ihr zu lernen. Die Wendezeit zeigt uns: Transformation braucht Zeit, Teilhabe und Transparenz. Sie darf nicht über die Köpfe hinweg geschehen. Sie braucht aber auch in der Gegenwart eine Form der kulturellen Sichtbarkeit, die die Erfahrungen vieler Menschen repräsentieren und materialisieren hilft. Das Deutsche Nationaltheater (DNT) in Weimar beispielsweise hat mit seinen Theaterstücken „Wir sind das Volk“ und „Treuhandkriegspanorama“ eine eigene kulturelle Form gefunden, um diesem Wunsch der Menschen nach Sichtbarkeit ihrer Erfahrungshorizonte Rechnung zu tragen. Auch die sogenannten Erzählsalons von Katrin Rohnstock gemeinsam mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung haben Plattformen geschaffen, auf denen individuelle Erlebnisse aus der Zeit des Umbruchs 1989/1990 der Nachwelt überliefert werden können.</p>
<p>Eine der größten Herausforderungen bleibt, das Vertrauen in Demokratie und Institutionen zu stärken. Viele Menschen fühlen sich bis heute nicht repräsentiert. Sie erleben, dass ihre Sorgen kleingeredet werden. Das öffnet Tür und Tor für Populismus und Radikalisierung. Dem müssen wir entschlossen entgegentreten – durch Dialog, durch Ernsthaftigkeit, durch konsequentes Handeln.</p>
<div id="attachment_7956" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7956" class="wp-image-7956" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/5007746.jpg" alt="11. Februar 2022: Bundestagspräsidentin Bärbel Bas empfängt Bodo Ramelow, damals auch Präsident des Bundesrates. Abbildung: Janine Schmitz/photothek" width="600" height="401"><p id="caption-attachment-7956" class="wp-caption-text">11. Februar 2022: Bundestagspräsidentin Bärbel Bas empfängt Bodo Ramelow, damals auch Präsident des Bundesrates. Abbildung: Janine Schmitz/photothek</p></div>
<h2><span class="title-bg">Ein anderer Osten ist möglich</span></h2>
<p>Was braucht Ostdeutschland in den kommenden Jahren? Zuerst: Respekt. Es muss Schluss sein mit dem Blick von oben herab. Die Erfahrung, die in den ostdeutschen Biografien liegt, ist eine Ressource. Der Osten hat gelernt, mit Brüchen zu leben, mit Wandel umzugehen – das kann ein Vorteil sein in einer Welt, die sich immer schneller verändert.</p>
<p>Zweitens: Beteiligung. Die Menschen wollen mitreden. Sie wollen nicht nur als Betroffene gesehen werden, sondern als Gestalter. Bürgerbeteiligung darf kein Feigenblatt sein, sondern muss echte Mitsprache ermöglichen – in der Regionalentwicklung, beim Klimaschutz, in der Bildungsplanung.</p>
<p>Und drittens: Investitionen. Wir brauchen eine kluge Strukturpolitik, die gezielt in Regionen investiert, die bisher abgehängt wurden. Es geht nicht ums Gießkannenprinzip, sondern um gezielte Förderung von Infrastruktur, Digitalisierung, Bildung und Kultur.</p>
<p>Ich bin in Thüringen angekommen – als Mensch, als Politiker, als Mitbürger. Dieses Land hat mir viel gegeben. Ich habe versucht, etwas zurückzugeben. Unsere Herausforderungen sind groß: Der demografische Wandel, der Strukturwandel, die politische Polarisierung. Aber ich bin überzeugt: Wenn wir zusammenhalten, wenn wir zuhören, wenn wir uns gegenseitig ernst nehmen, dann hat Thüringen – und der ganze Osten – eine gute Zukunft.</p>
<p>Ich werde auch weiterhin meine Stimme erheben – nicht als moralische Instanz, sondern als jemand, der weiß, wie viel Kraft in diesem Land steckt. Thüringen ist mein Zuhause. Und ich glaube an seine Zukunft.</p>
<div id="attachment_7957" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7957" class="wp-image-7957" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/3916276.jpg" alt="14. Juni 2017: Filmpremiere des Kinderfilms des Deutschen Bundestages „Applaus für Felix“. Abbildung: Sylvia Bohn" width="600" height="268"><p id="caption-attachment-7957" class="wp-caption-text">14. Juni 2017: Filmpremiere des Kinderfilms des Deutschen Bundestages „Applaus für Felix“. Abbildung: Sylvia Bohn</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Bodo Ramelow</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>GEBOREN:</strong> 1956/Osterholz-Scharmbeck (Niedersachsen)</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Erfurt und Saalburg-Ebersdorf</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN THEATERTIPP:</strong> „Treuhandkriegspanorama“, 2022</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Barbara“, 2012</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Thüringen, besonders die Bleiloch­talsperre</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
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<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/bodo-ramelow-ankommen-im-osten-meine-reise-und-gedanken-zur-zukunft-ostdeutschlands/">Bodo Ramelow: Ankommen im Osten. Meine Reise und Gedanken zur Zukunft Ostdeutschlands</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Der Osten muss seine Geschichte selbst erzählen“ Interview mit Joerg Fieback von der Zebra Group</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/der-osten-muss-seine-geschichte-selbst-erzaehlen-interview-mit-joerg-fieback-von-der-zebra-group/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Jul 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=10100</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die 1991 in Chemnitz gegründete Zebra Group hat sich zu einer der größten inhabergeführten Agenturen in Deutschland entwickelt. Im Interview spricht CEO und Mitgründer Joerg Fieback über Ostdeutsche und Ostmarken, über „Ostimismus“ und „Ostwahlen“.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10102" class="wp-image-10102" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/ZEBRA-GF-18MAR26-1638.jpg" alt="Joerg Fieback, geboren 1974 in Ostberlin, Mitgründer und CEO der Chemnitzer Zebra Group, einer der 30 größten deutschen inhabergeführten Agenturen. Abbildung: Zebra Group" width="450" height="630">Joerg Fieback, geboren 1974 in Aue-Bad Schlema, Mitgründer und CEO der Chemnitzer Zebra Group, einer der 30 [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/der-osten-muss-seine-geschichte-selbst-erzaehlen-interview-mit-joerg-fieback-von-der-zebra-group/">„Der Osten muss seine Geschichte selbst erzählen“ Interview mit Joerg Fieback von der Zebra Group</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die 1991 in Chemnitz gegründete Zebra Group hat sich zu einer der größten inhabergeführten Agenturen in Deutschland entwickelt. Im Interview spricht CEO und Mitgründer Joerg Fieback über Ostdeutsche und Ostmarken, über „Ostimismus“ und „Ostwahlen“.</p>
<p><span id="more-10100"></span></p>
<div id="attachment_10102" style="width: 460px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10102" class="wp-image-10102" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/ZEBRA-GF-18MAR26-1638.jpg" alt="Joerg Fieback, geboren 1974 in Ostberlin, Mitgründer und CEO der Chemnitzer Zebra Group, einer der 30 größten deutschen inhabergeführten Agenturen. Abbildung: Zebra Group" width="450" height="630"><p id="caption-attachment-10102" class="wp-caption-text">Joerg Fieback, geboren 1974 in Aue-Bad Schlema, Mitgründer und CEO der Chemnitzer Zebra Group, einer der 30 größten deutschen inhabergeführten Agenturen. Abbildung: André Forner</p></div>
<h2><span class="title-bg">ostdeutschland.info: Joerg, wir haben uns 2025 auf dem MACHN Festival in Leipzig kennengelernt. Wie war das MACHN 2026 für dich?</span></h2>
<p><strong>Joerg Fieback: </strong>Das <a href="https://ostdeutschland.info/das-machn-wird-internationaler-interview-mit-marco-weicholdt/" target="_blank" rel="noopener">MACHN</a> ist für mich inzwischen viel mehr als ein Festival. Es gilt als das größte Business-Festival Ostdeutschlands, aber es ist viel mehr, als man unter einem Festival versteht, denn es ist ein Stimmungsbarometer für den Osten. Dort spürt man sehr schnell, wie die Menschen auf die Zukunft blicken. Mit welcher Energie sie unterwegs sind. Wo Optimismus entsteht. Wo Sorgen sind. Und welche Themen die Region wirklich bewegen.</p>
<p>Mich beeindruckt jedes Jahr aufs Neue, wie viele Menschen dort zusammenkommen, die nicht darauf warten, dass sich etwas verändert, sondern Veränderung selbst gestalten wollen. Gründer, Unternehmer, Wissenschaftler, Kreative, Kommunalpolitiker, Investoren, Studierende. Menschen, die etwas aufbauen wollen. Genau das gefällt mir am MACHN. Der Osten wird dort nicht als Problemfall behandelt. Er wird nicht auf Defizite reduziert. Er wird als Gestaltungsraum betrachtet. Das klingt banal, ist aber tatsächlich ein großer Unterschied.</p>
<p>Wenn über Ostdeutschland gesprochen wird, geht es häufig um Wahlergebnisse, Strukturprobleme, Abwanderung oder Fachkräftemangel. Alles wichtige Themen. Aber eben nicht die ganze Wahrheit. Wer über das MACHN läuft, erlebt etwas anderes: Innovationskraft, Unternehmertum, Kreativität und Aufbruch. Kurz gesagt: Zukunft. Für mich zeigt das Festival jedes Mal wieder, dass die spannendste Geschichte des Ostens nicht seine Vergangenheit, sondern seine Zukunft ist. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Der neue Osten entsteht längst. Man muss nur hinschauen.</p>
<div id="attachment_10149" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10149" class="wp-image-10149" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Titelbild_Keynote_Der-Osten-nervt_Joerg-Fieback.jpg" alt="Das Titelbild zu Joerg Fiebacks Keynote „Der Osten nervt“, die er auf dem MACHN Festival gehalten hat. Abbildung: Zebra Group" width="600" height="337"><p id="caption-attachment-10149" class="wp-caption-text">Das Titelbild zu Joerg Fiebacks Keynote „Der Osten nervt“, die er auf dem MACHN Festival gehalten hat. Abbildung: Zebra Group</p></div>
<h2><span class="title-bg">Du hast auf dem MACHN die Keynote „Der Osten nervt“ gehalten ...</span></h2>
<p>Der Titel sorgt zunächst immer für Irritation. Das ist durchaus beabsichtigt. Denn: Der Osten nervt tatsächlich. Er nervt in politischen Debatten. Er nervt in Wahlanalysen, Talkshows, Feuilletons und manchmal nervt er auch sich selbst. Aber mich interessiert die Frage: Warum eigentlich? Meine Antwort lautet: Weil der Osten bis heute Projektionsfläche ist. Für die einen ist er das Symbol des Scheiterns. Für die anderen das Symbol des Widerstands. Für manche ist er ein Sehnsuchtsort. Für andere eine Problemregion.</p>
<p>Was dabei oft verloren geht, ist die Wirklichkeit. Ich glaube, wir haben in Deutschland über Jahrzehnte hinweg ein sehr einseitiges Bild vom Osten erzählt. Ein Bild, das stark von Defiziten geprägt war: Arbeitslosigkeit, Strukturbruch, Abwanderung und Rechtsextremismus. Vieles davon hatte reale Ursachen. Wenn aber eine Region über Jahrzehnte vor allem über Probleme beschrieben wird, entsteht irgendwann ein Narrativ. Und Narrative haben Macht. Sie beeinflussen, wie über Regionen gesprochen wird. Sie beeinflussen Investitionsentscheidungen. Sie beeinflussen Karrierewege. Und sie beeinflussen auch das Selbstbild der Menschen, die dort leben.</p>
<blockquote><p>Der Osten hat nicht nur ein Strukturproblem. Er hat vor allem ein Narrativproblem. Wir brauchen eine vollständigere Erzählung.“</p></blockquote>
<p>Deshalb lautet meine These: Der Osten hat nicht nur ein Strukturproblem. Er hat vor allem ein Narrativproblem. Wir brauchen keine Schönfärberei. Aber wir brauchen eine vollständigere Erzählung. Denn der Osten ist eben nicht nur Protest, Mangel oder Rückstand. Er ist auch Innovationskraft, Unternehmertum, Kreativität, Kultur und Transformationserfahrung. Genau diese Geschichten müssen sichtbarer werden.</p>
<h2><span class="title-bg">Gibt es so etwas wie eine Superkraft der Ostdeutschen? Was bringen Ostdeutsche mit, das wir in ganz Deutschland benötigen?</span></h2>
<p>Wenn ich eine Eigenschaft nennen müsste, wäre es Transformationserfahrung. Ostdeutsche mussten erleben, was viele Unternehmen und Institutionen heute erst lernen: radikalen Wandel. Nach der Wende verschwanden ganze Systeme innerhalb weniger Monate. Berufe verloren ihre Grundlage. Unternehmen verschwanden. Lebensentwürfe mussten neu gedacht werden. Viele Menschen mussten sich mehrfach neu erfinden. Das war für viele schmerzhaft. Für manche existenziell. Aber daraus ist auch etwas entstanden, das heute enorm wertvoll sein kann: Resilienz.</p>
<p>Wir leben wieder in einer Zeit großer Umbrüche. Digitalisierung, künstliche Intelligenz, geopolitische Unsicherheit und demografischer Wandel. Fast jede Branche steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Plötzlich werden Fähigkeiten wichtig, die viele Ostdeutsche schon einmal trainieren mussten: Anpassungsfähigkeit, Pragmatismus, Improvisationsvermögen und die Bereitschaft, Neues zu wagen. Ich sage deshalb manchmal bewusst provokant: Der Osten hat Transformation nicht studiert. Der Osten hat sie erlebt. Vielleicht liegt genau darin eine Stärke, die Deutschland heute gut gebrauchen kann.</p>
<h2><span class="title-bg">Wo liegen die Schwächen der Ostdeutschen?</span></h2>
<p>Ich glaube, wir sind häufig zu bescheiden. Viele Ostdeutsche haben gelernt, Leistung nicht an die große Glocke zu hängen. Erst machen, dann reden. Das ist menschlich sympathisch. In einer Aufmerksamkeitsökonomie ist es aber nicht immer hilfreich. Wir erleben das auch bei Unternehmen. Viele ostdeutsche Mittelständler sind in ihrem Bereich Weltklasse. Aber kaum jemand kennt sie.</p>
<p>Dazu kommt ein zweiter Punkt: Netzwerke. Der aktuelle Elitenmonitor zeigt erneut, wie stark Ostdeutsche in Führungspositionen unterrepräsentiert sind. Das hat viele Ursachen. Eine davon ist sicherlich, dass Netzwerke, Mentoren und Zugänge im Osten historisch schwächer ausgeprägt sind. Wer weniger Vermögen vererbt bekommt, weniger Kontakte in Machtzentren hat und seltener Vorbilder in Spitzenpositionen sieht, startet oft mit anderen Voraussetzungen. Das hat nichts mit Talent zu tun. Es hat mit Strukturen zu tun. Deshalb glaube ich, dass wir im Osten stärker lernen müssen, uns gegenseitig sichtbar zu machen. Nicht aus Eitelkeit, sondern aus Verantwortung.</p>
<div id="attachment_10147" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10147" class="wp-image-10147" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Ostimist-gelb.jpg" alt="Der Ostimist-Sticker. Ostimismus bedeutet laut Joerg Fieback, die Opferrolle zu verlassen und mehr Selbstwirksamkeit zu zeigen. Abbildung: Zebra Group" width="600" height="600"><p id="caption-attachment-10147" class="wp-caption-text">Der Ostimist-Sticker. Ostimismus bedeutet laut Joerg Fieback, die Opferrolle zu verlassen und mehr Selbstwirksamkeit zu zeigen. Abbildung: Zebra Group</p></div>
<h2><span class="title-bg">Du bist bekennender „Ostimist“. Was hat es damit auf sich?</span></h2>
<p>Ostimismus ist für mich keine politische Haltung. Es ist eine kulturelle Haltung. Der Begriff entstand aus der Beobachtung, dass viele Debatten über Ostdeutschland zwischen zwei Extremen pendeln. Auf der einen Seite steht die Defiziterzählung: Der Osten als Problem. Auf der anderen Seite die Verklärung: Früher war alles besser. Beides führt nicht weiter. Ostimismus bedeutet für mich etwas anderes. Es bedeutet, Probleme klar zu benennen und trotzdem an Gestaltungskraft zu glauben.</p>
<p>Ich bin nicht Ostimist, weil alles gut ist. Ich bin Ostimist, weil ich glaube, dass es besser werden kann, und weil ich überzeugt bin, dass die Menschen hier viel mehr Potenzial haben, als ihnen oft zugetraut wird. Der neue Osten entsteht nicht auf politischen Podien und auch nicht in Leitartikeln. Er entsteht in Unternehmen, in Vereinen, in Initiativen, in Netzwerken und in den Köpfen der Menschen. Ostimismus heißt deshalb für mich: weniger Jammern, mehr Gestalten. Weniger Opferrolle, mehr Selbstwirksamkeit. Und vielleicht vor allem: den Osten nicht länger nur erklären lassen, sondern anfangen, ihn selbst zu erzählen.</p>
<blockquote><p>Ostimismus bedeutet, Probleme klar zu benennen und trotzdem an Gestaltungskraft zu glauben. Und vielleicht vor allem: den Osten nicht länger nur erklären lassen, sondern anfangen, ihn selbst zu erzählen.“</p></blockquote>
<h2><span class="title-bg">Ist der Begriff „Ostimist“ eigentlich schon final? Pessimisten lesen vielleicht „OstistMist“, aber du bist der Werber …</span></h2>
<p><em>(lacht)</em> Großartig. Das habe ich wirklich noch nie gehört. Aber vielleicht ist das sogar ein gutes Zeichen. Denn Wörter, über die niemand stolpert, bleiben selten hängen. Mir geht es ohnehin weniger um den Begriff, als um die Idee dahinter. Ostimismus beschreibt für mich eine Haltung: Probleme sehen, ohne sich von ihnen definieren zu lassen. Die eigene Herkunft ernst nehmen, ohne in Nostalgie zu verfallen. Die Zukunft gestalten, statt Vergangenheit zu verwalten. Wenn Menschen über das Wort diskutieren, reden sie meistens schon über genau diese Idee. Und dann hat es seinen Job erfüllt.</p>
<h2><span class="title-bg">Als Mitgründer und CEO der Zebra Group – was macht eure Agentur aus?</span></h2>
<p><a href="https://zebra.de/" target="_blank" rel="noopener">Zebra</a> wurde vor 35 Jahren in Chemnitz gegründet. Damals war die Stadt für viele noch Symbol einer Region im Umbruch. Mittlerweile war sie unter anderem Europäische Kulturhauptstadt 2025 – vielleicht steckt darin auch ein Teil unserer eigenen Geschichte.</p>
<p>Wir haben nie versucht, eine ostdeutsche Agentur zu sein. Aber wir haben auch nie versucht, keine ostdeutsche Agentur zu sein. Wir kommen von hier. Wir verstehen die Mentalität, die Menschen, die Unternehmen, die Herausforderungen. Gleichzeitig arbeiten wir längst weit über Sachsen hinaus. Für Marken, Institutionen und öffentliche Auftraggeber in ganz Deutschland. Was uns auszeichnet, ist die Verbindung aus strategischer Markenarbeit, Kreativität und Unternehmertum. Wir glauben an die Kraft von Marken und daran, dass sie etwas bewegen – in Köpfen, Herzen und Bilanzen.</p>
<p>Kommunikation ist auch mehr als Werbung. Kommunikation schafft Wahrnehmung. Und Wahrnehmung schafft Realität. Deshalb interessieren wir uns nicht nur für Kampagnen, sondern für Narrative. Für Bilder. Für die Geschichten, die Menschen über Marken, Unternehmen oder Regionen erzählen. Vielleicht erklärt das auch, warum uns das Thema „Osten“ so beschäftigt. Denn am Ende ist auch eine Region eine Marke. Mit Stärken. Mit Schwächen. Mit Klischees. Mit Potenzialen. Genau dort beginnt unsere Arbeit.</p>
<h2><span class="title-bg">Nach der Kampagne für die Landesmarke „So geht sächsisch“ 2025 habt ihr euch kürzlich auch den Etat für das Standortmarketing des Freistaats Thüringen gesichert.</span></h2>
<p>Darüber freuen wir uns natürlich sehr. Vor allem deshalb, weil wir glauben, dass ostdeutsche Regionen heute selbstbewusster über ihre Stärken sprechen dürfen. Lange Zeit wurden viele ostdeutsche Standorte vor allem über Fördermittel, Strukturwandel oder Probleme definiert. Das greift jedoch viel zu kurz.</p>
<p>Wenn ich durch Thüringen fahre, sehe ich Innovationskraft, Mittelstand, Weltmarktführer, Kultur, Lebensqualität, Hochschulen, Forschung, ... Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Die gibt es überall. Aber Kommunikation sollte nicht nur Defizite verwalten. Sie sollte auch Potenziale sichtbar machen. Deshalb geht es bei Standortmarketing heute nicht mehr darum, schöne Bilder zu produzieren. Es geht darum, glaubwürdige Geschichten zu erzählen. Geschichten, die zeigen, warum Menschen hier leben, arbeiten, investieren oder gründen wollen. Genau das macht diese Aufgabe so spannend.</p>
<h2><span class="title-bg">Du bist Vorstandsmitglied im GWA, dem Verband der führenden Kommunikations­agenturen Deutschlands. Wie ist die Stimmung in der Agenturbranche?</span></h2>
<p>Die Branche befindet sich wahrscheinlich in der größten Transformation seit dem Aufkommen des Internets. Künstliche Intelligenz verändert Prozesse, Rollenbilder, Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle. Viele klassische Agenturleistungen werden günstiger oder automatisierbar. Das sorgt natürlich für Unsicherheit. Gleichzeitig erlebe ich aber auch enorme Neugier.</p>
<p>Die spannendste Frage lautet aus meiner Sicht nicht, welche Jobs verschwinden, sondern welche neuen entstehen. Denn Kommunikation wird nicht weniger wichtig, eher das Gegenteil ist der Fall. In einer Welt, in der Inhalte immer schneller und günstiger produziert werden können, steigt der Wert von Orientierung. Von Strategie. Von Urteilskraft. Von Kreativität.</p>
<p>Wir bei Zebra sprechen von „Human Intelligence“. Denn KI macht Output billiger. Aber gute Entscheidungen werden dadurch nicht automatisch leichter. Ich glaube deshalb, dass erfolgreiche Agenturen künftig weniger Produzenten und stärker Navigatoren sein werden. Menschen und Unternehmen brauchen jemanden, der Technologie, Markenführung, Daten, Kreativität und Wirkung zusammenbringt. Genau dort entsteht der neue Agenturwert.</p>
<h2><span class="title-bg">2024 hat die Zebra Group eine Ost-West-Studie veröffentlicht: Wie isser denn, der Ossi?</span></h2>
<p>Die wichtigste Erkenntnis unserer <a href="https://ostdeutschland.info/marketing-im-osten-wo-die-deutschen-unterschiedlich-ticken-und-kaufen/" target="_blank" rel="noopener">Studie</a> war zunächst einmal: Es gibt den Ossi noch. Also, nicht den Klischee-Ossi. Aber durchaus auch den Unterschied zwischen Ost und West in Sachen Einstellungen, Werte und Wahrnehmungen. Und das hat uns selbst überrascht. Vor allem deshalb, weil wir festgestellt haben, dass manche Unterschiede bei den Nachwende-Generationen sogar stärker ausgeprägt sind als bei den Älteren. Das deutet darauf hin, dass Herkunft und kulturelle Prägung länger wirken, als von vielen vermutet.</p>
<p>Besonders spannend fanden wir die Unterschiede bei den Themen Heimatliebe und Lebensqualität. Während Westdeutsche ihre Region stärker über Lebensqualität beschreiben, spielt bei Ostdeutschen der Begriff Heimat eine deutlich größere Rolle. Nicht im nostalgischen Sinn. Sondern als Ausdruck von Verbundenheit.</p>
<blockquote><p>Während Westdeutsche ihre Region stärker über Lebensqualität beschreiben, spielt bei Ostdeutschen der Begriff Heimat eine deutlich größere Rolle, als Ausdruck von Verbundenheit.“</p></blockquote>
<p>Ein weiteres interessantes Ergebnis war die Mediennutzung. Die ostdeutsche Nachwende-Generation zeigte sich deutlich digitaler als ihre westdeutschen Pendants. Das ist insbesondere mit Blick auf politische Kommunikation und gesellschaftliche Debatten hochinteressant.</p>
<p>Auf der anderen Seite haben wir auch etwas festgestellt, das oft übersehen wird: Die Deutschen sind sich ähnlicher, als viele Debatten vermuten lassen. Familie, Vertrauen, Verlässlichkeit oder Markenbindung spielen in Ost und West eine große Rolle. Die Unterschiede liegen oft weniger zwischen den Regionen als in den Details. Genau diese Details machen gute Kommunikation aus. Deshalb war die Studie für uns nicht nur gesellschaftlich spannend, sondern auch fachlich hoch relevant.</p>
<h2><span class="title-bg">Wie sind Ostdeutsche als Konsumenten? Muss Werbung für sie anders sein?</span></h2>
<p>Die kurze Antwort lautet: Ja und nein. Nein, weil Menschen überall Menschen sind. Sie suchen Orientierung, Vertrauen, Zugehörigkeit und Lösungen für ihre Bedürfnisse. Die großen Mechanismen der Kommunikation funktionieren in Rostock genauso wie in Köln oder München. Ja, weil Biografien einen Unterschied machen. Menschen kaufen Produkte nicht nur mit ihrem Geld, sondern auch mit ihren Erfahrungen. Und die Erfahrungen vieler Ostdeutscher unterscheiden sich bis heute von denen vieler Westdeutscher.</p>
<p>Unsere Ost-West-Studie hat gezeigt, dass Herkunft, Heimat und Authentizität für viele Ostdeutsche eine größere Rolle spielen. Gleichzeitig begegnen sie überzogenen Werbeversprechen häufig skeptischer. Vielleicht liegt das an der eigenen Transformationsgeschichte oder daran, dass viele Menschen hier gelernt haben, genauer hinzuschauen. Für Marken bedeutet das vor allem eines: Glaubwürdigkeit schlägt Inszenierung. Werbung muss deshalb nicht grundsätzlich anders sein. Aber sie sollte ehrlicher sein. Nahbarer. Weniger laut und dafür relevanter. Die eigentliche Frage lautet ohnehin nicht: „Wie erreiche ich Ostdeutsche?“ Sondern: „Verstehe ich die Menschen, mit denen ich sprechen möchte?“ Gute Kommunikation beginnt immer mit Respekt vor den Lebensrealitäten ihrer Zielgruppen.</p>
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                <li style="display: none; width: 100%;" class="slide-10155 ms-image " aria-roledescription="slide" data-date="2026-07-21 10:53:54" data-filename="zetti-Knusperflocken_Kretsche.jpg" data-slide-type="image"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="704" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/zetti-Knusperflocken_Kretsche.jpg" class="slider-10151 slide-10155 msDefaultImage" alt="Handballer Stefan „Kretzsche“ Kretzschmar warb in einer Zebra-Kampagne für Zetti Knusperflocken. Abbildung: Zebra Group" rel title="Handballer Stefan „Kretzsche“ Kretzschmar warb in einer Zebra-Kampagne für Zetti Knusperflocken. Abbildung: Zebra Group"><div class="caption-wrap"><div class="caption"><div>Handballer Stefan „Kretzsche“ Kretzschmar warb in einer Zebra-Kampagne für Zetti Knusperflocken. Abbildung: Zebra Group</div></div></div></li>
                <li style="display: none; width: 100%;" class="slide-10157 ms-image " aria-roledescription="slide" data-date="2026-07-21 10:54:36" data-filename="Florena.jpg" data-slide-type="image"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="692" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Florena.jpg" class="slider-10151 slide-10157 msDefaultImage" alt="Die Zebra Group erhielt mit einer Florena-Kampagne, für die die Schwimmerin Franziska van Almsick warb, Aufmerksamkeit in den Medien. Abbildung: Zebra Group" rel title="Die Zebra Group erhielt mit einer Florena-Kampagne, für die die Schwimmerin Franziska van Almsick warb, Aufmerksamkeit in den Medien. Abbildung: Zebra Group"><div class="caption-wrap"><div class="caption"><div>Die Zebra Group sorgte mit einer Florena-Kampagne, für die die Schwimmerin Franziska van Almsick warb, für Aufmerksamkeit in den Medien. Abbildung: Zebra Group</div></div></div></li>
                <li style="display: none; width: 100%;" class="slide-10159 ms-image " aria-roledescription="slide" data-date="2026-07-21 10:55:16" data-filename="2026.06.03-Canon-EOS-R8-Raphael-Heimann-MACHN2026-_MG_0287.jpg" data-slide-type="image"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="667" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/2026.06.03-Canon-EOS-R8-Raphael-Heimann-MACHN2026-_MG_0287.jpg" class="slider-10151 slide-10159 msDefaultImage" alt="Joerg Fieback während seiner Keynote auf dem MACHN Festival 2026. Abbildung: Zebra Group, Raphael Heimann" rel title="Joerg Fieback während seiner Keynote auf dem MACHN Festival 2026. Abbildung: Zebra Group, Raphael Heimann"><div class="caption-wrap"><div class="caption"><div>Joerg Fieback während seiner Keynote auf dem MACHN Festival 2026. Abbildung: Zebra Group, Raphael Heimann</div></div></div></li>
            </ul>
        </div>
        
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<h2><span class="title-bg">Vita Cola, Rondo Melange, Senf aus Born und Bautzen, Knusperflocken und Bambina – funktionieren Ostprodukte noch als solche?</span></h2>
<p>Ja, aber anders als früher. In den 1990er-Jahren war der Erfolg vieler Ostmarken häufig eine Form kultureller Selbstbehauptung. Menschen wollten sich ein Stück Identität bewahren. Das war verständlich. Heute erleben wir etwas anderes. Marken wie Vita Cola, Bautz’ner oder Knusperflocken profitieren zunehmend von Eigenschaften, die weit über Ostalgie hinausgehen. Sie wirken authentisch. In einer Welt voller austauschbarer Produkte suchen Menschen nach Herkunft, Glaubwürdigkeit und Charakter. Genau das bringen viele Ostmarken mit. Sie haben eine Geschichte. Sie haben Ecken und Kanten und wirken oft weniger konstruiert als manche internationale Markeninszenierung.</p>
<blockquote><p>Die besten Ostmarken verkaufen heute nicht Vergangenheit. Sie verkaufen Haltung.“</p></blockquote>
<p>Spannend ist dabei: Viele erfolgreiche Ostmarken werden längst nicht mehr nur im Osten gekauft. Sie funktionieren zunehmend als eigenständige Markenpersönlichkeiten. Das zeigt etwas sehr Interessantes. Herkunft kann eine Stärke sein. Aber nur dann, wenn sie nicht zum Selbstzweck wird. Die besten Ostmarken verkaufen heute nicht Vergangenheit. Sie verkaufen Haltung.</p>
<h2><span class="title-bg">Ost und West: Wo stehen wir heute generell?</span></h2>
<p>Wir sind weiter als viele denken und gleichzeitig nicht weit genug. 35 Jahre nach der Wiedervereinigung haben wir wirtschaftlich, infrastrukturell und gesellschaftlich enorme Fortschritte gemacht. Viele ostdeutsche Städte haben sich beeindruckend entwickelt. Universitäten, Unternehmen und Forschungsstandorte spielen längst auf nationalem und internationalem Niveau. Wer behauptet, die Wiedervereinigung sei gescheitert, verkennt diese Realität. Ebenso falsch wäre es jedoch zu behaupten, die Unterschiede hätten sich vollständig aufgelöst. Der Elitenmonitor zeigt eine weiterhin deutliche Unterrepräsentation Ostdeutscher in Führungspositionen. Bei Vermögen, Erbschaften und Netzwerken bestehen ebenfalls erhebliche Unterschiede.</p>
<blockquote><p>Wir sollten die Ost-West-Debatte nicht beenden. Wir sollten sie erwachsener führen. Weniger als Konflikt. Mehr als eine gemeinsame Aufgabe.“</p></blockquote>
<p>Hinzu kommt etwas, das mich besonders beschäftigt: die Wahrnehmung. Viele Menschen im Osten haben bis heute das Gefühl, dass ihre Erfahrungen, Perspektiven und Biografien nicht ausreichend repräsentiert werden. Das ist kein Randthema. Denn gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht nicht nur durch Infrastruktur oder Wirtschaftswachstum. Er entsteht auch durch Anerkennung. Deshalb glaube ich, dass wir die Ost-West-Debatte nicht beenden sollten. Wir sollten sie erwachsener führen. Weniger als Konflikt. Mehr als eine gemeinsame Aufgabe. Denn am Ende geht es nicht darum, Unterschiede wegzudiskutieren. Sondern darum, sie anzuerkennen und gemeinsam daraus Stärke zu entwickeln.</p>
<h2><span class="title-bg">Wie blickst du auf die „Ostwahlen“ 2026?</span></h2>
<p>Zunächst einmal stört mich der Begriff ein wenig. Er suggeriert häufig, dass Wahlen im Osten etwas grundsätzlich anderes seien als Wahlen im Rest des Landes. Dabei zeigen viele Entwicklungen, dass Themen wie Vertrauensverlust, politische Polarisierung oder Zukunftsängste längst gesamtdeutsche Phänomene sind.</p>
<p>Natürlich schauen Medien bei Wahlen im Osten besonders genau hin. Manchmal habe ich allerdings den Eindruck, dass dabei mehr über den Osten gesprochen wird als mit ihm. Mich interessiert deshalb weniger die Frage, wer gewinnt oder verliert, sondern die Frage, was Menschen bewegt. Wo entsteht Zuversicht? Wo entsteht Frustration? Wo fühlen sich Menschen gesehen und wo nicht?</p>
<blockquote><p>Der Osten ist kein Sonderfall, oft ist er ein Frühindikator.“</p></blockquote>
<p>Ich glaube, Politik wird in Zukunft stärker als bisher zeigen müssen, dass sie Gestaltung ermöglicht. Nicht nur Verwaltung. Denn viele Menschen sehnen sich nach Orientierung, Verlässlichkeit und Perspektive. Der Osten ist dabei kein Sonderfall, aber er ist oft ein Frühindikator. Viele Entwicklungen, die später bundesweit sichtbar werden, zeigen sich hier früher und deutlicher. Deshalb lohnt sich der Blick in den Osten nicht nur für Ostdeutsche, sondern für ganz Deutschland.</p>
<p>Vielleicht ist das sogar die wichtigste Botschaft, die ich derzeit mitnehme. Der Osten ist kein Randthema. Er ist ein Teil der Zukunft dieses Landes und vielleicht wird er gerade deshalb wieder so intensiv diskutiert. &nbsp;Weil sich in ihm viele Fragen bündeln, die uns alle betreffen: Wie gehen wir mit Wandel um? Wie schaffen wir Zugehörigkeit? Wie organisieren wir Zusammenhalt? Wie erzählen wir unsere gemeinsame Zukunft? Wenn wir darauf gute Antworten finden, gewinnt nicht nur der Osten. Dann gewinnt Deutschland.</p>
<h2><span class="title-bg">Vielen Dank.</span></h2>
<p><em>Die Fragen stellte Robert Nehring.</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/der-osten-muss-seine-geschichte-selbst-erzaehlen-interview-mit-joerg-fieback-von-der-zebra-group/">„Der Osten muss seine Geschichte selbst erzählen“ Interview mit Joerg Fieback von der Zebra Group</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Dr. Paula Piechotta: Ostgefühle. Vom Gefühlsknäuel zur Stärke – Ostdeutschland neu erzählen</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/dr-paula-piechotta-ostgefuehle-vom-gefuehlsknaeuel-zur-staerke-ostdeutschland-neu-erzaehlen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Jul 2026 05:30:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=7935</guid>

					<description><![CDATA[<p>Dr. Paula Piechotta, Mitglied des Deutschen Bundestages Bündnis90/Die Grünen, ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7945" class="wp-image-7945 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Piechotta_DIAO2.png" alt="Dr. Paula Piechotta, Mitglied des Deutschen Bundestages Bündnis90/Die Grünen. Abbildung: Philip Knoll" width="709" height="1000">Dr. Paula Piechotta, Mitglied des Deutschen Bundestages Bündnis90/Die Grünen. Abbildung: Philip Knoll<br />
Ostdeutschland ist beispiellos. Wer im Jahr 1933 in der Region des [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/dr-paula-piechotta-ostgefuehle-vom-gefuehlsknaeuel-zur-staerke-ostdeutschland-neu-erzaehlen/">Dr. Paula Piechotta: Ostgefühle. Vom Gefühlsknäuel zur Stärke – Ostdeutschland neu erzählen</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Dr. Paula Piechotta, Mitglied des Deutschen Bundestages Bündnis90/Die Grünen, ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7935"></span></p>
<div id="attachment_7945" style="width: 719px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7945" class="wp-image-7945 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Piechotta_DIAO2.png" alt="Dr. Paula Piechotta, Mitglied des Deutschen Bundestages Bündnis90/Die Grünen. Abbildung: Philip Knoll" width="709" height="1000"><p id="caption-attachment-7945" class="wp-caption-text">Dr. Paula Piechotta, Mitglied des Deutschen Bundestages Bündnis90/Die Grünen. Abbildung: Philip Knoll</p></div>
<p>Ostdeutschland ist beispiellos. Wer im Jahr 1933 in der Region des heutigen Ostdeutschlands letztmals an einer demokratischen Wahl teilnehmen konnte, der musste bis zur nächsten freien Wahl nicht wie die Westdeutschen bis 1949 warten, sondern ganze 57 Jahre bis 1990. Wer im Jahr 1945 in der sowjetischen Besatzungszone lebte, in dessen Umfeld wurden ungleich mehr Industrieanlagen und Schienentrassen für Reparaturen abmontiert und weggeschafft als in den anderen Besatzungszonen – und er hatte in der darauffolgenden Diktatur fast alle Möglichkeiten der freien Berufswahl sowie Eigentum und Entfaltungsmöglichkeiten verloren. Dieser in Ostdeutschland lebende Mensch hat damit sowohl was seine persönlichen Freiheiten als auch seine wirtschaftlichen Möglichkeiten betrifft, deutlich stärker für die deutsche Schuld an den Verbrechen des Nationalsozialismus bezahlt als Menschen im heutigen Westdeutschland. Dieser Mensch hat in vielen Fällen Traumata aus diesen Diktaturjahren an seine Kinder und Enkel weitergegeben. Dieser Mensch hat am Ende zwei aufeinanderfolgende Diktaturen durchlebt, mit staatlicher Willkür und immer in Angst, wegen unliebsamer Aussagen vom Staat weggesperrt zu werden. Er hat beispiellose Abwanderungswellen sowohl zu DDR-Zeiten als auch in den 1990er-Jahren erlebt und eine wirtschaftliche Transformation von der Plan- in die Marktwirtschaft, die nirgendwo schneller durchgezogen wurde als hier im Osten Deutschlands.</p>
<p>Dieser Mensch lebt heute in der europäischen Region, die mit Abstand die wenigsten Gläubigen pro Einwohner hat. In der die Skepsis gegenüber staatlichen Institutionen besonders hoch ist. Und das alles, obwohl Ostdeutschland eine der wenigen Regionen der Welt ist, in denen eine Revolution stattgefunden hat, die nicht nur erfolgreich, sondern auch friedlich verlief. Aber dieser kurze Glücksmoment wird in den Schatten gestellt von jahrzehntelang aufgetürmten Problemen, Ungerechtigkeiten und Unterdrückungen.</p>
<p>Unsere ostdeutsche Gefühlslandschaft ist nach den letzten acht Dekaden komplex und verheddert. Da ist noch immer so vieles nicht ausreichend aufgearbeitet und verarbeitet, dass man beim Versuch, aus diesem Gefühlsknäuel auszubrechen, aber nicht zu können – weil es einfach zu verworren ist –, über kurz oder lang sehr, sehr wütend wird.</p>
<hr>
<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Weil wir Glück hatten, tragen wir Verantwortung für die Gesellschaften, die heute in Unfreiheit leben.”</strong></span></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Unser Glück bedingte das Unglück anderer</span></h2>
<p>Weil wir 1989 Glück hatten und die Diktatur ohne Blutvergießen in die Knie ging, lernten Diktatoren weltweit, wie sie ähnliche Demonstrationen noch härter und erfolgreicher bekämpfen müssen. In unserem Glück liegt damit auch das Unglück anderer Gesellschaften, die in der Folge mit friedlichen Protesten oft nicht mehr erfolgreich waren. Damit tragen wir auch Verantwortung für die Gesellschaften, die heute in Unfreiheit leben und mit ihren Revolutionen weniger Glück haben.</p>
<p>Natürlich kann man auf Ostdeutschland auch als große Erfolgsgeschichte blicken. Nicht wenige haben immer wieder versucht, diese Erfolgserzählung zu setzen: Fast nirgendwo sonst hätten sich Menschen friedlich ihre Demokratie auf der Straße selbst erkämpft, fast nirgendwo sonst hätten Menschen so viel Erfahrung mit Umbrüchen und „Veränderungskompetenz“ wie hier, nirgendwo sonst habe man derart viel Selbstwirksamkeit erlebt wie hier. Das ist alles richtig, aber 1989 war ein verdammt kurzer Moment im Leben eines Menschen und er wurde eingerahmt und mehr als nivelliert durch jahrzehntelange Frustrationserfahrungen vor und nach 1989. Oder anders formuliert: Es gibt sicher ein Paralleluniversum, in dem diese Erzählungen von der Generation des beispiellosen ostdeutschen Glücksfalls breit in der Bevölkerung verfangen. In diesem, unserem Universum aber nicht.</p>
<p>Was in den 1980er-Jahren in Gdansk, in Prag, in Plauen und Leipzig begann und gelang, schulte viele Diktatoren, Despoten und Autokraten gerade auch im scharfen Kontrast zum Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens darin, wie man es eben NICHT machen darf, wenn man die eigene Diktatur erhalten möchte. Die Lehren daraus: Die Menschen nicht demonstrieren lassen. Auf Demonstrationen mit ultimativer Härte reagieren. Ein starker Durchgriff auf die Sicherheitskräfte.</p>
<p>Die Erkenntnisse über die erfolgreichen Revolutionen des Ostblocks machen es den heute für Menschenrechte und Demokratie auf die Straße gehenden Menschen auf der ganzen Welt schwerer, erfolgreich zu sein. Unser ostdeutscher und polnischer und tschechischer und slowakischer Glücksfall war die Grundlage dafür, dass Glücksfälle in Diktaturen nun noch schwerer zu erkämpfen sind. Die Kämpfe um Demokratie im Osten Europas sind keine fernen Konflikte – sie sind Echo dessen, was auch bei uns begann. Und sie zeigen einmal mehr, was auch für die DDR galt: Ein Regime, das auf Lügen und Gewalt beruht, bleibt nicht nur nach innen repressiv, sondern wirkt auch nach außen aggressiv. Deshalb ist unsere Solidarität mit der Ukraine, mit Belarus, mit Moldau nicht bloß Außenpolitik. Sie ist Konsequenz aus unserer Geschichte.</p>
<div id="attachment_7941" style="width: 420px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7941" class="wp-image-7941" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/OstfruehstueckMorgenstern.jpg" alt="Frühstück mit den ostdeutschen Delegierten auf der Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis90/Die Grünen 2024. Abbildung: Gianina Morgenstern" width="410" height="600"><p id="caption-attachment-7941" class="wp-caption-text">Frühstück mit den ostdeutschen Delegierten auf der Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis90/Die Grünen 2024. Abbildung: Gianina Morgenstern</p></div>
<h2><span class="title-bg">Demokratie neu erkämpfen</span></h2>
<p>Aber auch bei uns im Osten Deutschlands muss Demokratie wieder erkämpft werden, denn ihr Fortbestand ist immer wieder unter Druck. Und dafür braucht es in einer Region, in der nach zwei aufeinanderfolgenden Diktaturen das Vertrauen in staatliche Einrichtungen, Gerichte, Politik und Journalismus beispiellos niedrig ist, Vertrauensaufbau. Hier muss besonders ehrlich, besonders klar und besonders authentisch gesprochen werden, wenn man wieder mehr statt weniger Vertrauen gewinnen will. Und beim Punkt Authentizität bedeutet das auch, dass es mehr Identifikationsfiguren aus Ostdeutschland in all diesen Bereichen braucht – sie sind selbst im Osten bis heute unterrepräsentiert. Die Studie „Es ist kompliziert... Der Osten in den Medien“ zeigt einen weiteren Problempunkt auf: Der Osten begegnet in der gesamtdeutschen Debatte im Regelfall nur dann, wenn etwas schiefläuft – bei Wahlschocks oder in Problemszenarien. Diese Sicht verzerrt Realität und Potenzial und sie verlängert Stereotype um Generationen.</p>
<p>Was ich damit sagen will: Repräsentation und ausgewogene Berichterstattung sind kein Selbstzweck. Sie sind notwendige Voraussetzungen für eine wehrhafte Demokratie, in der sich Politik nicht von Lebensrealitäten entkoppeln kann.</p>
<p>Gebrochene Versprechen, nicht aufgearbeitete Traumatisierungen aus der Zeit vor 1989 und teilweise auch nach 1990, im Einigungsvertrag übersehene Gruppen, strukturelle Schieflagen. Ob es um Zusatzrenten, geschiedene Frauen, Eisenbahner oder Bergleute geht – zu viele Menschen mussten und müssen sich immer wieder neu erklären und sie sind müde davon. Diese Missstände waren selten aus bösem Willen geboren, sondern aus Überforderung. Dass sie allerdings fast nie korrigiert wurden, das war schon systematisch. Der Osten wurde nicht bewusst abgehängt, er hat sich nur nicht 100-prozentig so entwickelt, wie es sich der Westen erhofft hatte, wodurch wiederum Reaktanz im Westen ausgelöst wurde und ausgelöst wird. Das muss sich ändern.</p>
<div id="attachment_7942" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7942" class="wp-image-7942" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/CSDLeipzig24Uhl.jpg" alt="Paula Piechotta beim CSD 2024 in Leipzig. Abbildung: Gianina Morgenstern" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7942" class="wp-caption-text">Paula Piechotta beim CSD 2024 in Leipzig. Abbildung: Ferdinand Uhl</p></div>
<h2><span class="title-bg">Veränderung ist möglich</span></h2>
<p>Ostdeutschland war und ist Wandel gewohnt – aber anders als viele behaupten, bedeutet das vor allem, dass bei jedem Wandel die Risiken stärker gesehen werden als die Chancen. Die eigene Blauäugigkeit 1989 und 1990, die man selbst mit dermaßen vielen Schrammen und Verletzungen bezahlt hat: Diesen Fehler will hier niemand noch einmal machen.</p>
<p>Das verstellt inzwischen regelrecht den Blick darauf, dass die Wahrheit mal wieder weder schwarz noch weiß ist und es durchaus sehr bedeutende Fortschritte gibt. In vielen Zukunftsfeldern ist die Region heute Vorreiter: mit Silicon Saxony und der Chipindustrie, mit klimaneutralem Bauen in der Lausitz, mit E-Mobilität bei VW, mit starken Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Wo früher Braunkohle gefördert wurde, entsteht heute die Zukunft für klimaneutrales Bauen. Der Strukturwandel ist in vollem Gange und birgt Chancen nicht nur für den Osten, sondern für ganz Deutschland.</p>
<p>Wir müssen diese positiven Entwicklungen endlich sichtbar machen. Es wird Zeit, dass wir die Erzählung umdrehen, selbstbewusst und selbst erzählen sowie entscheiden, was gelingt. Und doch: Auch in der neuen Bundesregierung bleiben ostdeutsche Stimmen in zentralen Ämtern unterrepräsentiert. Die Bundestagsvizepräsidenten, hohe Kabinettsposten – wieder gehen Chancen verloren, den Osten aktiv in Entscheidungen einzubeziehen und ihm auf höchster politischer Ebene ein Sprachrohr zu geben. Ich höre oft: „Jetzt muss doch mal Schluss sein mit dem Ostthema.“ Nein. So lange reale Ungleichheiten bestehen, so lange ostdeutsche Perspektiven übergangen werden, so lange demokratisches Engagement aus dem Osten zu selten sichtbar wird, so lange werden wir weiter darüber reden.</p>
<p>Was ich auch oft höre: Der Osten sei eine gesamtdeutsche Aufgabe. Das ist zweifelsohne richtig. Aber genauso wenig, wie wir es akzeptieren würden, wenn Frauenpolitik in Deutschland nur von Männern gemacht würde, auch wenn die Gleichstellung der Geschlechter eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, genauso wenig darf die „gesamtdeutsche Aufgabe Ostdeutschland“ rechtfertigen, dass allein oder zu weit überwiegenden Teilen Westdeutsche über Ostdeutschland entscheiden.</p>
<p>Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass die parteiübergreifende Zusammenarbeit unter ostdeutschen Bundestagsabgeordneten ein ermutigender Schritt ist. In vielen Runden durfte ich parteiübergreifend mit ostdeutschen Kollegen an zentralen Dingen arbeiten und einiges Positives für die Region bewirken. Das allein reicht aber nicht. Auch unsere westdeutschen Kolleginnen und Kollegen müssen zuhören und bereit sein, Macht zu teilen. Gleichwertigkeit ist keine Geste – sie ist Grundlage für Vertrauen.</p>
<p>Darum: Erzählen wir weiter. Arbeiten wir weiter. Streiten wir weiter – für Gerechtigkeit, für Anerkennung, für Demokratie. Und erinnern wir uns dabei an die Menschen, die 1989 den Anfang gemacht haben. Sie haben gezeigt, dass Veränderung möglich ist, wenn Menschen ehrlich aussprechen, was es wirklich braucht, wenn sie mutig sind und wenn sie sich nicht einschüchtern lassen.</p>
<div id="attachment_7943" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7943" class="wp-image-7943" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/LostPlaceFerdinandUhl.jpg" alt="Lost Places in Leipzig und Umgebung – immer wieder einen Ausflug wert. Abbildungen: Ferdinand Uhl" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7943" class="wp-caption-text">Lost Places in Leipzig und Umgebung – immer wieder einen Ausflug wert. Abbildung: Ferdinand Uhl</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1685" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg" alt="Label Impulsgeberin Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Sarah Oswald</span></h2>
<p><strong>GEBOREN:</strong> 1986/Gera<br>
<strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Leipzig<br>
<strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> Ilko-Sascha Kowalczuk: „Freiheitsschock“, 2024<br>
<strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Die Legende von Paul und Paula“, 1973<br>
<strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Elberadweg</p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/dr-paula-piechotta-ostgefuehle-vom-gefuehlsknaeuel-zur-staerke-ostdeutschland-neu-erzaehlen/">Dr. Paula Piechotta: Ostgefühle. Vom Gefühlsknäuel zur Stärke – Ostdeutschland neu erzählen</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Interview 20 Jahre DDR Museum: Vom Pionierprojekt zum Besuchermagnet</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/interview-20-jahre-ddr-museum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=10029</guid>

					<description><![CDATA[<p>Morgen, am 15. Juli, feiert das DDR Museum sein 20-jähriges Jubiläum. Wir sprachen mit Geschäftsführer Quirin Graf Adelmann von Adelmannsfelden und Direktor Gordon Freiherr von Godin über die Entstehung des Erfolgsprodukts und darüber, welche Projekte als Nächstes anstehen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10050" class="wp-image-10050" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Leitung-DDR-Museum.jpg" alt="Für Geschäftsführer Quirin Graf Adelmann von Adelmannsfelden und Direktor Gordon Freiherr von Godin ist das DDR Museum ein Lebenswerk. Abbildung: DDR Museum" width="600" height="400">Für Geschäftsführer Quirin Graf Adelmann von Adelmannsfelden (links) und Direktor Gordon Freiherr von Godin [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/interview-20-jahre-ddr-museum/">Interview 20 Jahre DDR Museum: Vom Pionierprojekt zum Besuchermagnet</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Morgen, am 15. Juli, feiert das DDR Museum sein 20-jähriges Jubiläum. Wir sprachen mit Geschäftsführer Quirin Graf Adelmann von Adelmannsfelden und Direktor Gordon Freiherr von Godin über die Entstehung des Erfolgsprodukts und darüber, welche Projekte als Nächstes anstehen.</p>
<p><span id="more-10029"></span></p>
<div id="attachment_10050" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10050" class="wp-image-10050" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Leitung-DDR-Museum.jpg" alt="Für Geschäftsführer Quirin Graf Adelmann von Adelmannsfelden und Direktor Gordon Freiherr von Godin ist das DDR Museum ein Lebenswerk. Abbildung: DDR Museum" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-10050" class="wp-caption-text">Für Geschäftsführer Quirin Graf Adelmann von Adelmannsfelden (links) und Direktor Gordon Freiherr von Godin ist das DDR Museum ein Lebenswerk. Abbildung: DDR Museum</p></div>
<h2><span class="title-bg">ostdeutschland.info: <strong>Herr Graf Adelmann, Herr von Godin. Das DDR Museum im Zentrum von Berlin gibt es nun schon seit 20 Jahren. Welche Bedeutung hat es heute für Sie, für die Hauptstadt und über diese hinaus?</strong></span></h2>
<p><strong>Quirin Graf Adelmann von Adelmannsfelden und Gordon Freiherr von Godin: </strong>Das <a href="https://www.ddr-museum.de/de" target="_blank" rel="noopener">DDR Museum</a> ist aus dem Nichts und gegen die starke Skepsis öffentlicher Häuser entstanden. Das Museum ist national und international, mit viel Einsatz, inhaltlicher Schärfe und laufender Arbeit zu Forschung und Bildung, zu einer Institution gewachsen, die nun von uns Verantwortung abverlangt, jenseits zeitpolitischer Strömungen und Moden. Es zeigt, dass privates Engagement und starke Teamzusammensetzung zu Erfolg, Unabhängigkeit und Anerkennung führen können. Deshalb bedeutet uns das Museum als Lebenswerk viel. Es dient der Entdeckung, Aufklärung und Erinnerung. Auch durch Begleitformate zieht es weiterhin in seinen Bann.</p>
<h2><span class="title-bg">Herr von Godin, wie viele Besucher hat das Museum und wo kommen diese her?</span></h2>
<p><strong>Gordon Freiherr von Godin: </strong>Unsere Besucherstruktur gleicht der von Berlin im Allgemeinen. Wir begrüßen jährlich über 500.000 Besucher. Darunter sind die meisten aus Deutschland. Sehr viele Besucher kommen auch aus Westeuropa: aus Großbritannien, Frankreich, Benelux, Italien oder Spanien.</p>
<h2><span class="title-bg">Über wie viele Exponate verfügt das Museum?</span></h2>
<p><strong>Gordon Freiherr von Godin: </strong>Das Museum verfügt inzwischen über mehr als 400.000 Objekte und Exponate, die im Depot und Museum aufbewahrt, erhalten und ausgestellt werden. Die Sammlung wächst weiterhin täglich durch Spenden aus der Gesellschaft.</p>
<div id="attachment_10078" style="width: 495px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10078" class="wp-image-10078" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/1014244.jpg" alt="Zu den mehr als 400.000 Objekten und Exponaten im Besitz des Museums gehört auch dieses Motorrad MZ ETZ 250 F der Volkspolizei. Abbildung: DDR Museum" width="485" height="600"><p id="caption-attachment-10078" class="wp-caption-text">Zu den mehr als 400.000 Objekten und Exponaten im Besitz des Museums gehört auch dieses Motorrad MZ ETZ 250 F der Volkspolizei. Abbildung: DDR Museum</p></div>
<h2><span class="title-bg">Was zählt zu Ihren Lieblingsausstellerstücken?</span></h2>
<p><strong>Quirin Graf Adelmann von Adelmannsfelden: </strong>Für mich müssen Objekte eine Funktion haben. Deshalb habe ich kein einzelnes Objekt oder Objekte, die zu meinen Lieblingsstücken gehören.</p>
<p><strong>Gordon Freiherr von Godin:</strong> &nbsp;Ein „Mangeltagebuch“ einer Dame aus Sachsen-Anhalt ist mein Lieblingsobjekt. Anhand der Auflistung deckt es die deutlichen ökonomischen Missstände in der DDR auf.</p>
<h2><span class="title-bg">Mit Ihnen beiden arbeiten Ost und West zusammen. Sie sind sogar verwandt. Wer von Ihnen hat einen ostdeutschen Hintergrund?</span></h2>
<p><strong>Quirin Graf Adelmann von Adelmannsfelden: </strong>Gordon. Jedenfalls bis 1990. Denn ihn zog es später beruflich nach München, während ich 1993 in den Osten zog und hier die Transformation live miterlebt habe.</p>
<h2><span class="title-bg">Graf Adelmann, wie kam es zur Gründung des DDR Museums und wann sind sie beide dazugestoßen?</span></h2>
<p><strong>Quirin Graf Adelmann von Adelmannsfelden: </strong>Der Ethnologe Peter Kenzelmann hat sich als Berlin-Besucher 2004 gefragt, weshalb es kein Museum zum Thema DDR in der Hauptstadt gibt und es als Projekt gegründet. Ich habe Peter bei einem anderen Kulturprojekt in Marzahn unterstützt, bin später dazu gekommen und habe das Museum 2016 vollständig übernommen. Gordon von Godin habe ich überzeugen können, Bayern zu verlassen und die Position des Direktors von Robert Rückel zu übernehmen, der dann zum Deutschen Spionagemuseum gewechselt ist. Der wesentliche Unterschied zwischen Kenzelmann und Adelmann war, dass Peter Kenzelmann nicht weiter sammeln und kein Sammlungsteam aufbauen wollte. Wir haben das Gegenteil machen wollen, auch wenn es dazu keine wirtschaftliche Gegenfinanzierung gab.</p>
<h2><span class="title-bg">Ende 2022 platzte der 16 Meter hohe Aquadom im Radisson-Hotel, in dem das DDR Museum untergebracht war. Haben Sie sich mittlerweile davon erholen können?</span></h2>
<p><strong>Gordon Freiherr von Godin:</strong> Wir haben das Schadenereignis bereits Ende März 2023 überwunden. Die Geschwindigkeit und die Folgen für unsere Nachbarn wirken bis heute nach. Hotel und anliegende Flächen waren mehr als zwei Jahre im Bau, was sich bis heute auswirkt. Die Kombination mit Covid-19 hat Berlin einen schweren Schlag versetzt. Wir sind aber sehr zufrieden. Wir haben das Beste daraus gemacht und neue Ausstellungsteile umgesetzt. Die Entwicklungen, etwa unsere Dokumentationsreihe <a href="https://www.youtube.com/playlist?list=PLZgBiWgRDvxttkjySYcQeVnchV4dtl92M" target="_blank" rel="noopener">„Orte Ost“</a> und die Umsetzung eines neuen auch für die Öffentlichkeit bestimmten Depots, wandelten diese Zwangsimpulse zu neuer Schaffenskraft.</p>
<div id="metaslider-id-10063" style="max-width: 600px; margin: 0 auto;" class="ml-slider-3-110-0 metaslider metaslider-flex metaslider-10063 ml-slider has-dots-nav ms-theme-default" role="region" aria-label="Interview 20 Jahre DDR Museum: Vom Pionierprojekt zum Besuchermagnet" data-height="400" data-width="600">
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            <ul class="slides">
                <li style="display: block; width: 100%;" class="slide-10065 ms-image " aria-roledescription="slide" data-date="2026-07-07 15:36:15" data-filename="DDRMuseum-Ausstellung-Parteitisch-600x400.jpg" data-slide-type="image"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/DDRMuseum-Ausstellung-Parteitisch-600x400.jpg" height="400" width="600" alt="Ein Parteitisch aus dem Ausstellungsbereich „Partei und Staat“ im DDR Museum. Abbildung: DDR Museum" class="slider-10063 slide-10065 msDefaultImage" title="Ein Parteitisch aus dem Ausstellungsbereich „Partei und Staat“ im DDR Museum. Abbildung: DDR Museum"><div class="caption-wrap"><div class="caption"><div>Ein Parteitisch aus dem Ausstellungsbereich „Partei und Staat“ im DDR Museum. Abbildung: DDR Museum</div></div></div></li>
                <li style="display: none; width: 100%;" class="slide-10067 ms-image " aria-roledescription="slide" data-date="2026-07-07 15:37:05" data-filename="Trabant_print-600x400.jpg" data-slide-type="image"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Trabant_print-600x400.jpg" height="400" width="600" alt="Auch ein Trabant gehört zu den Ausstellungsobjekten des DDR Museums. Abbildung: DDR Museum" class="slider-10063 slide-10067 msDefaultImage" title="Auch ein Trabant gehört zu den Ausstellungsobjekten des DDR Museums. Abbildung: DDR Museum"><div class="caption-wrap"><div class="caption"><div><span style="font-size:12pt;line-height:115%;font-family:Arial, sans-serif;">Auch ein Trabant gehört zu den Ausstellungsobjekten des DDR Museums. Abbildung: DDR Museum</span></div></div></div></li>
                <li style="display: none; width: 100%;" class="slide-10069 ms-image " aria-roledescription="slide" data-date="2026-07-07 15:37:44" data-filename="DDRMuseum_Ausstellung_Wohnzimmer-600x400.jpg" data-slide-type="image"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/DDRMuseum_Ausstellung_Wohnzimmer-600x400.jpg" height="400" width="600" alt="Im DDR Museum befindet sich auch ein detailgetreuer Nachbau eines DDR-Wohnzimmers. Abbildung: DDR Museum" class="slider-10063 slide-10069 msDefaultImage" title="Im DDR Museum befindet sich auch ein detailgetreuer Nachbau eines DDR-Wohnzimmers. Abbildung: DDR Museum"><div class="caption-wrap"><div class="caption"><div><span style="font-size:12pt;line-height:115%;font-family:Arial, sans-serif;">Im DDR Museum befindet sich auch ein detailgetreuer Nachbau eines DDR-Wohnzimmers. Abbildung: DDR Museum</span></div></div></div></li>
                <li style="display: none; width: 100%;" class="slide-10071 ms-image " aria-roledescription="slide" data-date="2026-07-07 15:38:24" data-filename="BZ_Stuhlkreis_print-600x400.jpg" data-slide-type="image"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/BZ_Stuhlkreis_print-600x400.jpg" height="400" width="600" alt="Der Konferenzraum des DDR Museums. Abbildung: DDR Museum" class="slider-10063 slide-10071 msDefaultImage" title="Der Konferenzraum des DDR Museums. Abbildung: DDR Museum"><div class="caption-wrap"><div class="caption"><div><span style="font-size:12pt;line-height:115%;font-family:Arial, sans-serif;">Der Konferenzraum des DDR Museums. Abbildung: DDR Museum</span></div></div></div></li>
            </ul>
        </div>
        
    </div>
</div>
<h2><span class="title-bg">Bei Ihnen finden auch Veranstaltungen statt…</span></h2>
<p><strong>Quirin Graf Adelmann von Adelmannsfelden: </strong>Seit jeher haben wir eine Ausstellungsfläche, die thematisch von uns selbst und von Externen genutzt wird. Wir nutzen sie auch für Parallelformate, derzeit für eine von uns unterstützte Theaterproduktion einer freien Künstlergruppe, die ohne uns gar nicht umgesetzt werden könnte.</p>
<h2><span class="title-bg">Welche Ziele haben Sie mit dem DDR Museum?</span></h2>
<p><strong>Gordon Freiherr von Godin: </strong>Wir wollen weitere Kapazitäten schaffen, um möglichst viele Objekte aus der DDR zu erhalten. Zudem möchten wir an diesem oder einem anderen Standort eine Institution für die Zeit zwischen 1949 und 1990 bleiben und das weiter ausbauen. Außerdem wollen wir die größte digitale Datenbank zum Thema weiter füllen, die alle Objekte katalogisiert, kontextualisiert und für die Allgemeinheit zugänglich macht.</p>
<h2><span class="title-bg">Was ist als Nächstes geplant?</span></h2>
<p><strong>Quirin Graf Adelmann von Adelmannsfelden: </strong>Kurzfristig planen wir neue Ausstellungsteile wie das Klassenzimmer und werden die Dokureihe zu „Orte Ost“ fortführen. Langfristig haben wir Planungen abgeschlossen, um einen Museums- und Ausstellungsort, gepaart mit Darstellungsflächen im eigenen Gebäude herzustellen. Wir warten derzeit auf die städtische Genehmigung. Nach erteiltem Bauvorbescheid sind gerade abermals anderthalb Jahre ins Land gegangen. Das ist der Zustand unseres Landes, nahe an der DDR. Das Tempo privater Initiativen trifft auf Politik in Schockstarre und Verwaltung im exekutiven Totpunkt.</p>
<h2><span class="title-bg">Vielen Dank.</span></h2>
<p><em>Die Fragen stellten Robert Nehring und Valentin Radonici.</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/interview-20-jahre-ddr-museum/">Interview 20 Jahre DDR Museum: Vom Pionierprojekt zum Besuchermagnet</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Johannes Ulrich und Franz Neumann: Zuversicht für unsere Zukunft. Geschichten vom Kommen, Bleiben und Anpacken</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/johannes-ulrich-und-franz-neumann-zuversicht-fuer-unsere-zukunft-geschichten-vom-kommen-bleiben-und-anpacken/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Jul 2026 05:30:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=7889</guid>

					<description><![CDATA[<p>Johannes Ulrich und Franz Neumann, Geschäftsführer von Ostwerk, sind wichtige Impulsgeber für Ostdeutschland. Sie setzen sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag sind sie auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7916" class="wp-image-7916 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Ulrich_Neumann_DIAO2.png" alt="Johannes Ulrich &#38; Franz Neumann, Geschäftsführung Ostwerk. Abbildung: Max Threlfall" width="706" height="1000">Johannes Ulrich &#38; Franz Neumann, Geschäftsführung Ostwerk. Abbildung: Max Threlfall<br />
Stell dir vor, in Ostdeutschland wären Dörfer und Kleinstädte lebendig, dein Arbeitsplatz zukunftssicher und alle würden sich [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/johannes-ulrich-und-franz-neumann-zuversicht-fuer-unsere-zukunft-geschichten-vom-kommen-bleiben-und-anpacken/">Johannes Ulrich und Franz Neumann: Zuversicht für unsere Zukunft. Geschichten vom Kommen, Bleiben und Anpacken</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Johannes Ulrich und Franz Neumann, Geschäftsführer von Ostwerk, sind wichtige Impulsgeber für Ostdeutschland. Sie setzen sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag sind sie auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><span id="more-7889"></span></p>
<div id="attachment_7916" style="width: 716px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7916" class="wp-image-7916 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Ulrich_Neumann_DIAO2.png" alt="Johannes Ulrich &amp; Franz Neumann, Geschäftsführung Ostwerk. Abbildung: Max Threlfall" width="706" height="1000"><p id="caption-attachment-7916" class="wp-caption-text">Johannes Ulrich &amp; Franz Neumann, Geschäftsführung Ostwerk. Abbildung: Max Threlfall</p></div>
<p>Stell dir vor, in Ostdeutschland wären Dörfer und Kleinstädte lebendig, dein Arbeitsplatz zukunftssicher und alle würden sich gegenseitig unterstützen und stärken. Gibt es das schon? Ja! Muss es mehr werden? Ja!</p>
<p>Wir wollen diese zuversichtlichen Geschichten schreiben und erzählen. Und wir beginnen bei uns selbst, mit einer Geschichte von Ostwerk, der Sparda-Bank Berlin und uns – Franz und Johannes. Darin steckt für uns vieles, was wir uns für Ostdeutschland im Großen wünschen: Optimismus, Vision, Gemeinschaft und Mut.</p>
<p>Der älteste der vier in unserer Geschichte ist Johannes. 1988 in Dessau geboren und in Berlin aufgewachsen, wurde er vor allem mit der positiven Entwicklung nach der Wende sozialisiert. Johannes prägt die Zuversicht durch erlebte Selbstwirksamkeit. Als Geschäftsführer von Ostwerk mag Johannes die Verantwortung für ein gemeinsames und gesellschaftliches Ziel und kann dabei seinen Optimismus in seiner Heimat einbringen.</p>
<p>Als Franz in Rathenow (Brandenburg) geboren wird, ist es Juni 1990. Seine Familie wird geprägt von unruhigen Nachwendeerfahrungen, die viele Familien aus dieser Zeit beschreiben. Franz wächst mit Demut und Strebsamkeit auf und will es zum Erwachsenwerden aus seinem Dorf heraus nach Berlin schaffen. Mit klarer Vision für sein Leben möchte er schon früh mitgestalten und Menschen entwickeln. Die Gründung einer eigenen Familie zieht ihn bewusst zurück von Berlin nach Rathenow. Er will bleiben und als Geschäftsführer von Ostwerk etwas zurückgeben.</p>
<p>Im Mai 1990 wurde die Sparda-Bank Berlin eG in Berlin gegründet. Die Genossenschaftsbank ist die Nachfolgerin der Reichsbahnsparkasse der DDR und damit als einzige Bank auf das Geschäftsgebiet aller sechs ostdeutschen Bundesländer konzentriert. Nach einem rasanten Wachstum in den 1990er-Jahren hat die Sparda-Bank Berlin mit der Gemeinschaft aus Mitgliedern und Mitarbeitenden diverse Finanzkrisen überstanden und stemmt sich nun mit einem menschzentrierten Geschäftsmodell gegen die demografischen Herausforderungen. Seit 2023 besinnt sich die Genossenschaftsbank auf ihre Identität und verstärkt als „Deine Bank im Osten“ ihre Verantwortung für die Region mit Netzwerkarbeit und neuen Begegnungsstätten.</p>
<p>Am 17. Juni 2024 haben wir Ostwerk in Berlin gegründet. Ostwerk ist als Beteiligungsgesellschaft und Tochter der Sparda-Bank Berlin die Konsequenz aus der gesellschaftlichen Verantwortung von „Deine Bank im Osten“ und der intrinsischen Motivation von Franz und Johannes. Muttergesellschaft und Tochter sind im Mut und in der Überzeugung vereint, Ostdeutschland als eine lebenswerte Region zu gestalten. Gemeinsam wollen die Sparda-Bank Berlin und Ostwerk zentrale Gestaltungskräfte für Ostdeutschland sein. Ostwerk ergänzt das Netzwerk der Sparda-Bank Berlin um eine zentrale Gruppe von engagierten und gestaltenden Personen: Unternehmerinnen und Unternehmer.</p>
<hr>
<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Wir nehmen uns und andere Unternehmen in die Verantwortung, die Zukunft Ostdeutschlands zu gestalten.”</strong></span></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Unternehmen als regionale Säulen</span></h2>
<p>Der Wirkungsradius von Unternehmen ist enorm, sodass sie eine besondere Rolle bei den komplexen Fragen unserer Zeit einnehmen. Sie können Leben direkt beeinflussen – durch das Brot aus der Backstube, den Ausbildungsplatz mit Übernahmegarantie oder die gemeinsame Freizeitgestaltung in der Betriebssportgruppe. Die Geschichte vieler Dörfer und Kleinstädte rankt sich um die großen Arbeitgeber in ihrer Region. Es geht mit ihnen hoch und auch wieder runter. Im schlimmsten Fall geht es am Anfang vielen Menschen gut und am Ende nur den Unternehmen. In diesem Bewusstsein gilt es, in Zukunft zu wirtschaften und regional zu agieren. Unternehmen müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein und diese aktiv annehmen. Um Verantwortung zu übernehmen, muss einiges zusammenkommen. Es braucht Rahmenbedingungen und Strukturen, damit Verantwortung gewollt und wirksam ist. Es braucht Werte und Haltung, die als Kompass dienen und das Handeln prägen – und schließlich den Mut und den Willen zur Umsetzung.</p>
<p>Unsere Umsetzung begann etwa ein Jahr vor der Gründung von Ostwerk. Das Bekenntnis der Sparda-Bank Berlin zu Ostdeutschland hat in uns als langjährige Mitarbeitende ein Feuer entfacht und Ideen entstehen lassen. Danach begann der Prozess von Idee, Konzept, Projekt und Gründung. Die Bank war erst irritiert, dann begeistert, kurz überfordert und bei der Gründung überglücklich.</p>
<p>Die Phasen, die wir im eigenen Unternehmen durchlaufen sind, lassen sich mit dem Begriff Intrapreneurship gut beschreiben: Damit ist das unternehmerische Handeln innerhalb eines bestehenden Unternehmens gemeint. Dabei übernehmen Mitarbeitende eine unternehmerische Rolle, indem sie Ideen entwickeln und umsetzen, die das Unternehmen aus sich selbst heraus voranbringen. Dieser Ansatz fördert Kreativität und Eigenverantwortung und ermöglicht es Unternehmen, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und auf Veränderungen im Markt flexibel zu reagieren.</p>
<p>Uns wurde es ermöglicht, unsere Ideen zu entwickeln und umzusetzen, mit der Sicherheit und Unterstützung der Bank im Rücken. Mit unserer Vision vor Augen haben wir ein Konzept entwickelt, das sowohl die wirtschaftliche als auch die gesellschaftliche Verantwortung der Sparda-Bank Berlin widerspiegelt. Seit Juni 2024 leistet Ostwerk als Investor seinen Beitrag zum wirtschaftlichen Wachstum und zur regionalen Entwicklung in Ostdeutschland. Durch gezielte Investments mit Eigenkapital und einer aktiven Netzwerkarbeit unterstützt Ostwerk Unternehmen dabei, ihre Potenziale voll auszuschöpfen und innovative Projekte zu realisieren. Ostwerk fördert nicht nur die wirtschaftliche Stabilität, sondern auch die regionale Verantwortung der Unternehmen. Bei einem Investment achtet Ostwerk auf das Zusammenspiel von finanzieller Rendite und regionaler Wirkung, die sich sowohl aus dem Geschäftsmodell selbst als auch über die Verantwortungsübernahme als Akteurin oder Akteur der Region zeigen kann.</p>
<div id="attachment_7912" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7912" class="wp-image-7912" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Geschaeftsfuehrer.jpg" alt="Geschäftsführer Johannes Ulrich und Franz Neumann sind als Investoren aus der Region für die Region unterwegs. Abbildung: Max Threlfall" width="600" height="450"><p id="caption-attachment-7912" class="wp-caption-text">Geschäftsführer Johannes Ulrich und Franz Neumann sind als Investoren aus der Region für die Region unterwegs. Abbildung: Max Threlfall</p></div>
<h2><span class="title-bg">Grundlagen für Zukunft vor Ort</span></h2>
<p>Die Sparda-Bank Berlin bietet dabei den stabilen Rahmen, in dem Ostwerk agieren kann. Die Genossenschaftsbank steht für Stabilität und Verlässlichkeit, was die Ernsthaftigkeit unserer Mission unterstreicht. Mit ihrem menschzentrierten Geschäftsmodell und ihrer starken regionalen Verankerung bietet die Sparda-Bank Berlin nicht nur die finanzielle Grundlage durch ihre Mitglieder, sondern auch ein genossenschaftliches Wertegerüst, das unseren Antritt für eine vielfältige, kooperative und offene Gesellschaft stärkt.</p>
<p>Das Hauptziel von Ostwerk ist es, durch Unternehmertum Zukunftsperspektiven in Ostdeutschland zu schaffen. Wir fördern Unternehmertum, das sich durch Innovation, Nachhaltigkeit und regionale Verantwortung auszeichnet. Durch die Unterstützung von klassischen Start-ups, Genossenschaften und anderen gemeinwohlorientierten Unternehmen trägt Ostwerk dazu bei, dass sich die Lebensqualität der Menschen verbessert, die regionale Wirtschaft gestärkt und das Miteinander gefördert wird.</p>
<p>Zukunftsperspektiven für Menschen entstehen durch nachhaltige Lebensqualität, einen attraktiven Wirtschaftsstandort und eine starke Zivilgesellschaft. Diese drei Säulen sind für uns entscheidend für die langfristige Entwicklung Ostdeutschlands zu einer lebenswerten und zukunftsfähigen Region.</p>
<p>„Ich lebe hier gerne“ sagen wir, wenn wir nachhaltige Lebensqualität meinen. Das bedeutet, dass Menschen nur in einer gesunden und lebenswerten Umgebung gut leben können. Das lebendige Dorf und die bunte Kleinstadt brauchen Angebote für alle Sinne und wesentlichen Bedürfnisse – von Kultur über Gastronomie bis hin zum gut sortierten Konsum um die Ecke. Zum Leben gehören auch Wohnen, Energieversorgung, Mobilität und eine langfristig intakte Umwelt. Die Lösungen sind je nach Ort und Region sehr unterschiedlich, um Menschen zum Bleiben zu bewegen. Der Drang, in die Großstadt zu ziehen, ist bei vielen von ihnen weniger gewollt als erforderlich, um mehr Perspektive und Lebensqualität zu haben.</p>
<p>Die Aussage „Ich habe hier eine berufliche Zukunft“ spricht für einen attraktiven Wirtschaftsstandort. Dieser zeichnet sich durch ansprechende Beschäftigungsmöglichkeiten, gut ausgebildete Fachkräfte und innovative Ansätze aus. Um Ostdeutschland zu einem solchen Standort auszubauen, braucht es stabile Unternehmen in zukunftsorientierten Branchen. Die ostdeutschen Regionen sind von Strukturwandel und Transformationsprozessen geprägt. Durch Gründungen von Start-ups sowie Nachfolgen von wichtigen Betrieben und erfahrenen mittelständischen Unternehmen können solche Prozesse vorangetrieben werden. Wenn Menschen sich für einen Wohn- und Lebensort entscheiden, möchten sie sich (von) dort auch beruflich einbringen und weiterentwickeln können. Es muss die Sicherheit geben, dass die persönliche und wirtschaftliche Stabilität dort möglich ist.</p>
<p>Eine starke Zivilgesellschaft erzeugt das Gefühl: „Wir sind hier alle füreinander da.“ Sie ist das Rückgrat einer funktionierenden Demokratie. Die Unterstützung von Vereinen und Initiativen, die Förderung des ehrenamtlichen Engagements und die Stärkung lokaler Gemeinschaften sind dabei wesentliche Faktoren für ein bereicherndes Zusammenleben. Auch die Förderung von Austausch, Wissenstransfer und Bildung tragen dazu bei, dass die Zivilgesellschaft stark und lebendig bleibt. Es braucht eine Kultur, in der viele Menschen vor Ort aktiv an der Gestaltung ihrer Zukunft mitwirken können. Es braucht eine Kultur, in der Vielfalt und Offenheit willkommen sind und in der gemeinsam für Gerechtigkeit und Chancengleichheit aufgestanden wird.</p>
<div id="attachment_7914" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7914" class="wp-image-7914" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Gruendung-e1759918068940.jpg" alt="17. Juni 2024: Gründung mit den Geschäftsführern von Ostwerk, dem Vorstand der Sparda-Bank Berlin sowie Notarin Dr. Julia Maier-Reinhardt." width="600" height="450"><p id="caption-attachment-7914" class="wp-caption-text">17. Juni 2024: Gründung mit den Geschäftsführern von Ostwerk, dem Vorstand der Sparda-Bank Berlin sowie Notarin Dr. Julia Maier-Reinhardt.</p></div>
<h2><span class="title-bg">Zukunftsperspektiven für alle</span></h2>
<p>Die Chancen sind riesig, unsere Region mit noch mehr Zukunftsperspektiven zu füllen und Bestehendes sichtbar zu machen. Wir nehmen uns und andere Unternehmen in die Verantwortung, die Zukunft Ostdeutschlands zu gestalten. Es braucht das Engagement und die Innovationskraft der Unternehmen von Usedom bis in den Thüringer Wald.</p>
<p>Wir als Ostwerk wenden uns zusammen mit der Sparda-Bank Berlin gezielt an Unternehmen, die in ihrer Region etwas bewegen wollen. Wir haben gemeinsam angefangen, eine Geschichte zu schreiben und wollen andere unterstützen, auch ihre Geschichten für unsere Region zu erzählen.</p>
<p>Und denken wir an Ostdeutschland, dann werden wir in Zukunft viele dieser Geschichten lesen.</p>
<div id="attachment_7915" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7915" class="wp-image-7915" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Podium.jpg" alt="Podiumsdiskussion am Standort der Sparda-Bank Berlin zu kooperativem Wirtschaften in Magdeburg. Abbildung: Jana Dünnhaupt" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7915" class="wp-caption-text">Podiumsdiskussion am Standort der Sparda-Bank Berlin zu kooperativem Wirtschaften in Magdeburg. Abbildung: Jana Dünnhaupt</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Ostwerk GmbH</span></h2>
<p><strong>GEGRÜNDET:</strong> 2024/Berlin<br>
<strong>STANDORT:</strong> Berlin<br>
<strong>MITARBEITENDE:</strong> 2<br>
<strong>WEBSITE:</strong> <a href="https://ost-werk.de/" target="_blank" rel="noopener">ost-werk.de</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Johannes Ulrich &amp; Franz Neumann</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>UNSER BUCHTIPP:</strong> Hendrik Bolz: „Nullerjahre“, 2022<br>
<strong>UNSER FILMTIPP:</strong> „Mit der Faust in die Welt schlagen“, 2024<br>
<strong>UNSERE URLAUBSTIPPS:</strong> Oberwiesenthal und Havelland</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/johannes-ulrich-und-franz-neumann-zuversicht-fuer-unsere-zukunft-geschichten-vom-kommen-bleiben-und-anpacken/">Johannes Ulrich und Franz Neumann: Zuversicht für unsere Zukunft. Geschichten vom Kommen, Bleiben und Anpacken</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Frank Nehring: Netzwerke im Osten. Plattformen für Austausch und Fortschritt</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/frank-nehring-netzwerke-im-osten-plattformen-fuer-austausch-und-fortschritt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Jun 2026 05:30:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=7854</guid>

					<description><![CDATA[<p>Frank Nehring, Herausgeber von Wirtschaft+Markt, Gründer des Ostdeutschen Wirtschaftsforum und Präsident des MPW Forums für Medien, Politik und Wirtschaft e.V., ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7857" class="wp-image-7857 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Nehring_Frank_DIAO2.png" alt="Frank Nehring, Herausgeber Wirtschaft+Markt, Gründer Ostdeutsches Wirtschaftsforum, Präsident MPW Forum für Medien, Politik und Wirtschaft e.V. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen, Bernd Brundert" [...]
</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/frank-nehring-netzwerke-im-osten-plattformen-fuer-austausch-und-fortschritt/">Frank Nehring: Netzwerke im Osten. Plattformen für Austausch und Fortschritt</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Frank Nehring, Herausgeber von Wirtschaft+Markt, Gründer des Ostdeutschen Wirtschaftsforum und Präsident des MPW Forums für Medien, Politik und Wirtschaft e.V., ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7854"></span></p>
<div id="attachment_7857" style="width: 715px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7857" class="wp-image-7857 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Nehring_Frank_DIAO2.png" alt="Frank Nehring, Herausgeber Wirtschaft+Markt, Gründer Ostdeutsches Wirtschaftsforum, Präsident MPW Forum für Medien, Politik und Wirtschaft e.V. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen, Bernd Brundert" width="705" height="1000"><p id="caption-attachment-7857" class="wp-caption-text">Frank Nehring, Herausgeber Wirtschaft+Markt, Gründer Ostdeutsches Wirtschaftsforum, Präsident MPW Forum für Medien, Politik und Wirtschaft e.V. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen, Bernd Brundert</p></div>
<p>Denke ich Ostdeutschland, dann denke ich an Verbundenheit, offenen Austausch untereinander, gesundes Selbstbewusstsein, gepaart mit Optimismus und Zukunftsgewandtheit – und wie wir mehr davon bekommen können.</p>
<p>Die ostdeutschen Bundesländer haben sich in den letzten Jahrzehnten wirtschaftlich und gesellschaftlich beachtlich weiterentwickelt. Einen entscheidenden Anteil an dieser positiven Entwicklung haben die Wirtschaftsnetzwerke, die als Plattformen für Austausch, Kooperation und strategische Entwicklung fungieren.</p>
<p>Diese Netzwerke sind häufig noch jung und oftmals Ableger gesamtdeutscher Mutterverbände. Sie beginnen erst jetzt, generationsübergreifend Wirkung zu entfalten. Das Bedürfnis nach Austausch und Organisation wächst spürbar. Dennoch bestehen gegenüber etablierten Strukturen wie Parteien, Verbänden oder juristischen Institutionen weiterhin Vorbehalte. Diese Skepsis führt nicht selten zur Bildung kleiner, abgeschotteter Netzwerke, die es aus eigener Kraft schwer haben, nachhaltige Wirksamkeit zu entfalten. Dabei sind Netzwerke gerade im Osten so wichtig, denn auch hier besteht Nachholbedarf. Oft sind es informelle Veranstaltungen, die Gleichgesinnte zusammenbringen, Dialog fördern und Netzwerke ganz natürlich entstehen lassen – wie etwa das Ostdeutsche Wirtschaftsforum (OWF).</p>
<div id="attachment_7861" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7861" class="wp-image-7861" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/OWF2016-Bundesforschungsministerin-Prof.-Johanna-Wanka-Foto-Succo-.jpg" alt="2016: Bundesforschungsministerin Prof. Johanna Wanka spricht auf dem ersten Ostdeutschen Wirtschaftsforum. Abbildung: Succo" width="600" height="399"><p id="caption-attachment-7861" class="wp-caption-text">2016: Bundesforschungsministerin Prof. Johanna Wanka spricht auf dem ersten Ostdeutschen Wirtschaftsforum. Abbildung: Succo</p></div>
<h2><span class="title-bg">Das OWF: Vom Experiment zur Institution</span></h2>
<p>Das Ostdeutsche Wirtschaftsforum wurde 2016 vom Verlag des Wirtschaftsmagazins Wirtschaft+Markt ins Leben gerufen – ursprünglich als Testlauf, um zu klären, ob ein Interesse an ostdeutscher Identität überhaupt noch besteht. Der Begriff „Ostdeutschland“ war lange Zeit negativ behaftet und durch den föderalen Aufbau mit fünf neuen Bundesländern und einem vereinten Berlin nicht mehr eindeutig greifbar. Viele fühlten sich wohler als Norddeutsche, Thüringer, Deutsche oder Europäer – aber kaum jemand wollte sich offen als „Ostdeutscher“ bezeichnen.</p>
<div id="attachment_7866" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7866" class="wp-image-7866" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/OWF22-FN-Foto-Bernd-Bundert.jpg" alt="2022: Das Ostdeutsche Wirtschaftsforum in Bad Saarow findet unter dem Motto „Wir gestalten Transformation“ statt. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen, Bernd Brundert" width="600" height="401"><p id="caption-attachment-7866" class="wp-caption-text">2022: Das Ostdeutsche Wirtschaftsforum in Bad Saarow findet unter dem Motto „Wir gestalten Transformation“ statt. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen, Bernd Brundert</p></div>
<h2><span class="title-bg">Der Zeitgeist ändert sich</span></h2>
<p>Doch in den letzten zehn Jahren hat sich das Bewusstsein verändert. Das OWF traf einen Nerv – sowohl bei Unternehmern aus den neuen Bundesländern als auch in der Politik auf Landes- und Bundesebene. Die Versprechen von „blühenden Landschaften“ und gleichwertigen Lebensverhältnissen blieben zum Teil unerfüllt – ein Umstand, der das OWF als ostdeutsch geprägte Plattform zusätzlich politisch aufwertete. Zwei Gründe erklären das Interesse im Besonderen: die lange Verdrängung der ostdeutschen Realität, selbst unter Ostdeutschen, und die mangelnde mediale Sichtbarkeit wirtschaftlicher Erfolge, trotz zahlreicher positiver Beispiele.</p>
<p>Das OWF bot erstmals systematisch eine Bühne für wirtschaftliche Erfolgsgeschichten, Standortvorteile und Leuchtturmprojekte des Ostens. So förderte es ein neues zukunftsorientiertes Selbstverständnis und neue Initiativen.</p>
<h2><span class="title-bg">Dialog schafft Vertrauen und Netzwerke</span></h2>
<p>Zielgruppe des Forums waren von Beginn an verantwortliche und engagierte Vertreter von Unternehmen, Industrie- und Handels sowie Handwerkskammern, Wirtschaftsverbänden, der Landespolitik und den Wirtschaftsförderern in Ostdeutschland. Gesucht wurde nicht der Wettbewerb mit anderen Bundesländern oder Rechtfertigungsversuche jedweder Art, sondern das Gemeinsame als Grundlage für Zukunftsideen. Es entstand ein Raum für den Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. In Workshops, Vorträgen und Podien wurden nicht nur Wissen und Kontakte geteilt, es wurde auch gegenseitiges Verständnis aufgebaut. So entstanden viele neue Verbindungen – ob zwischen Start-ups und etablierten Förderern oder zwischen Unternehmern und politisch Verantwortlichen.</p>
<p>Das Forum wurde zur Keimzelle eines echten Netzwerks: Die OWF-Community war geboren. Das Format gewann stetig an inhaltlicher Relevanz, ohne seine Funktion als Ort der Begegnung zu verlieren. Um das Ostdeutsche Wirtschaftsforum von lokalen oder regionalen Wirtschaftskonferenzen abzugrenzen, bei denen es in der Regel um aktuelle und vor allem tagespraktische Fragen ging, positionierten die Veranstalter das OWF als „Davos des Ostens“. Noch im zehnten Jahr seines Bestehens ist diese Definition in vielen Köpfen als eine Art Unique Selling Proposition (USP).</p>
<div id="attachment_7864" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7864" class="wp-image-7864" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/OWF_2019_Olaf-Scholz-noch-als-Vizekanzler-und-Finanzminister-beim-OWF-2019-Foto-S.Welscher-2_cut.jpg" alt="2019: Olaf Scholz besucht das „Davos des Ostens“, damals noch als Vizekanzler und Bundesfinanzminister. Abbildung: S. Welscher" width="600" height="479"><p id="caption-attachment-7864" class="wp-caption-text">2019: Olaf Scholz besucht das „Davos des Ostens“, damals noch als Vizekanzler und Bundesfinanzminister. Abbildung: S. Welscher</p></div>
<h2><span class="title-bg">Medienresonanz nur mit Politprominenz</span></h2>
<p>Ein Wermutstropfen blieb: Die mediale Aufmerksamkeit war zunächst gering – obwohl das OWF von Anfang an darauf abzielte, ein positives Bild Ostdeutschlands zu vermitteln. Erst durch hochrangige politische Gäste – wie Vizekanzler Sigmar Gabriel oder Bildungsministerin Johanna Wanka beim ersten OWF im Jahr 2016 – gelang ein vorsichtiger Sprung in die überregionalen Medien. Kanzlerin Angela Merkel blieb zwar dem OWF fern, aber Olaf Scholz präsentierte sich als Vize- und dann als Bundeskanzler beim OWF. Er sprach sich für den Osten aus und sorgte so für ein deutlich größeres Medienecho in den Folgejahren. Dies fand dann seine Fortsetzung beim OWF25, wo die noch junge Bundesregierung des Jahres 2025 mit Finanzminister, Wirtschaftsministerin und Ostbeauftragter vertreten war.</p>
<div id="attachment_7862" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7862" class="wp-image-7862" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/OWF25-1735.jpg" alt="2025: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche beim OWF. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen, Bernd Brundert" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7862" class="wp-caption-text">2025: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche beim OWF. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen, Bernd Brundert</p></div>
<h2><span class="title-bg">Netzwerke schaffen neue Netzwerke</span></h2>
<p>Ein besonderes Verdienst des OWF war es, dass sich aus der Community weitere Netzwerke bilden konnten, die über das jährliche Treffen hinausgehen. So entstanden beispielsweise der CEOKreis oder der Saarower Kreis.</p>
<p>Der CEO-Kreis ist ein exklusives Format des OWF für Entscheidungsträger ostdeutscher Unternehmen. Ziel ist der strategische Austausch zu relevanten Themen – mit dem Anspruch, Impulse in die Politik zu geben.</p>
<p>Auch der Saarower Kreis, ein informeller Zusammenschluss von hauptsächlich führenden ostdeutschen Wirtschaftsverbänden, entstand beim OWF im Jahr 2024. Er agiert mittlerweile unabhängig vom Ostdeutschen Wirtschaftsforum als Plattform für regelmäßigen Austausch und hat die Erarbeitung des ifo Faktenmonitors Ostdeutschland 2025 angeregt.</p>
<h2><span class="title-bg">10 Erfolgskiller für Netzwerke</span></h2>
<p>Nicht alle Netzwerke können erfolgreich sein. Was auf den ersten Blick leicht aussieht, ist in der Praxis komplex. Hier sind zehn Punkte, die aus meiner persönlichen Erfahrung heraus für Netzwerke gefährlich werden können. Sie hemmen Wirksamkeit, lähmen Entwicklung oder führen zur Bedeutungslosigkeit:</p>
<p>Erstens: unklare Zielsetzung. Wenn ein Netzwerk nicht weiß, wofür es eigentlich steht oder welche konkreten Ziele es verfolgt, verliert es schnell an Relevanz. Die Verständigung zu den Zielen ist elementar. Eine Vision zu entwickeln und daraus ein attraktives Narrativ zu bestimmen, ist nicht einfach, aber sehr hilfreich.</p>
<p>Zweitens: mangelndes Engagement der Mitglieder. Ohne aktive Beteiligung und verbindliches Handeln entsteht keine Dynamik – Netzwerke werden träge und wirken nur noch formal. Je prominenter die Mitglieder, desto voller ist der Terminkalender. Ohne eine hohe Priorität des Netzwerkes sind die Erfolgschancen gering. Guter Wille ist zu wenig.</p>
<p>Drittens: Dominanz einzelner Akteure. Wenn wenige Personen oder Institutionen das Netzwerk dominieren, entsteht kein echter Austausch – neue Ideen und Stimmen gehen verloren. Empfehlenswert: die Mitwirkung aller Mitglieder als Thema in das Feedback einbeziehen.</p>
<p>Viertens: fehlende Offenheit gegenüber anderen Netzwerken. Abschottung verhindert Synergien, Vernetzung und überregionale Wirksamkeit. Übertriebene Wettbewerbsängste oder Selbstüberschätzung sind oft die Gründe dafür, manchmal sind es auch einfach nur Unwissenheit und Desinteresse.</p>
<p>Fünftens: Abhängigkeit von öffentlicher Förderung. Befristete Fördermittel können zu kurzfristigem Aktionismus führen – ohne langfristige Wirkung. Oftmals finanziert man nur den zusätzlichen bürokratischen Aufwand und schottet sich ab.</p>
<p>Sechstens: keine Nachfolge- oder Generationsstrategie. Wenn Netzwerke nicht verjüngt werden, altern sie mit ihren Gründungsmitgliedern und verlieren Anschluss. Auch Generationsnetzwerke sind davon betroffen.</p>
<p>Siebentens: unklare Rollen und Verantwortlichkeiten. Ohne klare Strukturen verlaufen Aktivitäten im Sand. Zuständigkeiten und Verantwortungen müssen benannt sein. Hier geht es nicht um klassische Funktionsbezeichnungen.</p>
<p>Achtens: reine Veranstaltungsorientierung ohne inhaltliche Substanz. Netzwerke, die sich auf Events beschränken, aber keine weiterführende Arbeit leisten, wirken oberflächlich und sind es auch oft genug.</p>
<p>Neuntens: konfliktscheue statt konstruktive Auseinandersetzung. Netzwerke, in denen Kritik nicht möglich ist, entwickeln sich nicht weiter.</p>
<p>Zehntens: keine Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen. Netzwerke, die sich nicht an neue wirtschaftliche, technologische oder gesellschaftliche Entwicklungen anpassen, verlieren ihre Relevanz.</p>
<p>Ein Netzwerk ist also mehr als ein gelegentliches Treffen Gleichgesinnter. Es lebt von Tiefe, Verbindlichkeit und der Bereitschaft seiner Mitglieder, sich dauerhaft einzubringen. Gute Ansätze und wohlwollende Absichten reichen nicht – Prioritäten müssen stimmen. Fehlt das persönliche Engagement, scheitert selbst das beste Konzept.</p>
<p>Ein Beispiel ist die Initiative Unternehmensnachfolge in Ostdeutschland. Viele Gründer der Nachwendezeit suchen heute Nachfolger. Doch Übergaben sind komplex – rechtlich, steuerlich, emotional. Obwohl es viele Beratungsangebote von Industrie- und Handelssowie Handwerkskammern, Banken, Beratungen und anderen gibt, agieren die meisten Institutionen isoliert voneinander. Der Versuch, eine Zusammenarbeit aller Player für Ostdeutschland in der genannten Initiative zu organisieren, scheiterte am mangelnden Kooperationswillen. Auch das ist Realität.</p>
<h2><span class="title-bg">Mein persönliches Fazit</span></h2>
<p>Netzwerken ist wichtig. Gerade in Ostdeutschland dürfen wir nicht nachlassen, aktiv Netzwerke zu gestalten. Diese Netzwerke müssen zukunftsgerichtet sein. Rechtfertigungs- oder Frustabbau-Runden sind nicht zielführend. Lokale und regionale Netzwerke sollten überregionale Partnerschaften anstreben, zumindest bezogen auf die Wirtschaftsregion Ostdeutschland. Generationsnetzwerke sollten den Austausch mit anderen Generationen bzw. Generationsnetzwerken suchen. Und last but not least: Netzwerke, die ihren Zweck erfüllt haben, sollten sich auflösen.</p>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Frank Nehring</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>GEBOREN:</strong> 1953/Ostberlin </span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Ostberlin </span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> Christoph Hein: „Das Narrenschiff“, 2025</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN DOKUTIPP:</strong> „Es ist kompliziert… – Der Osten in den Medien“, 2024 </span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Usedom, Balmer See</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kai Mielenz: Herkunft, Wandel und Zukunft. Der Osten als Möglichkeitsraum</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/kai-mielenz-herkunft-wandel-und-zukunft-der-osten-als-moeglichkeitsraum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Jun 2026 05:30:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=7687</guid>

					<description><![CDATA[<p>Kai Mielenz, Managing Director (CFO) &#38; Labor Director der Elbe Flugzeugwerke GmbH, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7689" class="wp-image-7689 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/Mielenz_DIAO2.png" alt="Kai Mielenz, Managing Director (CFO) &#38; Labor Director Elbe Flugzeugwerke GmbH. Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH" width="704" height="1000">Kai Mielenz, Managing Director (CFO) &#38; Labor Director Elbe Flugzeugwerke GmbH. Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH<br />
Denke ich [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/kai-mielenz-herkunft-wandel-und-zukunft-der-osten-als-moeglichkeitsraum/">Kai Mielenz: Herkunft, Wandel und Zukunft. Der Osten als Möglichkeitsraum</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Kai Mielenz, Managing Director (CFO) &amp; Labor Director der Elbe Flugzeugwerke GmbH, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7687"></span></p>
<div id="attachment_7689" style="width: 714px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7689" class="wp-image-7689 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/Mielenz_DIAO2.png" alt="Kai Mielenz, Managing Director (CFO) &amp; Labor Director Elbe Flugzeugwerke GmbH. Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH" width="704" height="1000"><p id="caption-attachment-7689" class="wp-caption-text">Kai Mielenz, Managing Director (CFO) &amp; Labor Director Elbe Flugzeugwerke GmbH. Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH</p></div>
<p>Denke ich an „Ostdeutschland“, dann denke ich an Ambivalenz in vielerlei Hinsicht, denn ich denke an den Osten Deutschlands, eine blühende, florierende Region, und ebenso an die ehemalige DDR, an einen Teil Deutschlands, der 1990 endlich wieder mit dem Rest des Landes vereint werden konnte. Ich denke an eine Region voller Kontraste, eine Region mit beeindruckender Geschichte, großem Wandel und großem Potenzial in der Gegenwart und für die Zukunft. Ich denke an industrielle Tradition, an Umbrüche, an Anpassungsleistungen, an ganz persönliche Geschichten – auch an meine eigene. Und ich denke ganz besonders an Verantwortung: Orientierung zu geben, Perspektiven zu schaffen, sich der Geschichte des Ostens der Bundesrepublik Deutschland bewusst zu sein und jede Chance zu nutzen, um Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft zu bauen.</p>
<p>1977 in Zschopau geboren, war die DDR der prägende Rahmen meiner Kindheit. Ich habe gelernt, mich in einem System zu bewegen, das klare Grenzen hatte – ideologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Doch es gab immer das Gefühl von Gemeinschaft, von Verlässlichkeit und von Zusammenhalt zwischen den Menschen, die wussten, dass sie aufeinander angewiesen waren. Das Leben war sicherlich nicht immer leicht und aus heutiger Perspektive mit vielen Hindernissen verbunden, aber es war unser Leben. Ich kann auf jeden Fall für mich persönlich festhalten, dass ich eine fantastische Kindheit hatte und es mir, aus der Sicht eines Kindes, an nichts fehlte. Ich konnte meine Leidenschaft, Fußball zu spielen, in allen Zügen ausleben. Ich musste dazu zwar mit dem Fahrrad in das 15 km entfernte Trainingszentrum fahren, wodurch aber damals der Grundstein für meine heutige Rennrad-Leidenschaft gelegt wurde. Dann kam die Wende. Ich war zwölf Jahre alt, als sich plötzlich alles veränderte. Das bis dahin gekannte Schulsystem wurde reformiert, ich konnte mit meiner Familie reisen und für meine Zukunft eröffneten sich völlig neue Perspektiven. Da war ein großes Versprechen von Freiheit und unbegrenzten Möglichkeiten auf der einen Seite, aber auch ein freier Fall ins Ungewisse und Unbekannte auf der anderen, vor allem für die Generation meiner Eltern galt es umzudenken, neu zu denken, sich anzupassen.</p>
<p>Heute bin ich kaufmännischer Geschäftsführer (CFO) und Arbeitsdirektor der Elbe Flugzeugwerke (EFW) GmbH in Dresden, einem Unternehmen, das wie kaum ein anderes die Transformation des Ostens Deutschlands widerspiegelt: Es entwickelte sich von einem volkseigenen Betrieb (VEB) hin zu einem Weltmarktführer im globalen Luftfahrtmarkt. Wer den Wandel verstehen und hautnah spüren will, muss unsere Flugzeughallen betreten – dort wird Transformation greifbar.</p>
<hr>
<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Ich wünsche mir, dass wir das Label ‚Aufbau Ost‘ hinter uns lassen – und stattdessen über ‚Zukunft Ost‘ sprechen.”</strong></span></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Unterschätzt und überfordert?</span></h2>
<p>Die Wendezeit ist nun 35 Jahre her, und noch immer begegnet man in einigen Teilen Deutschlands zwei dominanten Erzählungen: Der Osten sei strukturschwach, rückständig und problematisch. Und: Die Ostdeutschen seien unzufrieden und schwer zu integrieren in die westdeutsche Gesellschaftserzählung. Beide Narrative greifen zu kurz und werden der Realität nicht gerecht.</p>
<p>Was oft vergessen wird: Der Osten ist nicht mehr nur eine Region, die Hilfe, Investitionen und Unterstützung erhält, sondern er ist Innovationstreiber unter anderem bei Grüner Energie (zum Beispiel Solar, Wasserstoff), er ist eine Keimzelle für eine lebendige Start-up- Szene und Industrie 4.0. Er ist Standort für Spitzentechnologien, für Forschung, für Zukunftsindustrien – auch wenn medial zu wenig davon berichtet wird.</p>
<p>Der Grundstein für die ostdeutsche Luftfahrtindustrie wurde 1955 mit der Gründung der VEB Flugzeugwerke Dresden gelegt. Das heutige Unternehmen Elbe Flugzeugwerke GmbH (EFW) ist 1990 als Nachfolger der VEB Flugzeugwerft Dresden gegründet worden und leitete damit den Einstieg des Dresdner Traditionsunternehmens in den zivilen Flugzeugbau ein. Heute arbeiten bei EFW über 2.200 Menschen aus mehr als 30 Nationen an der Umrüstung von Airbus-Passagierflugzeugen zu Frachtmaschinen. Die globale Flotte der Airbus-Passagierflugzeuge wird mit Bodenplatten und Frachtraumverkleidungen aus Sachsen ausgestattet. Damit betritt jeder, der egal wo auf der Welt in einen Airbus steigt, sächsischen und damit „ostdeutschen“ Boden. Das ist das Ergebnis von 70 Jahren Wandel und der Fähigkeit, sich stetig neu zu orientieren – es ist Zukunft, und diese Zukunft passiert nicht im Silicon Valley, sondern im Herzen Sachsens.</p>
<p>Das wirtschaftliche Fundament im Osten Deutschlands ist heute robuster denn je. Die Region hat gelernt, mit Veränderungen umzugehen, vielleicht besser als andere. Die doppelte Biografie von vielen Menschen im und aus dem Osten formt einen besonderen Blick auf das Leben. Und sie hat Spuren hinterlassen – Stolz und Schmerz, Aufbruch und Enttäuschung.</p>
<p>Der Übergang, der sich nach 1989 vollzog, sorgte generationsübergreifend für Unsicherheit. Er lehrte die Menschen aber auch, was Transformation und Neuorientierung heißt, ohne dass diese Begriffe damals „en vogue“ waren. Die Menschen mussten einfach lernen, sich neu zu erfinden.</p>
<div id="attachment_7694" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7694" class="wp-image-7694" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/2023_Schneider-Besuch2.jpg" alt="Besuch vom Ostbeauftragten Carsten Schneider (2. v. l.) und dem Wirtschaftsminister von Sachsen Martin Dulig (3. v. l.) 2023. Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH" width="600" height="428"><p id="caption-attachment-7694" class="wp-caption-text">Besuch vom Ostbeauftragten Carsten Schneider (2. v. l.) und dem Wirtschaftsminister von Sachsen Martin Dulig (3. v. l.) 2023. Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH</p></div>
<h2><span class="title-bg">Eine ostdeutsche Lebenskompetenz</span></h2>
<p>In Wirtschaft und Politik sprechen wir häufig von „Transformation“ – vom Weg zu einer nachhaltigen industriellen Produktion, von analog zu digital, von fossilen zu erneuerbaren Energien. Ich glaube, die ostdeutsche Bevölkerung bringt dafür eine wesentliche Kompetenz mit, nämlich die Fähigkeit, sich unter wechselnden und schwierigen Bedingungen neu zu orientieren, sich anzupassen und weiterzumachen.</p>
<p>Bei EFW haben wir diese Fähigkeit genutzt, um Internationalität mit regionaler Verankerung zu verbinden. Wir sind ein Joint Venture von ST-Engineering (Singapur) und Airbus – und doch tief verwurzelt in der sächsischen Ingenieurstradition. Wir bilden junge Menschen aus, geben Fachkräften aus der Region eine Perspektive, arbeiten mit vielen lokalen Partnern zusammen und setzen gleichzeitig auf internationale Vernetzung. Der Osten kann global – wenn man ihn lässt.</p>
<p>Doch wir müssen auch ehrlich sein: Die „Wende“ und der damit verbundene Wandel sind nicht spurlos an den Menschen vorübergegangen, es hat Wunden hinterlassen und es sind Narben geblieben. Viele Menschen haben ihre berufliche Identität verloren, einige auch ihr Vertrauen in die Institutionen. Diese emotionale Dimension der Einheit wurde lange vernachlässigt. Wir brauchen mehr Empathie im Umgang mit ostdeutschen Biografien – gerade von Politik und Medien. Wir brauchen ein echtes Zuhören, kein Belehren.</p>
<div id="attachment_7696" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7696" class="wp-image-7696" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/20220113_144606397_iOS.jpg" alt="Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH" width="600" height="450"><p id="caption-attachment-7696" class="wp-caption-text">Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH</p></div>
<h2><span class="title-bg">Erinnerung, Identität und Verantwortung</span></h2>
<p>Ostdeutschland hat sich verändert – wirtschaftlich, kulturell und mental. Doch es gibt Dinge, die bleiben: wie ein gewisses Misstrauen gegenüber Autoritäten, eine große Direktheit, eine Skepsis gegenüber leeren Versprechungen. Ich sehe darin keine Schwächen, sondern historische Prägungen, die unter den Bedingungen der DDR gewachsen sind. Wer das versteht, kann auch die Gegenwart besser einordnen und gestalten.</p>
<p>Für mich als Geschäftsführer bedeutet das, sensibel zu sein für diese Prägungen. Viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben eine ostdeutsche Sozialisation, andere wiederum kommen aus den unterschiedlichsten Kulturen und Ländern. In einem solchen Spannungsfeld entsteht ein eigener produktiver Zusammenhalt – wenn man ihn zulässt und fördert.</p>
<p>Wir tragen als Geschäftsführung eine entsprechende Verantwortung – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sozial und gesellschaftlich. Deshalb engagieren wir uns in regionalen Initiativen, in der Nachwuchsförderung, im Spitzensport und unterstützen die EFW-Belegschaft bei sozialen Engagements, denn der Osten braucht nicht nur Investitionen, sondern auch Wertschätzung. Das „sich aufeinander verlassen können“, „sich unter die Arme greifen“ ist etwas, was die Region geprägt hat und etwas, was ich als hohes Gut ansehe.</p>
<div id="attachment_7697" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7697" class="wp-image-7697" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/2024_EFW_redelivers_no_100_Airbus_P2F.jpg" alt="Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH" width="600" height="403"><p id="caption-attachment-7697" class="wp-caption-text">Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH</p></div>
<h2><span class="title-bg">Ein Zukunftsbild für Ostdeutschland</span></h2>
<p>Was wünsche ich mir für diesen „Osten“ des Landes, dieses „Ost- Deutschland“? Ich wünsche mir, dass wir das Label „Aufbau Ost“ hinter uns lassen – und stattdessen über „Zukunft Ost“ sprechen. Denn das ist es, was ich sehe: eine Region, die mit Energie, Intelligenz und Kreativität an der Gestaltung von morgen arbeitet.</p>
<p>Ich wünsche mir mehr wirtschaftliche Freiheit für Unternehmen, mehr Experimentierfreude und Umsetzungsstärke in der Politik, mehr Augenhöhe im gesamtdeutschen Diskurs. Ostdeutschland darf nicht länger das geduldete und belächelte Anhängsel sein, sondern muss gleichberechtigter Teil des nationalen Selbstverständnisses und Selbstbewusstseins sein und werden. Dazu gehört für mich eine entsprechende Repräsentanz in der Bundesregierung und den entsprechenden Ministerien.</p>
<p>Ich wünsche mir, dass wir jungen Menschen hier vor Ort echte Perspektiven bieten – nicht nur durch Arbeitsplätze, sondern auch durch kulturelle Angebote, durch Bildung, durch lebendige Städte. Denn wer bleibt, der bleibt nicht nur wegen eines Arbeitsplatzes – sondern weil er sich als Teil eines Ganzen fühlt. Und wer kommt, um zu bleiben, der tut es aus dem gleichen Grund.</p>
<p>Denke ich an Ostdeutschland, dann denke ich an meine Heimat, an Herausforderungen, an Chancen. Ich denke an die Menschen, die hier leben, arbeiten, aufbauen und sich engagieren. An meine Eltern, die zwei Systeme erlebt haben. An meine Kinder, die in einem neuen Osten aufwachsen – selbstbewusst, europäisch, neugierig.</p>
<p>Ostdeutschland ist kein Problemraum. Es ist ein Möglichkeitsraum. Und wir alle – ob in der Wirtschaft, in der Politik oder in der Gesellschaft – sind gefragt, um diesen Raum zu nutzen und zu gestalten. Nicht aus Nostalgie, nicht aus Mitleid, sondern aus innerer Überzeugung und mit einer großen Portion Selbstvertrauen und Mut! Gehen wir’s an!</p>
<div id="attachment_7698" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7698" class="wp-image-7698" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/2023_Baade-Tafel.jpg" alt="Ehrung für Brunolf Baade, Wegbereiter der Luftfahrtindustrie. Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7698" class="wp-caption-text">Ehrung für Brunolf Baade, Wegbereiter der Luftfahrtindustrie. Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Elbe Flugzeugwerke GmbH</span></h2>
<p><strong>GEGRÜNDET:</strong> 1990/Dresden<br>
<strong>STANDORT:</strong> Dresden<br>
<strong>MITARBEITENDE: </strong>2.200<br>
<strong>WEBSITE:</strong> <a href="https://www.elbeflugzeugwerke.com/en/" target="_blank" rel="noopener">efw.aero</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Kai Mielenz</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>GEBOREN:</strong> 1977/Zschopau</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Radebeul</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> Dirk Oschmann: „Der Osten: Eine westdeutsche Erfindung“, 2023<br>
<strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Sonnenallee“, 1999<br>
<strong>MEINE URLAUBSTIPPS:</strong> Sächsische Schweiz und Ostseebad Binz<br>
</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/kai-mielenz-herkunft-wandel-und-zukunft-der-osten-als-moeglichkeitsraum/">Kai Mielenz: Herkunft, Wandel und Zukunft. Der Osten als Möglichkeitsraum</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Prof. Dr. Timo Meynhardt: Von den Gegenwartsvisionären. Warum die kollektive Erfahrung des Scheiterns nützlich ist</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/prof-dr-timo-meynhardt-von-den-gegenwartsvisionaeren-warum-die-kollektive-erfahrung-des-scheiterns-nuetzlich-ist/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Jun 2026 05:30:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=7673</guid>

					<description><![CDATA[<p>Prof. Dr. Timo Meynhardt, Inhaber des Dr. Arend Oetker Lehrstuhls für Wirtschaftspsychologie und Führung an der HHL Leipzig Graduate School of Management sowie Geschäftsführer des Zentrums für Führung und Werte in der Gesellschaft an der Universität St. Gallen, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7676" class="wp-image-7676 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/Meynhardt_DIAO2.png" alt="Prof. Dr. Timo Meynhardt, Inhaber Dr. [...]
</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/prof-dr-timo-meynhardt-von-den-gegenwartsvisionaeren-warum-die-kollektive-erfahrung-des-scheiterns-nuetzlich-ist/">Prof. Dr. Timo Meynhardt: Von den Gegenwartsvisionären. Warum die kollektive Erfahrung des Scheiterns nützlich ist</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Prof. Dr. Timo Meynhardt, Inhaber des Dr. Arend Oetker Lehrstuhls für Wirtschaftspsychologie und Führung an der HHL Leipzig Graduate School of Management sowie Geschäftsführer des Zentrums für Führung und Werte in der Gesellschaft an der Universität St. Gallen, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7673"></span></p>
<div id="attachment_7676" style="width: 715px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7676" class="wp-image-7676 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/Meynhardt_DIAO2.png" alt="Prof. Dr. Timo Meynhardt, Inhaber Dr. Arend Oetker Lehrstuhl für Wirtschaftspsychologie und Führung, HHL Leipzig Graduate School of Management, Geschäftsführer Zentrum für Führung und Werte in der Gesellschaft, Universität St. Gallen. Abbildung: Hagen Wolf" width="705" height="1000"><p id="caption-attachment-7676" class="wp-caption-text">Prof. Dr. Timo Meynhardt, Inhaber Dr. Arend Oetker Lehrstuhl für Wirtschaftspsychologie und Führung, HHL Leipzig Graduate School of Management, Geschäftsführer Zentrum für Führung und Werte in der Gesellschaft, Universität St. Gallen. Abbildung: Hagen Wolf</p></div>
<p>Es gab in den letzten vier Jahrzehnten wohl kaum ein Land, in dem ein Teil davon sich so intensiv mit der eigenen jüngeren Geschichte auseinandergesetzt hat. Die eingehende Selbst- und Fremdbefragung wird im Rückblick, so glaube ich, ein zweites Glück nach der Wiedervereinigung gewesen sein. Die Rede ist von Ostdeutschland.</p>
<p>So sperrig, missverständlich und unbeholfen der Begriff auch ist, bringt er doch etwas auf den Punkt. Es geht um verallgemeinernde Zuschreibungen und eine Gesamt-Ansprache, durch welche diese soziale Identität seit 1989 erst geformt wurde. Ich selbst benutze die Kategorisierung „Ostdeutschland“ für mich persönlich nicht, weil sie eben nur einen Teil von mir betrifft und mir daher zu pauschal ist. Auf einer gesellschaftlichen Ebene ist der Begriff eine nützliche, ja unverzichtbare Fiktion – oder müsste geradezu erfunden werden –, um sein Potenzial für die Zukunft zu erkennen.</p>
<p>Vor einigen Jahren hatte ich in der „Zeit im Osten“ (Nr. 49/2019, 28. November 2019) von den „Gegenwartsvisionären“ geschrieben und dafür durchaus einige Kritik einstecken müssen. Hier möchte ich den Gedanken wieder aufnehmen und entwickeln. Teilweise kommen auch Passagen aus dem damaligen Aufsatz zum Tragen.</p>
<p>Es geht mir um eine kollektive Erfahrung: Wie wenig aussichtsreich, ja gefährlich es sein kann, die Welt von einer fernen Zukunft her zu denken, sich einem größeren Plan zu verschreiben oder einer wie auch immer gearteten Utopie. Oder andersherum: Die Erfahrung des Zusammenbruchs einer Vision und der Vergänglichkeit gesellschaftlicher Verhältnisse am eigenen Leib schwächt den menschlichen Optimismus. Beides stärkt umgekehrt den Blick für das Unvorhersehbare und für die unmittelbare Gegenwart. Zukunftsversprechen dekonstruieren sich wie von selbst.</p>
<hr>
<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Denke ich an Ostdeutschland, denke ich an eine noch unverstandene deutsche Möglichkeit.”</strong></span></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Hin zum ostdeutschen Existenzialismus</span></h2>
<p>Das ist schwer auszuhalten und scheinbar einfache Lösungen werden für viele attraktiv. Das ist längst kein Argument zulasten der Gegenwartsvision. Es geht mir um die grundsätzliche Idee, unabhängig davon, wie sich diese gerade in Meinungsumfragen oder Wahlergebnissen spiegelt. Der Gedanke ist auch nicht besonders neu und findet sich als Erfahrungswissen in der Geschichte immer wieder. Er kann aber auch verloren gehen und uns bequem werden lassen, wenn wir beginnen, uns insbesondere von der Politik aufs Neue mit Zukunftsversprechen einlullen zu lassen.</p>
<p>Mir ist aber auch klar, dass ein Land ohne zugkräftige Zukunftsidee innerlich zerfällt. Weil das Verbindende verloren geht oder zu viele sich in die Vergangenheit flüchten. Gegenwartsvisionäre widerstehen der Verführung durch Versprechungen. Sie konzentrieren sich demütig auf den Moment. Sie sind mutig, weil sie sagen, wie unsicher alles ist, und weil sie fähig sind, dies in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Sie begeistern durch leidenschaftlichen Realismus und leben ihre Utopie in der Gegenwart. In der Personenbeschreibung würde auch stehen: „Ist in der Lage, Vergangenheit und Zukunft in der Gegenwart pragmatisch zu verbinden“.</p>
<p>In unserer ohnehin visionsarmen Zeit zielt diese Denkhaltung auf das im Hier und Heute Machbare. Wichtig ist mir an der Idee der Gegenwartsvision, dass sie in Ostdeutschland noch (oder wieder einmal) besonders präsent ist. Vielleicht wird man eines Tages auch von einem ostdeutschen Existenzialismus sprechen, also der Notwendigkeit, das eigene Leben immer wieder selbst in die Hand nehmen zu müssen. Das ist sehr anstrengend und ein harter Parcours, denn der Verlust gesellschaftlicher Utopien ist auch eine Freiheit, die uns überfordern kann.</p>
<div id="attachment_7682" style="width: 443px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7682" class="wp-image-7682" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Meynhardt_Kindheit-1.png" alt="Neugier in Kinderjahren. Abbildung: privat/Prof. Dr. Timo Meynhardt" width="433" height="600"><p id="caption-attachment-7682" class="wp-caption-text">Neugier in Kinderjahren. Abbildung: privat/Prof. Dr. Timo Meynhardt</p></div>
<h2><span class="title-bg">Anschauungsmaterial Literatur &amp; Politik</span></h2>
<p>Wer der Orientierungslosigkeit nach Utopieverlust nachspüren will, findet reichlich Anschauung in der Gegenwartsliteratur. Clemens Meyer zeigt in seinem Wenderoman „Als wir träumten“ eine beschädigte Jugend in den 1990er-Jahren. Uwe Tellkamp rekonstruiert in seinem bildungsbürgerlichen Sittengemälde „Der Turm“ den Untergang der realsozialistischen Vision. Jenny Erpenbeck hat mit „Kairos“ die lebensgeschichtlichen Visionsverstrickungen über zwei DDR-Generationen so meisterhaft wie schmerzhaft in Szene gesetzt. Ganz unübertroffen ist für mich allerdings Heiner Müller, der sein ganzes Schriftsteller- und Dramatikerleben dem Umgang mit Utopierverlusten widmete. In Anlehnung an ein Liebesgedicht von Bertolt Brecht dichtete er bereits 1955:</p>
<p>„Bilder bedeuten alles am Anfang. Sind haltbar.<br>
Geräumig.<br>
Aber die Träume gerinnen, werden Gestalt und<br>
Enttäuschung.<br>
Schon den Himmel hält kein Bild mehr. Die<br>
Wolke, vom Flugzeug<br>
Aus: ein Dampf der die Sicht nimmt. Der Kranich nur<br>
noch ein Vogel.“</p>
<p>Wer Visionen bewirbt, verweist gern auf die motivierende Kraft von Entwürfen und eine gemeinsame Zielausrichtung, ohne die nichts Neues entstehe. Die Ostdeutschen, zumindest die Gegenwartsvisionäre unter ihnen, verfügen über einen gewissen Sweet Spot: Sie wissen, dass es vergeblich ist, sich an gesellschaftlichen Visionen auszurichten. Die Zukunft ist ihnen nicht vergangen, weil sie keine Erwartungen mehr hätten – sondern weil sie diese in der Gegenwart zu realisieren suchen. Das Leben in der DDR hat in diesem Sinne die „geschichtliche Zeiterfahrung“, wie der in Sachsen geborene Historiker Reinhart Koselleck es nannte, verändert. So wie den Ostdeutschen in 40 DDR-Jahren ein gesetzmäßiger Verlauf der Geschichte suggeriert wurde, ist nun die Erkenntnis gewachsen, wie wenig vorhersagbar die geschichtliche Entwicklung ist. Durch ihre Erfahrungen sind Ostdeutsche realistisch geworden. Sie sind sensibel und aufmerksam dafür, wie verletzlich ein Gemeinwesen ist. Sie haben einen Pragmatismus erlernt, der sich ganz unideologisch auf das Machbare im Hier und Jetzt konzentriert. Genau so ließ sich letztlich teils auch der Führungsstil Angela Merkels erklären. Auf meine Initiative haben wir ihr an meiner Hochschule in Leipzig auch und gerade dafür eine Ehrendoktorwürde verliehen.</p>
<div id="attachment_7683" style="width: 376px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7683" class="wp-image-7683" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Meynhardt_Kindheit-2.png" alt="Drang zum Tor. Abbildung: privat/Prof. Dr. Timo Meynhardt" width="366" height="600"><p id="caption-attachment-7683" class="wp-caption-text">Drang zum Tor. Abbildung: privat/Prof. Dr. Timo Meynhardt</p></div>
<h2><span class="title-bg">Illusionsfrei in der Realität</span></h2>
<p>Um nicht falsch verstanden zu werden: Mit der ostdeutschen Skepsis gegenüber Visionen ist nicht gemeint, den Zustand der Welt fatalistisch anzunehmen und sich einem unvermeidlichen Schicksal zu fügen. Nein, die utopische Energie richtet sich stattdessen mit aller Kraft auf die Gegenwart, weil nur sie wirklich gestaltbar ist. Darin zeigt sich eine Vision neuen Typs, die sich pragmatisch an Idealen orientiert, die den Menschen annehmen, wie er ist – und nicht wie er sein könnte. Ich nenne dies Gegenwartsvision.</p>
<p>Diese Gegenwartsvision ist nicht zukunftsvergessen und gegenwartsversessen, sondern stellt sich dem, was ist. Zukunft ist, was machbar ist. Dass die Ostdeutschen das erkannt haben, ist eine Stärke, vielleicht auch eine ostdeutsche Denk- und Lebenshaltung. In ihr liegt die Kraft des Pragmatismus, der sich in einer konkreten Situation immer wieder neu zu bewähren hat. Unhaltbarer Fortschrittsglaube weicht dem illusionsfreien Streben nach dem Machbaren in der Gegenwart. Der im Gehen entstehende Weg ist das Ziel.</p>
<p>Ist das Auf-Sicht-Fahren, das Pragmatisch-Entscheiden nicht auch mehr denn je ein probates Mittel in einer immer weniger vorhersehbaren Welt? Wenn die Dinge sich schnell ändern können, ist es gut, Schauspiel und Fassade in den Hintergrund treten zu lassen und zu wissen, was wirklich grundlegend und was in Wahrheit gar nicht so wichtig ist. So ein östlicher Blick birgt auch ein Innovationspotenzial für gesellschaftliche Entwicklungen und das Gemeinwesen.</p>
<p>Man kann ja versuchen, die Zukunft aktiv zu gestalten. Und genau an diesem Zukunftspunkt hält die ostdeutsche Geschichte einige Einsichten bereit. Es wäre fahrlässig, diesen Impuls nicht zu nutzen oder ihn nur in der Literatur und der Kunst fortleben zu lassen.</p>
<div id="attachment_7684" style="width: 497px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7684" class="wp-image-7684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Meynhardt_Jugend-1.png" alt="Immer wieder Ostsee. Abbildung: privat/Prof. Dr. Timo Meynhardt" width="487" height="600"><p id="caption-attachment-7684" class="wp-caption-text">Immer wieder Ostsee. Abbildung: privat/Prof. Dr. Timo Meynhardt</p></div>
<h2><span class="title-bg">Vorwärts in der Realität</span></h2>
<p>Ich möchte es noch einmal zuspitzen: Denke ich an Ostdeutschland, denke ich an eine noch unverstandene deutsche Möglichkeit. Die Erfahrungen im Umgang mit Eigentum (Enteignung, Volkseigentum, Rückgabe vor Entschädigung), in der Kindererziehung oder beim Verhältnis zwischen den Geschlechtern sind teilweise schon jetzt ein Wettbewerbsvorteil Ost. Sie könnten aber noch stärker für die gesamte Bundesrepublik zu einem attraktiven Angebot werden.</p>
<p>Dies war auch der Grund, warum ich vor der Bundestagswahl 2025 zwei Ostbeauftragte gefordert habe: Beide sollen im Hier und Jetzt ihre Arbeit tun, dabei aber verschiedene Blickwinkel einnehmen. Der Vergangenheitsbeauftragte beschäftigt sich mit dem innerdeutschen Beziehungsgeschehen, macht die gegenseitigen Verletzungen und Missverständnisse zum Thema und bringt die kollektive Therapie voran. Der Zukunftsbeauftragte schaut nach vorn und unterstützt den Erfahrungstransfer in strukturschwache Regionen in Westdeutschland. Von den Erfahrungen des Scheiterns und gewaltiger Transformation können alle nur profitieren.</p>
<p>Wie anspruchsvoll die Arbeit an der Gegenwartsvision sein kann, wird schnell deutlich, wenn man versucht, das eigene Leben in ihr zu beschreiben. Was im Rückblick auf meinen beruflichen Werdegang folgerichtig erscheint, war im Vorwärtsgang nicht planbar. Im Psychologiestudium (Jena, Oxford, Peking) noch eher unbewusst, habe ich während der Promotionszeit an der Universität St.Gallen und noch deutlicher in meiner Zeit bei der Unternehmensberatung McKinsey zu meinem Forschungsthema „Gemeinwohl“ gefunden. Das war keineswegs eine rationale Entscheidung, sondern fast eine innere Notwendigkeit, die ich mir zum Teil mit meiner DDR-Sozialisation erkläre. Es läuft etwas schief, wenn die Balance zwischen Individuum und Gemeinschaft nicht stimmt … Mein Weg in der Gemeinwohlforschung führt mich seither auf die immer neue und unabgeschlossene Suche nach Gemeinwohlpotenzialen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Diese sind nicht notwendigerweise unveränderbar und können mit der Zeit und in Transformationsprozessen einem Wandel unterliegen: Vorläufigkeit als ewiges Prinzip.</p>
<div id="attachment_7685" style="width: 542px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7685" class="wp-image-7685" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Meynhardt_Erwachsenenalter.jpg" alt="Mit Worten voran. Abbildung: PK Fotografie, Philipp Kirschner" width="532" height="600"><p id="caption-attachment-7685" class="wp-caption-text">Mit Worten voran. Abbildung: PK Fotografie, Philipp Kirschner</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Prof. Dr. Timo Meynhardt</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>GEBOREN:</strong> 1972/Rudolstadt</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Jena</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> Gerd Dietrich: „Kulturgeschichte der DDR“, 2018</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Einer trage des anderen Last …“, 1988</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Fischland-Darss-Zingst</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
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<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/prof-dr-timo-meynhardt-von-den-gegenwartsvisionaeren-warum-die-kollektive-erfahrung-des-scheiterns-nuetzlich-ist/">Prof. Dr. Timo Meynhardt: Von den Gegenwartsvisionären. Warum die kollektive Erfahrung des Scheiterns nützlich ist</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Born in the GDR“: Interview mit Podcast-Host Antje Riis</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/born-in-the-gdr-interview-mit-podcast-host-antje-riis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Jun 2026 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Podcast]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=9744</guid>

					<description><![CDATA[<p>Antje Riis ist Host des Podcasts „Born in the GDR“. Jeden Monat erscheint eine neue Folge mit „Geschichte(n) aus einem verschwundenen Land“. Im Interview gewährt sie einen Blick hinter die Kulissen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9748" class="wp-image-9748" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/AntjeRiis_Fotograf-Rene-Riis_2.jpg" alt="Antje Riis ist 1971 in Leipzig geboren und lebt heute in Ostberlin. Sie war Talkshow-Redakteurin (unter anderem „Schreinemakers“ und „Johannes B. Kerner) und Künstlermanagerin. Heute ist sie als Politikberaterin und Podcast-Host unterwegs. borninthegdrgeschichten.podigee.io Abbildung: Rene Riis" width="450" height="675">Antje Riis wurde 1971 in Leipzig geboren [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/born-in-the-gdr-interview-mit-podcast-host-antje-riis/">„Born in the GDR“: Interview mit Podcast-Host Antje Riis</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Antje Riis ist Host des Podcasts „Born in the GDR“. Jeden Monat erscheint eine neue Folge mit „Geschichte(n) aus einem verschwundenen Land“. Im Interview gewährt sie einen Blick hinter die Kulissen.</p>
<p><span id="more-9744"></span></p>
<div id="attachment_9748" style="width: 460px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9748" class="wp-image-9748" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/AntjeRiis_Fotograf-Rene-Riis_2.jpg" alt="Antje Riis ist 1971 in Leipzig geboren und lebt heute in Ostberlin. Sie war Talkshow-Redakteurin (unter anderem „Schreinemakers“ und „Johannes B. Kerner) und Künstlermanagerin. Heute ist sie als Politikberaterin und Podcast-Host unterwegs. borninthegdrgeschichten.podigee.io Abbildung: Rene Riis" width="450" height="675"><p id="caption-attachment-9748" class="wp-caption-text">Antje Riis wurde 1971 in Leipzig geboren und lebt heute in Ostberlin. Sie war Talkshow-Redakteurin (unter anderem „Schreinemakers“ und „Johannes B. Kerner“ ) und Künstlermanagerin. Heute ist sie als Politikberaterin und Podcast-Host unterwegs. <a href="https://borninthegdrgeschichten.podigee.io/" target="_blank" rel="noopener">„Born in the GDR“ </a> Abbildung: Rene Riis</p></div>
<h2><span class="title-bg">ostdeutschland.info: Frau Riis, seit November 2023 gibt es Ihren Podcast. Was ist das Konzept von „Born in the GDR“?</span></h2>
<p><strong>Antje Riis</strong>: In „Born in the GDR“ spreche ich mit prominenten und nicht prominenten Menschen, die wie ich in der DDR geboren sind. Sie erzählen ausführlich über ihr Leben in der DDR, wie sie den Mauerfall, die Zeit danach und die Umbrüche, die daraus folgten, erlebt haben.</p>
<h2><span class="title-bg">Warum machen Sie den Podcast?</span></h2>
<p>Mir fehlte ein solches Format selbst. Meine Beobachtung war und ist, dass die Generation, die am Ende der DDR Jugendliche waren, im aktuellen Diskurs nicht so richtig stattfindet. Die Generation unserer Eltern wird über die Öffentlich-Rechtlichen gut versorgt, es gibt auch einiges für junge Menschen, aber für uns dazwischen eben doch wenig. In den Gesprächen mit meinen Gästen ist Zeit für Tiefe, Lustiges und auch Trauriges. Meine Hörerinnen und Hörer sind ab Mitte 30. Sie wollen sich in ihrer Geschichte widerspiegeln und sich dabei auch gut unterhalten fühlen, oder sie sind neugierig auf den Osten und seine Geschichte.</p>
<h2><span class="title-bg">Wie ist „Born in the GDR“ entstanden?</span></h2>
<p>Schon länger wollte ich etwas dazu beitragen, dass der Osten seine Geschichten selbst erzählt und nicht nur von außen gedeutet wird. Interviews für TV-Talkshows vorzubereiten war viele Jahre mein Beruf. Meinen ersten Gast traf ich durch meine Arbeit regelmäßig und er hat mir gleich zugesagt, obwohl ich nichts vorzuweisen hatte. Das war Peter Brinkmann, der Journalist, der in der legendären Schabowski-Pressekonferenz am 9. November 1989 die Nachfrage „Ab sofort?“ gestellt hat. Die Antwort darauf ist heute Weltgeschichte.</p>
<h2><span class="title-bg">Wie viele Folgen gibt es bereits und wie viele Hörer haben Sie?</span></h2>
<p>Es gibt schon mehr als 30 Folgen und mein Podcast ist durch die mediale Präsenz meiner Gäste einer der erfolgreichsten zu diesem Thema.</p>
<div id="attachment_9749" style="width: 460px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-9749" class="wp-image-9749" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Born-in-the-GDR-Kopie_180724.jpg" alt="Antje Riis hat bisher mehr als 30 Folgen von „Born in the GDR“ produziert. Abbildung: Antje Riis" width="450" height="450"><p id="caption-attachment-9749" class="wp-caption-text">Antje Riis hat bereits mehr als 30 Folgen von „Born in the GDR“ produziert. Abbildung: René Riis</p></div>
<h2><span class="title-bg">Wie definieren Sie Ihre Rolle als Podcast-Host?</span></h2>
<p>Meine Gespräche führe ich direkt und ohne Verklärung. Dabei bin ich Gastgeberin, Fragestellerin und Zuhörerin. Da meine Gäste und ich oft ähnliche Erfahrungen gemacht haben, werden diese abgeglichen. Ab und zu gibt es Sonderfolgen, in denen ich aus meinem Leben erzähle, von meiner Teenagerzeit in den 1980er-Jahren mit DDR-Bands, meinen Teilnahmen an den Misswahlen 1989 und 1990 in Leipzig und einigem mehr.</p>
<h2><span class="title-bg">Was zählt zu Ihren Highlights von „Born in the GDR“?</span></h2>
<p>Es gibt in jeder Folge Höhepunkte, die hängenbleiben. Meine Gäste erzählen im Gespräch oft Überraschendes, noch Unbekanntes. Ein Gedanke von Weltstar-DJ Paul van Dyk ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Seine Mutter und er hatten über viele Jahre einen Ausreiseantrag aus der DDR gestellt, der nicht bewilligt wurde und für beide Repressalien bedeutete. Erst im Sommer 1989 wurde er endlich genehmigt. Im Gespräch wurde Paul nachdenklich und fragte sich, wie es sein könne, dass jener Stasi-Mitarbeiter, der ihnen das Leben schwer gemacht und ihm einst gesagt hatte, seine Mutter dürfe ausreisen, wenn er selbst in der DDR bliebe, nun infolge des Mauerfalls dieselben Freiheiten genießen könne wie alle anderen. Großartig ist auch die Erfolgsgeschichte von Judy Lybke, der an die Künstler der Leipziger Schule glaubte und es als Galerist schaffte, dass deren Bilder heute zu Höchstpreisen gehandelt werden. Oder die Journalistin Anja Maier, die zu DDR-Zeiten einen Engländer zum Freund hatte und dies – sie war Kind von Funktionären – die Stasi auf den Plan rief. Im Gespräch beschrieb sie die „verheerende“ Familiensituation.</p>
<h2><span class="title-bg">Paul van Dyk, Dagmar Frederic, Leander Haußmann, Matze Hielscher, Steffen Baumgart und Flake stehen nicht im Telefonbuch. Wie kommen Sie an solche Persönlichkeiten heran?</span></h2>
<p>Einige Gäste kommen aus meinem persönlichen Umfeld, zu anderen habe ich Kontakt aufgebaut. Das Schönste ist, dass mir meine Gäste vertrauen. Ich wurde auch schon von einem Gast an einen anderen empfohlen. Sicher hilft mir zudem meine langjährige Erfahrung bei TV-Talkshows.</p>
<h2><span class="title-bg">Die wenigsten können von Podcasts leben. Gibt es Unterstützer oder machen Sie noch etwas nebenher?</span></h2>
<p>Noch habe ich kein Team, alles passiert in meiner Freizeit, von der Idee über die Recherche bis zur Produktion des Podcasts. Gerade lerne ich noch die Postproduction, da hilft mir bisher mein Mann. Ich hätte sehr gern Partner oder Sponsoren, die meine Arbeit und mein Archivieren von ostdeutschen Biografien unterstützen. Also, wenn sich jemand angesprochen fühlt, gern melden.</p>
<h2><span class="title-bg">Born in the GDR: Wo sind Sie geboren und wie war Ihr Weg ins Heute?</span></h2>
<p>Leipzig ist meine Geburtsstadt. Dort habe ich meine Kindheit und Schulzeit verbracht und meine Ausbildungen absolviert. Mitte der 1990er-Jahre habe ich dann hinterfragt, was ich wirklich machen möchte. Es sollte eigentlich was mit Musik sein. Bei einer Plattenfirma zu arbeiten war ein Traum. Über verschiedene Praktika bin ich dann zum Fernsehen gekommen und habe redaktionell gearbeitet, viel für Talkshows, aber auch für Magazine. Mit Menschen über ihre Lebensabschnitte zu sprechen war schon immer mein Ding. Es hat mich nach Köln, Hamburg, zurück nach Leipzig und nach Berlin geführt, zuletzt, um als Kommunikationsexpertin in der Politik zu arbeiten. Ich denke, es gibt sehr viele ostdeutsche Lebensläufe wie meinen, die nicht stringent sind. Es ist eine große Stärke, sich immer wieder in neue Bereiche einarbeiten zu können und sich weiterzuentwickeln. Das sollte viel mehr anerkannt werden. Da liegt sehr viel Potenzial.</p>
<h2><span class="title-bg">Und der Klassiker: Wie haben Sie den Mauerfall erlebt?</span></h2>
<p>Zu Hause, am Fernseher, aber: Einen Tag nach dem Mauerfall spielte die DDR-Top-Band „Pankow“ in Halle an der Saale. Während alle nach Berlin oder in den Westen gefahren sind, war für mich klar, dass das Konzert wichtiger ist. Ich war großer Fan und mit der Band befreundet. Spontan bin ich dann mit ihnen mitgefahren und landete unverhofft am selben Abend noch in Westberlin. Das war perfekt und ist eine herrliche Erinnerung.</p>
<h2><span class="title-bg">Ostscham, Ostalgie, Oststolz, ... – wo verorten Sie Ihren Standpunkt?</span></h2>
<p>Diese Begriffe sagen mir nicht viel. Mir geht es darum, dass die Ostdeutschen ihre Geschichte selbst erzählen – so, wie sie war und ist. Ihre Geschichten sollen gesehen werden, ohne Deutung von außen, ohne Zuschreibungen, die vielleicht nicht stimmen. Das müssen wir selbst machen, das macht keiner für uns. Wir brauchen ein Selbstbewusstsein, das daraus resultiert, dass wir durch die Erfahrung der gesellschaftlichen Transformation eine Stärke und eine Resilienz entwickelt haben. Davon kann unsere Gesellschaft profitieren.</p>
<h2><span class="title-bg">„Einheit gut, alles gut.“, „Ostwärts“, ... – mittlerweile gibt es einige Ost-Podcasts. Es erscheinen auch viele Bücher zur Thematik. Wie beobachten Sie das wachsende Interesse am Thema Ostdeutschland?</span></h2>
<p>Ich finde es toll, dass sich viele dem Thema widmen. Schön wäre es, wenn sich nicht nur Menschen aus dem Osten dafür interessieren würden. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich Nachrichten aus Baden-Württemberg oder Düsseldorf bekomme. Sogar in den USA wird mein Podcast gehört, ein Lehrer nutzt ihn für seinen Geschichtsunterricht. Wie großartig ist das?!</p>
<h2><span class="title-bg">Wie blicken Sie auf das „Ostwahljahr“ 2026?</span></h2>
<p>Es wird sicherlich ein spannendes Wahljahr und ja, mit dem Ergebnis muss dann umgegangen werden.</p>
<h2><span class="title-bg">Wie geht’s weiter mit „Born in the GDR“?</span></h2>
<p>Mein erster Videopodcast steht in den Startlöchern. Dabei hat mir ein Freund mit seinem professionellen Studio und Team geholfen. Um das dauerhaft zu etablieren, wäre ein Partner toll, der mich unterstützt, gemeinsam auf diesem nächsten Level weiterzumachen. Denn „Born in the GDR“ macht den Hörerinnen und Hörern genauso viel Spaß wie mir. Und er ist sinnvoll.</p>
<h2><span class="title-bg">Vielen Dank.</span></h2>
<p><em>Die Fragen stellte Robert Nehring.</em></p>
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