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Günter de Bruyn: Zwischen Literatur und Zensur

Gün­ter de Bruyn war einer der bedeu­tends­ten Schrift­stel­ler der DDR. Am 1. Novem­ber 2026 hät­te er sei­nen 100. Geburts­tag gefei­ert. Anläss­lich die­ses Jubi­lä­ums haben wir uns mit der Lebens­ge­schich­te des kri­ti­schen Rea­lis­ten befasst.

Günter de Bruyn auf der Begegnung zur Friedensförderung in Berlin, 1981. Seine Schriftstellerkarriere startete 1963 mit dem Romandebüt „Der Hohlweg“. Abbildung: Das Bundesarchiv, Wikimedia Commons

Gün­ter de Bruyn, 1981. Sei­ne Schrift­stel­ler­kar­rie­re star­te­te 1963 mit dem Roman­de­büt „Der Hohl­weg“. Abbil­dung: Das Bun­des­ar­chiv, Wiki­me­dia Commons

Gün­ter de Bruyn wur­de 1926 in Ber­lin gebo­ren und ver­brach­te sei­ne Kind­heit in einem katho­lisch gepräg­ten Eltern­haus im Neu­köll­ner Orts­teil Britz. Von 1943 bis 1945 war er als Luft­waf­fen­hel­fer und Sol­dat in Böh­men sta­tio­niert. Kurz vor Kriegs­en­de erlitt er eine schwe­re Kopf­ver­let­zung durch Gra­nat­split­ter, wodurch sein Sprach­zen­trum gelähmt wur­de. Ihm gelang die Flucht nach Bay­ern. Dort geriet er kurz­zei­tig in ame­ri­ka­ni­sche Kriegs­ge­fan­gen­schaft, wur­de jedoch bald auf­grund sei­nes jun­gen Alters ent­las­sen. Im Som­mer 1945 kehr­te er nach Zerns­dorf bei Ber­lin zurück.

Wissenschaftliche Karriere und Romandebüt „Der Hohlweg“

Nach sei­ner Rück­kehr star­te­te de Bruyn dank eines Sti­pen­di­ums eine Aus­bil­dung zum Neu­leh­rer in Pots­dam. Ab 1946 arbei­te­te er bis 1949 als Leh­rer an einer Schu­le in Gar­litz im Havel­land. Von 1949 bis 1953 absol­vier­te er eine Aus­bil­dung zum Biblio­the­kar und war anschlie­ßend bis 1961 als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter am Zen­tral­in­sti­tut für Biblio­theks­we­sen in Ost­ber­lin tätig. In die­ser Zeit war er auch als Dozent tätig.

1961 mach­te er sich als frei­er Schrift­stel­ler selbst­stän­dig. 1963 folg­te mit „Der Hohl­weg“ sein Roman­de­büt. In die­sem Roman beschreibt de Bruyn das Erle­ben zwei­er Men­schen in den letz­ten Kriegs­ta­gen des Zwei­ten Welt­kriegs und ihren Weg in die DDR-Gesell­schaft. Dies war der Beginn sei­ner erfolg­rei­chen Autorenkarriere.

Günter de Bruyn (rechts) unterhält sich mit den Schriftstellerkollegen Christa Wolf (Mitte) und Karl Neumann (links) im Berliner Klub der Kulturschaffenden, 1967. Abbildung: Dieter Demme, Das Bundesarchiv, Wikimedia Commons

Gün­ter de Bruyn (rechts) unter­hält sich mit den Schrift­stel­ler­kol­le­gen Chris­ta Wolf (Mit­te) und Karl Neu­mann (links) im Ber­li­ner Klub der Kul­tur­schaf­fen­den, 1967. Abbil­dung: Die­ter Dem­me, Das Bun­des­ar­chiv, Wiki­me­dia Commons

Weitere DDR-Karriere und Konflikt mit dem Staat

1965 wur­de de Bruyn Mit­glied des Zen­tral­vor­stan­des des Deut­schen Schrift­stel­ler­ver­ban­des, der ab 1973 Schrift­stel­ler­ver­band der DDR hieß. 1974 kam er zudem ins Prä­si­di­um des PEN-Zen­trums der DDR. Er begann, sich für einen soge­nann­ten „Selbst­ver­lag“ zu inter­es­sie­ren, um die Staats­zen­sur in der DDR zu umge­hen. Aus die­sem Grund trat die Sta­si 1974 an ihn her­an und ver­such­te, ihn als Inof­fi­zi­el­len Mit­ar­bei­ter anzu­wer­ben. Anfang 1976 stell­te die Sta­si ihr Vor­ha­ben wegen Erfolg­lo­sig­keit ein. Nach­dem de Bruyn im sel­ben Jahr gegen die Aus­bür­ge­rung von Wolf Bier­mann pro­tes­tiert hat­te, wur­de er 1978 vom ach­ten DDR-Schrift­stel­ler­kon­gress und dem Zen­tral­vor­stand des Deut­schen Schrift­stel­ler­ver­ban­des ausgeschlossen.

In den 1980er-Jah­ren begann das Minis­te­ri­um für Staats­si­cher­heit eine soge­nann­te ope­ra­ti­ve Per­so­nen­kon­trol­le (OPK) gegen de Bruyn und ver­such­te, ihn durch Zen­sur zu beein­träch­ti­gen. So wur­de bei­spiels­wei­se die Ver­brei­tung sei­nes Romans „Neue Herr­lich­keit” im Jahr 1984 in der DDR blo­ckiert. Die Zen­sur wur­de erst auf­ge­ho­ben, als das Buch im west­deut­schen S. Fischer Ver­lag erschien. Beim zehn­ten Schrift­stel­ler­kon­gress im Jahr 1987 konn­te de Bruyn wie­der teil­neh­men und for­der­te gemein­sam mit sei­nem Schrift­stel­ler­kol­le­gen Chris­toph Hein das Ende der Zen­sur in der DDR.

Gün­ter de Bruyn war bekannt für sei­ne Roma­ne, die sich oft dem Bil­dungs­bür­ger­tum der DDR wid­me­ten und Men­schen aus den Berei­chen Kul­tur und Wis­sen­schaft betra­fen. Anders als vie­le ande­re DDR-Schrift­stel­ler schaff­te er es, auch nach der Wen­de erfolg­reich zu sein. Beson­ders gut gelang ihm dies mit den zwei Bän­den sei­ner Auto­bio­gra­fie „Zwi­schen­bi­lanz” und „Vier­zig Jah­re – Ein Lebens­be­richt”. Er ver­starb am 4. Okto­ber 2020 im Alter von 93 Jah­ren in Bad Saarow.

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