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Buchvorstellung: „Die Harzreise“ von Steffen Kopetzky

1826, vor genau 200 Jah­ren, wur­de der berühm­te Rei­se­be­richt „Die Harz­rei­se“ von Hein­rich Hei­ne ver­öf­fent­licht. Stef­fen Kopetz­ky hat sich auf die glei­che Rou­te bege­ben. In sei­nem Buch schil­dert er Begeg­nun­gen, Geschich­ten und Erleb­nis­se sei­ner Reise.

BUCHTIPP:

Das Cover von Steffen Kopetzkys Buch die Harzreise

Stef­fen Kopetz­ky: „Die Harz­rei­se. Eine Deutsch­lan­d­er­kun­dung“, Rowohlt Ver­lag, Ber­lin 2026, 240 Sei­ten, 23 €.

Von Göt­tin­gen ist Kopetz­ky über Nort­heim, Oster­ode, Claus­thal-Zel­ler­feld, Gos­lar, Bad Harz­burg, den Bro­cken, Wer­ni­ge­ro­de und die Ort­schaft Höh­len­ort Rübe­land nach Tha­le gewan­dert. Die zwölf Kapi­tel sei­ner „Deutsch­lan­d­er­kun­dung“ ori­en­tie­ren sich an die­ser Rei­se­rou­te. In Claus­thal-Zel­ler­feld, auf dem Bro­cken und in Wer­ni­ge­ro­de hat sich der Autor jeweils län­ger aufgehalten.

Kopetz­ky beschreibt sei­ne Erleb­nis­se und zeigt, wie sich Deutsch­land im Harz wider­spie­gelt – in des­sen his­to­ri­schen Reich­tum, in Struk­tur­wan­del und Armut sowie in den Fol­gen der Kli­ma­kri­se und der Tei­lungs­ge­schich­te zwi­schen Ost und West.

Mit der Kli­ma­kri­se beschäf­tigt sich Kopetz­ky im Abschnitt zwi­schen Nort­heim und Oster­ode aus­führ­li­cher. Dort kommt er mit der Förs­te­rin Frau Mar­tin ins Gespräch. Sie stammt aus Göt­tin­gen, hat dort Forst­wirt­schaft stu­diert und eine Revier­lei­tung im Forst­ge­biet über­nom­men. Sie berich­tet, dass die der­zeit ster­ben­de Gene­ra­ti­on der Fich­ten nach dem Zwei­ten Welt­krieg ange­pflanzt wor­den ist. Was vie­le nicht wüss­ten: Wei­te Tei­le des Har­zes sei­en damals abge­holzt und als Ent­schä­di­gungs­leis­tung nach Groß­bri­tan­ni­en trans­por­tiert wor­den. Anschlie­ßend hät­ten die Förs­ter Fich­ten gepflanzt, die heu­te aus­ster­ben. Der Kli­ma­wan­del habe den Harz längst auch getrof­fen. Beson­ders schwer­wie­gen­de Fol­gen hat­ten der Förs­te­rin zufol­ge die Jah­re 2017 und 2018. 2017 war ein sehr regen­rei­ches Jahr, das dem Harz zuge­setzt und den Boden auf­ge­weicht hat. Im Jahr 2018 habe ein Win­ter­sturm zahl­rei­che Bäu­me zerstört.

Ein wei­te­res The­ma des Buches ist der Struk­tur­wan­del im Harz. Er wird von Kopetz­ky im Abschnitt zwi­schen Claus­thal-Zel­ler­feld und Gos­lar the­ma­ti­siert. Dort trifft der Autor den Lokal­jour­na­lis­ten Oli­ver Sta­de von der Gos­lar­schen Zei­tung. Bei­de spre­chen unter ande­rem über eine NDR-Fern­seh­re­por­ta­ge, die den Harz als ster­ben­de Regi­on ohne Zukunft dar­ge­stellt hat. Dar­über hat­te sich bereits Frau Mar­tin gegen­über Kopetz­ky geär­gert. Sta­de erklärt, dass der Bei­trag wegen sei­ner Ein­sei­tig­keit für Empö­rung gesorgt habe. Gleich­zei­tig weist er dar­auf hin, dass die ange­spro­che­nen Pro­ble­me – Bevöl­ke­rungs­schwund, Struk­tur­schwä­che, gerin­ge Kauf­kraft und aus­ster­ben­de Innen­städ­te – kei­ne Erfin­dun­gen sind, son­dern der Rea­li­tät ent­spre­chen. Gos­lar kom­me mit die­sen Her­aus­for­de­run­gen zwar ver­gleichs­wei­se gut zurecht, doch auch dort zögen jun­ge Men­schen weg und hin­ter­lie­ßen eine Lücke.

Bei der Schil­de­rung sei­nes Auf­ent­halts auf dem Bro­cken, der auch „Blocks­berg“ genannt wird, geht Kopetz­ky auf des­sen Geschich­te ein. Er erklärt, dass die Ame­ri­ka­ner bis 1947 die Kon­trol­le über den Bro­cken hat­ten und anschlie­ßend Aus­gleichs­ver­hand­lun­gen statt­fan­den. Als Ergeb­nis die­ser Ver­hand­lun­gen wur­de der Bro­cken sowje­tisch. Die Sowjet­uni­on erkann­te die stra­te­gisch güns­ti­ge Lage des Ber­ges. Der War­schau­er Pakt rich­te­te eine Abhör­sta­ti­on für den west­li­chen Funk­ver­kehr ein und der Bro­cken wur­de mili­tä­ri­sches Sperr­ge­biet. In der DDR durf­te der Name „Bro­cken“ laut Kopetz­ky nicht aus­ge­spro­chen wer­den. Das dürf­te vie­le erstau­nen, aber dem Autor zufol­ge hät­te der Name als eine ver­steck­te Kri­tik an der rus­si­schen Besat­zung ange­se­hen wer­den kön­nen. Am 3. Dezem­ber 1989 kam es schließ­lich auch an die­ser Stel­le zur Öff­nung der Gren­ze und damit zur Befrei­ung des „Blocks­bergs“ von sei­ner Funk­ti­on als Sperrgebiet.

Im wei­te­ren Ver­lauf sei­ner Rei­se gelangt Kopetz­ky nach Wer­ni­ge­ro­de. Der Autor erklärt, dass die Stadt mit ihren Fach­werk­häu­sern bereits zu DDR-Zei­ten eine Vor­zei­ge­stadt war. Sie habe sich gut erhal­ten und von För­der­gel­dern aus EU-Töp­fen pro­fi­tiert. In Wer­ni­ge­ro­de gerät Kopetz­ky in eine AfD-Kund­ge­bung. Er liest das Par­tei­pro­gramm auf einem Fly­er und kommt mit dem AfD-Stadt­rats­mit­glied Tino Bött­ger ins Gespräch. Als Bött­ger erfährt, dass Kopetz­ky durch den Harz wan­dert, erklärt er ihm, dass er sich im Stadt­rat für eine bes­se­re Aus­schil­de­rung der Wan­der­we­ge ein­setzt. Im Lau­fe der Unter­hal­tung bemerkt Kopetz­ky, wie ent­spannt Bött­ger mit ihm über Wan­der­we­ge spricht, wäh­rend um sie her­um Men­schen über Aus­län­der und die Euro­päi­sche Uni­on schimp­fen. Dar­aus schließt der Autor, dass Bött­ger sicher ist, dass die AfD an Zuspruch gewin­nen wird. Kopetz­ky kommt zur Schluss­fol­ge­rung, dass die Par­tei kei­ne Pro­test­par­tei ist. In Bezug auf Sach­sen-Anhalt erschei­ne sie ihm viel­mehr als ein schwer auf­zu­hal­ten­des Erfolgsmodell.

Dem Autor gelingt es gut, his­to­ri­sche Anek­do­ten und Gesprä­che über gesell­schaft­li­che The­men in sei­ne „Harz­rei­se“ zu inte­grie­ren. Dadurch wird das Buch zu einem beson­de­ren Rei­se­be­richt, der sich gut als Vor­be­rei­tung auf eine Rei­se in die Harz­re­gi­on  und die bevor­ste­hen­den Land­tags­wah­len in Sach­sen-Anhalt eignet.

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