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	<title>Sammelband Archive - ostdeutschland.info</title>
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	<description>Impulse für den Osten</description>
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	<title>Sammelband Archive - ostdeutschland.info</title>
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	<item>
		<title>Sarah Oswald: Zurück in meinen Osten. Warum ich mir mehr ostdeutsches Selbstbewusstsein in den Medien wünsche</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jul 2026 05:30:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sarah Oswald, freiberufliche Moderatorin und Journalistin, ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7921" class="wp-image-7921 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Oswald_DIAO2.png" alt="Sarah Oswald, Freiberufliche Moderatorin und Journalistin. Abbildung: Jenny Sieboldt" width="707" height="1000">Sarah Oswald, freiberufliche Moderatorin und Journalistin. Abbildung: Jenny Sieboldt<br />
Wenn ich im Winter durch Berliner Bezirke wie Hohenschönhausen, Marzahn oder Hellersdorf fahre, bekomme ich ein warmes Gefühl im Bauch, [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/sarah-oswald-zurueck-in-meinen-osten-warum-ich-mir-mehr-ostdeutsches-selbstbewusstsein-in-den-medien-wuensche/">Sarah Oswald: Zurück in meinen Osten. Warum ich mir mehr ostdeutsches Selbstbewusstsein in den Medien wünsche</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Sarah Oswald, freiberufliche Moderatorin und Journalistin, ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7918"></span></p>
<div id="attachment_7921" style="width: 717px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7921" class="wp-image-7921 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Oswald_DIAO2.png" alt="Sarah Oswald, Freiberufliche Moderatorin und Journalistin. Abbildung: Jenny Sieboldt" width="707" height="1000"><p id="caption-attachment-7921" class="wp-caption-text">Sarah Oswald, freiberufliche Moderatorin und Journalistin. Abbildung: Jenny Sieboldt</p></div>
<p>Wenn ich im Winter durch Berliner Bezirke wie Hohenschönhausen, Marzahn oder Hellersdorf fahre, bekomme ich ein warmes Gefühl im Bauch, das sich nach Heimat anfühlt. Beim Anblick der blinkenden Weihnachtsdeko, die weniger an Käthe-Wohlfahrt-Gemütlichkeit, mehr an Rummel erinnert. Ich bin ab dem zweiten Lebensjahr in Hohenschönhausen aufgewachsen. In einem Plattenbau in Wartenberg. Mehr Stadtrand geht nicht. Hinter unserem Fünfgeschosser war nur Feld. Meine Grundschule stand auf moorigem Grund und wurde mittlerweile abgerissen. Aus der Ausbauwohnung in Baumschulenweg in Treptow mussten wir raus, weil sie zu klein für uns wurde. Eine Neubauwohnung war Ende der 80er in Ostberlin außerdem Luxus pur. Mehr wert als jede Altbauwohnung mit Klo auf halber Treppe in Prenzlauer Berg. Für jeden zugezogenen Berliner Hipster heute unvorstellbar.</p>
<p>Meine Kindheit in Hohenschönhausen war schön. Auf dem Hof stand das zwar karge Klettergerüst, aber es war der Treffpunkt für viele Kinder aus den Blocks. Unsere Eltern hatten uns mit einem Schritt auf den Balkon sicher im Blick. Wenn der Eismann klingelte, rannten wir zur Straße und brüllten „Mutti!!! Haste mal ne Mark?“</p>
<hr>
<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Wenn wir über Diversität in den Medien sprechen, müssen dringend auch mehr ostdeutsche Journalisten mitgedacht werden.”</strong></span></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Berlin der 1990er und 2000er</span></h2>
<p>Schwieriger wurden die 90er-Jahre. Die Stimmung kippte, viele Familien zogen weg. Auch wir zogen zurück in den Heimatbezirk meiner Eltern: nach Treptow. In Johannisthal und Schöneweide verbrachte ich meine Jugend. Überstand die Trennung meiner Eltern. Eine sehr jung geschlossene Ost-Ehe von vielen, die die Wendejahre dann doch nicht überlebte. Erst im Rückblick und im Kontrast mit den Erfahrungen von anderen heute fast Vierzigjährigen sehe ich, dass meine Jugend manchmal auch ganz schön rough war. Es gab damals eigentlich nur links oder rechts. Entweder du warst eine Zecke, hast gekifft oder ein Nazi. Wir sind vor den Rechtsradikalen am S-Bahnhof Schöneweide weggerannt. Aufgefangen hat mich in dieser Zeit ein Jugendklub in Johannisthal. Als am 11. September 2001 die Flugzeuge ins World Trade Center flogen, waren die Betreuer dort unsere ersten Ansprechpartner.</p>
<p>Groß und erwachsen geworden bin ich dann im wiedervereinigten Berlin der 2000er-Jahre. Gelebt habe ich in vielen Bezirken: in Friedrichshain, in Ku’damm-Nähe in Wilmersdorf, zwischendurch bin ich zwei Jahre nach Köln gependelt, auch in Kreuzberg habe ich sehr gern gelebt. Ich habe mich viele Jahre immer eher als stolze Berlinerin denn als Ostberlinerin gefühlt. Mir ging das Weltstadt-Gehabe in Köln auf die Nerven, denn wenn man aus Berlin kommt, fühlt sich selbst eine Ein-Millionen-Stadt klein und provinziell an.</p>
<p>Aber je älter ich wurde, desto mehr hatte ich Sehnsucht nach meinem Osten. Ich wollte wieder zurück. Aber da im Ostteil Berlins keine Fernseh- oder Radiosender sitzen, war der lange Arbeitsweg nach Charlottenburg zum RBB für mich der Grund, vorerst in Kreuzberg zu bleiben. Als ich jedoch das Gefühl hatte, in meiner viel zu teuren Zweiraumwohnung im gesamten Mietshaus noch die einzige Berlinerin zu sein, bin ich zurück an meinen Stadtrand: Nach Treptow-Köpenick. Hier fühle ich mich zu Hause! Was nicht nur am vielen Grün und dem Müggelsee liegt. Es sind die Menschen. Die meisten – genauso wie ich – in der DDR geboren und im Osten sozialisiert. Wir haben ähnliche Erfahrungen gemacht, sprechen die gleiche Sprache und was du bist und was du hast, spielt hier nicht so eine große Rolle. Ich lebe hier mit meinem Mann und unserem Hund. Auch Sebastian ist in Treptow aufgewachsen. Geheiratet haben wir im Rathaus Köpenick. Gemeinsam stehen wir oft im Stadion An der Alten Försterei und singen bei den Spielen des 1. FC Union Berlin „Wir aus dem Osten geh’n immer nach vorn.“ Aber auch „Osten und Westen – Unser Berlin.“</p>
<div id="attachment_7925" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7925" class="wp-image-7925" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Oswald_image00005.jpg" alt="Sarah Oswald mit ihrem Vater auf dem Balkon in Berlin-Hohenschönhausen. " width="600" height="445"><p id="caption-attachment-7925" class="wp-caption-text">Sarah Oswald mit ihrem Vater auf dem Balkon in Berlin-Hohenschönhausen. Abbildung: privat</p></div>
<h2><span class="title-bg">Stolz auf den Osten</span></h2>
<p>Ich habe meinen Stolz auf den Osten und meine Herkunft erst im Laufe der Jahre stärker gespürt. In meiner Zeit als Moderatorin beim RBB wurde mir bewusst, dass es etwas Besonderes war, als Ostberlinerin für den Ur-Westberliner Sender 88,8 zu moderieren und erst recht als ostdeutsches Arbeiterkind die Berliner Abendschau zu präsentieren. Damit war ich nicht die erste Ostdeutsche, aber eine der wenigen. Und vielleicht eine der Ersten, die das auch stolz vor sich hertrugen und in Moderationen formulierten. Zu Hause in Köpenick sprachen mich so viele Menschen darauf an. Sie freuten sich, dass jemand im Fernsehen sagte, dass er aus Köpenick kommt, Fan vom 1. FC Union Berlin ist und Erfahrungen aus dem Osten teilte. Wie zum Beispiel, dass ich traurig darüber bin, dass mit dem SEZ in Friedrichshain das Schwimmbad verschwindet, in dem ich schwimmen gelernt habe. Es sind manchmal nur kleine Anekdoten, Erinnerungen, Erzählungen, Emotionen, aber es sorgt dafür, dass Zuschauerinnen und Hörer spüren, da moderiert jemand, der auch aus dem Osten kommt. Und sogar stolz darauf ist. Ich finde mich also im Radio oder Fernsehen wieder. Oft habe ich selbst nur durch Recherchen herausgefunden, dass andere Moderatorinnen oder Journalisten auch aus dem Osten kommen. Aber in ihrer täglichen Arbeit auf dem Schirm war davon nichts zu spüren. Schade!</p>
<div id="attachment_7923" style="width: 579px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7923" class="wp-image-7923" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Oswald_image00006.jpeg" alt="Sarah Oswald mit ihrem Vater auf dem Balkon in Berlin-Hohenschönhausen. Abbildung: privat" width="569" height="600"><p id="caption-attachment-7923" class="wp-caption-text">Als Kind mit ihrer Mutter. Das Bild hing im Schaufenster des Fotoladens in der Baumschulenstraße in Berlin-Treptow. Abbildung: privat</p></div>
<h2><span class="title-bg">Der Osten in den Medien</span></h2>
<p>„Wenn meine Geschichten, wenn meine Erfahrungen, meine Erinnerungen, meine Einstellungen und Haltungen nicht oder eben weniger in den Medien vorkommen, entwickle ich über die Zeit so eine gewisse Distanz. Einfach weil ich mich da nicht wiederfinde.“ Das sagt der Politikwissenschaftler Christopher Pollak in der MDR-Doku „Abgeschrieben? – Der Osten in den Medien“. Eine empfehlenswerte Dokumentation über das Bild des Ostens in den Zeitungen, im Fernsehen, Radio und online – vom Fall der Mauer bis heute.</p>
<p>Dieses Bild war zu oft geprägt von Klischees, Zuspitzungen, gar abwertenden Stereotypen und meist formuliert aus der westdeutschen Perspektive auf den Osten. Wir lesen, sehen und hören zu wenig Differenziertes. Wo waren und sind neben den Artikeln über Neonazis, Stasi-Fälle, undankbare Jammer-Ossis und Zonen- Gabis die Berichte über die Erfolgsgeschichten des Ostens, die Erzählungen über die vielen Umbruchserfahrungen und die daraus resultierende Transformationskompetenz der Ostdeutschen? Dabei soll es auf keinen Fall um das Schönreden oder gar Verschweigen von Problemen im Osten gehen. Aber eben um einen differenzierten Blick.</p>
<p>Vor mehr als 35 Jahren sind die Menschen in der DDR nicht nur für Reisefreiheit auf die Straße gegangen, sondern auch für Meinungs- und Pressefreiheit. Bereits ein halbes Jahr nach der Wiedervereinigung gingen die meisten ostdeutschen Zeitungen an westdeutsche Verlage. Mit der Berliner Zeitung gibt es heute genau eine Zeitung in Deutschland, die ostdeutsche Verleger hat. Und das wird aus der westdeutschen Sicht kritisch verfolgt.</p>
<div id="attachment_7927" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7927" class="wp-image-7927" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Oswald_image00003.jpg" alt="Sarah Oswald als freiberufliche Moderatorin für den Nachrichtensender n-tv. Abbildung: RTL/Gerald Matzka" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7927" class="wp-caption-text">Sarah Oswald als freiberufliche Moderatorin für den Nachrichtensender n-tv. Abbildung: RTL/Gerald Matzka</p></div>
<p>Wenn wir verstehen wollen, warum das Bild des Ostens in den Medien oft so negativ ist, müssen wir auch schauen, wem die Medien gehören. Zu diesem Ergebnis kommt Mandy Tröger, Medienwissenschaftlerin an der Universität Tübingen. Um den Osten zu verstehen – und auch ich habe nach wie vor viele Fragen –, brauchen wir in der Berichterstattung neben dem westdeutschen auch den ostdeutschen Blick. In den Chefetagen, in den Intendanzen, in den Redaktionen. Wenn wir über Diversität in den Medien sprechen, müssen dringend auch mehr ostdeutsche Journalisten mitgedacht werden.</p>
<p>Auf einer Diskussionsveranstaltung im Stadion An der Alten Försterei, die ich für die Initiative Denkraum Ost und den Wirtschaftsrat des 1. FC Union Berlin genau zu diesem Thema moderiert habe, sagte Anja Reich, Autorin und Journalistin bei der Berliner Zeitung: „Die Ostdeutschen werden wieder mündiger.“ Das wünsche ich mir auch von uns ostdeutschen Journalisten, die in westdeutsch geprägten Medienhäusern arbeiten. Es gibt sie. Die Wende- und Nachwendekindergeneration, die Dritte Generation Ost, die genau das immer lauter und selbstbewusster machen.</p>
<p>Das stößt nicht überall auf Gegenliebe: „Ist das Thema jetzt nicht 35 Jahre danach mal durch? Zu rückwärtsgewandt!“ Uff. Selbst bei alten Freunden, die zwar auch aus dem Osten kommen, mit ihren Eltern aber entweder noch vor dem Fall der Mauer oder direkt danach in den Westen gegangen sind und dort sozialisiert wurden, spüre ich ein Fremdeln damit. „Du immer mit deinen Ostthemen!“ oder sogar einmal die Warnung, es könnte für mich beruflich zum Nachteil werden, wenn ich so viel über den Osten rede und Veranstaltungen zu dem Thema moderiere.</p>
<div id="attachment_7930" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7930" class="wp-image-7930" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Oswald_image00002.jpg" alt="Beim Stadiongespräch unter anderem mit Anja Reich, Journalistin bei der Berliner Zeitung. Abbildung: Berliner Zeitung/Benjamin Pritzkuleit" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7930" class="wp-caption-text">Beim Stadiongespräch unter anderem mit Anja Reich, Journalistin bei der Berliner Zeitung. Abbildung: Berliner Zeitung/Benjamin Pritzkuleit</p></div>
<h2><span class="title-bg">Veränderungen mutig angehen</span></h2>
<p>Im Frühjahr 2023 habe ich mich aus privaten Gründen dazu entschieden, den RBB zu verlassen. Eine Entscheidung, die von außen betrachtet, viele nicht nachvollziehen konnten. Andere fanden meinen Schritt mutig und bewundernswert. Veränderungen fallen mir leicht. Eine Kompetenz, die mir als Wendekind in die Wiege gelegt wurde. Viele Ostdeutsche haben dieses Vertrauen in sich selbst und die Fähigkeit, Veränderungen mutig und optimistisch anzugehen.</p>
<p>Manchmal habe ich den Wunsch, noch weiter gen Osten zu ziehen. Nach Leipzig, Dresden oder Erfurt. Ich bin immer noch neugierig auf meinen Osten und die Menschen, die dort leben. Dieses Interesse und diese Neugierde wünsche ich mir auch mehr von den Westdeutschen.</p>
<p>Aber als Berlinerin bleibe ich wohl weiter in meinem Köpenick. Und zur Weihnachtszeit freue ich mich nun im Märchenviertel über die vielen dekorierten Fenster. Nur ist es hier nicht die Rummelbeleuchtung, die leuchtet. Es sind die Herrnhuter Sterne – aus der Oberlausitz in die ganze Welt. Eine weitere Erfolgsgeschichte aus dem Osten, die es wert ist, erzählt zu werden.</p>
<div id="attachment_7928" style="width: 460px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7928" class="wp-image-7928" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Oswald_image00001.jpg" alt="Als Unionerin beim Weihnachtssingen im Stadion An der Alten Försterei. Abbildung: privat" width="450" height="600"><p id="caption-attachment-7928" class="wp-caption-text">Als Unionerin beim Weihnachtssingen im Stadion An der Alten Försterei. Abbildung: privat</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1685" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg" alt="Label Impulsgeberin Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Sarah Oswald</span></h2>
<p><strong>GEBOREN:</strong> 1986/Ostberlin<br>
<strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Ostberlin<br>
<strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> Steffen Mau: „Ungleich vereint“, 2024<br>
<strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Gundermann“, 2018<br>
<strong>MEINE MUSIKTIPPS:</strong> Silbermond: „B96“; Trettmann: „Grauer Beton“<br>
<strong>MEINE URLAUBSTIPPS:</strong> Quedlinburg, Ahrenshoop, Peenemünde</p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/sarah-oswald-zurueck-in-meinen-osten-warum-ich-mir-mehr-ostdeutsches-selbstbewusstsein-in-den-medien-wuensche/">Sarah Oswald: Zurück in meinen Osten. Warum ich mir mehr ostdeutsches Selbstbewusstsein in den Medien wünsche</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Johannes Ulrich und Franz Neumann: Zuversicht für unsere Zukunft. Geschichten vom Kommen, Bleiben und Anpacken</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/johannes-ulrich-und-franz-neumann-zuversicht-fuer-unsere-zukunft-geschichten-vom-kommen-bleiben-und-anpacken/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Jul 2026 05:30:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=7889</guid>

					<description><![CDATA[<p>Johannes Ulrich und Franz Neumann, Geschäftsführer von Ostwerk, sind wichtige Impulsgeber für Ostdeutschland. Sie setzen sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag sind sie auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7916" class="wp-image-7916 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Ulrich_Neumann_DIAO2.png" alt="Johannes Ulrich &#38; Franz Neumann, Geschäftsführung Ostwerk. Abbildung: Max Threlfall" width="706" height="1000">Johannes Ulrich &#38; Franz Neumann, Geschäftsführung Ostwerk. Abbildung: Max Threlfall<br />
Stell dir vor, in Ostdeutschland wären Dörfer und Kleinstädte lebendig, dein Arbeitsplatz zukunftssicher und alle würden sich [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/johannes-ulrich-und-franz-neumann-zuversicht-fuer-unsere-zukunft-geschichten-vom-kommen-bleiben-und-anpacken/">Johannes Ulrich und Franz Neumann: Zuversicht für unsere Zukunft. Geschichten vom Kommen, Bleiben und Anpacken</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Johannes Ulrich und Franz Neumann, Geschäftsführer von Ostwerk, sind wichtige Impulsgeber für Ostdeutschland. Sie setzen sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag sind sie auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><span id="more-7889"></span></p>
<div id="attachment_7916" style="width: 716px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7916" class="wp-image-7916 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Ulrich_Neumann_DIAO2.png" alt="Johannes Ulrich &amp; Franz Neumann, Geschäftsführung Ostwerk. Abbildung: Max Threlfall" width="706" height="1000"><p id="caption-attachment-7916" class="wp-caption-text">Johannes Ulrich &amp; Franz Neumann, Geschäftsführung Ostwerk. Abbildung: Max Threlfall</p></div>
<p>Stell dir vor, in Ostdeutschland wären Dörfer und Kleinstädte lebendig, dein Arbeitsplatz zukunftssicher und alle würden sich gegenseitig unterstützen und stärken. Gibt es das schon? Ja! Muss es mehr werden? Ja!</p>
<p>Wir wollen diese zuversichtlichen Geschichten schreiben und erzählen. Und wir beginnen bei uns selbst, mit einer Geschichte von Ostwerk, der Sparda-Bank Berlin und uns – Franz und Johannes. Darin steckt für uns vieles, was wir uns für Ostdeutschland im Großen wünschen: Optimismus, Vision, Gemeinschaft und Mut.</p>
<p>Der älteste der vier in unserer Geschichte ist Johannes. 1988 in Dessau geboren und in Berlin aufgewachsen, wurde er vor allem mit der positiven Entwicklung nach der Wende sozialisiert. Johannes prägt die Zuversicht durch erlebte Selbstwirksamkeit. Als Geschäftsführer von Ostwerk mag Johannes die Verantwortung für ein gemeinsames und gesellschaftliches Ziel und kann dabei seinen Optimismus in seiner Heimat einbringen.</p>
<p>Als Franz in Rathenow (Brandenburg) geboren wird, ist es Juni 1990. Seine Familie wird geprägt von unruhigen Nachwendeerfahrungen, die viele Familien aus dieser Zeit beschreiben. Franz wächst mit Demut und Strebsamkeit auf und will es zum Erwachsenwerden aus seinem Dorf heraus nach Berlin schaffen. Mit klarer Vision für sein Leben möchte er schon früh mitgestalten und Menschen entwickeln. Die Gründung einer eigenen Familie zieht ihn bewusst zurück von Berlin nach Rathenow. Er will bleiben und als Geschäftsführer von Ostwerk etwas zurückgeben.</p>
<p>Im Mai 1990 wurde die Sparda-Bank Berlin eG in Berlin gegründet. Die Genossenschaftsbank ist die Nachfolgerin der Reichsbahnsparkasse der DDR und damit als einzige Bank auf das Geschäftsgebiet aller sechs ostdeutschen Bundesländer konzentriert. Nach einem rasanten Wachstum in den 1990er-Jahren hat die Sparda-Bank Berlin mit der Gemeinschaft aus Mitgliedern und Mitarbeitenden diverse Finanzkrisen überstanden und stemmt sich nun mit einem menschzentrierten Geschäftsmodell gegen die demografischen Herausforderungen. Seit 2023 besinnt sich die Genossenschaftsbank auf ihre Identität und verstärkt als „Deine Bank im Osten“ ihre Verantwortung für die Region mit Netzwerkarbeit und neuen Begegnungsstätten.</p>
<p>Am 17. Juni 2024 haben wir Ostwerk in Berlin gegründet. Ostwerk ist als Beteiligungsgesellschaft und Tochter der Sparda-Bank Berlin die Konsequenz aus der gesellschaftlichen Verantwortung von „Deine Bank im Osten“ und der intrinsischen Motivation von Franz und Johannes. Muttergesellschaft und Tochter sind im Mut und in der Überzeugung vereint, Ostdeutschland als eine lebenswerte Region zu gestalten. Gemeinsam wollen die Sparda-Bank Berlin und Ostwerk zentrale Gestaltungskräfte für Ostdeutschland sein. Ostwerk ergänzt das Netzwerk der Sparda-Bank Berlin um eine zentrale Gruppe von engagierten und gestaltenden Personen: Unternehmerinnen und Unternehmer.</p>
<hr>
<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Wir nehmen uns und andere Unternehmen in die Verantwortung, die Zukunft Ostdeutschlands zu gestalten.”</strong></span></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Unternehmen als regionale Säulen</span></h2>
<p>Der Wirkungsradius von Unternehmen ist enorm, sodass sie eine besondere Rolle bei den komplexen Fragen unserer Zeit einnehmen. Sie können Leben direkt beeinflussen – durch das Brot aus der Backstube, den Ausbildungsplatz mit Übernahmegarantie oder die gemeinsame Freizeitgestaltung in der Betriebssportgruppe. Die Geschichte vieler Dörfer und Kleinstädte rankt sich um die großen Arbeitgeber in ihrer Region. Es geht mit ihnen hoch und auch wieder runter. Im schlimmsten Fall geht es am Anfang vielen Menschen gut und am Ende nur den Unternehmen. In diesem Bewusstsein gilt es, in Zukunft zu wirtschaften und regional zu agieren. Unternehmen müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein und diese aktiv annehmen. Um Verantwortung zu übernehmen, muss einiges zusammenkommen. Es braucht Rahmenbedingungen und Strukturen, damit Verantwortung gewollt und wirksam ist. Es braucht Werte und Haltung, die als Kompass dienen und das Handeln prägen – und schließlich den Mut und den Willen zur Umsetzung.</p>
<p>Unsere Umsetzung begann etwa ein Jahr vor der Gründung von Ostwerk. Das Bekenntnis der Sparda-Bank Berlin zu Ostdeutschland hat in uns als langjährige Mitarbeitende ein Feuer entfacht und Ideen entstehen lassen. Danach begann der Prozess von Idee, Konzept, Projekt und Gründung. Die Bank war erst irritiert, dann begeistert, kurz überfordert und bei der Gründung überglücklich.</p>
<p>Die Phasen, die wir im eigenen Unternehmen durchlaufen sind, lassen sich mit dem Begriff Intrapreneurship gut beschreiben: Damit ist das unternehmerische Handeln innerhalb eines bestehenden Unternehmens gemeint. Dabei übernehmen Mitarbeitende eine unternehmerische Rolle, indem sie Ideen entwickeln und umsetzen, die das Unternehmen aus sich selbst heraus voranbringen. Dieser Ansatz fördert Kreativität und Eigenverantwortung und ermöglicht es Unternehmen, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und auf Veränderungen im Markt flexibel zu reagieren.</p>
<p>Uns wurde es ermöglicht, unsere Ideen zu entwickeln und umzusetzen, mit der Sicherheit und Unterstützung der Bank im Rücken. Mit unserer Vision vor Augen haben wir ein Konzept entwickelt, das sowohl die wirtschaftliche als auch die gesellschaftliche Verantwortung der Sparda-Bank Berlin widerspiegelt. Seit Juni 2024 leistet Ostwerk als Investor seinen Beitrag zum wirtschaftlichen Wachstum und zur regionalen Entwicklung in Ostdeutschland. Durch gezielte Investments mit Eigenkapital und einer aktiven Netzwerkarbeit unterstützt Ostwerk Unternehmen dabei, ihre Potenziale voll auszuschöpfen und innovative Projekte zu realisieren. Ostwerk fördert nicht nur die wirtschaftliche Stabilität, sondern auch die regionale Verantwortung der Unternehmen. Bei einem Investment achtet Ostwerk auf das Zusammenspiel von finanzieller Rendite und regionaler Wirkung, die sich sowohl aus dem Geschäftsmodell selbst als auch über die Verantwortungsübernahme als Akteurin oder Akteur der Region zeigen kann.</p>
<div id="attachment_7912" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7912" class="wp-image-7912" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Geschaeftsfuehrer.jpg" alt="Geschäftsführer Johannes Ulrich und Franz Neumann sind als Investoren aus der Region für die Region unterwegs. Abbildung: Max Threlfall" width="600" height="450"><p id="caption-attachment-7912" class="wp-caption-text">Geschäftsführer Johannes Ulrich und Franz Neumann sind als Investoren aus der Region für die Region unterwegs. Abbildung: Max Threlfall</p></div>
<h2><span class="title-bg">Grundlagen für Zukunft vor Ort</span></h2>
<p>Die Sparda-Bank Berlin bietet dabei den stabilen Rahmen, in dem Ostwerk agieren kann. Die Genossenschaftsbank steht für Stabilität und Verlässlichkeit, was die Ernsthaftigkeit unserer Mission unterstreicht. Mit ihrem menschzentrierten Geschäftsmodell und ihrer starken regionalen Verankerung bietet die Sparda-Bank Berlin nicht nur die finanzielle Grundlage durch ihre Mitglieder, sondern auch ein genossenschaftliches Wertegerüst, das unseren Antritt für eine vielfältige, kooperative und offene Gesellschaft stärkt.</p>
<p>Das Hauptziel von Ostwerk ist es, durch Unternehmertum Zukunftsperspektiven in Ostdeutschland zu schaffen. Wir fördern Unternehmertum, das sich durch Innovation, Nachhaltigkeit und regionale Verantwortung auszeichnet. Durch die Unterstützung von klassischen Start-ups, Genossenschaften und anderen gemeinwohlorientierten Unternehmen trägt Ostwerk dazu bei, dass sich die Lebensqualität der Menschen verbessert, die regionale Wirtschaft gestärkt und das Miteinander gefördert wird.</p>
<p>Zukunftsperspektiven für Menschen entstehen durch nachhaltige Lebensqualität, einen attraktiven Wirtschaftsstandort und eine starke Zivilgesellschaft. Diese drei Säulen sind für uns entscheidend für die langfristige Entwicklung Ostdeutschlands zu einer lebenswerten und zukunftsfähigen Region.</p>
<p>„Ich lebe hier gerne“ sagen wir, wenn wir nachhaltige Lebensqualität meinen. Das bedeutet, dass Menschen nur in einer gesunden und lebenswerten Umgebung gut leben können. Das lebendige Dorf und die bunte Kleinstadt brauchen Angebote für alle Sinne und wesentlichen Bedürfnisse – von Kultur über Gastronomie bis hin zum gut sortierten Konsum um die Ecke. Zum Leben gehören auch Wohnen, Energieversorgung, Mobilität und eine langfristig intakte Umwelt. Die Lösungen sind je nach Ort und Region sehr unterschiedlich, um Menschen zum Bleiben zu bewegen. Der Drang, in die Großstadt zu ziehen, ist bei vielen von ihnen weniger gewollt als erforderlich, um mehr Perspektive und Lebensqualität zu haben.</p>
<p>Die Aussage „Ich habe hier eine berufliche Zukunft“ spricht für einen attraktiven Wirtschaftsstandort. Dieser zeichnet sich durch ansprechende Beschäftigungsmöglichkeiten, gut ausgebildete Fachkräfte und innovative Ansätze aus. Um Ostdeutschland zu einem solchen Standort auszubauen, braucht es stabile Unternehmen in zukunftsorientierten Branchen. Die ostdeutschen Regionen sind von Strukturwandel und Transformationsprozessen geprägt. Durch Gründungen von Start-ups sowie Nachfolgen von wichtigen Betrieben und erfahrenen mittelständischen Unternehmen können solche Prozesse vorangetrieben werden. Wenn Menschen sich für einen Wohn- und Lebensort entscheiden, möchten sie sich (von) dort auch beruflich einbringen und weiterentwickeln können. Es muss die Sicherheit geben, dass die persönliche und wirtschaftliche Stabilität dort möglich ist.</p>
<p>Eine starke Zivilgesellschaft erzeugt das Gefühl: „Wir sind hier alle füreinander da.“ Sie ist das Rückgrat einer funktionierenden Demokratie. Die Unterstützung von Vereinen und Initiativen, die Förderung des ehrenamtlichen Engagements und die Stärkung lokaler Gemeinschaften sind dabei wesentliche Faktoren für ein bereicherndes Zusammenleben. Auch die Förderung von Austausch, Wissenstransfer und Bildung tragen dazu bei, dass die Zivilgesellschaft stark und lebendig bleibt. Es braucht eine Kultur, in der viele Menschen vor Ort aktiv an der Gestaltung ihrer Zukunft mitwirken können. Es braucht eine Kultur, in der Vielfalt und Offenheit willkommen sind und in der gemeinsam für Gerechtigkeit und Chancengleichheit aufgestanden wird.</p>
<div id="attachment_7914" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7914" class="wp-image-7914" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Gruendung-e1759918068940.jpg" alt="17. Juni 2024: Gründung mit den Geschäftsführern von Ostwerk, dem Vorstand der Sparda-Bank Berlin sowie Notarin Dr. Julia Maier-Reinhardt." width="600" height="450"><p id="caption-attachment-7914" class="wp-caption-text">17. Juni 2024: Gründung mit den Geschäftsführern von Ostwerk, dem Vorstand der Sparda-Bank Berlin sowie Notarin Dr. Julia Maier-Reinhardt.</p></div>
<h2><span class="title-bg">Zukunftsperspektiven für alle</span></h2>
<p>Die Chancen sind riesig, unsere Region mit noch mehr Zukunftsperspektiven zu füllen und Bestehendes sichtbar zu machen. Wir nehmen uns und andere Unternehmen in die Verantwortung, die Zukunft Ostdeutschlands zu gestalten. Es braucht das Engagement und die Innovationskraft der Unternehmen von Usedom bis in den Thüringer Wald.</p>
<p>Wir als Ostwerk wenden uns zusammen mit der Sparda-Bank Berlin gezielt an Unternehmen, die in ihrer Region etwas bewegen wollen. Wir haben gemeinsam angefangen, eine Geschichte zu schreiben und wollen andere unterstützen, auch ihre Geschichten für unsere Region zu erzählen.</p>
<p>Und denken wir an Ostdeutschland, dann werden wir in Zukunft viele dieser Geschichten lesen.</p>
<div id="attachment_7915" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7915" class="wp-image-7915" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Podium.jpg" alt="Podiumsdiskussion am Standort der Sparda-Bank Berlin zu kooperativem Wirtschaften in Magdeburg. Abbildung: Jana Dünnhaupt" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7915" class="wp-caption-text">Podiumsdiskussion am Standort der Sparda-Bank Berlin zu kooperativem Wirtschaften in Magdeburg. Abbildung: Jana Dünnhaupt</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Ostwerk GmbH</span></h2>
<p><strong>GEGRÜNDET:</strong> 2024/Berlin<br>
<strong>STANDORT:</strong> Berlin<br>
<strong>MITARBEITENDE:</strong> 2<br>
<strong>WEBSITE:</strong> <a href="https://ost-werk.de/" target="_blank" rel="noopener">ost-werk.de</a></p>
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<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Johannes Ulrich &amp; Franz Neumann</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>UNSER BUCHTIPP:</strong> Hendrik Bolz: „Nullerjahre“, 2022<br>
<strong>UNSER FILMTIPP:</strong> „Mit der Faust in die Welt schlagen“, 2024<br>
<strong>UNSERE URLAUBSTIPPS:</strong> Oberwiesenthal und Havelland</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
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<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/johannes-ulrich-und-franz-neumann-zuversicht-fuer-unsere-zukunft-geschichten-vom-kommen-bleiben-und-anpacken/">Johannes Ulrich und Franz Neumann: Zuversicht für unsere Zukunft. Geschichten vom Kommen, Bleiben und Anpacken</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Robert Nehring: Mysterium und Minenfeld. Warum das Sprechen über den Osten so schwerfällt</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/dr-robert-nehring-mysterium-und-minenfeld-warum-das-sprechen-ueber-den-osten-so-schwerfaellt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 05:30:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=7869</guid>

					<description><![CDATA[<p>Robert Nehring, Verleger und Chefredakteur des PRIMA VIER Nehring Verlags, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7884" class="wp-image-7884 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Nehring_Robert_DIAO2.png" alt="Dr. Robert Nehring Verleger, Chefredakteur PRIMA VIER Nehring Verlag GmbH." width="705" height="1000">Robert Nehring, Verleger, Chefredakteur PRIMA VIER Nehring Verlag GmbH.<br />
Denke ich an Ostdeutschland, dann staune ich darüber, dass „Ost und West“ immer noch so [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/dr-robert-nehring-mysterium-und-minenfeld-warum-das-sprechen-ueber-den-osten-so-schwerfaellt/">Robert Nehring: Mysterium und Minenfeld. Warum das Sprechen über den Osten so schwerfällt</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Robert Nehring, Verleger und Chefredakteur des PRIMA VIER Nehring Verlags, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7869"></span></p>
<div id="attachment_7884" style="width: 715px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7884" class="wp-image-7884 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Nehring_Robert_DIAO2.png" alt="Dr. Robert Nehring Verleger, Chefredakteur PRIMA VIER Nehring Verlag GmbH." width="705" height="1000"><p id="caption-attachment-7884" class="wp-caption-text">Robert Nehring, Verleger, Chefredakteur PRIMA VIER Nehring Verlag GmbH.</p></div>
<p>Denke ich an Ostdeutschland, dann staune ich darüber, dass „Ost und West“ immer noch so ein großes Thema ist. Sollte da nicht 35 Jahre nach dem Mauerfall längst ein Haken dran sein?</p>
<p>Tatsächlich sagen viele Ostdeutsche meiner Generation (X) zunächst, dass die Frage „Ost oder West?“ für sie keine Rolle mehr spielt. Die meisten der zwischen 1965 und 1980 Geborenen haben es geschafft: guter Job und nette Mietwohnung in der Stadt oder eigenes Haus, zwei Autos, drei Kinder, vier Mal „Malle“ im Jahr. Gute Gehälter, großer Grill, brave Bundesbürger. Auf Nachfrage ist da aber oft doch noch etwas. Viele Fortgegangene würden zum Beispiel schon gern wieder zurück in die Heimat, nach Ostdeutschland. So ein richtiger Koblenzer oder Pforzheimer, Hamburger oder Münchner werde man wohl eh nie. Aber zu Hause fehlen eben die großen Arbeitgeber, fast die Hälfte wählt AfD und an Weihnachten rutschte sogar den Eltern schon ein „Kinderbuchautor“ raus. Auch viele Gebliebene berichten von gewissen Bauchschmerzen. Beide Gruppen sagen, die Wiedervereinigung sei ein großer Glücksfall gewesen, habe aber auch viele ins Unglück gestürzt. Wie das Ganze ablief, sei nicht gerecht gewesen. Die Generation X Ost.</p>
<p>Dann gibt es die ostdeutschen Boomer (geboren etwa 1946 bis 1964). Auch die meisten von ihnen haben es geschafft, haben sich angepasst – viele erneut – und es zu etwas gebracht. Aber hier sitzt der Stachel schon oft auch tief. Viele waren nach der Wiedervereinigung komplett auf sich gestellt. Job weg, kaum Geld, keine Ahnung. Das vergisst man nicht. Plötzlich musste jeder an sich denken – nur so war noch an alle gedacht. Die Scheuklappen hat man immer noch auf, aber gut findet man das eigentlich nicht. Dafür sind wir ‘89 auf die Straße gegangen? In dieser Generation empfinden sich viele immer noch als Bürger zweiter Klasse, einst vom Westen betrogen, gedemütigt, entmündigt. Gekränkt, traumatisiert, obwohl es den meisten wirtschaftlich gut geht.</p>
<p>Und es gibt die Wendekinder. Im engeren Sinne sind sie zwischen 1975 und 1985 geboren, im weiteren Sinne etwa zwischen 1970 und 1995. Sie sind Gen X und Gen Y. Aber das Phänomen der merklichen Prägung durch die Folgen der Wiedervereinigung hält sich sogar bis in die Gen Z (1997 bis 2012). Ist es nicht bezeichnend, dass sie, die die DDR nicht oder kaum erlebt haben, sich heute so sehr mit Ostdeutschland identifizieren? Kinder versuchen, die Probleme der Eltern zu lösen, sagen Psychologen. Oftmals bekommen das die Eltern gar nicht mit. In diesem Fall hatte die Elterngeneration auch wirklich genug mit sich selbst zu tun. Aber für die Wendekinder fielen Mama und Papa ohnehin als Vorbild und Berater aus. Was wussten sie schon davon, wie dieses neue System konkret funktionierte? So machten auch die 70er- und noch so manche 80er-Jahrgänge ihre ersten Schritte ohne Kompass.</p>
<hr>
<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Der Mauerfall hat für mich alles verändert. Was mich aber politisch geprägt hat, war der 18. März 1990, die ersten freien Wahlen in der DDR.”</strong></span></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Verschwommener Blick</span></h2>
<p>Ich bin im April 1974 in Ostberlin geboren, aber kein Festspielkind. Im Sommer 1973 fanden hier die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten statt … Nachdem Honecker 1971 an die Macht kam, herrschten zunächst Tauwetter und moderater Aufschwung in der DDR: mehr individueller Freiraum, bessere Konsumangebote, großzügige Sozialleistungen, wenn auch auf Pump finanziert. Im Mai 1974 gewinnt der 1. FC Magdeburg den Fußball-Europapokal der Pokalsieger, im Juni besiegt die DDR in der Vorrunde den späteren Fußballweltmeister BRD. Im Kino laufen noch Paul und Paula und die Digedags sind gerade in Amerika. Ich werde aber bald Fan der Abrafaxe, wie die Helden des Mosaik-Comics ab 1975 heißen.</p>
<p>Direkt neben meiner Schule befinden sich eine Schwimmhalle und ein Freibad. Erste Sportstunde in der ersten Klasse: Der Schwimmverein lädt die drei größten Mädels und Jungs ein, mal reinzuschnuppern. Mit elf geht es dann auf die Sportschule. Als die Mauer fällt, trainiere ich gerade in 2.000 Metern Höhe – in einer Schwimmhalle auf dem Berg Belmeken, bulgarisches Rila-Gebirge. Am Tag nach der Rückkehr fährt mein Vater mit mir nach Westberlin. Wir gehen Wollankstraße rüber. Hier ist er im Schatten der Mauer aufgewachsen. Irre: Die Wollank sieht auf der Westseite architektonisch ja genauso aus. Weniger irre: Den Ku’damm hatte ich mir noch bunter vorgestellt. Peinlich: Ossis dürfen gratis Öffis fahren, im Bus müssen sie dazu aber ihren blauen Perso hochzeigen.</p>
<p>Ich war 15, interessierte mich für die aktuellen politischen Entwicklungen, befand mich aber weit weg vom Geschehen, viel unter Wasser halt. Vielleicht ist mein Blick auf die damalige Entwicklung deshalb etwas verschwommen. Der Mauerfall hat für mich alles verändert. Wer auch immer dafür verantwortlich war: von Herzen Dank! Was mich aber politisch geprägt hat, war der 18. März 1990. Die ersten freien Wahlen in der DDR. Heute würde man so etwas eine massive Wahleinmischung nennen. Manche Parteien hatten auch schon ihre Aufnahme in die Schwesterpartei im Blick. Wie frei war diese Wahl wirklich? Der Ausgang war in jedem Fall überraschend und für mich befremdlich: Die von Helmut Kohl unterstützte Allianz für Deutschland erhielt 48 Prozent. Für schnelles Westgeld wählt ihr sogar die? Ich habe mich geschämt, ähnlich wie bei heutigen Wahlergebnissen in Ostdeutschland.</p>
<p>Während Chaos-Abi – dem ersten westdeutschen im Osten – und Zivildienst die bange Frage, was ich werden soll. Studiert so einer wie ich heutzutage? Schafft der das? Wie funktioniert das? Wen sollte ich fragen? Ich fasste einfach den Mut, das zu studieren, was mich interessierte: Philosophie. Nicht nur meine Prognose: Langzeitarbeitsloser, der schwarz Taxi fährt. Aber dann war das eben so. Dafür immer was Gutes zu lesen. Wie befürchtet verstand ich im ersten Semester nur wenig. Noch weniger allerdings begriff ich, was meine Kommilitonen aus dem Westen sagten, wenn sie eine Frage stellten. Erstaunlicherweise waren das meist gar keine Fragen, sondern Statements zur Selbstdarstellung. Sie hatten Philosophie auch schon in der Schule und wussten bereits, wie man eine wissenschaftliche Arbeit schreibt. Vorlesungen und Seminare besuchte ich aus Verunsicherung wesentlich schweigend. Aber am Ende stand ein sehr guter Abschluss, sogar fast in Regelstudienzeit – bei einer Abbrecherquote von 90 Prozent.</p>
<p>Es war schon kurios: Auch ich wurde über Nacht vom Ost- zum Westeuropäer, vom Einheimischen im Sozialismus zum Quasi-Immigranten im Kapitalismus – ohne mich vom Fleck zu bewegen. Ich blieb auch während des Studiums in (Ost-)Berlin – was sollte ich in Hildesheim, wenn die ganze Welt hier herwill? Plötzlich waren wir eine Art Einwanderer, obwohl eigentlich der Westen bei uns einwanderte. In Gesprächen mit Studierenden aus dem Westen begegnete mir manches Mal diese Erwartungshaltung: Wow, du bist sogar von hier? Erzähl‘ mal bitte, wie schlimm das damals war. Waren deine Eltern im Widerstand? Puh – wo fängt man da an? Ob sie mir meine glückliche Kindheit abnehmen werden? Mit Ostscham hatte ich allerdings nie große Probleme, wenngleich ich zu wissen glaubte, wann es bei der Herkunftsfrage besser war, Berlin als Ostberlin zu sagen, um dem Gegenüber die Möglichkeit zu geben, Westberlin zu verstehen. Ich trage bis heute so etwas wie Oststolz in mir. Ich war und bin immer gern Ostberliner und darüber hinaus Ostdeutscher.</p>
<div id="attachment_7887" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7887" class="wp-image-7887" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Anderesland02.jpg" alt="Ein Haus in Ostberlin. Einst stand es in Ost-, heute in Westeuropa. Abbildung: Blunt/Wikimedia Commons" width="600" height="553"><p id="caption-attachment-7887" class="wp-caption-text">Ein Haus in Ostberlin. Einst stand es in Ost-, heute in Westeuropa. Abbildung: Blunt/Wikimedia Commons</p></div>
<h2><span class="title-bg">Geschichte als Mysterium</span></h2>
<p>Die Geschichte der DDR ist für mich in Teilen rätselhaft, zumindest alles andere als eindeutig. Das gilt auch für manche der sich anschließenden Entwicklungen in Ostdeutschland. Die Eckdaten sind klar. Wie und warum sich aber alles zugetragen hat, ist nicht so klar. Die Geschichte Ostdeutschlands mag nicht unergründlich sein, aber dass hier verschiedene Narrative nebeneinanderher existieren, erschwert eine eindeutige Erklärung. Zu den Ereignissen und Hintergründen vor 1990 gibt es zum Beispiel die offizielle DDR-Version – oft Propaganda, der nicht zu trauen ist. Und es gibt die Perspektive der BRD, die man hier auch in gewissem Maße voreingenommen nennen muss. Dazwischen gibt es noch das, wovon man persönlich gehört und wovon man gelesen hat. Und dann gibt es natürlich noch das, woran man selbst gern glauben möchte.</p>
<p>17. Juni 1953. Wie war das denn wirklich? Der Aufstand war natürlich kein vom Westen gelenkter faschistischer Putschversuch, wie die DDR anschließend behauptete. Aber war er für die Bundesrepublik tatsächlich so relevant, dass sie ihn sich aneignen und das Datum jahrzehntelang als Nationalfeiertag begehen musste? Die DDR war Anfang der 50er noch jung. Wie die Bundesrepublik konnte sie sich ihr wirtschaftliches, politisches und gesellschaftliches System nicht selbst aussuchen. Der Osten zahlte die Zeche für den Zweiten Weltkrieg und zwar für den Westen gleich mit. Die DDR leistete etwa 98 Prozent der Reparationslast Gesamtdeutschlands, während die BRD im Rahmen des Marshallplans 1,4 Milliarden US-Dollar von den USA erhielt. 1952 befahl Moskau den Aufbau einer Volksarmee, was den Staatshaushalt stark belastete. Dazu kamen schlechte Ernten. Die DDR befand sich in einer Wirtschaftskrise. Das Konsumangebot war schlecht. Um diese Krise zu überwinden, sollten die Arbeiter nun für denselben Lohn mehr leisten. Die Normerhöhung wurde noch vor dem Aufstand wieder zurückgenommen. Die Dinge nahmen aber ihren Lauf. Eine wesentliche Rolle spielte dabei der Rundfunk im amerikanischen Sektor RIAS.</p>
<p>9. November 1989. Wer war denn nun für den Mauerfall verantwortlich? Ansprüche haben viele Seiten geltend gemacht. Waren es die oppositionellen Bürgerrechtler, die oft aus der evangelischen Friedensbewegung („Schwerter zu Pflugscharen“) hervorgingen und unter anderem die sogenannten Umweltbibliotheken unterhielten? Waren es die Teilnehmer der Montagsdemonstrationen, die von September 1989 an immer mehr wurden? War es generell die Kirche, die in DDR große Freiräume genoss? War es Gorbatschow mit seinem Wind of Change, den er 1986 mit „Glasnost und Perestroika“ einleitete? War der Starrsinn Honeckers an allem schuld? Ist Egon Krenz am Ende ein Held, weil er in seinen sieben Wochen an der DDR-Spitze Reformen auf den Weg brachte und den Einsatz von Gewalt gegen die Demonstrierenden verhinderte? Lag es an Günter Schabowskis Fauxpas oder wäre am 10. November alles ähnlich gekommen, nur nicht „unverzüglich“? Welche Rolle spielten die westdeutschen Medien, die eine Grenzöffnung verkündeten, welche noch nicht vollzogen war? Oder hat am Ende Oberstleutnant Harald Jäger, der die Grenze am Übergang Bornholmer Straße öffnen und bald auf Kontrollen verzichten ließ, die Mauer für immer geöffnet? Wahrscheinlich spielen hier alle Faktoren eine Rolle. Sicherlich noch weitere. Heute wird gern nachträglich rationalisiert, die DDR sei einfach pleite gewesen und ihre Bürger wollten nur noch weg. Dies aber greift wohl deutlich zu kurz und dürfte so auch schlicht falsch sein. Anfang 1989 sagte Honecker, dass die DDR noch in 100 Jahren bestehen werde. Und weder Ost noch West zweifelten daran.</p>
<p>18. März 1990. In Umfragen zur Volkskammerwahl lag die Ost-SPD weit vorn und auch sonst sprach viel für ihren Sieg. Fast die Hälfte wählte dann aber die Allianz aus der unbekannten Ost-CDU, der von der CSU unterstützten DSU und dem kirchennahen Demokratischen Aufbruch. Dem vorausgegangen war ein gigantischer westfinanzierter Werbefeldzug. Allein 100.000 Schallplatten und Kassetten mit Reden Helmut Kohls wurden verteilt. In Erfurt soll die hessische CDU in einer einzigen Nacht 80.000 Plakate geklebt haben. Die Wiedervereinigung hatten die meisten Parteien im Programm, die Allianz aber versprach die schnellste. Und dann wählte das atheistischste Land der Welt die Christen. Obwohl bis 19. Januar 1990 noch fast 1,2 Millionen DDR-Bürger ihren Namen unter den Aufruf „Für unser Land“ gesetzt hatten, der für einen „Dritten Weg“ hin zu einer sozialistischen Alternative zur Bundesrepublik warb, einer zwischen Markt- und Planwirtschaft. Es fragt sich, wie die DDR-Bürger mit dem Wissen davon abgestimmt hätten, was dann folgte: 82 Prozent aller 1989 erwerbstätigen Ostdeutschen waren bis November 1994 mindestens einmal arbeitssuchend. Es fand eine Entwertung der bisherigen Lebensleistung statt, Betriebe wurden geschlossen, verkauft, verschenkt. Nur fünf Prozent des Produktivvermögens der DDR ging in ostdeutsche Hände. Viele verloren ihre Wohnungen an Alteigentümer oder deren Verwandte. Die DDR-Bürger wollten die alte DDR nicht mehr. Aber die meisten wollten auch nicht die alte BRD – die Vorzüge gern, aber nicht das ganze Paket. Die Mehrheit wollte etwas Neues. Und gerade war man dabei, sich zu demokratisieren, sich zu reformieren, da beendete der Anschluss jegliche Selbsterneuerung.</p>
<p>Die Geschichte Ostdeutschlands wird heute im Wesentlichen von Westdeutschland geschrieben. Über den Osten spricht der Westen oft mit sich selbst. Die westdeutsche Sicht auf die Geschehnisse hat sich durchgesetzt. In den Medien, in der Öffentlichkeit. Dabei verschwindet dann auch so manches, was für den Osten von Bedeutung war. In heutigen Kinderbüchern über die Raumfahrt etwa fehlen zwischen bzw. vor Mondlandung, Space Shuttle, Ulf Merbold und Astro-Alex unter anderem diese Protagonisten: Laika, Juri Gagarin und Sigmund Jähn, das erste Tier, der erste Mensch und der erste Deutsche im All. Die erste Deutsche, die im Sport einen Rekord aufstellt, ist manchmal nur die erste Deutsche (ohne DDR). Und Abtreibung aus sozialen Gründen – noch heute wird darum gerungen – war in der DDR übrigens schon 1950 keine Straftat mehr.</p>
<p>Längst wird die westdeutsche Geschichte Ostdeutschlands auch von vielen Ostdeutschen so erzählt: Die DDR war ein Unrechtsstaat mit Totalüberwachung, eine Diktatur, die ihre Menschen einsperrte und beim Fluchtversuch erschoss. Das „größte Freiluftgefängnis Europas“ (Ilko-Sascha Kowalczuk) als Fehltritt der Geschichte. Nun aber würden die „verzwergten“ Persönlichkeiten, deren Wissen unbrauchbar für den Westen gewesen sei (Arnulf Baring), wieder dem richtigen Pfad folgen.</p>
<p>Die DDR war aber auch Sozialstaat, Lese- und Theaterland sowie Sportnation. Wo Frauen arbeiten konnten, durften, mussten, weil es eine ausreichende Kinderbetreuung gab. Ein Land ohne Arbeits- und Obdachlosigkeit, mit lächerlichen Mieten und Lebensmittelpreisen sowie einer umfassenden Gesundheitsversorgung. Wo Pragmatismus, Direktheit und Solidarität charakteristisch waren. Höre ich ein „Ja, aber?“ Das kann durchaus berechtigt sein, genau wie bei der anderen Erzählung. Fakt ist aber, dass solche Errungenschaften des Ostens heute nichts mehr zählen.</p>
<p>Ich weiß, ich weiß: dünnes Eis. Das bringt mich zum nächsten Punkt.</p>
<div id="attachment_7875" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7875" class="wp-image-7875" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/KAS-Antisozialismus-Bild-11144-1.jpg" alt="Wahl zur Volkskammer am 18. März 1990: Plakate der Allianz für Deutschland. Abbildung: Wikimedia Commons KAS/ACDP 10-024 : 5011 CC-BY-SA 3.0 DE" width="600" height="418"><p id="caption-attachment-7875" class="wp-caption-text">Wahl zur Volkskammer am 18. März 1990: Plakate der Allianz für Deutschland. Abbildung: Wikimedia Commons KAS/ACDP 10-024 : 5011 CC-BY-SA 3.0 DE</p></div>
<h2><span class="title-bg">Fettnäpfchenfalle Ost</span></h2>
<p>Ostdeutschland ist ein gefährliches Gesprächsthema zwischen Ost und West. Denn schnell gelangen beide Seiten zur Einschätzung, die jeweils andere werde es wohl nie verstehen. Beim Smalltalk sollte man das Thema vielleicht besser so meiden wie Politik und Religion, weil man hier schnell ins Fettnäpfchen des anderen tritt. Andererseits müssen wir über Ostdeutschland dringend miteinander im Gespräch bleiben.</p>
<p>Die Fronten sind schnell verhärtet. „So isser, der Ossi“, der undankbare Jammerossi. Die Milliarden, die wir da reingepumpt haben. Unser Soli. Was die jetzt für tolle Straßen haben, da träumen wir von. Auf der anderen Seite steht der Besserwessi, der den Osten der USA besser kennt als den Osten Deutschlands. Er hat ein Jahr länger fürs Abi gebraucht – weil da noch zwölf Monate Schauspielunterricht enthalten waren.</p>
<p>Die Schubladen sind groß, in die man beim Sprechen über Ostdeutschland nahezu reflexartig gesteckt wird. Schnell hat jeder sein Etikett. Wer daran erinnert, dass man in der DDR trotz aller Einschränkungen auch ein relativ normales Leben führen konnte, wenn auch nicht nach den Maßstäben des Westens, gerät in den Verdacht, blind, privilegiert oder bei der Stasi gewesen zu sein. Wer die schrecklichen Schicksale derer, die stark unter Repressionen zu leiden hatten, für repräsentativ erklärt, muss sich den Vorwurf anhören, dass dies nichts mit der Lebenswirklichkeit der meisten zu tun hatte. Das schlechte Image Ostdeutschlands leidet neben seinen Herausforderungen unter einer westdeutsch dominierten Medienlandschaft und einer unausgewogenen Aufarbeitung. Beschäftigt wird sich in erster Linie mit den Missständen in der DDR. Wo aber nur die Schattenseite erforscht wird, entsteht zwangsläufig ein Dunkeldeutschland. Der Osten als Gruselkabinett.</p>
<p>Ein verzerrtes Bild zeichnen auch viele statistische Erhebungen. Ostberlin wird in ihnen oft nicht zu Ostdeutschland gezählt. Insbesondere wenn es darum geht, den Rückstand des Ostens darzustellen. Wenn es aber darum geht, die Fortschritte zu zeigen, wird gern gleich ganz Berlin zu den neuen Bundesländern geschlagen. Beides behindert einen klaren Blick auf die Entwicklung des Ostdeutschlands, das einmal die DDR war.</p>
<p>Westdeutschen ist ein begrenztes Interesse an ostdeutschen Zusammenhängen und Befindlichkeiten schwer vorzuwerfen. Für sie hat sich einfach gar nichts geändert. Was Ostdeutsche aber schnell auf die Palme bringt, ist westdeutscher Paternalismus. Eine väterliche, mitunter oberlehrerhafte Art der Bevormundung. Ein besonders rotes Tuch ist für sie, wenn Westdeutsche ihnen den Osten erklären.</p>
<p>Angesichts des vorherrschenden Bildes von Ostdeutschland fühle ich mich wie manch anderer immer wieder in eine Verteidigungsposition gezwungen. Ich habe den Eindruck, aus einem Gerechtigkeitsempfinden heraus Partei für etwas ergreifen zu müssen, für das ich dies sonst niemals tun würde. So bin ich, so sind „wir“ im Übrigen auch nicht erzogen worden, ganz im Gegenteil: sich bloß nicht wichtigtun. Immer schön bescheiden, dann kann dich jeder leiden. Allerdings lernen wir von Oschmann: Wer gehört werden will, der muss heute laut sein. Denn zwischen den Zeilen liest jetzt keiner mehr.</p>
<div id="attachment_8040" style="width: 515px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-8040" class="wp-image-8040" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/07/Screenshot-2025-10-10-163448_Rahmen-1.jpg" alt="Die Website ostdeutschland.info ist im September 2024 online gegangen." width="505" height="600"><p id="caption-attachment-8040" class="wp-caption-text">Die Website ostdeutschland.info ist im September 2024 online gegangen.</p></div>
<h2><span class="title-bg">Brücken bauen und Banden bilden</span></h2>
<p>2023 erreicht die AfD in Umfragen 23 Prozent – doppelt so viel wie bei der Bundestagswahl 2021. Und weit mehr als die NSDAP 1930 (18 Prozent). Vor allem in Ostdeutschland kommen die rechtsextremen Populisten auf hohe Zustimmungswerte. Auch in den politischen Umfragen zeichnen sich damit längst wieder die Grenzen der DDR ab. Die AfD besetzt ursprünglich positive Ostbegriffe und lässt ihre Westimporte auf Simsons ablichten. Mit Erfolg. Manche ihrer Wähler wissen es nicht besser, manche wissen es sehr genau, manche wollen die Welt einfach brennen sehen. Nie wieder ist spätestens jetzt.</p>
<p>2023 ist auch das Jahr, in dem die Bücher von Dirk Oschmann und Katja Hoyer für Furore sorgen. Ostdeutschland war und ist nicht, wie es sich Westdeutschland vorstellt. Die westdeutsche Kritik an den Werken spricht Bände. Das alles und noch viel mehr ist für mich in diesem Jahr Anlass, auch etwas beizutragen. Ich initiiere Teil eins dieses Sammelbandes und lege direkt los. Außerdem plane ich die Website ostdeutschland.info und beginne, mich zu vernetzen.</p>
<p>Zeitgleich mit Erscheinen des Buches geht das Informationsportal online. Es gibt Orientierung zum Thema Ostdeutschland. Es klärt darüber auf, was im Osten Deutschlands passiert, wer von hier kommt und wer hier wie agiert. ostdeutschland.info berichtet unabhängig und umfassend – mit überschaubarer Kapazität, aber reichlich Herzblut und großartiger Resonanz.</p>
<p>Der Osten ist in Deutschlands Öffentlichkeit und darüber hinaus nicht angemessen repräsentiert. Dagegen will ostdeutschland.info etwas tun. Die Website möchte – genau wie ich – dazu beitragen, Ostdeutschlands Vergangenheit und dessen Gegenwart zu verstehen sowie diese Region vieler Regionen nach vorn zu bringen, damit eines Tages wirklich ein Haken an die sogenannte Wiedervereinigung gemacht werden kann.</p>
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<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Lasst uns gemeinsam etwas Neues schaffen und nicht vor tiefgreifenden Reformen zurückschrecken. Sie sind dringend notwendig.”</strong></span></p></blockquote>
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<h2><span class="title-bg">Zukunft Ost</span></h2>
<p>Am 1. April 2025 wurde auf ostdeutschland.info ein <a href="https://ostdeutschland.info/merz-macht-osten-zur-chefsache-zehn-punkte-programm-fuer-ostdeutschland/" target="_blank" rel="noopener">Aprilscherz veröffentlicht</a>. Friedrich Merz hätte angeblich ein Zehn-Punkte-Programm für Ostdeutschland angekündigt. Der Beitrag sollte zum Nachdenken darüber anregen, was Ostdeutschland wirtschaftlich braucht, um aufzuschließen. Einige Punkte waren gar nicht so weit hergeholt und so manches würde ich auch wirklich für eine gute Idee halten. Etwa eine Ostquote für Führungspersonal in Bundesregierung, Bundesbehörden und Bundeswehr, Sonderwirtschaftszonen in Ostdeutschland und ein Sondervermögen Ost, das vorrangig im Bereich erneuerbare Energien sowie in Zukunftstechnologien wie Mikroelektronik, Halbleiterindustrie und Wasserstoffwirtschaft investiert wird, in denen der Osten Deutschlands bereits jetzt gut unterwegs ist. Merz hätte eine Abstimmung darüber vorschlagen wollen, 2029 das Grundgesetz in eine neue, gemeinsame Verfassung übergehen zu lassen, den Tag der Deutschen Einheit auf ein besser geeignetes Datum zu verlegen und eine neue Nationalhymne in Anlauf zu nehmen. Aber immerhin: Punkt zehn – Olympische Spiele in Ostdeutschland – wurde Ende Mai 2025 auf den Weg gebracht. Die Bewerbung ist erfolgt.</p>
<p>Denke ich an Ostdeutschland, dann denke ich an meine Ostberliner Herkunft und daran, wie die Wiedervereinigung gelingen kann. Es braucht hier Selbstbewusstsein durch Selbstwirksamkeit. Es braucht Mut statt Wut. Mit der geballten Faust in der Tasche lässt sich schlecht anpacken. Aber der Schlüssel ist die Wirtschaft. Sie ist die Voraussetzung für Wohlstand und erfolgreiche Zukunft. Der Osten hat viel zu bieten: eine großartige Hochschullandschaft, starke Wirtschaftscluster, gut ausgebildete Menschen, viel Potenzial für Erneuerbare, noch relativ flexible Strukturen und eine Menge Transformationserfahrung. Hier leisten die Leute etwas, weil sie es auch müssen. Da winkt kein großes Erbe. Ostdeutschland ist Seismograf und eignet sich als Labor. Ostdeutsche wissen: Was sich festfährt, kann plötzlich weg sein. Nach fest kommt ab. Was Ostdeutsche als von außen Hinzugekommene vielleicht besser sehen: In Deutschland läuft heute schon vieles schief. Aber wir fahren weiter in unserem trägen Tanker auf seinem alten Kurs. Darum lasst uns gemeinsam etwas Neues schaffen und nicht vor tiefgreifenden Reformen zurückschrecken. Sie sind dringend notwendig.</p>
<div id="attachment_7879" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7879" class="wp-image-7879" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Cover-Denke-ich-an-Ostdeutschland_bd.1-und-bd.2_klein.jpg" alt="110 Autorinnen und Autoren teilen auf 448 Seiten ihre Gedanken zu Ostdeutschland." width="600" height="415"><p id="caption-attachment-7879" class="wp-caption-text">110 Autorinnen und Autoren teilen auf 448 Seiten ihre Gedanken zu Ostdeutschland.</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Dr. Robert Nehring</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>GEBOREN:</strong> 1974/Ostberlin</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Berlin</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEINE BUCHTIPPS:</strong> Jens Sparschuh: „Der Zimmerspringbrunnen“, 1995; Steffen Mau: „Lütten Klein“, 2019; Christoph Hein: „Das Narrenschiff“, 2025</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEINE FILMTIPPS:</strong> „Eins, zwei, drei“, 1961; „Flüstern und Schreien“, 1988</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Ostsee</span></p>
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<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
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<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/dr-robert-nehring-mysterium-und-minenfeld-warum-das-sprechen-ueber-den-osten-so-schwerfaellt/">Robert Nehring: Mysterium und Minenfeld. Warum das Sprechen über den Osten so schwerfällt</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Frank Nehring: Netzwerke im Osten. Plattformen für Austausch und Fortschritt</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/frank-nehring-netzwerke-im-osten-plattformen-fuer-austausch-und-fortschritt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Jun 2026 05:30:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=7854</guid>

					<description><![CDATA[<p>Frank Nehring, Herausgeber von Wirtschaft+Markt, Gründer des Ostdeutschen Wirtschaftsforum und Präsident des MPW Forums für Medien, Politik und Wirtschaft e.V., ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7857" class="wp-image-7857 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Nehring_Frank_DIAO2.png" alt="Frank Nehring, Herausgeber Wirtschaft+Markt, Gründer Ostdeutsches Wirtschaftsforum, Präsident MPW Forum für Medien, Politik und Wirtschaft e.V. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen, Bernd Brundert" [...]
</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/frank-nehring-netzwerke-im-osten-plattformen-fuer-austausch-und-fortschritt/">Frank Nehring: Netzwerke im Osten. Plattformen für Austausch und Fortschritt</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Frank Nehring, Herausgeber von Wirtschaft+Markt, Gründer des Ostdeutschen Wirtschaftsforum und Präsident des MPW Forums für Medien, Politik und Wirtschaft e.V., ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7854"></span></p>
<div id="attachment_7857" style="width: 715px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7857" class="wp-image-7857 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Nehring_Frank_DIAO2.png" alt="Frank Nehring, Herausgeber Wirtschaft+Markt, Gründer Ostdeutsches Wirtschaftsforum, Präsident MPW Forum für Medien, Politik und Wirtschaft e.V. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen, Bernd Brundert" width="705" height="1000"><p id="caption-attachment-7857" class="wp-caption-text">Frank Nehring, Herausgeber Wirtschaft+Markt, Gründer Ostdeutsches Wirtschaftsforum, Präsident MPW Forum für Medien, Politik und Wirtschaft e.V. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen, Bernd Brundert</p></div>
<p>Denke ich Ostdeutschland, dann denke ich an Verbundenheit, offenen Austausch untereinander, gesundes Selbstbewusstsein, gepaart mit Optimismus und Zukunftsgewandtheit – und wie wir mehr davon bekommen können.</p>
<p>Die ostdeutschen Bundesländer haben sich in den letzten Jahrzehnten wirtschaftlich und gesellschaftlich beachtlich weiterentwickelt. Einen entscheidenden Anteil an dieser positiven Entwicklung haben die Wirtschaftsnetzwerke, die als Plattformen für Austausch, Kooperation und strategische Entwicklung fungieren.</p>
<p>Diese Netzwerke sind häufig noch jung und oftmals Ableger gesamtdeutscher Mutterverbände. Sie beginnen erst jetzt, generationsübergreifend Wirkung zu entfalten. Das Bedürfnis nach Austausch und Organisation wächst spürbar. Dennoch bestehen gegenüber etablierten Strukturen wie Parteien, Verbänden oder juristischen Institutionen weiterhin Vorbehalte. Diese Skepsis führt nicht selten zur Bildung kleiner, abgeschotteter Netzwerke, die es aus eigener Kraft schwer haben, nachhaltige Wirksamkeit zu entfalten. Dabei sind Netzwerke gerade im Osten so wichtig, denn auch hier besteht Nachholbedarf. Oft sind es informelle Veranstaltungen, die Gleichgesinnte zusammenbringen, Dialog fördern und Netzwerke ganz natürlich entstehen lassen – wie etwa das Ostdeutsche Wirtschaftsforum (OWF).</p>
<div id="attachment_7861" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7861" class="wp-image-7861" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/OWF2016-Bundesforschungsministerin-Prof.-Johanna-Wanka-Foto-Succo-.jpg" alt="2016: Bundesforschungsministerin Prof. Johanna Wanka spricht auf dem ersten Ostdeutschen Wirtschaftsforum. Abbildung: Succo" width="600" height="399"><p id="caption-attachment-7861" class="wp-caption-text">2016: Bundesforschungsministerin Prof. Johanna Wanka spricht auf dem ersten Ostdeutschen Wirtschaftsforum. Abbildung: Succo</p></div>
<h2><span class="title-bg">Das OWF: Vom Experiment zur Institution</span></h2>
<p>Das Ostdeutsche Wirtschaftsforum wurde 2016 vom Verlag des Wirtschaftsmagazins Wirtschaft+Markt ins Leben gerufen – ursprünglich als Testlauf, um zu klären, ob ein Interesse an ostdeutscher Identität überhaupt noch besteht. Der Begriff „Ostdeutschland“ war lange Zeit negativ behaftet und durch den föderalen Aufbau mit fünf neuen Bundesländern und einem vereinten Berlin nicht mehr eindeutig greifbar. Viele fühlten sich wohler als Norddeutsche, Thüringer, Deutsche oder Europäer – aber kaum jemand wollte sich offen als „Ostdeutscher“ bezeichnen.</p>
<div id="attachment_7866" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7866" class="wp-image-7866" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/OWF22-FN-Foto-Bernd-Bundert.jpg" alt="2022: Das Ostdeutsche Wirtschaftsforum in Bad Saarow findet unter dem Motto „Wir gestalten Transformation“ statt. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen, Bernd Brundert" width="600" height="401"><p id="caption-attachment-7866" class="wp-caption-text">2022: Das Ostdeutsche Wirtschaftsforum in Bad Saarow findet unter dem Motto „Wir gestalten Transformation“ statt. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen, Bernd Brundert</p></div>
<h2><span class="title-bg">Der Zeitgeist ändert sich</span></h2>
<p>Doch in den letzten zehn Jahren hat sich das Bewusstsein verändert. Das OWF traf einen Nerv – sowohl bei Unternehmern aus den neuen Bundesländern als auch in der Politik auf Landes- und Bundesebene. Die Versprechen von „blühenden Landschaften“ und gleichwertigen Lebensverhältnissen blieben zum Teil unerfüllt – ein Umstand, der das OWF als ostdeutsch geprägte Plattform zusätzlich politisch aufwertete. Zwei Gründe erklären das Interesse im Besonderen: die lange Verdrängung der ostdeutschen Realität, selbst unter Ostdeutschen, und die mangelnde mediale Sichtbarkeit wirtschaftlicher Erfolge, trotz zahlreicher positiver Beispiele.</p>
<p>Das OWF bot erstmals systematisch eine Bühne für wirtschaftliche Erfolgsgeschichten, Standortvorteile und Leuchtturmprojekte des Ostens. So förderte es ein neues zukunftsorientiertes Selbstverständnis und neue Initiativen.</p>
<h2><span class="title-bg">Dialog schafft Vertrauen und Netzwerke</span></h2>
<p>Zielgruppe des Forums waren von Beginn an verantwortliche und engagierte Vertreter von Unternehmen, Industrie- und Handels sowie Handwerkskammern, Wirtschaftsverbänden, der Landespolitik und den Wirtschaftsförderern in Ostdeutschland. Gesucht wurde nicht der Wettbewerb mit anderen Bundesländern oder Rechtfertigungsversuche jedweder Art, sondern das Gemeinsame als Grundlage für Zukunftsideen. Es entstand ein Raum für den Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. In Workshops, Vorträgen und Podien wurden nicht nur Wissen und Kontakte geteilt, es wurde auch gegenseitiges Verständnis aufgebaut. So entstanden viele neue Verbindungen – ob zwischen Start-ups und etablierten Förderern oder zwischen Unternehmern und politisch Verantwortlichen.</p>
<p>Das Forum wurde zur Keimzelle eines echten Netzwerks: Die OWF-Community war geboren. Das Format gewann stetig an inhaltlicher Relevanz, ohne seine Funktion als Ort der Begegnung zu verlieren. Um das Ostdeutsche Wirtschaftsforum von lokalen oder regionalen Wirtschaftskonferenzen abzugrenzen, bei denen es in der Regel um aktuelle und vor allem tagespraktische Fragen ging, positionierten die Veranstalter das OWF als „Davos des Ostens“. Noch im zehnten Jahr seines Bestehens ist diese Definition in vielen Köpfen als eine Art Unique Selling Proposition (USP).</p>
<div id="attachment_7864" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7864" class="wp-image-7864" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/OWF_2019_Olaf-Scholz-noch-als-Vizekanzler-und-Finanzminister-beim-OWF-2019-Foto-S.Welscher-2_cut.jpg" alt="2019: Olaf Scholz besucht das „Davos des Ostens“, damals noch als Vizekanzler und Bundesfinanzminister. Abbildung: S. Welscher" width="600" height="479"><p id="caption-attachment-7864" class="wp-caption-text">2019: Olaf Scholz besucht das „Davos des Ostens“, damals noch als Vizekanzler und Bundesfinanzminister. Abbildung: S. Welscher</p></div>
<h2><span class="title-bg">Medienresonanz nur mit Politprominenz</span></h2>
<p>Ein Wermutstropfen blieb: Die mediale Aufmerksamkeit war zunächst gering – obwohl das OWF von Anfang an darauf abzielte, ein positives Bild Ostdeutschlands zu vermitteln. Erst durch hochrangige politische Gäste – wie Vizekanzler Sigmar Gabriel oder Bildungsministerin Johanna Wanka beim ersten OWF im Jahr 2016 – gelang ein vorsichtiger Sprung in die überregionalen Medien. Kanzlerin Angela Merkel blieb zwar dem OWF fern, aber Olaf Scholz präsentierte sich als Vize- und dann als Bundeskanzler beim OWF. Er sprach sich für den Osten aus und sorgte so für ein deutlich größeres Medienecho in den Folgejahren. Dies fand dann seine Fortsetzung beim OWF25, wo die noch junge Bundesregierung des Jahres 2025 mit Finanzminister, Wirtschaftsministerin und Ostbeauftragter vertreten war.</p>
<div id="attachment_7862" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7862" class="wp-image-7862" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/OWF25-1735.jpg" alt="2025: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche beim OWF. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen, Bernd Brundert" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7862" class="wp-caption-text">2025: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche beim OWF. Abbildung: Deutschland - Land der Ideen, Bernd Brundert</p></div>
<h2><span class="title-bg">Netzwerke schaffen neue Netzwerke</span></h2>
<p>Ein besonderes Verdienst des OWF war es, dass sich aus der Community weitere Netzwerke bilden konnten, die über das jährliche Treffen hinausgehen. So entstanden beispielsweise der CEOKreis oder der Saarower Kreis.</p>
<p>Der CEO-Kreis ist ein exklusives Format des OWF für Entscheidungsträger ostdeutscher Unternehmen. Ziel ist der strategische Austausch zu relevanten Themen – mit dem Anspruch, Impulse in die Politik zu geben.</p>
<p>Auch der Saarower Kreis, ein informeller Zusammenschluss von hauptsächlich führenden ostdeutschen Wirtschaftsverbänden, entstand beim OWF im Jahr 2024. Er agiert mittlerweile unabhängig vom Ostdeutschen Wirtschaftsforum als Plattform für regelmäßigen Austausch und hat die Erarbeitung des ifo Faktenmonitors Ostdeutschland 2025 angeregt.</p>
<h2><span class="title-bg">10 Erfolgskiller für Netzwerke</span></h2>
<p>Nicht alle Netzwerke können erfolgreich sein. Was auf den ersten Blick leicht aussieht, ist in der Praxis komplex. Hier sind zehn Punkte, die aus meiner persönlichen Erfahrung heraus für Netzwerke gefährlich werden können. Sie hemmen Wirksamkeit, lähmen Entwicklung oder führen zur Bedeutungslosigkeit:</p>
<p>Erstens: unklare Zielsetzung. Wenn ein Netzwerk nicht weiß, wofür es eigentlich steht oder welche konkreten Ziele es verfolgt, verliert es schnell an Relevanz. Die Verständigung zu den Zielen ist elementar. Eine Vision zu entwickeln und daraus ein attraktives Narrativ zu bestimmen, ist nicht einfach, aber sehr hilfreich.</p>
<p>Zweitens: mangelndes Engagement der Mitglieder. Ohne aktive Beteiligung und verbindliches Handeln entsteht keine Dynamik – Netzwerke werden träge und wirken nur noch formal. Je prominenter die Mitglieder, desto voller ist der Terminkalender. Ohne eine hohe Priorität des Netzwerkes sind die Erfolgschancen gering. Guter Wille ist zu wenig.</p>
<p>Drittens: Dominanz einzelner Akteure. Wenn wenige Personen oder Institutionen das Netzwerk dominieren, entsteht kein echter Austausch – neue Ideen und Stimmen gehen verloren. Empfehlenswert: die Mitwirkung aller Mitglieder als Thema in das Feedback einbeziehen.</p>
<p>Viertens: fehlende Offenheit gegenüber anderen Netzwerken. Abschottung verhindert Synergien, Vernetzung und überregionale Wirksamkeit. Übertriebene Wettbewerbsängste oder Selbstüberschätzung sind oft die Gründe dafür, manchmal sind es auch einfach nur Unwissenheit und Desinteresse.</p>
<p>Fünftens: Abhängigkeit von öffentlicher Förderung. Befristete Fördermittel können zu kurzfristigem Aktionismus führen – ohne langfristige Wirkung. Oftmals finanziert man nur den zusätzlichen bürokratischen Aufwand und schottet sich ab.</p>
<p>Sechstens: keine Nachfolge- oder Generationsstrategie. Wenn Netzwerke nicht verjüngt werden, altern sie mit ihren Gründungsmitgliedern und verlieren Anschluss. Auch Generationsnetzwerke sind davon betroffen.</p>
<p>Siebentens: unklare Rollen und Verantwortlichkeiten. Ohne klare Strukturen verlaufen Aktivitäten im Sand. Zuständigkeiten und Verantwortungen müssen benannt sein. Hier geht es nicht um klassische Funktionsbezeichnungen.</p>
<p>Achtens: reine Veranstaltungsorientierung ohne inhaltliche Substanz. Netzwerke, die sich auf Events beschränken, aber keine weiterführende Arbeit leisten, wirken oberflächlich und sind es auch oft genug.</p>
<p>Neuntens: konfliktscheue statt konstruktive Auseinandersetzung. Netzwerke, in denen Kritik nicht möglich ist, entwickeln sich nicht weiter.</p>
<p>Zehntens: keine Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen. Netzwerke, die sich nicht an neue wirtschaftliche, technologische oder gesellschaftliche Entwicklungen anpassen, verlieren ihre Relevanz.</p>
<p>Ein Netzwerk ist also mehr als ein gelegentliches Treffen Gleichgesinnter. Es lebt von Tiefe, Verbindlichkeit und der Bereitschaft seiner Mitglieder, sich dauerhaft einzubringen. Gute Ansätze und wohlwollende Absichten reichen nicht – Prioritäten müssen stimmen. Fehlt das persönliche Engagement, scheitert selbst das beste Konzept.</p>
<p>Ein Beispiel ist die Initiative Unternehmensnachfolge in Ostdeutschland. Viele Gründer der Nachwendezeit suchen heute Nachfolger. Doch Übergaben sind komplex – rechtlich, steuerlich, emotional. Obwohl es viele Beratungsangebote von Industrie- und Handelssowie Handwerkskammern, Banken, Beratungen und anderen gibt, agieren die meisten Institutionen isoliert voneinander. Der Versuch, eine Zusammenarbeit aller Player für Ostdeutschland in der genannten Initiative zu organisieren, scheiterte am mangelnden Kooperationswillen. Auch das ist Realität.</p>
<h2><span class="title-bg">Mein persönliches Fazit</span></h2>
<p>Netzwerken ist wichtig. Gerade in Ostdeutschland dürfen wir nicht nachlassen, aktiv Netzwerke zu gestalten. Diese Netzwerke müssen zukunftsgerichtet sein. Rechtfertigungs- oder Frustabbau-Runden sind nicht zielführend. Lokale und regionale Netzwerke sollten überregionale Partnerschaften anstreben, zumindest bezogen auf die Wirtschaftsregion Ostdeutschland. Generationsnetzwerke sollten den Austausch mit anderen Generationen bzw. Generationsnetzwerken suchen. Und last but not least: Netzwerke, die ihren Zweck erfüllt haben, sollten sich auflösen.</p>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Frank Nehring</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>GEBOREN:</strong> 1953/Ostberlin </span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Ostberlin </span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> Christoph Hein: „Das Narrenschiff“, 2025</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN DOKUTIPP:</strong> „Es ist kompliziert… – Der Osten in den Medien“, 2024 </span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Usedom, Balmer See</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
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<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/frank-nehring-netzwerke-im-osten-plattformen-fuer-austausch-und-fortschritt/">Frank Nehring: Netzwerke im Osten. Plattformen für Austausch und Fortschritt</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kai Mielenz: Herkunft, Wandel und Zukunft. Der Osten als Möglichkeitsraum</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/kai-mielenz-herkunft-wandel-und-zukunft-der-osten-als-moeglichkeitsraum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Jun 2026 05:30:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=7687</guid>

					<description><![CDATA[<p>Kai Mielenz, Managing Director (CFO) &#38; Labor Director der Elbe Flugzeugwerke GmbH, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7689" class="wp-image-7689 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/Mielenz_DIAO2.png" alt="Kai Mielenz, Managing Director (CFO) &#38; Labor Director Elbe Flugzeugwerke GmbH. Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH" width="704" height="1000">Kai Mielenz, Managing Director (CFO) &#38; Labor Director Elbe Flugzeugwerke GmbH. Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH<br />
Denke ich [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/kai-mielenz-herkunft-wandel-und-zukunft-der-osten-als-moeglichkeitsraum/">Kai Mielenz: Herkunft, Wandel und Zukunft. Der Osten als Möglichkeitsraum</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Kai Mielenz, Managing Director (CFO) &amp; Labor Director der Elbe Flugzeugwerke GmbH, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7687"></span></p>
<div id="attachment_7689" style="width: 714px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7689" class="wp-image-7689 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/Mielenz_DIAO2.png" alt="Kai Mielenz, Managing Director (CFO) &amp; Labor Director Elbe Flugzeugwerke GmbH. Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH" width="704" height="1000"><p id="caption-attachment-7689" class="wp-caption-text">Kai Mielenz, Managing Director (CFO) &amp; Labor Director Elbe Flugzeugwerke GmbH. Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH</p></div>
<p>Denke ich an „Ostdeutschland“, dann denke ich an Ambivalenz in vielerlei Hinsicht, denn ich denke an den Osten Deutschlands, eine blühende, florierende Region, und ebenso an die ehemalige DDR, an einen Teil Deutschlands, der 1990 endlich wieder mit dem Rest des Landes vereint werden konnte. Ich denke an eine Region voller Kontraste, eine Region mit beeindruckender Geschichte, großem Wandel und großem Potenzial in der Gegenwart und für die Zukunft. Ich denke an industrielle Tradition, an Umbrüche, an Anpassungsleistungen, an ganz persönliche Geschichten – auch an meine eigene. Und ich denke ganz besonders an Verantwortung: Orientierung zu geben, Perspektiven zu schaffen, sich der Geschichte des Ostens der Bundesrepublik Deutschland bewusst zu sein und jede Chance zu nutzen, um Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft zu bauen.</p>
<p>1977 in Zschopau geboren, war die DDR der prägende Rahmen meiner Kindheit. Ich habe gelernt, mich in einem System zu bewegen, das klare Grenzen hatte – ideologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Doch es gab immer das Gefühl von Gemeinschaft, von Verlässlichkeit und von Zusammenhalt zwischen den Menschen, die wussten, dass sie aufeinander angewiesen waren. Das Leben war sicherlich nicht immer leicht und aus heutiger Perspektive mit vielen Hindernissen verbunden, aber es war unser Leben. Ich kann auf jeden Fall für mich persönlich festhalten, dass ich eine fantastische Kindheit hatte und es mir, aus der Sicht eines Kindes, an nichts fehlte. Ich konnte meine Leidenschaft, Fußball zu spielen, in allen Zügen ausleben. Ich musste dazu zwar mit dem Fahrrad in das 15 km entfernte Trainingszentrum fahren, wodurch aber damals der Grundstein für meine heutige Rennrad-Leidenschaft gelegt wurde. Dann kam die Wende. Ich war zwölf Jahre alt, als sich plötzlich alles veränderte. Das bis dahin gekannte Schulsystem wurde reformiert, ich konnte mit meiner Familie reisen und für meine Zukunft eröffneten sich völlig neue Perspektiven. Da war ein großes Versprechen von Freiheit und unbegrenzten Möglichkeiten auf der einen Seite, aber auch ein freier Fall ins Ungewisse und Unbekannte auf der anderen, vor allem für die Generation meiner Eltern galt es umzudenken, neu zu denken, sich anzupassen.</p>
<p>Heute bin ich kaufmännischer Geschäftsführer (CFO) und Arbeitsdirektor der Elbe Flugzeugwerke (EFW) GmbH in Dresden, einem Unternehmen, das wie kaum ein anderes die Transformation des Ostens Deutschlands widerspiegelt: Es entwickelte sich von einem volkseigenen Betrieb (VEB) hin zu einem Weltmarktführer im globalen Luftfahrtmarkt. Wer den Wandel verstehen und hautnah spüren will, muss unsere Flugzeughallen betreten – dort wird Transformation greifbar.</p>
<hr>
<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Ich wünsche mir, dass wir das Label ‚Aufbau Ost‘ hinter uns lassen – und stattdessen über ‚Zukunft Ost‘ sprechen.”</strong></span></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Unterschätzt und überfordert?</span></h2>
<p>Die Wendezeit ist nun 35 Jahre her, und noch immer begegnet man in einigen Teilen Deutschlands zwei dominanten Erzählungen: Der Osten sei strukturschwach, rückständig und problematisch. Und: Die Ostdeutschen seien unzufrieden und schwer zu integrieren in die westdeutsche Gesellschaftserzählung. Beide Narrative greifen zu kurz und werden der Realität nicht gerecht.</p>
<p>Was oft vergessen wird: Der Osten ist nicht mehr nur eine Region, die Hilfe, Investitionen und Unterstützung erhält, sondern er ist Innovationstreiber unter anderem bei Grüner Energie (zum Beispiel Solar, Wasserstoff), er ist eine Keimzelle für eine lebendige Start-up- Szene und Industrie 4.0. Er ist Standort für Spitzentechnologien, für Forschung, für Zukunftsindustrien – auch wenn medial zu wenig davon berichtet wird.</p>
<p>Der Grundstein für die ostdeutsche Luftfahrtindustrie wurde 1955 mit der Gründung der VEB Flugzeugwerke Dresden gelegt. Das heutige Unternehmen Elbe Flugzeugwerke GmbH (EFW) ist 1990 als Nachfolger der VEB Flugzeugwerft Dresden gegründet worden und leitete damit den Einstieg des Dresdner Traditionsunternehmens in den zivilen Flugzeugbau ein. Heute arbeiten bei EFW über 2.200 Menschen aus mehr als 30 Nationen an der Umrüstung von Airbus-Passagierflugzeugen zu Frachtmaschinen. Die globale Flotte der Airbus-Passagierflugzeuge wird mit Bodenplatten und Frachtraumverkleidungen aus Sachsen ausgestattet. Damit betritt jeder, der egal wo auf der Welt in einen Airbus steigt, sächsischen und damit „ostdeutschen“ Boden. Das ist das Ergebnis von 70 Jahren Wandel und der Fähigkeit, sich stetig neu zu orientieren – es ist Zukunft, und diese Zukunft passiert nicht im Silicon Valley, sondern im Herzen Sachsens.</p>
<p>Das wirtschaftliche Fundament im Osten Deutschlands ist heute robuster denn je. Die Region hat gelernt, mit Veränderungen umzugehen, vielleicht besser als andere. Die doppelte Biografie von vielen Menschen im und aus dem Osten formt einen besonderen Blick auf das Leben. Und sie hat Spuren hinterlassen – Stolz und Schmerz, Aufbruch und Enttäuschung.</p>
<p>Der Übergang, der sich nach 1989 vollzog, sorgte generationsübergreifend für Unsicherheit. Er lehrte die Menschen aber auch, was Transformation und Neuorientierung heißt, ohne dass diese Begriffe damals „en vogue“ waren. Die Menschen mussten einfach lernen, sich neu zu erfinden.</p>
<div id="attachment_7694" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7694" class="wp-image-7694" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/2023_Schneider-Besuch2.jpg" alt="Besuch vom Ostbeauftragten Carsten Schneider (2. v. l.) und dem Wirtschaftsminister von Sachsen Martin Dulig (3. v. l.) 2023. Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH" width="600" height="428"><p id="caption-attachment-7694" class="wp-caption-text">Besuch vom Ostbeauftragten Carsten Schneider (2. v. l.) und dem Wirtschaftsminister von Sachsen Martin Dulig (3. v. l.) 2023. Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH</p></div>
<h2><span class="title-bg">Eine ostdeutsche Lebenskompetenz</span></h2>
<p>In Wirtschaft und Politik sprechen wir häufig von „Transformation“ – vom Weg zu einer nachhaltigen industriellen Produktion, von analog zu digital, von fossilen zu erneuerbaren Energien. Ich glaube, die ostdeutsche Bevölkerung bringt dafür eine wesentliche Kompetenz mit, nämlich die Fähigkeit, sich unter wechselnden und schwierigen Bedingungen neu zu orientieren, sich anzupassen und weiterzumachen.</p>
<p>Bei EFW haben wir diese Fähigkeit genutzt, um Internationalität mit regionaler Verankerung zu verbinden. Wir sind ein Joint Venture von ST-Engineering (Singapur) und Airbus – und doch tief verwurzelt in der sächsischen Ingenieurstradition. Wir bilden junge Menschen aus, geben Fachkräften aus der Region eine Perspektive, arbeiten mit vielen lokalen Partnern zusammen und setzen gleichzeitig auf internationale Vernetzung. Der Osten kann global – wenn man ihn lässt.</p>
<p>Doch wir müssen auch ehrlich sein: Die „Wende“ und der damit verbundene Wandel sind nicht spurlos an den Menschen vorübergegangen, es hat Wunden hinterlassen und es sind Narben geblieben. Viele Menschen haben ihre berufliche Identität verloren, einige auch ihr Vertrauen in die Institutionen. Diese emotionale Dimension der Einheit wurde lange vernachlässigt. Wir brauchen mehr Empathie im Umgang mit ostdeutschen Biografien – gerade von Politik und Medien. Wir brauchen ein echtes Zuhören, kein Belehren.</p>
<div id="attachment_7696" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7696" class="wp-image-7696" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/20220113_144606397_iOS.jpg" alt="Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH" width="600" height="450"><p id="caption-attachment-7696" class="wp-caption-text">Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH</p></div>
<h2><span class="title-bg">Erinnerung, Identität und Verantwortung</span></h2>
<p>Ostdeutschland hat sich verändert – wirtschaftlich, kulturell und mental. Doch es gibt Dinge, die bleiben: wie ein gewisses Misstrauen gegenüber Autoritäten, eine große Direktheit, eine Skepsis gegenüber leeren Versprechungen. Ich sehe darin keine Schwächen, sondern historische Prägungen, die unter den Bedingungen der DDR gewachsen sind. Wer das versteht, kann auch die Gegenwart besser einordnen und gestalten.</p>
<p>Für mich als Geschäftsführer bedeutet das, sensibel zu sein für diese Prägungen. Viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben eine ostdeutsche Sozialisation, andere wiederum kommen aus den unterschiedlichsten Kulturen und Ländern. In einem solchen Spannungsfeld entsteht ein eigener produktiver Zusammenhalt – wenn man ihn zulässt und fördert.</p>
<p>Wir tragen als Geschäftsführung eine entsprechende Verantwortung – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sozial und gesellschaftlich. Deshalb engagieren wir uns in regionalen Initiativen, in der Nachwuchsförderung, im Spitzensport und unterstützen die EFW-Belegschaft bei sozialen Engagements, denn der Osten braucht nicht nur Investitionen, sondern auch Wertschätzung. Das „sich aufeinander verlassen können“, „sich unter die Arme greifen“ ist etwas, was die Region geprägt hat und etwas, was ich als hohes Gut ansehe.</p>
<div id="attachment_7697" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7697" class="wp-image-7697" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/2024_EFW_redelivers_no_100_Airbus_P2F.jpg" alt="Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH" width="600" height="403"><p id="caption-attachment-7697" class="wp-caption-text">Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH</p></div>
<h2><span class="title-bg">Ein Zukunftsbild für Ostdeutschland</span></h2>
<p>Was wünsche ich mir für diesen „Osten“ des Landes, dieses „Ost- Deutschland“? Ich wünsche mir, dass wir das Label „Aufbau Ost“ hinter uns lassen – und stattdessen über „Zukunft Ost“ sprechen. Denn das ist es, was ich sehe: eine Region, die mit Energie, Intelligenz und Kreativität an der Gestaltung von morgen arbeitet.</p>
<p>Ich wünsche mir mehr wirtschaftliche Freiheit für Unternehmen, mehr Experimentierfreude und Umsetzungsstärke in der Politik, mehr Augenhöhe im gesamtdeutschen Diskurs. Ostdeutschland darf nicht länger das geduldete und belächelte Anhängsel sein, sondern muss gleichberechtigter Teil des nationalen Selbstverständnisses und Selbstbewusstseins sein und werden. Dazu gehört für mich eine entsprechende Repräsentanz in der Bundesregierung und den entsprechenden Ministerien.</p>
<p>Ich wünsche mir, dass wir jungen Menschen hier vor Ort echte Perspektiven bieten – nicht nur durch Arbeitsplätze, sondern auch durch kulturelle Angebote, durch Bildung, durch lebendige Städte. Denn wer bleibt, der bleibt nicht nur wegen eines Arbeitsplatzes – sondern weil er sich als Teil eines Ganzen fühlt. Und wer kommt, um zu bleiben, der tut es aus dem gleichen Grund.</p>
<p>Denke ich an Ostdeutschland, dann denke ich an meine Heimat, an Herausforderungen, an Chancen. Ich denke an die Menschen, die hier leben, arbeiten, aufbauen und sich engagieren. An meine Eltern, die zwei Systeme erlebt haben. An meine Kinder, die in einem neuen Osten aufwachsen – selbstbewusst, europäisch, neugierig.</p>
<p>Ostdeutschland ist kein Problemraum. Es ist ein Möglichkeitsraum. Und wir alle – ob in der Wirtschaft, in der Politik oder in der Gesellschaft – sind gefragt, um diesen Raum zu nutzen und zu gestalten. Nicht aus Nostalgie, nicht aus Mitleid, sondern aus innerer Überzeugung und mit einer großen Portion Selbstvertrauen und Mut! Gehen wir’s an!</p>
<div id="attachment_7698" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7698" class="wp-image-7698" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/2023_Baade-Tafel.jpg" alt="Ehrung für Brunolf Baade, Wegbereiter der Luftfahrtindustrie. Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7698" class="wp-caption-text">Ehrung für Brunolf Baade, Wegbereiter der Luftfahrtindustrie. Abbildung: Elbe Flugzeugwerke GmbH</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Elbe Flugzeugwerke GmbH</span></h2>
<p><strong>GEGRÜNDET:</strong> 1990/Dresden<br>
<strong>STANDORT:</strong> Dresden<br>
<strong>MITARBEITENDE: </strong>2.200<br>
<strong>WEBSITE:</strong> <a href="https://www.elbeflugzeugwerke.com/en/" target="_blank" rel="noopener">efw.aero</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Kai Mielenz</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>GEBOREN:</strong> 1977/Zschopau</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Radebeul</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> Dirk Oschmann: „Der Osten: Eine westdeutsche Erfindung“, 2023<br>
<strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Sonnenallee“, 1999<br>
<strong>MEINE URLAUBSTIPPS:</strong> Sächsische Schweiz und Ostseebad Binz<br>
</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/kai-mielenz-herkunft-wandel-und-zukunft-der-osten-als-moeglichkeitsraum/">Kai Mielenz: Herkunft, Wandel und Zukunft. Der Osten als Möglichkeitsraum</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Prof. Dr. Timo Meynhardt: Von den Gegenwartsvisionären. Warum die kollektive Erfahrung des Scheiterns nützlich ist</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/prof-dr-timo-meynhardt-von-den-gegenwartsvisionaeren-warum-die-kollektive-erfahrung-des-scheiterns-nuetzlich-ist/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Jun 2026 05:30:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=7673</guid>

					<description><![CDATA[<p>Prof. Dr. Timo Meynhardt, Inhaber des Dr. Arend Oetker Lehrstuhls für Wirtschaftspsychologie und Führung an der HHL Leipzig Graduate School of Management sowie Geschäftsführer des Zentrums für Führung und Werte in der Gesellschaft an der Universität St. Gallen, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7676" class="wp-image-7676 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/Meynhardt_DIAO2.png" alt="Prof. Dr. Timo Meynhardt, Inhaber Dr. [...]
</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/prof-dr-timo-meynhardt-von-den-gegenwartsvisionaeren-warum-die-kollektive-erfahrung-des-scheiterns-nuetzlich-ist/">Prof. Dr. Timo Meynhardt: Von den Gegenwartsvisionären. Warum die kollektive Erfahrung des Scheiterns nützlich ist</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Prof. Dr. Timo Meynhardt, Inhaber des Dr. Arend Oetker Lehrstuhls für Wirtschaftspsychologie und Führung an der HHL Leipzig Graduate School of Management sowie Geschäftsführer des Zentrums für Führung und Werte in der Gesellschaft an der Universität St. Gallen, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7673"></span></p>
<div id="attachment_7676" style="width: 715px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7676" class="wp-image-7676 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/Meynhardt_DIAO2.png" alt="Prof. Dr. Timo Meynhardt, Inhaber Dr. Arend Oetker Lehrstuhl für Wirtschaftspsychologie und Führung, HHL Leipzig Graduate School of Management, Geschäftsführer Zentrum für Führung und Werte in der Gesellschaft, Universität St. Gallen. Abbildung: Hagen Wolf" width="705" height="1000"><p id="caption-attachment-7676" class="wp-caption-text">Prof. Dr. Timo Meynhardt, Inhaber Dr. Arend Oetker Lehrstuhl für Wirtschaftspsychologie und Führung, HHL Leipzig Graduate School of Management, Geschäftsführer Zentrum für Führung und Werte in der Gesellschaft, Universität St. Gallen. Abbildung: Hagen Wolf</p></div>
<p>Es gab in den letzten vier Jahrzehnten wohl kaum ein Land, in dem ein Teil davon sich so intensiv mit der eigenen jüngeren Geschichte auseinandergesetzt hat. Die eingehende Selbst- und Fremdbefragung wird im Rückblick, so glaube ich, ein zweites Glück nach der Wiedervereinigung gewesen sein. Die Rede ist von Ostdeutschland.</p>
<p>So sperrig, missverständlich und unbeholfen der Begriff auch ist, bringt er doch etwas auf den Punkt. Es geht um verallgemeinernde Zuschreibungen und eine Gesamt-Ansprache, durch welche diese soziale Identität seit 1989 erst geformt wurde. Ich selbst benutze die Kategorisierung „Ostdeutschland“ für mich persönlich nicht, weil sie eben nur einen Teil von mir betrifft und mir daher zu pauschal ist. Auf einer gesellschaftlichen Ebene ist der Begriff eine nützliche, ja unverzichtbare Fiktion – oder müsste geradezu erfunden werden –, um sein Potenzial für die Zukunft zu erkennen.</p>
<p>Vor einigen Jahren hatte ich in der „Zeit im Osten“ (Nr. 49/2019, 28. November 2019) von den „Gegenwartsvisionären“ geschrieben und dafür durchaus einige Kritik einstecken müssen. Hier möchte ich den Gedanken wieder aufnehmen und entwickeln. Teilweise kommen auch Passagen aus dem damaligen Aufsatz zum Tragen.</p>
<p>Es geht mir um eine kollektive Erfahrung: Wie wenig aussichtsreich, ja gefährlich es sein kann, die Welt von einer fernen Zukunft her zu denken, sich einem größeren Plan zu verschreiben oder einer wie auch immer gearteten Utopie. Oder andersherum: Die Erfahrung des Zusammenbruchs einer Vision und der Vergänglichkeit gesellschaftlicher Verhältnisse am eigenen Leib schwächt den menschlichen Optimismus. Beides stärkt umgekehrt den Blick für das Unvorhersehbare und für die unmittelbare Gegenwart. Zukunftsversprechen dekonstruieren sich wie von selbst.</p>
<hr>
<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Denke ich an Ostdeutschland, denke ich an eine noch unverstandene deutsche Möglichkeit.”</strong></span></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Hin zum ostdeutschen Existenzialismus</span></h2>
<p>Das ist schwer auszuhalten und scheinbar einfache Lösungen werden für viele attraktiv. Das ist längst kein Argument zulasten der Gegenwartsvision. Es geht mir um die grundsätzliche Idee, unabhängig davon, wie sich diese gerade in Meinungsumfragen oder Wahlergebnissen spiegelt. Der Gedanke ist auch nicht besonders neu und findet sich als Erfahrungswissen in der Geschichte immer wieder. Er kann aber auch verloren gehen und uns bequem werden lassen, wenn wir beginnen, uns insbesondere von der Politik aufs Neue mit Zukunftsversprechen einlullen zu lassen.</p>
<p>Mir ist aber auch klar, dass ein Land ohne zugkräftige Zukunftsidee innerlich zerfällt. Weil das Verbindende verloren geht oder zu viele sich in die Vergangenheit flüchten. Gegenwartsvisionäre widerstehen der Verführung durch Versprechungen. Sie konzentrieren sich demütig auf den Moment. Sie sind mutig, weil sie sagen, wie unsicher alles ist, und weil sie fähig sind, dies in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Sie begeistern durch leidenschaftlichen Realismus und leben ihre Utopie in der Gegenwart. In der Personenbeschreibung würde auch stehen: „Ist in der Lage, Vergangenheit und Zukunft in der Gegenwart pragmatisch zu verbinden“.</p>
<p>In unserer ohnehin visionsarmen Zeit zielt diese Denkhaltung auf das im Hier und Heute Machbare. Wichtig ist mir an der Idee der Gegenwartsvision, dass sie in Ostdeutschland noch (oder wieder einmal) besonders präsent ist. Vielleicht wird man eines Tages auch von einem ostdeutschen Existenzialismus sprechen, also der Notwendigkeit, das eigene Leben immer wieder selbst in die Hand nehmen zu müssen. Das ist sehr anstrengend und ein harter Parcours, denn der Verlust gesellschaftlicher Utopien ist auch eine Freiheit, die uns überfordern kann.</p>
<div id="attachment_7682" style="width: 443px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7682" class="wp-image-7682" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Meynhardt_Kindheit-1.png" alt="Neugier in Kinderjahren. Abbildung: privat/Prof. Dr. Timo Meynhardt" width="433" height="600"><p id="caption-attachment-7682" class="wp-caption-text">Neugier in Kinderjahren. Abbildung: privat/Prof. Dr. Timo Meynhardt</p></div>
<h2><span class="title-bg">Anschauungsmaterial Literatur &amp; Politik</span></h2>
<p>Wer der Orientierungslosigkeit nach Utopieverlust nachspüren will, findet reichlich Anschauung in der Gegenwartsliteratur. Clemens Meyer zeigt in seinem Wenderoman „Als wir träumten“ eine beschädigte Jugend in den 1990er-Jahren. Uwe Tellkamp rekonstruiert in seinem bildungsbürgerlichen Sittengemälde „Der Turm“ den Untergang der realsozialistischen Vision. Jenny Erpenbeck hat mit „Kairos“ die lebensgeschichtlichen Visionsverstrickungen über zwei DDR-Generationen so meisterhaft wie schmerzhaft in Szene gesetzt. Ganz unübertroffen ist für mich allerdings Heiner Müller, der sein ganzes Schriftsteller- und Dramatikerleben dem Umgang mit Utopierverlusten widmete. In Anlehnung an ein Liebesgedicht von Bertolt Brecht dichtete er bereits 1955:</p>
<p>„Bilder bedeuten alles am Anfang. Sind haltbar.<br>
Geräumig.<br>
Aber die Träume gerinnen, werden Gestalt und<br>
Enttäuschung.<br>
Schon den Himmel hält kein Bild mehr. Die<br>
Wolke, vom Flugzeug<br>
Aus: ein Dampf der die Sicht nimmt. Der Kranich nur<br>
noch ein Vogel.“</p>
<p>Wer Visionen bewirbt, verweist gern auf die motivierende Kraft von Entwürfen und eine gemeinsame Zielausrichtung, ohne die nichts Neues entstehe. Die Ostdeutschen, zumindest die Gegenwartsvisionäre unter ihnen, verfügen über einen gewissen Sweet Spot: Sie wissen, dass es vergeblich ist, sich an gesellschaftlichen Visionen auszurichten. Die Zukunft ist ihnen nicht vergangen, weil sie keine Erwartungen mehr hätten – sondern weil sie diese in der Gegenwart zu realisieren suchen. Das Leben in der DDR hat in diesem Sinne die „geschichtliche Zeiterfahrung“, wie der in Sachsen geborene Historiker Reinhart Koselleck es nannte, verändert. So wie den Ostdeutschen in 40 DDR-Jahren ein gesetzmäßiger Verlauf der Geschichte suggeriert wurde, ist nun die Erkenntnis gewachsen, wie wenig vorhersagbar die geschichtliche Entwicklung ist. Durch ihre Erfahrungen sind Ostdeutsche realistisch geworden. Sie sind sensibel und aufmerksam dafür, wie verletzlich ein Gemeinwesen ist. Sie haben einen Pragmatismus erlernt, der sich ganz unideologisch auf das Machbare im Hier und Jetzt konzentriert. Genau so ließ sich letztlich teils auch der Führungsstil Angela Merkels erklären. Auf meine Initiative haben wir ihr an meiner Hochschule in Leipzig auch und gerade dafür eine Ehrendoktorwürde verliehen.</p>
<div id="attachment_7683" style="width: 376px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7683" class="wp-image-7683" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Meynhardt_Kindheit-2.png" alt="Drang zum Tor. Abbildung: privat/Prof. Dr. Timo Meynhardt" width="366" height="600"><p id="caption-attachment-7683" class="wp-caption-text">Drang zum Tor. Abbildung: privat/Prof. Dr. Timo Meynhardt</p></div>
<h2><span class="title-bg">Illusionsfrei in der Realität</span></h2>
<p>Um nicht falsch verstanden zu werden: Mit der ostdeutschen Skepsis gegenüber Visionen ist nicht gemeint, den Zustand der Welt fatalistisch anzunehmen und sich einem unvermeidlichen Schicksal zu fügen. Nein, die utopische Energie richtet sich stattdessen mit aller Kraft auf die Gegenwart, weil nur sie wirklich gestaltbar ist. Darin zeigt sich eine Vision neuen Typs, die sich pragmatisch an Idealen orientiert, die den Menschen annehmen, wie er ist – und nicht wie er sein könnte. Ich nenne dies Gegenwartsvision.</p>
<p>Diese Gegenwartsvision ist nicht zukunftsvergessen und gegenwartsversessen, sondern stellt sich dem, was ist. Zukunft ist, was machbar ist. Dass die Ostdeutschen das erkannt haben, ist eine Stärke, vielleicht auch eine ostdeutsche Denk- und Lebenshaltung. In ihr liegt die Kraft des Pragmatismus, der sich in einer konkreten Situation immer wieder neu zu bewähren hat. Unhaltbarer Fortschrittsglaube weicht dem illusionsfreien Streben nach dem Machbaren in der Gegenwart. Der im Gehen entstehende Weg ist das Ziel.</p>
<p>Ist das Auf-Sicht-Fahren, das Pragmatisch-Entscheiden nicht auch mehr denn je ein probates Mittel in einer immer weniger vorhersehbaren Welt? Wenn die Dinge sich schnell ändern können, ist es gut, Schauspiel und Fassade in den Hintergrund treten zu lassen und zu wissen, was wirklich grundlegend und was in Wahrheit gar nicht so wichtig ist. So ein östlicher Blick birgt auch ein Innovationspotenzial für gesellschaftliche Entwicklungen und das Gemeinwesen.</p>
<p>Man kann ja versuchen, die Zukunft aktiv zu gestalten. Und genau an diesem Zukunftspunkt hält die ostdeutsche Geschichte einige Einsichten bereit. Es wäre fahrlässig, diesen Impuls nicht zu nutzen oder ihn nur in der Literatur und der Kunst fortleben zu lassen.</p>
<div id="attachment_7684" style="width: 497px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7684" class="wp-image-7684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Meynhardt_Jugend-1.png" alt="Immer wieder Ostsee. Abbildung: privat/Prof. Dr. Timo Meynhardt" width="487" height="600"><p id="caption-attachment-7684" class="wp-caption-text">Immer wieder Ostsee. Abbildung: privat/Prof. Dr. Timo Meynhardt</p></div>
<h2><span class="title-bg">Vorwärts in der Realität</span></h2>
<p>Ich möchte es noch einmal zuspitzen: Denke ich an Ostdeutschland, denke ich an eine noch unverstandene deutsche Möglichkeit. Die Erfahrungen im Umgang mit Eigentum (Enteignung, Volkseigentum, Rückgabe vor Entschädigung), in der Kindererziehung oder beim Verhältnis zwischen den Geschlechtern sind teilweise schon jetzt ein Wettbewerbsvorteil Ost. Sie könnten aber noch stärker für die gesamte Bundesrepublik zu einem attraktiven Angebot werden.</p>
<p>Dies war auch der Grund, warum ich vor der Bundestagswahl 2025 zwei Ostbeauftragte gefordert habe: Beide sollen im Hier und Jetzt ihre Arbeit tun, dabei aber verschiedene Blickwinkel einnehmen. Der Vergangenheitsbeauftragte beschäftigt sich mit dem innerdeutschen Beziehungsgeschehen, macht die gegenseitigen Verletzungen und Missverständnisse zum Thema und bringt die kollektive Therapie voran. Der Zukunftsbeauftragte schaut nach vorn und unterstützt den Erfahrungstransfer in strukturschwache Regionen in Westdeutschland. Von den Erfahrungen des Scheiterns und gewaltiger Transformation können alle nur profitieren.</p>
<p>Wie anspruchsvoll die Arbeit an der Gegenwartsvision sein kann, wird schnell deutlich, wenn man versucht, das eigene Leben in ihr zu beschreiben. Was im Rückblick auf meinen beruflichen Werdegang folgerichtig erscheint, war im Vorwärtsgang nicht planbar. Im Psychologiestudium (Jena, Oxford, Peking) noch eher unbewusst, habe ich während der Promotionszeit an der Universität St.Gallen und noch deutlicher in meiner Zeit bei der Unternehmensberatung McKinsey zu meinem Forschungsthema „Gemeinwohl“ gefunden. Das war keineswegs eine rationale Entscheidung, sondern fast eine innere Notwendigkeit, die ich mir zum Teil mit meiner DDR-Sozialisation erkläre. Es läuft etwas schief, wenn die Balance zwischen Individuum und Gemeinschaft nicht stimmt … Mein Weg in der Gemeinwohlforschung führt mich seither auf die immer neue und unabgeschlossene Suche nach Gemeinwohlpotenzialen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Diese sind nicht notwendigerweise unveränderbar und können mit der Zeit und in Transformationsprozessen einem Wandel unterliegen: Vorläufigkeit als ewiges Prinzip.</p>
<div id="attachment_7685" style="width: 542px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7685" class="wp-image-7685" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/06/Meynhardt_Erwachsenenalter.jpg" alt="Mit Worten voran. Abbildung: PK Fotografie, Philipp Kirschner" width="532" height="600"><p id="caption-attachment-7685" class="wp-caption-text">Mit Worten voran. Abbildung: PK Fotografie, Philipp Kirschner</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Prof. Dr. Timo Meynhardt</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>GEBOREN:</strong> 1972/Rudolstadt</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Jena</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> Gerd Dietrich: „Kulturgeschichte der DDR“, 2018</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Einer trage des anderen Last …“, 1988</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Fischland-Darss-Zingst</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/prof-dr-timo-meynhardt-von-den-gegenwartsvisionaeren-warum-die-kollektive-erfahrung-des-scheiterns-nuetzlich-ist/">Prof. Dr. Timo Meynhardt: Von den Gegenwartsvisionären. Warum die kollektive Erfahrung des Scheiterns nützlich ist</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Torsten Menzel: Wir &#038; Ihr. Wie viel „Wir“ tut dem Osten gut?</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/torsten-menzel-wir-ihr-wie-viel-wir-tut-dem-osten-gut/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jun 2026 05:30:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kessel Buntes]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=7661</guid>

					<description><![CDATA[<p>Torsten Menzel, Verknüpfer beim Netzwerk 3te Generation Ost, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7664" class="wp-image-7664 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/Menzel_DIAO2-2.png" alt="Torsten Menzel, Verknüpfer, Netzwerk 3te Generation Ost. Abbildung: Reine Chahine" width="704" height="1000">Torsten Menzel, Verknüpfer, Netzwerk 3te Generation Ost. Abbildung: Reine Chahine<br />
Wir. Ein schönes Wort. Es bringt Menschen zusammen. Es betont das Gemeinsame. Es schafft Zugehörigkeit. Wir. [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/torsten-menzel-wir-ihr-wie-viel-wir-tut-dem-osten-gut/">Torsten Menzel: Wir &amp; Ihr. Wie viel „Wir“ tut dem Osten gut?</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Torsten Menzel, Verknüpfer beim Netzwerk 3te Generation Ost, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7661"></span></p>
<div id="attachment_7664" style="width: 714px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7664" class="wp-image-7664 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/Menzel_DIAO2-2.png" alt="Torsten Menzel, Verknüpfer, Netzwerk 3te Generation Ost. Abbildung: Reine Chahine" width="704" height="1000"><p id="caption-attachment-7664" class="wp-caption-text">Torsten Menzel, Verknüpfer, Netzwerk 3te Generation Ost. Abbildung: Reine Chahine</p></div>
<p>Wir. Ein schönes Wort. Es bringt Menschen zusammen. Es betont das Gemeinsame. Es schafft Zugehörigkeit. Wir. Ein ausgrenzendes Wort. Ein trennendes Wort. Gegenüber von Wir steht das Ihr. Schauen wir doch mal zurück auf ein paar Wir-und-Ihr-Geschichten aus dem Osten.</p>
<p>Zweitausendneun. Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall. Still ruht der (Ost-)See. Ein leiser Diskurs zum Osten kennt eigentlich nur DDR-Geschichte. Vor allem mit Gregor Gysi, Wolfgang Thierse und Joachim Gauck. Die Ostdeutschen und ihre Themen sind ansonsten weitestgehend unhörbar. Selbst unter Ossis wird die eigene Identität eher zurückhaltend thematisiert. So ist das wahrscheinlich immer, wenn man einen historischen Wettbewerb verloren hat. Erst mal ruhig sein und die wirklich wichtigen Dinge klären.</p>
<p>Zweitausendachtzehn. Ein privater Anlass des Verfassers: Vier Herren in ihren Dreißigern sind zum Essen verabredet. Danach gibt es ein paar Bier an der Bar. Die Zungen sind gelockert. Die Geschichten werden ehrlicher. Der Ostler in der Viererrunde berichtet von seinen ostdeutschen Erfahrungen, von den Erfahrungen seiner Familie, von Wandel, von Unsicherheit, von Abwanderung, von Transformationskompetenz und vom Gesellschaftslabor Ostdeutschland. Er versucht auch zu erklären, warum manche politische Entscheidung im Osten anders ausfällt. In der Runde der Zuhörer ist das Verständnis für seine Erzählung gering. Die Bereitschaft, seine Geschichte weg-zu-erklären hingegen ausgeprägt. Vielleicht ist dieser Abend symptomatisch für den Stand der gesellschaftlichen Debatte. Immerhin sprechen sie, die Ossis. Wirklich wahrgenommen wird ihre Geschichte noch nicht. Zweitausendneunzehn. Hamburg. Volksparkstadion. Elbduell. Der gastgebende Hamburger Sportverein empfängt in der zweiten Fußball- Bundesliga Dynamo Dresden. Wie üblich im Stadion singen die Fans. Sie feuern ihre Vereine an. So weit, so erwartbar. Doch dann tönt von den Dresdner Rängen ein neuer Gesang (oder ein neuer Schlachtruf?): „Ost! Ost! Ostdeutschland! Ost! Ost! Ostdeutschland!“ Tausende Anhänger von Dynamo Dresden singen nicht für ihre Mannschaft und auch nicht gegen den Gegner. Sie skandieren für ihre Region, für ihre Identität, die jahrelang kein Thema sein sollte oder nur dann, wenn sie als Problemerklärung herhalten durfte. Nun holen sie sich ihre Herkunft zurück. Es klingt martialisch. Aber die Botschaft ist klar: Wir sind da. Wir sind viele. Wir sind laut. Wir haben etwas zu sagen. Wir wollen gehört werden. Ost! Ost! Ostdeutschland! (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=M31jeUEJvmg" target="_blank" rel="noopener">Youtube</a>, 2019).</p>
<p>Zweitausendvierungszwanzig. Es sind Ossiwochen bei ARD und ZDF, denn die Landtagswahlen in Thüringen, Brandenburg, Sachsen stehen vor der Tür. Gebannt schauen die Medien auf der Landkarte nach rechts. Medial wurden die Stadionrufe von 2019 inzwischen erhört. Es gibt zahlreiche gut beobachtete Dokus und vielschichtige Filme zu ostdeutschen Geschichten. Künstler, Sportler, Politiker: Immer mehr Menschen bekennen sich bewusst zur ostdeutschen Biografie und sprechen öffentlich darüber. Das ostdeutsche Wir ist fast schon Dauerthema. Wer es als Ossi will, kann sich im gesellschaftlichen Diskurs wiederfinden. Wer es nicht will, kann das auch weiterhin ignorieren. Strukturell hat sich unterdessen wenig geändert. Die Lohnlücke bleibt, die Vermögenslücke sowieso. Und auch die Repräsentation in den Eliten bleibt weit weg vom Bevölkerungsanteil. Aber immerhin: Ostdeutsche Identität wird inzwischen besprochen und erklärt. Das Schweigen ist gewichen. Die Stimmen des Ostens sind hörbar.</p>
<hr>
<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Wann trägt das vorgetragene Wir eher zur Spaltung bei als zur Solidarität?”</strong></span></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Gut, dass wir darüber sprechen</span></h2>
<p>Vom eigenen Wir zu berichten ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Manche verschweigen lieber das Wir, zu dem sie gehören. Andere erzählen im kleinen Kreis ihre persönliche Wir-Geschichte. Manche schreien ihr Wir laut heraus. Andere berichten differenziert, wissenschaftlich, statistisch und erklären damit ihr Wir.</p>
<p>Wenn das eigene Wir auf der Sonnenseite der Gesellschaft steht, kann man ganz gut damit umgehen und sich darauf beziehen. Wir Begüterten. Wir Europäer. Wir Jungen. Wir Westler. Diese beispielhaft ausgewählten Identitäten machen den Zugehörigen das Leben im Zweifel immer ein bisschen leichter als es beim gegenüberliegenden Ihr der Fall ist. Bei den Armen. Den Nicht-Europäern. Den Alten. Oder auch: den Ossis.</p>
<p>Es ist durchaus charmant, romantisch, angenehm rebellisch, wenn sich Gruppen, die im Schatten stehen, selbst ermächtigen, ihre Geschichten zu erzählen und die Gesellschaft dazu bringen, sich ihrer Anliegen anzunehmen; und sei es nur, indem man sie anhört. Die Geschichte hat es oft genug gezeigt: Wir Arbeiter. Wir Frauen. Wir Schwarzen. Wir Queere.</p>
<p>Mit einer erstarkenden ostdeutschen Zivilgesellschaft, aber auch einer erstarkenden „lokalpatriotischen“ Politik, hat sich der Umgang mit dem ostdeutschen Wir in den letzten Jahren verändert. „Ost! Ost! Ostdeutschland!“ wurde zur extremen Ausprägung der Nachaußenstellung einer Identität, die jahrelang verleugnet oder gar belächelt wurde. Ostdeutsche Geschichten wurden nun in Bücher geschrieben, Filme wurden gedreht, dokumentarisch und prosaisch sind die Geschichten von Ostdeutschen an die Oberfläche geholt worden. Während eine Gruppe von Ossis dabei die Stärken des Ostens betonte, um das ostdeutsche Wir positiv aufzuladen, erzählte eine andere Gruppe von Ossis die Opfergeschichte des ostdeutschen Wir. Wir oder Wir? Man kann aus vielen Perspektiven draufschauen. Letztlich ist an beiden Geschichten etwas dran.</p>
<div id="attachment_7667" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7667" class="wp-image-7667" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/DIAO_Menzel_Abb02_Dynamo_YouTube_TheWalkingFerenc.jpg" alt="Fans von Dynamo Dresden in Hamburg, 11. Februar 2019. Abbildung: Youtube, The Walking Ferenc" width="600" height="338"><p id="caption-attachment-7667" class="wp-caption-text">Fans von Dynamo Dresden in Hamburg, 11. Februar 2019. Abbildung: Youtube, The Walking Ferenc</p></div>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-7670" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/DIAO_Menzel_Abb01_QR-Code_kurzlinks-de-4ao0.png" alt width="200" height="200"></p>
<h2><span class="title-bg">Vorsicht an der Bahnsteigkante</span></h2>
<p>Eine emanzipatorische Erfolgsgeschichte kann auch kippen. Irgendwann sind die Storys gesellschaftlich auserzählt. Dann werden die Geschichten aus dem Osten wie der berühmte Besuch, der mit dem Fisch verglichen wird: nach drei Tagen fängt er an zu stinken. Nun ist zu entscheiden: Haben wir den dritten Tag in unserer gesellschaftlichen Debatte schon erreicht? Fördern noch mehr Geschichten vom ostdeutschen Wir das Erreichen ostdeutscher Interessen? Oder stärken sie nur den Gegensatz zwischen Wir und Ihr? Wann trägt das vorgetragene Wir eher zur Spaltung bei als zur Solidarität?</p>
<p>Wissenschaftlich betrachtet sind die Ostdeutschen natürlich nicht die erste gesellschaftliche Gruppe, die durch diese Phasen der Identitätspolitik geht.</p>
<p>Silke van Dyk, Kölner Professorin an der Uni Jena (sic!), hat 2019 in der Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“ über Identitätspolitik, ihre innewohnenden Widersprüche und daran geäußerte Kritik geschrieben: Wo Frauen oder Schwarzen angelastet werde, dass sie sich für ihre Belange und nicht für Menschen im Allgemeinen einsetzen, werde verkannt, dass dies die Antwort auf ein gesellschaftlich zugeschriebenes Stigma sei. Dieser Einsatz sei verbunden mit der Paradoxie, dass die Diskriminierung nur schwer ohne Rückbezug auf die in der Abwertung zugewiesene Differenz sichtbar gemacht werden kann. Gegenüber stünden sich die beiden Positionen, ob Widerstand „über eine bewusste Aneignung der Negation“ gelingen kann oder die Dekonstruktion der Differenzkategorie das Ziel sein sollte. Wie mit diesem Dilemma umzugehen sei, ist – entgegen dem Vorwurf, Identitätspolitik zementiere generell Unterschiede – kontrovers debattiert worden.</p>
<div id="attachment_7668" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7668" class="wp-image-7668" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/DIAO_Menzel_Abb03.jpg" alt="Garagenaufschrift in Polenz, Neustadt, Sachsen: „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht dieser Welt verändern.“ Abbildung: Lupus in Saxonia, CC BY-SA 4.0" width="600" height="352"><p id="caption-attachment-7668" class="wp-caption-text">Garagenaufschrift in Polenz, Neustadt, Sachsen: „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht dieser Welt verändern.“ Abbildung: Lupus in Saxonia, CC BY-SA 4.0</p></div>
<p>Sie beschreibt die Phasen der Identitätspolitik, indem sie den Kulturtheoretiker Stuart Hall zitiert. Er unterscheidet im Lichte dieses Spannungsfeldes eine Identitätspolitik ersten und zweiten Grades. Erstere besteht in der notwendigen „Konstituierung einer defensiven kollektiven Identität“ als Antwort auf die Angriffe der „Mehrheitsgesellschaft“. Eine solche defensive Identität könne aber immer nur ein erster Schritt der Sichtbarmachung auf dem Weg zu einer neuen Politik des pluralen Gemeinsamen sein. Eine Identitätspolitik zweiten Grades dekonstruiert die im ersten Schritt der Verteidigung stark gemachten Identitäten und nimmt die Vielfalt der Einzelpositionen und die Vielfalt der Erfahrungen derjenigen in den Blick, die beispielsweise unter der Identität „schwarz“ zusammengefasst werden. Hier geht es darum, die herrschaftsförmige Differenz („schwarz-weiß“) nicht (mehr) zu bestätigen, sondern sie zu durchkreuzen (vgl. Stuart Hall: „Alte und neue Identitäten, alte und neue Ethnizitäten“, in: ders.: „Rassismus und kulturelle Identität. Ausgewählte Schriften 2“, Hamburg 1994, S. 78).</p>
<p>Die Stimme der ostdeutschen Sache ist inzwischen stark. Das Thema ist angekommen. Die Problematiken sind nach innen wie nach außen bekannt. Folgen wir den Gedanken der Wissenschaftler, stehen die Ostdeutschen am Übergang der Identitätspolitik ersten Grades zu der zweiten Grades.</p>
<p>Als Ostdeutscher konnte man bis dato schwerlich seine Themen vortragen, ohne dabei die Unterschiedlichkeit des Ostens oder der Ostdeutschen betonen zu müssen. Nun muss das zuvor abwertend genutzte Etikett „ostdeutsch“ entweder bewusst positiv aufgeladen werden oder die Kategorie „ostdeutsch“ muss bewusst vermieden werden, um die Interessen der Ostdeutschen nicht aufgrund ihrer – aus Sicht der Mehrheitsgesellschaft – „nervigen“ Kategorie zu konterkarieren. Diese Debatte braucht es jetzt unter den Ostdeutschen.</p>
<div id="attachment_7669" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7669" class="wp-image-7669" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/DIAO_Menzel_Abb04_Identitaet_Commons.jpg" alt="Installation „Offen-Geschichte- Fragment-Identität-Standpunkt“, Dresden-Gorbitz, von Francois Mchain, 1999. Abbildung: SchiDD, Wikimedia Commons " width="600" height="284"><p id="caption-attachment-7669" class="wp-caption-text">Installation „Offen-Geschichte-Fragment-Identität-Standpunkt“, Dresden-Gorbitz, von Francois Mchain, 1999. Abbildung: SchiDD, Wikimedia Commons</p></div>
<h2><span class="title-bg">Verbündet euch leise!</span></h2>
<p>Meine Überzeugung ist: Je mehr Ostdeutsche ihre Herkunft und Identität zum Gegenstand der öffentlichen Debatte machen, desto mehr schaden sie sich individuell und ihrem kollektiven Anliegen. Öffentliches Einfordern und Aufbegehren für den Osten wird in der Mehrheitsgesellschaft weiterhin häufig nur als Jammer-Ossitum verstanden.</p>
<p>Es braucht den nächsten Schritt. Im Sinne einer Identitätspolitik zweiten Grades ist es wichtig und unverzichtbar, dass die Ostdeutschen sich vernetzen, sich gegenseitig supporten, Positionen anstreben und besetzen und gemeinsam mit anderen Gruppen für ihre Interessen einstehen. Aber: Ein zu lautes „Ost! Ost! Ostdeutschland!“ wird uns dabei nicht weiterbringen.</p>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Torsten Menzel</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>GEBOREN:</strong> 1986/Meißen</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Berlin</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> Lea Ypi: „Frei“, 2023</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN DOKUTIPP:</strong> „Wut. Eine Reise durch den zornigen Osten“, 2024</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Sächsisches Elbtal, Elbkilometer 86</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
</tbody>
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<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/torsten-menzel-wir-ihr-wie-viel-wir-tut-dem-osten-gut/">Torsten Menzel: Wir &amp; Ihr. Wie viel „Wir“ tut dem Osten gut?</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Prof. Dr. Christoph Meinel: Blühende Landschaft. Wie aus einem Todesstreifen eine Oase der Kreativität wurde</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/prof-dr-christoph-meinel-bluehende-landschaft-wie-aus-einem-todesstreifen-eine-oase-der-kreativitaet-wurde/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 May 2026 05:30:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=7646</guid>

					<description><![CDATA[<p>Prof. Dr. Christoph Meinel, Präsident der German University of Digital Science und vormals Institutsdirektor sowie CEO des Hasso-Plattner-Instituts, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7657" class="wp-image-7657" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/Meinel_DIAO2.png" alt="Prof. Dr. Christoph Meinel, Präsident German University of Digital Science, vormals Institutsdirektor und CEO des Hasso-Plattner-Instituts. " width="706" height="1000">Prof. Dr. Christoph Meinel, Präsident German University of Digital [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/prof-dr-christoph-meinel-bluehende-landschaft-wie-aus-einem-todesstreifen-eine-oase-der-kreativitaet-wurde/">Prof. Dr. Christoph Meinel: Blühende Landschaft. Wie aus einem Todesstreifen eine Oase der Kreativität wurde</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Prof. Dr. Christoph Meinel, Präsident der German University of Digital Science und vormals Institutsdirektor sowie CEO des Hasso-Plattner-Instituts, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7646"></span></p>
<div id="attachment_7657" style="width: 716px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7657" class="wp-image-7657" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/Meinel_DIAO2.png" alt="Prof. Dr. Christoph Meinel, Präsident German University of Digital Science, vormals Institutsdirektor und CEO des Hasso-Plattner-Instituts. " width="706" height="1000"><p id="caption-attachment-7657" class="wp-caption-text">Prof. Dr. Christoph Meinel, Präsident German University of Digital Science, vormals Institutsdirektor und CEO des Hasso-Plattner-Instituts. Abbildung: Kay Herschelmann</p></div>
<p>Es ist riskant in der heutigen Zeit, die von sozialer Spaltung und Populismus auf allen Seiten der politischen Lager geprägt ist, Helmut Kohls Vision der blühenden Landschaften für die Entwicklung Ostdeutschlands nach dem Zusammenbruch der DDR in Erinnerung zu rufen. 35 Jahre nach der Wende haben sich die ostdeutschen Bundesländer rasant entwickelt und Freiheit und Wohlstand für ihre Bürger hervorgebracht. Andererseits hat sich das Versprechen des Einheitskanzlers vielerorts nicht materialisiert, sodass das geflügelte Wort allzu häufig nur mit ironischem Zungenschlag gebraucht wird.</p>
<p>Wir dagegen möchten über eine Landschaft in Ostdeutschland berichten, die eine so unwahrscheinliche Entwicklung genommen hat, wie man sie sich nur vorstellen kann: Zwischen Westberlin und Potsdam verlief über viele Jahrzehnte die Berliner Mauer mit ihrem breit angelegten, lebensfeindlichen Todesstreifen auf Seiten der DDR. Ein freies Schussfeld sollte die eingesperrten DDR-Bürger an einer Flucht hindern. Doch schon zehn Jahre nach dem vollkommen unerwarteten Untergang der DDR war in diesem Todesstreifen nicht nur das sprichwörtliche Gras gewachsen, sondern es siedelte sich das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik (heute: HPI für Digital Engineering) an, von den Medien schnell das IT-Lab Deutschlands genannt. Aus diesen mit schlimmsten Erinnerungen verbundenen Ort ist eine blühende Landschaft für Kreativität, Innovation und Wissenschaft geworden.</p>
<p>Das Elite-Wissenschaftsinstitut zieht Talente aus aller Welt an, verfügt über einen globalen Ruf als Innovationstreiber mit universitären Partnerschaften nach Stanford und zum MIT, bringt herausragende wissenschaftliche Erkenntnisse und digitale Anwendungen hervor und ist mit seinen zahlreichen Ausgründungen zum Wachstumskern für die Region geworden. Wieso ist gerade hier gelungen, was an anderen Orten scheiterte? Was ist hier im ehemaligen Grenzgebiet zwischen Westberlin und der DDR passiert, sodass Kohls Vision zur Wirklichkeit werden konnte? Die kurze Antwort darauf vorweg: Politik und Privatinitiative haben in einer Weise zusammengewirkt, die von ideologiefreiem Pragmatismus, Tatendrang und gegenseitiger Anerkennung der jeweiligen Stärken und Schwächen geprägt war.</p>
<hr>
<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Nach 30 Jahren ist nichts mehr von der menschenfeindlichen Wüste des ehemaligen Todesstreifens übriggeblieben. Heute prägen junge Leute das Bild, die zu Innovatoren im Digitalbereich ausgebildet werden.”</strong></span></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Die Gründer: Plattner und Stolpe</span></h2>
<p>Ausgangspunkt für die rasante Entwicklung war die Vision des SAP-Mitgründers Hasso Plattner, der die SAP in den USA groß gemacht hatte. Er wollte, angesteckt von dem Stiftergedanken erfolgreicher Unternehmensgründer dort, in Deutschland ein universitäres Eliteinstitut gründen, das nach dem Stanforder Modell Spitzenforschung eng mit Wissenstransfer zum wirtschaftlichen Anschub verbinden sollte. Er wollte nicht einfach nur ein weiteres Informatik-Uni- Institut gründen – davon gibt es an den deutschen Unis viele –, sondern eine Ausbildungsstätte, die den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen seiner Aktivitäten von Beginn an in Forschung und Lehre berücksichtigte. Am HPI sollte an komplexen und für Wirtschaft und Gesellschaft relevanten IT-Systemen gearbeitet werden. Der erzielte wissenschaftliche Output sollte sich in Innovationen, neuen Produkten und Prozessen materialisieren und so die digitale Transformation in Deutschland voranbringen.</p>
<p>Erste Gespräche zum Standort wurden mit der Berliner Verwaltung geführt. Allerdings entfachte das dort bei den politisch Verantwortlichen keine Euphorie. Eher wurde misstrauisch und ideologisch entgegnet, dass da ja jeder kommen könnte. Ganz anders Manfred Stolpe, erster Ministerpräsident von Brandenburg. Als er in einer gemeinsamen Talkshow von der noch sehr vagen Idee Hasso Plattners hörte, ergriff er mit seiner unideologisch geprägten Weitsicht die Gelegenheit, lud Plattner gleich am nächsten Tag zum Gespräch ein und überzeugte ihn, mit seinem Institut doch nach Potsdam zu kommen. Mit seinem pragmatischen politischen Handeln ermöglichte es Stolpe, einen Ort für das neue Institut zu finden – eben genau auf dem ehemaligen Todesstreifen – und bürokratische Hürden für das Projekt zu überwinden, das sich als ein strategisch ganz wichtiges Vorhaben in Brandenburg herausstellen sollte. Auf Seiten Plattners entwickelte sich durch diese aufkeimende Freundschaft eine besondere Liebe zu Potsdam, der die Stadt und das Land auch in ganz anderen Bereichen einen großen Aufschwung verdanken.</p>
<div id="attachment_7651" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7651" class="wp-image-7651" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/05/HPI-Campus-I_Nicole-Krueger.jpg" alt="Der Campus I des Hasso-Plattner-Instituts. Abbildung: Marie Staggat" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7651" class="wp-caption-text">Der Campus I des Hasso-Plattner-Instituts. Abbildung: Marie Staggat</p></div>
<h2><span class="title-bg">Innovative Institutsstruktur</span></h2>
<p>Für Hasso Plattner war von Anfang an klar, dass sein Projekt nur dann erfolgreich sein würde, wenn es sich einerseits in die deutsche Wissenschaftslandschaft einfügt, aber gleichzeitig Entscheidungsspielräume für Innovationen offenlässt, die öffentlichen Institutionen und Organisationen fehlen. Das HPI wurde als gemeinnützige GmbH verfasst und zunächst als An-Institut an die Universität Potsdam (UP) angegliedert. Als Gastfakultät unterstützte die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät das HPI, Studiengänge einzurichten und Professoren zu berufen. Die eigentliche strukturelle Innovation kam dann 20 Jahre später: 2018 gründete die HPI gGmbH zusammen mit der Universität Potsdam die erste privat finanzierte Fakultät an einer öffentlichen Universität in Deutschland. Die „Digital Engineering Fakultät“ (DEF) der UP war geboren und ist bis heute europaweit ein einzigartiges strukturelles Konstrukt im Rahmen einer Public-Private- Partnership. Es verbindet die Agilität und Finanzkraft des privaten Sektors mit der Verlässlichkeit und den hohen Standards einer öffentlichen Universität. Es ermöglicht schnellere Berufungsverfahren, die Einführung von innovativen neuen Studien- und Forschungsprogrammen und eine enge Anknüpfung an die Privatwirtschaft für einen effektiven Wissenstransfer.</p>
<div id="attachment_7652" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7652" class="wp-image-7652" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/05/HPI-Hauptgebaeude_Nicole-Krueger.jpg" alt="Das Hauptgebäude des Hasso-Plattner-Instituts. Abbildungen: Nicole Krüger" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7652" class="wp-caption-text">Das Hauptgebäude des Hasso-Plattner-Instituts. Abbildung: Nicole Krüger</p></div>
<h2><span class="title-bg">Technische Innovationen</span></h2>
<p>Für Hasso Plattner war schnell klar, dass es nicht ausreicht, Spitzenforschung und -lehre anzubieten, damit die digitale Transformation in Deutschland und Europa gelingt. Deshalb förderte er neben den grundständigen IT-Studiengängen zusätzliche Ausbildungsangebote in der an der Stanford-Universität entwickelten Innovationsmethode des Design Thinking und ein Entrepreneurship- Programm am HPI, um Technologie, Nutzerzentrierung und Geschäftsmodellorientierung in die universitäre Ausbildung der HPI-Studierenden zu integrieren. Die HPID-School zum Beispiel war die erste ihrer Art in Europa und hat seit Gründung über 4.000 Studierende und über 20.000 Professionals im Design Thinking ausgebildet. Aufgrund ihres großen Erfolgs führten zahlreiche Großunternehmen und andere Ausbildungseinrichtungen die HPI-Methode ein; sie ist heute zum Industriestandard im Innovationsmanagement geworden. Die HPI School of Entrepreneurship hat das HPI zu einer der gründerstärksten akademischen Einrichtungen in Deutschland gemacht. So entstanden über 300 Start-ups im HPI-Ökosystem, das entspricht einer Gründerquote von zehn Prozent. Mit Signavio ist auch ein sogenanntes „Einhorn“ aus ihr hervorgegangen, also ein mit über einer Milliarde Euro bewertetes Start-up.</p>
<div id="attachment_7653" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7653" class="wp-image-7653" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/05/Villa_HPI-Campus-II_Nicole-Krueger.jpg" alt="Die Villa auf Campus II. Abbildungen: Nicole Krüger" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7653" class="wp-caption-text">Die Villa auf Campus II. Abbildung: Nicole Krüger</p></div>
<p>Für große Unternehmen ist es unter dem Druck der kurzfristigen Profitabilität oft schwer, langfristige Projekte und disruptive Technologien zu entwickeln, die sich erst nach vielen Jahren auszahlen. Wenige Jahre nach der Gründung des HPIs brachte der Stifter ein akutes technisches Problem an das Institut, das SAP-Ingenieure mit den herkömmlichen Methoden nicht lösen konnten: Wie sieht die Datenbanktechnologie der Zukunft aus, die in der Lage ist, Big-Data- Analysen effizient zu bearbeiten? HPI-Studierende entwickelten dazu, angeregt von Hasso Plattner selbst, einen völlig neuartigen In-Memory-Ansatz. Die Praxistauglichkeit dieses Ansatzes wiesen sie mit einem am HPI entwickelten Prototypen einer In-Memory- Datenbank nach, die große Datenmengen 10.000 Mal schneller verarbeiten konnte als die besten bestehenden Datenbank-Systeme. Dieser Prototyp wurde dann von SAP zur Marktreife gebracht und wird bis heute als SAP HANA weltweit sehr erfolgreich vertrieben – übrigens eine der ganz wenigen großen IT-Innovationen, die nicht aus dem Silicon Valley stammen. Damit war SAP das erste Unternehmen, das Big-Data-Echtzeitanalysen möglich machen konnte und so Geschäftsprozesse global revolutionierte.</p>
<div id="attachment_7654" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7654" class="wp-image-7654" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/05/HPI-Fakultaetseroeffnung-2017_Kay-Herschelmann.jpg" alt="Fakultätseröffnung im Jahr 2017. Abbildung: Kay Herschelmann" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7654" class="wp-caption-text">Fakultätseröffnung im Jahr 2017. Abbildung: Kay Herschelmann</p></div>
<h2><span class="title-bg">Durch Partnerschaft zum Erfolg</span></h2>
<p>Nach 30 Jahren ist nichts mehr von der menschenfeindlichen Wüste des ehemaligen Todesstreifens übriggeblieben. Es ist für keinen, der den HPI Campus heute besucht, noch vorstellbar, dass es an diesem Ort in der Vergangenheit so ganz anders ausgesehen hat. Heute prägen junge Leute das Bild, die zu Innovatoren im Digitalbereich ausgebildet werden. Es ist ein Platz für Spitzenforschung im Digital Engineering, im globalem Austausch mit anderen Eliteforschungszentren wie der Stanford-Universität und dem MIT sowie mit reihenweise neu gegründeten Unternehmen drum herum.</p>
<p>Diese Transformation konnte nur gelingen, weil konsequent ein Public Private Partnership gelebt wurde und jeder Sektor seine eigenen Vorteile ausspielen durfte. Hier kann man sehen, was gelingen kann, wenn man visionäre Menschen zusammenbringt und jenseits von Bedenken – egal, ob durch ideologische Scheuklappen, staatliche Bürokratie oder kurzfristiges Profitinteresse motiviert – in freier kreativer Betätigung einfach einmal machen lässt.</p>
<div id="attachment_7655" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7655" class="wp-image-7655" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/05/HPI-Richtfest-Hauptgebaeude-2009_Kay-Herschelmann.jpg" alt="Richtfest des Hauptgebäudes im Jahr 2009. Abbildung: Kay Herschelmann" width="600" height="399"><p id="caption-attachment-7655" class="wp-caption-text">Richtfest des Hauptgebäudes im Jahr 2009. Abbildung: Kay Herschelmann</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Hasso-Plattner-Institut für Digital Engineering gGmbH</span></h2>
<p><strong>GEGRÜNDET:</strong> 1998/Potsdam<br>
<strong>STANDORT:</strong> Potsdam<br>
<strong>MITARBEITENDE: </strong>circa 500<br>
<strong>WEBSITE:</strong> <a href="https://hpi.de/" target="_blank" rel="noopener">hpi.de</a></p>
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<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Prof. Dr. Christoph Meinel</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>GEBOREN:</strong> 1954/Meißen</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Berlin</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> Yuval Noah Harari: „Eine kurze Geschichte der Informationsnetzwerke von der Steinzeit bis zur künstlichen Intelligenz“, 2024</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
</tr>
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<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/prof-dr-christoph-meinel-bluehende-landschaft-wie-aus-einem-todesstreifen-eine-oase-der-kreativitaet-wurde/">Prof. Dr. Christoph Meinel: Blühende Landschaft. Wie aus einem Todesstreifen eine Oase der Kreativität wurde</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Markus Meckel: 35 Jahre danach. Für ein neues Narrativ von friedlicher Revolution und deutscher Einheit</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/markus-meckel-35-jahre-danach-fuer-ein-neues-narrativ-von-friedlicher-revolution-und-deutscher-einheit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 May 2026 05:30:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=7407</guid>

					<description><![CDATA[<p>Markus Meckel, letzter Außenminister der DDR und Mit-Gründer der Sozialdemokratische Partei der DDR (SDP), SPD, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7637" class="wp-image-7637 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/Meckel_DIAO2.png" alt="Markus Meckel, letzter Außenminister der DDR, Mit-Gründer Sozialdemokratische Partei der DDR (SDP) SPD. Abbildung: Emanuela Danielewicz" width="704" height="1000">Markus Meckel, letzter Außenminister der DDR, Mit-Gründer Sozialdemokratische Partei der DDR (SDP), [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/markus-meckel-35-jahre-danach-fuer-ein-neues-narrativ-von-friedlicher-revolution-und-deutscher-einheit/">Markus Meckel: 35 Jahre danach. Für ein neues Narrativ von friedlicher Revolution und deutscher Einheit</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Markus Meckel, letzter Außenminister der DDR und Mit-Gründer der Sozialdemokratische Partei der DDR (SDP), SPD, ist ein wichtiger Impulsgeber für Ostdeutschland. Er setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist er auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</span></p>
<p><span id="more-7407"></span></p>
<div id="attachment_7637" style="width: 714px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7637" class="wp-image-7637 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/Meckel_DIAO2.png" alt="Markus Meckel, letzter Außenminister der DDR, Mit-Gründer Sozialdemokratische Partei der DDR (SDP) SPD. Abbildung: Emanuela Danielewicz" width="704" height="1000"><p id="caption-attachment-7637" class="wp-caption-text">Markus Meckel, letzter Außenminister der DDR, Mit-Gründer Sozialdemokratische Partei der DDR (SDP), SPD. Abbildung: Emanuela Danielewicz</p></div>
<p>35 Jahre ist es her, dass in der DDR geschah, was viele nicht für möglich gehalten hatten: Die DDR erlebte im Herbst 1989 eine friedliche Revolution. Die kleine Opposition der 80er-Jahre organisierte sich neu. Viele hatten vorher die Freiräume der Kirche wahrgenommen, jetzt traten sie aus ihr heraus – zuerst Ende August wir Sozialdemokraten, kurz darauf gründeten wir (noch im Untergrund) formell diese Partei. Wenig später entstanden dann neue Bewegungen und demokratische Netzwerke, das „Neue Forum“, „Demokratie Jetzt“, der „Demokratische Aufbruch“, später erweiterte sich das Spektrum.</p>
<p>Als die SED Anfang Oktober denen, die in den Westen wollten, die Wege über Ungarn erneut versperren wollte, gingen erst Zehn-, dann Hunderttausende an immer mehr Orten auf die Straße und stärkten der demokratischen Opposition den Rücken, sodass die SED und die anderen Blockparteien sie schließlich am „Runden Tisch“ als Gesprächspartner anerkennen mussten. In friedlichen Verhandlungen wurde der Weg zur demokratischen Wahl vorbereitet und diese fand schließlich am 18. März 1990 statt. Am 12. April hatte die DDR nach Koalitionsverhandlungen eine demokratische Regierung und bekannte sich am gleichen Tag in einer Erklärung der frei gewählten Volkskammer zur deutschen Schuld und zur Verantwortung aller Deutschen, die wir angesichts der Verbrechen des Nationalsozialismus tragen. Das hatte die SED immer von sich gewiesen.</p>
<p>Dieser Sieg von Freiheit und Demokratie war jedoch nicht nur eine Erfahrung in der DDR, sie war Teil einer siegreichen mitteleuropäischen Bewegung. Es war eine gewaltfreie Selbst-Demokratisierung der Polen und Ungarn, der Deutschen in der DDR sowie der Tschechen und Slowaken. Ähnliche Prozesse spielten sich etwa in den baltischen Staaten ab und dann auch in Rumänien und Bulgarien.</p>
<hr>
<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Lasst uns aus dem vorläufigen Grundgesetz durch Streichung des Art. 146 eine dauerhafte Verfassung machen!”</strong></span></p></blockquote>
<hr>
<h2><span class="title-bg">Die Ostdeutschen als Objekt der Einheit</span></h2>
<p>In Deutschland fiel im Zuge der friedlichen Revolution am 9. November 1989 die Mauer. Die ganze Welt schaute zu und wusste, dass sich nun viel Neues entwickeln würde. Damit stand plötzlich die Frage nach der Einheit Deutschlands auf der politischen Tagesordnung – und war nicht nur Hoffnung, Traum oder verpflichtende Perspektive des Grundgesetzes.</p>
<p>Doch wie konnte die Einheit erreicht werden? Liest man öffentliche Gedenkreden zum Mauerfall, entsteht der Eindruck, als ob damals Kanzler Helmut Kohl die Einheit geschaffen habe, unterstützt von US-Präsident George Bush sen. und mit letztlicher Zustimmung von Michail Gorbatschow. In dieser Erzählung sind dann die Ostdeutschen Objekt einer Wohltat des Westens. Aus dieser Perspektive entstand dann auch die Deutung einer „Übernahme“ oder gar „Kolonisierung“ der DDR. Doch diese öffentlich prägenden Erzählungen entsprechen nicht den historischen Abläufen.</p>
<p>Mit dem Mauerfall war deutlich geworden, dass die große Mehrheit der Bevölkerung der DDR die deutsche Einheit wünschte. Wer aber sollte die Einheit verhandeln? Für die demokratische Opposition in der DDR war klar, dass man diesen Prozess nicht der nicht gewählten Regierung der SED und der anderen Blockparteien überlassen konnte. Das musste die Aufgabe einer aus demokratischen und freien Wahlen hervorgegangenen Regierung sein! Nur eine solche konnte für Verhandlungen zur deutschen Einheit das Mandat haben. Und so kam es.</p>
<p>Vier Wochen nach dem Fall der Mauer begann der Zentrale Runde Tisch in der DDR. Neben zahlreichen weiteren regionalen Runden Tischen. Hier erfolgten dann auch die ersten Schritte der demokratischen Transformation. In den Verhandlungen am Zentralen Runden Tisch wurde zwischen Dezember 1989 und März 1990 die freie Wahl in der DDR vorbereitet. Der friedliche Übergang in demokratische Verhältnisse begann. Die am 18. März 1990 gewählte und am 12. April etablierte Koalitionsregierung hatte das Mandat, für die DDR-Bürger die Einheit zu verhandeln. Gleichermaßen begann sie unmittelbar mit der Demokratisierung von Staat und Gesellschaft.</p>
<div id="attachment_7639" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7639" class="wp-image-7639" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/Bundesarchiv_Bild_183-1990-0326-017_Markus_Meckel_Ibrahim_Boehme-1.jpg" alt="26. März 1990, Berlin. Der Vorsitzende der Ost-SPD Ibrahim Böhme (rechts) schlägt seinen Stellvertreter Markus Meckel als amtierenden Parteivorsitzenden vor. Abbildung: Bundesarchiv, Bild 183-1990-0326-017/Grimm, Peer/CC-BY-SA 3.0" width="600" height="411"><p id="caption-attachment-7639" class="wp-caption-text">26. März 1990, Berlin. Der Vorsitzende der Ost-SPD Ibrahim Böhme (rechts) schlägt seinen Stellvertreter Markus Meckel als amtierenden Parteivorsitzenden vor. Abbildung: Bundesarchiv, Bild 183-1990-0326-017/Grimm, Peer/CC-BY-SA 3.0</p></div>
<p>Wer hat nun die deutsche Einheit hergestellt? Es macht doch einen grundlegenden Unterschied, ob wir Ostdeutschen in diesem Prozess Objekt oder – wie ich behaupte – Subjekt waren. Wie diese Geschichte erzählt wird, macht da schon etwas aus.</p>
<p>Die große Mehrheit der DDR-Bürger wollte die deutsche Einheit möglichst schnell. Die rechtlich schnellste Möglichkeit wiederum war der „Beitritt zum Geltungsbereich des Grundgesetzes“ nach Art. 23 GG. Dieser Weg wurde dann auch gewählt, wobei die Sozialdemokraten in den Koalitionsverhandlungen darauf bestanden, dass dies auch bilateral nach Aushandlung von Verträgen über die Beitrittsbedingungen geschehen sollte. Mit den Verträgen zur Währungsunion und dem Einigungsvertrag wurden diese Bedingungen der Einheit innerhalb kürzester Zeit ausgehandelt. Entsprechend diesem Weg kann und muss man von einer „verhandelten Einheit“ sprechen, ausgehandelt zwischen zwei demokratischen deutschen Staaten (und mit den Alliierten). Wenn man den Prozess der deutschen Einheit 1989/90 so darstellt, wird deutlich: Die Ostdeutschen sind und waren Subjekt dieses Prozesses.</p>
<p>Man wird die deutsche Einheit als die Glücksstunde der Deutschen im 20. Jahrhundert ansehen müssen: 45 Jahre, nachdem wir Deutschen so viel Tod und Schrecken über ganz Europa gebracht hatten, nach Jahrzehnten der Teilung im Kalten Krieg, konnten wir Deutschen uns in Freiheit und Demokratie vereinigen, mit der Zustimmung unserer europäischen Nachbarn. In diesem Prozess war die dann demokratische DDR nicht Empfänger einer Wohltat, sondern verhandelnde Mitgestalterin.</p>
<div id="attachment_7640" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7640" class="wp-image-7640" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/Bundesarchiv_Bild_183-1990-0412-019_Berlin_Unterzeichnung_der_Koalitionsvereinbarungen-1.jpg" alt="12. April 1990, Berlin. Die an der neuen DDR-Regierung beteiligten Parteien unterzeichnen die Koalitionsvereinbarung. Abbildung: Bundesarchiv, Bild 183-1990-0412-019/Oberst, Klaus/CC-BY-SA 3.0" width="600" height="382"><p id="caption-attachment-7640" class="wp-caption-text">12. April 1990, Berlin. Die an der neuen DDR-Regierung beteiligten Parteien unterzeichnen die Koalitionsvereinbarung. Abbildung: Bundesarchiv, Bild 183-1990-0412-019/Oberst, Klaus/CC-BY-SA 3.0</p></div>
<h2><span class="title-bg">Die DDR hat sich selbst demokratisiert</span></h2>
<p>Bis heute hat die Geschichte der „verhandelten Einheit“ mit den Ostdeutschen als Subjekt in unserer Gedenkkultur keinen angemessenen Ort. Das öffentliche Erinnern schreibt den Ostdeutschen allein die friedliche Revolution zu – die Einheit dagegen gilt als Werk Helmut Kohls. Dem ist zu widersprechen!</p>
<p>Die DDR hat sich, wie die anderen Länder Mitteleuropas, selbst demokratisiert. Nicht die DDR ging unter, sondern die kommunistische Herrschaft in der DDR. Die letzte und kurze Phase einer nun wirklich demokratischen DDR war die entscheidende Voraussetzung für den Prozess zur deutschen Einheit – und ein aktiver Part in diesem Prozess. Diese demokratische DDR und ihre Institutionen haben bis heute kaum Wahrnehmung gefunden, weder politisch noch in der historischen Forschung. Die Regierung der DDR nach der Wahl ist bis heute auch rechtlich nicht als wirklich demokratische Regierung anerkannt. Ihre Staatssekretäre, die im Zuge der Vereinigung zum Teil auch internationale Verhandlungen geführt haben, werden nicht als Teil der Regierung angesehen. Eine historische Darstellung der Positionen der Verhandlungspartner – und ihres Streites darüber – gibt es bis heute nicht. Ebenso wenig entsprechende Quellendokumentationen.</p>
<p>Die friedliche Revolution in der DDR gehört in den Zusammenhang des demokratischen Aufbruchs in ganz Mitteleuropa – einschließlich des Mauerfalls. Der Prozess der deutschen Einheit vom Mauerfall bis zur Vereinigung im Oktober 1990 ist jedoch zusätzlich als aufrechter Gang der Ostdeutschen in diese Einheit zu beschreiben. Die Ostdeutschen wollten diese Einheit nicht nur, sondern trieben sie auch politisch voran und gestalteten sie durch die von ihr gewählte Regierung mit.</p>
<p>Natürlich gab es auch in diesem Prozess vielerlei Schwierigkeiten und Fehleinschätzungen bei den Handelnden in West und Ost. Gleichzeitig gab es oft auch wenig Verständigungsbereitschaft, konsequente Durchsetzung der eigenen Interessen und das Ausspielen der westlichen Dominanz sowie fehlende Empathie und gelegentlich anmaßende Arroganz und Respektlosigkeit gegenüber den Vertretern der DDR. Zu dieser Geschichte gehört aber zugleich auch die Missachtung vieler DDR-Bürger gegenüber den Bemühungen der von ihnen selbst gewählten, eigenen Regierung. Sie verhandelte in deren Interesse und wurde vielfach dadurch geschwächt, dass die eigenen Bürger Verhandlungen als Zeitverschwendung auf dem Weg zu einer schnellen Einheit ansahen. Auch diese Perspektive bedarf noch einer differenzierenden Forschung – und nicht nur pauschaler Anklagen.</p>
<div id="attachment_7641" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7641" class="wp-image-7641" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/Berlin_Russian_rally_in_support_of_Ukraine_asv2024-02-25_img08-1.jpg" alt="25. Februar 2024, Berlin. Kundgebung zur Unterstützung der Ukraine am Brandenburger Tor. Abbildung: A. Savin, Wikipedia" width="600" height="480"><p id="caption-attachment-7641" class="wp-caption-text">25. Februar 2024, Berlin. Kundgebung zur Unterstützung der Ukraine am Brandenburger Tor. Abbildung: A. Savin, Wikipedia</p></div>
<h2><span class="title-bg">Eine neue Verfassung</span></h2>
<p>Im Zuge der Vereinigung vor 35 Jahren ist viel über die Verfassungsfrage gestritten worden. Angesichts der Vereinigung der Deutschen auf dem rechtlich am leichtesten und schnellsten machbaren Weg des Beitritts nach Art. 23 GG wurde die Gefahr benannt, dass die Ostdeutschen nur als Hinzugekommene wahrgenommen werden. Deshalb wurde die Forderung erhoben, auf der Grundlage des Grundgesetzes eine neue Verfassung zu erarbeiten, die dann von allen Deutschen in Ost und West mit gleichwertiger Stimme in einem Volksentscheid verabschiedet werden sollte. Das wurde von der Bundesregierung damals abgelehnt, was zu mancher bis heute wirksamen Enttäuschung führte.</p>
<div id="attachment_7791" style="width: 422px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7791" class="wp-image-7791" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/10/Meckel_neu.jpg" alt="„Nicht die DDR ging unter, sondern die kommunistische Herrschaft in der DDR“, sagt Markus Meckel. Abbildung: Emanuela Danielewicz" width="412" height="600"><p id="caption-attachment-7791" class="wp-caption-text">„Nicht die DDR ging unter, sondern die kommunistische Herrschaft in der DDR“, sagt Markus Meckel. Abbildung: Emanuela Danielewicz</p></div>
<p>Gerade wurde der 75. Jahrestag des Grundgesetzes begangen – und seine große Bedeutung als Grundlagentext unserer Demokratie und Werte hervorgehoben. Wir Ostdeutschen konnten nun auch 35 Jahre Erfahrung sammeln – und sollten bekennen: Hier ist die Demokratie und Freiheit verankert, die wir damals erkämpften und wollten. Es ist die beste aller deutschen Verfassungen.</p>
<p>Doch warum ist das Grundgesetz vorläufig, warum sollten wir auf etwas anderes hoffen oder warten? Angesichts vieler kritischer Anfragen an die Demokratie sollten wir uns heute ihrer vergewissern und sie bekräftigen.</p>
<p>Deshalb: Lasst uns aus dem vorläufigen Grundgesetz durch Streichung des Art. 146 eine dauerhafte Verfassung machen!</p>
<div id="attachment_7643" style="width: 373px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7643" class="wp-image-7643" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/06355_meckel_zu_wandeln_die_zeiten-1.jpg" alt="„Zu wandeln die Zeiten“ – die Erinnerungen von Markus Meckel sind 2020 erschienen. " width="363" height="600"><p id="caption-attachment-7643" class="wp-caption-text">„Zu wandeln die Zeiten“ – die Erinnerungen von Markus Meckel sind 2020 erschienen.</p></div>
<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Markus Meckel</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>GEBOREN:</strong> 1952/Müncheberg (Brandenburg)</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Berlin</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> Nino Haratischwili: „Das achte Leben“, 2014</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Green Border“ von Agnieszka Holland, 2023</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>MEIN URLAUBSTIPP:</strong> Altenkirchen auf Rügen</span></p>
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<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
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<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/markus-meckel-35-jahre-danach-fuer-ein-neues-narrativ-von-friedlicher-revolution-und-deutscher-einheit/">Markus Meckel: 35 Jahre danach. Für ein neues Narrativ von friedlicher Revolution und deutscher Einheit</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Dr. Katrin Leonhardt: Wurzeln und Wandel. Der Osten bleibt Gestaltungsraum</title>
		<link>https://ostdeutschland.info/dr-katrin-leonhardt-wurzeln-und-wandel-der-osten-bleibt-gestaltungsraum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Nehring]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 05:30:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelband]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostdeutschland.info/?p=7330</guid>

					<description><![CDATA[<p>Dr. Katrin Leonhardt, Vorstandsvorsitzende der Sächsischen Aufbaubank - Förderbank - (SAB), ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7336" class="wp-image-7336 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/Leonhardt_DIAO2.png" alt="Dr. Katrin Leonhardt, Vorstandsvorsitzende Sächsische Aufbaubank - Förderbank - (SAB). Abbildung: Hendrik Schmidt, SAB" width="705" height="1000">Dr. Katrin Leonhardt, Vorstandsvorsitzende Sächsische Aufbaubank - Förderbank - (SAB). Abbildung: Hendrik Schmidt, SAB<br />
Das kleine Städtchen Lieberose nah [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/dr-katrin-leonhardt-wurzeln-und-wandel-der-osten-bleibt-gestaltungsraum/">Dr. Katrin Leonhardt: Wurzeln und Wandel. Der Osten bleibt Gestaltungsraum</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dr. Katrin Leonhardt, Vorstandsvorsitzende der Sächsischen Aufbaubank - Förderbank - (SAB), ist eine wichtige Impulsgeberin für Ostdeutschland. Sie setzt sich ein für Vergewisserung, Verständigung und Versöhnung. Mit diesem Beitrag ist sie auch im zweiten Sammelband „Denke ich an Ostdeutschland ...“ vertreten.</p>
<p><span id="more-7330"></span></p>
<div id="attachment_7336" style="width: 715px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7336" class="wp-image-7336 size-full" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/Leonhardt_DIAO2.png" alt="Dr. Katrin Leonhardt, Vorstandsvorsitzende Sächsische Aufbaubank - Förderbank - (SAB). Abbildung: Hendrik Schmidt, SAB" width="705" height="1000"><p id="caption-attachment-7336" class="wp-caption-text">Dr. Katrin Leonhardt, Vorstandsvorsitzende Sächsische Aufbaubank - Förderbank - (SAB). Abbildung: Hendrik Schmidt, SAB</p></div>
<p>Das kleine Städtchen Lieberose nah am Spreewald war in meiner Jugend in den 70er-Jahren nur einer von vielen Orten in Brandenburg. Wer hier aufwuchs und etwas erreichen wollte, musste die Ärmel hochkrempeln. Meine Eltern waren Lehrer. Bildung war bei uns zu Hause selbstverständlich und ließ mich früh erahnen, dass der Zugang zu Wissen und systematischem Denken Türen öffnen kann. Ich wollte unbedingt studieren und schaffte als Einzige unter 50 Schülern meines Jahrgangs den Zugang zum Abitur.</p>
<p>Leistung lohnt sich, dachte ich. Vom hochfliegenden Wunsch eines Jurastudiums an der Humboldt-Uni landete ich mit Rechnungsführung und Statistik an der Karl-Marx-Universität Leipzig auf dem Boden der damaligen Tatsachen. Die DDR-Führung hatte meinen Studienwunsch dorthin gelenkt, weil die Planwirtschaft „Wirtschaftskapitäne“ brauchte. Nicht resignieren und aufgeben, sondern dranbleiben am eigenen Weg, auch wenn es Umwege braucht, wurde für mich zur Haltung. Viele aus meiner Generation lernten durch verordnete Umwege Ausdauer und Resilienz. Prägende Eigenschaften, deren Bedeutung mir erst später bewusst wurde und die wir in Ostdeutschland heute wieder mehr denn je gebrauchen können.</p>
<p>Die Wendezeit erlebte ich zwischen dem Uniriesen und der Moritzbastei in Leipzig. Die Montagsdemonstrationen, das Hoffen, das Zweifeln, schließlich die Nachricht vom offenen Grenzübergang – all das hat mich tief bewegt. Es war eine Zeit, in der Veränderung greifbar wurde. Und in der viele lernten: Zukunft beginnt da, wo Menschen Verantwortung übernehmen und sich verbinden.</p>
<p>Die Mauer fiel und damit öffnete sich eine neue Welt – eine Welt voller Chancen, aber auch voller Unsicherheiten. In dieser Zeit wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, sich in einer Welt des Wandels nicht nur anzupassen, sondern diese aktiv zu gestalten. Mit der Aufbruchstimmung der Wende im Rücken wurde ich als eine von wenigen Absolventen der DDR 1990 für ein Masterstudium an der University of Sussex ausgewählt. Mit rudimentären Englischkenntnissen im Gepäck ließ ich mich auf das Unbekannte ein. Ich beklebte alle Wände meiner kleinen Studentenbude mit Vokabel-Post-its, lernte unermüdlich und schaffte einen guten Abschluss. Diese Einstellung begleitet mich bis heute: mutig neue Wege gestalten, sich ständig weiterentwickeln durch innovative und pragmatische Lösungen, aber auch durch Disziplin und intensive Arbeit.</p>
<p>Die ersten Jahre nach dem Mauerfall bedeuteten neben dem äußeren auch einen inneren Wandel der Gesellschaft. Viele, die sich in der DDR eingeengt gefühlt hatten, entdeckten neue Möglichkeiten. Der äußere Übergang von einem System in ein anderes stellte uns vor die innere Frage: Was machen wir mit diesen neuen Chancen?</p>
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<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Im Osten gibt es Potenzial, Klarheit, Bodenhaftung. Es gibt den Wunsch, etwas zu bewegen.”</strong></span></p></blockquote>
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<h2><span class="title-bg">Förderung neu denken</span></h2>
<p>Nach meiner Promotion zur Wohnungspolitik im vereinten Deutschland durfte ich im Sächsischen Innenministerium an der Wohnungspolitik und -förderung mitwirken. Später folgten 20 Jahre bei der KfW-Bankengruppe in Frankfurt/Main, Berlin und Bonn, die für mich prägend waren. Förderung wurde mein Beruf, um vielen Menschen, egal aus welchem „Lieberose“ sie kommen, Chancen zu eröffnen. Sie kann ganze Regionen stärken – gerade dort, wo Strukturen im Wandel sind. Ich bin überzeugt, dass Förderung wirkt, wenn sie gezielt und nachvollziehbar eingesetzt wird.</p>
<p>Doch in den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass Förderung auch lähmen kann. Komplexe Förderprozesse und unübersichtliche Programme überfordern mit Bürokratie und Intransparenz. Zudem ist festzustellen, dass sich bei der Wahl der Finanzierungsinstrumente mit der Zeit eine starke Tendenz in Richtung Zuschuss entwickelt hat, die in Zeiten knapper Kassen an ihre Grenzen stößt. Förderung ist ein gutes Beispiel dafür, dass immer mehr nicht immer besser ist. Wir müssen uns ehrlich fragen: Hat das Zukunft – oder kann das weg? Zahlt die Förderung auf die Prioritäten ein, die wir heute und künftig haben? Es geht nicht um „viel hilft viel“, sondern um Relevanz, Wirkung und Zukunft. Die Zeit zum Handeln ist gekommen. In Sachsen konnten wir in der Fördervereinfachungskommission II bereits 2022 eine ehrliche Bestandsaufnahme vornehmen und 17 weitreichende Empfehlungen abgeben. Vieles fand Eingang in den aktuellen Koalitionsvertrag der sächsischen Staatsregierung.</p>
<p>Auf Bundesebene hat der Sustainable-Finance-Beirat der Bundesregierung zu Jahresbeginn den Befund ebenfalls adressiert. Unter dem Titel „Funding our tomorrow“ werben wir Mitglieder für eine unabhängige Überprüfung aller Bundes- und Landesförderprogramme, um die Subventionsvielfalt, -höhe und -wirkung auf Nachhaltigkeitsziele und mögliche Überschneidungen und Synergien transparent zu machen. Wir machen uns stark für einfache und standardisierte Berichtspflichten und Wirkungsmessung sowie konsolidierte Förderinstrumente.</p>
<p>Was wir brauchen, ist eine Rückbesinnung auf das Wesentliche auf allen staatlichen Ebenen: Förderung als Mittel zum Zweck, als Anreizsetzung, nicht als Dauerlösung. Förderpolitik sollte den Mut zur Lücke haben – zur gezielten Auswahl statt zur Gießkanne. Und zur stärkeren Mobilisierung von privatem Kapital und Engagement. Nur so lässt sich Bürokratie abbauen und Vertrauen zurückgewinnen. So gewinnen wir Spielraum zur Unterstützung von Zukunftsthemen!</p>
<div id="attachment_7342" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7342" class="wp-image-7342" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/SAB-Leipzig-Fotoquelle-Albrecht-Voss.jpg" alt="Unternehmenssitz der Sächsischen Aufbaubank in Leipzig. Abbildung: Albrecht Voss" width="600" height="400"><p id="caption-attachment-7342" class="wp-caption-text">Unternehmenssitz der Sächsischen Aufbaubank in Leipzig. Abbildung: Albrecht Voss</p></div>
<h2><span class="title-bg">Digitalisierung mit Haltung</span></h2>
<p>Als ich 2020 zur Sächsischen Aufbaubank (SAB) kam, war das ein Heimkommen mit Verantwortung. Wie zur Wendezeit sah ich Chancen, die ich mitgestalten wollte – in der Überzeugung, dass gerade der Osten Raum für Neues bietet. Seit 2020 verfolgen wir in der SAB ein klares Ziel: Wir wollen uns zukunftsfähig, beweglich und wirksam aufstellen, um die nachhaltige und digitale Transformation in Sachsen zu unterstützen. Seither haben wir uns wirtschaftlich, prozessual und technologisch kontinuierlich weiterentwickelt. Heute bewältigen wir deutlich schneller deutlich mehr Fördervolumen und Darlehensgeschäft mit weniger Personal. Dies wurde möglich durch eine stark gestiegene Digitalisierung unserer Förderprozesse. Konnten 2020 nur 24 Programme digital beantragt werden, sind es heute über 130.</p>
<p>So wird Förderung als Pars pro Toto ein Sinnbild für die notwendige Modernisierung unseres Landes. Digitalisierung ist jedoch nur ein Teilgarant für Fortschritt. Erst die Kombination aus moderner Technik, klaren Prozessen und einer Haltung, die auf Transparenz und Zusammenarbeit setzt, entfaltet echte Transformationskraft. Diese Haltung entwickeln wir weiter – in der SAB, aber auch in der Zusammenarbeit mit Ministerien, Kunden und Partnern. Es geht darum, dass wir die Art und Weise, wie wir miteinander arbeiten, neu denken. Die digitale Transformation muss in den Köpfen beginnen – sie muss ein kultureller Wandel sein.</p>
<div id="attachment_7343" style="width: 446px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7343" class="wp-image-7343" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/Photo-3.jpg" alt="Dr. Katrin Leonhardt mit (links) Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum 2025. Abbildung: David Brähler " width="436" height="600"><p id="caption-attachment-7343" class="wp-caption-text">Dr. Katrin Leonhardt (rechts) mit Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum 2025. Abbildung: David Brähler</p></div>
<h2><span class="title-bg">Verwaltung als Ermöglicherin</span></h2>
<p>Die Pandemie war Zäsur und Katalysator zugleich. Sie hat uns gezeigt, wie verletzlich Systeme sind und wie schnell sich alles ändern kann. Wir leben nicht mehr in einer VUCA-, sondern in einer BANIWelt: brüchig, ängstlich, nicht-linear, unbegreiflich. In solchen Zeiten braucht es eine neue Führungskultur. Vertrauen statt Kontrolle. Kooperation statt Silodenken. Haltung statt Formalismus. Vernetztheit statt Alleingänge.</p>
<p>In der SAB haben wir daraus Konsequenzen gezogen. Wir haben diesen Anspruch in unseren umfassenden Strategie- und Transformationsprozess von Anfang an einfließen lassen. Wir verfolgen eine integrierte Weiterentwicklung in den drei Dimensionen Strategie, Strukturen/Prozesse und Kultur. Iterativ, lernend, an der Wertschöpfung orientiert, partizipativ und messbar. Dabei dauert vieles immer noch sehr lange und auch Rückschläge bleiben nicht aus: „Sometimes we win, sometimes we learn.“ Ich nehme wahr, wie im Kleinen noch sehr langsam, aber immerhin eine neue Vision von öffentlicher Verwaltung entsteht. An die Stelle von Kontrollieren, Regulieren und Sanktionieren tritt immer häufiger Ermöglichen, Wege bereiten, partnerschaftlich unterwegs sein. Dafür müssen wir uns noch dringlicher fragen: Bringt etwas wirklich Mehrwert und Wirkung, was ist das Ergebnis oder verwalten wir den Status quo? Diese Frage ist unbequem, aber notwendig, damit staatliche Institutionen künftig mehr Vertrauen schaffen, Orientierung geben und Innovationen ermöglichen. Wenn wir sie neu denken – mit klarem Kompass und echtem Gestaltungswillen.</p>
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<div id="attachment_7344" style="width: 460px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7344" class="wp-image-7344" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/Photo-2.jpg" alt="Dr. Katrin Leonhardt (links) mit der Ostbeauftragten der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum 2025. Abbildung: David Brähler" width="450" height="600"><p id="caption-attachment-7344" class="wp-caption-text">Dr. Katrin Leonhardt (links) mit der Ostbeauftragten der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum 2025. Abbildung: David Brähler</p></div>
<h2><span class="title-bg">Ostdeutsche Perspektiven einbringen</span></h2>
<p>Auch nach 35 Jahren sind die DDR-Prägung und die Wendeerfahrung Ostdeutscher regelmäßig Thema. Statistiken und Umfragen belegen unterschiedliche Entwicklungen und Wahrnehmungen zwischen Ost und West. Zahlen zeigen, dass ostdeutsche Biografien unterrepräsentiert sind – in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft. Ich finde es gut, dass ostdeutsche Perspektiven stärker sichtbar werden – nicht per Quote, sondern als Qualität. Ostdeutsche können reflektierte Erfahrungen einbringen, die heute relevant sind: Transformation, Resilienz, Neuorientierung. Die Sozialisation in unterschiedlichen Systemen, unterschiedliche Wertvorstellungen und die Umbrucherfahrungen können zur Vielfalt von Perspektiven beitragen, die unser Land weiterbringen. Ostdeutsche Führungspersönlichkeiten können Brücken schlagen – zwischen alten und neuen Systemen, zwischen Verwaltung und Innovation, zwischen Vergangenheit und Zukunft.</p>
<p>Ostdeutsche Regionen haben enorme Innovationsfähigkeit bewiesen. Der Umbau ganzer Wirtschaftsstrukturen, das Entstehen neuer Netzwerke, die Selbstverständlichkeit, mit weniger Mitteln mehr zu schaffen – das alles verdient mehr Sichtbarkeit. Nicht als Ostalgie, sondern als Kompetenz. Der Osten hat in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass er mit Herausforderungen nicht nur umgehen, sondern auch neue Chancen ergreifen kann.</p>
<p>Ich glaube an die Kraft der Menschen vor Ort, an die Energie engagierter Personen und Institutionen, an die Wirkung klarer Entscheidungen. Ich bin zurückgekommen, weil ich weiß: Im Osten gibt es mehr als Nachwendebiografien. Es gibt Potenzial, Klarheit, Bodenhaftung. Es gibt den Wunsch, etwas zu bewegen. Führung bedeutet für mich nicht, alle Antworten zu haben, sondern die richtigen Fragen zu stellen. Zukunft braucht Haltung, nicht Perfektion. Sie braucht Menschen, die Verantwortung nicht nur annehmen, sondern ausfüllen. Der Osten ist ein Möglichkeitsraum. Wer hier gestalten will, findet Resonanz. Das ist nicht immer leicht – aber es ist wertvoll.</p>
<div id="attachment_7748" style="width: 609px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7748" class="wp-image-7748 " src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2026/05/Mit-Vorstandsmitglied-Ronald-Kothe-und-Beschaeftigten_Quelle-Hendrik-Schmidt-web.jpg" alt="Kommunikation auf Augenhöhe: mit Vorstandsmitglied Ronald Kothe und Beschäftigten. Abbildung: Hendrik Schmidt" width="599" height="399"><p id="caption-attachment-7748" class="wp-caption-text">Kommunikation auf Augenhöhe: mit Vorstandsmitglied Ronald Kothe und Beschäftigten. Abbildung: Hendrik Schmidt</p></div>
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<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1684" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_4c.jpg" alt="Label Impulsgeber Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Sächsische Aufbaubank - Förderbank - (SAB)</span></h2>
<p><strong>GEGRÜNDET:</strong> 1991<br>
<strong>STANDORTE:</strong> Leipzig, Dresden<br>
<strong>MITARBEITENDE:</strong> 1.065<br>
<strong>WEBSITE:</strong> <a href="https://www.sab.sachsen.de/" target="_blank" rel="noopener">sab.sachsen.de</a></p>
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<hr>
<p><a href="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1685" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2024/08/Ost_Button_Impulsgeberin_4c.jpg" alt="Label Impulsgeberin Ost" width="200" height="200"></a></p>
<h2><span class="title-bg">Dr. Katrin Leonhardt</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>GEBOREN:</strong> 1966/Lieberose (Brandenburg)</span><br>
<span style="color: #000000;"><strong>WOHNORT (aktuell):</strong> Leipzig<br>
<strong>MEIN BUCHTIPP:</strong> Ilko-Sascha Kowalczuk: „Freiheitsschock“, 2024<br>
<strong>MEIN FILMTIPP:</strong> „Das Leben der Anderen“, 2006<br>
<strong>MEINE URLAUBSTIPPS:</strong> Schlepzig im Spreewald<br>
</span></p>
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<td><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6691 alignleft" src="https://ostdeutschland.info/wp-content/uploads/2025/09/PV_Buch_DIAO_Band02_Cover_RGB_klein.jpg" alt="Denke ich an Ostdeutschland ... Band 2" width="342" height="484">BUCHTIPP:</strong>
<h2><span class="title-bg">„Denke ich an Ostdeutschland ...“</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">In der Beziehung von Ost- und Westdeutschland ist 35 Jahre nach dem Mauerfall noch ein Knoten. Auch dieser zweite Sammelband will einen Beitrag dazu leisten, ihn zu lösen. Die weiteren 60 Autorinnen und Autoren geben in ihren Beiträgen wichtige Impulse für eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigen Chancen auf und skizzieren Perspektiven, scheuen sich aber auch nicht, Herausforderungen zu benennen. Die „Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Ostdeutschland“ erzählen Geschichten und schildern Sachverhalte, die aufklären, Mut machen sowie ein positives, konstruktiv nach vorn schauendes Narrativ für Ostdeutschland bilden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">„Denke ich an Ostdeutschland ... Impulse für eine gemeinsame Zukunft“, Band 2, Frank und Robert Nehring (Hgg.), PRIMA VIER Nehring Verlag, Berlin 2025, 224 S., DIN A4.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Hardcover und E-Book <a style="color: #000000;" href="https://ostdeutschland.info/denke-ich-an-ostdeutschland/" rel="noopener">hier</a> erhältlich.</span></p></td>
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<p>Der Beitrag <a href="https://ostdeutschland.info/dr-katrin-leonhardt-wurzeln-und-wandel-der-osten-bleibt-gestaltungsraum/">Dr. Katrin Leonhardt: Wurzeln und Wandel. Der Osten bleibt Gestaltungsraum</a> erschien zuerst auf <a href="https://ostdeutschland.info">ostdeutschland.info</a>.</p>
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