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Silicon Saxony: Der Osten baut Zukunft

Kaum ein The­ma sorgt in Deutsch­land regel­mä­ßig für so viel Frust wie ver­spä­te­te Groß­pro­jek­te. Ob Flug­ha­fen, Bahn­stre­cke, Brü­cke oder öffent­li­che Infra­struk­tur. Doch aktu­el­le Indus­trie­pro­jek­te im Bereich der Halb­lei­ter­fer­ti­gung bewei­sen, dass es auch anders geht. Bei­spie­le dafür gebe es in Dres­den, sagt der Bau- und Immo­bi­li­en­ex­per­te Klaus-Peter Stöppler.

Der Bau- und Immobilienexperte Klaus-Peter Stöppler sieht klare Prioritäten und eindeutige Entscheidungsstrukturen als Faktor für erfolgreiche Großprojekte. Abbildung: Klaus-Peter Stöppler

Der Bau- und Immo­bi­li­en­ex­per­te Klaus-Peter Stöpp­ler sieht in kla­ren Prio­ri­tä­ten und ein­deu­ti­gen Ent­schei­dungs­struk­tu­ren Fak­to­ren für erfolg­rei­che Groß­pro­jek­te. Abbil­dung: Klaus-Peter Stöppler

„Die weit ver­brei­te­te Behaup­tung, Deutsch­land kön­ne kei­ne Groß­pro­jek­te mehr erfolg­reich umset­zen, ist schlicht­weg falsch“, erklärt der Bau- und Immo­bi­li­en­ex­per­te Klaus-Peter Stöpp­ler. „Es gibt meh­re­re aktu­el­le Bei­spie­le dafür, dass gro­ße Inves­ti­ti­ons­vor­ha­ben sogar schnel­ler als geplant rea­li­siert wer­den kön­nen“, sagt er mit Ver­weis auf die jüngs­ten Akti­vi­tä­ten von Infi­ne­on und Bosch in Dresden.

Dresdner Halbleitercluster als Vorbild

Im Umfeld des Dresd­ner Halb­lei­ter­clus­ters ent­ste­hen der­zeit – bzw. wer­den deut­lich erwei­tert – Produktions­standorte für Com­pu­ter­chips, die für künst­li­che Intel­li­genz, Elek­tro­mo­bi­li­tät, Indus­trie­au­to­ma­ti­on, Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on und Rechen­zen­tren benö­tigt wer­den. Allein die dort ange­kün­dig­ten Inves­ti­tio­nen bewe­gen sich im zwei­stel­li­gen Mil­li­ar­den­be­reich. Dres­den gilt inzwi­schen als größ­ter Halb­lei­ter­stand­ort Euro­pas. Zum dor­ti­gen Clus­ter gehö­ren neben Infi­ne­on und Bosch auch Glo­bal­found­ries, TSMC/ESMC, X-Fab und Jen­op­tik. Etwa jeder drit­te in Euro­pa pro­du­zier­te Chip stammt aus der Regi­on „Sili­con Saxony“.

Aus Sicht von Klaus-Peter Stöpp­ler liegt der ent­schei­den­de Unter­schied zwi­schen erfolg­rei­chen und geschei­ter­ten Groß­pro­jek­ten nicht in der Tech­no­lo­gie oder der Grö­ße der Inves­ti­ti­on. Wor­an es tat­säch­lich liegt, erklärt er wie folgt: „Fast alle Pro­blem­pro­jek­te wei­sen die­sel­ben Sym­pto­me auf: unkla­re Ziel­set­zun­gen, zu vie­le Ent­schei­dungs­ebe­nen, man­geln­de Ver­ant­wort­lich­kei­ten und eine feh­len­de Gesamt­steue­rung. Erfolg­rei­che Pro­jek­te dage­gen zeich­nen sich durch kla­re Prio­ri­tä­ten und ein­deu­ti­ge Ent­schei­dungs­struk­tu­ren aus.“

Genau die­se Fak­to­ren sei­en bei den erfolg­rei­chen Indus­trie­pro­jek­ten in Dres­den zu beob­ach­ten. Die Inves­to­ren ver­folg­ten einen klar defi­nier­ten wirt­schaft­li­chen Zweck: Chips für KI und Auto­mo­ti­ve. Alle Betei­lig­ten, also Bau­herr, Land und EU, räum­ten den Pro­jekt­zie­len eine hohe Prio­ri­tät ein und die Mil­li­ar­den-Finan­zie­rung habe von Anfang an fest­ge­stan­den. „Sicher­lich auch auf­grund der kla­ren wirt­schafts­po­li­ti­schen Ziel­set­zung und der ver­läss­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen arbei­te­ten Behör­den, Pro­jekt­steue­rer, Pla­ner und aus­füh­ren­de Unter­neh­men ‚her­vor­ra­gend‘ zusam­men.“ Aus­drück­lich lobt Stöpp­ler die enge Pro­jekt­steue­rung durch Stra­bag als Gene­ral­un­ter­neh­mer und Drees & Som­mer als Bau­lei­tung. Eben­so trägt nach sei­ner Ein­schät­zung die enge Ver­zah­nung von Indus­trie und Wis­sen­schaft am Stand­ort Dres­den zum Erfolg bei. Dabei fal­le der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Dres­den und ihrer Trans­fer­ge­sell­schaft Tudag eine Schlüs­sel­rol­le zu.

Milliardeninvestitionen schaffen Wachstum

Klaus-Peter Stöpp­ler betont: „Die Bedeu­tung sol­cher Pro­jek­te reicht weit über die Bau­stel­len hin­aus. Neue Pro­duk­ti­ons­stand­or­te zie­hen Zulie­fe­rer, For­schungs­ein­rich­tun­gen und Dienst­leis­ter an.“ Er weist dar­auf hin, dass rund um den Dresd­ner Halb­lei­ter­stand­ort der­zeit tau­sen­de neue Arbeits­plät­ze und zusätz­li­che Inves­ti­tio­nen in Infra­struk­tur, Ener­gie­ver­sor­gung und Was­ser­auf­be­rei­tung ent­ste­hen. Allein für die Was­ser­ver­sor­gung der expan­die­ren­den Halb­lei­ter­indus­trie inves­tie­re Dres­den mehr als 300 Mil­lio­nen Euro in ein neu­es Fluss­was­ser­werk. Gleich­zei­tig inves­tier­ten wei­te­re Unter­neh­men zusätz­li­che Mil­li­ar­den­be­trä­ge in den Aus­bau ihrer Kapa­zi­tä­ten. „Euro­pas größ­ter Halb­lei­ter­stand­ort erwei­tert sei­ne Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten mas­siv, um die stei­gen­de Nach­fra­ge aus den Berei­chen künst­li­che Intel­li­genz, Elek­tro­mo­bi­li­tät und Digi­ta­li­sie­rung zu bedie­nen“, umreißt Stöpp­ler die Dimen­si­on von „Sili­con Saxony“.

Lehren für andere Großprojekte

Nach Ansicht des Bau- und Immo­bi­li­en­ex­per­ten soll­te die Poli­tik die Erfolgs­fak­to­ren die­ser Pro­jek­te sys­te­ma­tisch ana­ly­sie­ren und auf ande­re Berei­che über­tra­gen. Er gibt zu beden­ken: „Wir dis­ku­tie­ren häu­fig dar­über, war­um Pro­jek­te schei­tern. Viel wich­ti­ger ist die Fra­ge, war­um man­che Pro­jek­te erfolg­reich sind. Die Ant­wor­ten lie­gen bei­spiels­wei­se in Dres­den auf dem Tisch.“

Dazu gehör­ten früh­zei­ti­ge Ent­schei­dun­gen, ein­deu­ti­ge Ver­ant­wort­lich­kei­ten, pro­fes­sio­nel­le Pro­jekt­steue­rung, eine enge Abstim­mung aller Betei­lig­ten sowie eine kon­se­quen­te Ori­en­tie­rung am eigent­li­chen Pro­jekt­ziel. „Sili­con Sax­o­ny ist eine Blau­pau­se, wie sich Deutsch­land auf wich­ti­gen Zukunfts­märk­ten posi­tio­nie­ren kann“, so Stöpp­ler. Er mahnt: „Die Über­tra­gung die­ses Erfolgs­mo­dells auf ande­re Zukunfts­märk­te wie Raum­fahrt, Droh­nen und Robo­tik muss gelin­gen, um Deutsch­land lang­fris­tig eine wirt­schaft­lich attrak­ti­ve Zukunft zu verschaffen.“

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